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Fremd in einer fremden Stadt

Verfasst: Di 26. Feb 2019, 22:40
von Ilassan
(Verfasst am: 17. Feb 2018, 11:24)
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Der Morgen war hereingebrochen und doch konnte sich Ilassan nicht dazu bewegen, sich zu erheben. Das Bett war ungewohnt hart, die Umgebung ihm fremd. Er war gestern nicht in den Riss zurückgekehrt, der ihm einst noch so trostlos erschienen war und mittlerweile... doch immer mehr zu einer Heimat wurde.
Die Erinnerung an Silbermond fühlte sich schrecklich fern an. Das heitere Lachen, der süße Wein, die liebliche Musik...

Schon seit einer Stunde starrte er nun an die Decke über sich. Aus Holzbalken, plump und starr aneinandergeschlagen, mit Nägeln gesichert. Für ein Volk, das der Magie so fern war, gaben sich die Menschen zumindest Mühe, sich den Luxus zu sichern, den sie sich erträumten. Und ihre Behausungen waren zu denen der Tauren und Orcs zumindest vor Regen geschützt.
Regen... ja, ständig fiel diese nasse Plörre herunter. Es war so kalt und der Wind brachte nichts Gutes mit sich. Wann würde der Frühling kommen?

Seine Finger waren kalt, als er zum wiederholten Male seine Wange betastete. Geschwollen, nicht gebrochen, nicht wahr? Das war eine gute Nachricht.
"Du kannst dich nicht immer zurückhalten. Wehre dich und beweise, wozu du in der Lage bist. Sie unterschätzen dich."

Erschreckend wurden die Stimmen nur, wenn er nicht mehr zwischen den Einflüsterungen der Leere und seinen Gedanken unterscheiden konnte. Er schweres Seufzen entkam seiner Kehle. "Wir sind nun Verbündete." flüsterte er die Worte in das leere Zimmer, die die hübsche Blondine gestern gesprochen hatte. Wie eine Beschwörung an sich, sie möge Recht behalten. ...Nein, Unrecht hatten sie alle nicht. Aber er würde sich sicher nicht der Angst hingeben.
Dieses neue Leben bot Potential. Sie wollten es nur nicht sehen. Noch nicht.

Die Leere ist ihnen ein Begriff - mehr als das. Ein Feindbild, eine tief verwurzelte Angst. Das hatte er in ihren Blicken lesen können. Und die Leere war gefährlich. Das wusste niemand besser als die Ren'dorei. Niemand neben ihnen hatte sich so oft den Gefahren gestellt und die, die heute noch hier waren, hatten all diese Gefahren gemeistert. Nun hieß es, die neue Existenz zu meistern und schließlich...

Und schließlich... Noch war es ruhig in Sturmwind. Der nächste Krieg würde nicht lange auf sich warten lassen, aber die Wochen der Ruhe waren wichtig, sich zusammenzufinden. Ein gespaltenes Heer, soweit war ihm klar, brachte in der Schlacht zu viele Schwachpunkte mit sich.

Als er sich aufsetzen wollte, schoss der Schmerz durch sein Bein. Ein ekelhaftes Ziehen unter dem Verband erinnerte ihn daran, dass der gewechselt werden musste. Die Rüstung repariert...
Warum hatten die Wunden wie Feuer gebrannt, wenn es doch kein Gift war?
Nachdenklich rieb er über sein Bein und blickte sich nach dem Verbandszeug um. Mit unruhigen Fingern zog er den alten Verband ab und wusch die Wunde aus.

Ein dumpfes Gefühl war weit hinter seinem Verstand verborgen. Zorn.
Und er flüsterte unaufhörlich von Rache. Von einem Plan, den er sich zurechtlegen musste. Nicht mehr, als ein entferntes Dröhnen hinter seiner Stirn.

Re: Fremd in einer fremden Stadt

Verfasst: Di 26. Feb 2019, 22:41
von Ilassan
(Verfasst am: 14. Jan 2019, 00:23)
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Die Nacht hatte ihn völlig verwirrt. Was ein freudiges und schönes Spiel hätte werden können, war dazu Drohungen und Gewalt verkommen.
Wären nicht die Gespräche zum Schluss gewesen, wäre er wohl schon fort. So aber hatte er sich noch die Zeit genommen, aufzuräumen, damit sein Zimmer nicht so verkommen aussah, wie zuvor auch. Er hatte gepackt, wie es nützlich war, hatte sich sogar bei Eveline bedankt, diesem netten Mädchen. Und er hatte an die überraschende Wendung gedacht, die ihm gerade eine Person bereitete, von der er es wohl am wenigsten erwartet hätte.

Und dann war er gegangen.

Keine Nachricht, keine Worte mehr hatte er hinterlassen. Viele wussten ja, dass er sehr oft und lange fort war. Diese wäre keine andere Situation.
Das Zimmer abgeschlossen, nur wenig Proviant am Körper und Ruhe konnte in Sturmwind einkehren, während die Geisterklinge die Grenzen des Landes verließ.

Re: Fremd in einer fremden Stadt

Verfasst: Di 26. Feb 2019, 23:56
von Ilassan
Waren das Vögel, die da draußen schrien, als gäb es keinen Morgen mehr? Waren die Schritte da unten etwa von Elekks? Und vor allem: War das sein Körper, der wie ein Wrack jeden Dienst versagte?
Mittlerweile war er allein – wie oft war er wieder eingeschlafen? Ein schmerzhafter Blick aus den schmalen Augen verriet ihm, dass das nicht einmal sein Zimmer war.
„Belore…“ keuchte eine heisere Stimme, die vielleicht seine sein könnte, dann wälzte er sich schwerfällig zur Seite und kämpfte gegen den Würgereiz an.
Als habe ihm jemand einen dieser schweren Eisenschilder gegen den Kopf gezimmert, fühlte er sich, und als der unstete Blick den Boden abtastete und die leeren Flaschen versuchte zu zählen, wusste er, dass es nur verdient war.
Weg hier. Das war so ein Gedanke, der schnell kam. Wie?! folgte auch schnell. Mit tiefem Stöhnen verließ er das Bett, zog die Kleidung irgendwie zurecht, dann wankte er grob fahrlässig gen der Tür, die ihn aus dem Zimmer bringen sollte. Es war nicht weit bis zu seinem – das war doch gut. Denn auf halben Weg schon blieb er stehen, hielt sich an dem erstbesten Geländer fest, das seiner Hand nicht entkam und presste die andere Hand auf seinen Mund. Warten… atmen… warten… atmen… Immer den gleichen Punkt ansehen.
Ein Glück, sagte eine zynische Stimme in ihm …dass niemand hier ist… Auf der anderen Seite war das gerade ein Gedanke, der so fern war, dass er sich nicht einmal darum bemühte, diese Idee auch zu prüfen. Eine Tür – seine Tür! Der Schlüssel passte. Er schloss auf und stolperte hinein, nur um gleich danach mit dem Rücken die Tür zu schließen und kraftlos daran herunterzusinken. Die Knie zog er an, den Kopf senkte er darauf. Die Augen schloss er.
Er hatte vergessen, was folgte, als er den ersten Schluck genommen hatte… Er wollte vergessen, was davor geschehen war. Aber wie es die bittere Ironie wollte, kamen gerade die Gedanken daran zurück. Er kam sich wie ein Idiot vor – nun, gerade war er einer – aber warum war er nicht früher gegangen? Ob das alles überhaupt irgendetwas bewirkt hatte? Vermutlich war es nun einfach schlimmer geworden. Und diese Vorwürfe… voller Hohn wiederholten seine Gedanken die Worte wieder und wieder, die er in Rum ertränken wollte.
Kämpfe nicht zu sehr. Sie erwartet von dir nicht mehr. Dreh ihr den Hals um.
Ein tiefes, missmutiges Brummen entrang seiner Kehle, als er die Faust ballte und gegen die Tür schlug. Der Knall war laut genug, um die Stimme in seinem Kopf zu vertreiben. Für einen kleinen Moment. Sie waren zu laut in letzter Zeit. Und nun hatten sie Futter bekommen.
Dreh ihr den Hals um, dann wird es leichter. echote es. Er grub die Finger tiefer in sein Haar. „Nichts wird das ändern.“ Dann wird es leichter. „Wird es nicht!“ überrascht, dass die heisere Stimme doch noch etwas Kraft finden konnte, hob er den Kopf. Der Blick war etwas leer.

Er musste etwas tun.


Nur kurze Zeit später roch er nicht mehr nach einer Schnapsbrennerei – er fühlte sich nur so. Das Bad hatte einen sanften Geruch von Kräutern auf seine Haut gezaubert und als er seine Sachen recht ziellos in die Tasche steckte, meldete sich immer wieder sein Magen – sein Kopf erst recht. Schlimmer aber war, dass er geantwortet hatte. Er hatte den Stimmen gezeigt, dass er sie ernst nahm. Und… er hatte vergessen, damit wieder aufzuhören. Sturmwind war ein netter Zeitvertreib. Das Wort ließ ihn schon wieder die Faust ballen. Als er die Skizze sah, die zwischen seinen Fingern zerknitterte, tat es ihm leid. Die Augen auf dem Papier starrten ihn feindselig an. „Das war es nicht, und wird es nicht sein…“ knurrte er zurück. Dass auf dem Gang wohl jemand hören könnte, dass er mit sich sprach, war ihm gleich. Sie sind alles Schläfer. Gib sie auf. Nur der, der träumen kann, wird verstehen. „Hah, ihr meint, dass ich meinen eigenen Willen abgebe? Das habe ich doch schon.“ Bitter klang er, als würde er den Verlauf des gestrigen Gesprächs nun der Leere anlasten. Lass los, warum die Mühen…?
Das Lachen aus heiserer Kehle war wohl die Antwort auf das, was der Ren’dorei nur für sich hörte. Für andere Gäste mochte es wie der Ausbruch des Wahnsinns klingen.



Der Gastwirt wurde ausbezahlt. Großzügig in vielen Goldmünzen. Auch rückwirkend für die vergangene Zeit. Dann legte Ilassan den Schlüssel dazu. Hier unten mit Beobachtern, war er nur ein wenig blasser als sonst, aber das Lächeln war ungetrübt, die kecken Worte, die er dem Mann schenkte, er würde natürlich wiederkommen, denn ohne ihn zu sehen, wäre das Leben fad, waren so wenig glaubwürdig wie eh und je – und dann ging er.
Dorthin, wo die Leere schon einmal alles zerstört hatte.

Erst in der Nacht sollte er Telogrus wieder verlassen, um zu dem Ort aufzubrechen, zu dem er nicht gehen durfte.

Auf Reisen in ferne Länder

Verfasst: Do 7. Mär 2019, 03:52
von Ilassan
Unterwegs mit einem Arathor...

Was er erst noch als Idiotie abgetan hatte, entpuppte sich so langsam als die bessere Wahl. Ruhe und Abstand – weit fort. Vor allem, weit fort von Sturmwind.

Natürlich waren nicht alle Gedanken still geworden, aber viele davon hatte er zurückgelassen, als der Wind durch sein Haar jagte und er sich an den Rücken des Tieres presste, das so wild, wie es war, über die Wiesen rannte. Wo so oft war die Abreise spontan gewesen. Er hatte nur das nötigste bei sich, denn improvisieren konnte er immer – und diesen Brief, der ihm in etwa beschrieb, wo der Ordenskrieger entlangreisen würde.
Er hatte schon Personen über weniger Hinweise ausfindig gemacht.

Und doch war es kalt. Es war nass gewesen in Rotkamm und obwohl er die Kleidung gewechselt hatte, wollte sein Körper keine Wärme mehr annehmen. Dann war da wieder dieser bittere Wind, der ihm um die Ohren pfiff, die feinen Regentropfen…


Heute war es anders. Es war feucht in den Sümpfen, aber auf eine seltsame Art wärmer. Die Art von Wärme, die einen trotzdem nicht entspannt sein ließ. Die Rüstung war dicht, aber in den Stoff darunter zog die Nässe ein. Nun, dann sollte es so sein. Er hatte sich damit abgefunden, dass er fror. Das war ein Übel, das man durchaus überstehen konnte.

Denn da waren viele lehrreiche Momente, viele Gespräche, die ihn verstehen ließen und auch einfach Ruhe, die der brummige Arathor ausstrahlen konnte, die… gut tat. Natürlich gab es da auch die Momente, in denen es kriselte, weil der scheinbar so grimmige Kerl ja doch verletzt sein konnte. Aber dann war es nach ein paar Stunden später auch wieder gut.


Ob Patrick ihm das Treffen mit dem Orc nachhalten würde? Wie heikel das Thema für ihn war, wusste Ilassan ja. Er hatte auch nicht versucht, ihn von etwas abzuhalten. Das war seine Sache. Und dass er den friedlichen Weg keinesfalls akzeptieren konnte... nun, das unterschied die beiden wohl voneinander.

Das einzige, was ihn an dieser Reise nachhaltig störte, waren diese Blicke… an jeder Wegstation, in jedem Lager schauten sie skeptisch, sorgten dafür, dass er eben nicht mit am Feuer sitzen konnte, oder redeten so „leise“, dass sie meinten, er könne sie nicht hören, über ihn. Das war verständlich… in gewisser Weise, denn hier hatte man Ren’dorei eben kaum gesehen. Aber es störte ja doch. Und etwas in ihm bäumte sich gerade dagegen auf, das einfach so hinzunehmen.


„Bist du immer noch hier?“ kam es diesmal von Patrick, als Ilassan das Zelt gerade verlassen hatte. Der Elf musste schmunzeln. Die Vorlage ließ sich nutzen. Er zog den Kopf ein wenig ein, legte die Ohren an und sah zum geschlossenen Zelteigang zurück. „Ich bin sofort unterwegs!“ meldete er gehorsam und untertänig, bevor er eiligen Schrittes das Lager verließ.
Die Zwerge, die dem Leerenelfen zufrieden nachsahen, denn endlich hatte jemand dieses grässliche Wesen unterdrückt, grinsten sich verschwörerisch zu. Sie wussten ja nicht, dass Ilassan genauso grinste.

Jetzt hatte er erst einmal Zeit für sich. Sie waren ja gerade erst hier ihm Sumpf angekommen, und um etwas Essbares zu finden, musste er sich ein wenig orientieren. Mit wachem Blick streifte er immer weiter von dem Lager fort. Die Stille ließ seine Gedanken wiederkehren. Er konnte nicht fortbleiben – da gab es noch Dinge in Sturmwind zu erledigen… auch wenn er sich in Arathi liebend gern mehr umgesehen hätte… Nun, und wenn nicht jetzt, dann vielleicht ein andermal.

Ganz davon ab, dass dort Krieg herrschte. Nicht nur, dass er einfach nicht gerne kämpfte – er sah ja ein, dass es manchmal notwendig war – dann waren die Feinde… wie in Lordaeron ja auch schon – seine Bekannten. Und auch da konnte er Notwendigkeiten erkennen… Aber solange er auf einem anderen Weg nützlich sein konnte, wählte er lieber den.

Der Boden gab ein wenig nach, als es feuchter und sumpfiger wurde. Hier konnte es also unangenehm werden, wenn man nicht aufpasste. Allerdings waren hier dann auch Tiere, die es zu finden lohnte. Sein Blick wanderte hinauf – suchte nach Vögeln – dann nach vereinzelten Bäumen.


Wenig später hatte er schon ein paar Eier erbeutet, dazu etwas von dem Sumpfgras gesammelt… In Gedanken pfiff er sogar ein heiteres Lied, das seine Lippen nur nicht verließ, weil er die Tiere sicher nicht aufscheuchen wollte. Einen der Halme im Mund hüpfte er galant über eine Wasserstelle und ließ sich auf einen umgestürzten Baum nieder. Zu dem kräftigen Gras und ein paar Eiern wollte ein Fisch doch recht passen. Mittlerweile war es dunkel geworden – dieser Moment, in dem Patrick nicht mehr weiterreiten wollte. Ilassan grinste etwas und spielte mit der Zunge an dem Grashalm herum, als er sich an die Worte erinnerte.
Er wollte ihre Leben nicht riskieren. Das war ja schon süß von ihm.

Eine echte Angel wäre sicherlich besser gewesen, um Fische zu fangen, aber diese Leine aus seiner Tasche sollte es auch tun. Würmer und Kriechzeug gab es im Sumpf zweifelsfrei genug, das er daran binden konnte. Der kleine, gebogene Haken hing sicher an einem Ende der Schnur, das andere war um den Handschuh gebunden.
Geduld… war lange nicht seine Stärke gewesen. Aber hier nun wieder in der Natur zu sein, ganz für sich und die Gedanken streifen zu lassen, hatte etwas für sich. Nur wurden gerade die Gedanken auch immer konfuser und seltsamer, solang er sie ziehen ließ. Das ein oder andere Mal ertappte der sich, wie er lautlos lachen musste und sich dann ob des Muskelkaters, der ihn einfach nicht loslassen wollte, schalt, so etwas nie wieder zu tun. Und dann war da die Frage, was er hier überhaupt tat und warum er diese Reise machte? Eine spontane Idee war es gewesen, mehr nicht. Er wollte fort – und dann war da die Einladung, mit nach Arathi zu kommen. So sehr ihn die Gedanken auch verwirrten, so wenig bereute er, mitgegangen zu sein. Ob sie sich in Sturmwind noch immer gegenseitig angingen?

Der Grashalm wurde kürzer und kürzer.
Und es wurde kühl.
Nun… Torf brannte gut. Nicht wahr?



Als er mit der Ausbeute zum Lager zurückkehrte, war einiges an Zeit vergangen. Zeit, die Patrick damit verbracht hatte, seine Rüstung zu säubern und das schmierige Orcblut loszuwerden. Zeit, die die Forscherzwerge genutzt hatten, um mehr Bier zu trinken und sich schlafen zu legen. Nur einer saß noch verdrießlich beim Feuer und sah grimmig zu dem Elfen herüber, der gleich eine Unschuldsmiene zeigte und sich schnell zu dem Zelt schlich, das ihnen überlassen wurde.

„Es hat etwas gedauert, verzeiht, mein Herr.“ grinste der Elf keck und legte die Ausbeute bereit, während er den Grashalm in den anderen Mundwinkel schob. Offenbar hatte er das Feuer nicht nur genutzt, um endlich einmal warm zu werden, sondern auch, um Eier und Fische zu garen. „Weisenfische.“ erklärte er so leise, wie er für gewöhnlich pflegte zu sprechen und mit eben jenem Schmunzeln, das ein Schuljunge auch haben könnte, wenn er endlich mit einem Dreisatz etwas Bedeutsames berechnet bekommen hat. „Sie haben ganz zartes Fleisch. Und wenn man sie vor dem Garen mit Sumpfmoos füllt, werden sie angenehm würzig.“

Re: Fremd in einer fremden Stadt

Verfasst: Sa 9. Mär 2019, 14:50
von Ilassan
Der Weg zurück von Arathi war um einige Tage schneller.
Kaum hatte Ilassan seinen Freund hinter der Grenze abgesetzt, macht er kehrt und ging zurück in die Sümpfe, zurück in den Regen.
Die Späher hatten das Umland gut im Blick, das wusste er, denn ein paar hatte er sehen können – und sie würden von nun an auf Patricks Weg achten.
Tiefer in den Sümpfen verfiel der Elf in einen leichten Laufschritt. Es war kalt und nass und jede Bewegung war angenehmer, als sich auf das zu konzentrieren, was die Umgebung ihm gab.
Es brauchte gar nicht zu lang, da hörte er auf dem befestigten Weg Hufgetrappel und bald schon gesellte sich das Wesen an seine Seite, das ihn schon so weit getragen hatte und das auch nun wild den Kopf hochwarf, schnaubte und sich ganz offenbar daran erfreute, mit dem Ren’dorei etwas laufen zu können. So, wie auch dieses dunkle Wesen sein neues Dasein genoss, sollte es dem Elfen doch auch möglich sein, schalt er sich selbst, und in einem günstigen Moment schwang er sich auf den Rücken des edlen Tiers, damit es endlich sein Tempo erhöhen konnte.

Wind und Regen peitschte ihm ins Gesicht, als er sich einfach tragen ließ. Das Herz des Tieres jagte wild – so wie sein eigenes, als sie den Weg verließen und durch die Sümpfe fegten. Wassertropfen wurden aufgewirbelt, der Späher merkte, wie das Tier ab und an einsank, doch es riss sich schnaubend gleich wieder los, um umso energischer vorzupreschen.
Nein, er hielt es nicht auf. Sicherer wäre das bestimmt gewesen.

Sie hatten nicht einmal an dem Zwergenlager gehalten. Der Weg querfeldein war bedeutsam schneller – und den Regen konnten sie endlich hinter sich lassen, als sie in die tiefen Zwergentunnel vordrangen. Für den Moment war es ruhig und still. Nur die Schritte des Pferdes hallten von den Wänden wider. Da waren nun keine Gespräche mehr, keine Witze, die die Reise füllten. Als er lachte und das Echo seiner verzerrten Stille zurückhallte, wieherte das Pferd wie zur Antwort darauf. Er hatte sich doch vor Ewigkeiten abgewöhnt, sich einsam zu fühlen.
Aber... das war ja auch längst nicht alles.


Erst weit nach den Tunneln, etwas abseits unter einem Baum machte er Rast. Das Pferd graste und scharrte um ihn herum im Boden, wollte sich aber wohl nicht mehr weit wegbewegen. Der Elf selbst hatte nur noch wenig Proviant, doch in diesen lebensreichen Landen war er darauf kaum angewiesen. Ein kleiner Fluss und die Wurzeln einiger Pflanzen hier ließen ihn bald zufrieden unter dem Baum sitzen und vor sich hinkauen.

Er schreckte plötzlich hoch und war noch völlig benommen und verwirrt von dem Traum. Ein Blick nach links, einer nach rechts – nein, er war allein. Nur das wilde Tier lag an seiner Seite und atmete tief und ruhig. Die Wärme, die es ausstrahlte, musste es gewesen sein, die Ilassan nicht ganz hilflos zittern ließ. Träge fanden seine Finger den Weg zum Fell und er streichelte das Tier sacht.
Wie lange hatte er geschlafen? Mit einem schiefen Grinsen atmete er tief durch und schüttelte den Kopf. Lange genug. Mit einem längeren Blick nach oben zu der Krähe, musste er leicht schmunzeln. Na komm, gutes Tier, du bist kein Feind. Und mit diesem versöhnlichen Gedanken sammelte er ein paar der kümmerlichen und kleinen Beeren, die er an den Sträuchern finden konnte, bevor es in die immerkalten Berge ging. Ein paar legte er aus, die anderen fanden Platz in seiner Tasche.
Ein Stück Süßholz fand er noch, das er sich zwischen die Zähne schob, bevor er langsam aufstand.
Dann trottete er den Weg weiter.


Immer mal wieder schloss sich ihm das alptraumhafte Tier an, trug ihn ein Stück, graste bei ihm, dann zog es wieder fort. Die Rast war stets kurz, das Tempo eilig. Aber nie vergaß er, auch der Krähe noch ein paar Beeren zu hinterlassen. Vor allem dann, wenn es kalt wurde.


Er war erschöpft, als er in Eisenschmiede ankam. Er hatte sich wohl viel zu wenig Ruhe gegönnt, seine Beine schmerzten und die Rüstung hatte sich unangenehme Stellen geschaffen, um ihn zu piesacken. Das alles war aber nur ein Teil von dem, was seinen Schritt verlangsamte und ihn mit gemischten Gefühlen in die Tiefenbahn steigen ließ.
Er war zurück. Und doch… fühlte sich Sturmwind leer an. Hatte ihn die Pflicht zwar hierhergetrieben, sein Geist wollte sich doch nicht mehr für diese Stadt öffnen. Noch immer war es Winter. Und es war kalt. Das war immer schon eine gute Ausrede gewesen, weshalb es ihm hier nicht gefiel.


Der Weg nach Telogrus war schnell genommen. Fast ungesehen drückte er sich an den Personen vorbei, die ihr Tagwerk verrichteten. Ein Mundtuch im Gesicht, dunkle Rüstung, offenbar gerade aus dem Wald entstiegen – niemand wollte mit so einer Gestalt viel zu tun haben.
An seinem Lager änderte er das. Nach einem ordentlichen Bad, penibler Pflege – auch der Rüstung, obwohl er sie nun zurückließ – und frischer, ordentlicher Kleidung, war aus dem Elfen wieder eine vorzeigbare Person geworden. Er zog mit einem Lächeln das Lederband an seinem linken Handgelenk fest und atmete tief durch. Nun gut, auf zur Arbeit.
Eben dieses Lächeln legte sich auf seine Lippen, spannte die Augen mit ein und wirkte schalkhaft.

Dann trat er durch das Portal zurück nach Sturmwind.

Arathi, du schönes Land

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 10:44
von Ilassan
Eine Woche war es her, dass er gegangen war – dass er noch kurz ein hoffentlich klärendes Gespräch geführt und in der Nacht noch aufgebrochen war. Nicht ganz ohne Unterbrechung kam er an, aber im Nachhinein erinnerte er sich gern daran zurück, angehalten zu haben. Manchmal sollte man seiner Intuition trauen. Und manchmal… sollte man sich nicht allen Gedanken hingeben.

Bleib nicht stehen, siehst du sie denn nicht? Sie sehen dich… und. Jeden. Deiner. Schritte.

Nur der Wein hätte… hätte besser nicht sein sollen.
Er schüttelte den Kopf vehement und trieb das Tier unter sich an. Vage Schlieren von Schatten zogen die Hufe hinter sich her, während der Wind Regen in sein Gesicht peitschte und grob an seiner Kleidung riss. Das Schnaufen des Pferdes übertönte schon fast das Hufgetrappel, das von dem weichen Boden geschluckt wurde. Der Ren’dorei drückte sich näher an den Rücken. Zu kalt… zu kalt…

Er hatte viele Stunden gut gemacht. Die Rast so kurz gehalten wie möglich, aber auch sein Tier hatte darunter leiden müssen, auch wenn es den Anschein nicht machte. Auch jetzt, als er unter dicht bewachsenen Bäumen ein kleines Lager errichtet hatte und sich ein karges Mahl und Ruhe gönnte, warf es wild den Kopf umher und scharrte aufgebracht im Boden. Während der Elf an einem Ei kaute und etwas von dem Fisch aß, den er gerade noch aus dem Wasser gezogen hatte, beobachtete er seine Umgebung. Allein zu sein, tat gut. Es brachte Gelassenheit zurück. Etwas, das er brauchte, um die Begegnungen und Gespräche der letzten Tage zu ordnen. So vieles änderte sich und…
Und Ilassan hatte ein Lächeln dafür auf den Lippen.
Es war ein gefährliches Spiel…
Aber er liebte Spiele.

Noch bevor er sich an den Baum gelehnt hatte, um für ein paar Stunden die Augen zu schließen, hatte er für die Krähe, die nun schon so lange bei ihm war, etwas von den Körnern und dem Fisch bereitgelegt. Nicht weit von dem Stamm der morschen Raststatt hatte das Futter gelegen. Als der Leerenelf die Augen aber öffnete und seinen schmerzenden Nacken dehnte, fiel sein Blick wieder auf die Stelle.
Und gleich war er wach und auf den Beinen. Langsam schlich er näher und ging in die Hocke – just da, wo zuvor noch das Futter gelegen hatte, starrten ihm nun zwei Augen entgegen, die ihren Körper vermissten.

Sie sehen dich…

Und der Elf starrte zurück – hob dann aber schnell den Kopf und sah nach links und nach rechts. Niemand da. Nicht einmal sein treuer Begleiter, der ihn bis hierher getragen hatte… Bleib ruhig… mahnte er sich… aber er konnte es nicht. Waren SIE da? Hatte Arsuul ihn gefunden? Eiskalt wurde ihm, als er nach den Augen sah. Größer als Menschenaugen, nicht viel… beide von einer Person… kalt. Orcaugen vermutlich… Arsuul würde nicht mit Orcaugen warnen.
… Oder doch?
Mit rasendem Herz stand er wieder auf und zertrat die Feuerstelle flüchtig. Nicht so ordentlich, wie er es hätte wissen müssen. Aber Spuren waren ihm gleich. Wenn sie hier waren, wären karge Spuren nicht länger ihr Problem. Mit wenigen Handgriffen hatte er Decke und Proviant gesammelt und war eiligen Schrittes dem Wege gefolgt. Er hatte nicht einmal versucht, nach dem Vierbeiner zu rufen. Er wollte nur fort.

Du kannst sie längst nicht mehr hören. Aber sie haben dich nicht vergessen.
Mit angezogenen Schultern verfiel er erst in einen leichten Lauf… nach einigen Minuten war der Lauf zur Flucht geworden und er rannte den zerrütteten Pfad entlang. Wohl wissend, dass er nicht entkommen konnte. Weit über ihm folgte in weiten Kreisen eine Krähe.


Das stolze Pferd hatte sich ihm wieder angeschlossen, als er schwer atmend eine Pause machen musste. Kraftlos zog er sich auf dessen Rücken. Das hieß nicht, dass sein Herz sich wieder beruhigen wollte, aber er konnte die Beine schonen und doch den Weg fortsetzen. Und als habe seine Stimmung Einfluss auf das Tier, rannte eben dieses nun. Auf nach Arathi, auf in den Schoß der Allianz.


Nach dem Übergang schon, so wusste Ilassan, würden die Späher ihn beobachten. Nach dem Pass durfte er keine Unruhe mehr zeigen. Er ritt in gemächlichem Trab den gepflasterten Pfad entlang und glitt schließlich vom Rücken der Leerenrosses, um ihm an einem der klaren Seen etwas Ruhe zu gönnen. Er selbst schöpfte Wasser, um seinen Vorrat zu füllen, doch viel Zeit sollte ihm nicht bleiben, da sah er schon den ersten Oger, der sich ebenfalls näherte. Es war Zeit, nach Stromgarde aufzubrechen.

So weit sollte er nicht kommen. Schon nach ein paar Schritten konnte er Vogellaute hören. Aufgeregt und neugierig klangen sie. Als er ihnen fast unbewusst folgte – war es ein Lockruf? – kam er in das Gebirge. Keine schlechte Idee, dachte er bei sich, während er schon die ersten Anhöhen nutze, um sich eine Übersicht über das Land zu verschaffen. Ein hübsches und lebendiges Fleckchen… zumindest war das der erste Eindruck. Noch bevor er zu einem Schluss gelangen konnte, rieselten Steinchen hinter ihm den Berg herab. Ein Späher? Hatte er ihn…

…beobachtet.

Ilassan schüttelte den Kopf und stieg dem Geräusch nach. Vogellaute wieder, aber er konnte niemanden hören. Waren die Späher hier?
Es brauchte nur einen weiten Aufstieg, bis er schließlich auf einen dunkel gekleideten und vermummten Mann traf – Patrick. Als er sich endlich zu erkennen gab, fiel dem Ren’dorei ein Stein vom Herzen.
Und er lächelte.


Es war so viel gewesen, das sie besprochen hatten. Nicht, wie Waschweiber, auch wenn Ilassan sicher gerne ein paar Neuigkeiten verbreitet hätte – aber er war viel zu aufgeregt gewesen, um Worte in richtige Bahnen zu lenken. Und zu Patricks Leidwesen war er auch unkonzentriert. Die Einführung in seine neuen Aufgaben und die Strukturen des Falkenlagers ging demnach nicht ohne Missverständnisse – oder alberner Neckereien vonstatten. Es brauchte noch ein Stück, bis die Ruhe einkehrte, die Ilassan wieder professionell werden ließ. Dann aber bewies der frühere Weltenwanderer einiges an Verständnis für Vorgänge und Wissen in solch einer Situation.
Zwar durfte er den Ordensgrund nicht betreten, aber der Vorschlag, dass er sich allein um die Erkundung der Feindesgebiete sorgte, wurde angenommen.

Arathi, du willst erforscht werden.


Es war also eine lange, größtenteils eine einsame Woche, nur unterbrochen dadurch, dass er das Falkenlager aufsuchte, um Skizzen und Notizen zu schützen, die er in Kopie dort lagerte, damit sie vorhanden waren, sollte ihm etwas zustoßen. Dann zog er wieder los. Nicht einmal die Nächte trieben ihn zurück und so lagerte er oft allein in dem Land, in dem bald der Frühling anbrechen sollte.
Die Gedanken waren ruhig, selbst die Stimmen waren es meist und auf leisen Sohlen schlich er um die Befestigungen der Untoten, Orcs, Oger und Trolle, die sich in dem Land breitgemacht hatten. Oft saß er stundenlang im Halbschatten und zeichnete Umrisse, Wachwege, notierte gesichtete Personen…
Aber es reichte ihm nicht.
Er brauchte mehr Informationen.
Und als er das letzte Mal im Falkenlager war, gab er all seine Notizen in die Hände der Späher.
„Ich muss näher ran.“ hatte er gesagt.


Das war vor zwei Tagen.

Ein, zwei Tage mehr

Verfasst: Mo 25. Mär 2019, 14:44
von Ilassan
Er war zurück und entspannte die Glieder gerade in einem warmen Zuber. Das geschäftige Treiben von draußen klang nur leise herein, während er sich die letzten Tage von der Haut rieb und das duftende Wasser darauf verteilte. Diese Pause tat gut. Er war müde und hatte sich seine Rückkehr vielleicht anders vorgestellt, aber unzufrieden war er nicht. Leise pfiff er eine thalassische Melodie vor sich her, dann tauchte er unter, um auch das Haar zu waschen. Als er den Kopf wieder hob und durch die nassen Strähnen blinzelte, stand eine junge Frau vor ihm, die ein paar Tücher und dazu etwas Brot und Wurst brachte. Sie lächelte verhalten – unsicher wirkte sie, neugierig. Das kannte er – es waren Geschichten im Umlauf, und hier hatte sie fast jeder gelesen. Wenn sie nicht gleich rot wurden, kicherten sie, tuschelten… so oder so starrten sie. Wenigstens wusste er nun vage, warum.

Also lächelte er gewinnend zurück und schob sich das Haar aus der Stirn. „Vielen Dank, holder Engel. Das ist zu viel des Guten.“ säuselte er, als er sich auf den Zuberrand lehnte und die Frau neugierig ansah. „Man sagte mir, ich solle auch nach Euren Wunden sehen.“ teilte sie scheu mit und trat vorsichtig ein wenig näher. „Ich bin aber gar nicht verletzt. Wie ist dein Name?“ „Thaia.“ „Thaia, freut mich sehr. Vielen Dank für deine Mühen. Aber du musst dich nicht um mich sorgen, ich komme ganz gut zurecht.“

Etwas unsicher spielte sie an ihren Fingern herum und sah zu dem Brot. Ob das wohl das falsche gewesen war, dass er sei gleich wieder fortschickte? Die einfache Kleidung, die sie trug, sagte ihm schnell, dass sie das Militär hier nur unterstützte, anstatt selbst an den Kriegsbestrebungen teilzunehmen. Und ihr Alter… es war ihm noch nie leicht gefallen, das Alter von Menschen einzuschätzen… vielleicht war sie sechzehn? Ihre eingeschüchterte Körperhaltung war ihm von Grund auf schon unangenehm. Nicht einmal um seinetwillen… „Ja, natürlich kann ich auch gehen, Herr…“ er ließ ihre Worte etwas in der Luft hängen, sie nachdenken und in Ruhe die Gedanken sammeln. „Ihr seid bei den Spähern gewesen…“ sprach sie dann ganz leise. „Richtig, ich habe sie unterstützt.“ „Wie ist das so…?“ Er lachte heiter auf bei der Frage und deutete auf einen Schemel. „Nimmt dir etwas Brot – gib mit etwas ab und setz dich. Das wird länger dauern.“
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Es war schön gewesen, mit dem Mädchen zu sprechen. 17 war sie, so sagte sie. Nicht ausgebildet weder an der Waffe noch an anderen militärischen Belangen. Ihre Familie aber war im Krieg gefallen und nun tat sie alles, um die Soldaten zu unterstützen. Sie war aufgeweckt und voller Tatendrang, aber schrecklich schüchtern. Es brauchte einige Zeit, bis sie sich traute, von sich auch mehr zu fragen – und irgendwann auch, ob die Geschichten wahr seien, von denen sie gelesen hatte. „Das Thema erkläre ich dir ein anderes Mal.“ wich der Ren’dorei schmunzelnd aus und stieg nun aus dem Zuber, um sich fertig zu machen. Diesmal sollte es bequeme Stoffkleidung sein. „Aber wenn du mehr Interesse hast, sehen wir uns wieder und ich erzähle dir mehr – zu Weißsträhne, zum Spähen, über Skizzen und Spurenlesen.“

Das Versprechen hatte das Mädchen lächeln lassen. Es war dieses ehrliche und süße Lächeln, das mit der Zeit stirbt und durch eine berechnete Mimik ersetzt wird. Sie war aber bald schon wieder fort und der Leerenelf allein, entspannt und zufrieden. Fast. Ein kurzer Blick fegte zu dem Ordensgebäude herüber, aber er konnte nicht ausmachen, was er suchte. Ein schiefes Grinsen blieb, dann suchte er sich einen ruhigen Platz, um etwas zu schreiben. Es blieb nur nicht lange ruhig: Einer der Adjutanten war bald schon bei ihm und konnte gerade noch einen Blick auf das Schreiben werfen, das Ilassan schnell faltete. „Herr Ash’therod?“ Es klang im militärischen Umfeld noch immer seltsam, so angesprochen zu werden, doch er hob den Kopf. „Ja, bitte, Sir?“ „Die Aufzeichnungen sind ausgewertet, der Kommandant wünscht Euch zu sprechen.“ „Natürlich, ich begleite Euch.“
Es war ein besseres Gefühl, Teil dieser Strukturen zu sein. Die Blicke konnte er mittlerweile mit Humor nehmen, die Leute akzeptierten, dass er mitarbeitete. Freiwillig kamen wenig Personen auf ihn zu – aber das wäre nur noch eine Frage der Zeit. Der Kommandant hingegen ließ sich nicht anmerken, falls ihn die Hautfarbe des Elfen stören sollte. „Tretet ein und setzt Euch, ich will über die Erkenntnisse sprechen und wie wir sie nutzen können.“ Und er trat ein.
„Wenn ich die Skizzen richtig sehe, haben wir es mit schwer befestigten Hordefesten zu tun. Wenig und stark kontrollierte Eingänge. Keine Möglichkeit, von anderer Seite zuzugreifen.“ „Das ist richtig, Sir.“ „Ihre Angriffe gehen von diesen Personen aus?“ Er schob ein paar Skizzen vor, die der Elf gleich abnickte. „Sie geben die Befehle vor Ort. Den nächsten Angriff setzten sie schon sehr bald an.“ Er hatte in Orcisch notiert, sah er gerade… Ah, nein, eine kleine Notiz in Gemeinsprache hatte er gemacht. „Das sehe ich.“ Brummte der Kommandant. „Wenn sich das als wahr herausstellt, können wir damit gut arbeiten.“ „…und die Stützpunkte zu dem Zeitpunkt angehen und sabotieren, weil sie weniger bewacht sind.“ Hatte der Elf ausgesprochen, bevor ihm bewusst wurde, dass er das nicht hätte sagen dürfen. Ein scharfer Blick traf ihn. „So viele Leute haben wir nicht…“ knurrte er tief. Ilassan schmunzelte…
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Er hatte schon fast damit gerechnet, heute wieder in Sturmwind zu sein – aber die Pläne hatte er verworfen. Briefe hatte er geschrieben. Die Skizzen, Pläne und Aufzeichnungen versiegelt und verschickt. Aber er war geblieben, ohne, dass er noch jemandem etwas dazu gesagt hatte. Er hatte sich gerüstet, einen dunklen Umhang übergeworfen und die Kapuze über den Kopf gezogen. Dann war er auch schon losgezogen, um sich an den ankommenden Truppen vorbeizuschleichen. Kaum hatte er den Sturm auf Stromgarde passiert, hielt er die Augen auf, um die Blutelfen auszumachen, die den Vorstoß unterstützten. Er musste nur unauffällig bleiben. Und was half da besser, als Kleidung, die die Horde schon kannte? Und wie hatte der Kommandant gesagt? „Sabotiert die Kriegsmaschinen.“ „Und wenn sie mich entdecken?“ „Dann betet zum Licht.“

Er wusste noch immer nicht, ob der Kommentar bissig gemeint war, oder ob ihm die Floskel über die Lippen kam, weil er keinen Unterschied zwischen Ren’dorei und den anderen Kämpfern hier sah. Aber Ilassan betete im Stillen. Das Hochgebet der Sin’dorei war es, das er stumm mit den Lippen formte. Zeitabstände maß er anhand der Verse – Patrouillen, Wachposten, Blickrichtungen. Und offenbar wollte das Licht ihn erhören.
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Es war spät, als der Elf zurückkam. Zum Glück war er nicht schwer verwundet. Den ein oder anderen stumpfen Hieb hatte er einstecken müssen, aber er kam ohne Hilfe zur Feste, die den Tag heute standgehalten hatte. Nicht jeder sollte heute zurückkommen. Aber…
Der Leerenelf kaute auf einem Grashalm im Mund, zwei Honigbonbons hatte er dabei und trat leise in die Krankenstation. Neben Patricks Bett ließ er sich nieder. „Was machst du nur wieder…“ flüsterte er leise und schob ihm eine der Süßigkeiten zu.

Eins nach dem anderen

Verfasst: Do 26. Mär 2020, 17:31
von Ilassan
Es wirkte alles so irreal.
Jedes Wort, jede Tat - jede Reise und jede Umarmung fühlte sich fremd an - nicht so, als würde es ihn betreffen. Nicht so, als wäre er in seinem Körper.

Ilassan war zurückgekehrt, nach fast zwei Monaten. Es kam ihm gar nicht so lange vor. Als man es ihm eröffnete, krampfte sich sein Magen zusammen und er versuchte sich zu erinnern. Er versuchte, die verlorenen Tage zu rekonstruieren. Aber sie waren fort. Er hatte nur einzelne Erinnerungen, die sich in ihn gefressen hatten und dort festklammerten. Kalte Finger griffen nach seinem Hemd, das er hoch geschlossen hatte, um sich darunter zu verstecken. Um diesen Körper, der darunter steckte, nicht sehen zu müssen. Doch fühlte es sich zu eng an und schnürte ihm die Luft ab.

Es hatte sich seltsam angefühlt, zurückzukehren. Er hatte erwartet, dass sie sich freuen - gut, das hatten sie - und dass man sich zusammensetzt und genießt, sich wieder zu haben. Das war nicht geschehen. Alle waren sie angespannt, aber sein Verschwinden war auch längst nicht das einzige Problem gewesen. Calendriel - eine Ren'dorei, die seit Jahren gefangen war, hatte um Hilfe gebeten. Die Sorge war natürlich berechtigt, also zögerte man nicht lang und zog los, sie zu befreien. er hatte sich angeschlossen. Er wollte etwas tun, etwas richtiges tun. Aber Ilassan hatte sich das letzte mal so sehr als Fremdkörper gefühlt, als er neu in die Allianz kam. Er spürte das Zittern in den kalten Händen stärker werden.

Calendriel war wieder frei - und er wollte sie sprechen. Er wollte Taran sprechen, den er so lang allein gelassen hatte - er wollte die verpatzte Präsentation mit Asche beheben und sich vorstellen. Er musste sich bei Bradley dafür entschuldigen, dass man sich in die Angelegenheiten einmischte... Wie geht es Baldar?!

Ein Werkzeug wie er ist, wenn es zerbrochen ist, nutzlos. Lass ihn ziehen, und kümmere dich um dich. Denn auch du drohst zu zerbrechen und weggeworfen zu werden.

Werkzeuge... Er schnaubte kurz. Wie er dieses Wort nicht mehr hören konnte. Aber die Stimmen sprachen weiter - immer lauter. Und... das schlimmste daran war, dass es sich richtig und gut anfühlte, ihnen zu lauschen.

Wenn sie dir misstrauen, brauchst du Verbündete - du brauchst diejenigen, die dein Wort glauben. Du brauchst jeden, der dir nah steht.

Und er schob sie fort. Die Stimmen und seine Freunde. "Ich mache das allein. Am liebsten hätte ich niemanden um mich." dicht gefolgt von "Bitte bleibt, ich möchte... nicht allein sein." und "Ich brauche Ruhe und Zeit für mich."
"Was tut dir gut? Was sollen wir tun?" fragten sie. ICH WEISS ES NICHT! schrie alles in ihm. Und die Stimmen lachten.

Du wirst niemals allein sein...


Noch war er es. Vermutlich die letzten Minuten, bevor Iudicael zu ihm kommen würde. Er hatte Emiriel nach Tirisfal gebracht und... Nachricht mit zurückgebracht, die ihm nicht gefiel. "Sag ihnen nicht, dass es vielleicht mein letzter Besuch war." Natürlich nicht. Wir sagen uns hier nie das, was niemand hören will...

Zornig schlug er auf den harten Boden unter sich und starrte auf die geballte, zitternde Hand. Der Kit. Richtig. Er musste sich selbst wieder in eine Bahn bringen, um den Rest wieder aufzubauen. Größer zu machen. Und das heilen zu können, was zerbrochen war.

Lass dich fallen. Scherben funkeln im Abendlicht wunderschön. Nur, wenn etwas zerbricht kann neues daraus hervorgehen. Lass los und stürze.

Er schloss die Augen und lauschte - lauschte den Stimmen, die ihm in der letzten Zeit so vertraut geworden waren. Er spürte, wie Tränen über die Wangen liefen, wie der Schweiß, der ihm auf der Stirn perlte zunahm und er stand auf, um seine Übungen zu machen, die er Tag für Tag, Stunde für Stunde gemacht hatte. Was war in der Zeit geschehen, an die er sich nicht erinnern konnte? Geschmeidige Bewegungen verbanden sich zu einer Art Tanz, die er allein für sich auf der Scherbe ausführte. Schnellere und langsamere. Schläge, Sprünge, Tritte. Der Schmerz in dem Körper, der eins er gewesen war, nahm zu. Die Beine wurden lahmer, der Atmen schwerer. Der Magen krampfe und er ließ sich an den Rand der Scherbe sinken, um sich zu übergeben.

Wenn sie dich so sehen könnten...
Wenn sie dich so sehen könnten...

Lächle, denn dein Lächeln ist dein Kapital.
Lächle, denn dein Lächeln ist dein Kapital.

Er würgte, spuckte, während der fremde Körper, in dem er steckte, krampfte. Die Fingernägel gruben sich in den Stein, der auf Telogrus überall zu finden war, splitterten unter der unkontrollierten Kraft des Weltenwanderers.

Eins nach dem anderen... redete er sich in Gedanken gut zu.
Einer nach dem anderen wird dich verlassen.

OOC:
https://www.youtube.com/watch?v=XDo6b8DuuLs