Emis Leeren

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Beitrag von Emiriel » Mi 8. Jan 2020, 00:03

Eigentlich wollte ich nie Tagebuch schreiben...als wenn irgend Jemanden meine Gedanken zur Welt interessieren würden. Aber ich muss niederschreiben, was ich denke. Weil ich sonst vermutlich gar keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Die Stimmen schreien unaufhaltsam und schleichen sich in meine Gedanken.

Ich habe Angst...nicht nur ein wenig, nein ich meine so richtig. So sehr, dass ich das Gefühl habe nicht atmen zu können und zum ersten Mal in meinem Leben bin ich besorgt, weil ich den Segen des Lichts nicht empfangen dürfte. Die anderen sind schon losgezogen und es gab eine Explosion. Ich weiß nicht ob sie überlebt haben, noch ob Judy und die anderen das überleben werden was jetzt kommen wird. Das Lager ist leer und nur die die mit dem schweren Gepäck nachrücken sind noch hier. Ich habe Comgall seinen Brief noch gegeben. Er soll wissen, dass andere auf ihn warten und er tapfer sein muss. Er hat ein zu Hause und wird dort erwartet.

Wer auch immer diese Zeilen findet....sagt meinen Eltern, dass ich sie liebe und, dass es mir leid tut. Ich wollte wirklich den Weg zu ihnen finden. Aber der Tod kam wohl dazwischen. Sollte ich überleben, dagt ihnen besser nichts, das würde sie nur verwirren.

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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Di 14. Jan 2020, 00:14

Sie haben das Piratenlager gestürmt und wir sind nun schon einige Tage hinter den Kampftrupp zurück. Tagein tagaus warten wir auf ein Zeichen der Boten, dass wir weiter rücken können und die Wege sicher sind.

Es ist so warm hier.
Ich gehe immer wieder zu den Wagen mit den Verletzten. Die Heiler haben die Verwundeten aufgeteilt...ein Wagen ist voller Fliegen und riecht ekelhaft. Vom Fliegenwagen kehren die wenigsten zurück. Die Heiler dort sind sehr still und tragen Masken. Man hört nur hin und wieder ein leises Gebet. Zu diesem Wagen habe ich mich nicht getraut. Beim anderen Wagen habe ich immer wieder nachgeschaut und irgendwann sollte ich ihnen helfen...sie haben mir gezeigt wie man Verwundete wäscht und sie mögen es wenn ich ein wenig mit ihnen scherze. Das hebt die Moral sagen sie. Und so bin ich nützlich. Ilassan, Judy und Amandriel sind nicht auf diesem Wagen gewesen...ob das ein gutes Zeichen ist? Ich hoffe so sehr, dass sie nicht auf dem Fliegenwagen sind. Die Stimmen schweigen schreiend...sie sagen alles und nichts und geben mir doch keine Antwort darauf ob sie leben. Aber ich...lebe noch.
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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Fr 17. Jan 2020, 10:07

Ilassan ist fort...und mit ihm die Priesterin...von Malyrius schon seit Wochen keine Spur. Aber jetzt haben wir vielleicht eine Spur...in Orgrimmarrs Tiefen schlafen sie in stiller Wacht. Sie warten auf uns und...ich glaube ich höre sie nach mir rufen. Ich warte hier...bleibe zurück und halte meinen Posten in der Nachhut. Ich kann sie nicht retten hatte er gesagt...soll bei der Nachhut bleiben und dann wird alles gut. Jetzt brauche ich Taranis...er hätte verstanden was der Untote sang. Er sprach zu uns und niemand wollte ihn hören, aber ich habe ihn gehört...habe mit ihm gesungen sein Lied gespürt und...für einen kurzen Augenblick mit ihm getanzt.

Natürlich verstehen sie es nicht...wollen nicht hören was ich sage...nicht verstehen wovon ich spreche...Tief unten schlafen die Kindelein...rettet sie und ihre Seelen so lange ihr noch könnt. Wir dürfen nicht mehr warten...denn sonst wird ihr Lied verstummen und Dunkelheit und ewige Stille sie umschließen. Ihr Gesang hat sie gelockt, sie fast schon umgebracht...die Banshee...sie ruft nach ihren Seelen...ich bin sicher und wenn wir nicht hinhören und weiter warten...wird es zu spät sein. Aber Ich schweige wieder...sage nichts und lasse sie machen...das Ende ist nah und...ich...werde da sein, wenn sie mich brauchen.
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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Mo 27. Jan 2020, 09:50

Ich habe es gewagt. Wenn sie wüssten, wieviel Angst ich hatte, dass etwas schief läuft, dann würden sie mir wohl allesamt den Hintern versohlen. Jetzt könnte ich mich nur selbst schlagen. Dafür, dass ich zu schwach bin…dafür, dass ich zu dumm bin eine lächerliche Barriere zu durchbrechen und dafür, dass ich mich einfach nicht mehr von Ilassan lösen kann.

Ich höre seine Stimme immer noch und seitdem ich den Zauber gewagt habe, habe ich auch das Gefühl ihn zu sehen. Ich sehe und höre sein Lachen, habe das Gefühl, dass seine Hand meine im Schlaf greift und habe ständig Bilder von ihm im Kopf. Viele stammen aus der Vergangenheit…vom Tag als er mir Baby mitbrachte oder vom Abend bei Jeremiel. Manche könnten vom hier und Jetzt stammen. Ich habe das Gefühl er leidet…ich spüre Schmerzen und Freiheitsdrang. Er ist so freiheitsliebend…wie grausam muss es für ihn sein, gerade nicht frei entscheiden zu können. Ich habe intensive Träume von ihm und, weiß nicht wie ich mich davon lösen kann. Als ich vorhin aufgewacht bin, hatte ich geglaubt ihn zu riechen. Ich bilde mir ein, dass ich sogar seinen Atem ruhig und gleichmäßig neben mir gehört habe. Aber als ich die Augen geöffnet habe, war er nicht da.. Werde ich jetzt wahnsinnig? Früher…ohne die Leere war dieser Zauber nicht so stark in mir verankert.

Etwas Gutes hatte dieser Zauber. Ich weiß, dass er lebt und ich weiß, dass er zu uns zurück will. Er wollte annehmen und er wollte bei uns sein. Also…werde ich nun alles tun was ich vermag um ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Wir reisen heute nach Sturmwind…dort kann ich Bradley sprechen, vielleicht hat er etwas gehört oder hilft uns. Wir können Malyrius in Dalaran besuchen…dort gibt es Bücher die mir vielleicht helfen können. Wir suchen Jemanden der Zauber brechen kann…aber eventuell kann Jerry das. Taranis kann uns bestimmt auch helfen…niemand deutet die Leere so wie er es tut. Und dann…wenn ich wieder zaubern kann…in 1 oder zwei Wochen…dann versuchen wir es erneut oder wir finden einen anderen Weg zu Ilassan…aber er soll wissen, dass niemand von uns ihn aufgibt und ich hoffe, dass er das nun auch weiß.

Und ich mache mir Sorgen um Comgall…ob er die Stimmen und ihre Wirkung verkraftet? Ich habe ihm zu viel zugemutet und…er sich selbst wohl auch. Vielleicht muss ich in den nächsten Tagen noch einmal mit ihm sprechen und sehen wie es ihm geht.

Ich packe jetzt….es gibt viel zu tun…und ich habe keine Ruhe mehr um weiter zu schreiben.

*ein dunkelvioletter Fleck ist auf dieser Seite zu sehen…könnte Blut sein, muss es aber nicht…es riecht eigenartig*
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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Mi 29. Jan 2020, 16:27

Ich fühle mich leer...komisch, dass ich ausgerechnet diesen Begriff verwende, denn ich bin ja von Leere durchflutet. Aber das meine ich nicht...alle sind leer. Der Krieg hat uns alle ausgelaugt und irgendwie spürt man das. Ich kann seit diesem Ritual nicht mehr zaubern und um ehrlich zu sein, will ich es auch gerade nicht versuchen.

Malyrius ist zurück...er sieht so mitgenommen aus und ein dunkler Schatten liegt auf seiner Seele. Ich kann das nicht greifen aber was auch immer er erlebt hat, es...hat ihn verändert. Die Reste seiner Wunden sind noch deutlich sichtbar...das heilt aber ob seine Seele jemals heilen wird, vermag ich nicht zu sagen. Das wäre eher eine Aufgabe von Iudicael...aber...Iudicael selbst hat seine eigenen Probleme. Er kämpft dagegen an...aber, dass Ilassan fort ist, nimmt ihn sehr mit. Er spricht nicht darüber...macht einfach weiter und leidet innerlich und stumm.

Genau wie Amandriel...wir hatten einen wirklich schönen Abend. Aber so viele Dinge...die er mit sich ausmacht...über die er nicht spricht und...die er wohl nur mit Iudicael teilen kann. Wenn ich die Verbindung der beiden sehe...fällt mir wieder auf wie sehr meine Familie mir fehlt...und wie einsam es ohne sie ist. Mir fehlt die Ruhe meines Vaters und diese herzliche Wärme meiner Mutter. Egal in wie viele Decken ich mich noch einkuschle...es ist nicht das selbe und erfüllt mich nicht.

Aber ich habe Baby wieder...er ist so undglaublich gewachsen und...irgendwie habe ich ihm nun doch erlaubt in meinem Bett zu schlafen. Sein kleines Herzchen wummert ganz wild und er leckt mir immer wieder über das Gesicht. So viel Leben und Freude bei sich zu spüren ist etwas Wundervolles. Das ist wohl mit Abstand das Schönste was Ilassan mir geben konnte...wo auch immer er ist...irgendwie hat er mir ein winziges Stück Familie geschenkt...ich meine nicht die Familie die ich in meinen Brüdern und Schwestern hier in Telogrus sehe...eher die Familie die...wie soll ich sagen...sich wie Balsam auf die Seele legt.

Vermutlich kann ich deshalb auch nachvollziehen wie es Taranis geht. Er fühlt sich einsam und...gefangen und kann nichts tun, solange man ihn hier nicht gehen lässt. Jeremiel hat Recht...er ist vielleicht noch nicht so weit...aber vielleicht braucht er auch einfach diesen Freiraum und den Balsam...der die Seele einlullt und beruhigen kann. Es bricht mir fast das Herz, dass seine Schwester schon lange tot ist...ich habe es in einem Buch gelesen...und ihn anzulügen fühlt sich einfach so verkehrt an...er lebt in dieser Blase und er spürt wie diese Blase immer und immer mehr zu platzen droht...und anstatt ruhig und behutsam mit ihm darüber zu sprechen, hält man ihn hin. Iudicael hat vielleicht Recht...aber vielleicht auch nicht. All diese Geheimnisse machen das Leben doch nicht besser...lindern doch nicht das Leid. Sie gaukeln einem eine heile Welt vor...die es einfach nicht gibt. Genau das hatte er damals auch versucht als es um Amandriel und Malyrius ging...die heile Welt für mich aufrecht zu erhalten. Aber...darf er darüber entscheiden wie meine Welt aussieht? Darf er über die Welt von Taranis entscheiden? Ist...es nicht an ihm zu entscheiden ob so eine Information seine Welt zerstört? Bestimmt man nicht selbst seinen eigenen Weg...und ist frei dabei? Frei sein...tanzen wie ein Blatt im Wind und...fliegen. Ich denke schon wieder zuviel nach...

Dabei gibt es auch so viel Gutes zu berichten. Ich habe Bradley um Hilfe bei Ilassans Suche gebeten und er hat eingewilligt uns zu helfen....und Comgall hat uns zum Essen eingeladen. Ich darf also Wally und Sean wieder sehen, und das ist fast das Beste...ich habe bei einem Training mit richtigen echten Waffen gewonnen. Diese Frau war in unglaublich viel Blech gehüllt und hatte ein riesiges Schwert...aber ich habe gewonnen. Ilassan hätte sich sicher gefreut...ach was er freut sich ganz bestimmt...endlich zahlt sich das Training in Telogrus aus und ich werde wieder zu diesem Training mit den Menschen gehen...ihnen zeigen, dass wir ehrbar sind...das scheinen sie ja irgendwie nicht zu glauben.

Das Beste habe ich mir aber für den Schluss aufgehoben. Ich weiß jetzt wo Ilassan war als ich den Zauber wirkte...dieses Echo...verwirrt mich aber es ist auch unglaublich hilfreich. Irgendwie habe ich ihn so gern bei mir...und langsam gewöhne ich mich daran ihn zu spüren. Ich kann zwar nicht schlafen, weil ich ständig Träume habe...aber Iudicael will versuchen darüber Kontakt zu ihm aufzunehmen. Irgendwas von Seelenreise hat er erzählt...und Toten die schreien...also das Geschrei von Toten mag ich nicht hören....da reichen mir schon die Stimmen...die reden ja auch unaufhaltsam auf einen ein. Vorallem weil das Echo...nur ein Rest der Verbindung ist die das Ritual aufgebaut hat...vielleicht ist das Alles was ich sehe und fühle nicht echt. Aber es fühlt sich echt und richtig an. Da bin ich schon wieder bei der Frage ob ich wahnsinnig bin? Komisch darüber habe ich auch einmal mit Ilassan gesprochen...ob die Leere und wahnsinnig macht selbst wenn wir sie kontrollieren.

Ich darf jetzt nicht mehr weiter machen, mit der Suche nach ihm...Amandriel hat mir ersteinmal Ruhe verordnet. Er hat ja Recht...aber mir ist langweilig...leer und langweilig ist eine richtig blöde Kombination...ich schreibe ja schon fast Romane.

Mir bleibt aber nichts anderes als zu Warten, dass Andere ihn nun finden und aufspüren...ich habe es versprochen.
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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Fr 31. Jan 2020, 14:15

Laaaaaaaangweilig...wie ein Leben sich so schnell so...fad anfühlen kann.

Ruhe haben sie mir verordnet und ich versuche wirklich mich dran zu halten. Ich hänge die meiste Zeit herum und tue...Nichts...richtig einfach nichts. Naja gut mal davon abgesehen, dass ich jedes verdammte Kissen in meinem Zelt schon gewendet und geschüttelt habe. Jede Decke dreimal gefaltet habe und jedes Buch mich schon nach den ersten 10 Seiten nicht mehr interessiert.

Ich will etwas tun...raus in die Welt und ihn finden. Dieses Warten zermürbt mich. Hin und wieder stehle ich mich heimlich davon, wenn ich es nicht mehr aushalte tatenlos zu sein. Mit Freunden zu sprechen ist ja nicht arbeiten und wenn man da zufällig über die Dinge spricht die einen bewegen ist...das ja nur ganz legitim. Ich habe die ehrwürdige Mutter trotzdem an Amandriel verwiesen. Ich möchte ihn nicht hintergehen und wenn es darum geht sich einzubringen...sollte sie das mit ihm besprechen. Er will die Suche leiten...ich bin wohl zu ungeduldig dafür. Dabei rede ich nicht einmal von blindem Aktionismus den man mir gern unterstellt. Ich denke ja wirklich nach über die Dinge und suche nach Lösungen.

Und ich habe jemanden kennengelernt. Jemanden der vielleicht das ist was Taranis nun braucht. Er wird nach Telogrus kommen sobald es seine Zeit erlaubt und die anderen aufsuchen...Ich habe ihn an Iudicael verwiesen. Ich hätte ja gar nicht nach Dalaran gehen sollen aber da gibt es immerhin Bücher die ich noch nicht kenne und das Archiv gilt entdeckt zu werden.

Bradley und ich haben ein paar nette Briefe getauscht. Ich werde vermutlich gar nicht mit auf die Reise dürfen, aber Amandriel und die anderen gehen sicher. Und sie wissen ja auch wie sie aussieht. Vielleicht gelingt es dann ja sogar ohne meine Magie ihn zu holen. Dann bräuchten sie die Dame nicht aber...schaden kann es nie jemanden wie sie dabei zu haben.

Solange rede ich eben mit...Ja mit wem? Mir selbst vielleicht. Dass die Stimme die ich ständig so stark in mir höre nicht Ilassans sein kann...sollte mir ja bewusst sein. Das muss nur meine Vorstellungskraft sein, die mir hier einen Streich spielt. Aber so bin ich nicht alleine mit mir selbst und meinen Gedanken...das ist doch irgendwie etwas Schönes.

Ein winziges Stück Wahnsinn hat doch niemandem geschadet, oder?


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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Do 6. Feb 2020, 09:36

Asche ist gekommen…und ich bin sehr froh und dankbar darum. Ich fürchte fast, dass ich ihm nicht genug davon gezeigt habe, aber mir fällt es immer schwerer im Hier und Jetzt zu verweilen. Ich brauche eine Aufgabe…etwas das meinen Fokus wieder auf etwas lenkt. Diese Tatenlosigkeit macht mich wahnsinnig. Ob ich deshalb immer seine Stimme höre? Ja…vielleicht ist das die Art der Leere, mir zu sagen, dass ich nicht mehr still stehen soll. Dass ich weiter vorwärts gehen muss und einbringe was ich einbringen kann.

Also bin ich aufgebrochen um die neuen Gäste auf dem Gelände der Bruderschaft zu treffen. Sie bringen sehr viel Misstrauen und Missgunst uns gegenüber mit und ich kann sie irgendwie verstehen. Ihre Weltanschauung ist so anders als unsere. Aber vielleicht hatte ich gerade von Ihnen etwas mehr Verständnis erhofft. Besteht die Welt nicht nur, weil alle Mächte im Gleichgewicht sind? So hat doch jede Seite seine Berechtigung. Leben…und Tod…Licht und Schatten…Nun vielleicht habe ich mich geirrt und sie halten uns für eine Abnormalität der Natur.

Iudicael hat mir gestern ein Geschenk aus Dalaran mitgebracht. Wie ein einfacher Kelch mich so sehr daran erinnern kann wie gern ich meine Familie wieder in die Arme nehmen würde…ich möchte Renariel noch heute schreiben. Er ist mir wirklich ein guter Freund geworden und irgendwie…fehlen mir unsere gemeinsamen Gespräche. Ob er weiß, wie es derzeit um Iudicael steht? Wie sehr er leidet? Ich sollte mich besser nicht einmischen, aber dass Ilassan noch nicht zurück ist…belastet Iudicael sehr und macht ihn…zerbrechlich.

Amandriel hingegen wirkt gerade ganz ausgeglichen und ruhig. Beinahe so…wie ich ihn vor dem Krieg kennen gelernt habe. Verschlossen und still…und…ich habe keine Ahnung woher er diese Geduld nimmt, oder ob er sie nur zeigt auch wenn es in ihm anders aussieht. Ich habe diese Geduld nicht und kann mich nur schwer noch weiter zusammenreißen. In Allem suche ich Ablenkung und kann mich doch nicht lange darauf konzentrieren. Ich möchte aufbrechen…und ich kann nicht mehr lange warten. Patrick hat seine Hilfe ebenfalls angeboten und wir können nun endlich gehen und losziehen…die Wunden sind geleckt…das Offensichtliche geheilt…langsam kribbelt es auch wieder in mir. Ich kann noch immer nicht zaubern, aber meine Magie kehrt bald zurück. Das spüre ich.

Und Honigkuchen kann ich jetzt backen…Das wird das erste sein was Ilassan bekommt, wenn er zurück ist. Honigkuchen…zu Hause sein…ankommen.
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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Mo 10. Feb 2020, 17:45

Es ist Zeit zu gehen. Zum einen für die anderen die sich nun auf die Suche nach Ilassan begeben und zum Anderen für mich.

Amandriel, Iudicael, Malyrius und Taranis machen sich auf den Weg nach Ratchet. Zu dem Ort an dem ich Ilassan das letzte mal gespürt habe. Und ich hoffe sehr, dass sie ihn finden und gesund nach Hause zurück bringen können.

Mittlerweile habe ich die Gewissheit, dass seine Stimme nicht echt in meinem Kopf sein kann. Das was ich nun höre entspringt meinem Geist oder der Leere. Malyrius hatte die Idee ihn einfach nach etwas zu fragen, dass ich nicht wissen kann. Bisher habe ich noch keine Antwort erhalten. Und wenn er schweigt...dann nur weil ich die Antwort auf diese Frage nicht weiß. Schade...so weiß ich wohl nun gewiss, dass ich mit meinen Gedanken allein bin.

Auf dieser Reise die mir nun bevor steht, bin ich nun also allein. Keiner meiner Brüder und Schwestern wird mich begleiten, wenn ich diese Aufgabe antrete und alle anderen hoffentlich mit Stolz erfüllen werde. Botschafterin...was bedeutet das überhaupt? Welche Botschaft haben wir denn zu überbringen? Ilassan hatte die Vision und die Träume von uns...ich habe oft mit ihm darüber gesprochen, was ich mir wünsche und dass ich den Menschen unsere Welt näher bringen möchte. Und jetzt...wo es so weit ist und ich das tun soll...fühlt es sich gar nicht so an wie ich erwartet habe. Diese Aufgabe bedeutet Verantwortung...man hat mir eine Leibwache zur Seite gestellt und der Weg den wir antreten, kann eine Reise ohne Wiederkehr sein. Ich habe mehr Angst als zu Zeiten dieses Krieges der doch gerade erst vorbei ist. Die Banshee mit so einem kleinen Trupp ausfindig zu machen...sie zu jagen und eventuell zu erlegen das...das ist Selbstmord...und...noch haben wir ja nicht einmal einen Ansatz wohin es gehen soll. Vielleicht wissen die Untoten mehr.

Die Kaldorei werden mich eventuell nicht anhören...zumindest jetzt noch nicht. Jetzt muss ich mich erst einmal beweisen und ihnen zeigen, dass ich keine Gefahr für die Welt bin. Das...bin ich doch nicht...oder?

Nun...wie dem auch sei...ich gehe meinen Weg und muss tapfer und standhaft sein. Viele vertrauen mir und ich werde mich meinem Schicksal stellen.


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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Mi 12. Feb 2020, 09:13

Ich bin gerade mal zwei Tage unterwegs und ich habe so viel erlebt, dass man ein ganzes Buch damit füllen kann. Aber ich muss sparsam sein, soviel Tinte habe ich nicht dabei und ich möchte den anderen schreiben wenn ich Ilassan finden sollte. Ob es ihnen gut geht und sie noch leben? Sie reisen immerhin mit guten Freunden das...spendet ihnen sicher Trost. Ich hoffe es zumindest.

Mit den Scharlachroten zu reisen ist grausam. Sie kommandieren einen ständig herum. Stell dich hierhin...schlafe da...mache jenes. Zendyr hat recht...das machen sie sicher nur weil sie nicht so alt werden und deshalb immer alles besonders schnell gehen muss, aber von diesem ganzen Geschrei und Getue werden sie ja auch nicht älter. Nun gut ich gebe mir Mühe mit ihnen zurecht zu kommen und füge mich. Krieg ist keine Demokratie und man muss hören was die Anführer sagen. Die blödeste Regel der Welt aber Ilassan hat mir das erklärt und ich versuche ihn ja auch irgendwie stolz zu machen. Zendyr sagt das mit den Regeln auch und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb hasst sie die Menschen...wobei ich eher glaube, dass sie die Welt hasst. Sie muss viele schlimme Dinge erlebt haben. Ich mag sie...auch wenn sie manchmal ziemlich gemeine Sachen sagt. Sie hat ein gutes Herz...irgendwie hat sie es nur tief tief unten in einem Haufen Schlamm eingebuddelt und man muss die Kruste erst knacken.

Die Kaldorei sind seltsam aber langsam finde ich Zugang zu ihnen. Während manche mich mit blankem Hass belohnen...sind andere wirklich sehr freundlich zu mir. Ilassan dein Honigkuchen wirkt Wunder...ich mache mir Gedanken wie man daraus einen Badezusatz machen kann. Niemand wird je wieder nein sagen wenn man so riecht.

Wir sind durch den smaragdgrünen Traum gereist. Keine Blutdistel der Welt kann zeigen was ich dort gesehen habe. Es war warm wie im Immersang...wunderbare Geschöpfe die sich zu Ungeheuern wandelten...dann wieder die schönsten Wesen...alles in mir wollte bleiben. Wirklich alles? Nein...die Leere fing an sich aufzubäumen...sie wollte ausbrechen und hat es mir schwer gemacht zu atmen...ich musste meine ganze Kraft zusammen nehmen um...gegen sie zu bestehen und wären die Druiden nicht gewesen die uns geleitet haben, wäre ich dort drinnen vermutlich irgendwann nicht mehr ich selbst gewesen. Nur wenige Augenblicke später und die Leere wäre heraus gebrochen...und wer weiß was dann passiert wäre.

Die Druiden sind sehr auf das Leben bedacht und schätzen und achten die Natur. Das mag ich irgendwie an ihnen. Kein Tier stirbt grundlos und manche von ihnen können sich selbst in Tiere verwandeln. Ich habe die schönste Eule in meinem ganzen Leben gesehen. Sie werden eins mit der Natur und wirken so...mit ihr verbunden dass es eine Freude ist ihnen allein schon dabei zu zu sehen. Ihr Gefieder ist ganz weich und sie ist warm...und...ich habe das größte und schönste Geschenk erhalten was man wohl erhalten kann. Ich dürfte auf ihrem Rücken durch die Lüfte reiten. Ihre Flügel hielten mich sicher und ich habe mich noch nie so frei gefühlt. Nicht, dass ich nicht schon oft geritten bin...aber das war...irgendwie findet man zu sich selbst und ist so ungebunden. Ich habe mich immer gefragt wie es ist richtig frei zu sein...das Gefühl auf dem Rücken dieses wunderbaren Tieres...ist es wohl was Freiheit bedeutet.

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Re: Emis Leeren

Beitrag von Emiriel » Fr 14. Feb 2020, 13:09

Wir reiten und rasten und rasten und reiten. So sieht also die Suche nach der wohl gefährlichsten Person der Welt aus. Zugegeben ohne Hinweise und Anhaltspunkte bleibt wohl auch nichts anderes übrig als es genau so zu tun. Mir ist immer noch nicht ganz klar...welches Ziel die Kaldorei genau haben...glauben sie wirklich, dass sie etwas gegen die Banshee ausrichten können?


Die Allianz und fast die ganze Horde mussten
mit ansehen wie sie verschwand...und ja...sie hat vielen den Tod gebracht. Gestern kam mir wieder das Lied dieses Untoten in den Geist. Er sang für mich und ich habe mitgesungen...vielleicht auch nur weil diese blaue Fahne mich förmlich dazu einlud mich ihnen zu öffnen und dem Gesang seinen Platz zu geben. Immerhin hat er einen Platz...ich weiß noch immer nicht wo genau meiner auf dieser Reise sein soll.


Irgendwie haben sie alle Vorbehalte gegen mich und auch Zendyr. Verständlich man fürchtet das was man nicht kennt...man sieht die Gefahr und die Bedrohung im Wandel und es ist schwierig Zugang zu ihnen zu finden. Ist es das was ich hier soll? Ihnen Zugang zu unserem denken und sein zu verschaffen? Naja...Soetwas tun Botschafter wohl. Aber dafür diese beschwerliche Reise? Diese aussichtslos erscheinende Unterfangen? Was bezweckt die ehrwürdige Mutter damit sich so etwas anzuschließen?


Wie dem auch sei...ich...glaube ich kann Freunde hier finden. Cedric ist sehr offen und zeigt mir Dinge die ich nicht verstehe...und langsam stellt er Fragen...anscheinend will er verstehen...genau wie Harlow. Sie ist wissbegierig und interessiert sich für Telogrus und die Leere. Öffne ich, wenn ich dieses Wissen teile eine Pforte für den Feind...oder eine Pforte für uns starke und gute Verbündete zu finden?. Die Welt ist im Wandel und wir müssen uns anpassen um diesen Wandel zu überstehen. Etwas...dass die Kaldorei noch nicht gelernt haben...sie geben Verletzten nicht einmal ihre Reittiere um zu helfen...wäre die ehrwürdige Mutter nicht gewesen...wären die Worgen wohl verblutet. Ob das jetzt ein Gewinn oder ein Verlust gewesen wäre vermag ich nicht zu sagen.


Vielleicht hätte Ilassan mehr dazu zu sagen gehabt. Er...fehlt mir hier...von allen meinen Brüdern und Schwestern ist er es...der uns am besten zusammen halten konnte. Sie alle fehlen mir...Iudicaels aufbauende Worte, Amandriels Ruhe, Malyrius’ Grummeln das mich doch immer wieder zum Lachen bringen kann, die Visionen von Taranis und die heitere Art von Jeremiel...ob sie Ilassan schon gefunden haben? Er...war so still gestern...kein Wort nur der Gesang der Untoten...und die Stimmen...ob er noch lebt? Ich hoffe es...

Und ein letztes Memo an mich...Melonensaft eignet sich nicht für eine lange Reise...er riecht komisch und ich traue mich nicht davon zu kosten.
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