Emis Leeren

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Emiriel
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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Mo 7. Dez 2020, 11:32

Die Schlachten waren geführt und viele Seelen konnten gerettet werden und doch kam die erwünsche innere Ruhe nicht auf. Stundenlang überlegte und grübelte sie was man noch tun konnte…man hatte ein zweites Silbermond verhindert aber es war knapp gewesen. Die Stadt war unversehrt aber viele Menschen hatten ihr Leben gelassen und das zu einer Zeit die eigentlich für die Freude stehen sollte. Wieder würde das Fest anders verlaufen als sie es sich erhofft hatte…im letzten Jahr waren die Gewürzbrote an die Front gegangen…der arme Jeremiel musste eins nach dem anderen probieren. Kurz schmunzelte sie bei der Erinnerung daran und machte sich an die Zubereitung des Teiges.

Sie war gut darin geworden Zutaten zu mischen und leckere Speisen daraus zu formen. Ein wenig so, wie sie gut darin geworden war, verschiedene Völker und Kulturen zusammen zu rufen und daraus etwas entstehen zu lassen und doch…war es irgendwie so als wäre es nie genug. Etwas was sie in ihrem Inneren so oft gehört hatte…etwas was die Leere ihr immer und immer wieder einflüsterte. Die Stimmen widerten sie an…sie ließen sie Zweifeln wo keine Zweifel nötig waren und Ängste verspüren wo Mut notwendig wäre. Sie ließ sich diese Dinge nach außen nicht anmerken…wie auch…es würde zu nichts führen, außer dass ihre Sorgen auch auf die anderen übergingen.

Und sie war erneut verlassen worden. Erst hatten sich jene von ihr losgesagt die sie immer für ihre Freunde gehalten hatte und nun war auch sie gegangen. Es war nicht so als wäre sie für ewig fort…eher so als hätte sie sich auf eine längst überfällige Reise begeben und Emiriel zurück gelassen. Eine gewisse Verbundenheit war noch da und sie spürte, dass sie nur zu rufen brauchte…aber jemanden zu rufen, wenn man sah, dass dieser Jemand selbst erst einmal mit sich ins Reine kommen musste, fühlte sich falsch an. Sie hatte ein wenig mit Nuniel geredet und in ihr wohl Jemanden gefunden der sie zum Teil verstehen konnte…aber Nuniel war auch grausam. Was sie von Melinu und Alynia erfahren hatte, hatte sie zutiefst schockiert und sie doch irgendwie auch auf sonderbare Weise interessiert. Die Seelen…hatten immer schon eine besondere Anziehung auf sie ausgeübt und…auch wenn das was Nuniel getan hatte sehr grausam schien…so war es doch etwas mächtiges und kraftvolles gewesen. Die letzten Gewürze fanden den weg in den Teig und ein Tuch wurde darüber gelegt um ihn ruhen zu lassen. Mit einem tiefen Atemzug wandte sie sich zum Ausgang des Zeltes wo ein junger mittlerweile fast erwachsener Fuchs auf sie wartete. Ein warmes Lächeln huschte über ihr Gesicht als sie mit dem edlen Tier durch den Leerenriss schritt um einen Spaziergang zu wagen und einen Ausflug in die Stadt zu unternehmen…es gab noch viel für die Speisung zu tun…aber auch ihre Seele brauchte wohl…Ruhe
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Emiriel
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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Sa 19. Dez 2020, 10:28

Selten hatte sie solche Zufriedenheit gespürt...lange war es so als wäre es nie genug gewesen und auch jetzt hörte sie die Stimmen die ihr das immer und immer wieder einflüstern wollten. Aber die zufriedenen Gesichter in die sie blicken dürfte...ihre Brüder und Schwestern die in diesem Jahr der Tradition folgten die sie im letzten Jahr begonnen hatte. Gewürzbrot und Glücksbringer....schon seltsam wie sehr sich dieses Winterhauch von dem im letzten Jahr unterschied. Im letzten Jahr war sie an die Front gekommen...hatte denen die sie liebte diese Geschenke gebracht und den Krieg gesehen...und der Krieg hatte Einzug in ihr Leben gehalten. Der Tod...die Zerstörung...das Leid...all jene Dinge die einem die Kehle zuschnürten und Angst machten. Aber Angst war etwas was lähmte...und sie wollte nicht gelähmt sein. Der Krieg hatte ihr auch gezeigt wofür es sich lohnte zu kämpfen.

Viele waren zur Messe und zur Speisung erschienen...viele hatten ihre Gedanken zum Einfall der Geißel mit ihr geteilt und sie hatte sie niedergeschrieben und mit Bildern versehen. Viele Kohlestifte waren verbraucht worden, aber so wurde wohl etwas Bleibendes geschaffen. Sie legte ihr Exemplar des buches zur Seite und streichelte den jungen Fuchs neben sich. "Baby...wir werden noch viel zu tun haben...die Reise nach Eiskrone steht an...und...das Theaterstück...und die Fortführung des Rates. Und dachtest du ernsthaft ich hätte dich vergessen?" Sie schmunzelte als das Tier sie verständnislos ansah und über ihre Hand leckte. Ein kleines Bündel wurde hervor gekramt und vor das Tier gelegt. Neugierig schnupperte es daran und begann darauf herum zu kauen. "Frohes Winterhauchfest" Flüsterte sie als sie sich erhob und zum Schreibtisch herüber ging. Es war Zeit einige Briefe zu verfassen.
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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Do 28. Jan 2021, 09:30

Sie war müde...so unglaublich müde. Dabei ging es ihr nicht um Schlaf...sondern darum dass all diese Arbeit sie auslaugte. Die Dinge die in und um Sturmwind geschahen wurden immer besorgniserregender und man konnte ihr sicher eine gewisse Panik vorwerfen. Aber sie wollte nicht ohne Schutz mehr in die Öffentlichkeit gehen. Erst dieses Blutgold mit der toten Ratte, dann der Mord im Verlies und nun auch noch irgend welche Kulte die sich anscheinend trafen...hatte das wirklich alles mit ihr zu tun oder war sie einfach nur paranoid geworden? So paranoid, dass sie zum Kronrat Zendyr und Mazzikin mitgenommen hatte. Die beiden waren unerfahren in der Politik und das hatte für Aufsehen gesorgt. Briefe hatten sie erreicht die diplomatische Konsequenzen nach sich zogen, es gab eine Rüge für all jene die beteiligt waren und das vor den Augen aller anderen...sie wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken. Aber stattdessen schwieg sie und versucht die beiden zumindest in gewisser Form zu schützen. Es war nicht der Fehler der beiden gewesen die zu diesen Konsequenzen geführt hatten...nein es war ihr eigenes Versagen und scheitern gewesen. Wieder...war es nicht genug...es war nie genug.

Früher hätte sie mit ihm darüber gesprochen, aber das war nicht mehr möglich. Sie hatte ihn nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Warum auch...sie war es nicht gewesen die gegangen war und sich losgesagt hatte und am Ende hatte sie auf die unangenehme Art lernen müssen was es bedeutet zu führen...an der Spitze ist man einsam weil niemand neben einem steht...

Der Fuchs der mittlerweile schon herangewachsen war lag zusammengerollt auf einer großen Decke. Mit viel Liebe hatte sie einzelne Lebensabschnitte des jungen Tieres in den weichen Stoff gestickt. Alle die sie liebte, hatten in den letzten Monaten eine Decke mit Stickerein erhalten...nur wenige hatten die Bedeutung dieses Geschenks wirklich verstanden...dieses Tier jedoch schon...es war an ihrer Seite geblieben...stumm, dankbar und voller Zuneigung. Sie hatte begonnen ihm Freiraum zu lassen und er dankte es ihr...indem er immer wieder zu ihr zurück kehrte. Eine weitere Lektion die sie hatte lernen müssen....Freiräume zu schaffen und die Kontrolle auch wenn es unangenehm war, aufzugeben.

Die kleine Phiole in ihrer Hand verschwand in einem Kistchen. Sie hatte sie nicht geöffnet.
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