Seuche

Schreiben und Geschehen rund um die Truppen von Angizia
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Tod
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Seuche

Beitrag von Tod » Mo 4. Feb 2019, 10:08

Seuche hat geschrieben:"Fundstätte Feldspital 1... Siebenunddreißig Tote, dreizehn durch jüngst erlittene Wunden, davon sieben überwiegend magisch, zwölf durch Infektionen an frischen Wunden--" Der Verlassene unterbricht sich, als Delirium entzückt kichert. Das grellgrün glimmende Ross hat sich mitten im improvisierten Feldlabor seiner Herrin, Mutter, Geliebten und besten Freundin hingelegt - oder wurden die Labortische, Kessel und vollgestopften Truhen um das unheilige Tier herum aufgebaut? Seuche nickt nur und bedeutet dem Soldaten, fortzufahren. Es sind kleine Zahlen, aber die neuen Instrumente des Krieges bedürfen gelegentlich einer kleinen Probe, bevor man wirklich Spaß damit haben kann... auch wenn sie die unbeschwerten Stunden schätzt, in denen sie auf Deliriums Rücken thront und sich das zahlenschwere Loblied ihrer Kunst verlesen lässt.

"Zwölf durch Infektionen... und nochmal zwölf durch Seuchenschäden. Feldspital 2 ist durch Feuerschäden schwer, ähm... beschädigt. Lehrling Yoswithra hat es hintenangestellt." Unsicherheit flackert in den untoten Augen auf, als das Ross ein empörtes Schnauben von sich gibt - nicht das eines ungehaltenen Pferdes, sondern ein kindlich prinzessinenhaftes 'Pfüh!'. Seuches gerüstete Hand krault das Tier beruhigend hinterm Ohr und schabt mit den Fingerspitzen ein paar Klumpen Schorf von den stacheligen Knochen.
"Haben wir Berichte von den Schiffen? Aus Sturmwind?" Tiefgrüner Rauch wallt mit jedem Wort aus dem rostigen Visier der Reiterin und verliert sich in Tirisfals beinahe greifbar schwerem Nebel. Die Frage klingt nonchalant, beiläufig, doch wer Seuche kennt, kann die verspielten Inflektionen deuten, das zarte Zittern der sonst so müden Stimme - sie ist gespannt. Vorfreudig. Gierig darauf, zu hören, was ihre Hand über tausende von Meilen hinweg angerichtet hat, und endlich wieder etwas zu empfinden in ihrem grauen, faulenden Leib.
Delirium ist nicht so subtil. Die leeren Augenhöhlen flackern in schmutzig regenbogenfarbenem Licht und Geifer trieft durch seine Reißzähne, zäh und schaumig gelb. Das liebliche Kichern des Pferdes dringt dem Soldaten selbst da bis auf die Knochen, wo sie noch von Fleisch bedeckt sind.

"Jjja, Herrin. Wir haben Berichte von den Fledermausreitern über Seebegräbnisse auf Allianzschiffen, ähm, insgesamt etwa drei Dutzend verteilt auf vier Schiffe." Deliriums hingerissenes Seufzen verschafft ihm eine kurze Atempause, die nicht so sehr sein Körper als vielmehr sein Verstand gut gebrauchen kann. Langsam fragt er sich, ob das die drei Hundswachen wert war, gegen die er diesen Vortrag bei seinem Korporal eingetauscht hat. Das leise Gurren der Reiterin unterbricht seine Gedankengänge. "Weiter..." Sie sitzt zurückgelehnt auf ihrem entsetzlichen Ross, die Beine überschlagen, und genießt die Meldungen wie eine warme Sommerbrise. Ein warmes Kribbeln kriecht durch ihre Knochen, als der Soldat verheißungsvoll fortfährt: "Wir haben aus Sturmwind selbst keine Berichte, aber..." Es ist wie Verliebtsein, nur dass der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang ist... oder die Liebe selbst?
"...aber im Schlingendorntal sind wohl ganze Regimenter mit, ähm, Trauerbändern unterwegs. Und laut einem Matrosen in Ratchet wird derzeit das Dreifache an Trauermessen gehalten, also in Sturmwind, und am Hafen sind ganze Docks mit Särgen zugestellt-" Diesmal hallt die Verzückung von Ross und Reiterin unisono über den nebligen Hügel.
Ohne einen weiteren Blick entlässt Seuche den Soldaten mit einem beinahe erschöpften Wink und gleitet von Deliriums Rücken, als er das Weite gesucht hat.
"Hab mich ein bisschen gehen lassen, hm?" Delirium gluckst zustimmend. "Ich war wirklich zu lange mit diesen Schlägern unterwegs... Vielleicht bringt das Geschenk für unsre blutroten Freunde uns auf andere Gedanken... was meinst du, Liebling?"

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