Tagebuch einer Nekromantin

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Khelperetocs
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Unfall der anderen Art

Beitrag von Khelperetocs » Fr 10. Mai 2019, 07:51

Die Kammer der Beschwörung um die siebte Morgenstunde herum. Nach dem feierlichen Gebet zur Wiederkehr des Lichkönigs begann der Unterricht an der Lehranstalt für angewandte Nekromantie. Das erste Semester begab sich in Lehrsaal 1, dort gab Lehrmeister Silendrius Unterricht in der Herstellung von Alchemica. Meister Hilarius Nepomuk von Mersingen, er unterrichtet das Fach „Verteidigung gegen die lichten Künste“, hielt für seine Schüler ein Referat an der äußeren Burgmauer. Die Lehrmeisterin Argneta Zeferon, eine Koryphäe in der arkanen Schule der Bannung, schwor derweil ihre Zöglinge in der Kammer der Beschwörung ein. Die bleiche Mitvierzigerin wurde nicht müde die Wichtigkeit von Bann-Runen bei Beschwörungen hervorzuheben und trichterte dies ihren Studenten förmlich ein.

Nachdem sie die Bann-Runen mittels weißer Kreide auf dem Boden gezeichnet hatte, richtete sie ihr Wort an die Schüler. Ehe ihre Ausführung abgeschlossen war, wurde der Unterricht unterbrochen. Die Nekromantin Khelperetocs Durand, die schwarze Rätin und Adjutantin der Schulleitung, betrat die Kammer der Beschwörung. Sie bat Argneta Zeferon um ein kurzes Vier-Augen-Gespräch, worauf die Lehrmeisterin mit ihr eine Ecke in der Kammer aufsuchte. Augenblicke später verließ die junge Nekromantin die Lehrveranstaltung wieder und die hagere Meisterin der Bannungsmagie kehrte zu ihren Schülern zurück. Erneut platzierte sie sich in der Mitte der Runen und bat drei der Schüler eine Beschwörung vorzunehmen. Dabei sollten diese die halbverwesten Körper kürzlich verstorbener Soldaten erheben, unter ihre Kontrolle bringen und gegen ihre Lehrmeisterin ausrichten. „Die Bann-Runen schützen mich, ohne das ich auch nur eine abwehrende Maßnahme setzen muss“ fistelte Argneta Zeferon belehrend, während die Schüler die Beschwörung vorbereiteten. Grausame Gestalten, die verzerrten Überreste einst stolzer Soldaten, erhoben sich als das Unleben in sie einfuhr. Ihren Befehlen folge leistend schlurften sie sogleich in Richtung der Lehrmeisterin, die ruhig und selbstsicher innehielt. Wider erwarten überwanden die wandelnden Toten ohne Mühen die Runen und begannen auf die sich windende und kreischende Lehrmeisterin einzuschlagen. Die Studenten hatten alle Hände voll zu tun um die Untoten auf zu halten, denn auch sie standen unter Schock wie zu Eis erstarrt da. Augenblicke später wurde Argneta Zeferon schwer verwundet auf die Krankenstation gebracht. Wochen sollten bis zu ihrer Genesung verstreichen.

Was war geschehen? Die schreckliche Tragödie blieb nicht ungesehen. Khelperetocs Durand hatte diese Szenerie durch eine Türschlitz mitverfolgt. Insgeheim lobte sie ihre getreuen Helfer, welche die Runen sabotiert hatten, während sie und Argneta Zeferon sich unterhalten hatten. Diese untoten Insekten symbolisierten die wohl höchste Evolutionsstufe ihres untoten Gezüchts. Untote Käfer und Würmer hatten die Kreidestriche unterbrochen, und so waren die Runen unwirksam geworden. Was war die Folge? Vize-Direktorin Shiar Khan, die stets ein wachsames Auge auf Dimiona Galbert und Khelperetocs Durand hatte, war gezwungen Argneta Zeferons Lehrstunden zu supplieren. Die Töchter der Nacht, wie sich Dimiona und Khelperetocs nannten, gerieten so für eine Weile aus der Beobachtung.
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Khelperetocs
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Hand der Finsternis

Beitrag von Khelperetocs » Mi 15. Mai 2019, 15:46

Gegenüber der Bastion zu Stratholme lag am Kreuzzüglerplatz die Ruine eines einstigen Herrenhauses. Einst Sitz der Familie Streizig befanden sich Mauerwerk und Holz nach dem großen Brand in einem desolaten Zustand. Dennoch hatte sich die Nekromantin Khelperetocs Durand auf den Balkon des Hauses gewagt und blickte von diesem über den Kreuzzüglerplatz hinüber zur Bastion. Mit einem süffisanten, gar triumphierenden Blick bedachte sie ihre Umwelt und sonnte sich im Glanz der Dunkelheit dieses unheilvollen Ortes. Ihre Lederriemen, die mehr Haut ihres Körpers preisgaben, als sie zu verdecken wussten, lagen eng an. Der schwarze Pferdeschwanz flatterte wild im Wind und stand stellvertretend für ihre wilde Entschlossenheit in jenen Tagen. Eine Kräuterzigarre fand den Weg in ihren Mund und wurde kurz darauf mittels Feuerstein und Zunder entzündet. Wohltuend wirkte der blaue Dunst auf sie, als er gierig von ihren Lungen aufgesogen wurde.

Das Knarzen des Balkonbodens kündete davon, dass sie nun nicht mehr alleine war. Da stand er, Agravaine von Streizig, letzter überlebender Spross des Hauses Streizig. Der Anfang 50er, hochgewachsene Mann mit pechschwarzem Haar trug ein ledernes Wams und eine Wollhose. Lediglich seine blank polierten Stiefel zeugten vom Status eines Edelmannes. Im Gegensatz zu seiner Familie war Agravaine der Verheerung von Stratholme entkommen. Schon zuvor hatte er sich auf zwielichtige Pfade begeben, weshalb ihm Gefängnisgitter nicht ganz fremd waren. Das gute Gold seiner Familie hatten ihn stets vor weitreichenden Folgen bewahrt. Nach den Wirren des Krieges hatte er sich dem Syndikat zugewandt und all seine Mühen darauf gesetzt in sein Familienanwesen zurück zu kehren. Das Erbe seines Hauses war ihm höchstes Gut, doch blieb ihm dieser Wunsch stets verwehrt. Agravaine sah seine Chance gekommen als er von der Herrschaft Ignaz W. Zimmerers erfahren hatte. Er war damals bei ihm vorstellig geworden. Schließlich hatte der einstige Graf der Darrowehr seiner Ziehtochter Khelperetocs beauftragt, Streizig nach Stratholme zu bringen. Dazu war es nicht mehr gekommen. Zimmerer war gestürzt worden und mit seinem Sturz endete Agravaines Hoffnung auf die ersehnte Rückkehr in sein Haus. Die jüngsten Entwicklungen hatten nun Khelperetocs zu der Überlegung geführt, Agravaine nun doch seinen Wunsch zu erfüllen. Natürlich nicht ohne entsprechende Hintergedanken dabei zu pflegen.

Agravaine: Ich war im Studierzimmer meines Vaters, es blieb über all die Jahre unversehrt. Die Familienchronik, das Schwert unseres Hauses, der Stammbaum, es ist mein. Nach all den Jahren, nach all dem Leid und all dem Schmerz, es ist endlich mein.

Khelperetocs: Und nun frage dich, Agravaine, wem hast du dies zu verdanken?

Agravaine: Lange musste ich darauf warten nur um mich der Blöße hingeben zu müssen, dass mir ein Mädchen, halb so alt wie ich, mir meinen Lebenstraum erfüllt. Wonach begehrst du? Gold, das sollst du haben! In der Hinterlassenschaft meines Vaters fand ich den Familienschmuck meiner Mutter. Eine Beteiligung sei Dir gewiss.

Khelperetocs: Gold allein wird nicht ausreichen, Agravaine! Diene mir! Ich weiß ob deiner Bekanntschaften und ich weiß ob deiner Fähigkeiten. Während es mir verwehrt bleibt einen Fuß nach Sturmwind zu setzen, kannst du im Handelsdistrikt unbehelligt Einkäufe tätigen. Werde mein Berater und wirke mit am Aufbau von etwas Großem. Dort drüben, in der Bastion, blüht der Keim einer dunklen Blüte auf. Es braucht helfende Hände und geistreiche Gedanken, diese zu nähren. Ich biete dir hier eine Zukunft und die Restaurierung deines Hauses, wenn du mir dienst.

Agravaine: An einem Ort, der von Tod und Verderben geprägt ist?

Khelperetocs: An einem Ort, der ein neues Kapitel aufschlägt. Tod und Finsternis werden allgegenwärtig sein, und dennoch wird Leben einkehren. Die Geächteten und die Verdammten, deren Hoffnungen vor langer Zeit schwanden, werden hier fündig werden. Du Agravaine, bist einer von ihnen. Ob du es abstreitest oder annimmst. Du kannst Teil von etwas Großem werden oder weiterhin als Suchender Azeroth durchstreifen. Pläne und Ränke müssen geschmiedet werden, flüsternde Wörter überbracht werden und nicht zuletzt Organisationen getätigt werden. Sei mir loyal und das Haus Streizig wird wiedergeboren genau an jenem Ort, wo es einst gestorben ist.

Ein nachdenklicher Blick, ungezählte Augenblicke, waren die Folge. Agravaine starrte hinüber zur Bastion, hinauf zu einem leeren Himmel und schließlich beugte er das Knie vor seiner neuen Herrin.
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Gestern und Heute

Beitrag von Khelperetocs » Fr 17. Mai 2019, 14:55

Es glich einem Traum. Saftige Apfelbäume in der Blüte stehend, ein sattes Grün auf Feldern und Wiesen. Händler auf Kutschen und Pferden zogen singend die Straße gen Westen hinauf. Soldaten in ihren blankpolierten Rüstungen standen stramm am Wegesrand. Die Sonne spiegelte sich in ihren Schildern wider, auf jenen Schildern, auf denen das bekannte „L“ zu sehen war. Eine Zeit des Friedens, des Wohlstandes und des Aufschwungs.
In einem Meer weißer Blüten spielte dieses junge Kind. Die Blütenblätter wirbelten gleich seinem schwarzen, wallenden Haar umher. Heiter warf er den Lederball gen Himmel und fing ihn wieder auf. Alles war gut, Zufriedenheit erfüllte den kleinen Knirps.

Agravaine von Streizig stand nur da und beobachtete den spielenden Jungen. Er beobachtete sich selbst, über 40 Jahreskreise war es her. Der Adelige stand nun an derselben Stelle, an jenem Ort, zu jener Zeit, wo Leichtigkeit und Freude sein Leben erfüllt hatten. Agravaine hielt inne, als wollte er den flüchtigen Moment des Augenblicks einfach nur festhalten. Doch irgendwann drängte sich die Realität in den Vordergrund. Die Apfelbäume verfaulten und aus ihren verrotteten Überresten keimten giftige Pilze. Das Leben um ihn herum schwand als würde es in einem Strudel der Zeit einfach aufgesogen. Irgendwann war da nur mehr Dunkelheit und Fäulnis. Ein Wort riss ihn aus seinen Gedanken.

Khelperetocs: Agravaine!

Agravaine: Was, ich, verzeiht, Herrin! Ich hing nur wehmütigen Gedanken nach. Ihr wart wohl gerade einmal 10 Jahre alt als diese Lande hier verheert worden waren. Doch ich verbinde zahlreiche Erinnerungen mit diesem Ort, der einst meine Heimat gewesen ist.

Khelperetocs: Ein Ort im Wandel der Zeit, Agravaine. Verabschiede dich von deinen Erinnerungen, sie haften an dir wie ein Blutegel, der dir Kraft aus deinem Körper saugt. Es ist an der Zeit ein neues Kapitel in dieser Geschichte aufzuschlagen. Eine Geschichte, deren Entwicklung du selbst mitbestimmst. Viele waren einst Tod und Verderb ausgeliefert, aber nur, weil sie in ihrer Schwäche resignierten. Die Finsternis birgt ungeahnte Möglichkeiten, sie formt uns und macht uns zu einem Teil von etwas Großem. Man muss sich ihrer nur offenbaren, sich ihr hingeben und ja sagen.

Agravaine: Und eure nächsten Schritte, Herrin?

Khelperetocs: Ich habe veranlasst, dass sobald die Tol Barad Arbeiter in der Bastion ihr Werk abgeschlossen haben, sie dein Herrenhaus aufsuchen. Sie werden notdürftige Reparaturen vornehmen und zumindest ein oder zwei Räume bezugsfähig instandsetzen. Danach wirst du gen Sturmwind aufbrechen und deinen Familienschmuck im Pfandhaus abgeben. Gold hat für unsere Sache nun mehr Bedeutung, denn alte Erinnerungen. Mit diesem Gold werden wir Investitionen tätigen, die auch deinem Haus zugutekommen werden.

Agravaine: Was ist mit dem neuen Direktor der Scholomance? Weiß er von mir?

Khelperetocs: Lass dies meine Sorge sein, Agravaine. Was dies betrifft, sehe alles, sage nichts. Noch sind wir gezwungen ein Theaterstück aufzuführen um Jene in Sicherheit zu wiegen, die meinen, dass wir ihnen dienen. Noch brauchen wir sie. Um langfristig unsere Pläne umsetzen zu können werden wir auf Intrigen und Ränke schmieden zurückgreifen müssen. Doch du bist ein Kind des Adels und solche Handlungen sind dir nicht fremd. Lass uns nun zurückkehren an die Bastion, es ist Zeit das ich Dir meine Schwester im Geiste vorstelle.

Es dämmerte bereits als die Nekromantin und der Adelige nach Stratholme zurückkehrten.
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Unwillkommene Gäste

Beitrag von Khelperetocs » Do 23. Mai 2019, 13:40

Die Dunkelheit der Nacht legte sich langsam über den an sich schon so nebelverschleierten Ort des Kreuzzüglerplatzes von Stratholme. Die Ruinen der einst so prächtigen Stadt stachen wie verqualmte Dornen gen Himmel und sorgten für ein Flair der Verheerung. So viele Menschen fanden einst einen grausamen Tod hier und noch immer hingen ruhelose Seelen in ihrer Verzweiflung fest. Wer klug war mied diesen unheilvollen Ort, wer noch klüger war nutzte ihn für seine dunklen Machenschaften. Denn kaum einer der bei klarem Verstand war würde jemals einen Fuß freiwillig nach Stratholme setzen.

Die Töchter der Nacht, Dimiona Galbert und Khelperetocs Durand, als auch ihre Anhänger, setzten fort, was Ignaz Waldemar Zimmerer einst begonnen hatte. Sie richteten die Bastion zu einem Refugium ganz nach ihren Vorstellungen ein. Dunkle Liturgie soll dort gebetet werden, verwerfliche Magie gewirkt werden. Und all dies im Namen der Schatten und zum persönlichen Aufstieg der Beiden. Um ihren Plan umsetzen zu können griffen sie auf die Unterstützung des amtierenden Direktors der Scholomance, Dunkelmeister Ambrosius Firlar, zurück. Sie hatten ihm den Wert dieses Vorhabens schmackhaft geredet und versprochen, dass ihr Wirken dafür Sorge tragen wird, dass die Unternehmung seiner Feinde im fernen Nordend scheitern wird. Nur deshalb sicherte der greise Nekromant seine Unterstützung zu, verfolgte den Aufstieg der beiden jedoch mit wachsendem Misstrauen. Ambrosius fürchtete, Dimiona und Khelperetocs könnten bald ihren Einfluss geltend machen um ihn zu stürzen. Um dem vorzubeugen hatte er ein Kontingent von Skelettkriegern in Begleitung von zwei Nekromanten entsandt. Nun standen die Töchter der Nacht unter permanenter Beobachtung.

Khelperetocs war über seine Wahl der beiden Nekromanten überrascht. Den Einen kannte sie nur flüchtig, er war aus Nordend angereist und ein fähiger Geisterbeschwörer. Doch die Zweite war der schwarzhaarigen Schönheit durchaus bekannt. Instrukteurin Malicia! Die blonde Sindorei unterrichtete einst unter Ignaz W. Zimmerer das Fach Alchemie an der Scholomance. Sie war jedoch wesentlich am Verrat an Zimmerer beteiligt und fand so Zuspruch und Vertrauen bei dessen Nachfolger Ambrosius Firlar. Und dieser hatte sie nun als Visitatorin an die Bastion entsandt. Schon im Vorfeld hatten Dimiona und Khelperetocs Pläne geschmiedet um zu viel Schnüffelei vorzubeugen. Doch Malicia war ein anderes Kaliber, sie würde nicht so einfach entsprechenden Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel Gedankenkontrolle, zum Opfer fallen. Khelperetocs war klar, auf lange Sicht gesehen musste man Malicia entweder für sich gewinnen oder beseitigen, es gab keine Alternative dazu. Dies wird eine Herausforderung darstellen, denn es braucht einerseits ausreichend Ablenkung, sowie ausreichend Stoff um Malicia die Wahrheit vorzuenthalten. An diesem Abend stieg Khelperetocs in den modrigen Keller jenes abgebrannten Hauses nahe der Bastion hinab, dass einst als Zeughaus für einen Lichtorden genutzt worden war. Nun sollen dort dunkle Beschwörungen abgehalten werden. Die Nekromantin strich mit einem Finger den Staub vergangener Zeiten weg. Asche! Es war Asche und all ihre Feinde sollen auch bald zu Asche werden.
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