Ein Flüstern im Schatten

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Abschluss

Beitrag von Dimiona » Mo 15. Apr 2019, 15:06

Dicke graue Wolken verdunkelten das ohnehin schon wenige Licht, das zur jener Stunde auf die Pestländer viel. Ein kalter Wind wehte von Norden und brachte die wenigen Lebewesen in diesen Landen dazu sich völlig zu verbergen. Eine einsame Reiterin, gehüllt in einen dunklen Mantel, ritt einen verwilderten Pfad entlang. Zwei grausig aussehende Skelettwachen folgten ihr ohne Mühen, die dunkle Magie, die sie im Untod hielt, verlieh ihnen die Schnelligkeit mit dem Pferd mitzuhalten.

Der Pfad lichtete sich und gab den Blick auf ein paar Ruinen frei. Einst stand hier ein prächtiges Anwesen samt Nebengebäuden. Nun waren nur noch Überreste davon zu sehen; ein Stück von einem Zaun, der beim nächsten Windstoß zusammenzufallen drohte; ein Brunnen, dessen Wasser bestenfalls ungenießbar war und ein Friedhof, dessen Grabsteine zum größten Teil umgefallen oder zerbrochen waren. Leichter Nieselregen setzte ein und Dimiona zog die Kapuze tiefer ins Gesicht als sie die Ruinen Darroheims erreichte, dem einstigen Sitz der schwarzen Sonne.
Ein gefühltes Leben war es her seit sie diesen Ort das letzte Mal betreten hatte. Erinnerungen stiegen in ihr hoch, als sie langsam an dem zerstörten Gebäude vorbei ging. Die Tür hing windschief in den Angeln und Dimiona dachte daran wie sie vor Jahren an eben diese Tür geklopft hatte. Sie dachte daran, wie sie Orelina gesehen hatte, ihre einstige große Liebe. "Schon damals haben wir dich vor ihr gewarnt", säuselte eine leise Stimme durch ihre Gedanken. Dieser Ort war so geschwängert von Eindrücken, Erinnerungen und Gedanken das es der Priesterin für einen Moment den Atem nahm. Wieviel hatte Sie hier erlebt, gelacht und geweint. "Doch nun schmecken diese Erinnerungen an SIE bitter – wie Wein er zu lange in der Sonne gestanden hat", hörte Dimiona eine Stimme in ihrem Geist.

Der Regen prasselte nun stärker auf sie herab und kleine Pfützen bildeten sich auf dem Weg vor ihr. "Willst du nach all dem jetzt an einer Erkältung sterben?", zischelte eine Stimme. "Ich will hier ja nicht Wurzeln schlagen", murmelte Dimiona zu sich selbst, während sie sich vom Pferd schwang und zu dem kleinen Friedhof ging. Nein, sie hatte nicht vor hier lange zu verweilen, sie hatte den Ritt von der Darrowehr hier her unternommen um einen Abschluss zu finden. Sie war hier um etwas zu begraben, etwas was gestorben war und mit dem sie abschließen musste. Vorsichtig hob sie ein Stück eines zerbrochenen Grabsteines auf, nur um festzustellen das der Brocken schwerer war als er aussah. Sie schaffte es gerade den Stein ein kleines Stück zur Seite zu rücken. Das musste reichen. Dimiona kniete vor dem kleinen Spalt der sich dadurch in dem Haufen aus zerstörtem Gestein aufgetan hatte und griff in die Tasche ihrer Robe.
"Lass Sie los! Gib es auf", flüsterte eine leise Stimme der Priesterin zu. Ein Klos bildete sich in Dimionas Hals als sie das silberne Armband mit den violetten Steinen aus ihrer Tasche zog. Es war ein Geschenk von Orelina gewesen, etwas das ihr Liebe symbolisieren sollte. Sie betrachtete das Schmuckstück und spürte wie Trauer, Verbitterung und Wut wie eine Flutwelle über ihr hinweg schwappte. Sie hatte gedacht das sie alle Tränen in dem kleinen Haus im Schreckenstal geweint hätte, hatte geglaubt das sie all die Wut gemeinsam mit Khelperetocs im Alkohol ertränkt hätte. Doch in diesem Moment war es wie eine frische Wunde. Bilder aus ihrer Beziehung mit Orelina erfüllten Dimionas Gedanken, während sie das Armband so fest umklammerte das die Steine und das Metall schmerzhaft in ihr Fleisch schnitten.
Wie sie und die schöne Hexe sich lachend in den Armen lagen, wie gut sich ihre Haut auf der ihren angefühlt hat, wie sie die einzige war die ihr das Gefühl von Glück geben konnte.
"Ihr wart nie für eienader Bestimmt", säuselte eine gehässige Stimme. Bilder wie Orelina und sie sich stritten, wie sie Dimiona angelogen hatte, wie sie sich gegenseitig verletzten und ihre Liebe dabei immer mehr zerbrach. "Wie konnte es nur soweit kommen?", murmelte Dimiona. Die Erinnerungen prasselten auf sie nieder, genau wie der Regen, und selbst wenn ein Teil von ihr es sich wünschte das sie und Orelina noch einmal von vorne beginnen könnten, so wusste sie doch das es keine Zukunft für sie beide geben würde. "Alles passiert, wie es passieren muss", flüsterten die Stimmen.
Der Wind Heulte wie ein im sterben liegendes Tier, als Dimiona das Armband langsam in den Spalt aus Grabsteinen gleiten lies. Ein Gefühl der Einsamkeit machte sich in ihr breit als sie mit einem Ruck den Grabstein zurück legte und den Spalt schloss. "Du ja hast uns! Wir sind für dich da! Du brauchst nur uns!", flüsterten die Stimmen in ihrem Kopf.

"Tu ich das?, murmelte Dimiona während sie sich erhob, mit einem grimmigen Lächeln im Gesicht. Sie würde sich nicht mehr verbiegen, denn nun war sie frei. Frei sich endlich das zu nehmen was sie wollte; sie war nicht länger hin und her gerissen zwischen zwei Fronten, die sie nach und nach zu zermalmen drohten. "Ohne uns wärst du allein!", rief eine Stimme durch ihren Geist. "Bin ich das?", sagte Dimiona noch immer böse lächelnd während sie sich auf ihr Pferd schwang. Für einen Moment kehrten ihre Gedanke einige Abende zurück..........Kerzen am Wasser, das Geräusch von schwappendem Wasser das auf Holz trifft und eine Hand die sanft die ihre drückt.
"Aber du brauchst uns als Priesterin!", kreischte es schrill zwischen ihren Gedanken. "Nein! IHR braucht MICH!", erwiderte Dimiona kalt und entschlossen während sie ihrem Pferd in die Flanken trat und davon preschte, ohne sich auch nur einmal umzusehen.
In Gedanken war sie schon an der Darrowehr, denn es gab viel zu tun. Zug um Zug musste nun gesetzt werden, denn nur so würde sie ihr Ziel erreichen und dabei würde sie nicht alleine sein.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Endlich daheim!?

Beitrag von Dimiona » So 5. Mai 2019, 20:13

Dunkelheit herrschte über den Pestländern und die Nacht war bereits mehr als zur Hälfte vorüber. Kein Stern leuchtete am Firmament, so als würden selbst diese in jener Nacht die östlichen Pestländer meiden. Nur der untote Seuchenvogel Calain zog unermüdlich seine Kreise über Stratholme, wachend über seine Herrin und bereit sie vor jeder Gefahr zu warnen die er durch seine leeren Augenhölen erspähen konnte.

Dimiona war noch immer trunken vor Euphorie und Tatendrang. Ihre Glieder fühlten sich schwer wie Blei an. Bereits zu Sonnenaufgang waren sie und Khelperetocs nach Stratholme aufgebrochen. Die beiden kannten die verborgenen Pfade so gut, dass sie diese wohl auch in dunkelster Nacht finden würden; doch war es lange her das sie diese genutzt hatten. Zur jener Zeit wehten noch die Banner des Raben über der Bastion und man traf sich hier um Pläne zu schmieden den Argentum anzugreifen und die Grenzen des Schattenreiches auszudehnen. Alles unter der Führung von Ignaz W. Zimmerer. Es fühlte sich für Dimiona an als läge dies alles eine Ewigkeit zurück, so viel hatte sich seither verändert. "Doch nun bist du wieder hier", wisperte leise eine Stimme durch die Gedanken der Priesterin. Ein Lächeln breitete sich auf Dimionas Lippen aus. Ja sie war endlich zurück. So seltsam es war, aber für Dimiona war die Bastion immer schon so etwas wie ein Zuhause gewesen. "Du bist endlich dort wo du hin gehörst", flüsterte eine sanfte Stimme durch ihren Geist. Wie immer hatten die Götter Recht. Seit langer Zeit hatte sie endlich das Gefühl an ihrem Platz angekommen zu sein. Weder Astralur und schon gar nicht der Nether waren je eine Heimat für sie gewesen. "Es war diese Lüge die du für Liebe gehalten hast die dich in den Nether gebracht hat", murmelten die Stimmen. Kurz flammte der Schmerz in Dimionas Brust auf der sich immer regte wenn sie an Orelina dachte. "Sie hat dich belogen, immer und immer wieder! Hat dich tanzen lassen wie eine Puppe während sie Gefühle für einen anderen hegte. Hat dich verraten nach allem was du für sie geopfert hast." Die Stimmen redeten nun alle durcheinander. Dimiona schloss die Augen und verbannte den Gedanken an ihre einstige Liebe tief in die dunkelsten Abgründen ihrer Seele. Sie zog den Duft von Tabak, Weihrauch und Alkohol tief in ihre Lungen, fühlte die weiche Haut auf der ihren und hörte die gleichmäßigen Atemzüge. Niemals hatte sie es für möglich gehalten das diese einfache Nähe eine so beruhigende Wirkung auf sie haben könnte. Orelina gehörte der Vergangenheit an, genau so wie der Rabe in Stratholme. Sie würde keine Zeit mehr damit verschwenden zurückzublicken, zu viel stand auf dem Spiel um sich von den schmerzhaften Erinnerungen einholen zu lassen.
Vialena sammelte eindeutig Verbündete um Ignaz zu befreien. Sie würden Rache üben wollen an jenen die sie damals verraten hatten und genau das galt es zu verhindern. Dimiona würde alles daran setzen es der Elfe so schwer wie möglich zu machen und dabei ihre eigene Position in den Pestländern zu festigen und weiter auszubauen. "Endlich hast du deinen Weg gefunden", flüsterten die Stimmen Dimiona zu. Die Bastion würde eine Enklave der ewigen Finsternis werden und sie würde dieser vorstehen. Schon bald würden mit Khelperetocs Hilfe Schattenpriester von der Dunkelküste in den Pestländern eintreffen um ihr die Treue zu schwören. Khelperetocs würde weiterhin die Fäden an der Scholomance ziehen und so alles zu ihren Gunsten lenken. Ein diabolisches Lächeln breitete sich bei dem Gedanken auf Dimionas Gesicht aus, wie es jenen ergehen wird die sich ihnen in den Weg stellen. "Doch was geschieht wenn ihr scheitert?", raunte eine Stimme in ihrem Geist. "Denkt ihr wirklich wir würden nach all dem was wir erlebt haben noch irgendetwas dem Zufall überlassen?", konterte Dimiona in Gedanken. Die Stimmen verstummten für einen Moment und die Schattenpriesterin konnte den Augenblick genießen während sich endlich der Schlaf einstellte. Sanft streichelte sie den Arm der schönen Nekromantin in dem sie lag und für den Moment war Dimiona glücklich wie sie es schon seit sehr langer Zeit nicht mehr war.
Khelperetocs und sie hatten beide in dem Krieg gegen Ignaz am meisten verloren. Sie hatten die selbe Frau geliebt und beiden ist nur ein schmerzhaftes dunkles Loch in der Brust geblieben das Orelina zurück gelassen hatte. Sie hatten beide gedient, aus Liebe und Loyalität, und beide hatten sie diese Ketten zerbrochen. Es gab nichts mehr was sie zu verlieren hatten, jede hatte die dunkelsten Abgründe der anderen gesehen und war davor nicht zurückgeschreckt. Verbunden durch den Schmerz, den Verlust, die Einsamkeit, den Hass und den Zorn, das Leid und den Wunsch nach Macht, Anerkennung und Zerstörung waren sie zu den Töchtern der Nacht geworden und ihr Krieg aus den Schatten hatte gerade erst begonnen.

Langsam schob sich die strahlende, rot-glühende Sonne über den Horizont um die Pestländer in ihr dumpfes Licht zu hüllen. Calain landete auf dem alten, bröckeligen Fenstersims genau in dem Moment als das Licht durch die schmutzige Fensterscheibe fiel. Der große untote Vogel spreizte seine, von Maden zerfressenen, Flügel und wo gerade noch der rötliche Schein, wie vom Feuer eines Scheiterhaufens, auf die beiden Schlafenden gefallen war, lag nun das diffuse Zwielicht aus Schatten und Dunkelheit.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Ein Sturm zieht auf

Beitrag von Dimiona » Sa 11. Mai 2019, 19:41

Stille lag über dem Darrowehrsee, nur der ständige Nebel, der das verfluchte Gewässer einhüllte, kräuselte sich und bildete schreckenerregende Fratzen. Die Nacht brach über die Pestländer herein und am Horizont kündete eine Wolkenwand von einem Sturm in der Ferne.

Dimiona stand am Wehrgang der Darrowehr und beobachtete die umliegende Landschaft. Die Priesterin war erst vor einer Stunde, gemeinsam mit Edmin Lescovar und dem jungen Answin an der Scholomance eingetroffen. Der alte Mann war fast in Freudentränen ausgebrochen als Dimiona ihn in der Bastion in Stratholme empfangen hatte. "Ein loyaler Diener", flüsterte eine leise Stimme in Dimionas Geist. Ein kurzes Lächeln huschte über die Lippen der Priesterin. Es war ein offenes Geheimnis das der alte Mann ihr sehr zugetan war. Unter Ignaz W. Zimmerer war der alte Adelige Stadthalter von Stratholme gewesen und bereits zu jener Zeit war er stets bemüht das es Dimiona an nichts fehlte. Als das Schattenreich zerbrach nahm ihn Orelina auf Dimionas Bitte hin im Zirkel der schwarzen Sonne auf und er floh mit ihnen nach Astralur. Einst ein angesehener Mann, war er nun nichts weiter als der Kontorist des Zirkels. "Eine perfekte Schachfigur", säuselte leise eine Stimme. Edmin hatte gewusst wo Dimiona war und sie aufgesucht. Loyal zu ihr hatte er, ohne groß Fragen zu stellen, sofort seinen ersten Auftrag angenommen. Dimiona hatte Edmin Lescovar damit beauftragt einen Schüler für die Scholomance zu finden, den man Ambrosius als jungen Adelsspross verkaufen könnte. Es würde Ambrosius sehr erfreuen einen jungen Blaublütigen unter seinen Schülern zu haben, noch dazu wenn er ein ganzes Schuljahresgeld im voraus bezahlte. "Und dies lässt dich wieder in der Gunst des Direktors steigen und sein Vertrauen in dich wachsen", hörte Dimiona eine zufriedene Stimme wispern. Sie nickte, denn wie immer hatten die Götter Recht. Answin war natürlich alles andere als ein Adeliger. Edmin hatte ihn aus irgend einem Waisenhaus in Surwich mitgenommen und würde das Schulgeld aus seinem eigenen, beträchtlichen Familienvermögen bezahlen. "Wie eine Spinne, die ihre Beute einwebt", halten die Worte durch Dimionas Geist. Zusätzlich zu dem würde Answin die Reihen in Khelperetocs Netzwerk aus Spitzeln und Spionen an der Scholomance verstärken und sie über alles informieren was er an der Schule erfuhr.

Eine Windböe blies Dimiona ins Gesicht, der Sturm kam näher und irgendwo hörte man das Glas einer Laterne zerspringen. Ihre Gedanken kehrten einige Abende zurück als Perdin ihr einen Brief überbrachte in dem Silem, der Leiter des Blutzweiges der Sphärologischen Fakultät zu einem wichtigen Treffen in Eisenschmiede einlud. Dimiona hatte vor Aufregung ihr Weinglas fallen gelassen als sie die Zeilen las, denn sie ahnte warum der steinalte Blutmagier sie treffen wollte. "Deine Sinne haben dich diesmal nicht getrübt", flüsterte eine Stimme durch den Geist der Priesterin. Bereits vor vielen Wochen hatte Dimiona den Magier aufgesucht, der damals nach Asarbaads Angrif auf Astralur undd mit ihm die Leiche von Kormek Raft. Der endgültige Tod des Splitterträges hatte Dimiona mehr als nur eine schlaflose Nacht beschert. Hass wallte in Dimiona auf als sie an Asarbaad dachte und grenzenloser Zorn bei dem Gedanken wie Orelina dessen Taten rechtfertigte. Sie hatte keine Zeit verschwendet und war gemeinsam mit Khelpertocs nach Eisenschmiede aufgebrochen.

Noch immer spürte sie den Sturm aus Schmerz, Wut, Verachtung und Enttäuschung in ihrer Brust als sie an das Treffen dachte. Natürlich war auch Orelina dort gewesen. Ihre Kehle schnürte sich zu als sie im Geiste die Zusammenkunft Revue passieren lies.
Orelinas Worte waren wie glühende Dolche gewesen die sie ihr von allen Seiten in die Seele rammte. Doch jeder Satz von ihr stachelte Dimionas Wut und Enttäuschung über ihre einstige Liebe nur an. Es kostete ihr alle Selbstbeherrschung die sie aufbringen konnte um ihre Worte auf Silems Bitte hin zu zügeln. "So viel köstlicher Schmerz, so viel Hass und Trauer", jubelten die Stimmen in ihrem Geist, als würden sie von einem Festmahl sprechen. Nur eine Person hatte an jenem Abend wohl so gelitten wie Sie. Ihre Schwester im Geiste, ihre Verbündete in der Nacht, Khelpertocs. Jeder der die schöne Nekromantin kannte wusste das nur weniges in ihr so etwas wie Schmerz und Verzweiflung hervor rief. Kalt wie Eis, hart wie Diamant und schwarz wie die Nacht mochte sie für die meisten erscheinen. Dimiona kannte sie jedoch besser; sie waren die Töchter der Nacht und sie hatte gesehen welche Qualen es ihrer Schwester bereitete ihren einstigen besten Freund und Weggefährten so zu sehen. "Du meinst was von ihm übrig ist", meinte eine Stimme zynisch in Dimionas Geist. Dimiona presste die Lippen aufeinander als sie an die Phiole mit rotem Glibber dachte in dem Silem Kormeks Essenz eingefangen und vor dem Tode bewahrt hatte. "Doch schon bald wird der Träger der Blutigen Speerspitze wieder auf Azeroth wandeln", hörte die Priesterin die Worte der Götter.
Silem hatte einen Weg gefunden Kormek wieder ins Leben zu holen, zumindest glaubte er diesen gefunden zu haben. Bedauerlicherweise erforderte dies die Zusammenarbeit aller Splitterträger, was bedeutete das sie und Orelina an einem Strang ziehen mussten. Dies würde Dimiona viel Kraft abverlangen und besseren Wein benötigen als an jenem Abend in Eisenschmiede.

Donner grollte und am Horizont zuckten Blitze. Dimionas blondes Haar wehte im Wind und ihr schwarzer Mantel flatterte in dem herannahenden Sturm. Der Nebel auf dem See der Darrowehr war gewichen und Wellen peitschten über das sonst so stille Gewässer.
"Dein Schmerz hat dir endlich Klarheit verschafft, hat den Schleier gelüftet" hauchte eine leise Stimme ihr zu. Dimiona nickte kaum merklich. Im Nachhinein war sie dankbar für das Treffen in Eisenschmiede. Dort hatte sie endlich alles klar gesehen. Sie hatte begriffen, das sie und Orelina nie für einander bestimmt gewesen waren. "Wir haben es dir schon immer gesagt", krähte eine schrille Stimme. "Ich weiß selbst das ihr von Anfang an Recht hattet", konterte Dimiona in Gedanken. Für sie war Orelina stets unfehlbar gewesen, alles was sie ihr im Laufe ihrer Beziehung angetan hatte, jeden Fehltritt hatte ihr Dimiona vergeben. Sie hatte sich selbst zurück gestellt, hatte ihr dunkles Selbst verborgen, hatte alles getan um schöne Rothaarige mit den wilden Augen glücklich zu machen. Sie hatte sich selbst Ketten angelegt um jene Person zu sein die Orelina einst geliebt hatte. Das unsichere Mädchen, das Zuflucht bei ihr gesucht hatte. Das Mädchen, das zu ihrer Stärke und ihrem Mut aufgesehen hatte, das schwach war und beschützt werden musste. Das kein Zuhause und keine Familie hatte. "Dieses Mädchen starb vor langer Zeit", raunte eine Stimme leise. Es war nicht nur Orelina gewesen die sie belogen hatte, auch sich selbst hatte Dimiona betrogen. Sie hatte geglaubt das, wenn sie es nur genug versuchte würde, es ihr reichen könnte einfach die Geliebte der Zirkelmeisterin zu sein und damit ein Teil ihrer Familie. Ein sicheres Zuhause weit fort von Azeroth und den Göttern.
"Dieser Traum war dir stets zu klein", flüsterte eine Stimme. An jenem Abend hatte Dimiona erkannt, so schmerzlich es auch war, dass sie eine Illusion gelebt hatte. Sie war eine der fähigsten Priesterinnen der Schatten, eine Berufene der Alten Götter selbst. Sie war alles andere als schwach oder hilfsbedürftig. Sie wollte sich nehmen was sie wollte und das einfach weil sie es konnte. "Du hast die Ketten gesprengt", jubelte eine Stimme über das Brausen des Sturms hinweg. Dimionas Gedanken waren am Ende des Abends angekommen. So schmerzhaft die Erkenntnis darüber war was Orelina und sie sich gegenseitig angetan hatten, um so berauschender war es gewesen endlich frei zu sein und zu akzeptieren wer und was sie war.
"Und du hast dir genommen was du begehrtest", säuselte eine Stimme. Ein Schauer der Erregung ging durch Dimionas Körper als sie an die heißen Lippen auf den ihren dachte. An die Worte, die voller Begehren in dieser Nacht gesprochen wurden. Die Hitze, die etwas verzehrendes hatte.
Krachend schlug ein Blitz in einem Baum am Ufer des Sees ein worauf das kahle Gerippe der Äste Feuer fing, doch Dimiona merkte dies kaum. In Gedanken war sie in Stratholme, dem Zuhause der Töchter der Nacht. Sie dachte an die Pläne die sie gemeinsam dort in jener Nacht geschmiedet hatten. An die nackte Haut auf der ihren, an die völlige Freiheit ihre dunkelsten Abgründe und Sehnsüchte nicht verstecken zu müssen. Nein, im Gegenteil. Sie mit jemandem zu teilen. Selbst jetzt beschleunigte sich Dimionas Atmung wenn sie an diese Nacht dachte, an das heiße Wasser das sie umspülte während sie und....

"Herrin, ihr holt euch hier draußen noch den Tod",wurde Dimiona von einem windzerzausten Edmin Lescovar aus den Gedanken gerissen. Sofort setzte Dimiona ihre undurchdringliche Miene auf. Niemand sollte davon erfahren, zu viel stand auf dem Spiel. Keiner sollte von ihrem schwarzen Diamanten wissen. Der Krieg mit Vialena hatte bereits über die Entfernung hinweg begonnen. Die Darrowehr war ein Minenfeld und der Zirkel der schwarzen Sonne im Ungleichgewicht.
Es musste ein Geheimnis bleiben, genau so wie die vielen Pläne, die im Schutze der Nacht und der Schatten, langsam in die Tat umgesetzt wurden.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Neue Bürger

Beitrag von Dimiona » Do 16. Mai 2019, 20:26

Tiefe schwarze Nacht lag über der Bastion in Stratholme, einem vom Tod verfluchten Ort. Kein Lichtschein viel in dieser dunklen Stunde auf die so alt-ehrwürdigen Mauern, denn weder Sterne noch Mond vermochten die dichte Wolkendecke zu durchdringen. Wären da nicht die immer wieder kurz aufleuchtenden Augenpaare gewesen, gelbe und grüne Punkte die sich rund um die Bastion bewegten, einmal auf dem Dach, dann auf einem Fenstersims oder auf den Stufen des Eingangs, man würde an eine vergesse Hochburg der Macht denken. Doch im Zuhause der Töchter der Nacht hatte selbst der Tod vor ihnen das Knie zu beugen.

Dimiona betrachtete eines der leuchtenden Augenpaare durch das Fenster. War es gerade noch unten in einer finsteren Ecke zu sehen, verschwand es nur um kurze Zeit später an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen. Khelperetocs´ Gezücht wachte über sie und würde sie beide sofort darüber informieren sollte sich ungebetener Besuch der Bastion näheren. "Sicherheit", flüsterte leise eine Stimme durch Dimionas Gedanken. Den meisten Menschen würde sich beim Anblick der halb verwesten Vögel, Eichhörnchen und anderen untoten Kleintieren der Magen umdrehen, doch für die Schattenpriesterin war das untote Gezücht so etwas wie finstere Herolde, Boten und Späher zugleich. Sie goss sich einen Kelch mit Wein ein während sie in einem bequemen, dunkelroten Lehnstuhl saß und ihre Gedanken an den gestrigen Abend zurückkehrten.

Sie war bereits am Morgen von der Darrowehr aufgebrochen. Mit Hilfe der Schatten, die sie verbargen, war es möglich ungesehen die Festung zu verlassen, doch selbst in dieser Form war stets Vorsicht geboten. Gerüchte machten schnell die Runde. Khelperetocs war bereits am Tag zuvor mit einigen Arbeitern an die Bastion gereist. Diese würden die nötigen Reparaturen durchführen die seit dem Fall des Schattenreiches dort nötig waren. In Gedanken verfluchte sie die Heimlichtuerei die von Nöten war um die Pläne der Töchter der Nacht geheim zu halten. Nur wenige Stunden gemeinsame Zeit waren ihnen an der Darrowehr vergönnt gewesen. Dimiona wusste das es ein Spiel mit dem Feuer war. "Geduld, schon bald besitzt ihr die Macht um euch nicht länger verstecken zu müssen", hauchte eine leise Stimme. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. Einst hatten die Götter sie für die Liebe zu Orelina mit Worten gestraft. "Es hat lange gedauert bis du auf uns gehört hast", murmelte eine Stimme.
"Vergebt mir", antwortete Dimiona leise. Doch nun war es anders wenn sie an jene dachte die ihren Atem schneller gehen lies und bei der sie sich Frei fühlte. "Der Tod geht mit den Schatten Hand in Hand und stellt sich nicht dagegen", flüsterte eine Stimme. Wie immer hatten die Götter Recht, die Töchter der Nacht waren eine Einheit.
Endlich kam das kleine Bauernhaus in Sicht nach dem sie Ausschau gehalten hatte. Dimiona trat ihrem Pferd in die Seiten und hielt geradeaus darauf zu. Rückblickend war es ein leichtes gewesen, dem jungen Paar das dort lebte vorzuspielen sie sei eine Pilgerin die vom Weg abgekommen sei. Natürlich baten die beiden sie in ihre Stube herein, was hatten sie auch von einer unbewaffneten einzelnen Frau zu fürchten. Wie einfältig das einfache Volk doch war. Es brauchte nur eine kleine Liturgie um den beiden einen fremden Willen aufzuzwingen, Dimionas Willen. "Und welch wertvolles Geschenk du ihnen gemacht hast", krähte eine Stimme durch Dimionas Geist. Tharsonius hatte ganze Arbeit geleistet. Die beiden Halsketten, die er für sie aus urtümlichen Saronit angefertigt hatte, entfalteten sofort ihre Wirkung als die beiden Bauern sie angelegt hatten. Solange sie die Ketten trugen würden sie den Töchtern der Nacht jeden Wunsch erfüllen. Absolut loyal, nicht fähig Verrat zu begehen und dabei noch glücklich..... besseres Personal konnte nicht einmal Lyon deChiffre finden. Estre und Kordan würden dafür sorgen das es in Stratholme an nichts fehle.

Dimionas Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück, während sie den Anblick Khelperetocs´ genoss, die sich vor ihr im Badezuber entspannte. Der Duft von Kerzen, Tabak und Weihrauch vermischte sich mit dem Dampf des heißen Badewassers der schönen Nekromantin und hatte eine betörende Wirkung auf Dimiona. Wie gerne hätte sie ihre „Schwester im Geiste“ leidenschaftlich geküsst als sie endlich mit ihrer neuen Dienerschaft mitten in der Nacht in Stratholme angekommen war. Doch die Arbeiter waren noch zu Gange und sie beide konnten nicht riskieren das jene darüber an der Scholomance tratschten. So war ihnen nichts anderes geblieben als sich sehnsüchtige Blicke zu zu werfen und noch einige Stunden ihr Spiel aufrecht zu erhalten. Zu viel gab es nun vorzubereiten, zu viele Entscheidungen mussten an diesem Tag getroffen werden. Während Khelperetocs die Arbeiter beaufsichtigte, instruierte und antrieb, besprach Dimiona mit Edmin Lescovar die Ausstattung und Nutzung der verschiedenen Räumlichkeiten. Die Heraldik der Zimmerer Dynastie war bereits komplett entfernt worden. Lagerräume wurden zu Schlafstätten umgebaut. Der Thronsaal würde künftig als Ritualraum genutzt werden und Ignaz W. Zimmerers prunkvolles Gemach würde künftig den Herrinnen des Hauses gehören. Die Töchter der Nacht planten und arbeiteten wie trunken von Euphorie, warfen sich verzehrende Blicke zu nur um im nächsten Moment innezuhalten um nicht von einem Arbeiter gesehen zu werden.
„So viel habt ihr in so kurzer zeit bereits erreicht", säuselte eine Stimme durch Dimionas Geist. Die Stunden waren wie im Flug vergangen bis endlich die Dämmerung einsetzte. Khelperetocs befahl den Arbeitern sich zurückzuziehen und das keine Störungen im Thronsaal geduldet wurden. Dimiona liebte es ihr dabei zuzusehen wie sie es mit nur wenigen Worten und Gesten schaffte die Furcht in den Herzen dieses einfachen, aber nützlichen Gesindels zu wecken.
Doch noch mehr liebte sie den Anblick der sich ihr gerade bot während sie sich den schweren Rotwein auf der Zunge zergehen ließ. Das schwarze Haar, das im Feuerschein glänzte wie schwarzer Diamant, das sich verspielt um die makellose weiße Haut der Nekromantin schlängelte. Die Brüste, die sich bei jedem Atemzug ihrer Seelenverwandten sanft im Wasser hoben und senkten.

Kaum hatten sich die Arbeiter zurückgezogen hatte Dimiona den magischen Anker von Caiborn im Thronsaal platziert. Die Schatten tanzten an den Wänden, die Luft schien wie zum zureißen gespannt und es herrschte Totenstille. Es schien als würden die gesamten Pestländer den Atem anhalten, als sich plötzlich dort wo der Anker stand, ein magisches Portal öffnete. Dimiona konnte sich nicht erinnern wann sie das letzte Mal so voller Erwartung gewesen war. Es war ein beflügelndes Gefühl gewesen als die ersten Gestalten aus dem Portal traten. In nur wenigen Augenblicken waren dreizehn Personen aus dem Portal getreten. Zwölf davon in schwarz-violette Roben gehüllt. "Und mit jedem wuchs deine Macht", hauchte eine Stimme. Diszipliniert und geordnet hatten die Kultisten Aufstellung vor ihr genommen bis ihr Anführer vor die Töchter der Nacht trat. Wie auf ein Zeichen senkten sie alle den Blick und gingen auf ein Knie. Die dreizehnte Gestalt, bei der es sich um den Magier Caiborn handelte, brach jedoch zusammen. Er hatte unaussprechliches geleistet um die Kultisten des Schattenhammers in nur vier Tagen von der Dunkelküste hier her zu bringen. Wie immer war auf Edmin Lescovar verlass der den erschöpften Magus sofort aus dem Thronsaal brachte damit er sich erholen könne.
"Die Schatten werden länger", grüßte der Anführer der Kultisten kniend mit gesengtem Blick. "Es wird Abend, eher euer Tag erwacht", antwortete Dimiona. Wie lange war es her das sie diese Begrüßung gehört hatte? Ein Gruß, der für Respekt und Ehrerbietung unter den wahren Gläubigen der Alten Götter stand. "Wir sind gekommen um unter eurer Führung die Stunde des Zwielichts einzuläuten", sprach der Mann vor Dimiona.
"So schwört bei den Göttern, der Leere und dem Schatten selbst euer Leben in meine Dienste zu stellen, auf das die ewige Dämmerung über diese Lande ziehe", erwiderte Dimiona. Wie aus einem Mund sprachen die zwölf: "Bei den Schatten, der Leere und den Alten Göttern schwören wir zu dienen bis zur immerwährenden Dämmerung!"
Überall im Thronsaal wallten dutzende Schatten auf und schienen zu tanzen, bis sie zu einem einzigen zu verschmelzen schienen. Dimiona sah aus den Augenwinkeln wie Khelperetocs Augen leuchteten...... Ehrfurcht, Euphorie und das Gefühl die Macht zu schmecken versetzte auch die schöne Nekromantin in einen Rausch. "Zwei so dunkle Seelen bilden gemeinsam die Nacht", flüsterten die Stimmen in Dimionas Geist. Orelina hätte dies alles hier verachtet. Treueschwüre, absolute Hierarchie und das alles im Dienste der Götter. Khelperetocs hingegen unterstützt sie und verlieh ihr dabei so viel Stärke wie es sonst keiner gekonnt hätte.
Der Tanz der Schatten war zu seinem Höhepunkt gekommen und Dimiona sprach: "So erhebt euch, Kinder der Schatten, denn ich werde euch zum Abend führen ehe die Nacht erwacht."
Die Diener der Alten Götter erhoben sich, die Zeremonie war zu ende und die Schatten kehrten an ihre Plätze zurück. Dimiona wandte sich an Amun zu und begrüßte ihn nun auch weltlich in der Bastion. Sie wies ihre Glaubensbrüder und -schwestern an sich in ihrem neuen Zuhause umzusehen und sich von der anstrengenden Reise zu erholen. Am morgigen Tag würde es genug Zeit geben um Gespräche zu führen. Wie nicht anders erwartet zogen sich die neuen Bewohner Stratholmes zurück und liesen die Töchter der Nacht alleine. Kaum hatte sich die Tür geschlossen flog Dimiona Khelperetocs in die Arme und küsste sie als ob die Welt dabei versinken solle. "Ich habe mich so nach dir gesehnt", flüsterte Khelperetocs heiser in Dimionas Ohr. Wie Wind waren die beiden in ihr großzügiges Gemach geeilt, wo Estre bereits ein heißes Bad eingelassen und den Wein bereitgestellt hatte.

Dimiona trank den letzten Schluck Wein und leckte sich über die Lippen während sich die schöne Nekromantin aus dem Badezuber erhob. Das Wasser ran über ihren perfekt geformten Körper. "Geduld ist eine Tugend und macht sich stets bezahlt", ging es Dimiona durch den Kopf, als Khelperetocs sich auf ihren Schoß setzte und sie endlich das tun konnten nach dem sie sich seit Tagen sehnten. Waren die Pläne und Träume der Töchter der Nacht doch so hoch, weit und komplex und mit Sicherheit auch wahnsinnig, so war es genau das was sie in diesem Augenblick wollten.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Monster

Beitrag von Dimiona » Sa 8. Jun 2019, 14:51

Leise säuselte der Wind durch die toten Blätter des Pestwaldes, bereits in der Dämmerung herrschten hier schlechte Sichtverhältnisse für die Lebenden. Giftig leuchtende Flechten bedeckten hier und dort die modrigen Baumstämme, übelriechende Pilze gediehen in großen Gruppen, deren Gift auf dem Schwarzmarkt ein kleines Vermögen Wert waren. Gefräßige Maden krochen zwischen den Bäumen herum, während auf den wenigen Lichtungen verseuchte Rehe standen, untote Bären, bereit sich auf alles lebende zu stürzen, lauerten in den Höhlen. Schlurfende Leichname aus längst vergangenen Zeiten, irrten ziellos umher mit dem einzigen Trieb zu töten. Doch dies waren noch nicht einmal die schlimmsten Bewohner des Pestwaldes.
Neruber, untote Spinnenwesen, hausten hier. Einst waren sie Diener der Alten Götter gewesen, doch im ewigen Krieg zwischen Licht und Schatten hatten sie den Tod gefunden. Die Macht des Lichkönigs hatte sie wieder ins Leben gerufen und im Untod überdauerten sie die Zeit, getrieben von der dunklen Macht die sie ins Unleben gerufen hatte. Niemand der bei klarem Verstand war suchte diesen Ort freiwillig auf.

Die Schatten wurden allmählich länger während Dimiona, dicht gefolgt von ihrem Vertrauten Amun durch den Pestwald schritt. "Wäre es nicht ratsam gewesen mehr eurer Jünger mitzunehmen, Hochwürden?", fragte Amun leise. Dimiona hielt inne und wandte sich an den dunklen Schamanen: "Ich habe den Fähigsten von ihnen an meiner Seite, der Rest der Enklave wurde mit anderen Aufgaben betraut." "Ihr habt das Relikt der Abscheu noch nie eingesetzt. Sollten wir nicht zuvor einen Probeversuch vollziehen?" , fragte Amun weiter während sie sich einen Hang hinauf bewegten. Dimiona griff unter ihren schwarzen Umhang, das Relikt der Abscheu war genau dort wo es noch vor wenigen Metern gewesen war.

Ihre Gedanken kehrten einige Tage zurück. Man hatte sie nach Astralur gerufen, Orelina war in einem Gefecht schwer verletzt worden. So sehr sie ihre einstige Liebe auch verabscheute für das was sie ihr angetan hatte, vermochte Dimiona es nicht ihr die Hilfe zu verwehren. "Sie wird noch gebraucht für unseren Aufstieg", zischelte eine Stimme in Dimionas Gedanken. Es war nicht einfach gewesen für sie ihre einstige Sonne schwer verwundet vor sich zu sehen. Sie hatte nicht gezögert die Wunden der Zirkelmeisterin zu schließen. "Mitgefühl hat sich in dein Herz geschlichen", krähte eine schrille Stimme in ihren Gedanken. Bis jetzt wusste Dimiona nicht genau was sie in diesem Moment gefühlt hatte. Vielleicht war es ihre Art gewesen sich bei Orelina zu bedanken, dass sie sie hatte ziehen lassen. Das sie durch Orelinas Taten begriffen hatte WAS, und vor allem WEN, sie wirklich wollte. Das sie durch Orelinas schmerzhaften Verrat ihre geliebte Schwester im Geiste und endlich ein Zuhause gefunden hatte. "Wie immer irrst Du dich, wenn es um die Hexe geht", wisperte eine Stimme durch Dimionas Gedanken.
Nach Atem ringend blieb die Schattenpriesterin auf der Anhöhe stehen, während ihre Gedanken noch immer in der Vergangenheit weilten.
David war ebenso verletzt worden. Eine tiefe Wunde im Bauch hätte ihn mit Sicherheit das Leben gekostet. "Du hast sein Leiden in dich aufgesogen, hast dich daran ergötzt", hauchte eine Stimme. Dimiona hätte ihn für das was er ihr angetan hatte gerne länger leiden lassen, doch besaß der Zirkel etwas das sie in ihren Besitz bringen wollte. "Und so hast du auch das Leben dieses einfältigen Wurmes gerettet....", zischelte eine Stimme. "….und habe das bekommen was ich wollte! Um unsere Pläne voran zu treiben" , unterbrach Dimiona sie. Das Relikt der Abscheu hatte wenig später Astralur mit ihr verlassen.

"Also kein Probeversuch, Hochwürden?" riss Amun sie aus den Gedanken. "Das Relikt wurde dem Schatten geweiht und gilt nun als unheilig, Amun. Ich denke, wenn es jemand führen kann, dann ich." erwiderte Dimiona ruhig.
Einst war es dem Nekromanten Ignaz W. Zimmerer vorbehalten gewesen das Artefakt zu beherrschen, damals war das Relikt ein Gegenstand der Arkanen Schule der Nekromantie. Nun, da das Relikt alle sieben Siegel der Schatten trug und in einer aufwendigen Zeremonie geweiht worden war, würde es Dimiona einsetzen können.
"Zumindest hoffst du dies", murmelten die Stimmen der alten Götter. "Wir haben keine Zeit für etwaige Probeversuche“, erwiderte die Schattenpriesterin.

Wieder kehrten ihre Gedanken einige Abende zurück. Sie hatte sich mit Malicia getroffen, jener Blutelfe die die Direktoren der Scholomance zu überdauern schien. Ambrosius hatte sie an die Bastion entsannt um die Töchter der Nacht auszuspionieren. "Welch ein Narr!", hörte Dimiona den Chor der Stimmen in ihrem Geist lachen. Man hatte sich mit ihr auf eine unheilige Allianz geeinigt. Die Darrowehr sollte der engste Verbündete der Töchter der Nacht werden, mit einer Direktorin die in ihrer Schuld stand. Es lag an Malicia den Preis für ihren Aufstieg zu zahlen, einen Ashari-Kristall. Die Sindorei würde nicht vergessen wer sie zur Direktorin gemacht hat. „Und falls sie es doch vergisst, war dieser Posten noch nie lange von der selben Person besetzt“, klang es verschwörerisch durch Dimionas Kopf. Ambrosius Tage waren gezählt.
Khelperetocs wog ihn weiter in Sicherheit und trieb ihr Vorhaben voran. Schon bald würde alles bereit sein für das Attentat und der alte Mann würde sein Leben aushauchen. Während Khelperetocs an der Darrowehr agierte und aus dem Hintergrund die Fäden ihrer Marionetten zog, lag es an Dimiona die Enklave der ewigen Finsternis weiter auszubauen und abzusichern.
"Zwei Herzen die im Takt der Nacht schlagen und sich gegenseitig Flügel verleihen", hörte Dimiona die Stimmen der Alten Götter. Wie immer hatten die Götter Recht. Niemals zuvor hatte Dimiona so ein Gefühlt wie jetzt. Kein Moment der Gleichgültigkeit, jeder Augenblick mit Khelperetocs war wie ein Inferno. Gemeinsam ergänzten sie sich auf eine Art und Weise die einem den Atem nahm. Niemals zuvor hatte sich Dimiona so frei und lebendig gefühlt als mit der schwarzhaarigen Schönheit an ihrer Seite.
"Endlich hast du erkannt, was wir schon immer in dir gesehen haben! Du hast die Ketten gesprengt und unterdrückst nicht länger dein wahres Ich", hörte Dimiona eine freudige Stimme flüstern. Doch sahen dies bei weitem nicht alle so.

"Vorsicht!" riss Amuns Stimme sie abermals aus den Gedanken. Der Schamane hielt sie gerade noch mit einem starken Arm davor zurück blindlings in einen fauligen Tümpel zu treten. Eine verweste Hand ragte aus dem Wasser."Wie immer kann ich mich auf euch verlassen, Amun", entgegnete Dimiona während sie etwas von dem stinkenden Gewässer zurück trat, gerade so weit das sie einen Blick auf ihr Spiegelbild erhaschen konnte. Sie war noch immer die blonde Schönheit die sie an Orelinas Seite gewesen war. Ihre Züge mochten härte geworden sein und um ihre unergründlichen blauen Augen lagen rote Ränder. Sie schlief zu wenig. Ein Umstand den das Nutzen ihrer dunklen Kräfte mit sich brachte. Wo andere einen körperlichen Preis für ihre finsteren Mächte zahlten, litt bei Dimiona der Geist wenn sie nicht mit ihren Kräften Haus hielt. Die Grenzen zwischen Realität und Vision, Klarheit und Wahn, Wunsch und Albtraum verschwammen dann vor ihren Augen. "Natürlich hat es rein gar nichts mit der Ekstase zu tun der du dich mit deiner Seelenverwandten jede Nacht hingibst", höhnte eine Stimme in Dimionas Geist.
Die Priesterin starrte noch immer auf ihr verzerrtes Spiegelbild im brackigen Wasser. "Was seht ihr Amun?", fragte Dimiona leise ihren Vertrauten. "Unsere Zukunft, Hochwürden", erwiderte der Schamane während er an sie heran trat und in den Tümpel blickte. "Viele meiner einstigen engsten Vertrauten sehen in mir mittlerweile ein Monster", entfuhr es Dimiona als sie daran dachte wie Lyon deChiffre sie bei ihrem letzten Besuch auf Astralur angesehen hatte. "Meistens werden Monster von genau jenen erschaffen die sie fürchten", erwiderte der Schamane weise. Dimiona nickte langsam während ihre Gedanken noch immer auf Astralur weilten.

Sie dachte daran wie Khelperetocs zitternd beim Kürbisfeld ihres Hauses gestanden hatte. Wie ihre Seelenverwandte ihr bebend vor Emotionen erklärte, das sie ein Artefakt gegen Geisteseinflüsse bräuchte.
"Hochwürden, dort drüben", hörte Dimiona leise Amuns Stimme während die Erinnerungen sie gefangen hielten.
Sie dachte daran wie sie Khelpertocs in die Augen gesehen hatte und ihre Geliebte ihr erzählte, das Orelina kurz zuvor bei der Zusammenkunft der wichtigsten Zirkler in Khelperatocs´ Gedanken eingedrungen war. Das die Zirkelmeisterin versucht hatte Khelperetocs zu verführen, damit sie in jener Nacht mit ihr das Lager teilen würde.
"Hochwürden, ich denke es ist Zeit. Sie sind überall", hörte Dimiona wie aus weiter Ferne ganz leise Amuns Stimme.
Hass wallte in Dimiona auf, gepaart mit kaltem Zorn, wie ein Sturm in ihrem Innersten. "Sie hat dich nie geliebt! Sie hat dich benutzt und nun da du ihr nicht mehr verfallen bist will sie dir dein Glück nehmen, will die Töchter der Nacht zerstören", hörte Dimiona die Götter rufen. Hätte Khelperetocs sie nicht in die Arme genommen, hätte sie nicht in den Augen der schönen Nekromantin gesehen das sie Dimiona nicht verlassen würde, hätten ihre Emotionen sie überwältigt.

"HOCHWÜRDEN! DAS RELIKT!" Amun schrie der Schattenpriesterin förmlich zu um sie aus ihren Gedanken zu holen
Plötzlich wurde Dimiona wortwörtlich in die Gegenwart gerissen. Etwas hatte sich um ihre Beine geschlungen. Ein klebriger armdicker Spinnenfaden zog sie langsam auf die Fangzähne einer riesigen Neruber-Matriarchin zu. Wie aus dem Nichts waren rund um Amun und sie die untoten Diener der Alten Götter erschienen. "Für die Schatten!", hörte Dimiona Amuns Ruf über das Klackern der Fangzähne hinweg. Stück für Stück zog sie der Spinnenfaden näher an das Maul der achtbeinigen, vieläugigen Matriarchin. Dimiona wusste das dies ihre einzige Chance war. Sie dachte an all das was sie erdulden und erlitten hatte, dachte an jene Frau die an sie glaubte und mit der ihr die Ewigkeit zu kurz sein würde. Sie zog das Relikt der Abscheu hervor. Dimiona richtet es auf das Spinnenwesen........die Zeit schien für den Moment still zu stehen und ein kurzes Ringen über die Oberhand der Kontrolle begann. Ein Kampf der Gedanken und Willenskraft begann während sich die blauen Augen der Priesterin in den vielen schwarzen des Spinnenwesens spiegelten.
"Schließe dich den Töchtern der Nacht an", flüsterte die Schattenpriesterin der Neruber zu. "Gehorche mir und erfülle dein Schicksal", sprach Dimiona als die Matriarchin ihre Knie beugte und das Haupt senkte. Wie auf Kommando taten es ihr die anderen Spinnenwesen gleich. Vorsichtig streichelte Dimiona über das struppige Haar des untoten Spinnenwesen, darauf bedacht nichts von dem giftigen Speichel abzubekommen der von den Fangzähnen der Matriarichn tropfte. "Folgt mir in unser gemeinsames Zuhause", flüsterte Dimiona leise lächelnd. "Es soll dir und deinen Kindern an nichts fehlen, solange ihr die Enklave der Ewigen Finsternis schützt", hauchte die Schattenpriesterin der Neruber zu und diese begann mit den Zähnen zu klappern in das die anderen Spinnenwesen mit einstimmten.

Amun war erleichtert den Pestwald hinter sich gelassen zu haben. Die Neruber waren ihnen bis zur Enklave gefolgt und verteilten sich nun in den Kanälen Stratholmes, bereit jederzeit dem Ruf ihrer Herrin zu folgen und sich für sie in den Kampf zu stürzen. Amun wusste nicht ob es Hochwürden Dimiona bewusst war welches Glück sie beide gehabt hatten. Nur wenige Momente später und sie würden nun in den Mägen der Neruber liegen. Doch wie es schien waren ihnen die Götter wohlgesonnen und der Schatten wuchs. Zufrieden zog sich der Schamane zurück um sich von den Strapazen zu erholen.
"Manchmal brauchte es eben Monster um zu gewinnen", ging es Amun durch den Kopf während er aus dem Fenster auf die Straßen von Stratholme blickte.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Das Spiel geht weiter

Beitrag von Dimiona » So 16. Jun 2019, 09:48

Die Sonne stand hoch über den Pestländern und sorgte selbst hier im Norden der östlichen Königreiche für angenehm warme Temperaturen. Doch während anderswo Flora und Fauna gediehen, verstärkte die Wärme in den Pestländern nur den Geruch von Tod und Verwesung.

Knatternd flatterten die Banner der Scholomance und des Kults der Verdammten im Wind. Selten hatte man so eine Menschenmenge im Burghof der Darrowehr gesehen. Alle Mitglieder der Lehranstalt, sowie die gesamte Schülerschaft hatten sich hier versammelt, Bänke waren aufgestellt worden über denen schwarze Sonnensegel gespannt worden waren. Darunter hatten hochrangige Mitglieder des Kults der Verdammten Platz genommen. Unter einem weiteren Baldachin saß die Zirkelmeisterin der schwarzen Sonne, mit ihrem Leibwächter und ihrer Tochter Nehelenya. Rivast Barr, Abgesandter des Syndikats, hatte ebenfalls mit einigen Männern einen Platz im Schatten zugewiesen bekommen. In der Mitte des Hofes der Darrowehr, hatte man Direktor Ambrosius Firlar aufgebahrt. Drei Todespriester, die klerikalen Diener des Lichkönigs, hielten ein ausschweifende Totenmesse ab.
Die Töchter der Nacht hatten ebenfalls Stühle im Schatten zugewiesen bekommen. Waren die Meinungen über Dimiona und Khelperetocs an der Darrowehr zwar stets geteilt, so wusste doch jeder das Ambrosius mit beiden eng zusammen gearbeitet hat. Die Luft war geschwängert vom Geruch verbrannter Kräutern, welche die Todespriester für den Ritus nutzten, und machte den Gestank der Ghule und Skelette erträglich. Die Aufgabe der Untoten war es an jenem Tag für Ordnung zu sorgen, so das jeder in dem für ihn zugewiesenen Bereich blieb.
"All dies um die leere Hülle eines Alten Mannes beizusetzen" , hörte Dimiona leise eine Stimme in ihren Gedanken wispern. Dimiona betrachtete die Priester wie sie den Lichkönig anriefen um ihn um seinen „Segen“ zu bitten. Es war nicht ihr Glaube der hier zelebriert wurde, doch sie hatte Respekt davor, stand über allen dunklen Glaubensrichtungen schlussendlich der Schatten. "Du weißt, dass es nur einen wahren Glauben gibt" , hauchte eine andere Stimme in ihrem Geist. "Hier geht es nicht um die Anbetung irgendwelcher Mächte" , erwiderte Dimiona in Gedanken während sie ihren Blick über die Versammelten schweifen ließ. Am morgigen Abend würde der neue Direktor der Scholomance gewählt werden. Diese Beisetzung war die letzte Chance der Kandidaten sich Stimmen zu sichern und um ihre Macht und Einfluss zur Schau zu stellen.
"Die Vizedirektorin hat ihr Organisationstalent bewiesen" , sagte Magister Caiborn während er in seiner einfachen schwarzen Robe Dimionas Blick folgte. Der Meister der Wege, wie ihn die Töchter der Nacht nannten, erwies sich als ein großer Gewinn für die Enklave der Finsternis und Dimiona schätzte seinen Rat. "Shiar Khan weiß das auch sie sich der Wahl nicht sicher sein kann" , raunte Dimiona leise dem Magister zu.
Die Priester waren zum Ende gekommen und wie als Zeichen ihres Abschlusses hatten sich Wolken vor die Sonne geschoben. Wie es der Brauch war wurde nun jeder der dem Toten noch Worte zum Geleit mitgeben wollte aufgefordert zu sprechen. Natürlich war bereits vor ab eine Reihenfolge ausgemacht worden um Chaos zu vermeiden. Shiar Khan trat als erste vor die Menge. Es war der eiskalten Magierin anzusehen das Ambrosius´ Verlust sie wirklich schmerzte. "Du wirst ihm schneller nachfolgen als dir lieb ist" , ging es Dimiona durch den Kopf während die Interims-Direktorin eine Rede über Ambrosius´ Verdienste und ihren langen gemeinsamen Weg hielt. "Ich kotz gleich" , hörte sie Khelperetocs neben sich. "Sie wird versuchen jene auf ihre Seite zu bekommen die Ambrosius´ Führungsstil befürwortet haben" , erwiderte Dimiona während sie ihre Gefährtin beobachtete wie sie einen kleinen schwarzen Flachmann zwischen ihren wohlgeformten Brüsten hervor holte. Ihre geliebte Schwester im Geiste war schön wie die Nacht. Die schwarz-violette Robe mit dem Totenschädel am Gürtel verlieh ihr in Dimionas Augen eine ehrfurchtgebietende Ausstrahlung. Nun da sie offen als die Töchter der Nacht auftraten und die Enklave der Finsternis kein Geheimnis mehr war, sahen sie auch keinen Grund mehr ihre Leidenschaft für einander zu verstecken. "Zusammen könnt ihr die Welt in unserem Sinne verändern" , hauchte eine Stimme durch Dimionas Gedanken. Die Priesterin lächelte und leckte sich über die Lippen, während ihre Augen noch immer dort ruhten wo vor wenigen Momenten noch Khelperetocs´ Flachmann gewesen war. "Ich werde sie niemals wieder gehen lassen" , entgegnete Dimiona lautlos. Als ob die schwarzhaarige Totenbeschwörerin ihre Gedanken gelesen hätte, nahm sie Dimionas Hand in die ihre und gemeinsam beobachteten sie wie Shiar Khan ihre Rede beendete.

Nur wenige Augenblicke später trat Malicia auf das Podium. Die schöne Sindorei zollte Ambrosius mit ihren Worten zu Anfang Respekt, nur um dann eine flammende Rede über Veränderung an der Scholomance zu halten. Die Blutelfin sprach über Reformen, den Ausbau und Aufstieg der Darrowehr und dem Ziel Ignaz W. Zimmerer ein für alle mal den Gar auszumachen. "Sie macht ihre Sache gut" , murmelte Khelperetocs Dimiona leise zu. Dimiona nickte und drückte zur Zustimmung die Hand ihrer Geliebten. Malicia war ein angesehenes Mitglied des Kults der Verdammten und hatte viel Rückhalt im Lehrkollegium. "Niemand würde vermuten das sie mit den Töchtern der Nacht das Attentat auf Ambrosius geplant hatte" , ging es der Priesterin durch den Kopf. "Wenn sie auf dem Stuhl des Direktors sitzt wird die Enklave davon profitieren" , flüsterte Magister Caiborn verschwörerisch. "Die Darrowehr und Stratholme werden Schulter an Schulter stehen" , antwortete Dimiona ebenso leise. "Solange sie sich an die Abmachung hält" , hallten die Worte der Götter durch Dimionas Kopf.
Als letztes betrat Hilarius Nepomuk von Mersingen das Podium. Im Gegensatz zu den anderen Rednern vor ihm, verzichtete Hilarius darauf Ambrosius´ Taten zu loben sondern begann sofort auf die Missstände unter dessen Amtszeit hinzuweisen. Raunen ging durch die Menge, während Hilarius davon sprach das es Ambrosius´ und Shiar Khans Versäumnis war das der wahnsinnige Despot entkommen war und das der Tod des alten Mannes vielleicht schon der lange Arm des Zimmerers war. Khelperetocs zog scharf die Luft ein und bekam prompt einen leichten Hustenanfall. "Was für ein Idiot" , entfuhr es Dimiona. Jeder glaubte das Ambrosius eines natürlichen Todes gestorben war und das sollte auch so bleiben. "Nichts wird die Töchter der Nacht damit in Verbindung bringen" , flüsterten die Götter Dimiona zu.

Die Wolken verdunkelten den Himmel während sich die Menge endlich erhob um einen Trauerzug zu formieren und Ambrosius das letzte Geleit zum Darrowehr-See zu geben. Der Alte Mann hatte verfügt das sein Leichnam dort verbrannt wurde und seine Asche in den See gestreut werden sollte. Der Trauerzug setzte sich in Bewegung während Ambrosius´ Leichnam von mehreren Skeletten zum See getragen wurde. Aus den Augenwinkeln sah Dimiona wie David Orelina stützte. Die Zirkelmeisterin litt nach wie vor an den Verletzungen die sie sich in einem Kampf zugezogen hatte. Gemischte Gefühle stiegen in Dimiona hoch als sie die beiden beobachtete. Die Töchter der Nacht hatten sich mit der Zirkelführung geeinigt auch in Zukunft zusammenzuarbeiten. Zu viel stand auf dem Spiel als das man riskieren konnte auf einander zu verzichten. Die brennende Wut auf Orelina war abgeflaut und langsam erkannte die schöne Schattenpriesterin das es nicht alleine die Schuld der Hexe gewesen war, dass ihre Liebe für immer zerbrochen war. "Alles passiert wie es passieren muss" , flüsterten ihr die Götter zu.
Der Trauerzug hatte das Ufer des Dorwehr-Sees erreicht. Ambrosius´ Leichnam war auf einen riesigen schwimmenden Scheiterhaufen gelegt worden. Jeder der Anwesenden hatte nun die Möglichkeit sich persönlich von dem einstigen Direktor zu verabschieden und ihm etwas auf die letzte Reise mit zu geben. Der Rat der Nekromanten legte gerade einen Widderkopf zu Ambrosius Füßen, der Traditionelle Kopfschmuck des Kults der Verdammten. Es folgten der Schulsprecher, der ein Buch mit den Unterschriften der Studenten auf den Scheiterhaufen legte; das Lehrkollegium, die einen Zeigestab aus Knochen ablegten und viele weitere. Dimiona reite sich ebenfalls in die Schlange ein um sich von Ambrosius zu verabschieden, während Khelperetocs sich leise mit einigen Mitgliedern des Kultes unterhielt. Die Priesterin spürte die Blicke vieler Anwesenden als sie auf den Steg trat um Ambrosius die letzte Ehre zu erweisen. Von Respekt, Furcht und Verachtung war wohl alles dabei. Dimiona griff in ihre Robentasche und holte eine Schachfigur heraus. Einst hatte ihr Ambrosius gesagt das nur jemand mit seiner Lebensweisheit und Erfahrung das Spiel der Macht wirklich beherrschen würde. Vorsichtig legte Dimiona die Figur auf den Scheiterhaufen und flüsterte ganz leise, so das nur sie und die Götter es hören konnten: "Wenn man das Spiel der Macht spielt, gibt es nur zwei Optionen. Entweder man siegt oder stirbt, dazwischen gibt es nichts".
Totenstille war eingekehrt während der Scheiterhaufen langsam auf den See hinaus trieb, eine Totenglocke läutete und Shiar Khan trat vor die Menge und sprach laut: "Die Toten sollen dienen, doch nicht du, denn du hast im Leben dem Tod gedient!" Die Menge antwortete im Chor "Die Toten sollen dienen!" Das Rauschen von mächtigen Schwingen war zu hören und ein riesiger untoter Frostwyrm brach durch die Wolken. Die Menge hielt den Atem an als die Bestie sein Maul öffnete und den Scheiterhaufen mit blauem Feuer entzündete. Blaues Leuchten erfüllte die Nacht, die bereits hereinbrach, und das untote Wesen stieg wieder in die Wolken um in das eisige Nordend zurückzukehren, von wo aus ihn der Kult der Verdammten entsandt hatte um dem verschiedenen Direktor die letzte Ehre zu erweisen.

Lange standen die Versammelten noch am Ufer des Sees, im Schein der blauen Flammen. Leise wurden Gespräche geführt, dunkle Versprechungen gemacht und so manch unheiliger Pakt geschlossen. Denn das Spiel der Macht ging ohne Atempause weiter und wo ein Spieler weichen musste, rückte Augenblicklich ein anderer nach.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Arbeit über Arbeit

Beitrag von Dimiona » So 14. Jul 2019, 12:12

Die Schatten tanzten einen langsamen Reigen an den Wänden, der kleine Raum war erleuchtet von violetten Kerzen, deren Flammen leicht zuckten als durch das offene Fenster eine leichte Brise hereinwehte. Auf dem dunklen, glänzenden Tisch, der den Großteil von Dimionas Studierzimmer einnahm, häuften sich Pergamente und Landkarten.
Dimiona lehnte sich in dem samt-bezogenen Stuhl zurück und legte die schwarze Schreibfeder zur Seite. "Stück für Stück änderst du den Lauf der Welt in unserem Sinn," hörte Dimiona sanft eine Stimme in ihrem Geist flüstern. Die Tochter der Nacht lächelte und erwiderte leise: "Ich tu´ es nicht für die Welt."
"Nicht für die Welt, Hochwürden?" fragte Magister Caiborn und riss Dimiona damit aus ihren Gedanken. Es war bereits so selbstverständlich für sie das der Meister der Wege stets an ihrer Seite war, das sie es manchmal schlichtweg vergaß. "Eine neue Weltordnung, Caiborn. Mit jedem unserer Bemühen, mit jedem Fortschritt wird das Reich der Finsternis greifbarer," antwortete sie ihrem Berater. Caiborn lächelte und schenkte Dimiona Wein in ihren fast lehren Kelch nach. "Unter der Führung der Töchter der Nacht wird unser aller Traum immer mehr Gestalt annehmen," sprach der Magier überzeugt. "Doch damit dies geschieht dürfen wir nicht ruhen. Die Götter leiten mich und zeigen mir den Weg," erwiderte Dimiona während sie nach der Landkarte von Drustvar griff. Agravaine hat sich wie so oft als verlässliche und wichtige Stütze erwiesen und hatte ihr die Karte dieser weit entfernten Lande besorgt. "Dort wirst du finden wonach sich das Herz deiner zweiten Seele so sehnt," hörte Dimiona die Götter flüstern. Das Gefühl von Hoffnung stieg bei diesen Worten in ihr auf, doch sie war zu oft in ihrem Leben enttäuscht worden um sich davon blenden zulassen. "Haben wir bereits Nachricht von Bronnian erhalten?" wandte sich Dimiona an Caiborn. Die Miene des Magiers verfinsterte sich bei der Erwähnung dieses Namens. "Dieser ungehobelte Lustmolch sprach davon das es drei Wochen dauern würde bis er alles für eurer Reise vorbereitet habe." "Geduld! Geduld!“ hauchten die Götter in Dimionas Geist. "Fragt trotzdem den Meister des Schildes ob er eine Nachricht Drustvar betreffend erhalten hat,“ sprach Dimiona während sie ein Säckchen mit klimpernden Münzen vom Tisch nahm. "Ich werde mich sofort bei von Streizig erkundigen, meine Herrin" sagte der Magister. Dimiona nickte Caiborn zu und beobachtete den Magier wie er ihr Studierzimmer verließ.
Insgeheim hoffte Dimiona das Agravains Kontakt genau so effektiv arbeitete wie der Meister des Schildes selbst und so die Überfahrt nach Drustvar schneller stattfinden könnte. "Dir liegt viel an dem Körperlosen. Doch mehr um deiner Selbst Willen!" hörte sie eine Stimme flüstern. Dimiona griff nach dem Weinglas und nahm einen großen Schluck. Die Götter hatten wie immer Recht. Sie hatte Khelperetocs versprochen ihren besten Freund zurückzubringen, koste es was es wolle. Dimiona mochte vieles sein, aber sie war weder eine Lügnerin noch eine Eidbrecherin. "Nur eine hat dich dazu gebracht, dein Wort zu brechen," säuselte eine Stimme. Zorn wallte in Dimiona auf. "Du hast der Hexe einst in deiner Dummheit ewige Liebe geschworen" giftete eine Stimme gehässig. Wütend erwiderte die Priesterin: "Sie hat mich durch ihre Lügen von diesem Schwur entbunden." Sie wollte nicht an Orelina denken, dies hier war die Heimat der Töchter der Nacht, es waren die Pläne und Träume von Khelperetocs und ihr die hier verwirklicht wurden. Orelina gehörte der Vergangenheit an und doch hinterließ der Gedanke an die Zirkelmeisterin einen bitteren Geschmack auf ihrer Zunge. Khelperetocs hatte ihr erzählt wie eindringlich die rothaarige Hexe versucht hatte ihre Schwester im Geiste zu verführen.

Rasch nahm Dimiona eine andere Landkarte zur Hand um den Gedanken an ihre einstige Liebe zu verdrängen. Nachdenklich betrachtete Dimiona die kleinen Kreuze die sie fein-säuberlich darauf eingezeichnet hatte. "Du fragst dich wo die Leerenelfe und ihre Schergen sind,“ flüsterte eine leise Stimme. Sie nickte langsam. Sie wusste nur das Vialena sich auf einem Schiff befand. Sie hatte die Hoffnung in Ignaz´ neuer Tochter gefühlt und musste sich eingestehen das sie Vialenas mentale stärke unterschätzt hatte. Die Elfe hatte es geschafft während des Rituals in Dimionas Geist zu blicken und versucht die Beweggründe der Priesterin zu ergründen. "Als ob ein Rehkitz die Bedeutung des Kosmos begreifen wolle," höhnten die Stimmen der Götter. Dimina lächelte, doch konnte sie nicht umhin zuzugeben das Vialena sie überrascht hatte. "Sie will mit dir reden!" wisperte eine Stimme. Wieder nickte Dimiona, doch noch wusste sie nicht ob und wie sie dies tun sollte. "Fragen über Fragen" hörte sie die Götter flüstern. Vialena bereite ihr Kopfzerbrechen und es gab nur eine Person mit der sie sich über dieses Thema austauschen konnte, Khelperetocs.
Dimiona tratt ans Fenster und blickte in die Dunkelheit hinaus. So vieles beschäftigte sie. Kormeks Rettung, Vialena, Ignaz und nicht zuletzt die neueste Bewohnerin Stratholmes. Alstedalis Dunkelblatt weilte seit ein paar Tagen an der Enklave der Finsternis. Einst war sie eine treue Anhängerin Ignaz´ und hatte für ihn den Ash´ari Kristall an der Scholomance betraut. Seit seinem Sturz fristete sie ihr Leben in den dunkelsten Zellen der Katakomben unter der Scholomance. Man hatte die Elfe auf das grausamste gefoltert und als Verräterin gebrandmarkt. Dimiona kannte diese Art der Folter noch all zu gut vom Schattenhammerkult. Doch entzog es sich dem Verstand der Priesterin welcher Aufwand um die gefangenen Verräter noch immer betrieben wurde, nur um sie leiden zu lassen. "Die Lust an der Rache und die Ergötzung am Leid," hauchte eine Stimme in ihrem Geist während Dimiona noch immer in die Dunkelheit hinaus starrte. Es war nicht einfach gewesen die Dunkelmeisterin davon zu überzeugen Alstedalis in ihre Obhut zu entlassen. "Auch ihre Weste ist nicht rein," höhnte eine Stimme in ihrem Geist. Auch wenn es Dimiona nicht gefiel um was Shiar Khan und deren Bruder sie gebeten hatten, im Tausch gegen die Elfe war Dimiona nichts anderes übrig geblieben als einzuwilligen. Es würde Zeit und Geduld verlangen die völlig gebrochene Astedalis wieder aufzubauen. Erschwerend kam noch hinzu, dass die Elfe in ihrer Gefangenschaft abhängig gemacht worden war von einer Substanz die schlimmste Entzugserscheinungen verursachte und deren Beschaffung nicht einfach werden würde.
Dimiona dachte an ihre eigene Zeit im Schattenhammer zurück, an die geistige Folter die Teil ihrer Ausbildung gewesen war. "Man musste den Stahl erst in den Feuern der Finsterniss zum glühen bringen, ehe man eine Waffe daraus formen kann," gingen ihr die Worte ihres einstigen Mentors durch den Kopf. Ins Feuer hatte man die Elfe bereits gelegt, nun würde es an Dimiona liegen eine Waffe aus ihr zu schmieden. "Und falls nicht.......ihre Seele würde uns erfreuen," flüsterten die Götter.
Das leise Öffnen der Tür riss Dimiona aus ihren Gedanken, doch sofort erhellten sich ihre Gesichtszüge als sie die schöne Nekromantin erblickte. Khelperetocs leckte sich über die Lippen als sie Dimiona erblickte und war mit drei Schritten bei ihr. "Wie lange willst du mich noch warten lassen?" flüsterte die schwarzhaarige Schönheit Dimiona ins Ohr während ihre Hände sich bereits den Weg unter dieRobe suchten. In diesem Moment waren alle Sorgen und Pläne Dimionas bedeutungslos. Die heißen Lippen auf ihrer Haut, die kühlen Hände die ihr die Robe vom Leib streiften und der Geschmack ihrer Liebsten ließen sie alles vergessen. Weder Vergangenheit noch Zukunft waren von Bedeutung als die beiden Frauen sich ihrer Leidenschaft hingaben. Mochte die Welt im Nichts ertrinken, nun gab es nur diesen Moment der zählte.

Magister Caiborn stand vor dem Studierzimmer von Hochwürden Galbert und tat so als würde er nichts von dem Liebesspiel der Töchter der Nacht hören. Diskret wimmelte er jeden ab der die Hohepriesterin noch sprechen wollte, in dem Wissen das seine Herrin Treue niemals vergaß sondern stets honorierte.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Musik!

Beitrag von Dimiona » Mo 29. Jul 2019, 07:18

Eine schwüle Nacht lag über den Pestländern, der süßliche Geruch von Tod und Verfall lag in der Luft. Die Dämmerung lag bereits einige Stunden zurück, doch an der Enklave der Finsternis waren die meisten Bewohner noch wach um die Nachtstunden für ihre persönlichen Zwecke zu nutzen.
Während die meisten Schattenpriester in der Bastion die Zeit damit verbrachten eine Partie Schach zu spielen oder einen Becher Wein in zwangloser Gesellschaft zu trinken, zog die Hohepriesterin zu jener Stunde die Einsamkeit vor.
Dimiona stand hoch oben auf der Empore die fast vollständig von einer großen Orgel eingenommen wurde. Ignaz W. Zimmerer hatte diese einst hier aufbauen lassen um diverse Festlichkeiten musikalisch untermalen zu lassen. "Estre hat ganze Arbeit geleistet,“ ging es Dimiona durch den Kopf. Das durch ein Artefakt beherrschte Hausmädchen hatte den ganzen Tag damit zugebracht die Orgel auf Hochglanz zu polieren. Die Priesterin strich sanft über das schwarze Holz in dem sie sich spiegelte. Als Kind hatte ihr Vater darauf bestanden das sie lernte auf einem Flügel zu spielen, ganz wie ihre Mutter es einst gekonnt hatte. Ein bitterer Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus und noch immer schnürte sich ihre Brust zu als sie daran dachte wie erbarmungslos ihr Vater sie zur Perfektion getrieben hatte. "So viel Schmerz.... doch wir waren da," hörte Dimiona eine Stimme in ihrem Geist flüstern. Die Priesterin versuchte die Erinnerungen an all die Schläge und Demütigungen ihres Vaters niederzuringen. "Bereits damals wussten wir das du zu Großem bestimmt bist....das du die Welt in unserem Sinne ändern wirst," flüsterten die Stimmen sanft in Dimionas Gedanken. "Ihr habt mich immer durch Nacht und Sturm geleitet," erwiderte Dimiona leise während sie auf dem samt-bezogenen Hocker platz nahm. "Und so wird es auch immer sein," hauchten die Stimmen der Götter als die Hohepriesterin die Finger über die Tasten gleiten ließ. Dimiona verabscheute die Erinnerungen daran wie sie gelernt hatte ein solches Instrument zu beherrschen, doch bereitete ihr das Spiel eine gewisse Freude. Es war die Tatsache das sie dabei bestimmen konnte welche Melodie gespielt wurde, ob hell und leicht, melancholisch oder voller Leidenschaft. So sehr sie es genoss die Musik ihrem Willen zu unterwerfen, konnte sie die aktuellen Ereignisse und Entwicklungen nicht ausblenden.

Orelina hatte Astralur mit ihrer Familie verlassen. Die Zirkelmeisterin hatte für unbestimmte Zeit die Geschicke der schwarzen Sonne in die Hände von Lyon deChiffre gelegt. Dimiona verspürte Erleichterung bei dem Wissen, das Orelina wahrscheinlich gerade nicht einmal auf der selben Welt weilte. "Sie hat dich belogen.....verraten....betrogen," flüsterten die Götter. Wut und Enttäuschung wallten bei den Gedanken an ihre einstige Geliebte in Dimiona auf. Orelina hatte in Dimionas Augen wieder ihr Wort gebrochen, denn die Hexe hatte versprochen dabei zu helfen Kormek zurückzuholen. Dimiona merkte kaum das ihr Spiel auf der Orgel von den leichten, hellen Tönen in ein kraftvolles schon fast düsteres Spiel gewechselt hatte. "Denk an den Seelenstein," hauchte eine Stimme. Orelina hatte eingewilligt einen Teil ihrer Seele in einen Stein zu bannen. Stolz durchströmte Dimionas Brust als sie daran dachte wie Khelperetocs diesen schwierigen Cantus gemeistert hatte, denn mit Hilfe des Seelensteines würde es möglich sein die Macht des Sterns der Finsternis anzurufen. Dimiona dachte an das letzte Gespräch mit der Frau, für die sie einst alles getan hätte. Wie Orelina Vorwürfe erhob, das Dimiona ihr den Rücken gekehrt hatte. "Sie stand immer zwischen uns," raunten die Götter in ihrem Geist. "Dies gehört der Vergangenheit an," erwiderte die Priesterin.
Ihre Finger flogen nur so über die Tasten und die Klänge der Orgel drangen in jeden Winkel der Enklave der Finsternis vor. Doch es war nicht länger die Zirkelmeisterin der schwarzen Sonne die Dimionas Gedanken beschäftigte. "Feuer und Blut," hörte die Hohepriesterin es in ihren Gedanken. Sie wusste was die Götter damit meinten, in ihren Visionen sah sie Bilder von Schlachten, von einem verheerenden Krieg und immer endeten sie damit das sich ein gekrönter, dunkler Phönix daraus erhob. Der Hohepriesterin war klar das, wenn das Reich der Finsternis Gestalt annehmen sollte, es unumgänglich sein würde Krieg zu führen. "Du fragst dich nur gegen wen," hauchten die Götter in ihr Ohr. Wie immer hatten die Götter Recht. Die Darrowehr benutzte die Töchter der Nacht und würde ihnen bei erster Gelegenheit in den Rücken fallen. Der Zirkel war ein Schatten seine selbst und widmete sich vor allem der Erforschung von magischem Wissen. "Du denkst an die vom Schatten berührte Elfe," hauchten die Götter. Dimiona wusste das Ignaz und Vialena eigentlich ihre Feinde sein sollten und doch waren da Zweifel. "Schlussendlich sind Herrscher immer alleine," hörte die Priesterin die Götter wispern. "Ich bin keine Herrscherin und ich wollte nie eine sein," sagte Dimiona während sie ein Leidenschaftliches Finale spielte. Nein, sie war Hohepriesterin, dies war ihre Bestimmung. Sie würde all ihre Kraft dafür verwenden ein neues Reich aufzubauen, ihrem Traum von einer neuen Welt eine Gestalt zu geben. Sie würde alles für den dunklen Phönix vorbereiten auf das er sich aus Blut und Feuer erhob und sie ihm die Krone auf das Haupt setzen konnte. Selbst wenn dies bedeutet das sie das Land mit Krieg überziehen musste.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Bund der Schatten

Beitrag von Dimiona » So 11. Aug 2019, 15:24

Violettes, dumpf flackerndes Licht erfüllte die Kapelle in der Enklave der Finsternis. Der Geruch von Weihrauch lag in der Luft und die dicken Mauern sorgten selbst jetzt im Hochsommer für angenehme Temperaturen. Während draußen in den Pestländern die Dämmerung sich der Nacht ergab, spendete die Hochgeweihte der Enklave der Finsternis ihren Segen: "Mögen die Schatten über euch wachen und die Alten Götter euch leiten." Die Menge erhob sich und antwortete im Chor: "Möge der Schatten mit uns sein!“ Leises Gemurmel und das Knarren der Bänke erfüllten den Raum als sich die Anwesenden zum Ausgang wandten; die Messe war zu Ende.
Mit einem Lächeln beobachtete Dimiona ihre Glaubensbrüder und -schwestern die täglich zur Stunde des Zwielichts zusammenkamen um die Schatten anzurufen. Zufrieden nickte sie Alstedalis zu die als eine der letzten diesen, den Schatten geweihten, Ort verließ. Die Elfe war wieder bei Sinnen, dank des neuerlichen Erhalt der Droge von der man sie in ihrer langen Gefangenschaft abhängig gemacht hatte. "Und sie weiß wem sie dies zu verdanken hat", flüsterte leise eine Stimme durch Dimionas Geist. Dimionas Lächeln wurde noch breiter als sie die vertrauten Stimmen der Götter vernahm. Alstedalis würde eine wichtige Rolle spielen im Ausbau der Macht der Töchter der Nacht. "Doch birgt sie auch ein Risiko", hörte die Hohepriesterin erneut eine Stimme durch ihre Gedanken flüstern. Das Lächeln auf ihren Lippen gefror, doch wusste sie das für großen Gewinn oft hohe Risiken gewagt werden mussten. Zumindest würde es nun leichter werden an die Substanz zu kommen von der Alstedalis abhängig war. Lurcan Khan, der Bruder der Dunkelmeisterin und General der Streitkräfte der Darrowehr, hatte auf Khelperetocs´ Rat hin veranlasst alle noch eingekerkerten Ignazisten hinzurichten. Zu groß wäre das Risiko das sie befreit werden könnten und sich dann wieder ihrem Herren anschlossen und somit hatte man an der Scholomance auch keine Verwendung mehr für das abhängig machende Gift. "Und doch musst du auch bei ihm vorsichtig sein", hauchte eine Stimme in Dimionas Gedanken. Sie schnaubte, wusste sie doch nur zu gut das die Dunkelmeisterin die Töchter der Nacht verabscheute. Doch in Anbetracht der Lage würde man zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen. "An einem Strang ziehen?", höhnte eine Stimme in ihren Gedanken. Wieder musste Dimiona schmunzeln. Natürlich würden die Töchter der Nacht diesen Krieg dafür nutzen um ihre eigene Macht zu mehren. Ihr erklärtes Ziel war es sich einen Namen beim Kult der Verdammten zu machen und so Shiar Khan den Wind aus den Segeln zu nehmen. Gewannen sie beim Kult an Einfluss würde die Dunkelmeisterin selbst gezwungen sein ihnen Respekt zu zollen. Dimiona sah in Gedanken bereits vor sich, wie Khelperetocs und sie die Macht an der Darrowehr an sich rissen. "Zügle deinen Ehrgeiz und konzentriere dich auf den Sturm der aufzieht", polterte eine Stimme durch ihren Kopf. Wie immer hatten die Alten Götter recht. All ihr bestreben musste nun darauf gerichtet sein die Enklave der Finsternis uneinnehmbar zu machen. Bis vor kurzen hatte sie zweifel ob der Krieg gegen Ignaz wirklich der Weg war den sie gehen sollten. "Nur durch Blut und Feuer können diese Lande gereinigt werden", wisperte eine Stimme in Dimionas Geist. Geistesabwesend goss sich die Priesterin einen Kelch Schattenwein ein. Sie dachte an die Leidenschaft in Khelperetocs´ Augen, an das Feuer in ihrem Herzen wie ihre Geliebte sie davon überzeugt hatte das dies der einzige Weg war Ignaz zu zeigen das sie sich niemals wieder beugen würden. Weder ihm noch sonst jemanden. Noch immer durchzog sie ein Schauder der Bewunderung und der Erregung als sie im Geiste an den Abend zurück dachte in der ihr Khelperetocs jeglichen Zweifel genommen hatte. Sie beide würden der Welt zeigen das sie sich nichts mehr wegnehmen lassen würden, das man sie nicht ignorieren konnte und das sie die ganze Welt in Brand stecken würden um ihre Ziele zu erreichen.
Seit jenem Abend liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren, der kleine Rat war angewiesen worden alles für einen bevorstehenden Krieg vorzubereiten und die Priester der Enklave suchten nach einem Weg eine mächtige Verbündete nach Stratholme zu bringen. "Mit ihrer Hilfe wird die Enklave eine Streitmacht erhalten", ging es Dimiona durch den Kopf. Nun hieß es jeden Zug mit bedacht zu setzen, denn das Spiel um die Macht in den Pestländern hatte gerade erst begonnen. Schon bald würden hier Kräfte aufeinander prallen und Mächte freigesetzt werden die nicht einmal eine Seherin wie Dimiona eine wahr, vorher zu sagen vermochte.

Gedankenverloren blätterte die schöne Priesterin im Buch der Schatten vor ihr am Altar. Ehrfürchtig und zärtlich zu gleich strichen ihre Finger über die Überschrift des Ritus den sie gesucht hatte. Niemals im Leben hatte sich Dimiona so lebendig, so frei und so voll Leidenschaft gefühlt. Dies hatte sie nicht nur der Entwicklung an der Enklave der Finsternis zu verdanken. Dieses Gefühl entfachte nur eine bestimmte Person in ihr. Während sie auf die Buchstaben vor ihr starrte, dachte sie an die wunderschöne Khelperetocs, denn ihre Schwester im Geiste schaffte in ihr zu wecken was sie niemals zu hoffen gewagt hatte. Sie war es die Dimiona dazu antrieb neue Höhen zu erreichen, die sie beflügelte und alles andere vergessen lies. "Deine zweite Seele", hörte Dimiona die Götter flüstern. Seit ihrem letzten gemeinsamen Abend war klar das es der Nekromantin mit Dimiona genau so erging. Leise las Dimiona die Überschrift "Der Bund der Schatten". Sie dachte daran wie die nackte, dunkle Schönheit vor ihr gekniet war und ihre Hände ergriffen hatte. "Werde meine Frau. Geh´ mit mir den Bund der Schatten ein. Heirate mich", erinnerte sie sich an Khelperetocs´ Worte. Glück durchströmte Dimiona. "Nicht einmal der Tod würde euch trennen können, auf ewig verbunden durch die Schatten", hauchten die Stimmen der alten Götter. Ja sie würde den Bund mit ihrer Schwester im Geiste eingehen und dann konnte nichts mehr die Töchter der Nacht trennen. Sie würden eins sein im Leben wie im Tode, im Krieg wie in Frieden und nichts und niemand würde jemals zwischen sie kommen können.

Leise schloss Dimiona die Tür zur Kapelle. Sie musste schlafen, denn ein Krieg und eine Hochzeit standen bevor.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Ziele

Beitrag von Dimiona » Mo 16. Sep 2019, 17:50

Die ersten Herbstwinde wehten über das tote Land der Pestländer. Die verdorrten Blätter raschelten im Wind, nur vom Heulen durchbrochen wenn eine Böe durch die unzähligen Mauerritzen der Ruinenstadt Stratholme streicht. Der Mond war fast voll und der Wind peitschte die Wolken über den Nachthimmel.
Edmin Lescovar betrachtete die liebreizende Dimiona Galbert wie sie da am Fenster stand und in die Nacht hinaus starrte. Der alte Mann wusste, dass seine Gefühle die er der Hohepriesterin gegenüber seit Jahren hegte unangebracht waren. Er wusste es noch so genau, wie wenn es gestern gewesen wäre, als er sie hier in Stratholme das erste Mal gesehen hatte. Damals als sie alle noch dem Grafen Ignaz W. Zimmerer dienten. So viel hatte sich seit diesem Tag verändert, doch seine heimlichen Gefühle für diese Frau waren dieselben geblieben. Was konnte auch falsch daran sein diesem liebreizenden, unschuldigen Wesen nahe sein zu wollen? Die tiefblauen Augen, der fast schon zerbrechlich wirkende Körper, das blonde Haar und diese liebliche Art ließen den alten Adeligen die Tatsache völlig verdrängen, dass es sich um die Vorsteherin einer dem Schatten geweihten Enklave handelte.

Dimiona wandte sich um und erblickte den Meister der Münze. „Habt ihr mir mitgebracht was ich wollte?“ Edmin trat vor und legte ein schweres Buch auf den Tisch „So wie ihr es euch gewünscht habt, meine Familie wird es nicht vermissen,“ entgegnete der alte Mann. „Wie immer kann ich mich auf euch verlassen,“ lächelte Dimiona während ihre Finger sanft über den Ledereinband des Buches vor ihr wanderten. „Es ist mein Bestreben euch Freude zu bereiten, euch dienlich zu sein. Ihr seid meine Blume hier...“ begann Edmin Lescovar ausschweifend. „Habt Dank. Lasst mich nun allein,“ unterbrach ihn Dimiona. Edmin schloss den Mund etwas enttäuscht und verbeugte sich: „Ganz wie ihr wünscht, Hochwürden.“ So blieb ihm nichts anderes übrig als sich zurück zu ziehen.
Gedankenverloren betrachtete Dimiona den Einband des schweren Schriftwerks. „Die Chronik und Geschichte der großen Häuser der östlichen Königreiche“ war darauf zu lesen. „Eines Tages wird es nur noch die Geschichte des Schattenreiches geben,“ flüsterte eine Stimme leise durch ihre Gedanken. Ein Lächeln erhellte Dimionas Gesicht bei diesen Worten. „Ein Königreich für die Kinder der Dunkelheit, dem Schatten geweiht,“ wisperte eine andere Stimme an ihr Ohr. Dimiona schloss für einen Moment die Augen und tauchte ein in den Traum, in das Königreich, das sie mit jeder Faser ihres Seins Wirklichkeit werden lassen wollte. Ein Reich das eine Heimat für jene sein würde die in dieser Welt keine haben. Wo jene, die durch Lug und Verrat alles verloren hatten und ins Abseits gedrängt wurden, den Platz erhalten würden der ihnen in Wahrheit zustand. „Jemand wie du selbst“ hauchte eine Stimme durch ihre Gedanken. Zitternd ballte Dimiona ihre Hand zur Faust. „Der Verrat folgt dir,“ wisperte eine andere Stimme. Sie dachte an Orelina, jene Frau die einst ihr Augenstern gewesen war. Hass wallte in der Priesterin auf. Diese Frau hatte ihr alles genommen. „Du warst eine Närrin“ flüsterten die Stimmen im Chor. Orelina hatte sie benutzt, hat sie glauben lassen das sie Dimiona wirklich lieben würde und hat sie dabei Stück für Stück zerstört. Sie hatte sie benutzt und dieser gesamte Zirkel hat dabei zugesehen. „Doch diese Zeit ist nun vorbei,“ hauchte eine Stimme durch ihre von Wut und Hass verzerrten Gedanken. Dimiona betrachtete den Siegelring der schwarzen Sonne an ihrem Finger voll Abscheu. Sie zog ihn vom Finger und schloss die Faust darum „Eines Tages werden sie dafür bezahlen,“ flüsterte die Priesterin. „Doch nun ist nicht die Zeit für persönliche Rache, noch sind sie nützlich,“ murmelte sie weiter. Ein Klopfen an der Tür unterbrach die schöne Priesterin.

Caiborn betrachtete die Hohepriesterin der Enklave der Finsternis kurz bevor er auf ihr Geheiß eintrat. Er kannte sie mittlerweile zu gut als sich von dieser Maske des zurückhaltenden Lächelns täuschen zu lassen. Irgendetwas regte die Priesterin auf und so wie er sie kannte hatte dies sicherlich mit der Eroberung der Pestländer zu tun. Niemals zuvor war Caiborn jemandem begegnet der so vehement ein Ziel verfolgte und dabei bereit war so viele Opfer zu bringen.
„Was gibt es, Meister der Wege?“ fragte Dimiona gerade heraus. Er überreichte ihr ein Pergament. „Ich habe euch hier alle Möglichkeiten aufgelistet um jemanden auf schnellem Weg unbemerkt nach Nordend zu entsenden.“ Dimiona nickte, nahm das Pergament entgegen und begann es zu überfliegen. „Hochwürden, haltet ihr es wirklich für gut mit diesem.... Mann… Kontakt aufzunehmen?“ fragte Caiborn vorsichtig. Die Priesterin starrte dem Magier in die Augen. „Die Darrowehr will uns dazu benutzen einen Krieg gegen Ignaz zu führen nur um uns schlussendlich alle zu vernichten, Caiborn. Wir sind stark, ja, aber wir können uns nicht der Macht des Kultes der Verdammten und Ignaz stellen,“ sprach Dimiona eindringlich. „Aber er hat euch einst verstoßen, Hochwürden. Er hat euch von seinem Land verbannt, weil er euch für eine Verräterin hielt,“ erwiederte der Magier vorsichtig. Schatten wallten um Dimiona auf und plötzlich herrschte das Zwielicht in dem eleganten Studierzimmer der Hohepriesterin. „ER und ICH wurden beide getäuscht. Dieser Parasit Maldazaar hat MICH belogen und IGNAZ verraten. Er ist der Verräter der den Untergang des Schattenreiches besiegelt hat und ich werde diesen Fehler wieder gut machen,“ entgegnete Dimiona bebend. „Ihr vertraut also dieser Adelheidis oder Rhia, wie ihr sie auch nennt? Sie könnte genauso gut eine weitere Person sein, die die Töchter der Nacht vernichten will!“ sprach der Magier in der Hoffnung nun nicht endgültig zu weit gegangen zu sein. „Haltet mich nicht für so dumm dies nicht genau geprüft zu haben!“ sprach die Priesterin gefährlich leise und trat zum offenen Fenster. „Wenn die kalten Winde von Norden her wehen stirbt die einsame Wölfin, nur das Rudel wird überleben! Die Worte der Götter waren eindeutig Caiborn!“ sagte Dimiona während sie in die vom Wind gepeitschte Nacht hinaus starrte. „Ich vertraue euch, Hochwürden und werde euch wie immer unterstützen,“ entgegnete der Magier während er sich verbeugte. Er wusste, dass jedes weitere Wort das Fass zum Überlaufen bringen würde. Er bewunderte diese Frau, die so willensstark und zielstrebig ihre Pläne und Träume voran trieb, doch er wusste auch, dass man sie keinesfalls herausfordern sollte. „Wir werden einen Weg finden ein Bündnis mit Ignaz zu erwirken und nun zieht euch zurück,“ sprach Dimiona während sie beobachtete wie der Meister der Wege den Raum verließ.
Seufzend öffnete sie eine Schublade und holte ein, mit Samt ausgelegtes Kistchen, hervor. Es würde nicht einfach werden Ignaz davon zu überzeugen das man nur gemeinsam eine Chance gegen den Kult der Verdammten haben wird. „Doch dies ist nicht der einzige Grund warum du ihn an deiner Seite haben willst,“ hauchte eine Stimme durch ihren Geist. Dimiona lächelte als sie das Kästchen öffnete und den Seelenstein darin betrachtete. Wie immer hatten die Götter recht. Das Schattenreich brauchte einen Herrscher, jemand der regieren musste und Ignaz war dies. Dieses Reich würde aus Feuer und Blut erstehen und jemand musste die Last der Krone tragen. Weder sie noch ihre geliebte Khelpertocs waren dafür geschaffen. Als Dienerin der Schatten würde sie dem Reich die Treue schwören und geloben das Herrscherhaus zu beschützen, doch sie würde sich niemals wieder Ketten anlegen lassen. „Und du denkst er wird sich darauf einlassen?“ krähte eine Stimme durch ihre Gedanken. Sie warf noch einen Blick auf den Seelenstein vor ihr und fast hatte sie das Gefühl als könne sie die donnernden Hufe des schattenverdorbenen Streitrosses hören das in diesem Stein gefangen war. Langsam verstaute sie das Kästchen wieder in der Schublade. Dimiona wusste das sie alles riskieren musste um diese unheilige Allianz zu schmieden und das sie dabei alles verlieren konnte. Einst hatten Ignaz und sie sich vertraut und geschätzt, doch einst hatte sie auch Orelina geliebt und was war davon geblieben? Vialena könnte die Verbindung zwischen dem Reich und dem Schatten sein die sie so dringend brauchen würde. Doch sie war einst die Verlobte ihrer Liebsten, und Dimiona wusste um ihre Schönheit. Rhia mochte es zwar zurück zu ihrem Erschaffer ziehen und so sehnte den Untergang des Kultes herbei, doch hatte sie in ihrem untoten Herzen nie den fatalen Glauben an das Licht aufgegeben. Khelpertocs liebte sie, war mit ihr den Bund der Schatten eingegangen, doch hasste sie ihren Adoptivvater mehr als der Himmel Sterne zählte. „So viele Kräfte und Mächte sind am Werk,“ hauchte eine Stimme. „Alles steht auf Messers Schneide,“ flüsterte eine andere.
Dimiona schwirrte der Kopf. Als plötzlich die Tür aufschwang und Khelpertocs ohne Worte ins Zimmer kam, sie gegen den Tisch presste und so leidenschaftlich küsste das es ihr den Atem raubte. Die Welt schrumpfte auf diesen Moment zusammen. Nun zählte nur das hier und jetzt. In einer Windeseile hatten sie sich der Kleider entledigt. Dimiona dachte daran wie sie sich im Angesicht der Schatten vereinigt hatten, wie sie das Blut getauscht und den ewigen Bund eingegangen waren. Nichts würde die Töchter der Nacht jemals trennen können. Ob Sieg oder Niederlage, Freundschaft oder Feindschaft, Zukunft oder Vergangenheit…… sie würden im Leben wie im Tode vereint sein und dieses Wissen würde ihr die Kraft geben alles auf eine Karte zu setzen. Sie würden gemeinsam triumphieren und ihr Träume Wirklichkeit werden lassen oder bei dem Versuch gemeinsam untergehen und in die finstere Ewigkeit einziehen.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Gen Norden

Beitrag von Dimiona » Sa 12. Okt 2019, 07:32

Der Mond stand am schwarzen Himmel und tauchte das Meer in sein kaltes Licht. Schaum-gekrönte Wellen schlugen an den gewaltigen Rumpf des kultiranischen Handelsschiff. Der eisige Wind lies die "Sturmtrutz" durch die See pflügen, immer weiter nach Norden. Einsam bahnte sich das Schiff seinen Kurs, keine Küste und kein anderes Schiff war zu erblicken auf dem weiten Weg nach Nordend.
Dimiona stand an Deck, den Blick auf die weiten des Meeres gerichtet, während der eisige Wind mit ihrem goldblonden Haar spielte. Schon bald würden sie ihr Ziel erreichen, Nordend.... das Herzogtum Neu-Alterac.... die neue Heimat von Ignaz W. Zimmerer. So vieles war geschehen seit sie ihren einstigen Vertrauten das letzte Mal gesehen hatte. Sie erinnerte sich noch gut daran wie sie den Mann, der einst ihr Vertrauter, dann ihr Feind und nun ihre Hoffnung war, zum erstem Mal gesehen hatte. Ihre Gedanken kehrten Jahre zurück ins Haus des Zirkels in Darroheim. Sie war gerade erst einige Tage dort gewesen, völlig geblendet davon wieder an Orelinas Seite zu sein. Der Wind hatte den Schnee herein gewirbelt als die Tür aufging, ein älterer Mann in schwarzer Robe eintrat und den Raum für sich einnahm. Bereits damals hatte Dimiona gefühlt das etwas Schicksalhaftes an der Aura des damaligen Direktors der Scholomance hing. Obwohl sie sich das erste Mal begegneten behandelte er sie mit großem Respekt, eben ein Mann der auf die Etikette bedacht war. Eine angenehme Abwechslung zu den Gesellen des Zirkels. Doch bereits an jenem Abend war deutlich geworden das Orelina und Ignaz nichts von einander hielten. "Wir haben es dir immer gesagt," wisperten die Stimmen durch ihre Gedanken. "Hätte ich doch bereits damals auf euch gehört. Wieviel Leid wäre uns doch allen erspart geblieben," ging es Dimiona bitter durch den Kopf.

Die Hohepriesterin der Enklave der Finsternis starrte auf die unendlich scheinenden Wellen hinaus. Ein seltsames Gefühl aus Nervosität, Vorfreude und zugleich Schmerz erfüllte sie seit der Bote in Stratholme eingetroffen war. Das Rabenbanner war entrollt worden und der Herold hatte verkündet das der Herzog von Neu-Alterac auf die Bedingungen der Töchter der Nacht eingehen würde. Stratholme würde eigenständig sein, die Kirche der Schatten mit Dimiona als Oberhaupt würde ein Teil des Schattenreiches sein doch sich selbst verwalten. Mehr noch, sie würde es sein die den Herzog krönen würde, ganz so wie es einem König würdig war. "Vor Sterblichen und dem Schatten. Von unserer Gnaden, König von Neu-Alterac. Einer Welt wie sie in unserem Sinne ist," hauchten die Stimmen der Götter in ihr Ohr.
Wieder kehrten Dimionas Gedanken in die Vergangenheit zurück. Ein Zimmer voller Bücher, ein polierter Tisch und das Wappen des Raben. Dimiona erinnerte sich als wäre es gestern gewesen, wie sie im Direktorat der Scholomance gestanden war, dem Mann gegenüber der dem selben Traum folgte wie sie, einer neuen Ordnung der Welt. Ein Reich, das der Ordnung der Schatten und Götter folgte. Jenem Mann, der bereit war dies aus Feuer und Blut erstehen zu lassen, koste es was es wolle. Zum ersten Mal in ihrem Leben vertraute sie einem seiner Art. Aus dem Wissen heraus, dass Ignaz der weltliche Herrscher war den so ein Land brauchte. Sie dachte daran wie sie einen Eid geleistet hatte, ihn und seine Familie immer zu schützen, sei es mit Rat oder mit Taten. Sie dachte daran wie sie das Vertrauen in den gelblichen Augen des Mannes sah der darauf ihre Hände drückte und sie zu seiner persönlichen Vertrauten und Heilerin ernannte. "Der Schatten blendet nicht und gibt er einmal sein Wort, so sei es ewiglich," flüsterten die Götter ihr ins Ohr. Dimiona fühlte wie es ihr die Kehle zuzog als all diese Erinnerungen in ihr hoch stiegen. Wie oft hatte sie sich gefragt ob sie damals einen Fehler gemacht hatte. Wie oft hatte sie Orelina dafür verdammt den Untergang des Schattenreiches herauf beschworen zu haben. Sie hätte bereits damals sehen müssen, das sie ihr nichts bedeutete. Das ihr die Frau ,die sie dachte zu lieben, alles nehmen wollte was ihr etwas bedeutete. "Diese Wut, dieser Schmerz, dieser Hass," hörte Dimiona eine genüssliche Stimme.

Die Priesterin krallte ihre eiskalten Hände ins Holz der mächtigen Reling. Die Gischt sprühte ihr immer wieder einzelne Tropfen ins Gesicht, doch Dimiona nahm dies kaum wahr. In Gedanken stand sie im strömenden Regen vor den Toren der Darrowehr. Orelina hatte ihr eröffnet Krieg gegen die Scholomance führen zu wollen, das sie Ignaz aus dem Zirkel verbannt hatte und sie seinen Kopf wolle. Kalter Hass erfüllte die Priesterin als sie daran dachte wie Maldazzar ihr verkündet hatte, dass sie all ihrer Ämter enthoben worden sei. Das der Graf sie nicht länger an seiner Seite duldete und sie eine Geächtete sei. Sie dachte daran, wie Prom Vaskander damals sein Schwert gezogen hatte. "Und wieder waren wir es, die dich gerettet haben," flüsterten die Stimmen der Götter. Prom hatte seine gerechte Strafe bekommen, als die Darrowehr fiel. Dimiona selbst war es gewesen die seine Seele den Göttern überantwortet hatte. Doch dies war das einzige was in jener Nacht richtig gewesen war. So vieles war zerstört worden. Orelina hatte gemeinsam mit dem Kult der Verdammten vernichtet was der Traum des Schattenreiches war. Sie hatte mit den Gefühlen, die sie mit Lüge und falschem Spiel in Khelpertocs geweckt hatte, die Zimmerer Dynastie zerrissen. "Zerstört, um neu zu erstarken." hörte Dimiona die Worte der Götter in ihrem Geist.

Einsam stand die Priesterin an Deck und lächelte bei diesen tröstenden Worten derer, die sie nie im Stich gelassen hatten. Sie wusste das es nicht einfach werden würde, denn Ignaz´ Töchter, der dreiköpfige Rabe den sie in ihren Träumen sah, waren zwar mächtig doch genauso selbstzerstörerisch.
Die Priesterin Riha, die weiße Wölfin. Einst von Ignaz in den Untod gezwungen würde keine ihrer Schwestern akzeptieren und alles daran setzten ihrem Vater deren Schwächen aufzuzeigen. "Und doch verspürst du Verständnis für die Fehlgeleitete," polterten die Stimmen durch ihre Gedanken. Dimiona nickte, die Götter hatten Recht. Sie hatte Rihas Werdegang miterlebt, und auch wenn sie eine vom Licht geblendete Seele war, ist sie doch Priesterin. Dies war der Grund warum Dimiona immer ein gewisses Maß an Respekt für diese Frau hatte. "Du kannst ihren Schmerz nachvollziehen," flüsterten die Götter. Dimiona schloss für einen Moment die Augen und kämpfte gegen die Bilder der Vergangenheit an die sich in ihr Bewusstsein drängten. Es waren die Schlimmsten die sie in sich trug. Sie dachte daran wie es gewesen war als ihr Orelina die Erinnerungen genommen hatte, wie ihr die verfluchte Hexe den Kontakt zum Schatten und den Göttern geraubt hatte. Schmerz erfüllte Dimionas Brust und eine einzelne Träne ran über ihre Wange. Kein körperlicher Schmerz wäre damit jemals vergleichbar.
Ja sie hatte Verständnis für Riha. "Doch sie wird nicht dein einziges Problem," flüsterten die Götter. Dimiona sog die eisige Luft in ihre Lungen. Dimiona wusste das die Götter Recht hatten. Denn Vialena war nicht weniger problematisch auf dem Weg zu einem starken Reich. Damals hatte sie nicht viel zu tun gehabt mit der schönen Elfe. Doch in den letzten Monden, in denen Dimiona immer wieder Kontakt zu ihrem Geist gehabt hatte, war klar geworden das in dieser Elfe eine enorme Kraft schlummerte. Sie hatte die Leere in ihr gespürt, die Macht der Schatten. Doch statt sich dieser Macht hinzugeben, zu lernen wie man sie wahrhaftig einsetzt und kontrolliert, hatte diese Elfe nur Unsinn im Kopf. Wie ein junges Mädchen hatte Vialena den Kopf in den Wolken, dachte ständig an eine Samira und hing egoistischen Träumen nach. "Sie ist ein Kind der Schatten und doch fürchtest du sie," flüsterten die Götter durch Dimionas Kopf. Die Priesterin schluckte, es war nicht die Macht oder die Position von Vialena die dieses Unbehagen in ihr auslösten. Nein es war viel mehr das Wissen darum, das sie einst Khelpertocs´ Gefährtin gewesen war. Zu oft hatte Dimiona das verloren was sie liebte, zu oft war sie betrogen und verraten worden um jetzt ignorieren zu können das Vialena eine Gefahr darstellte für das einzige was wirklich ihr gehörte......ihre Verbindung zu Khelpertocs. Die Vergangenheit hinterlässt immer Spuren und es wäre dumm die von Vialena und ihrer Geliebten zu leugnen.
"Sie ist nicht wie Orelina, sie würde alles für mich tun!" redete sich Dimiona selbst ein. Khelpertocs würde ebenfalls immer eine Tochter des Raben sein. Wahrscheinlich die, die ihrem Vater am ähnlichsten war. Doch an ihr hing Dimionas Herz.... zumindest das wenige was Orelina davon übrig gelassen hatte. Sie war es die es weiter schlagen lies, nicht als Priesterin sondern als Mensch. "Ein Krieg wurde beendet und ein anderer wird beginnen! Und der Aasgeier kreist bereits über dem Schlachtfeld," polterten die Götter durch Dimionas Gedanken. Nein, sie würde nicht zulassen das sich das Schattenreich selbst zerstörte und Shiar Khan die Früchte ernten würde. Sie war nicht durch ein Meer der Einsamkeit und Verzweiflung gegangen um erneut alles zu verlieren. Sie würde all ihre Kräfte einsetzten um das neu zu schmieden was einst zerbrach. Sie würden ein Reich aufbauen, größer und mächtiger als je zuvor. Seite an Seite mit jener Frau die sie liebte. Gemeinsam mit dem einzigen Mann den sie je König nennen würde. "Und du bist dabei nicht alleine," hauchten die Götter.

Dimiona wandte sich lächelnd von der Reling um und sah ihre Schülerin Tavina nur wenige Meter hinter ihr angestrengt mit Kormek diskutieren. Auf der anderen Seite des Decks stand Magister Caiborn der gerade den Schurken Bronnian tadelte. Doch ihre Aufmerksamkeit galt der schwarzhaarigen Schönheit die auf sie zueilte, ihre eiskalten Finger in ihre warmen Hände nahm und sie an sich zog. Nein, sie war nicht alleine, diesmal Nicht!

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Re: Ein Flüstern im Schatten

Beitrag von Dimiona » Mo 4. Nov 2019, 15:30

Der Schnee viel in in dichten, dicken Flocken auf die Drachenöde in Nordend. Es war spät und nur wenige Lichter erhellten hier und dort die wiedererrichtete Stadt Neu-Alterac. Dichte Wolken verbargen die Sterne und den Mond. Selbst das Nordlicht, das die Nächte in einen unwirklichen Schein tauchte, wurde in dieser Nacht vom Schneetreiben verschluckt. Während sich die Bewohner der Stadt des Raben fast alle im Schlaf ihren Träumen hingaben, brannten in der Abtei noch Kerzen und warfen Licht durch die Bunten Fenster des persönlichen Studierzimmers der Bischöfin.
Dimiona stand am Fenster und betrachtete das Schneetreiben. Sie genoss für einen Moment die Stille und schloss die Augen. Die letzten Tage waren anstrengend gewesen. Die Priesterschaft, die ihr hier her gefolgt war, hatte auf diesen Ort eingeschworen werden müssen. Sie hatte lange Gespräche geführt und viele Diskussionen über die Aufgabe der Kirche im Herzen des Raben geführt. Doch ihre Mühen waren nicht umsonst gewesen, niemand im Klerus zweifelte an ihrer Führung oder am Reich des Raben. In einer aufwendigen Zeremonie hatten sie die große Kathedrale in Neu-Alterac dem Schatten geweiht und das beeindruckende Bauwerk zu einem Ort der Schatten und Götter erhoben. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen als sie daran dachte wie sie die dunklen Mächte selbst gespürt hatte. Die Zeremonie war den Priestern vorbehalten gewesen, doch schon bald würden viele Gläubige diesen Ort aufsuchen um den einzig wahren Mächten zu huldigen. Tief in ihrem Inneren spürte Dimiona zum ersten Mal in ihrem Leben das sie angekommen war, das dies der Platz war an dem sie wirken wollte und auch musste.
Müdigkeit umfing die Priesterin wie sie da mit geschlossenen Augen stand, denn wie so oft schlief sie nur wenig. "Du hast keine Zeit dich auszuruhen," hörte sie eine mahnende Stimme in ihrem Geist. Dimiona öffnete die Augen und für einen Moment blendete sie das Licht der Kerzen. "Es gibt so viel zu tun," flüsterte eine andere Stimme. Die Götter hatten Recht, sie durfte sich nicht auf dem so verführerischen Gefühl der Heimat und der Zufriedenheit ausruhen. So viele Dinge galt es in Angriff zu nehmen. Einerseits musste man einen Weg finden Neu-Alterac mit den Pestländern zu verbinden, wenn man diese jemals halten oder gar zurück erobern wollte. "Du hast Angst!" zischelte eine Stimme durch ihre Gedanken. Dimiona presste die Lippen zusammen. Sie wusste das es für eine dauerhafte Lösung dieses Problems nur einen Weg gab und der war Tharsonius von Hochstade. Sie musste Kontakt zum Zirkel der schwarzen Sonne aufnehmen und alleine der Gedanke daran ließ Wut und Hass in ihr aufsteigen. Sie alle hatten sie verraten, hatten zugesehen wie Orelina sie Stück für Stück zerstörte. Man hatte ihr die Würde genommen, ihre Götter und den Stern der Finsternis. Bilder der Vergangenheit, die sie zu vergessen versuchte, drangen in ihr Bewusstsein. Sie selbst, wie sie Orelina anflehte ihr zurückzugeben was sie ihr genommen hatte. Lyon, als er ihr sagte das der Stern der Finsternis verschwunden war. David, als er ihr sagte das er mit Orelina geschlafen hatte. "Nur wir waren an deiner Seite," hauchten eine sanfte Stimme.
Zitternd wandte sich Dimiona vom Fenster ab und ging zu dem wuchtigen Steintisch der den Großteil des Raumes einnahm. Khelperetocs hatte sie bereits mehrfach gebeten sich mit Lyon zu treffen und sei es nur um ihn für ihre gemeinsamen Zwecke zu nutzen. Bitterer Geschmack stieg in ihrem Mund auf wenn sie daran dachte. "Haben wir dich DAS gelehrt?" polterte eine Stimme durch Dimionas Gedanken. "Stellst du deine kleinen, unwichtigen Emotionen über deine Pflicht!" hörte sie eine laute, drohende Stimme. Wie in Trance öffnete Dimiona eine Flasche Wein die Estre bereitgestellt hatte und schenkte sich ein Glas ein. Wie sehr wünschte sie sich Khelperetocs an ihre Seite. Wie sehr sehnte sie sich danach, ihr ehrlich zu sagen das es ihr fast die Seele zerriss wenn sie nur daran dachte wieder mit dem Zirkel in Kontakt zu treten. Doch ihre Geliebte war in die Pestländer gereist, als zukünftige Herrscherin der Darrowehr musste auch sie ihren Pflichten nachgehen und diese waren einen Weg zu finden die Darrowehr zu erobern. "Wo bist du nur, mein schwarzer Diamant?" flüsterte Dimiona zu sich während sie das Glas an ihre Lippen hob. Bilder blitzten vor ihrem geistigen Auge auf. Eine einfache Hütte, die Pestländer, Tavina an Khelpertocs´ Seite und dazu eine junge Frau die sie nicht kannte. Dimionas Brust zog sich schmerzhaft zusammen. "Sie ist an jenem Ort wo sie sich einst mit der Hexe der Lust hingab," hörte sie eine schrille Stimme. Die Priesterin keuchte auf, ein Gefühl der Angst und der Wut kroch in ihr Hoch. Mit einem Zug lehrte sie das Glas voll schwerem Rotwein. Nein, Khelperetocs würde das nicht tun. Sie würde ihr das nicht antun, versuchte sich Dimiona selbst zu beruhigen. Doch kannte sie die Schwächen der schönen Nekromantin und so sehr sie es auch versuchte erfasste sie eine gewisse Unruhe.
Der Wein brannte in ihrem Magen, sie hatte gefastet und so rebellierte ihr Körper kurz gegen den hastig getrunkenen Wein. "Und wieder stehen deine lächerlichen Gefühle dir im Weg," hörte sie die Stimmen der Götter. "Du kannst dich dem nicht hingeben," hauchte eine andere Stimme in ihrem Geist. Das vertraute Gefühl der Einsamkeit stieg in ihr hoch. Die Götter hatten wie immer Recht.
Selbst Khelpertocs würde ihre Gefühle als Schwäche ansehen und Dimiona wusste das es keinen Platz für Schwäche gab, nicht einmal bei dem einzigen Menschen bei dem sie sich gestattete wirklich zu fühlen.
Die Priesterin wusste das sie sich diesen Gedanken nicht hingeben durfte, zu viel stand auf dem Spiel, zu viel hatte sie geopfert um sich nun vom Weg abbringen zu lassen. "Das Reich braucht dich! Dein König braucht dich! Wir brauchen dich!" hörte sie die drängenden Worte der Götter. Immer wieder zuckten Bilder vor Dimionas geistigen Auge auf. Sie sah Ignaz, wie er vor ihr kniete und sie ihm eine Krone auf das Haupt setzte. In Dimionas Kopf drehte sich alles. Die Götter hatten recht, sie durfte nun nicht ruhen, denn der Weg zu einem Königreich war noch lange und wollte sie ihr Ziel erreichen, durfte sie jetzt nicht wanken, so schwer es auch fiel. Langsam setzte sich die Priesterin in Bewegung, immer einen Schritt vor den anderen, immer schneller werdend, während sie den Weg vor ihren Füßen kaum erkennen konnte. "Bedrohungen von Außerhalb müssen aufgehalten werden," hörte sie die Stimmen der Götter flüstern. Bilder der Darrowehr zuckten vor ihrem inneren Auge auf. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen und der kalte Wind peitschte ihr ins Gesicht. Dimiona nahm dies kaum wahr. "Kräfte im Inneren müssen gelenkt und geprüft werden," hauchte eine andere Stimme in ihrem Geist. "So viele Kräfte, so viele Gefahren, sie können stärken und schwächen," kreischte eine schrille Stimme durch ihre Gedanken während ihr schattenhafte Bilder fast völlig die Sicht raubten. Vialena, die weinend am Fenster stand; Sor´ien, der sein Schwert erhob; Ignaz´ Schülerin und die Dunkeleisenzwergin Gunhild; Kormek und Tavina. "Opfer müssen gebracht werden!" sprach erneut eine Stimme. Sie sah sich selbst, alleine in der Dunkelheit; sah Alstedalis und so viele Gesichter die sie nicht erkennen konnte.
Bluttropfen rannen aus Dimionas Nase und mischten sich mit Schneeflocken als die Bischöfin die Treppe zur Kathedrale hinauf schritt und mit beiden Händen das Tor aufstieß. "So leitet mich um euren Willen zu erfüllen," flüsterte Dimiona während sie den langen Gang zum Altar entlang ging. "Finde einen Weg um das Reich zu nähren," hauchte eine Stimme während Dimionas Schritte laut durch das Gebäude hallten. "Lass es wachsen und stärker werden," wisperte eine andere. Dimiona hatte wankend den Altar erreicht, zitternd hielt sich die Bischöfin daran fest. Violette Flammen züngelten an den Dochten der Kerzen hoch als die Bischöfin daran vorbei Schritt.
Ihr Kopf dröhnte, ihre Augen brannten. Ein Strudel aus Angst, Ungeduld, Sehnsucht, Freude und Leid schien ihr Innerstes zerreißen zu wollen, alleine ihr unerschütterliche Wille war es der die Flut im Zaum hielt.
"Was verlangt ihr von mir? Zeigt es eurer ergebenen Dienerin," flüsterte sie in die Dunkelheit. "Siehe selbst!" hörte Dimiona laut und deutlich eine Stimme in ihrem Kopf. Dimiona hatte das Gefühl als würde sie fliegen. Sie sah grüne Hügel, Wälder, Flüsse. Da war ein kleiner See mit einem Lager von Jägern. Sie bewegte sich weiter gegen Norden, Ruinen aus längst vergangener Zeit säumten den Weg, bis sie sich in einer Siedlung wiederfand. Menschen, Holzfäller und Jäger, sie sah ein Schild wo das Wort Silberwasser aufgemalt war. Ein Sägewerk, Wohnhäuser, Arbeiter und Händler tummelten sich dort.
Das Bild änderte sich und plötzlich sah sie die Gestalt eines Lichs. Sie fühlte eine unheilige Macht. Eine Macht die nur darauf wartete für das Reich genutzt zu werden.
"Dort wirst du Finden was du brauchst um unseren Willen voran zu treiben," hörte die Priesterin die Worte der Götter bevor sie die Dunkelheit umfing.
Der violette Schein der Kerzen viel durch die hohen Fenster der Kathedrale von Neu-Alterac als der frisch gefallene Schnee bereits die Fußspuren auf der Treppe verdeckte. Während sich die ersten Priester hier zur Morgenandacht einfanden verließ eine blasse, mit geröteten Augen gezeichnete Bischöfin das Heiligtum. Die Andacht konnte jemand anderes leiten, auch der Schlaf musste wie so oft warten, denn Dimiona hatte viel zu tun. Sie wusste nun wohin ihre nächsten Schritte gesetzt werden mussten und wie immer würde sie alles daran setzten ihr Ziel zu erreichen. "Denn Euer Wille geschehe!" sagte Dimiona entschlossen zu sich selbst. Das Reich musste erstarken, denn nur so konnte daraus das werden von dem sie alle Träumten.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Sonnenuntergang

Beitrag von Dimiona » Fr 13. Dez 2019, 13:38

Der Himmel schien in Flammen zu stehen, feuerrot neigte sich die Sonne dem Horizont entgegen. Lang und bedrohlich warf die verfluchte Rabenwehr ihre Schatten über das kleine Dorf Bradenbach. Niemand stellte Fragen als die sichtlich mitgenommenen Reisenden in diesem Dorf ankamen. Diese Lande wurden nicht umsonst die Verheerten Inseln genannt und auch wenn die Legion besiegt war und die Truppen von Allianz und Horde längst abgezogen waren, war das Leben der Einheimischen alles andere als einfach. So war man froh über jede Münze die Reisende hier ließen und stellte dafür bereitwillig Unterkunft und Verpflegung.
War Bronian im Kampf gegen die Kreaturen des Albtraumes auch keine wirklich große Hilfe gewesen, so zeigte er nun seinen Wert. Denn während sich die Gruppe erschöpft im Gästehaus einrichtete, war es der Meister der Verbindungen der den Einheimischen ein glaubhafte Geschichte erzählte und einen guten Preis für ihr Hierbleiben aushandelte.
Dimiona nahm dies alles nur am Rande wahr, zu aufgewühlt war ihr Geist, zu angespannt ihre Sinne und zu überwältigend der Einfluss der Götter. Für einen Moment beneidete sie ihre Schülerin Tavina wie sie da in diesem Bett lag und tief und fest zu schlafen schien. "Du weißt das der Schein trügt," zischelte sofort eine Stimme in ihrem Geist. "Sie leidet.....und das ist deine Schuld!" hauchte eine andere. "Wie immer stürzt du jene die dir etwas bedeuten in den Abgrund!" schrillte es zur Antwort. "Sie darf dir nichts bedeuten! Nur WIR bedeuten dir etwas!" grollte eine weitere. Dimiona presste ihre Lippen aufeinander und schloss für einen Moment ihre schmerzhaft brennenden Augen. Nein, Tavina hatte großartiges geleistet. Sie hatte es geschafft Kormek erfolgreich mit dem Albtraum zu verbinden, etwas was nur wenige geschafft hätten. Es hatte Monate gedauert bis sich die junge Priesterin dieses Wissen angeeignet hatte und Kormek darauf vorbereiten konnte. Auch wenn das Ritual sie ans Ende ihrer Kräfte gebracht hatte, sie schien erfolgreich. "Du bist zu weich! Du musst sie stählen, abhärten und zu einem unserer Werkzeuge formen," krähte wieder eine Stimme, während Dimiona beobachtete wie Kormek versuchte Tavina eine warme Suppe einzuflößen. "Wir waren erfolgreich. Der Splitterträger wurde durch ihr wirken gestärkt," entgegnete Dimiona den Stimmen in Gedanken. "Es ist DEINE Schuld das er überhaupt in diesen Körper gebracht werden musste," polterte eine Stimme durch den Geist der Priesterin. Instinktiv griff sich Dimiona an die Schläfe. Bilder zuckten vor ihrem inneren Auge auf. Astralur, der Angriff Asarbads; Kormek, wie er sich Orelinas Vater entgegen stellte um Nehelenya und Thesia zu schützen; Lyon, dem Tode nahe neben ihr....ein heller Lichtblitz. "Alles deine Schuld," wisperte eine bösartige Stimme. "Alles in Ordnung?" riss sie Kormeks Stimme in die Gegenwart zurück. Dimiona blinzelte, sie hatte Komek und Tavina wohl die ganze Zeit angestarrt. Gerade breitete der massige Druide ein dickes Fell über die junge, zitternde Frau aus. Hatte er Tavina immer schon so liebevoll angesehen oder war es einfach die Dankbarkeit die der Mann ihr entgegenbrachte für das was sie für ihn gewagt hatte? Wieder blitzten Bilder vor ihrem geistigen Auge auf. Khelperetocs, schwer verletzt; Flammen, Mauern die einstürzten; Kormek....der einstige Kormek, der durch die Flammen sprang um Khelperetocs zu retten. "Dimiona, alles in Ordnung mit dir?" riss sie Kormeks Stimme erneut in die Realität zurück, Dimiona schluckte. "Alles bestens, kümmere dich gut um Tavina," sprach sie in bemüht ruhigem Ton. Niemand durfte merken wie sehr sie mit sich rang, wie müde sie war, wie sehr sie sich nach etwas Frieden sehnte und wie erleichtert sie über diesen Erfolg war. Die Bischöfin wandte sich ohne ein weiteres Wort in Richtung Treppe um und hörte Kormek nur noch etwas grummeln das wohl soviel hieß wie "Du könntest mir ruhig helfen". Dimiona ignorierte die und stieg die Treppe hinauf.
Sie wusste, dass sie in diesem Zustand niemandem eine Hilfe war und wenn die Vergangenheit eins gezeigt hatte, dann das man sich in diesen Situationen auf Kormek verlassen konnte. "Und schon verrätst du dich, kleine Närrin," schrillte eine Stimme durch ihren Geist. "In deinem, wie immer von Gefühlen geleiteten, schwachen Herzen wolltest du nicht den Splitterträger stärken. DU wolltest einen starken Beschützer für jene die dir wichtig sind," raunte eine andere. "Ich kann sie nicht alle beschützen. Krieg zieht auf," flüsterte Dimiona zu sich selbst. "DEINE AUFGABE ist es den STERN DER FINSTERNIS zurück zu holen!" donnerte es durch ihre Gedanken. "Sie sind alles Werkzeuge die du benutzen sollst uns zu Ehren ein REICH zu errichten," hörte die Priesterin eindringlich die Worte einer anderen. "Dann sagt mir wo er ist! Mit seiner Hilfe kann ich dem Schatten eine Heimat geben," entgegnete Dimiona verzweifelt. "Haben wir dir denn nichts gelehrt? Hast du noch immer nicht begriffen? Der STERN ist der Grund warum du überhaupt existierst," hörte die Priesterin die scharfen Stimmen der Götter. "Dann sagt mir wo er ist!" sprach die Priesterin laut.
"Wer?" riss sie die melodiöse Stimme Vialenas aus ihren Gedanken. Erschrocken realisierte Dimiona das sie wohl schon einige Momente in dem kleinen Gastraum stand und wohl laut gesprochen hatte. Sie räusperte sich und meinte: "Niemand, ich war nur in Gedanken." Erst jetzt bemerkte sie die vorne vornübergebeugte Gestalt nahe am Tisch neben der Tochter des Herzogs. Khelperetocs hustete vor sich hin und versuchte die Schmerzen in ihrer Brust mit Rum zu betäuben. Verbissen hatte ihre Geliebte gegen die Kreaturen des Albtraums gekämpft und ihnen mit ihren nekromantischen Zaubern schwer zugesetzt. Nun zahlte sie für ihr Wirken den Preis, genau wie sie alle. Doch während es Dimiona betrübte die anderen so geschwächt zu sehen, war Khelperetocs Leid wie ein glühender Dolch in ihrer Brust. "Sie will dein Mitleid nicht! Sie würde dich verachten wenn sie wüsste wie schwach du gerade bist," wisperte eine Stimme. "Sie liebt nur die starke Dimiona, die Priesterin....nicht dieses erbärmliche Wesen das du gerade bist."
Die Priesterin versuchte ihre zitternden Hände zu verbergen. Wie lange würde Khelpertocs das noch durchhalten? Sie musste Alice, die Halbschwester ihrer so geliebten Frau, finden wenn sie eine Zukunft mit ihr haben wollte. "DU MUSST DEN STERN FINDEN!" donnerte es erneut durch ihren Kopf. Blinzelnd versuchte Dimiona die Bilder vor ihrem inneren Auge zu vertreiben. Khelperetocs, dem Tode nahe auf dem Strohlager der Scholomance; Vialena, wie sie am Bett ihrer nur leicht bekleideten Frau sitzt und sie umgarnt; Khelperetocs, am Ende ihrer Kräfte am Boden liegend. "Ich MUSS Alice finden," warf Dimiona mit aller Willenskraft den Stimmen entgegen. "Wer ist Alice?" fragte die schöne Leerenelfe verwirrt während. Dimiona presste die Lippen aufeinander. "Entschuldigt mich bitte," war alles was sie heraus brachte und ehe sie mit schnellen Schritten den Raum durchquerte. Eilends schloss sie die Tür des kleinen Zimmers das ihr zugedacht war.
Keuchend stand die Priesterin am Fenster. Sie musste sich beruhigen, sie wusste das sie sich im Kampf überanstrengt hatte. Sie brauchte nur etwas Ruhe um ihre Gedanken zu ordnen, sie musste allein sein. "Du bist nie allein," hauchte eine Stimme in ihrem Geist.
Dimiona sah zu wie die rotglühende Sonne allmählich im Meer versank und die Schatten und die Dunkelheit gierig alles verschlangen. Sie wusste, dass sie sich alle erholen würden, dass jeder von ihnen sein bestes gegeben hatte um Kormek die Stärke zu verleihen die er in Zukunft brauchen würde. So vieles lag bereits hinter ihnen, doch noch viel mehr wartete auf ihrem Weg in die Zukunft. Sie durften sich nicht auf Erfolgen wie diesem ausruhen, so verführerisch dieser Gedanke auch war. Zu viel stand auf dem Spiel.
"Krieg zieht auf, Sternenruferin!" raunte eine Stimme während Dimiona das letzte Licht der Sonne verschwinden sah. "Ihr müsst bereit sein, ob ihr wollt oder nicht," hauchte eine andere. Die Dunkelheit hatte sich über das Land gelegt, müde aber mit entschlossener Stimme flüsterte Dimiona den Göttern zu: "Ich werde tun was nötig ist."

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Ein heimlicher Beobachter

Beitrag von Dimiona » Di 9. Jun 2020, 19:44

Die Dunkelheit lag über den Pestländern und selbst Mond und Sterne versteckte sich in jener Nacht, ganz so als wollten nicht einmal die Gestirne einen Blick auf diesen grausigen Ort werfen. Doch so sehr sich die Nacht bemühte die Schrecken dieses Ortes zu verbergen, gelang es ihr doch nicht vollständig. Denn auf der Insel im Darrowehr-See war hier und dort der Schein von flackernden Kerzen zu sehen, die Glut eines Lagerfeuers und das kurze Aufblitzen von unnatürlichem blauen oder violetten Licht das vom Wirken verbotener Magie zeugte. Vieles hatte sich hier in den letzten Monaten verändert, doch Manches überdauerte die Zeit, vergessen und doch ständig gegenwärtig. So auch der Schemen Darion. Einst war er ein Bürger Lordaerons gewesen, kein Soldat oder wackerer Krieger....nein, Darion war Schriftsteller gewesen. Ein Mann der für die Kunst lebte, nur wenig besaß und ein völlig unnötiges Opfer in diesem einstigen Krieg war. So wie viele andere es auch gewesen waren. Durch die widernatürliche Magie die bereits damals an der Darrowehr angewandt wurde, blieb es Darions Seele jedoch verwehrt ihren Frieden zu finden. Angelockt wie eine Motte vom Kerzenschein hatte es seinen Geist an die Scholomance gezogen ohne jedoch bewusst von einem Nekromanten gerufen worden zu sein. Unfähig diesen unheiligen Ort zu verlassen und nicht fähig sich wirklich bemerkbar zu machen überdauerte Darion die Zeit an der Scholomance, denn wer achtete hier schon auf eine manchmal aufflackernde schemenhafte Erscheinung? Doch während andere Seelen hier verzweifelten war es Darion gelungen seine Existenz zu akzeptieren, denn eines gab es hier neben Leid und Schmerz im Überfluss - nämlich Geschichten. Ob unter den Barvos und Dunkelmeister Gandling, dem selbsternannten Grafen Ignaz W. Zimmerer, dem alten und gebrechlichem Firlar, der Schreckensherrscherin Shiar Khan oder nun den Töchtern der Nacht.... Darion kannte sie alle, ihre Geschichten, ihre Abgründe ihre Träume. Als stiller Beobachter huschte er unbemerkt durch Mauern, nahm an Festen teil und belauschte geheime Gespräche ungesehen, von der Welt vergessen.
So huschte Darion auch in jener Nacht über das Gelände der Darrowehr, vorbei an einer kleinen Gruppe von Schülern die heimlich eine Beschwörung vornehmen wollten die ihnen untersagt war. Darion erkannte sofort die Schulsprecherin Rebecca, den Gnom den alle nur Bert nannten und die hochgewachsene Trollin, die meist mit den beiden zusammensteckte. Sie war neu, etwas was Darion in all der Zeit hier zum ersten Mal sah. Er war sich sicher, das ihre Geschichte hier etwas ganz besonderes werden würde. Aber heute Nacht war es nicht das jugendliche Treiben der Schüler das ihn interessierte. So lies er die kleine Gruppe hinter sich und ignorierte das blaue Leuchten ihrer Zauber.
Die Gebäude hatten sich verändert, die Festung war ausgebaut worden und war größer als je zuvor. Nebengeäude hatte man mit gestohlenem oder erpressten Gold angebaut und die Arbeiter aus Tol´Barad, die das alles bewerkstelligten, wurden mit der Gnade entlohnt weiter unter den Lebenden zu weilen und nicht zurück in das unsägliche Gefängnis zu müssen wo Kormek sie damals im Auftrag Ignaz´ her geholt hatte. Darion huschte durch die Mauern der Stallung als er das laute Gewimmer des Ogers vernahm der seit neuestem hier schlief. "Mäuse Frau," wimmerte Oggy. "Tavina Maus! Komm nachhaus´.....du fehlst Oggy" schniefte der Oger so das jeder der nahe am Gebäude vorrüberging es hören konnte. Auch der Oger war für Darion eine Überraschung gewesen und so beobachtete er mit Interesse welche Neuerungen die Adjutantin der Schatten, wie sie manche hier nannten, wohl noch hier her bringen würde. Darion hatte ihren gesamten Werdegang hier an der Darrowehr verfolgt und sie war mittlerweile eine seiner "Lieblingsfiguren" geworden. Er hoffte so sehr das Tavina und Kormek bald heiraten würden, denn er liebte ihre Geschichte. Kormek kannte er ja noch als lebenden Sturmwinder, dann als Untoten und nun als pummeligen Kul´Tiraner mit druidischen Kräften. Darion hatte über viele Monate hinweg verfolgt wie die beiden die vielen Herausforderungen meisterten die das Leben und Wirken an der Scholomance so mit sich brachten. Sie gehörten zu den wenigen hier, die trotz allem Güte und Hoffnung in sich trugen. Doch der alte Schemen wusste auch, das Glück etwas war das an der Darrowehr genau so schnell zu Staub zerfiel wie alles Lebende. Er hoffte inständig das es bei den beiden anders sein würde, doch womöglich suchten sie in Shattrath ja bereits Gewänder für ihre Trauung aus. Hoffnungsvoll huschte der Schemen weiter, vorbei an dem sturzbetrunkenem Revghan der wiedermal Schnaps von den Studenten gestohlen hatte und diesen offensichtlich nicht vertragen hatte. Vorbei an der Lehrmeisterin für Illusion und der Lehrmeisterin für Nekromantie die in aller Heimlichkeit Pläne schmiedeten um die Gunst der Dunkelmeisterin mehr auf sich als auf die anderen Lehrmeister zu richten. Darion kannte diese Treffen alle, ob Hillarius Nepomuckvon Mersingen oder Argneta Zeferon.... sie alle heischten um die meiste Macht und den größten Einfluss an der Scholomance.

Doch auch keines dieser Treffen war heute Darions Ziel und so schwebte der vergessene Schemen weiter. Vorbei an der tagebuchschreibenden Alstedalis, die ganz aufgeregt über den Leerenelfen in ihr Notitzbuch kritzelte. Durch die Decke einen Stock höher in die Ratsraum wo gerade Magister Caiborn, Edmin Lescovar und die Köchin Red die benötigten Versorgungsgüter auflisteten. Niemals hatte Darion geglaubt das die beiden alten Männer so lange hier überdauern würden. Der Schemen glitt weiter unbemerkt in den nächsten Stock der Burg. Der Duft von Weihrauch lag in der Luft und einige violette Flammen tauchte das neuerrichtete Heiligtum der Schatten in ein bizarres Licht. Amun, die Nummer zwei innerhalb der Schattenkirche hier, kniete vor dem Altar und betete zu den Schatten und den alten Göttern. Über das gesamte erste Stockwerk der Burg zogen sich die heiligen Räume der Priester und deren Unterkünfte. So viel zu der illusorischen Vorstellung der freien Wahl des Glaubens. Darion fand diesen Aspekt äußerst spannend und verfolgte nur zu gerne die politischen Ränkespiele die nun auch eine religiöse Komponente mit sich trugen. Doch auch das war nicht sein heutiges Ziel.
Der Schemen schwebte durch die dicken Mauern weiter nach oben bis er endlich im obersten Stockwerk der Burg angekommen war. Den privaten Räumlichkeiten der Töchter der Nacht. Neben Kormek und Tavina waren die beiden seine Lieblinge hier. Er verfolgte Khelpertocs´ Geschichte seit sie als Schülerin an die Darrowehr gekommen war. Hatte ihren Aufstieg und ihren Fall beobachtet und war dabei als sie Rache dafür genommen hatte was man ihr antat und sich selbst zum Oberhaupt erklärte. Nur zu oft stellte Darion sich die Frage, wie lange die schwer kranke Nekromantin diesen Triumph genießen können würde. Denn wenn er eines wusste, dann das niemand lange genug auf dem Stuhl des Dunkelmeister saß um darauf alt zu werden....nun, mit Ausnahme von Ambrosius Firlar, aber der war ja davor schon alt gewesen. Die schöne Nekromantin hatte ihn aber schon so oft überrascht, somit war Darion ganz begierig darauf zu erfahren wie ihre Geschichte weiter gehen würde. Doch nicht nur Khelpertocs nannte diese düsteren und doch eleganten und protzigen Gemächer ihr eigen. Es waren auch die Räumlichkeiten von Hochwürden Dimiona Galbert, eine Person die ebenfalls bereits viel Geschichte an der Darrowehr hatte. Wahr sie doch stets im engsten Beraterstab der amtierenden Dunkeleister und hatte sie alle überdauert... und manchen auch zu Fall gebracht. Darion wusste das sie wohl eine der mächtigsten und einflussreichsten Personen hier war, doch wusste er auch das die Priesterin dies mit einem hohen Preis erkaufte. Der einstige Schriftsteller wusste das ihre Geschichte ein Drama war das kein gutes Ende nehmen würde.

Dimiona stand am offenem Fenster und blickte in die Nacht hinaus, ein Glas mit ihrem Lieblingswein „Elwynner Süd“ in der Hand. Der Wind spielte mit ihrem blonden Haar, das schwarze Seidennachthemd glänzte leicht im Schein der Kerzen und ihre blasse Haut schien fast zu strahlen in dieser düsteren Umgebung. "Braucht ihr noch etwas?" fragte ihre Dienerin Estre schüchtern. "Nichts was du mir geben könntest. Geh und lass mich allein," erwiderte die Priesterin ohne ihren Blick abzuwenden. "Du bist nie alleine!" meldete sich sofort eine Stimme in ihrem Geist. "Obwohl dich alle immer wieder verlassen, bist du nie alleine! Du hast UNS," zischelte eine andere "NUR UNS!" hörte Dimiona den Chor der Stimmen. Die Hohepriesterin seufzte. Sie hatte gehofft, nun da das Ritual zu Stellans Erweckung endlich erfolgreich vollzogen worden war, würde sie etwas Ruhe finden. Doch wie so oft wurde ihre Hoffnung enttäuscht. "Für dich gibt es keine Hoffnung," flüsterte eine Stimme. "Hat es nie Hoffnung gegeben," wisperte eine andere. "Wird es nie welche geben," wurde das Flüstern lauter. Dimiona schloss für einen Moment ihre tiefblauen Augen. "Nein, für mich nicht. Aber vielleicht für andere," murmelte sie vor sich hin. Dimiona dachte den Erfolg Tavinas toten Bruder wieder ins Leben zurück zu helfen und seiner Seele einen neuen Körper zu verschaffen. Es war nicht einfach gewesen, hatte viel an Vorbereitung abverlangt, einiges an Glück gebraucht und eigentlich wollte sie, nun da dies geschafft war, etwas Frieden finden. "Und wieder machst du die selben Fehler!" herrschte sie eine der Stimmen an. "Wieder hast du jemanden an deine schwachen und so erbärmlichen Gefühle gelassen," säuselte eine andere.
"Das ist etwas ganz anderes!" sprach Dimiona laut in die Nacht hinaus. Ja, sie hatte nicht Grundlos geholfen Stellan zurück zu holen. Auch wenn Tavina es nicht wusste war es Dimiona wichtig das sie glücklich war, das ihre Schülerin eine Familie um sich hatte die sie liebte und die für sie da sein würde.
"DU SOLLST SIE ZU DEINER NACHFOLGRIN MACHEN!" donnerte es durch Dimionas Kopf. "Du weißt, dass es keinen Platz für die Lügen gibt die du Familie nennst," wisperte eine andere Stimme. Dimiona trank zitternd einen Schluck. "Sie muss nicht das selbe erleiden," flüsterte Dimiona tonlos zu sich selbst. Nein, sie wollte nicht das ihre Schülerin den selben Pfad beschritt wie sie. Tavina hatte Kormek, er liebte sie und er würde sie beschützen. So wie er es immer tat bei jenen die ihm etwas bedeuteten. "Du bedeutest den beiden nichts," flüsterte eine gehässige Stimme. Dimiona schluckte, wahrscheinlich war das auch besser so. "DU enthältst sie uns vor! Du könntest sie bereits zur Priesterin weihen...könntest uns ihre Seele versprechen," hauchten die Stimmen während Dimiona ihr Weinglas umklammerte. Die Götter hatten recht, Tavina war so weit, das wusste Dimiona und doch zögerte sie die Ausbildung abzuschließen. "Sie werden dich ohnehin verlassen, so wie es alle getan haben! Es gibt nur uns!" Diniona wusste das die Götter Recht hatten und trotzdem spürte sie bei diesen Worten einen brennenden Schmerz in ihrer Brust das es ihr fast die Sinne raubte. Bilder zuckten vor ihrem inneren Auge. Sie sah das Zeichen der schwarzen Ernte, der Hexervereinigung die nach Asarbaad suchten, sah ein Portal, sah eine Schlacht.....sah den Stern der Finsternis.
Keuchend öffnete Dimiona wieder die Augen. "Den Stern zurückzubekommen ist das einzige was für dich von Bedeutung sein sollte," wisperten die Stimmen. "Nur mit ihm wirst du Frieden finden," hauchte eine andere Stimme.
"Frieden? Wie sollte ich jemals Frieden finden?" erwiderte Dimiona zitternd. "Jedes Mal wenn ich auch nur einen Hauch davon verspüre vernichtet ihr ihn wieder!" schrie Dimiona die Götter an. Erschrocken über sich selbst, schloss sie das Fenster und setzte sich zitternd auf den Frisierstuhl vor dem großen Spiegel. "Herrin, geht es euch gut?" hörte Dimiona Estres Stimme die ihren Ausbruch wohl gehört hatte und zurück gekommen war. "VERSCHWINDE!" fauchte Dimiona die Dienerin an während der Klos in ihrem Hals plötzlich unerträglich groß zu werden schien. "Vergebt mir," murmelte Estre und ging mit gesenktem Blick wieder ins Nebenzimmer.
"Vergebung?" wiederholte Dimiona das Wort während sie die Schublade der Kommode aufriss in der Hoffnung eine von Khelpertocs´ Rumflaschen zu finden. Doch ihre zitternden Finger schlossen sich nicht um die erhoffte Flasche, sondern um den Hühnerei großen Seelenstein den sie hier aufbewahrte. Feuerrot schimmerte der Stein in Dimionas Hand und zwei Tränen vielen auf das Artefakt, das ein Bruchstück jener Seele enthielt die die junge Frau einst so sehr geliebt hatte. Bilder aus der Vergangenheit durchfluteten Dimionas Geist und für einen kurzen Moment presste sie den Stein an ihr Herz und schloss die Augen. "Denk daran was sie dir angetan hat!" hauchte eine Stimme. "Sie hat dich nie geliebt," wisperte eine andere. "Sie hat dich stets belogen, hat dich betrogen und die ganze Zeit einen anderen geliebt," flüsterten die Götter. Schmerz und Zorn durchfluteten Dimiona. "Für dich gibt es keine Familie, keine Liebe, keine Zukunft.....nur die Schatten," hörte die Priesterin die Stimmen im Chor
Bilder von all den grauenhaften Ereignissen in ihrem Leben blitzten in ihrem Geist auf. Die nächtlichen Besuche ihres Vaters; die strengen Lichtpriester die sie brechen wollten; die Lehrmethoden des Schattenhammers; Orelina, die sie belogen und betrogen hatte, die ihr Herz einem anderen geschenkt hatte.
Dimiona öffnete die Augen und blickte in ein schmerzerfülltes und von Hass verzerrtes Spiegelbild. Die Götter hatten Recht....für sie gab es nur die Schatten. Vorsichtig legte sie den Stein in die Schublade zurück und nahm die Rumflasche die daneben lag. Heiß brannte das Gesöff ihre Kehle hinab und für einen kurzen Moment schien es den Schmerz in ihrer Brust zu vertreiben. "Wir sind für dich da!" hauchte ein Stimme. Lächelnd nickte Dimiona. Mit Hilfe des Sterns der Finsternis würde die Welt ein Stück mehr dem Schatten gehören und eines Tages würde die Finsternis alles Leben auf Azeroth vernichten....ganz genau wie es die Götter wollten. Dann würde auch sie endlich Frieden finden.
Die Tür ging auf und eine wankende Khelpertocs betrat den Raum. „Mein Nachtschatten, ich will dich in unserem Bett haben," lallte, die nur mit Unterwäsche bekleidete, schöne Nekromantin. Dimiona lächelte und zog die halb nackte Frau an sich. In der Beziehung der Töchter der Nacht gab es keinen Platz für Schwäche, für Verzweiflung oder dergleichen. Es gab die Extase und den gemeinsamen Wunsch die Welt in ewige Finsternis zu stürzen. Als Rache für das was man ihnen angetan hatte..... und mehr brauchte Dimiona in diesem Moment nicht.

Als das Stöhnen und Keuchen der beiden Frauen beim Liebesspiel den Raum erfüllte schwebte Darion wieder zurück in den Burghof. Er wusste diese traurige Geschichte war noch lange nicht am Ende und für einen Moment war er froh darüber keine Tränen mehr vergießen zu können.

Benutzeravatar
Dimiona
Beiträge: 21
Registriert: So 7. Apr 2019, 14:01

Drama? Tragödie? Komödie? Wer weiß?

Beitrag von Dimiona » Fr 28. Mai 2021, 08:56

Langsam legte sich die Dunkelheit über die Pestländer und der letzte Schein der rotglühenden Sonne wich der Dunkelheit. Wie die schwarzen Fangzähne eines Raubtieres zeichneten sich die schattenhaften Umrisse der Darrowehr im Licht der untergehenden Sonne ab. Doch während andernorts sich die Lebenden zur Ruhe betteten und ihre Türen schlossen, schien an der Scholomance zu jener Stunde das Leben erst zu erwachen.
Das Leben? Nein, dies regte sich schon lange nicht mehr in Darion. Als unsichtbarer körperloser Schemen, gefangen zwischen der Welt der Lebenden und dem Jenseits, gebunden an die Scholomance und die Insel im See, durchstreifte der einstige Schriftsteller das Herrschaftstum der Töchter der Nacht. Längst hatte er sich mit seinem Dasein abgefunden, als körperloses Wesen hier für alle Zeit die Geschehnisse zu beobachten. Zeit hatte schon lange jegliche Bedeutung für ihn verloren und doch war es zu seiner Leidenschaft geworden die Entwicklungen und Veränderungen jener zu verfolgen die hier lebten. Er kannte jeden Bewohner, kannte die Geheimnisse und heimlichen Machenschaften der Ausgestoßenen die sich hier an diesem Ort der Dunkelheit vor dem Licht verbargen. Wie sein persönliches, nie enden wollendes Bühnenstück erlebte er ihren Aufstieg und Niedergang.
So glitt Darion über den Burghof und betrachtete wehmütig die Stelle wo einst zwei große Statuen standen. Er hatte es immer genossen auf der Nase des einstigen Herzogs zu sitzen, sofern ein Schemen sitzen kann, und den Lebenden bei ihren großen und kleinen Problemchen zuzuschauen. Doch während er sich noch darüber Gedanken machte wurde er abgelenkt. Eine ihm wohl bekannte Gruppe von Studenten war gerade an ihm vorbei gegangen und Darion beschloss ihnen zu folgen. Da war die Trollin Somer gemeinsam mit dem Gnom Vigo und der Tutorin Rebecca.

"Mann ey! Rebegga, jetzt reiß dich mal zusammen. And´re Müdder hab`n auch schöne Söhne!" sagte die Trollin während sie die Studentenbar erreichten.
"Ich kann ihm nicht mehr unter die Augen treten seit ich oben bei den Kristallen eingeschlafen bin, daran ändern auch die vielen Wochen die vergangen sind nichts," erwiderte die junge Nekromantin.
Darion wusste natürlich von wem die sprachen. Dem Ritter der Dunkelmeisterin, Agravaine von Streizig. Einer der wenigen hier die so etwas wie Ehre und vielleicht auch einen Hauch von Edelmut besaßen. Es war noch nicht lange her das er seine Frau Lydia hier her gebracht hatte. Darion hatte gesehen wie sehr ihm die letzten Wochen und Monate zugesetzt hatten. Die Krankheit seiner Herrin hatte ihn mitgenommen. Der Fall von Rivast Baar bereitete ihm schlaflose Nächte und da war noch etwas..... Hätte Darion kichern können, er hätte es getan. Die Darrowehr hatte eine neue Bewohnerin. Eladarne Durant, die Halbschwester der Dunkelmeisterin. Eingekerkert in den dunklen Kellern der Darrowehr.....obwohl Kerker ist das falsche Wort. Die Halbschwester der Dunkelmeisterin genoss dort mehr Annehmlichkeiten als manche Studenten. Sie wurde umsorgt und mangelte ihr, mal abgesehen von der Freiheit ihr neues Zuhause zu verlassen, an nichts. Das war wichtig, war ihr Leben doch an das von Khelperetocs geknüpft worden so das diese einen Teil ihrer nekrotischen Krankheit auf sie übertrug und die Dunkelmeisterin von Eladarnes Lebenskraft zehrte. Jeden Tag konnten aufmerksame Beobachter wie Darion es war den Meister des Schildes sehen wie er zu ihr hinab stieg um sich zu vergewissern das Ela, wie er sie bereits nannte, bei bester Gesundheit war. Ob aus Sorge und Angst seine Herrin wieder zu verlieren.... aus Selbstgeißelung das er sich seinem Glauben abgewandt und in jener dunklen Stunde sogar zu den Schatten gebetet hatte.... oder weil er einfach Anstand besaß, mittlerweile war es ein fester Bestandteil von Agravaines Alltag. "Armer Meister des Schildes," dachte Darion bei sich. Eladarne stellte es geschickt an sich mit dem Ritter anzufreunden, glich sie doch Khelperetocs wie ein Zwilling. Sie spielte ein gefährliches Spiel, denn der Schemen wusste das sie Agravaine soweit auf ihre Seite ziehen wollte das er ihr den Schlüssel zur Freiheit und somit zu ihrer Rache gab. Wie sehr sie Darion doch daran erinnerte als Khelperetocs sich einst Ignaz´ Gunst erschlich um ihn dann zu stürzen.

"Hochwürden war heute ja nicht allein! Mir sind fast die Augen rausgekullert wie sie dieser neuen Elfe einen Ehrenplatz bei der Messe zuwies! Wirklich ein Hingucker diese Lyneda!" erzählte Vigo während er sein Bier abstellte und mit den Händen eine eindeutige Geste vor der Brust machte.

Auch Lyneda war seit krzem an die Darrowehr gekommen. Darion hatte beobachtet wie sie den Töchtern der Nacht vom Fall Rivast Baars erzählte und den Aufständen in Andorhal. Seither war sie Gast an der Scholomance. Als einstige Freundin von Tavina war es kaum überraschend das Dimiona sie sofort in die Schattenkirche einbinden wollte. Darion wusste noch zu wenig über sie und doch fragte er sich bereits welche Rolle sie im Spiel der Macht hier einnehmen würde. Sie schien ein feines Wesen zu besitzen, doch wandelte diese Elfe schon so lange auf Azeroth das es bestimmt viele Geheimnisse geben musste die diese Schönheit mit sich herum trug. Und Darion würde begierig darauf sein ein jedes zu erfahren.

"Hast du überhaupt bis über ihre Knie gesehen?" fragte die hübsche Faelor die mit einer Gruppe von Studenten an den Tisch getreten war.
Die Schulsprecherin der Studenten war wie immer arrogant und herablassend. Selbst Darion viel es schwer ihrer Schönheit zu widerstehen, doch wie jeder hier barg auch sie ein Geheimnis. Darion genoss das Wortgefecht das nun zwischen den beiden Gruppen entbrannte. Wie gerne hätte er Somer zugeflüstert das Faelor eine Diebin war, doch er wusste das er sich die Mühe sparen konnte. Genau so hätte die Sonne versuchen können den Boden zu wässern. Er wusste auf was Faelor gestoßen war als sie die Geschichtsbücher der Darrowehr durchforstete. Dieses unscheinbare Notizbuch konnte großen Schaden anrichten und Faelor verfolgte damit nur ein Ziel.

"GENUG!" ertönte die schneidende Stimme von Professor Argneta Zeferon im Raum. Die steife und strenge Lehrmeisterin für Bannung scheuchte die Studenten auseinander und eine Strafpredigt folgte. Dies war für Darion die Zeit zu verschwinden. Argnetas Magie war alles andere als angenehm für ihn.
So huschte er über das Gelände, vorbei am Haus am See das seit Tagen nur von Irkbrecht bewohnt war. Kormek und Tavina waren auf Reisen. Darion schien es, als wäre die Darrowehr noch ein Stückchen dunkler wenn die beiden nicht da waren. Das laute Lachen von Kormek, das selbst in der dunkelsten Stunde Khelperetocs aufheitern konnte. Die sanfte Tavina, die Dimiona immer wieder daran erinnerte das sie nicht nur Werkzeuge der Götter waren. "Keine Tavimaus," wimmerte der Oger der im Gaten saß und die Badewanne gerade umdrehte. „Vor allem wegen dem Oger sollten die beiden schnell zurück kehren,“ ging es Darion durch den Kopf. Ob die beiden wohl wussten das sie das Herz der Darrowehr waren? Das ohne sie dieses gefährliche Machtgeflecht ganz schnell allen hier um die Ohren fliegen könnte? Darion bezweifelte das.
Der Schemen schwebte durch Wände, vorbei an Professor Phenas, der völlig ohne Studenten eine Vorlesung hielt. Durch Hilarius´ Folterkammer, die er natürlich "nur zur Anschauung“ für die Studenten einrichten hatte lassen. Durch Reds Küche die dort angetrunken mit Ernst und Duborius Karten spielte. Hinauf in die Gemächer der Vivedirektorin.
Elfische Diwane, seidene Vorhänge und rote Kerzen zierten ihre Gemächer in dessen Zentrum ein Badezuber stand in dem nun Darion auftauchte. Thaleriana saß ihm gegenüber und die Fledermaus, die sie "kleiner Graf" nannte, zog ihre Kreise darüber. Sie war in den letzten Monaten zur größten Stütze der Töchter der Nacht geworden. Geschickt streute sie Gerüchte und führte die Schule wenn die Dunkelmeisterin dies nicht konnte....oder wollte. Oft fragte sich der Schemen was ihre Beweggründe dafür waren? War die Scholomance vielleicht das, was einem friedlichen Zuhause für eine Untote am nächsten kam? Trieb sie ein hinterlistiges falsches Spiel? Oder erging es ihr einfach wie ihm und sie wollte einfach nur Unterhalten werden? Er beobachtet wie sie mit dem Schwamm über ihren makellosen Körper strich und plötzlich richteten sich ihre durchbohrenden Augen genau auf ihn. War es möglich? Hatte sie ihn etwa wahrgenommen? Nein! Das würde jeglicher Logik widersprechen und doch fühlte er sich plötzlich wie ein lüsterner Spanner. Er verließ das Gemach auf schnellstem Wege durch die Wand.

Er glitt durch dunkle Gänge als ein leises Weinen seine Aufmerksamkeit erregte. Neugierig glitt er näher heran. "Sie sind grausam.....niemals wird sie mich um meiner selbst willen haben wollen," flüsterte Morwen mit erstickter Stimme unter Tränen zu Estre. Das Dienstmädchen streichelte die Elfe über die Schulter und flüsterte ihr beruhigende Worte zu. "Manchmal wünschte ich..." doch die Tränen ließen Morwen nicht weiter sprechen. Mitleid stieg in Darion auf als er die beiden auf diesen kalten Stufen sitzen sah. Es war das Leid solcher das die Darrowehr zu dem machte was es war.... ein Bollwerk der Finsternis. Sie würden niemals Dankbarkeit erfahren oder gerechten Lohn, denn für so etwas gab es keinen Platz. Beide wussten das ihnen nur der Dienst im Leben blieb, denn ansonsten erwartete sie der Dienst im Untod. Die Frage blieb nur ob sie sich jemals darin fügen würden oder daran zu Grunde gingen. Jedes Theaterstück brauchte eine tragische Figur und genau so war es auch hier. Er wusste wie sehr Morwen sich ein wenig Liebe und Anerkennung wünschte, sich nach dem Gefühl sehnte dazuzugehören. Er kannte den Wunsch Estres aus freien Stücken dienen zu dürfen, ohne das Artefakt um ihren Hals. Doch er wusste auch das an der Darrowehr nur die Wünsche jener wahr wurden die die Macht besaßen sich zu nehmen was sie wollten. So glitt er weiter durch Decken und Mauern bis er ganz oben, im Gemach der Töchter der Nacht ankam.

Khelperetocs stand am Fenster, Hand in Hand mit ihrer Liebsten Dimiona. "Mach dir keine Gedanken, mein Nachtschatten. Schlussendlich bekommen wir was wir wollen," flüsterte die schwarzhaarige Schönheit.
"Schlussendlich nehmen wir uns was uns zusteht!" erwiderte die blonde Frau mit diesem Funkeln in ihren Blauen Augen. "Wir sind zusammen und nur das zählt!" Sie küssten sich innig, für den Moment frei von all ihren Ängsten, Zerwürfnissen und Lastern. Darion wusste, dass es nicht lange dauern würde bis sie von ihren eigenen geschaffenen Abgründen wieder eingeholt werden würden. Doch für den Moment schienen die Töchter der Nacht glücklich. Etwas was ihnen nur selten vergönnt war. Noch vor wenigen Wochen war Khelperetocs dem Tode näher als dem Leben und Dimiona verfiel schier dem Wahnsinn. Selbst solch finsteren Wesen wie diese Frauen sollte etwas Glück und Ruhe vergönnt sein.
Zeit hatte für Darion keine Bedeutung und wenn er eines wusste, dann das jene die Macht besaßen immer nach mehr Macht strebten. Er brauchte nur abzuwarten, denn schon bald würde die nächste Welle der Ereignisse heranrollen und er war jetzt bereits gespannt ob die Darrowehr und ihre Bewohner daran zerschellen würden oder wie schon so oft dem lauf der Veränderung standhalten würden.
Schmunzelnd „setze“ sich auf den großen Schrank und sah abwartend den beiden Frauen zu, die bereits damit begannen sich gegenseitig zu entkleiden.

Antworten