Tagebuch einer Nekromantin

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Khelperetocs
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Unfall der anderen Art

Beitrag von Khelperetocs » Fr 10. Mai 2019, 07:51

Die Kammer der Beschwörung um die siebte Morgenstunde herum. Nach dem feierlichen Gebet zur Wiederkehr des Lichkönigs begann der Unterricht an der Lehranstalt für angewandte Nekromantie. Das erste Semester begab sich in Lehrsaal 1, dort gab Lehrmeister Silendrius Unterricht in der Herstellung von Alchemica. Meister Hilarius Nepomuk von Mersingen, er unterrichtet das Fach „Verteidigung gegen die lichten Künste“, hielt für seine Schüler ein Referat an der äußeren Burgmauer. Die Lehrmeisterin Argneta Zeferon, eine Koryphäe in der arkanen Schule der Bannung, schwor derweil ihre Zöglinge in der Kammer der Beschwörung ein. Die bleiche Mitvierzigerin wurde nicht müde die Wichtigkeit von Bann-Runen bei Beschwörungen hervorzuheben und trichterte dies ihren Studenten förmlich ein.

Nachdem sie die Bann-Runen mittels weißer Kreide auf dem Boden gezeichnet hatte, richtete sie ihr Wort an die Schüler. Ehe ihre Ausführung abgeschlossen war, wurde der Unterricht unterbrochen. Die Nekromantin Khelperetocs Durand, die schwarze Rätin und Adjutantin der Schulleitung, betrat die Kammer der Beschwörung. Sie bat Argneta Zeferon um ein kurzes Vier-Augen-Gespräch, worauf die Lehrmeisterin mit ihr eine Ecke in der Kammer aufsuchte. Augenblicke später verließ die junge Nekromantin die Lehrveranstaltung wieder und die hagere Meisterin der Bannungsmagie kehrte zu ihren Schülern zurück. Erneut platzierte sie sich in der Mitte der Runen und bat drei der Schüler eine Beschwörung vorzunehmen. Dabei sollten diese die halbverwesten Körper kürzlich verstorbener Soldaten erheben, unter ihre Kontrolle bringen und gegen ihre Lehrmeisterin ausrichten. „Die Bann-Runen schützen mich, ohne das ich auch nur eine abwehrende Maßnahme setzen muss“ fistelte Argneta Zeferon belehrend, während die Schüler die Beschwörung vorbereiteten. Grausame Gestalten, die verzerrten Überreste einst stolzer Soldaten, erhoben sich als das Unleben in sie einfuhr. Ihren Befehlen folge leistend schlurften sie sogleich in Richtung der Lehrmeisterin, die ruhig und selbstsicher innehielt. Wider erwarten überwanden die wandelnden Toten ohne Mühen die Runen und begannen auf die sich windende und kreischende Lehrmeisterin einzuschlagen. Die Studenten hatten alle Hände voll zu tun um die Untoten auf zu halten, denn auch sie standen unter Schock wie zu Eis erstarrt da. Augenblicke später wurde Argneta Zeferon schwer verwundet auf die Krankenstation gebracht. Wochen sollten bis zu ihrer Genesung verstreichen.

Was war geschehen? Die schreckliche Tragödie blieb nicht ungesehen. Khelperetocs Durand hatte diese Szenerie durch eine Türschlitz mitverfolgt. Insgeheim lobte sie ihre getreuen Helfer, welche die Runen sabotiert hatten, während sie und Argneta Zeferon sich unterhalten hatten. Diese untoten Insekten symbolisierten die wohl höchste Evolutionsstufe ihres untoten Gezüchts. Untote Käfer und Würmer hatten die Kreidestriche unterbrochen, und so waren die Runen unwirksam geworden. Was war die Folge? Vize-Direktorin Shiar Khan, die stets ein wachsames Auge auf Dimiona Galbert und Khelperetocs Durand hatte, war gezwungen Argneta Zeferons Lehrstunden zu supplieren. Die Töchter der Nacht, wie sich Dimiona und Khelperetocs nannten, gerieten so für eine Weile aus der Beobachtung.
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Hand der Finsternis

Beitrag von Khelperetocs » Mi 15. Mai 2019, 15:46

Gegenüber der Bastion zu Stratholme lag am Kreuzzüglerplatz die Ruine eines einstigen Herrenhauses. Einst Sitz der Familie Streizig befanden sich Mauerwerk und Holz nach dem großen Brand in einem desolaten Zustand. Dennoch hatte sich die Nekromantin Khelperetocs Durand auf den Balkon des Hauses gewagt und blickte von diesem über den Kreuzzüglerplatz hinüber zur Bastion. Mit einem süffisanten, gar triumphierenden Blick bedachte sie ihre Umwelt und sonnte sich im Glanz der Dunkelheit dieses unheilvollen Ortes. Ihre Lederriemen, die mehr Haut ihres Körpers preisgaben, als sie zu verdecken wussten, lagen eng an. Der schwarze Pferdeschwanz flatterte wild im Wind und stand stellvertretend für ihre wilde Entschlossenheit in jenen Tagen. Eine Kräuterzigarre fand den Weg in ihren Mund und wurde kurz darauf mittels Feuerstein und Zunder entzündet. Wohltuend wirkte der blaue Dunst auf sie, als er gierig von ihren Lungen aufgesogen wurde.

Das Knarzen des Balkonbodens kündete davon, dass sie nun nicht mehr alleine war. Da stand er, Agravaine von Streizig, letzter überlebender Spross des Hauses Streizig. Der Anfang 50er, hochgewachsene Mann mit pechschwarzem Haar trug ein ledernes Wams und eine Wollhose. Lediglich seine blank polierten Stiefel zeugten vom Status eines Edelmannes. Im Gegensatz zu seiner Familie war Agravaine der Verheerung von Stratholme entkommen. Schon zuvor hatte er sich auf zwielichtige Pfade begeben, weshalb ihm Gefängnisgitter nicht ganz fremd waren. Das gute Gold seiner Familie hatten ihn stets vor weitreichenden Folgen bewahrt. Nach den Wirren des Krieges hatte er sich dem Syndikat zugewandt und all seine Mühen darauf gesetzt in sein Familienanwesen zurück zu kehren. Das Erbe seines Hauses war ihm höchstes Gut, doch blieb ihm dieser Wunsch stets verwehrt. Agravaine sah seine Chance gekommen als er von der Herrschaft Ignaz W. Zimmerers erfahren hatte. Er war damals bei ihm vorstellig geworden. Schließlich hatte der einstige Graf der Darrowehr seiner Ziehtochter Khelperetocs beauftragt, Streizig nach Stratholme zu bringen. Dazu war es nicht mehr gekommen. Zimmerer war gestürzt worden und mit seinem Sturz endete Agravaines Hoffnung auf die ersehnte Rückkehr in sein Haus. Die jüngsten Entwicklungen hatten nun Khelperetocs zu der Überlegung geführt, Agravaine nun doch seinen Wunsch zu erfüllen. Natürlich nicht ohne entsprechende Hintergedanken dabei zu pflegen.

Agravaine: Ich war im Studierzimmer meines Vaters, es blieb über all die Jahre unversehrt. Die Familienchronik, das Schwert unseres Hauses, der Stammbaum, es ist mein. Nach all den Jahren, nach all dem Leid und all dem Schmerz, es ist endlich mein.

Khelperetocs: Und nun frage dich, Agravaine, wem hast du dies zu verdanken?

Agravaine: Lange musste ich darauf warten nur um mich der Blöße hingeben zu müssen, dass mir ein Mädchen, halb so alt wie ich, mir meinen Lebenstraum erfüllt. Wonach begehrst du? Gold, das sollst du haben! In der Hinterlassenschaft meines Vaters fand ich den Familienschmuck meiner Mutter. Eine Beteiligung sei Dir gewiss.

Khelperetocs: Gold allein wird nicht ausreichen, Agravaine! Diene mir! Ich weiß ob deiner Bekanntschaften und ich weiß ob deiner Fähigkeiten. Während es mir verwehrt bleibt einen Fuß nach Sturmwind zu setzen, kannst du im Handelsdistrikt unbehelligt Einkäufe tätigen. Werde mein Berater und wirke mit am Aufbau von etwas Großem. Dort drüben, in der Bastion, blüht der Keim einer dunklen Blüte auf. Es braucht helfende Hände und geistreiche Gedanken, diese zu nähren. Ich biete dir hier eine Zukunft und die Restaurierung deines Hauses, wenn du mir dienst.

Agravaine: An einem Ort, der von Tod und Verderben geprägt ist?

Khelperetocs: An einem Ort, der ein neues Kapitel aufschlägt. Tod und Finsternis werden allgegenwärtig sein, und dennoch wird Leben einkehren. Die Geächteten und die Verdammten, deren Hoffnungen vor langer Zeit schwanden, werden hier fündig werden. Du Agravaine, bist einer von ihnen. Ob du es abstreitest oder annimmst. Du kannst Teil von etwas Großem werden oder weiterhin als Suchender Azeroth durchstreifen. Pläne und Ränke müssen geschmiedet werden, flüsternde Wörter überbracht werden und nicht zuletzt Organisationen getätigt werden. Sei mir loyal und das Haus Streizig wird wiedergeboren genau an jenem Ort, wo es einst gestorben ist.

Ein nachdenklicher Blick, ungezählte Augenblicke, waren die Folge. Agravaine starrte hinüber zur Bastion, hinauf zu einem leeren Himmel und schließlich beugte er das Knie vor seiner neuen Herrin.
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Gestern und Heute

Beitrag von Khelperetocs » Fr 17. Mai 2019, 14:55

Es glich einem Traum. Saftige Apfelbäume in der Blüte stehend, ein sattes Grün auf Feldern und Wiesen. Händler auf Kutschen und Pferden zogen singend die Straße gen Westen hinauf. Soldaten in ihren blankpolierten Rüstungen standen stramm am Wegesrand. Die Sonne spiegelte sich in ihren Schildern wider, auf jenen Schildern, auf denen das bekannte „L“ zu sehen war. Eine Zeit des Friedens, des Wohlstandes und des Aufschwungs.
In einem Meer weißer Blüten spielte dieses junge Kind. Die Blütenblätter wirbelten gleich seinem schwarzen, wallenden Haar umher. Heiter warf er den Lederball gen Himmel und fing ihn wieder auf. Alles war gut, Zufriedenheit erfüllte den kleinen Knirps.

Agravaine von Streizig stand nur da und beobachtete den spielenden Jungen. Er beobachtete sich selbst, über 40 Jahreskreise war es her. Der Adelige stand nun an derselben Stelle, an jenem Ort, zu jener Zeit, wo Leichtigkeit und Freude sein Leben erfüllt hatten. Agravaine hielt inne, als wollte er den flüchtigen Moment des Augenblicks einfach nur festhalten. Doch irgendwann drängte sich die Realität in den Vordergrund. Die Apfelbäume verfaulten und aus ihren verrotteten Überresten keimten giftige Pilze. Das Leben um ihn herum schwand als würde es in einem Strudel der Zeit einfach aufgesogen. Irgendwann war da nur mehr Dunkelheit und Fäulnis. Ein Wort riss ihn aus seinen Gedanken.

Khelperetocs: Agravaine!

Agravaine: Was, ich, verzeiht, Herrin! Ich hing nur wehmütigen Gedanken nach. Ihr wart wohl gerade einmal 10 Jahre alt als diese Lande hier verheert worden waren. Doch ich verbinde zahlreiche Erinnerungen mit diesem Ort, der einst meine Heimat gewesen ist.

Khelperetocs: Ein Ort im Wandel der Zeit, Agravaine. Verabschiede dich von deinen Erinnerungen, sie haften an dir wie ein Blutegel, der dir Kraft aus deinem Körper saugt. Es ist an der Zeit ein neues Kapitel in dieser Geschichte aufzuschlagen. Eine Geschichte, deren Entwicklung du selbst mitbestimmst. Viele waren einst Tod und Verderb ausgeliefert, aber nur, weil sie in ihrer Schwäche resignierten. Die Finsternis birgt ungeahnte Möglichkeiten, sie formt uns und macht uns zu einem Teil von etwas Großem. Man muss sich ihrer nur offenbaren, sich ihr hingeben und ja sagen.

Agravaine: Und eure nächsten Schritte, Herrin?

Khelperetocs: Ich habe veranlasst, dass sobald die Tol Barad Arbeiter in der Bastion ihr Werk abgeschlossen haben, sie dein Herrenhaus aufsuchen. Sie werden notdürftige Reparaturen vornehmen und zumindest ein oder zwei Räume bezugsfähig instandsetzen. Danach wirst du gen Sturmwind aufbrechen und deinen Familienschmuck im Pfandhaus abgeben. Gold hat für unsere Sache nun mehr Bedeutung, denn alte Erinnerungen. Mit diesem Gold werden wir Investitionen tätigen, die auch deinem Haus zugutekommen werden.

Agravaine: Was ist mit dem neuen Direktor der Scholomance? Weiß er von mir?

Khelperetocs: Lass dies meine Sorge sein, Agravaine. Was dies betrifft, sehe alles, sage nichts. Noch sind wir gezwungen ein Theaterstück aufzuführen um Jene in Sicherheit zu wiegen, die meinen, dass wir ihnen dienen. Noch brauchen wir sie. Um langfristig unsere Pläne umsetzen zu können werden wir auf Intrigen und Ränke schmieden zurückgreifen müssen. Doch du bist ein Kind des Adels und solche Handlungen sind dir nicht fremd. Lass uns nun zurückkehren an die Bastion, es ist Zeit das ich Dir meine Schwester im Geiste vorstelle.

Es dämmerte bereits als die Nekromantin und der Adelige nach Stratholme zurückkehrten.
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Unwillkommene Gäste

Beitrag von Khelperetocs » Do 23. Mai 2019, 13:40

Die Dunkelheit der Nacht legte sich langsam über den an sich schon so nebelverschleierten Ort des Kreuzzüglerplatzes von Stratholme. Die Ruinen der einst so prächtigen Stadt stachen wie verqualmte Dornen gen Himmel und sorgten für ein Flair der Verheerung. So viele Menschen fanden einst einen grausamen Tod hier und noch immer hingen ruhelose Seelen in ihrer Verzweiflung fest. Wer klug war mied diesen unheilvollen Ort, wer noch klüger war nutzte ihn für seine dunklen Machenschaften. Denn kaum einer der bei klarem Verstand war würde jemals einen Fuß freiwillig nach Stratholme setzen.

Die Töchter der Nacht, Dimiona Galbert und Khelperetocs Durand, als auch ihre Anhänger, setzten fort, was Ignaz Waldemar Zimmerer einst begonnen hatte. Sie richteten die Bastion zu einem Refugium ganz nach ihren Vorstellungen ein. Dunkle Liturgie soll dort gebetet werden, verwerfliche Magie gewirkt werden. Und all dies im Namen der Schatten und zum persönlichen Aufstieg der Beiden. Um ihren Plan umsetzen zu können griffen sie auf die Unterstützung des amtierenden Direktors der Scholomance, Dunkelmeister Ambrosius Firlar, zurück. Sie hatten ihm den Wert dieses Vorhabens schmackhaft geredet und versprochen, dass ihr Wirken dafür Sorge tragen wird, dass die Unternehmung seiner Feinde im fernen Nordend scheitern wird. Nur deshalb sicherte der greise Nekromant seine Unterstützung zu, verfolgte den Aufstieg der beiden jedoch mit wachsendem Misstrauen. Ambrosius fürchtete, Dimiona und Khelperetocs könnten bald ihren Einfluss geltend machen um ihn zu stürzen. Um dem vorzubeugen hatte er ein Kontingent von Skelettkriegern in Begleitung von zwei Nekromanten entsandt. Nun standen die Töchter der Nacht unter permanenter Beobachtung.

Khelperetocs war über seine Wahl der beiden Nekromanten überrascht. Den Einen kannte sie nur flüchtig, er war aus Nordend angereist und ein fähiger Geisterbeschwörer. Doch die Zweite war der schwarzhaarigen Schönheit durchaus bekannt. Instrukteurin Malicia! Die blonde Sindorei unterrichtete einst unter Ignaz W. Zimmerer das Fach Alchemie an der Scholomance. Sie war jedoch wesentlich am Verrat an Zimmerer beteiligt und fand so Zuspruch und Vertrauen bei dessen Nachfolger Ambrosius Firlar. Und dieser hatte sie nun als Visitatorin an die Bastion entsandt. Schon im Vorfeld hatten Dimiona und Khelperetocs Pläne geschmiedet um zu viel Schnüffelei vorzubeugen. Doch Malicia war ein anderes Kaliber, sie würde nicht so einfach entsprechenden Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel Gedankenkontrolle, zum Opfer fallen. Khelperetocs war klar, auf lange Sicht gesehen musste man Malicia entweder für sich gewinnen oder beseitigen, es gab keine Alternative dazu. Dies wird eine Herausforderung darstellen, denn es braucht einerseits ausreichend Ablenkung, sowie ausreichend Stoff um Malicia die Wahrheit vorzuenthalten. An diesem Abend stieg Khelperetocs in den modrigen Keller jenes abgebrannten Hauses nahe der Bastion hinab, dass einst als Zeughaus für einen Lichtorden genutzt worden war. Nun sollen dort dunkle Beschwörungen abgehalten werden. Die Nekromantin strich mit einem Finger den Staub vergangener Zeiten weg. Asche! Es war Asche und all ihre Feinde sollen auch bald zu Asche werden.
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Abschied im Burghof

Beitrag von Khelperetocs » Di 28. Mai 2019, 12:51

Wie ein steingewordener Schandfleck der Dunkelheit streckten sich die Mauern der Darrowehr gen Himmel. Es glich einem Hohn allem Leben und Lichtem gegenüber, dass dieser Ort noch immer seine Ausgeburt an Finsternis preisgab. Der gesellschaftliche Abschaum Azeroths, abtrünnige Zauberer, verbrecherische Gestalten und gescheiterte Existenzen fanden sich hier in den Pestländern ein. Nicht wenige der hier studierenden Schüler waren nicht freiwillig hergekommen, und die die es waren, sie gierten nach Macht und Freiheit fernab moralischer Fesseln. Die Darrowehr überdauert die Zeiten trotz wechselnder Schulleitung. Dunkelmeister Gandling, Ignaz W. Zimmerer und nun Dunkelmeister Ambrosius Firlar, jeder von ihnen drückte der Scholomance seinen individuellen Stempel auf. Und jeder von ihnen setzte sich auf seine Weise sein eigenes Denkmal, gehüllt im Deckmantel des Eigendünkels.

Eine junge Frau überdauert bis heute diesen fliegenden Wechsel namhafter Persönlichkeiten. Sie war es, die stets gesponnene Intrigen gegen sie zu ihrem eigenen Vorteil ausgenutzt hatte. Im Laufe der letzten Jahreskreise fanden manche unerwartet durch sie den Tod, anderen verhalf sie zum Aufstieg an der Darrowehr. Khelperetocs Durand stand an jenem Vormittag nahe dem Brunnen im Burghof und unterhielt sich mit ihrem Vertrauten Agravaine von Streizig. Der unnahbare Adelige hatte die junge Nekromantin an die Darrowehr begleitet, von wo aus ihn sein Weg weiterführen sollte.

Agravaine: Vom Zugwindlager aus werde ich einen Greifen nach Menethil nehmen und dort mit einem Handelsschiff Sturmwind anpeilen. Die Geschäfte im Pfandhaus, sowie die Einkäufe am Handelsmarkt sollten bald getätigt sein. Rechnet mit meiner Rückkehr in gut einer Woche.

Khelperetocs: Gut, in Ordnung Agravaine. Nutze deinen Aufenthalt in der Stadt des Löwen um einige Neuigkeiten aufzuschnappen. Was erzählt man sich von den Kriegsfronten? Sind die klerikalen Orden der Lichtpisser vor Ort? Welche politischen Entwicklungen weiß man aus Kul Tiras zu erzählen? Jede noch so unbedeutende Information kann für uns wichtig sein, denk dran.

Agravaine: Gewiss werde ich Augen und Ohren dafür offenhalten. Erlaubt mir noch eine Frage, Madam Durand. Wie haben ihr und Hochwürden Galbert bezüglich Instrukteurin Malicia entschieden?

Khelperetocs: Wir werden ihrer Bedingung zustimmen. Nach Ambrosius Sturz soll sie auf dem Stuhl des Schulleiters Platz nehmen, vorerst. Malicia ist gewieft und eine Koryphäe auf dem Gebiet der arkanen Schule der Weissagung. Wir sind davon überzeugt, dass sie uns im Direktorposten mehr nutzt als unter Ambrosius Fuchtel. Gemeinsam werden wir seinen Sturz herbeiführen.

Agravaine: Ihr denkt also weiter und an eine Zeit nach Ambrosius. Dennoch rate ich zur Vorsicht, Malicia könnte dasselbe Kalkül betreiben wie Hochwürden und ihr.

Khelperetocs: Davon gehe ich aus, Agravaine. Aber Ambrosius wird sich unser entledigen, sobald die Gefahr durch Ignazs Anhänger gebannt wurde. Entsprechend müssen wir ihm zuvorkommen und ohne Malicia wäre nicht an eine Veränderung an der Darrowehr zu denken. Bedenke, dass sie auch den Rückhalt des Lehrkollegiums genießt. Wenn sie erst einmal am Stuhl des Schulleiters Platz genommen hat, werden wir entsprechende Maßnahmen setzen um sie entweder für uns zu gewinnen oder sie wird im Sinne unserer Sache geopfert.

Agravaine: Es behagt mir nicht, so lange euch ungeschützt zurück zu lassen, Madam Durand. Seid versichert, dass ich eile.

Khelperetocs: Das weiß ich, mein treuer Berater. Hochwürden Galbert hat dir eine führende Position an der Enklave zugedacht. Deine Loyalität soll nicht unbelohnt bleiben. Und nun eile, eile voran für die Töchter der Nacht.

Der schwarzhaarige Adelige schwang sich auf sein strammes Ross und ritt die Tore der Darrowehr hinaus.
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Leuchtende Augen im Schatten

Beitrag von Khelperetocs » Fr 31. Mai 2019, 15:01

Die untoten Ratten bahnten sich hastig ihren Weg durch verstopfte Abwasserrinnen und niedergebrannte Dachlatten. Ihres Lebensfunkens beraubt und teilweise verwest bewegten sie sich dennoch mit unnatürlicher Geschwindigkeit, als würde sie eine diabolische Macht antreiben. Manche fielen ihrer eigenen Deformation zum Opfer, andere verharrten plötzlich in stiller Apathie, als die magische Verbindung aufgrund der Entfernung unterbrochen wurde. Die wenigen Ratten, die es zum Stadttor von Stratholme zurückschafften, wurden dort von geflügelten Krallen gepackt und sogleich an die Darrowehr geflogen. Drei Seuchenfalken waren dafür ausreichend, sie garantierten einen sicheren und zeitsparenden Transport auf dem Luftweg.

An jenem Abend wertete die Nekromantin Khelperetocs Durand das von den Ratten wahrgenommene Bild von Stratholme aus. Sie hatte sich dafür in ihrem Refugium hoch oben in der Burg eingeschlossen und bei der Schulleitung deponiert, dass man sie nicht stören mag. Heißer Kräuterdunst hing in der Luft und ließ Schweißperlen auf ihrer nackten Haut sprießen. Ihr Gesundheitszustand hatte sich jüngst wieder verschlechtert, die Atemwegsbeschwerden setzten ihr zu. Heißer Dampf und Kräuterzigarren linderten ihre Beschwerden und so gestaltete sie ihren Arbeitsplatz entsprechend.

Behutsam legte sie die drei Ratten auf einen mit dunklen Runen bemalten Tisch. Sie wirkte einen Zauber und verfiel kurz darauf in einen tiefen Trancezustand. Mittels magischer Sicht nahm Khelperetocs nun wahr, was die untoten Ratten in Stratholme aufgenommen hatten. Die Form der Darstellung war eine andere als man erwarten könnte. Es waren keine intuitiven Gedankenbilder, einem Orakel oder Visionen gleichkommend. Es waren arkane Formen und Muster, die vor ihren Augen tänzelten, Verbindungen knüpften und sich wieder auflösten. Die Informationsbeschaffung glich dem entschlüsseln eines Codes. Die junge, schwarzhaarige Schönheit war geübt darin und hatte diese Form von Nekromantie und arkaner Analyse fast bis zur Perfektion gesteigert. Nur deswegen war sie an der Darrowehr unverzichtbar geworden. Ihr Netzwerk an untotem Gezücht hatte sich die letzten Jahreskreise hindurch als unerlässlich erwiesen. Khelperetocs war jedoch auch bewusst, würde man Ersatz für sie finden, würde man sich ihrer mit sofortiger Wirkung entledigen. Sie war gezwungenermaßen geduldet, wenngleich sie an der Darrowehr auch zahlreiche namhafte Verbindungen pflegte.

Die Auswertung fiel für die weiteren Vorhaben der Schwestern der Nacht nicht sonderlich erfreulich aus. Die Kapelle am Dienstboteneingang der Stadt wurde noch immer verbissen von der Argentumdämmerung gehalten. Soldaten und Kleriker gaben sich dort ein stell-dich-ein. Die drei Ziggurate waren für Khelperetocs von größter Bedeutung, erhoffte sie sich doch zumindest in einem einen intakten Ash ari Kristall vor zu finden. Dem war nicht so! Das Fleischwerk schien verlassen zu sein. Untote und geisterhafte Entitäten irrten noch immer ziellos umher und trugen zur schauderhaften Schockstarre des Ortes bei. Lediglich im Norden konnten einige Überbleibsel des Kults der Verdammten ausfindig gemacht werden.

Nach einer Weile löste sich Khelperetocs aus der Trance, schritt zu ihrem Schreibtisch und griff hastig nach einer Flasche Rum. Diese leerte sie mit ein paar Zügen und setzte sich auf den knöchrigen Stuhl. Mit Tinte und Federkiel setzte sie ein Schreiben für ihre Geliebte auf. Sie setzte sie über das Wahrgenommene in Kenntnis und sparte nicht mit Details. Schon bald würden sie über das weitere Vorgehen entscheiden, vielleicht im Verbund mit Instrukteurin Malicia, der Nekromantin, mit der sie wohl eine unheilige Allianz eingegangen waren.
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Gespräch auf den Turmzinnen

Beitrag von Khelperetocs » Mi 19. Jun 2019, 13:54

In jenen Tagen herrschte eine stetige Unruhe an der Darrowehr. Das sonst allgegenwärtige Geflüster und Getuschel hatte an Intensität zugenommen. Vom Betrieb bis zur Schule selbst herrschte reger Wortwechsel zu den aktuellen Ereignissen. Shiar Khan war zur neuen Dunkelmeisterin gewählt worden! Und die Wahl fiel sehr eindeutig aus. Ihre Kontrahenten Hilarius Nepomuk von Mersingen und Instrukteurin Malicia waren weit abgeschlagen hinter ihren Erwartungen geblieben. Die neue Direktorin der Schule stand für einen militärischen Ton und Drill, aber auch für die Fortsetzung des Weges ihres Vorgängers. Da der Direktor der Scholomance auch automatisch Mitglied im Nekromantenrat war, stieg auch Shiar Khans Einfluss innerhalb der Überreste des Kults der Verdammten. Und all diese Umstände wurden vom Handwerker aufwärts über Studenten bis zu den Lehrmeistern diskutiert.

Mit dabei in diesem Spiel der Intrigen war natürlich auch Khelperetocs Durand. Die junge Abgängerin der Scholomance war an der Darrowehr so umstritten wie unabkömmlich. Sie hatte ihre Fachkenntnis in der Erschaffung und der Kontrolle von untotem Kleintier bis zur Perfektion gesteigert und waltete über ein Spionage- und Observationsnetzwerk, dass wohl in den Östlichen Königreichen ihresgleichen suchte.

An jenem Abend entzog sie sich jedoch dem Tratsch und suchte die Ruhe der Burgzinnen auf. Die obligatorische Kräuterzigarre in der einen Hand, einen mit Rum gefüllten Flachmann in der anderen Hand. Ein typisches Bild von der schwarzhaarigen Schönheit. Sie sann ihren Gedanken nach, als sie eine Unterbrechung des illusionären Schleiers an der Brücke wahrnahm. Ein einsamer Reiter bahnte sich seinen Weg in den Burghof. Er stieg ab, ließ seinen Blick schweifen und bemerkte die junge Nekromantin auf den Burgzinnen. Agravaine von Streizig, seit Kormeks Tod ihr engster Vertrauter in ihrem Leben, war aus Sturmwind zurückgekehrt. Kurze Zeit später stand er neben ihr auf den Burgzinnen und senkte grüßend sein Haupt.

Agravaine: Ich bin zurückgekehrt, Khelperetocs!

Khelperetocs: Du warst lange fort, Agravaine. Berichte mir von den Ergebnissen und von dieser vom Licht verfluchten Stadt die sich Sturmwind schimpft. Am meisten interessiert mich jedoch, ob du die schnatternde Gans dort vorgefunden hast.

Agravaine: Wie von Hochwürden Galbert erbeten suchte ich die Magistra Maga …

Khelperetocs: Du meinst die schnatternde Gans!

Agravaine: Sehr wohl, die schnatternde Gans, im Magierviertel zu Sturmwind wurde ich fündig. Bereits vorab machte ich mir Gedanken zu meinem Anliegen. Den zahlreichen magietheoretischen Fachbegriffen war ich nicht gewachsen, aber ich habe erbetenes Amulett in Auftrag gegeben. Es soll in zwei Monden abholbereit sein und kostet 25 Goldstücke. Eine Anzahlung wurde geleistet. Ich bezweifle, dass Magistra Maga Egromond Verdacht geschöpft hat.

Khelperetocs: Auch wenn ich besagtes Amulett nun wohl nicht mehr benötige, hat sich der Aufwand gelohnt. Ich werde es dennoch tragen. Was ist mit deinem Familienschmuck?

Agravaine: Bis auf eine Halskette nahm es das Pfandhaus an. Wie versprochen ist der Erlös euer.

Khelperetocs: Du dienst unserer Sache treu, Agravaine. Das soll nicht vergessen werden. Wir schreiten stürmischen Zeiten entgegen und ich will dich an meiner Seite wissen. Die Darrowehr ist in Veränderung begriffen, alte Bündnisse sind wertlos und neue müssen geschmiedet werden. Eine Verbindung die gestern noch von Bedeutung war ist heute bereits überholt. Freund und Feind will beäugt und belauscht werden. Ich zähle auf dich.

Agravaine: Du hast mein Wort, Khelperetocs. Daran wird sich nichts ändern. Die von Streizigs geraten durch dich nicht in Vergessenheit, meine Familie ist nicht länger eine schattenhafte Erinnerung vergangener Tage.

Khelperetocs: Als nächstes begleitest du mich nach Menethil. Es wird Zeit ein paar Bettlern, Tagelöhnern und Schmalspurganoven eine lukrative Zukunft als Arbeiter einzureden. Dein Anwesen und die Bastion benötigen Restauration und wir brauchen Hände, die sich in unserem Namen schmutzig machen. Ich werde sie meiner geliebten Dimiona zum Geschenk machen.

Ein dunkles Lachen erklang um die Burgmauern der einst so stolzen Festung.
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Wiedersehen

Beitrag von Khelperetocs » So 14. Jul 2019, 11:34

Es war ein äußerst seltsamer Moment an jenem Abend in der Enklave der Finsternis zu Stratholme. Es ereignete sich in jenem Gang, der vor dem Besprechungsraum lag und nur geringer Kerzenschein ermöglichte gerade ausreichend Sicht. Stille war bereits eingekehrt, weder Kultisten, noch traf man Personal an. Stille!

Während vom nördlichen Durchgang, ihr Sekretariat verlassend, die Nekromantin Khelperetocs Durand den Saal durchquerte, betrat Alstedalis Dunkelblatt diesen von Süden her. Sie erblickten sich, verharrten im Moment des Augenblicks und erstarrten wie Steinskulpturen gleichkommend.

Doch wer war Alstedalis Dunkelblatt eigentlich? Die blasse Hochelfe kannte noch das alte Dalaran und war nach dem Niedergang der Stadt durch Prinz Arthas Hand dem Kult der Verdammten in die Hände gefallen. Man hatte ihren Geist und Willen darauf gebrochen und sie an die Scholomance gebracht, wo sie ihr arkanes Studium fortgesetzt hatte. Nach der gewaltsamen Machtübernahme von Ignaz Waldemar Zimmerer schloss sie sich diesem bereitwillig an und wurde zu einer seiner treusten Anhängerinnen. Man betraute sie mit der Obsorge der Ash´ari Kristalle und unterstellte sie der Adoptivtochter des Dunkelmeisters, eben Khelperetocs Durand. Über einige Monde hinweg hatten Beide eng zusammengearbeitet. Als es zum Bruch zwischen der Darrowehr und dem Zirkel der schwarzen Sonne gekommen war, verriet Khelperetocs ihren Adoptivvater, während Alstedalis ihrem Herrn und Meister treu blieb. Diese Entscheidung hatte sie in die Kerker der Darrowehr befördert, wo sie über einen Jahreskreis gefoltert worden war. Auf Geheiß Dunkelmeisters Ambrosius Firlar war allen „Ignazisten“ eine alchemistische Droge verabreicht worden. Die Entzugserscheinungen äußerten sich in anfallartigen Wahnvorstellungen und unerträglichen Schmerzen. In Absprache mit der amtierenden Dunkelmeisterin der Scholomance Shiar Khan hatten die Töchter der Nacht Alstedalis jüngst aus ihrer Kerkerhaft befreit und an die Enklave der Finsternis gebracht.

Und so standen sich die Beiden nach all der Zeit wieder persönlich gegenüber. Es wäre wohl für Beide peinlich oder seltsam gewesen, hätten sie sich abgewendet oder wären einander ausgewichen. Nein, diese Blöße wollte und konnte man sich nicht geben. Langsamen Schrittes näherten sie sich und blieben gut zwei Schritt von einander stehen.

Khelperetocs: Die Toten sollen dienen!

Alstedalis: Die Toten sollen dienen, Erbgräfin!

Khelperetocs: Diese Titulatur war einmal, sie ist Geschichte. Genauso wie diese Gemäuer hier auf eine Geschichte zurückgreifen, die nun vorbei ist. Wir schlagen ein neues Kapitel auf, die Töchter der Nacht schreiben nun ihre eigene Geschichte, Alstedalis.

Alstedalis: Ihr habt mich befreit, gerade ihr, meine Feinde. Selbst die Herrin der schwarzen Sonne war da. Mein Meister hatte den Tod über euch verhängen lassen und doch habt ihr mich befreit.

Khelperetocs: Er ist nicht länger dein Meister, Alstedalis. Genauso wie du nicht länger seine Marionette oder eine einfache Befehlsempfängerin bist. Seine große Vision eines Schattenreiches endete mit seinem wachsenden Hochmut, der ihn schließlich doch zu Fall gebracht hat. Jetzt regieren die Töchter der Nacht hier und wir gehören dem Zirkel der schwarzen Sonne an. Vergiss niemals, wer dafür verantwortlich ist, dass du nun hier vor mir stehst! Ich rate dir, dem Erzverräter auf immer und ewig abzuschwören und dich mit uns zu verbünden. Hier erwartet dich eine neue Zukunft und auf einem fernen Ort ein Hort des magischen Wissens, wo du dein arkanes Studium fortsetzen kannst.

Alstedalis: Was wurde aus ihm?

Khelperetocs: Unwichtig, Alstedalis. Er ist nur mehr ein Schatten, der verzweifelt an seinen Träumen festhält, aus denen er nie erwacht ist. Jedes Wort um ihn ist zu viel, jeder Gedanke um ihn Verschwendung von Zeit.

Alstedalis: Was ist dies für ein Ort in der Ferne?

Khelperetocs: Dein Wirkungsfeld wird hier in Stratholme sein. Doch ich werde bei der Zirkelmeisterin vorstellig werden um einen Studienplatz an der Sphärologischen Fakultät zu erbitten. Dort sollst du deine magischen Kenntnisse erweitern wann immer es deine Zeit erlaubt. Doch bis dahin muss du dir noch unser aller Vertrauen verdienen. Setze einen ersten Schritt dafür und schwöre dem Erzverräter in einer feierlichen Zeremonie ab. Wende dich an Ehrwürden Galbert dafür.

Die Nekromantin wandte sich gerade zum Gehen als die Elfe sich nochmal räusperte.

Alstedalis: Einst waren wir sehr erfolgreich, Herrin, Perdin, ihr und ich.

Khelperetocs: Perdin ist tot, seine Seele auf verdammt und dient mir nun als willenloser Ghul. All jene mögen diesem Beispiel folgen, die sich dem Erzverräter verpflichten. Lass mich meine Worte dir Warnung sein!

Die Elfe blieb noch eine Weile nachdenklich stehen, während sich die schwarzhaarige Nekromantin langsam entfernte.
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Im Dunst der Worte

Beitrag von Khelperetocs » Fr 26. Jul 2019, 15:21

Wassertropfen schlängelten sich die Wände herab und suchten sich ihren Weg durch Fugen und Ritzen. Es war heiß, fast unerträglich heiß und feucht im Waschraum der Enklave der Finsternis. Dieser befand sich neben den Bedienstetenunterkünften und beinhaltete mehrere Badezuber und Bottiche zur Reinigung der Wäsche. Die unter Gedankenkontrolle stehende Estre ging ihrer Tätigkeit hier mit wortkargem Eifer nach. Aufgrund der Magie, die auf sie einwirkte, glich sie mehr einem seelenlosen, goblinischen Konstrukt denn einem Menschen.

An jenem Vormittag suchte die Nekromantin Khelperetocs Durand den Waschraum auf und ließ sich dabei von ihrem engsten Vertrauten Agravaine von Streizig stützen. Ein jüngst gewirktes Ritual hatte ihr alle Kraft abverlangt und sie in einen länger anhaltenden Schlaf befördert. Nun war sie wieder erwacht, geschwächt von den Strapazen dieses dunklen Rituals und angeschlagen. Ihr treuer Berater, der adelige Sproß einer einst wohlhabenden Familie aus Stratholme, führte sie stützend an der Hand. Vor dem Badezuber strich die schwarzhaarige Schönheit ihren durchsichtigen, seidenen Morgenmantel ab und stieg in das dampfende Wasser. Ein wohltuender Seufzer war die Folge und sie atmete tief ein.

Agravaine: Sicher wirst du dich bald besser fühlen, Khelperetocs. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, welchen Zauber du gewirkt hast, der dich so niedergeschlagen hat, weiß ich, dass du Ruhe brauchst.

Khelperetocs: In Worten schwer zu erklären und in Gedanken wohl noch schwerer zu erfassen, einfach ausgedrückt, ich habe einen Teil von Orelinas Seele, eine Seelenessenz, in einen Seelensplitter gebannt. So können wir trotz ihrer momentanen Abwesenheit auf die Macht ihres dämonischen Splitters zurückgreifen und vielleicht den Stern der Finsternis in der Ferne finden.

Agravaine: War es das Opfer wert, in Hinblick auf deine Gesundheit?

Khelperetocs: Hohe Ziele bedürfen manchmal noch höherer Leistungen, Agravaine. Es wäre nicht das erste mal, dass ich mich zuweit aus dem Fenster für eine Sache lehne. Hier geht es um mehr, nämlich um den Machtfokus des Zirkels der schwarzen Sonne. Mit dem Stern der Finsternis sind wir in der Lage unseren Feinden empfindlich zuzusetzen. Wir brauchen ihn, mehr denn je!

Agravaine: Was unsere Feinde betrifft, möglicherweise habe ich eine Spur aufgenommen. Einer meiner Handlanger will verdächtige Personen in Luntenbrand gesehen haben. Zumindest passt die Beschreibung auf zwei der genannten Personen.

Khelperetocs: Sprich!

Agravaine: Eine graziöse, blasse Elfe in Leder und eine rothaarige Dunkeleisenzwergin mit markantem Haarschnitt. Begleitet wurden sie von einer jungen Gelehrten, vielleicht sogar zauberkundig. Sie waren vor etwa einem Mond in Luntenbrand. Soll mein Handlanger mal nachhaken?

Khelperetocs: Gewiss, Agravaine. Und ich will das du umgehend Hochwürden Dimiona darüber in Kenntnis setzt. Es ist Zeit das wir den Worten bald Taten folgen lassen. Ignaz wird uns über kurz oder lang den Krieg erklären und ich werde es sein, die ihm zuvor kommt.

Der charismatische Adelige verneigte sich und verließ darauf den Waschraum um sich in das Sekretariat von Hochwürden Dimiona zu begeben.
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Vorbereitungen

Beitrag von Khelperetocs » Mi 31. Jul 2019, 13:48

Dunkle Schatten huschten über die Mauern der Beschwörungskammer und sorgten für eine unruhige Atmosphäre. Wer waren diese gestaltlosen Schemen, welche die Nähe dieses Ortes suchten und dennoch die Glyphen und Runen an markanten Punkten im Raum mieden? Die jungen Studenten, die hier gerade am Werke waren, stellten sich diese Frage nicht. Sie mussten ihre geistige Standhaftigkeit beweisen und in erster Linie ihren eigenen Brechreiz unterdrücken können. Jeder Student stand vor einem Ghul und pickte Würmer, Maden oder Käfer von diesem heraus. Die Ernte wurde in einem Fass gesammelt, welches sich in der Mitte der Beschwörungskammer befand. Juvine und Hurak hatten sich bereits zweimal übergeben. Die junge Kul Tiranerin im ersten Semester hockte neben dem Ghul, während es sie mehrmals reckte. Standfestere Mitschüler belustigte dies und nutzten diese Situation für üble Scherze. Sicherlich war es grotesk, dass in Anbetracht einer solchen Sammeltätigkeit Witz und Scherz herrschte. Oder war es Wahnwitz? Wer hier an der Scholomance lebte, studierte und wirkte, wurde mit den Jahren entweder irre oder gefühlskalt.

Die Studenten verstummten als eine junge, schwarzhaarige Schönheit die Beschwörungskammer betrat. Die Nekromantin Kheperetocs Durand hielt auf die Gruppe zu und warf einen Blick in das Fass. Ihrem Gesichtsausdruck zur Folge war klar, es brauchte noch mehr Insekten. Prüfend inspizierte sie die Arbeit der Studenten und war sich nicht zu schade selbst mitzuhelfen. Die überraschten Studenten richteten ihren Blick zu Khelperetocs, dann zueinander und jeder ging stumm der Sammeltätigkeit nach. Nach gut einer Kerzenlänge war das Fass voll. Die Nekromantin befahl den Studenten einen Kreis um das Fass zu bilden und ihr Mana für das bevorstehende Ritual zur Verfügung zu stellen. Khelperetocs riss ihre Hände hoch, formte eine magische Essenz des Untodes vor sich und wies die Studenten an. Kurzerhand erhellte sich der Schein in der Beschwörungskammer, manche der Runen an den Wänden leuchteten violett auf. Böse Worte erfüllten den Raum in einem theatralischen Sing Sang. Ein Schauer fuhr der Studentin Juvine über den Rücken als sich die gesammelten Insekten grotesk im Fass hin und her wanden. Das Leben wich aus deren Leibern und Unleben erfüllte sie. Khelperetocs schloss das Ritual mit einem Bannspruch und beendete den Manafluss. Zufrieden betrachtete sie ihr grausiges Werk. Mit einem düsteren Lächeln im Gesicht holte sie ein Blatt Pergament hervor und las halblaut die Worte vor: "Mit liebsten Grüßen von Deiner Tochter". Sie faltete das Blatt und legte es oben auf die zahlreichen, untoten Insekten. Dann wurde das Fass mit einem Holzdeckel verschlossen.

Dieses Fass sollte der Auftakt einer Anschlagsserie werden. Die lang ersehnte Antwort auf all die Demütigungen, die Khelperetocs von ihrem einstigen Vater Ignaz Waldemar Zimmerer erfahren musste. Oder wie sie diese eben empfunden hatte. Vielleicht wollte sich ein Teil von ihr auch als fähige Nekromantin hervorheben, ihrem einstigen Gönner und Meister beweisen, wozu sie fähig war. Hass, Tatendrang und Tobsucht vermischten sich zu einem Wechselbad der Gefühle. Nun war es vollbracht und der Weg sollte sie alsbald zu ihrer Geliebten Dimiona Galbert führen. Allein würde sie eine solch weitreichende Entscheidung nicht treffen. Doch hoffte sie inständig, dass ihre Liebe ihrem Vorhaben zustimmen würde. Khelperetocs sah darin ein Manifest ihrer gemeinsamen Macht, einen symbolischen Akt wozu sie fähig waren und wozu sie bereit waren. Die Stunde der Entscheidung rückte näher und Khelperetocs sehnte diese herbei.
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Drei Banner

Beitrag von Khelperetocs » Mi 14. Aug 2019, 09:25

Drei Banner hoch dem Himmel empor
Drei Banner im Wind sind lauter als jedes gesprochene Wort
Drei Banner werfen ungleiche Schatten

Es sind drei Banner wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und doch wurden sie gemeinsam auf einer Fahnenstange aufgezogen. Es glich einem symbolischen Akt, dass diese verschiedenen Embleme für eine Sache standen. Oder besser, gegen eine Sache standen. Zum Trutz wider des Raben aus Alterac! Es waren die Banner des Kults der Verdammten, der Töchter der Nacht und des Zirkels der schwarzen Sonne.

Agravaine von Streizig war ein hochgewachsener Mann und so war es ihm möglich, etwas über die versammelte Menge am Brunnenplatz der Darrowehr zu blicken. Würdenträger des Kults der Verdammten, sowie des Zirkels der schwarzen Sonne, ehemalige Insassen aus Tol Barad, Diener- und Studentenschaft hatten sich hier versammelt um der Hinrichtung beizuwohnen. Kurz erinnerte er sich an frühere Tage zurück. Agravaine wuchs in nobler Gesellschaft auf, er war von Adel und Stand. Alles was ihm je lieb und teuer war haben ihm jene genommen, die hier versammelt waren. Stratholme, das Familienanwesen der von Streizigs, fiel der Grausamkeit des Untodes und des Wahnsinns zum Opfer. Agravaine wusste seine innere Abneigung gegen diese dunkle Gesellschaft zu verbergen. Die Zeiten hatten sich geändert und auch er musste im Strom der Zeit schwimmen. Hätte er seine moralischen Tugenden nicht hinter sich gelassen, würde er sich wohl noch immer als einfache Hafenwache in Menethil über Wasser halten. Dort war er ein Niemand gewesen, der Name von Streizig war zur Wertlosigkeit verkommen. Nicht einmal der betrunkene Matrose am Steg wollte seiner Familiengeschichte lauschen.

Doch jetzt war er der „Meister des Schildes“ im kleinen Rat der Enklave der Finsternis. Er war in sein Familienanwesen von Stratholme zurückgekehrt. Und ihm waren Möglichkeiten offenbart worden, seine Heimstätte zu restaurieren. All dies verdankte Agravaine einer einzigen Person und diese stand zu seiner linken. Vorsichtig drehte er seinen Kopf in ihre Richtung und musterte sie aus dem Augenwinkel heraus. Auf ihre düstere Weise war sie wunderschön. Das schwarze Haar wie üblich zu einem Pferdeschwanz gebunden und von einem dunklen Stirnband verziert. Trotz der lauten Ansprache am Platz konnte er ihren röchelnden Atem vernehmen. Er war von ihrem dunklen, entschlossenen, ja gar verbissenen Anblick irgendwie verzaubert und fühlte sich ihr auf eine ganz eigene Weise verbunden. Das Leid vergangener Jahre hatte sie stark werden lassen, die unsagbare Pein die ihren Körper quälte war ein Zeugnis von Entschlossenheit und Opferbereitschaft. Doch funkelte auch Leidenschaft in ihren Augen, die sie gerade in Beisein ihrer geliebten Dimiona selten verbarg. Obwohl ihm ihre fragwürdige Ausübung der Magie zuwider war, respektierte er ihren Mut solch dunkle Mächte anzurufen. Sie war um so vieles jünger als er und doch war ihr Wort nun sein Befehl. Khelperetocs blickte kurz zu ihrer rechten, erwiderte Agravaines Blick und nickte ihm still zu. Nachdenklich lauschte sie den Worten von Dunkelmeisterin Shiar Khan, die nicht müde wurde, die Verbrechen der sogenannten Ignazisten anzuprangern.

Die Ignazisten, gar zwanzig an der Zahl, warteten unter den Blicken der Anwesenden auf ihre Hinrichtung. Aufgrund des sich abzeichnenden Konflikts mit Ignaz Waldemar Zimmerer hatte man beschlossen, seine ehemaligen Anhänger an der Darrowehr hinrichten zu lassen. Dies geschah auf Khelperetocs Empfehlung und sie hatte auch ihre Pläne mit den Leichen der Hingerichteten. Kurz vor Mitternacht war es vollbracht und Agravaine begab sich in die Katakomben der Scholomance. Dort erwartete ihn Lucardus Khan, Bruder der Dunkelmeisterin, Lehrmeister für Kriegskunst und General der Darrowehr. Er bat Agravaine in eine von Kerzenlicht erhellte Kammer und überreichte ihm zwei Pergamentmappen. Es standen nur Namen auf den Dossiers.

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Wind der Veränderung

Beitrag von Khelperetocs » Do 22. Aug 2019, 14:02

Eine einsame Möwe flog über den starken Hauptmast hinweg und kreischte himmelwärts den wenigen Wolken empor. Die Sonne drückte auf das Schiff herab und die beiden kul tiranischen Matrosen, die singend das Oberdeck schrubbten, schwitzen wie wild. Die Segel flatterten im Nordwind, der den stolzen Kahn weiter in Richtung Süden schob. An Bord des kul tiranischen Handelsschiffes befanden sich auch vier fremde Passagiere, die für eine Überfahrt nach Boralus bezahlt hatten. Es handelte sich um die Töchter der Nacht, Dimiona Galbert und Khelperetocs Durand, sowie ihre beiden Begleiter Tavina Schattenschön und Bronnian vom Osttal. Natürlich waren sie gezwungen ihre wahre Identität zu verbergen und so reisten sie in unauffälliger Gewandung und unter falschen Namen.

Khelperetocs, die düstere Nekromantin, kauerte am Bug des Schiffs und löste ihr Haarband vom Kopf. Ihr schwarzes Haar wurde wie die Segel vom Wind erfasst und wirbelte wild umher, während sie tief an ihrer Kräuterzigarre zog. Einsam hockte sie da und hing ihren Gedanken nach, Erinnerungen an den Vorabend und wie lieb wäre es ihr gewesen, wenn der Wind auch dieses gedankliche Vermächtnis hinweggefegt hätte.

Im Schmerz hatte sie sich dem Rum hingegeben. Sie war unachtsam gewesen, denn Dimiona und Tavina hatten das Blut auf ihrer Hängematte entdeckt. Blut war mittlerweile wieder ein ständiger Begleiter ihres chronischen Hustens geworden. Sie wusste diesen Umstand stets gut zu verbergen, doch diesmal war ihr dieses Vorhaben misslungen. Sie hat darauf zur Flasche gegriffen und alles hat seinen Lauf genommen. Der Alkohol hat darauf seinen schändlichen Einfluss genommen und Khelperetocs die Kontrolle über sich verloren. Die Zunge war locker geworden, während der Verstand benebelt worden war. Sie hatte Schwäche gezeigt! Schwäche zeigen ist schwach sein. Sie hatte sich vor ihrer großen Liebe und derer Schülerin gehen lassen. Wie konnte sie Dimiona nur jemals wieder in die Augen blicken? Sie würde alles für ihre große Liebe tun und sie wollte nicht, dass Dimiona sie so sieht. Im Suff hatte Khelperetocs gegen Jene gewettert, die ihr im früheren Leben Unrecht getan hatten – Andorella Egromond, Glorana Petrova und nicht zuletzt Ignaz Waldemar Zimmerer. Es war ein Rundumschlag gegen die Schatten ihrer eigenen Vergangenheit gewesen, ein sinnloses Aufbäumen im erdrückenden Würgegriff ihrer schmerzhaften Krankheit. Doch all der Argwohn, all der Hass und Zorn vermochten nicht das Feuer in ihrer Lunge zu löschen. Es war der Preis dafür, dass sie Nekromantie praktizierte. Und immer, wenn Khelperetocs die Macht des Untodes anrief beflügelte es sie. Sie vergaß dabei all das Leid, welches schon bald wieder über sie hereinfallen würde. Es war nichts anderes als der Rum, sie war sowohl von dem einem, als auch von dem anderen abhängig.

Die blasse Schönheit schnippte die Kräuterzigarre leicht hustend von sich, genauso wie sie ihre Gedanken endlich beiseiteschob. Sie konnte den gestrigen Abend nicht mehr rückgängig machen. Immerhin war der Schleim aus ihrem Rachen heute nicht mit Blut vermengt, zur Abwechslung mal ein gutes Zeichen. Das Ziel dieser Reise war zu wichtig um nun zu wanken. Es galt Kormek, ihrem verstorbenen Vertrauten und Weggefährten, einen Körper zu geben und laut Dimionas Vision sollte man in Kul Tiras fündig werden. Nichts sollte sie davon abhalten ihn wieder zurück zu bringen.
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