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Der Schild Azeroths

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Dämmerflucht
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Registriert: So 25. Apr 2021, 10:25

Der Schild Azeroths

Beitrag von Dämmerflucht »

Hallo zusammen

Diese Geschichte ist eine Fortsetzung der RP-Geschichten der Todeswache und soll einen reinen Unterhaltungswert haben. Es besteht kein Zusammenhang zu aktuellen Ingame-RP noch soll dieser hergestellt werden. Nach Möglichkeit werde ich jede Woche ein Kapitel hinzufügen. Versprechen kann ich das aber nicht ;)

Der Schild Azeroths

Teil 1 - Eine Vision


Sulima stand der Mund offen. Dieses Gefühl des Versagens wich aus ihr und wurde durch ein neues ersetzt. Ein inneres Feuer entzündete sich in ihr. War das Bewunderung?
Renar blickte sie nicht an. Vollkommen fokussiert blickte der Leerenelf zu den näherkommenden Feinden. „ Erholt euch erstmal. Wir kümmern uns schon darum.“, sprach er mit einer so ruhigen und weichen Stimme, dass Sulima ihm aus tiefstem Herzen glauben musste. Dann verschwand Renar in einem kurzen violetten Lichtblitz und tauchte in eben genau so einen Lichtblitz neben der Dämonenjägerin auf. Ralerias Mund formte sich zu einem zufriedenen Lächeln: „ Schön das du auch endlich mal mitmachst.“ Renar lächelte knapp: „ Dein Vater bringt mich um, wenn dir was passiert.“
Raleria schmunzelte und sie hob ihre Kriegsgleven. Die Klingen begannen grün zu leuchten. Renars Körper wurde von Schatten überzogen, wie eine neue Haut und die Langdolche in seinen Händen brannten immer noch in den violetten Flammen. Die Drust schlossen den Kreis um die kleine Gruppe und die beiden Elfen stürmten auf sie zu, als wüssten sie genau, dass sie zu zweit diesen Kampf entscheiden würden.
Sulima hockte weiter auf den Boden und ihr Herz raste.



Alte und neue Herausforderungen

Der Wind wehte über das hohe Gras. Unaufhaltsam drückte er die saftig grünen Halme beiseite und drang weiter vor in Richtung Halbhügel. Er schlängelte sich durch den verwitterten Holzaun und stieg leicht empor zum Kirschbaum, welcher mit seinen weißen Blüten in voller Pracht blühte. Chancenlos ergaben sich einige der Blüten und ließen sich vom Wind hinaus auf den Acker tragen. Sie flogen unmittelbar vor Renars Nase vorbei und nahmen dem Blutelf für den Augenblick einer Sekunde die Sicht. Im gleichen Augenblick zischte die Faust heran. Sie wirbelte die Blüten durcheinander und traf, so unaufhaltsam wie der Wind, das Gesicht des Blutelf. Renar stolperte nach hinten und landete auf seinem Hintern. Ein kleiner Tropfen Blut rann aus seiner Nase heraus.
„ Das war Glück.“, sagt er und wischte sich mit dem Handrücken das Blut weg. Ascas verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte. Der Blutelf blickte mit seinem einen verbliebenen Auge auf Renar herab: „ Du hast die Lektion immer noch nicht verstanden, oder? Selbst nach einem Jahr noch nicht.“ Dann reichte er Renar die Hand und half dem wesentlich jüngeren Blutelfen wieder auf die Beine. Renar verzog fast schmollend den Mund. Ascas schloss das ihm verbliebende Auge. „ Du bist einer der intelligentesten Elfen, welcher mir je begegnet ist und ein brillanter Stratege. Aber du musst akzeptieren, dass ein Kampf nicht eine bloße Rechenaufgabe ist.“ , betete der Mönch zum wiederholten Male seine Lektion runter. Renar schaute fast schon genervt zur Seite: „ Wille und Emotionen sind ein entscheidender Faktor…“ Ascas nickte zustimmend. Er wusste dass diese Dinge für Renar schwer zu verstehen waren. Doch sie hatten den Jungen schon einmal eine fast tödliche Niederlage beschert , damals im Grabmal des Sargeras. Und auch nach fast einem Jahr Ausbildung unter der Aufsicht des erfahrenen Mönchs, hatte Renar immer noch Schwierigkeiten damit, zu verstehen, warum diese Dinge so wichtig waren auf dem Schlachtfeld.
Der ältere Mönch tippte seinem jungen Schüler auf die Stirn: „ Wenn dein Gegner weiß, dass du ihn ausrechnest, dann hat er die Möglichkeit in deinen Kopf einzudringen. Ein erfahrener Gegner findet immer eine Möglichkeit die Formel in deinem Kopf durcheinander zu bringen. Er weiß, dass wenn er nur eine winzige Variable ändert, er dich mit absoluter Sicherheit aus dem Konzept wirft. Einen Kampf verliert man immer zu aller erst im Kopf.“ Renar antwortete nicht. Es war offensichtlich, dass der Junge für heute genug hatte. Ascas klopfte ihm auf die Schulter: „ Lass uns was trinken gehen.“

*

Zwei Fäden aus hellem grünen Licht steuerten direkt aufeinander zu, wie zwei Wasserrinnsale die sich entgegen kamen. Als sie aufeinandertrafen verschmolzen sie zu einer Kugel. Ihre Konsistenz war wieder Fest noch flüssig. Sie wirkte wie eine Sonne. Und wie eine solche löste sich auch hier hin und wieder ein kleiner Teil und verflog in der Luft. Die Kugel änderte ihre Gestalt und aus Rundungen wurden Ecken und Kanten. Nun hatte dass Licht die Form eines Würfels mit halbtransparenten Seiten. Er drehte sich, wurde heller und dann wieder dunkler. Dann zog sich der Würfel zusammen. Eine Kraft schien die Kanten mit Gewalt pressen, ihnen eine neue Richtung geben zu wollen. Der Würfel wurde zu einer grünleuchtenden Pyramide.
„ Das reicht für. Genug für heute, Raleria.“, sprach Erendil zufrieden. Die Pyramide aus Teufelsmagie brach zwischen ihren Händen zusammen, als die junge Blutelfe aufsprang. Die Dämonenjägerin streckte sich und dehnt ein wenig ihre Muskeln. Erendil betrachtete seine Nichte. Sie war stark geworden diesem Jahr seit dem Grabmal des Sargeras. Die Beherrschungsübungen waren für sie am Anfang immer sehr ermüdend gewesen. Doch jetzt schien sie noch lange damit weiter machennzu können.
Raleria drehte sich zu ihm um: „ Hast du etwas von Papa gehört?“ Erendil lächelte leicht: „ Willst du wissen wie es ihm geht oder interessierst du dich mehr für seinen Schüler?“ Raleria entgiften kurz ihre Gesichtszüge. Ja, sie war stärker geworden und reifer. Doch irgendwo war sie immer noch eine sehr junge Frau und das empfand Erendil als sehr beruhigend. „ Ich bin mir sicher, dass es beiden gut geht.“, gab er dann beruhigend von sich. Raleria schien sich auch direkt wieder um Unauffälligkeit zu bemühen.
Sie schlenderte zu ihren Kriegsgleven, welche mit einer Klinge jeweils senkrecht im Boden steckten. Ihre Hand schloss sich um den Griff einer der beiden Doppelklingen, als sie inne hielt. Erendil wartete einen Augenblick, dann fragte er: „ Was ist mit dir?“ Raleria betrachtete nachdenklich die Waffe: „ Ich trainiere um die Personen, die mir etwas bedeuten, beschützen zu können. Doch es scheint nicht so, als wäre das überhaupt noch notwendig.“ Erendil schwieg einen Moment. Seine Nichte hatte nicht ganz Unrecht. Seit vor ein paar Monaten die letzten Kämpfer aus Argus zurückgekehrt waren, war es still geworden in der Welt. Sicher hatte Sargeras mit seinem letzten Schlag Azeroth eine erhebliche Wunde zugefügt, aber mit der Brennenden Legion war ein übermächtigen Feind fast vollständig bezwungen worden. Für die junge Generation schien dieser Frieden wahrscheinlich unendlich.
Erendil schritt an die Seite seiner Nichte und packte nun ebenfalls eine der Zwillingsklingen: „ Du bist jung und es liegen noch viele Jahre vor dir. Ich wünsche mir, dass du sie in Frieden verbringen kannst. Doch lass dir gesagt sein...“ Der Hexenmeister zog die Klinge aus dem Boden und ihre scharfen Kanten begannen fein grün zu leuchten. „ Der Krieg kommt immer wieder. Und nur jene, die ihn vorbereitet entgegentreten, können ihre Liebsten beschützen.“
Nun zog auch Raleria die Gleve aus dem Boden. Sie konzentrierte sich und auch bei ihr begann die feine scharfe Schneide grün an zu leuchten. Entschlossen nickte sie ihrem Onkel zu.

*

Eine fast unberührte Welt. Still und langsam drehte sie sich begleitet von ihren Monden. Gewärmt von einer Sonne. Die Heimat großer Helden hieß es. Doch wie konnten sie sich Helden nennen, wo ihre Welt doch so unberührt war. Sicher hatte sie eine Wunde erlitten, doch war dies nichts im Vergleich zu Argus. Nichts zu dem, was ihr Volk geopfert hatte. Sulimas goldene leuchtenden Augen waren zu Schlitzen verengt. Mit verschränkten Armen beobachtete die Priesterin dieses Azeroth von der Vindekaar aus. Eine Ewigkeit über hatte ihr Volk als Armee des Lichts gegen die Brennende Legion gekämpft. Sie wurden vom Licht erwählt und hatten unfassbare Opfer erbracht. Und dann kamen diese Helden und schafften in wenigen Monaten, was die Armee des Lichts über Jahrtausende nicht vermochte.
Viele hier auf dem Schiff schienen darüber froh. Doch Sulima ärgerte es. Azeroth erschien ihr wie eine Verspottung ihres Volkes und dessen Opfer. Doch was die Priesterin am meisten ärgerte, war die Tatsache, dass man sie um ihr eigenes Schicksal gebracht hatte. Sie war jung und grade bereit gewesen für den Krieg , als Azeroth am Himmel erschien. Sie hatte alles gegeben, um in die Fußstapfen ihrer Vorfahren zu treten und ihr Leben dem Licht zu opfern. Doch nun war dieser Krieg vorbei. Seit fast einem Jahr war sie auf diesem Schiff und kreisten um diese friedliche Welt. Sie vermochte keinen Fuß darauf zu setzen. Zu sehr ärgerte sie der Verlust ihres eigenen Schicksals.
Die eiligen Schritte einer Wache rissen Sulima aus ihren Gedanken. Es schien, als käme hektische Bewegung in die Besatzung der Vindekaar. Sie packte schnell die Wache am Arm und brachte sie ungestüm zum Stehen. „ Was ist los?“, fragte sie mit leicht fordernder Stimme. Die Wache blickte sie nicht erbost an und antwortete eher besorgt: „ Hochexarch Turalyon ist zurückgekehrt. Etwas ist da unten schief gelaufen…eine diplomatische Mission. Er sagt, es könne bald Krieg geben.“
Schlagartig ließ Sulima den Arm der Wache los, welche weiter eilte. Es könnte Krieg geben? Die Stimmung der Priesterin besserte sich augenblicklich. Scheinbar war diese Welt doch kein gelobtes Land. Vielleicht konnten die Lichtgebundenen doch noch ihren Wert für das Universum retten. Vielleicht hatte Sulima doch noch eine Chance auf ihr eigenes Schicksal.

*

Der Adler streckte seine Flügel aus und begrüßte den Wind. Er schwang sich hinab von der Klippe und fiel dem Boden mit steigender Geschwindigkeit entgegen. Eine farbenfrohe Graslandschaft näherte sich ihm unaufhaltsam. Einzig ein mit Unkraut übersäte Steinstraße durchschnitt die Natur. Erst kurz über dem Boden änderte der Adler die Haltung seiner Flügel und der Wind verhinderte den Aufschlag. Keinen Meter über dem Boden glitt der große Vogel und huschte unter einer alten Steinbrüche durch, hinweg über kleinere Hügel hinaus in den Himmel über der Stadt. Der ein oder anderen Turmspitze ausreichend erreichte er die Bucht und nahm die Abkürzung über das Wasser direkt zur Nachtfestung. Der frische Wind hier in der Bucht von Suramar ließ ihn weiter empor steigen und so passierte er die gigantischen Türme der Festung und 8hren zahlreichen Balkonen. Er flog hinaus aufs Meer in völliger Freiheit.
Freiheit? Idris wusste nicht, wie sich diese anfühlte. Und so blickte die Nachtgeborene dem Adler nachdenklich hinterher. Sie war viel zu jung, um sich an die Zeit vor der Verhüllung Suramars zu erinnern. Kaum ein Menschenleben hatte sie erst hinter sich. Sie war in dieser Stadt geboren, als Tochter einer hohen Magistratfamilie. Sie hatte eine gute Ausbildung in den Arkanenkünaten erhalten und Feste gefeiert, hier in dem gehobenen Teil der Stadt. Doch war es ihr verboten gewesen, sich mit dem einfachen Volk zu treffen. „ So etwas gebührt unserem Stand nicht.“, hatte ihr Großvater, der Sterndeuter Etraeus immer gesagt. Und so war sie gefangen gewesen in diesem goldenen Käfig in der Bucht von Suramar.
Über ein Jahr war es nun her, dass die Großmagistrix und damit auch ihre Familie entmachtet worden waren. Ihr Großvater wurde im Planetarium der Festung erschlagen. Und als die neue Herrscherin ihr Amt antrat, beugten Idris Eltern das Knie. Idris wurde als Zeichen der Versöhnung als Dienerin dem neuen Herrschern angeboten. Und so musste Idris in der Nachtfestung verweilen, während ihre Eltern in die äußeren Teile der Stadt flüchteten.
Hier diente sie dem Magister Oculeth und es war ihr auch gestattet die Festung zeitweise zu verlassen. Doch wo sie auch hinging, war sie die Tochter von Tyrannen. Das Blut jener, welche bereit waren, ihr eigenes Volk zu verraten und zu ermorden. Sie war nun eine Gefangene der Taten ihrer Vorfahren.
Sehnsüchtig blickte sie dem Adler hinterher, welcher in diese große weite Welt hinaus flog, mit welcher Suramar nun wieder verbunden war. Als er nicht mehr zu sehen war, wendete sie sich ab und blickte auf ihre Koffer. Eine diplomatische Reise nach Silbermünzen zu den Blutelfen…was nach Freiheit klang, war nur Trug. Sie würde vorgeführt werden als die Unterworfene. Als Zeichen der Macht Suramars in diesen Koalitionsverhandlungen, da war sich Idris sicher.

*

Der Wind peitschte das Meer an. Die Wellen wurden höher und höher und so manches Schiff knackte bedrohlich laut, als es zwischen den Wellen und der Kaimauer gepresst wurde. Es war wahrlich kein gutes Omen um da raus zu fahren. Aber es blieb keine andere Wahl. Die rauen Hände arbeiteten schneller. Regen setzte ein. Harte Tropfen prasselten unnachgiebig auf das Schiff. Noch so ein schlechtes Omen. Doch alles war besser, als sich dieses Teufelszeug an Bord zu holen. Azerit war alles, aber keine gute Fracht. Das hatte die Explosion am Morgen eindrucksvoll bewiesen. Die Rote Göttin war nur noch zersplittertes Holz auf dem Meeresgrund.
Die nasse Kälte erschwerte die Arbeit mit dem Tau. Nur mühsam ließ sich das erste entwirren. „ Wo willst du denn hin, Rodrik?“, fragte eine raue Stimme du die Windböen hindurch. Rodrik fuhr fluchend herum , wobei Wassertropfen aus seinem Beckenbauer spritze, wie bei einem nassen Handtuch, das man schleudert. Leise fluchte er in sich hinein. Ohne dieses Wetter wäre er schon längst weg gewesen. Zwei Männer traten auf ihn zu in ihren Rüstungen und mit der Hand am Waffengurt. Auf ihrer Brust das Wappen des Hauses Aschenwind.
„ Deine Lächelnde Jungfrau ist ja noch gar nicht beladen.“, sprach der Mann wieder und beide kamen näher auf Rodrik zu. Der Mensch richtete sich zu voller Größe auf und antwortete: „ und so wird es auch bleiben, dass könnt ihr gerne eurer Pricilla sagen.“ Die Männer hielten sofort an und zogen ihre Schwerter: „ Verspottest du unsere Lady?“ Rodrik seufzte innerlich. Er wollte heimlich verschwinden, doch nun war eh alles egal. Er öffnete die Schnallen seiner mitgenommen Ledermantels und kurz blitzten die Griffe seiner eigenen Waffen auf. Die zwei Wachen tauschten einen kurzen Blick aus. Rodrik lächelte: „ Nun, wenn ihr mich fragt ist an ihren breiten Hüften ja genug dran, was man verspotten kann.“ Mit einem Wutachrei stürmten die Wachen auf ihn zu.

*

Die Wüste von Vol’dun war still und friedlich. „ Hier oben, ihr Eier fressenden Schlitzaugen!“ , schrieb Rokat von seinem Felsen hinab in das Sethraklager. Die Schlangenwesen blickten überrascht und verwundert zu dem kleinen Vulpera, welcher nun seine kleine Zunge rausstreckte, sich umdrehte und mit seinem Hintern wackelte. „ Ihr könnt mich mal an meinem buschigen Schwanz kraulen!“
Wütend zischten die Sethrak, packten ihre Waffen und kamen auf seinen Felsen zu. Der Vulpera grinste finster. Er zückte seine Steinschleuder und schoss einen Stein im hohen Bogen in eine völlig andere Richtung, als die der gefährlichen Sethrak. Verwundert hielten diese an. Irgendwo in der Schlucht krachte Steine. Rokat grinste zu frieden. Er drehte sich wieder zu den Schlangenwesen, welche sich nach der kurzen Pause wieder auf der Suche nach einem Aufstieg machten. Rokat schritt bis an die Kante und blickte auf über ein dutzend bewaffnete Feinde. Die Erde begann leicht zu vibrieren. „ Heute schon ein Alpaka gestreichelt?“, fragte er ruhig. Die Sethrak blickten in die Schlucht. Dort näherte sich, begleitet von einer riesigen Staubwolke, eine Herde ausgewachsener Alpaka. Entsetzt ließen die Sethrak ihre Waffen fallen und begannen ihre hoffnungslose Flucht.
Rokat wendete sich von dem Geschehen ab und machte sich auf den Rückweg zu seiner Karawane. Sicherlich würde er wieder richtig Ärger kriegen. Er bekam immer Ärger, wenn er einen seiner Pläne in die Tat umsetzte. Aber was sollte er machen, sie Funktionen halt. „ Wir beginnen keinen Kampf. Wir bleiben im Verborgenen.“, so würden sie wieder auf in ein brüllen. Doch Rokat war es leid. Immer schon waren die Vulpera die Opfer. Sie zogen von einem Versteck zum nächsten und doch spürten diese Sethrak immer wieder ihre Karawanen auf und nahmen die hilflosen Vulpera gefangen. Rokat hatte schon viele seiner Freunde in Gefangenschaft gehen sehen. Es war nicht richtig, das einfach so zu akzeptieren. Es war Zeit für Krieg!
Dämmerflucht
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Re: Der Schild Azeroths

Beitrag von Dämmerflucht »

Nobelgarten

Langsam leerte sich das Gasthaus von Halbhügel und es wurde ruhig im Schankraum. Ascas und Renar saßen an einem der Tische. Vor dem Mönch standen drei leere Bierkrüge, vor seinem jungen Schützling ein halbleeres Wasserglas. Renar war den ganzen Abend über still gewesen, was jetzt nicht unbedingt ungewöhnlich war. Doch heute wirkte er auf den Mönch extrem verschlossen. Grade wollte Ascas zu einer Frage ansetzen, als ihm dann doch junge Blutelf zuvor kam: „ Macht mein Training überhaupt Sinn?“ Acsas konnte nicht direkt antworten, denn es lag eine unausgespeochene Wahrheit in dieser Frage. Natürlich hatten sich Renars Kampffähigkeiten verbessert. Doch das war kaum notwendig. Wichtig war es seinen Geist zu erweitern und da waren sie bisher gnadenlos gescheitert. Zumindest fast. Da gab es etwas, was Ascas mit der Zeit aufgefallen war.
„ Sag mal, Kleiner, was ist deine Vision für die Zukunft?“, fragte der Mönch bevor die Pause zu unangenehm wurde. Renar blickte überrascht und fragend auf: „ Was meint ihr?“ Ascas lehnte sich zurück und kippelte mit seinem Stuhl: „ Wenn man trainiert oder hinaus in die Schlacht zieht, dann steckt dahinter immer ein Vision. Eine Vorstellung der Zukunft , die man mit aller Macht, mit Leib und Leben erreichen will.“ Renar blieb stumm und der Mönch sah, dass er einen Wundenpunkt erwischt hatte. Renars bisherige Abenteuer hatten fast ausschließlich einen einzigen Grund gehabt: Befehle. Und selbst wenn seine Taten darüber hinaus gegangen waren, so waren sie kaum für eine Zukunft gedacht, sondern nur für ein gegenwärtiges Problem. Renar schien gefesselt in seinem Gedanken, sich wohl auch selbst dieser Tatsache bewusst werdend. Schließlich antwortete er matt: „ Ich glaube nicht, dass ich eine wirkliche Vorstellung von einer Zukunft habe.“ Ascas lächelte herausfordernd: „ Wirklich nicht? Wenn meine Tochter in der Nähe ist, dann wirkt das aber anders.“
Renar stand nun der Mund offen und der Mönch musste innerlich laut lachen. Jedes Mal, wenn Raleria zu Besuch gewesen war, wirkte Renar offener. In ihrer Gegenwart fühlte er sich scheinbar sicherer. Wahrscheinlich war ihre sehr ähnliche Geschichte ein Grund dafür. Renar schien nun ziemlich neben den Spur zu sein und der Mönch erstarrte es ihm, seine Möglichkeiten zu berechnen, wie er dieser Situation entkommen könnte: „ Bevor wir mit deinem Training weitermachen, verlange ich von dir eine Auszeit. Du wirst Raleria kontaktieren und ihr werdet bei was zusammen unternehmen.“ In Renars Augen konnte man förmlich sehen, wie die bereits durchgeführten Berechnungen in sich zusammenbrechen. „ Was soll ich denn mit ihr unternehmen?“, fragte er schließlich, als er wohl auch zu dem Entschluss kam, dass ihm sein Lehrmeister wieder geschlagen hatte. Ascas zuckte mit den Schultern: „ Nächste Woche beginnt das Nobelgartenfest. Trifft euch doch dort und genießt den Beginn des Frühlings.“
Renar ging wieder in sich und innerlich war Ascas hochgespannt, wie sein Schützling nun reagieren würde. Dann nickte der junge Blutelf. Er leerte sein Glas und stand auf. Er verabschiedete sich vom Mönch und verließ das Gasthaus. Ascas streckte sich und legte die Hände hinter den Kopf. Es war sicher nicht normal, dass ein Vater seine eigene Tochter verdoppelte. Aber er konnte sein Mädchen auch nicht auf ewig von den Männern fernhalten. In diesem Fall hatte er aber immerhin die Möglichkeit den Mann ins Gesicht zu schlagen, falls was schief laufen sollte.

*

Raleria blinzelte ungläubig und lass den Brief dann nochmal. Wie hart hatte ihr Vater Renar im Training wohl am Kopf erwischt? Sie legte den Brief beiseite und lehnte sich im feuchten Gras zurück. Eine Einladung zum Nobelgartenfest in Silbermond? Das sah ihm gar nicht ähnlich. Ralerias Gedanken schweiften zurück zum Grabmal des Sargeras und zum ersten Treffen der beiden dort, wenn man es so nennen wollte. Kurz waren sie sich über den Weg gelaufen. Sofort sah sie in seinen Augen etwas Vertrautes: befreiende Erlösung. Auch ihm war dort grade eine Last von der Seele genommen worden. Raleria hatte grade Frieden mit ihrem Onkel geschlossen und Renar mit seinem Adoptivvater.
Raleria erfuhr erst später die ganze Geschichte von ihrem Onkel. Renar war der einzige Überlebende einer Pilgergruppe in der Scherbenwelt gewesen und wurde von einem adeligen Priester adoptiert. Dieser ließ ihn zu einem Agenten ausbilden und nutzte ihn über Jahre hinweg als seinen persönlichen Spion. Erst nach seinem ersten eigenen Kommando auf Draenor erfuhr Renar von den Machenschaften seines neuen Vaters, welcher fast im selben Augenblick ermordet wurde. Renar verfolgte den Mörder, den Bruder seines Adoptivvaters bis ins Grabmal und stellte ihn dort. Allerdings verlor er den Kampf und konnte noch so grade von der Schwelle des Todes zurück geholt werden.
In den letzte Monaten hatte er bei ihrem Vater trainiert. Sie war ihm dort öfters begegnet und Raleria kam nicht umher seine Gesellschaft als sehr angenehm zu empfinden. Seine ruhige und selbstlose Art war einfach anders. Er wollte nicht der Schönste, Klügste oder Stärkste sein. Das hob ihn deutlich von anderen Blutelfenmännern ab. Vielleicht war er ein wenig verklemmt, aber dass würde sie auf dem Fest schon ändern. Raleria stand auf. Es war Zeit herauszufinden, warum sie sich in seiner Nähe so wohl fühlte. Und würde er Blödsinn machen, dann würde ihr Vater ihn im Training vermöbeln.

*

Die Sonne ragte noch kaum über die Baumwipfel des Immersangwaldes und die Vögel sangen noch ihr morgendliches Lied. Renar lehnte am Holzzaun kurz vor dem Stadttor zum Falkenplatz. Erst bei seiner Ankunft hatte er gemerkt, wie lange er schon nicht mehr hier in Quel'Thalas gewesen war. Vielleicht hatte er deshalb dieses seltsame Gefühl. Oder lag das etwa an dem bevorstehenden Treffen mit Raleria. Irgendwie schien sich immer seine Wahrnehmung zu ändern, wenn die Dämonenjägerin in seiner Nähe war. Dazu kam dieses merkwürdig hohe Maß an Respekt, welchen er ihr gegenüber empfand. Fast als wäre er ihrer Anwesenheit unwürdig. Zumindest fand er keine genauere Beschreibung dafür.
Natürlich hatte er sich über ihre Geschichte erkundigt. Stück für Stück hatte er sie ihrem Vater entlockt, wenn dieser Abends sein Bier genoss. Sie war die einzige Dämmerflucht ihrer Generation. Ihr Onkel, Erendil, war dem Bösen verfallen und hatte ihre komplette Familie ausgelöscht, bis auf Ascas und Raleria. Er nahm seine Nichte mit und ließ sie ausbilden. Doch Raleria hatte sich ihm nie wirklich gefügt und spätestens nach ihrer Wandlung zur Dämonenjägerin, kurz vor der letzten Invasion der Brennenden Legion, ergriff sie die Initiative und suchte die Konfrontation mit ihrem Onkel im Grabmal des Sargeras. Nur hatte dieser sich mittlerweile vom Bösen abgewandt und nutzte die Konfrontation, um Raleria noch einmal ein Gespräch mit ihrer verstorbenen Mutter zu ermöglichen. Sie schlossen Frieden miteinander und sie ging sogar bei ihm in die Ausbildung.
Doch viel mehr als ihre Geschichte, war es ihre Art, die Renar faszinierend fand. Normalerweise empfand er Gesellschaft immer als Zwang. Man erwartete, dass er lächelte und sich mit jemanden unterhielt. Raleria aber schien sein natürliches Schweigen zu akzeptieren. Sie versuchte ihn nicht in eine Form zu pressen. Wenn er schwieg, redete sie. Wenn er redete, hörte sie zu. Es war ein einfaches Spiel des gegenseitigen Respekt.
„ Du bist schon da. Ich habe nichts anderes von dir erwartet.“, sagte Raleria und riss Renar aus seinen Gedanken. Er drehte sich zu ihr um und erlitt eine kurze Schockstarre. Das sie ihr Haar mittlerweile kürzer und wilder trug, wusste er. Es ließ sie erwachsener wirken und entsprach eher ihrem Wesen. Doch wo er sie nur in Rüstung kannte, stand sie nun da in einem schwarzen, körperbetonenden Kleid. Wieder überkam ihn das Gefühl der Unwürdigkeit.

*

Raleria und Renar betraten gemeinsam den Falkenplatz. Die Begrüßung der beiden hatte ein wenig gedauert, vor allem bis Renar sich gefangen hatte, und so schoben sich mittlerweile die ersten Sonnenstrahlen über die Stadtmauer und tauchten den mit Blumen geschmückten Platz in ein sanftes Licht. Langsam schlenderten die zwei über den Platz hinweg. „ Wie läuft dein Training?“, fragte Raleria. Renar seufzte leicht: „ Es ist schwierig für mich die Lektionen deines Vaters zu verstehen.“ Raleria schmunzelte und Renar blickte sie verwundert an. „ Mein Vater versteht die Hälfte seiner Lektionen wahrscheinlich selber nicht.“, klärte die Dämonenjägerin ihren Begleiter auf. Allerdings musste sie feststellen, dass ihre Worte nicht zur gewünschten Erheiterung bei Renar beitrugen. Sie legte sanft eine Hand auf seine Schulter: „ Wenn du irgendwie Hilfe brauchst…“ Renar lächelte leicht, wobei er sich selber nicht sicher war, ob ihrer Worte oder ihrer Berührung wegen. Dann begann er ehrlich: „ Ich verstehe seine Worte und ihre Bedeutung. Aber sie widersprechen allem, was mir bisher beigebracht wurde. Es ist alles so neu…“
Raleria musterte kurz sein Gesicht. Sie erkannte, dass er litt und das schmerzte sie selber. „ Weißt du…“, begann sie und deutete über den geschmückten Platz. „ All das hier ist neu für mich. Ein Fest…fröhliche Leute…und das alles auch noch hier in Silbermond. Das alles kenne ich nicht. Aber ich habe mich wirklich auf diesen Tag gefreut. Weil neu heißt nicht dass man vorsichtig sein muss. Manchmal muss man sich einfach drauf einlassen, ohne zu überlegen.“
Renar blickte sie an. Da war sie wieder, ihre unbekümmert Art mit ihm umzugehen. Ihn nicht als kompliziert oder nervig zu betrachten. Sie lächelte ihn an: „ Lass uns heute einfach mal nur neue Dinge ausprobieren, ohne große an die Konsequenzen zu denken.“ Renar war nicht wirklich überzeugt davon, aber er wollte ihr auch nicht widersprechen. „ Und wie beginnen wir das?“, fragte er also zustimmend. Raleria blickte sich kurz um: „ Ich will Eier suchen.“ Renar blinzelte seine Begleiterin an: „ Bitte was?“ Raleria lächelte als ihr Augen wohl fanden, was sie gesucht hatte: „ Na, beim Nobelgattenfest werden doch bunte Eier versteckt. Und wer sie findet , erhält Preise. Ich durfte das noch nie machen.“ Renar wusste ehrlich nicht was er von der Idee halten sollte, doch schon packte Raleria seine Hand: „ Komm!“ Sie zog ihn einfach mit sich und er ließ es zu.

*

Raleria ginste breit und war sichtlich gut gelaunt. Renar hob zweifelnd die Augenbrauen: „ Ich bin mir nicht sicher, ob das erlaubt ist…“ Raleria blickte auf das randvolle Körbchen mit Eiern in ihrer Hand: „ Ich kann ja nichts dafür, wie leicht die Eier zu finden waren.“ Renar kratzte sich an der Schläfe: „ Ich glaube nicht, dass der Veranstalter deine Geistersicht mit eingerechnet hat.“ Die Dämonenjägerin zuckte mit den Schultern: „ Sein Pech.“
Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel als die beiden Blutelfen sich auf den Rückweg zum Falkenplatz machten. Mittlerweile hatten sich mehr und mehr Bewohner des Landes zum Fest hier eingefunden, vor allem Eltern mit ihren Kindern. Es dauerte nicht lange bis Raleria Renar anstupste: „ Siehe mal dort.“ Renar folgte ihrem Blick. Unweit vom Weg stand sein kleines Mädchen und rieb sich schluchzend die Augen. „ Wir sollten ihre Eltern suchen.“, sagt Renar und wollte grade weitergehen. Doch Raleria packte ihn am Arm: „ Oder wir kümmern uns selber darum.“ Wieder zog sie ihn mit sich.
„ Was ist denn los?“, fragte Raleria das Mädchen als sie eintrafen. Das Mädchen schaute hoch zu ihnen: „ Ich kann keine Eier finden. Meine Freunde haben schon so viele…“ Renars und Ralerias Blick fielen auf das leere Körbchen vor den Füßen des Mädchens. Dann blickte sich Raleria um: „ Du suchst an der falschen Stelle. Ich kann dir versichern, dass hier keine Eier sind.“ „ Da wäre ich mir nicht so sicher. Schaut, ich glaube da hinten läuft ein Nobelhase und versteckt grade welche.“, warf Renar plötzlich ein. Sofort schauten Raleria und das Mädchen in die Richtung und dann enttäuscht zu Renar. „ Das war nicht nett…“, sagte Raleria etwas empört. Renar zuckte mit den Schultern: „ Er war da. Sieh doch.“ Der Blutelf deutete auf den Korb des Mädchens welcher plötzlich halb gefüllt war. Schlagartig lächelte das Mädchen und lief Richtung Falkenplatz: „ Mama, Mama! Der Nobelhase war da!“
Zufrieden schaute Renar dem Mädchen hinterher und Raleria wusste nicht was sie sagen sollte, bis ihr Blick auf ihr eigenes Körbchen viel, welches nur noch halb voll war. „ Hast du etwa…?“, knurrte sie ihn an. Renar nickte sachte: „ Einfach was neues getan und nicht an die Konsequenzen gedacht.“ Raleria stockte kurz. Doch dann musste sie lächeln. Sie schlang ihren Arm wieder um seinen und lehnte sich an: „ Dir ist schon klar, dass du mir etwas schuldest für die Eier.“ Renar seufzte kurz: „ Ich hätte es doch durchrechnen sollen…“

*

Es war bereits Nachmittag als Renar und Raleria am Falkenplatz eintrafen. Raleria blickte zur Sonne welche sich langsam wieder der Stadtmauer näherte: „ Schade wie schnell so ein schöner Tag vergeht.“ Renar ertappte sich selbst dabei, dass er gar nicht mehr daran gedacht hatte, dass sie beide nur diesen Tag hatten. Tatsächlich wünschte er sich mehr...mehr von diesen Tagen für die Zukunft. „ Ich glaube, ich weiß es jetzt.“, sprach Raleria ruhig und riss Renar aus seinen Gedanken. „ Was weißt du jetzt?“, fragte er. Raleria blickte ihn an: „ Na, was du mir schuldest.“ Fragend blickte der Blutelf sie an und Raleria lächelte: „ Deine Schuld ist beglichen, wenn wir heute nicht getrennte Wege gehen müssen.“ Renar war verblüfft. Reichten ihre magischen Augen bis in seine Gedanken? „ Und wo sollen wir übernachten?“, fragte er dann doch eher pragmatisch. Raleria zuckte mit den Schultern: „ Mein Elternhaus ist eine Ruine. Also müssen wir wohl zu dir.“
Zu ihm? Renars Gedanken begannen zu rotieren. Er war der legitime Erbe des Hauses Leh’Nister. Sein Adoptivvater hatte vor seinem Tod dafür alles in die Wege geleitet. Und mit dem Tod seines Onkels gab es auch niemanden, der dagegen hätte Einspruch einlegen können. Damit gehörte ich. Auch das Sanktum des Westens. Doch er war selbst nie wieder dorthin zurückgekehrt. Das Sanktum selber war seit mindestens 2 Jahren verlassen. Existierte dieses Anwesen überhaupt noch?
Raleria zupfte an seinem Ärmel: „ Noch jemand da?“ Renar atmete tief durch, dann nickte er: „ Also zu mir. Aber ich fürchte die Speisekammer wird ziemlich leer sein. Wir sollten also noch hier etwas essen.“ Raleria lächelte erleichtert. Sie war sich wohl nicht sicher gewesen, wie seine Antwort ausfallen würde. Aber so kehrten sie noch kurz im Gasthaus ein, bevor sie sich im Licht der Abendsonne auf den Weg hinein in den Immersangwald machten. Fast unbemerkt verließ eine weitere Person im Schatten den Platz.
Der Weg zum Anwesenheit war nicht weit und sehr friedlich, so dass die beiden noch vor Sonnenuntergang die kleine Insel erreichten, auf welcher das Sanktum des Westens lag. Raleria und Renar Schritten über die Holzbrücke, welche auf die Insel führte und langsam in Richtung des Anwesens. Das Grundstück war verwildert. Pflanzen wuchsen wild, wie sie wollten und mehrere Tiere hatten sich hier wohl ein neues Zuhause gesucht. Das Anwesen selber lag dunkel vor ihnen. „ Wie fühlt es sich an, wieder hier zu sein?“, fragte Raleria vorsichtig, als sie die Eingangstür erreichten. Renar blickte sich um und antwortete ehrlich: „ Nicht wie Zuhause.“ Er legte seine Hand an den Türgriff und ein paar Runen leuchteten auf der Tür auf. Mit einem leisen Geräusch löste sich das Schloss und die Tür sprang einen Spalt weit auf. „ Scheint mir aber, als wären wir hier richtig", sagte Raleria sanft und nahm seine Hand.

*

Das Anwesen war verstaubt und verlassen. Tische , Stühle und Schränke waren mit schweren Tüchern abgedeckt gewesen. Während Raleria den Wohnbereich wieder offen legte, machte sich Renar daran im Kamin ein Feuer zu entzünden. Als die Nacht dann herein gebrochen war, hatte es tatsächlich etwas Gemütliches an sich. Raleria hockte sich auf das Sofa und blickte sich um: „ Mir gefällt es hier.“ Renar berührte das auf eine für ihn unbekannte Weise. Dann kam er noch auf eine Idee, welche ihm angemessen erschien. „ Warte kurz hier.“ , sagte er und verschwand in einem der Gänge noch bevor Raleria hätte etwas sagen können. Als er wieder kam hielt er zwei Gläser in der Hand und eine eingestaubte Flasche Wein in der Hand.
Ein fruchtiger Geruch erfüllte den Raum, als die Flasche geöffnet war und Renar die Gläser gefüllt hatte. Er reichte eines Raleria und setzte sich dann zu ihr aufs Sofa. Raleria nahm einen Schluck, er selber aber zögerte. „ Was ist los?“, fragte sie. Renar musste schmunzeln: „ Ich habe noch nie Wein getrunken. Eigentlich habe ich das alles heute so noch nie erlebt.“ Raleria betrachtete ihn neugierig: „ Und wie fühlt sich das alles für dich an?“ Renar nahm tatsächlich einen Schluck aus seinem Glas und blickte dann ins Kaminfeuer: „ So, als wollte ich mehr davon. Als wollte ich mehr dieser Tage. Als wollte ich dies alles für meine Zukunft..." Er hielt kurz inne, ließ den Geschmack eines zweiten Schluck Weins sich entfalten, dann fügte er an: „ Als wollte ich dich für meine Zukunft.“ Raleria stellte ihr Glas auf den Tisch, rückte näher an Renar und legte ihre Hände auf seine Wangen. Dann küsste sie ihn.
Es klopfte hart an der Tür. Raleria und Renar schauten erschrocken auf. Renar stand auf und schritt vorsichtig zur Tür. Wer wusste, dass jemand hier war? Er öffnete die Tür und stand einer Wache aus Silbermond gegenüber. Diese drückte ihm einen Briefumschlag in die Hand und zog dann wortlos ab. Irritiert schloss Renar die Tür und Raleria kam zu ihm: „ Von wem kommt der?“ Renar musterte das Siegel und seine Augen weiteren sich: „ Von den Blutfalken.“ Raleria verzog die Augenbrauen: „ Sind die nicht aufgelöst worden?“ Renar schüttelte den Kopf: „ Scheinbar nicht“
Die Blutfalken waren eine Gruppe von Spähern und Spionen gewesen. Sein Adoptivvater hatte bei der Gründung geholfen und Renar dort eingeschleust. Er wollte mit ihrer Hilfe seine Macht in Quel’Thalas ausbauen. Renar war immer davon ausgegangen, dass sie mit seinem Vater untergingen. Er brach das Siegel und las den enthaltenen Brief. „ Und?“, fragte Raleria ungeduldig. Renar faltete den Brief wieder zusammen: „ Ich wurde einberufen. Ich soll mich noch dieses Nacht in Silbermond zu einer Besprechung einfinden.“
Dämmerflucht
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Die Zukunft zerbricht

Silbermond war wie Suramar, nur heller. Das war so ziemlich die deutlichsten Erkenntnis, welche Idris erlangt hatte, nach dem sie nun einen Tag hier war. Am Morgen war sie mit einer Gruppe unter der Führung von Magister Oculeth hier her teleportiert, um die Ankunft der Großmagistrix in wenigen Tagen vorzubereiten und die ersten Verhandlungen aufzunehmen. Sowohl der Empfang als auch die Gespräche mit den den Blutelfen hatten Idris deutlich gezeigt, dass die Koalition zwischen Silbermond und Suramar eine absolut logische Entscheidung war. Beide Völker hatten eine sehr ähnliche Geschichte. Beide Völker hatten eine sehr ähnliche Lebensweise. Und die Blutelfen behandelten Idris genauso, wie ein Mitbringsel, wie es die Nachtgeborenen taten. Die junge Magierin stand nur den ganzen Tag dabei und hatte kein Wort von sich gegeben.
Nun saß sie hier in einem kleinen Zimmer im Sonnenzornturm. Wieder fühlte sie sich wie eine Gefangene. Sie schritt hinüber zum Fenster und blickte auf das nächtliche Treiben der Stadt. Blutelfen liefen durch die kühle Frühlingsnacht. Sie kehrten ein in Tavernen und saßen lachend auf golden verzierten Bänken. Alle lebten einen fröhlichen Abend, nur sie nicht. Sie saß die Strafe ihrer Herkunft weiter ab.
Dann fiel der Blick der Nachtgeborenen auf den Platz der Weltenwanderer. Er war das Zentrum des anliegenden Stadtteils und größten Teils durch die hohen Gebäude verdeckt. Doch er erschien plötzlich wesentlich heller. Scheinbar wurde der Platz künstlich plötzlich erleuchtet. Soweit Idris wusste war, der Platz hauptsächlich dem Militär vorbehalten. Und fast im selben Augenblick tauchten hier und dort bewaffnete Blutelfen auf, welche sich ihren Weg dorthin bahnten.
Idris runzelte die Stirn. Das passte nicht in das Bild dieser friedlichen Nacht. Das passte generell nicht zu den tagaktiven Blutelfen. Irgendwas war im Gange. Vielleicht bereiteten die Blutelfen sich auf ein scheitern de Verhandlungen vor. Oder war dies alles eine Falle für die Großmagistrix? Auf jeden Fall musste sie Oculeth informieren. Idris drehte sich Richtung Tür. Dann biss sie sich sofort auf die Unterlippe. Sie war die Tochter von Verrätern. Man würde ihr eh nicht glauben. Die Nachtgeborene setzte sich wieder auf ihr Bett. Aber konnte sie das Volk, ihr Volk, so offen in eine Falle laufen lassen? Sie legte sich hin. Wällste sich von links nach rechts und wieder zurück. War es eigentlich ihr Volk? Wollten sie überhaupt von jemanden wie ihr beschützt werden? Hatte sie überhaupt das Recht sie zu beschützen? Nein…Idris löschte das Licht.
Keine Minute später machte sie das Licht wieder an und stand ruckartig auf. Sie zog sich an, und ging vorsichtig zur Tür. Sie öffnete diese einen leichten Spalt. Als sie niemanden auf dem Flur sah, huschte sie hinaus.

*

Raleria marschierte im Wohnraum des Anwesens auf und ab. Die Diskussion war kurz gewesen, denn Renars Argumente waren nicht zu widerlegen, auch wenn sie sich was anderes gewünscht hätte. Wenn die Blutfalken tatsächlich nie aufgelöst worden waren, dann war Renar ihnen immer noch per Eid verpflichtet. Sein Nichterscheinen diese Nacht in Silbermond wäre Befehlsverweigerung gewesen. Das konnte sie nicht vom ihm verlangen. Also stimmte sie zu hier auf ihn zu warten.
Doch die Stunden zogen sich endlos, seit er aus der Tür gegangen war. Sehnsüchtig wartete sie auf eine Nachricht, doch es geschah einfach nichts. Und mit jeder Minute mahlte sich die Blutelfe Wilderer Szenarien aus, was los sein könnte und wie es Renar ging. War er zu lange abwesend gewesen und deshalb schon Fahnenflüchitg? Hatte seine Adoptivfamilie ihm doch noch eine böse Überraschung hinterlassen? Raleria raubte sich die Haare. Sie brauchte frische Luft.
Sie nahm die Hintertür des Anwesens und schritt hinaus in den Garten. Die Luft war kühl und erfrischte etwas ihren ausgebrannten Kopf. Über ihr funkelten hell die Sterne und der volle Mond warf ein beruhigendes Licht auf den verwilderten Garten. Barfuß spazierte Raleria über das feuchte Gras hin zu einem abgezäunten Bereich. Das Tor im Zaun war rostig und quietschte laut, als die Damonenjägerin es öffnete. Sie bemerkte die von Sträuchern bedeckten Steine. Und schritt zum nächsten hinüber. Vorsichtig schob sie das Gebüsch beiseite. Auf dem Stein war eine Gravor: Lyrander Leh'Nister
Raleria schluckte. Das war also der Familienfriedhof. Hier lagen jene begraben, die erst Renar alles genommen und ihm dann alles vermacht hatten. Ein unbehagliches Gefühl durchfuhr die Blutelfe. Bei ihrem Abschied hatte Raleria etwas in Renars Augen gesehen. Es glich dieser Passivität, welche er bei ihren ersten Treffen noch hatte. Sie hatte ein Jahr gebraucht, um ihn dazu zu bewegen sich ihr zu öffnen. Was, wenn nun wieder alles von vorne losging? Was wenn er sich jetzt doch noch anders entschied, als für sie?
Raleria erhob sich. Sie würde das nicht zulassen. Sie würde Renar nicht im Stich lassen. Sie drehte sich um und schritt schnell ins Haus zurück. Sie nahm ihre notwendigen Sachen und verließ das Anwesen in Richtung Silbermond.

*

Renar betrachtete den Kristall auf dem Tisch. Azerit…Wenn es auch nur die Hälfte von dem konnte, was ihm und den anderen grade erzählt wurde, dann war es wohl die gefährlichste Substanz, welche jemals auf Azeroth gefunden wurde. Und trat seit Monaten unkontrolliert aus der Erde aus. Niemand wusste wo überall und wie viel. Niemand wusste wer schon alles im Besitz davon war. Kein Wunder dass man unter solchen Bedingungen sogar die Blutfalken neu aufstelle. Doch bei einer Sache hatte Renar seine Zweifel. Die Allianz sollte Azerit nutzen, um Waffen herzustellen ? Das empfand der Blutelf als doch recht unwahrscheinlich. Es gab weder für die Allianz noch für die Horde einen klar erkennbaren Grund Krieg zu führen. Ob die anderen hier das auch bemerkt hatten?
Renar blickte sich um. Sie befanden sich in einem Hinterzimmer in der Mördergasse. Er kannte kein einziges der Gesichter hier. Die meisten mussten so jung sein, dass sie kaum Felderfahrung haben konnten. Er, mit seinem noch jungen Alter, war wohl einer der ältesten noch hier. Hatte der letzte Krieg so viele Opfer gefordert? Einzig der neue Kommandant schien schon länger dabei und hatte sie grade unterrichtet.
Ihr Ziel war Silithus. Kriegshäuptling Sylvanas Windläufer hatte die Blutfalken angefordert, um das Gebiet auszukundschaften und auf einen Einmarsch der Horde vorzubereiten. Dort, wo Sargeras persönlich sein Schwert in Azeroth gerammt hatte, trat wohl das meiste Azerit zu Tage. Goblins hatten bereits mit dem Abbau zu Forschungszwecken begonnen, wurden aber in den letzten Wochen immer wieder von Allianzspionen gestört. Deshalb ging man davon aus, dass die Allianz das Azerit für sich beanspruchen wollte. Den Berichten zu Folge war eine militärische Auseinandersetzung nur eine Frage der Zeit.
Auch wenn er Zweifel hatte, so war es ein direkter Befehl dort hin zu gehen. Renar ärgerte sich. Grade wo er und Raleria sich gefunden hatten, wo er sich eine Zukunft vorstellen konnte, holte der Krieg ihn wieder ein. Sie hatten nur wenige Stunden zur Vorbereitung. Er musste schnell sein, wenn er sich noch von Raleria verabschieden wollte. Kaum war die Versammlung für beendet erklärt worden, da versuchte er sich zum Ausgang zu stehlen. Doch plötzlich schob der neue Kommandant sich ihm in den Weg: „ Ihr nicht. Ihr bleibt noch…“

*

Langsam wurde Idris panisch. Sie irrte durch die beleuchteten Straßen und Gassen von Silbermond. Eigentlich hatte sie einen recht kurzen Weg vom Sonnenzornturm zum Platz der Weltenwanderer gehabt. Doch am Tor zwischen den beiden Stadtvierteln waren sehr viele Wachen aufgezogen. Es hatte sich als viel zu riskant für die Nachtgeborene herausgestellt. Also hatte sie einen anderen Weg gesucht. Ein fataler Fehler, wenn man sein Leben fast ausschließlich in einer Festung verbracht hatte.
Wie lange es wohl dauern würde, bis ihre Abwesenheit bemerkt würde? „ Seid gegrüßt. Können sie mir bitte helfen?“, fragte sie ein ihr entgegenkommendes Pärchen. Die beiden Blutelfen schüttelten stumm mit dem Kopf und gingen einfach an ihr vorbei. Was hatte sie auch anderes erwartet? Eine Hand packte ihre Schulter von hinten. „ Vielleicht kann ich dir helfen.“, sagte eine männliche Stimme. Erschrocken fuhr Idris um und blickte einem Mann ins Gesicht. Er lächelte sie an und die Magierin konnte deutlich den Alkohol riechen. „ Ich suche den Weg zum Sonnenzornturm.“, stammelte Idris und ging instinktiv einen Schritt zurück. Der Mann kam wieder auf sie zu und streichelte ihr über den Arm: „ Warum den der Turm. Ich kann dir viel schönere Orte zeigen.“ Die Magierin fühlte sich plötzlich mehr als unwohl: „ Nein, ich denke nicht…“ Der Blutelf griff ihren Arm: „ Vertrauen mir. Es wird dir gefallen.“
Eine Hand schloss sich um das Handgelenk des Blutelfen. „ Ich glaube sie hat nein gesagt.“, sprach Raleria entschlossen und fixierte den Mann mit ihren brennenden Augen. Der Blutelf und Idris schauten beide zu der Dämonenjägerin. Er genervt und sie überrascht. „ Halt dich daraus, Mädchen.“, zischte der Mann. Raleria schloss kurz die Augen. „ Tut mir ja Leid.“, sagte sie und ihre Hand drückte fester zu. Die dämonischen Glyphen auf ihrer Haut leuchteten kurz auf das das Handgelenk des Mannes machte leise knack. Völlig perplex blickte der Blutelf auf seinen Arm. „ Aber du erwischt mich in einer ganz miesen Nacht.“, fügte Raleria an und rammte ihr Knie in den Bauch des Blutelf. Dieser ging stöhnend und wimmernd zu Boden. Raleria packte nun Idris am Arm und zog sie mit sich. Die völlig überforderte Nachtgeborene wehrte sich nicht.
Raleria zog sie um ein paar Ecken auf eine beliebtere Hauptstraße. „ Ich danke euch…“, stammelte Idris, als sie endlich registrierte, dass sie in Sicherheit war. „ Gern geschehen. Ihr solltet aufpassen, welchen Gasthaus ihr euch um diese Uhrzeit nähert.“, antwortete die Blutelfe. Sie klopfte der Nachtgeborenen auf die Schulter und wendete sich dann von ihr ab zum Gehen. „ Bitte…ich muss zurück zum Sonnenzornturm.“, sprach Idris schnell. Raleria rollte mit den brennenden Augen. Sie hatte keine Zeit, aber sie konnte auch nicht einfach die junge Magierin hier stehen lassen. „ Komm. Ich muss in etwa in die selbe Richtung.“, sagte sie und ging schon mal vor. Idris zögerte kaum und schloss schnell auf. Erleichtert stellte sie sich vor: „ Ich bin Idris.“ „ Raleria.“, antwortete die Dämonenjägerin knapp.

*

Renar war hin und her gerissen. Einerseits war er froh, dass ihm die lange Reise nach Silithus erspart geblieben war. Anderseits unterlag seine neue Mission absoluter Geheimhaltung und begann quasi sofort. Er hat also keine Zeit sich persönlich von Raleria zu verabschieden, noch durfte er ihr irgendwelche Details nennen. Er hoffte einfach, dass der Brief, den er hinterlassen hatte ausreichend war, für die wenigen Tage, welche er fort war.
„ Seit ihr immer so schweigsam?“, fragte die junge Blutelfe, welche ihm zugeteilt worden war. Renar mochte sie nicht. Sie war kaum erwachsen und in ihren Augen sah er Ehrgeiz. Das war eine gefährliche Eigenschaft für Spione. „ Unsere Mission bedarf keiner größeren Unterhaltung.“, gab er knapp von sich. Er hoffte die damit einbremsen zu können, doch diese Elfe öffnete bereits wieder ihren Mund: „ Ihr seid doch schon erfahren. Glaubt ihr wir werden diese Verräter töten müssen?“ Renar hatte es befürchtet: „ Zum einen ist ihr Verrat nur vermutet. Zum anderen sollen wir Informationen sammeln. Nur Informationen sammeln.“ Die Elfe öffnete schon wieder ihren Mund, doch Renar warf ihr einen strengen Blick zu. So entschied sie sich wohl doch vorerst für das Schweigen.
Renar hatte den Kommandanten gebeten, die Mission alleine durchführen zu dürfen. Doch diese Elfe war, wohl vielversprechender Nachwuchs und sollte von ihm lernen. Dabei war die Mission erstmal nicht besonders. Eine Gruppe von Blutelfen schottete sich in den Geisterlanden ab und schien bedacht darauf niemanden erfahren zu lassen, was sie da treiben. Ein neuer Kult war jetzt nichts weltbewegendes. Allein die Tatsache, dass sie wohl Verbindung zu Alleria Windläufer und damit zur Allianz hatten, war der Umstand zu verdanken, dass man es als möglichen Verrat eingestuft hatte. Und nach den Vorkommnissen der letzten Jahre, reagierte man bei möglicher Unterwanderung der eigenen Reihen sehr empfindlich. Deshalb auch absolute Geheimhaltung und sofortige Abreise. Niemand sollte diese Kultisten warnen können.
Die Beiden erreichten das Stadttor. Es waren nur noch wenige Stunden bis Sonnenaufgang. Renar wollte bis dorthin so weit wie möglich von der Stadt weg sein. Wenn es Spione gab, dann sollten sie von Beginn an keine Spur finden können. Außerdem hatte er allen Grund diese Mission schnell abzuschließen. Sie Schritten hinaus in den Immersangwald und Renars Blick folgte der Straße nach Westen, wohoffentlich noch jemand auf ihn wartete. Dann schlug er mit der jungen Elfe den Weg nach Süden ein in Richtung Geisterlande ein.

*

Strammen Schrittes ging Raleria durch Silbermond. Idris hatte Schwierigkeiten mitzuhalten. Was auch immer die Blutelfe antrieb, es schien sehr wichtig zu sein. Sie Bogen in die Mördergasse ein. Erleichtert sah Idris am Ende der Gasse den Sonnenzornturm. Es war bereits tiefe Nacht. Umso überraschender war es, dass unweit vor ihnen noch zwei Blutelfen standen und sich unterhielten. Raleria eilte auf die zwei zu. Beim näherkommen erkannte Idris die militärische Zugehörigkeit der beiden Männer.
„ Verzeihung.“, mischte sich Raleria in das Gespräch der beiden ein. Der ältere der beiden Männer deutete Raleria an zu warten. „ Sorgt dafür, dass diese Briefe bis Sonnenaufgang die Angehörigen erreichen.“, befahl er dem scheinbar Untergebenen. Dieser hatte einen Stapel Briefe unter den Arm geklemmt und salutierte zackig. „ Ihr seid Angehöriger der Blutfalken, oder?“, funkte Raleria wieder dazwischen und deutete auf den Wappenrock des älteren Mannes. Nun schien sie doch seine Aufmerksamkeit erregt zu haben: „ Woher kennt ihr die Blutfalken?“ Raleria seufzte erleichtert: „ Mein Freund, er wurde von euch hier her bestellt. Ich mache mir Sorgen um ihn.“ Nun änderte der Mann seine Haltung und wirkte freundlicher: „ Wie lautet euer Name, junge Dame?“ „ Raleria Dämmerflucht.“, antwortete sie sofort. Der ältere Mann nickte dem jungen Soldaten zu. Dieser begann die Briefe zu durchsuchen und reichte dann einen Raleria. Ihr Name war mit Renars Handschrift darauf geschrieben. „ Wir mussten unsere Leute schnell entsenden. Sie durften ihren Angehörigen und Liebsten noch eine Nachricht hinterlassen.“, erklärte der ältere Mann.
Raleria hielt den Brief in der Hand und Idris sah Enttäuschung in ihren Augen. Sie war also auf der Suche nach ihren Lebensgefährten. Der Mann klopfte Raleria auf die Schulter: „ sie kommen alle wieder heil zurück.“ Dann ging er in das Gebäude und der Soldat mit den Briefen eilte davon. Zögerlich öffnete Raleria den Brief:
Liebste Raleria,
Verzeih, dass ich dir nur schreiben kann. Leider ließ man mir keine Zeit, mich von dir zu verabschieden. Ich werde nur wenige Tage fort sein, dass verspreche ich dir. Ich habe eine Nachricht an die Bank geschickt, so dass du in meiner Abwesenheit über mein Bankfach verfügen kannst. Dort wirst du alles finden, um die nächsten Tage in Ruhe genießen zu können. Und wenn ich zurück bin, reden wir über unsere Zukunft.
Bis bald
Renar
Raleria ließ den Kopf hängen. Sie war zu spät. „ Wo ist er hin?“, fragte Idris aus dem Hintergrund freundlich. Raleria schreckte auf. Sie hatte die Nachtgeborene wohl komplett vergessen. Dann schüttelte sie den Kopf: „ Das ist steht nicht drin. Ist geheim.“ Idris sah ihr an, wie sie grade litt. „ Der Herr schien es zu wissen.“, scharf sie unbedacht ein. Raleria seufzte: „ Natürlich weiß er es. Aber er darf es nicht sagen. Nochmal, es ist geheim.“ Idris schaute zum Gebäude. Die Lösung war simpel. Aber sollte sie das wirklich tun? Es könnte die Verhandlungen ernsthaft in Gefahr bringen. Aber diese Elfe hat ihr geholfen. Und sie selbst würde eh schon Ärger bekommen, bei ihrer Rückkehr.
Die Nachtgeborene konzentrierte sich und sammelte ihr Mana. Ein paar simple Handbewegungen und dann leuchteten unter ihr auf dem Boden silberne Glyphen. Dann schritt Idris rüber zu Raleria. Die Blutelfe verharrte in ihrer Position. Selbst das Feuer in ihren Augen stand still. Der Zauber wirkte. Idris eilte dem Mann hinterher. Als sie zurückkam hatte sich Raleria immer noch nicht bewegt. Idris löste den Zauber und Raleria blickte verwirrt, als die Nachtgeborene plötzlich vor ihr stand. „ Sie ziehen zu einem Ort Names Silithus.“, sagte Idris lächelnd und hielt Raleria eine taktische Karte vor die Nase.
Dämmerflucht
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Das Schicksal ändern

Raleria lag auf dem Bett und rührte sich nicht. Als sie in den frühen Morgenstunden in das Anwesen zurückgekehrt war, hatte sie nicht mal das graue Tuch runter genommen, welches das Bett seit Jahren schützte. Schlaf hatte sie kaum gefunden. Diese Idris hatte zwar noch versucht sie aufzubauen, aber es war zwecklos los gewesen. Raleria tat es für die Nachtgeborene leit, die ohnehin mit ihrem temporalen Zauber viel riskiert hatte, aber die Tatsache, dass Renar sie bewusst zurückgelassen hatte, überwog grade alles.
Was glaubte er, wer sie ist? Sah er in ihr nur eine schutzlose Frau oder hielt er sie einfach für zu schlecht, um ihm eine Hilfe zu sein? Raleria richtete sich müde auf und blickte sich um. Wäre das ihr Schicksal an seiner Seite? Zuhause die Kinder hüten und den Staub von den Möbeln entfernen? Das wollte sie nicht. Raleria war sich zwar nicht sicher, was sie überhaupt für eine Zukunft wollte, aber das hier mit Sicherheit nicht.
Sie stand auf und verließ das Schlafzimmer. Sie streifte durch das Haus blickte in die vielen verschiedenen Räume. Dieses Anwesen wirkte wie ein Schatten der Vergangenheit. Alles hatte mal einen Nutzen. An allem hatte sich mal jemand erfreut. Doch jetzt stand es nutzlos hier rum. Genauso wie sie.
Die Dämonenjägerin öffnete die letzte Tür am Ende des Flurs in der ersten Etage. Es war ein Arbeitszimmer mit einem Fenster Richtung Osten. Sie schritt hinein und blickte sich um. In einer Ecke stand ein offener Tresor. Dann fiel ihr etwas auf am Boden. Überall war es ordentlich und zwar verstaubt aber sonst sauber. Doch hier vor dem Schreibtisch am Fenster lag ein Teppich mir einem großen Fleck. Sie kniete sich nieder. Etwas war hier mal ausgelaufen…Nein, jemand. Raleria erinnerte sich. Hier wurde Renars Adoptivvater ermordet. Der Mann, der für den Tod von Renars richtigen Eltern verantwortlich war.
Etwas rührte sich in Raleria. Alle, für die Renar so etwas wie Liebe empfand, waren tot. Hatte er sie vielleicht nicht einfach abgestellt, sondern hatte wahrhaftig Angst um ihr Leben. Das würde bedeuten, dass er sie wahrhaftig…liebte. Oh, Renar…warum hatte er kein Vertrauen in sie? Sie würde sich schon selber beschützen können. So, wie sie Idris beschützt hatte. Idris…Raleria wurde bewusst, wie unfreundlich ihr Abschied war. Die Nachtgeborene hatte ehrlich versucht ihr zu helfen. Dass konnte sie nicht so stehen lassen. Sie musste zurück nach Silbermond und sich bedanken.

*

Die Tür zum Zimmer ging auf. Jemand Schritt geradewegs durch zu dem Fenster und riss die Vorhänge beiseite. Das Zimmer wurde mit hellen Sonnenlicht geflutet. Die Person ging zum Bett. Idris lag auf den Bauch, alle viere von sich gestreckt und leicht schnarchend. Die Person räusperte sich Idris schlief weiter. Die Person räusperte sich etwas lauter. Keine Reaktion von der Nachtgeborenen kam. Die Person formte einen kleinen Federball, ließ ihn in die Luft steigen und dort mit einem lauten Knall explodieren. Idris blickte völlig verschlafen auf. „ Haben wir es letzte Nacht ein wenig übertrieben?“ , fragte die Person. „ Meister Oculeth!“, schrieb Idris entsetzt auf und saß senkrecht im Bett.
„ Du hast allen ernstes geglaubt, die Blutelfen planen eine feindliche Übernahme von Suramar?“, fragte Oculeth leicht amüsiert, nach dem Idris alles gestanden hatte, was sie in der letzten Nacht verbrochen hatte. Sie nickte nur schuld bewusst. Der Magier stand von seinem Stuhl auf und schritt mit ernster Miene zum Fenster. Nun war es also soweit. Idris würde ihre Strafe erhalten. Es war ja nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sie wegen irgendwas bestraft hätte. „ Sie tut mir leid.“, sprach Oculeth dann mitfühlend. Idris blickte überrascht auf: „ Wer?“ Oculeth blickte sie an: „ Na, die Blutelfe. Es ist immer schrecklich, wenn frohe Schicksale vom Krieg zerstört werden.“
Idris war verwirrt. Bei allem was sie erzählt hatte, wählte der Magier dieses Thema aus? „ Wie hieß sie noch gleich?“, fragte er neugierig. „ Raleria Dämmerflucht.“, antwortete Idris und suchte vergeblich nach dem Trachten des Magiers. Versuchte er sie für Ralerias Schicksal auch noch verantwortlich zu machen? Sollte sie einfach die Schuld für alles bekommen? Oculeth legte die Hand an sein Kinn und nickte dann: „ Ich habe da etwas zu erledigen. Mache dich frisch. Ich habe da bald eine neue interessante Aufgabe für dich, wenn du möchtest.
Was war hier los? Idris verstand die Welt nicht mehr, als der Magier zur Tür schritt. „ Was ist mit meiner Bestrafung?“, fragte sie fast fassungslos. Oculeth drehte sich überrascht um: „ Wofür soll ich dich bestrafen, Kind?“ „ Ich habe mich davon geschlichen.“, warf Idris ein. Der Magier legte die Stirn in Falten: „ Ich habe dir nie verboten den Turm zu verlassen.“ Idris schaute fassungslos, denn er hatte recht. Sie war so daran gewohnt an einen Turm gefesselt zu sein, dass sie gar nicht bemerkt hatte, dass ihr hier gar nichts verboten wurde. „ Aber ich bin doch eure Gefangene…“, sprach sie leise. „ Oh, mein Kind. Ich glaube wir haben viel zu bereden.“, sprach de Magier sanft. Er öffnete die Tür: „ Aber nun mache dich frisch und esse etwas. Vor dir liegt eine längere Reise.“ Dann verließ der Magier den Raum und ließ die gedanklich überforderte Idris zurück.

*

Raleria schritt die Brücke hoch zum Eingang des Sonnenzornturm. Grimmige Wachen starrten sie den ganzen Weg hoch zum Eingangstor an. Raleria verbeugte sich tief: „ Guten Tag die Herren. Ich suche eine der Nachtgeborenen. Idris ist ihr Name.“ Eine der Wachen schaute sie von oben bis unten an und richtete dann wieder seinen Blick sturm nach vorne: „ Kein Zutritt für Zivilisten zur Zeit.“ Raleria seufzte kurz. Wieso war hier immer alles so kompliziert? „ Könntet ihr vielleicht nach ihr rufen lassen? Dann warte ich hier draußen.“, fragte sie höflich nach. Die Wache blickte sie genervt an: „ Wir haben besseres zutun.“ Dann schaute der Mann wieder stur nach vorne.
Raleria ballte die Fäuste. Was war los mit den Männern in dieser Stadt? Kaum trug man ein Kleid wurde man nicht mehr ernst genommen. Sie war kein kleines Mädchen mehr , welches vor der großen bösen Welt beschützt werden musste. Aber jeder versuchte es. Als ihr Onkel sie damals mit in die Scherbenwelt nahm und für seine bösen Zwecke ausbildete, schickte er sie immer nur auf die sicheren Missionen. Als sie erst versuchte ihren Vater und dann ihren Onkel im Kampf besiegen wollte, kämpften beide nur mit halber Kraft gegen sie. Gestern hatte Renar sie zurückgelassen, um sie zu beschützen. Und nun war es diese Wache.
Raleria wollte das nicht mehr. Sie war es leid Als die schwache kleine Frau angesehen zu werden. Sie war eine Dämonenjägerin. Sie hatte die Macht eines Dämons in ihren Körper aufgenommen. Sie hatte den Albtraum von Val'Shara überstanden. Sie hatte am und im Grabmal des Sargeras gekämpft. Wie viele Männer hier konnten das von sich behaupten. Nein, genug war genug. Raleria holte tief Luft. „ Was geht hier vor sich?“, fragte Soldat, welcher sich aus den inneren Räumen des Turms näherte. Die zwei Wachen salutierten schnell: „ Dieses Mädchen möchte zu der Delegation aus Suramar.“ Der Soldat trat bis ins Tor hinein und musterte Raleria von oben bis unten. Raleria kochte innerlich. „ Euer Name?“, fragte der Soldat monoton. „ Raleria Dämmerflucht.“, antwortete sie halb Zähne knirschend. Der Soldat zog die Augenbrauen hoch: „ Na das erspart uns mal Arbeit. Ihr werdet bereits erwartet.“
Ihre Rage wich völliger Irritationen. Dann betrat Raleria den Sonnenzornturm. Der Soldat führte sie in eines der oberen Stockwerke und öffnete ihr schließlich eine Tür. Die Dämonenjägerin betrat den Raum und blickte Idris ins Gesicht. Die Nachtgeborene hatte den selben Ausdruck von Irritationen im Gesicht stehen, wie Raleria. „ Ah, Raleria Dämmerflucht nehme ich an.“, sprach eine Stimme von der anderen Seite des Raums. Dort saßen ein Nachtgeborener und ein Blutelf hinter einem Tisch. Das ganze wirkte, wie eine Gerichtsverhandlung und nun überkam Raleria doch noch einmal ein sehr ungutes Gefühl. Die letzte Nacht blieb wohl nicht ohne Konsequenzen. „ Dann können wir ja anfangen.“, sagte der Nachtgeborene fast schon amüsiert und der Soldat schloss die Tür des Raums hinter Idris und Raleria.

*

„ Also dann…Die Damen kennen sich ja bereits nehme ich an.“, begann Oculeth dieses Gericht. Nein, diese Verurteilung, da war sich Idris inzwischen sicher. Bei ihrer Abstammung und einer Zeugin der letzten Nacht war klar, was nun geschehen würde. Sie würde in einer Zelle landen, entweder hier oder in Suramar. Die neue Führung der Nachtgeborenen hatte nur auf eine Möglichkeit gewartet und nun lag sie wie ein Geschenk vor ihnen uns Raleria war die Schleife um es richtig zu verpacken. Ob Raleria sich dessen bewusst war? Sie sah immer noch sehr unglücklich aus und trug das Kleid von der letzten Nacht. Hatte diese arme Blutelfe überhaupt geschlafen?
„ Raleria Dämmerflucht, habt ihr gestern Abend Zeit mit dieser Frau verbracht?“, fragte Oculeth und blickte dabei Raleria direkt an. Raleria hatte den Kopf gesenkt und schien zu überlegen. Idris wurde nervös. Eigentlich kannte sie die Blutelfe ja gar nicht. Würde diese Dämonenjägerin sie ans Messer liefern? Warum sollte sie es nicht tun? Raleria hob ruckartig den Kopf: „ Ja, das habe ich. Und was auch immer ihr vorgeworfen wird, ich trage die gleiche Schuld.“ Idris Augen weiteren sich. Warum machte Raleria so etwas?
Der Blutelf hinter dem Tisch schien überrascht. Oculeth hingegen erfreut: „ Wusstet ihr, dass Idris von hohem Stand ist? Vom gleichen hohen Stand, der sein Volk an die Brennende Legion verkauft hat?“ Idris funkelte den Magier an. Was für ein mieses Spiel war das nun? Er versuchte Raleria gegen sie aufzuhetzen. Raleria zuckte mit den Schultern. „ Aha.“, gab sie müde als Antwort. Doch der Nachtgeborene ließ nicht locker: „ Wusstet ihr, dass ihr Großvater der Sterndeuter Etraeus war, welcher bei der Eroberung der Nachtfestung viele eures Volkes getötet hat?“ Idris schaute missmutig zu Raleria. Das hier nahm kein gutes Ende. Raleria verschränkte die Arme vor der Brust: „ Na und?“
Idris lächelte dankbar. Raleria schien standhaft zu bleiben. Aus welchem Grund auch immer. Ja, Idris hatte ihr einen Gefallen getan. Aber schließlich hatte die Dämonenjägerin sie zu erst gerettet. Oculeth faltete die Hände vor seinem Gesicht und musterte Raleria genau. Idris hielt die Luft an. Wie weit würde der Magier gehen? „ Warum setzt ihr euch für Idris ein?“, fragte er schließlich. Raleria zog die Augenbrauen hoch: „ Sie ist offensichtlich eine gutherzige Person, welche sich um ihre Umgebung sorgt.“ Idris Herz machte einen Sprung. So hatte noch nie jemand zuvor von ihr gesprochen. „ Und ihre Abstammung schreckt euch nicht ab?“, fragte der Magier neutral. Raleria lachte einmal laut auf und nicht nur Idris sondern auch der Blutelf schauten fragend zu der Dämonenjägerin. Irgendetwas geschah grade mit Raleria, denn ihre Haltung entspannte sich merklich: „ Ihr wollt über Abstammung reden? Dann hört mal genau her…“

*

Raleria lächelte zufrieden. Idris und der Blutelf waren recht schnell bleich geworden und selbst dem Nachtgeborenen stand nun leicht der Mund offen. Die Dämonenjägerin wusste nicht genau, was das Theater hier sollte, aber wie der Magier auf Idris Abstammung rumgehackt hatte gefiel ihr überhaupt nicht. Die junge Magierin hatte ihr gegenüber kein Anzeichen von Boshaftigkeit gezeigt, eher im Gegenteil. Also hatte Raleria ausgepackt. Ihr eigener Vater hatte der Brennenden Legion gedient und dabei alle seine Freunde verraten. Ihr Onkel war noch wesentlich weiter gegangen und hatte über Jahre hinweg versucht, die Gesellschaft grade hier in Silbermond ins Chaos zu stürzen. Die Frau ihres Onkels war die Tochter des berüchtigten Seuchenfürsten. Na und? Dies alles sagte aber nichts über sie selber aus. Sie war weder ihr Vater, ihr Onkel oder ihre Tante. Sie war sie selbst und wer sie bewerten wolle, solle sie an ihren eigenen Taten bewerten. Und gleiches galt für Idris. Alles andere wäre viel zu einfach gedacht. Wie oft waren Nachfahren von bösen Personen gut gewesen und wie oft war es auch umgekehrt der Fall?
Der Nachtgeborene schloss seine Mund und blickte Raleria scharf an: „ Dann glaubt ihr nicht an Schicksal?“ Raleria lächelte. Sie wusste nicht warum, aber das ganze hier hatte was befreiend nach dem ganzen Frust der letzten Nacht. „ Nein. Jeder bestimmt seinen Weg selbst, durch seine eigenen Taten.“, gab Raleria zurück. Sie merkte, wie Idris sie von der Seite anblickte. Etwas ging in der Magierin vor und dass befeuerte Raleria nicht nachzugeben, bis das ganze hier beendet war.
„ Seht ihr und deshalb halte ich die beiden für ideal.“, sagte der Nachtgeborene plötzlich zum Blutelfen. Dieser schaute eher skeptisch: „ Seid ihr euch sicher, Oculeth? Wir finden sicher noch geeignetere Kandidaten.“ Oculeth schüttelte den Kopf: „ Nein, nein. Diese beiden stehen für die Zukunft unserer Völker. Vielleicht auch für eine neue Zeit an sich.“ Raleria war von diesem Stimmungswechsel verwirrt: „ Wovon redet ihr da? Warum sind wir eigentlich hier?“ Dieser Oculeth blickte sie an: „ Ihr und Idris sollt das erste gemeinsame Projekt von Quel’Thalas und Suramar testen, damit alle Zweifler von den Vorteilen einer Koalition überzeugt werden.“
Versuchskaninchen? Raleria spürte, wie die Wut wieder in ihr aufstieg. Und dennoch ergab das noch keinen Sinn: „ Warum habt ihr dann so auf der armen Idris rumgehackt?“ Das erste Mal wendete der Magier seinen Blick wieder auf Idris und Raleria erkannte Mitleid in seinem Blick: „ Damit sie sich endlich von ihrer Vergangenheit löst und erkennt, dass sie ihr Schicksal selbst bestimmt.“ Idris hob ruckartig den Kopf und blickte völlig überrascht.

*

Idris glaubte nicht, was sie da hörte. Sie sollte ihr eigenes Schicksal bestimmen? Seit wann? Oculeth blickte sie immer noch an und er wirkte auf sie auf einmal völlig anders. Sie nahm ganz andere Dinge an ihm wahr als vorher. Der Nachtgeborene erklärte: „ Idris, mein Kind, ihr seht euch immer als Gefangene. Doch ihr seid genauso ein Teil von Suramars Volk, wie alle anderen auch. Ihr musstet nie etwas Verwerfliches machen. Ihr habt nie eine unzumutbare Aufgabe erteilt bekommen. Ihr durftet gehen, wohin ihr wollt. Doch ihr standet euch immer selbst im Weg. Ihr werdet dazu erzogen, euch anders als das Volk zu fühlen. Es hat sich in euren Kopf eingebrannt. Ihr müsst lernen euch von diesen Gedanken zu lösen.“
Idris war sprachlos. War das wirklich so? Hatte sie sich vielleicht wirklich selbst bestraft die ganze Zeit? „ Aber das Volk…die Blicke, als ich in der Stadt unterwegs war…“, sprach sie mit gedämpften Stimme. „ Das Volk kennt euch nicht. Ihr wart ein neues Gesicht. Natürlich wurdet ihr erstmal skeptisch empfangen. Ihr müsst euch schon euren Platz in der Gesellschaft verdienen.“, antwortete Oculeth. War sie wirklich einfach nur die Fremde? Wenn das stimmte, dann hatte sie es sich selber leicht gemacht, in dem sie es auf ihre Abstammung geschoben hatte. Sie hatte sich tatsächlich selbst dieses Gefängnis gebaut.
Oculeth lächelte sie an: „ Macht euch keine Gedanken. Ihr seid jung und müsst einfach noch lernen. Doch genau deshalb ist Raleria hier die perfekte Begleitung für euch. Sie hat gelernt, sich nicht einem fremdbestimmten Schicksal hin zugeben. Und sie hat ihren eigenen Antrieb gefunden, wie es scheint. Was auch immer dieser ist.“ Idris blickte zu der Blutelfe, welche ihr lächelnd zu nickte. Der jungen Magierin wurde warm ums Herz. Ja, es würde schwierig werden, dass eigene Schicksal zu bestimmen. Aber mit Raleria zusammen konnte es vielleicht funktionieren.
Der Nachtgeborene blickte nun wieder zu Raleria: „ Wäret ihr bereit Idris zu helfen?“ Raleria nickte entschlossen: „ Natürlich. Doch ich verstehe immer noch nicht ganz, was ihr mit uns vor habt.“ Der Magier stand auf: „ Nun, das ist ganz einfach. Ihr werdet zusammen nach Silithus reisen.“ Idris und Raleria schauten sich beide mit großen Augen an. Sie würden Renar folgen.
Dämmerflucht
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Das dunkle Ende

Die Sonne neigte sich den Bergspitzen im Osten. Bald würde es wieder Nacht werden. Renar blickte zurück. Es hatte keinen Zweck. Seine Begleiterin war schon wieder um einiges hinter ihn gefallen. Sie würden rasten müssen. Damit war das Ziel noch heute die Geisterlande zu erreichen unmöglich. Immer wieder hatte er das Tempo gedrosselt, weil sie zu weit zurück fiel. Sie schien große Schwierigkeiten mit dem Fortbewegen in der freien Natur zu haben. Warum nur, hatte man sie ihm zu geteilt? Renar ärgerte sich. Alleine hätte er schon vor über einer Stunde die Grenze passiert.
Die Elfe schloss auf. Sie atmete schwer und ihr stand der Schweiß deutlich sichtbar auf der Stirn. „ Warum halten wir?“, fragte sie schnaufend. „ Wir erreichen die Grenze nicht mehr vor Sonnenuntergang. Wir rasten und gehen am frühen Morgen weiter.“, antwortete der Blutelf knapp. Sie grübelte: „ Aber ist die Nacht nicht unser Freund? So sieht niemand, dass wir die Grenze überschreiten.“ Renar dachte sich so etwas schon. Diese Elfe hatte das Handbuch gelernt und würde sie damit früher oder später unnötig in Gefahr bringen. „ Wir wissen nicht, womit wir es zutun haben. Haben sie Späher? Haben sie Fallen? Wir selber müssen uns erst einmal einen Überblick verschaffen können. Das können wir in der Nacht nicht.“, erklärte er und hielt Ausschau nach einem geeigneten Nachtlager. Sein Blick wurde fündig. Unweit von ihnen, schien ein verfallenes Gebäude zu sein. Er deutete in die Richtung: „ Dort werden wir rasten. Wir brechen wieder auf, dass wir bei Sonnenaufgang die Grenze erreicht haben.“
Sie näherten sich vorsichtig der Ruine. Die letzten Sonnenstrahlen verschwanden hinter den Bergspitzen und schnell wurde es düster. Das Gebäude schien ein einst ein größeres Wohngebäude gewesen zu sein. Eine kleine Mauer grenzwertig einst das Grundstück ein, welche nun nur noch stellenweise hinter Büschen zu erkennen war. Von dem Gebäude selbst standen nur noch die Grundmauern. Eindeutig war das Gebäude abgebrannt und das vor einigen Jahren schon. Sie waren hier nicht weit von den Amaniwäldern. Vielleicht ein Überbleibsel der letzten Konflikte mit den Trollen?
Sie erreichten die Mauer an der Stelle, wo wohl mal ein Törchen gewesen sein musste. Die Elfe kniete sich und schob ein Busch beiseite. Dahinter tauschte ein Schild auf. „ Dämmerflucht“, las Blutelfe vor. Renar öffnete wortlos seinen Mund. Hier hatte Raleria einen Teil ihrer Kindheit verbracht. Hier war es geschehen. Das war kein normales Feuer gewesen oder ein Trollangriff. Hier hatte Erendil Dämmerflucht erst seine Familie ausgelöscht und dann das Haus mit Teufelsmagie niedergebrannt. Hier erlitt Raleria ein Trauma, dass sie über Jahrzehnte prägte. Das sie zur Dämonjägerin werden ließ. Etwas schmerzte in Renars Brust. So etwas hatte er erst einmal gefühlt, nämlich als er die Wahrheit über seinen Adoptivvater erfahren hatte. So fühlte sich also wahrhaftig Trauer an.

*

Die Nacht war herein gebrochen und es war finster in und um die Ruine herum. Natürlich hatten Renar und seine Begleiterin kein Feuer entzündet. Sie saßen in der Finsternis und ruhten. „ Wo habt ihr eigentlich gedient?“, fragte die junge Elfe. „ Ich wurde in der Scherbenwelt ausgebildet. Danach war ich auf Draenor und den Verheerten Inseln.“, antwortete Renar knapp. Er hatte keine Lust auf dieses Gespräch. Er war zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Die Elfe schaute ihn mit großen Augen an: „ Ihr habt gegen die Eiserne Horde und die Brennende Legion gekämpft?“ Renar nickte: „ Wenn es notwendig war zu kämpfen.“
Die Elfe setzte sich auf: „ Das muss ein berauschenden Gefühl sein, nach einem Sieg heim zu kehren und als Held seine Liebsten wieder in die Arme zu schließen.“ Renar hielt inne. Er war nie als Held zurückgekehrt. Nach Draenor bezichtigte man ihn als Mörder und das Grabmal des Sargeras verließ er als Besiegter. Nein, er war kein Held. Und das wollte er auch nie sein. Es war immer egal, wie der Kampf für ihn persönlich ausging. Wichtig war immer nur der Erfolg der Mission gewesen. „ Wer ist sie?“, riss die Elfe ihn wieder mal aus seinen Gedanken. Renar schaute sie fragend an. „ Na die Frau, die euch antreibt jedes Mal heimgekommen. Es ist doch eine Frau, oder?“
Renar stand auf und wendete sich ab: „ Ruht jetzt. Ich halte Wache.“ Dann ging er in einen anderen Raum der Ruine und ließ die Elfe ratlos zurück. Er kletterte eine Wand hoch, um auf die erste Etage des Gebäudes zu gelangen. Durch ein Loch in der Wand, blickte er hinaus auf den Bereich vor der Ruine. So langsam empfand Renar eine tiefe Abneigung gegenüber seiner Begleiterin. Sie hatte ihn noch tiefer in eine Gedankenkrise gestürzt. Der Erfolg der Mission stand immer im Vordergrund, egal was mit einem selbst passiert. Er hatte bei allen Aufgaben nie miteinberechnet zu überleben. Doch nun war alles anders. Er musste heimkehren. Sein Leben war nicht mehr nur seines. Denn er stand in der Verantwortung auch gegenüber Raleria.

*

Es dämmerte und ein oranges Licht schob sich im Westen langsam über die Hügelketten. Es war ruhig am Fluss. Grade auf der Südseite war keine ungewöhnliche Bewegung auszumachen. Sehr gut, so konnten Renar und seine Begleiterin an einer seichten Stelle das Wasser durchqueren. Nun waren sie endlich in den Geisterlanden. Renar schritt voran. Diesmal allerdings bedächtig, damit die junge Elfe sich nicht verausgabte. Er hatte entschieden lieber konsequent voranzukommen, statt schnell. Wollte er diese Mission unbeschadet überstehen, dann war er vielleicht doch auf seine Begleiterin angewiesen. So spazierten sie eher am See entlang und es dauerte den halben Tag bis sie die Enklave der Weltenwanderer erreichten.
In der Enklave herrschte ungewöhnlich viel Betrieb. Waldläufer in vollen Rüstungen packten Kisten und verluden sie auf große Wagen. Zogen die Weltenwanderer von hier ab? Seit dem Fall des Sonnenbrunnens hielten sie die Stellung hier am Rande des Reiches. Renar suchte sich seinen Weg zum Kommandanten. Die junge Elfe folgte ihm staunend. Der Kommandant war ein hochgewachsener Blutelf und dirigierte grade das Treiben in der großen Halle der Enklave. Als er die Neuankömmlinge bemerkte, ging er direkt auf sie zu: „ Seid gegrüßt, Blutfalken. Ihr kommt spät.“ Renar nickte dem Mann zu: „ Verzeiht, wir wurden aufgehalten. Was geht hier vor sich?“ Der Kommandant blickte sich um: „ Marschbefehl. Alles was nicht zwingend hier sein muss, soll umgehend nach Unterstadt verlegt werden.“ Unterstadt? Erwartete Krieghäuptling Sylvanas dort einen Angriff der Allianz? War der Krieg doch so nahe? Der Kommandant deutete den beiden Blutfalken an ihm zu folgen und führte sie in einen kleinen Nebenraum.
„ Nun zu dem Grund warum ihr hier seid. Sagt euch Magister Umbric etwas?“ , begann er direkt. Die junge Elfe schaute fragend. Renar nickte: „ Er suchte nach alternativen Machtquellen für die Blutelfen und hat sich dabei intensiv mit der Leere beschäftigt. Als seine Experimente zu weit gingen, wurde er aus dem Reich verbannt. Man hat ihn seit her nicht mehr gesehen.“ Der Kommandant nickte: „ Daran hat sich auch nichts geändert. Seine letzte bekannte Position war der Morgensternturm. Dort verschwanden er und seine Anhänger plötzlich. Doch seit wenigen Wochen tauchen immer wieder Blutelfen um den Turm herum auf und sind dann nach wenigen Stunden plötzlich verschwunden. Und alles begann mit dem Auftauchen von Alleria Windläufer, der „Leerenelfe".“ Renar legte die Stirn in Falten: „ Bei allem Respekt. Aber die Verbindung ist sehr weit hergeholt.“ „ Und doch nicht ausgeschlossen. Deswegen seid ihr hier. Bei einem bevorstehenden Krieg muss jeglicher Verrat im Keim erstickt werden. Findet ihr nicht, dann seid ihr ja schnell wieder zuhause.“ Renars Augen weiteten sich kurz. Es war unwahrscheinlich, dass sie was bedeutsames finden würden. Und wenn er damit schnell und gefahrlos heimkehren konnte, sollte ihm das grade absolut recht sein.

*

Das Gebiet um den Turm herum war ruhig. Es sah nicht danach aus, als wäre in den letzten Wochen jemand gewesen. Renar war erleichtert. Er nickte seiner jungen Begleiterin zu und langsam schlichen die beiden Blutelfen auf den Turm zu. Es gab keine Feuerstellen oder Zelte Wenn die Personen hier am Turm waren, dann innen drin. Der Morgensternturm war schmal, dafür sehr hoch. Kein Gebäude außerhalb von Silbermond ragte soweit in den Himmel. Für längere Aufenthalte diente nur das breitere runde Fundament mit seiner großen Eingangshalle.
Sie näherten sich dem einzigen Eingang. Immer noch war kein Lebenszeichen auszumachen. Keine Geräusche drangen von innen heraus. Renar bemerkte Vögel, welche seelenruhig in den oberen Etagen ein und aus flogen. Als sie den Eingang erreichten, legte Renar eine Hand an den Griff eines seiner Langdolche. Die junge Elfe blickte ihn an und tat es ihm gleich. Langsam schob Renar das Tor am Eingang auf. Drinnen war es düster und still. Er schob sich durch die Öffnung hinein und nahm dann die Hand vom Dolch. Es war niemand hier. Der Turm war absolut verlassen.
Mit leicht enttäuschten Blick betrat die junge Elfe den Turm: „ Scheint als wären wir umsonst her gekommen.“ Renar blickte sich um. Nein, der erste Eindruck tauschte. Da waren noch Fußabdrücke leicht im Staub zu erkennen. Die Inneneinrichtung stand Kreuz und quer, doch der Weg in die erste Etage war frei. Jemand war hier gewesen und der Grund dafür lag auf den höheren Ebenen des Turms. Seiner Begleiterin schien das nicht aufzufallen. Sollte er es sagen? Sie könnten jetzt einfach heimkehren und eine absolut identische Aussage machen. Seine Mission wäre vorbei und er könnte seinen Dienst quittieren, mit Raleria fort gehen und eine Zukunft haben. Nein, er musste sich zusammenreißen. Er hatte eine Pflicht zu erfüllen.
„ Jemand war hier. Wir müssen nach oben.“, sagte er monoton und ging voran. Den Spuren folgend erreichten sie Teleportationskugel auf dem Balkon der ersten Etage. Sicher würde sie zur oberen Spitze führen. Nein, da stimmte was nicht. Da waren Runen an der Kugel, die Renar nicht kannte. Er ging näher heran und betrachtete diese. Die Zeichen waren Renar unbekannt. Hier waren weder Dämonen noch Magier am Werk gewesen. „ Was denn? Habt ihr etwa noch nie eine Teleportationskugel verwendet?“, sagte die Elfe leicht spöttisch und legte ihre Hand auf die Kugel, ehe Renar sie daran hindern konnte. Ein violetten Lichtblitz, dann war die Elfe verschwunden. Renar starrte auf die Stelle, wo sie eben noch stand. Was sollte er jetzt machen? Würde er nun zurückkehren, würde man ihn lange befragen und anschließend mit Verstärkung hier hin zurück schicken. Er hatte keine Wahl. Der Blutelf ließ seinen Blick noch einmal über die Geisterlande schweifen und blickte in die Richtung des Sanktum des Westens. Dann legte er seine Hand auf die Kugel und verschwand.

*

Renar blickte in die endlose Weite. War das die Scherbenwelt? Vielleicht ein verschollener Teil des Nethersturms? Nein, das hier war anders. Leerenmagie strömte aus den Rissen des verödeten Bodens. Alles um die fliegende Insel herum war wie violetten Nebel. War das tatsächlich die Leere? Und wenn ja, hatte sie dann diese Welt vernichtet. Überall waren große Felsbrocken, welche mal Teil eines großen Ganzen waren. Immense Mächte hatten hier alles zersetzt und sie schienen es immer noch zutun. Renar spürte so ein beständiges vibrieren im Boden. Welche Mächte hier auch immer am Werk waren, sie waren noch lange nicht fort.
„ Da seid ihr ja.“, rief die junge Elfe kam auf ihn zu. Renar funkelte sie an: „ Was stimmt nicht mit euch?“ Die Elfe schaute schockiert: „ Vergesst nicht, dass ihr mit der Tochter des Hauses Sonnensang sprecht.“ Renar musste kurz überlegen. Sonnensang war ein größeres und einflussreiches Haus. „ Ich weiß gar nicht, warum mein Vater euch verlangt hat.“ Jetzt langsam kam ein Sinn in die Sache. Der Herr des Hauses Sonnensang wollte seine Tochter beschützt wissen. Sie sollte Ruhm ernten, aber nicht Gefahr geraten. Deshalb war sie nicht nach Silithus geschickt worden. Deshalb wurde sie mit ihm auf die Suche nach Gerüchten geschickt. Deshalb hatte man ihn von Raleria getrennt.
Etwas brodelte in Renar und es viel ihm nur schwer sich wieder konzentrieren. Sie mussten hier weg, doch es war keine Teleportationskugel oder der gleichen zu sehen. Ein plötzliches Donnern hallte durch die Luft, gefolgt von Schreien. „ Was war das?“, fragte die Elfe erschrocken. Renar schloss die Augen und konzentrierte sich. Die Vibrationen im Boden hatten aufgehört. Ein Ritual? Die Schreie verstummten nicht. Renar blickte zu einer nahegelegenen Felswand: „ Folgt mir. Und verhaltet euch ruhig.“ Wenn sie hier schon nicht weg konnten von diesem Ort, dann wollte er zumindest wissen, womit sie es hier zutun hatten.
Sie erklommen die Felswand und blickten hinab auf ein Schlachtfeld. Blutelfen kämpften gegen ein humanuides Wesen, dass aus Leerenenergie zu bestehen schien. Die Blutelfen, zahlenmäßig weit überlegen, kämpften größten Teils mit Zaubern gegen das Wesen. Dieses fuhr durch die Reihen seiner Gegner, als wäre ihm das völlig egal. Renar studierte fasziniert seine Bewegungen. Er verschwand im Nichts und tauchte augenblicklich an der anderen Seite des Schlachtfelds auf. Die Blutelfen würden fallen, einer nach dem anderen.

*

„ Sollten wir Ihnen nicht helfen?“, fragte die Blutelfe und zog ihre Dolche. Renar schüttelte den Kopf: „ Der Kampf ist entschieden.“ Oder doch nicht? Etwas änderte sich grade. Den Blutelfen gelang es das Wesen einzukreisen. Aber wieso? Hatte das Wesen keine Kraft mehr? Es war nun völlig umzingelt und die Elfen rückten näher. Renar durchfuhr die Erkenntnis wie ein Blitz. „ Scheint als hättet ihr euch geirrt.“, spottete seine Begleiterin. Dann begann, was Renar befürchtet hatte. Aus dem Wesen begann unkontrolliert Leerenmagie zu entweichen. Wie Pfeile schossen sie durch die Luft. Das Wesen hatte keine Lust mehr zu spielen.
Blutelfen wurden getroffen. Manche zerfielen zu violetten Staub andere gingen sofort bewusstlos zu Boden. Renars Begleiterin blickte schockiert auf das Geschehen. Ihre Hände zitterten als ein Geschoss auf sie zu kam. Renar stieß sie bei Seite und konnte selber noch ausweichen. Die Blutelfe stand auf und blickte Renar an. Dann traf sie ein Geschoss von der Seite und sie löste sich fast augenblicklich in Nichts auf. Renar selber stand auf. Er musste hier weg. Wollte er jemals Raleria wiedersehen, musste er hier weg.
Er sprang die Felswand hinab und eilte in die Richtung, aus der er gekommen war. Der Zauber hinter ihm wurde extremer. Die Geschosse flogen immer weiter und schlugen immer wieder in seiner Nähe ein. Doch es wurden weniger, je weiter er rannte. Er hastete voran und bemerkte erst gar nicht, dass der Zauber ein Ende gefunden hatte. Es war still. Erleichtert atmete Renar durch. Dann stand das Wesen plötzlich vor ihm, legte seine Hand auf Renars Brust und verschwand wieder.
Renar war wie gelähmt. Etwas brannte sich in seinen Körper hinein und breitete sich aus. Er spürte, wie er von innen heraus zerrissen wurde. Seine Haut riss und überall drang violletes Licht aus diesen Rissen. Sie zogen sich von der Brust aus über den ganzen Körper und als sie seine Augen erreichten, schien das Licht mit ihnen zu verschmelzen. Renar hatte den Mund weit geöffnet, als wolle er schreien, doch kein Ton kam heraus. Sein Körper wurde zersetzt und wieder zusammengefügt. Dann verschwand das Leuchten und Renar fiel um, wie eine Puppe. Er war gescheitert, endgültig gescheitert.
Dämmerflucht
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Unausweichlich

Sulima blickte wieder einmal hinab auf Azeroth. Was für eine dumme dumme Welt. Ihre Völker waren jung und teilweise erst seit wenigen Jahrzehnten hier heimisch. Und die kurze Zeit war erfüllt gewesen von Krieg. Horde und Allianz, das waren die zwei großen Fraktionen hier also. Sie kämpften gemeinsam gegen Gefahren, doch die meiste Zeit gegeneinander. Und nun, nach dem die beiden Fraktionen gemeinsam gegen die Legion gescheitert waren und andere Fraktionsmodelle auf dem Vormarsch waren, entbrannte der Krieg von neuem. Es begann mit dem kühnen Versuch des jungen Menschenkönig, der eine Brücke zwischen den Völkern schlagen wollte. Er schien eines der wenigen bemerkenswerteren Geschöpfe zu sein. Doch die Anführer der Horde nutzte diesen Versuch für ein Massaker.
Dazu kam, dass Sargeras Schwert wohl eine tiefe Wunde in Azeroth geschlagen hatte. Diese Welt, welche vielleicht die letzte Weltenseele war, blutete nun langsam aus. Das ihr Blut besondere Macht enthielt, war nicht verwunderlich. Das die primitiven Völker von Azeroth dies aber als Rohstoff für den Krieg sahen schon. Grade die Horde schien das Schicksal ihrer Welt egal und hatte seine Truppen in Bewegung gesetzt, um das Azerit getaufte Material zu beanspruchen. So hatte es ihnen der Hochexarch eben erklärt.
Sulima ärgerten die Vorbehalte der meisten anderen hier auf der Vindekaar. Man wolle in Bereitschaft bleiben und schauen, wie sich die Situation entwickelt. Wie sollte sie sich schon entwickeln? Die Gesinnung der Hordeanführerin war deutlich. Sie zog mit ihren Armeen nach Silithus und beanspruchte sowohl das Azerit, als auch das Schwert von Sargeras für sich. Die Allianz würde reagieren müssen. Krieg war jetzt unausweichlich.

*

Idris staunte und betrachtete Raleria erneut. Die Dämonjägerin hatte ihr Kleid gegen eine robuste Lederrüstung getauscht und sich ihre zwei Kriegsgleven auf den Rücken geschnallt. Sie wirkte nun so viel anders. Da stand keine nette Dame mehr. Raleria war nun eine Kämpferin und das beeindruckte Idris gleichermaßen, wie es sie ei wenig ängstigte. „ Hallo, Azeroth an Idris.“, sagte Raleria erneut und winkte mit der Hand vor dem Gesicht der Nachtgeborenen. Idris schüttelte kurz den Kopf: „ Was, ja. Was wolltest du nochmal wissen?“ Raleria seufzte: „ Na warum wir extra nach Suramar reisen, um dann nach Silithus zu kommen.“
Sie ging weiter die Treppen hinab in die Kellergewölbe der Nachtfestung. Der Magister hatte es ihnen zwar erklärt, aber Raleria schien nicht viel von Arkanmagie zu verstehen , also versuchte Idris erneut ihr Glück: „ Nach dem Machtwechsel hier in Suramar begannen unsere Völker Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zu suchen. Man beschloss ein Projekt, dass nicht kämpferischen Natur war, sondern wissenschaftlich dienen konnte. Wir Nachtgeborenen sind Meister der Raum und Zeitmagie. Aber wir waren lange von der Außenwelt getrennt. Unsere Fähigkeiten wurden mit eurem Wissen gekreuzt und heraus kam ein neues Teleportationsnetzwerk. Statt immer nur feste Orte zu nutzen, werden die bekannten Leylinien verwendet. Dadurch sind wir flexibel.“ Raleria blinzelte kurz: „ Aha…ich versteh kein Wort.“
„ Dann last es mich mal versuchen auf Dummerchenniveau zu bringen.“, sagte eine männliche Stimme. Sie hatten die unterirdische Halle betreten. Hier stand eine große Apparatur im Zentrum und drum herum waren Nachtgeborene und Blutelfen zu Gange. Einer der Blutelfen kam auf sie zu: „ Eine normale Teleportation ist wie ein Tunnel. Ihr geht an einer Seite rein und kommt an der anderen wieder heraus. Was wir hier geschaffen haben, ist aber wie eine Straße. Ihr nehmt eine Leylinie in die richtige Richtung und verlasst sie beliebig oder wechselt auf eine andere, wenn sie sich kreuzen.“ Idris verbeugte sich höflich: „ Antonius Runenweber, erfreut euch wieder zusehen.“ Raleria schaute skeptisch: „ Und das soll funktionieren?“ Runenweber zuckte mit den Schultern: „ Bisher haben wir es nur mit Gegenständen versucht. Aber jetzt seid ihr ja da. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir euch mit fünfzig Prozent Wahrscheinlichkeit nach Silithus bekommen. Natürlich steigt die Quote, wenn ihr ein fähiger Magier den Zauber wirkt.“
Idris lief es kalt den Rücken runter. Die Maschine würde den Pfad berechnen, aber sie würde mit ihrem Zauber sie beide auf dem Pfad halten müssen. So langsam erschien ihr das keine gute Idee mehr zu sein. Dann spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. „ Ich bin in sehr fähigen Händen und hab absolutes Vertrauen in Idris.“, sprach Raleria überzeugt und drückte Idris Schulter. „ Sie kommt nämlich aus einer sehr fähigen Familie. Idris schluckte. Raleria hatte recht. Ihre Familie war nicht ohne Grund in der Hierarchie aufgestiegen. Ihr Großvater war nicht ohne Grund Sterndeuter gewesen. Ja, sie hatte Talent vererbt gekriegt und sie würde das hier schaffen.
„ Also dann. Wenn die Damen soweit sind, legen wir los.“, sagte Runenweber, klatschte in die Hände und ging an eine große Kristallplatte an der Maschine. Dort tauchten Symbole auf, welche der Blutelf berührte und schon begann die Maschine zu arbeiten. Sie projizierte ein astrales Bild von Azeroth und dann waren dort plötzlich hunderte Linien zu sehen, welche sich über die Welt schlängelten . Es dauerte einen Moment, dann leuchtete eine Linie rot au. Sie führte bis zur nächsten und dann leuchtete diese auch. Das ganze ging solange, bis es eine rote Route gab von Suramar bis Silithus. Runenweber drehte sich zu den zwei jungen Frauen um: „ Dann versuchte mal nicht zu sterben.“ Idris und Raleria stellten sich auf eine Plattform und die Magierin atmete tief durch. Dann begann sie ihr Mana auf den Zauber zu konzentrieren und ihn mit der roten Route zu vereinen. Die Plattform leuchtete einmal hell auf und dann waren Idris und Raleria verschwunden.

*

Frische Luft, Sulima hatte war überrascht, wie gut sie sich anfühlte. Dazu kam das Rauschen des Meeres. Vögel flogen von Dach zu Dach und die Straßen waren erfüllt von den unterschiedlichsten Gerüchen. Die Draenei hatte überhaupt keine Vorstellung davon gehabt, welche Entbehrungen ihr Volk und sie hatten erdulden müssen. Sturmwind hatte ihre Sinne förmlich erschlagen, als sie hier ankam. Da verflog auch zeitweise der Ärger über die zugeteilte Aufgabe. Sie war abkommandiert als Krankenschwester. Man wolle die Armee des Lichts im Hintergrund halten, solange die Situation nicht eskalierte. Aber da die Menschen sich auf den Weg nach Silithus machten, fehlte es in ihrer Hauptstadt schnell an Personal.
Die Priesterin holte noch einmal tief Luft und ging wieder in das Krankenhaus zurück. Die Wachen vor der Tür ließen sie anstandslos passieren. Warum umsorgt man diese Leute, wenn man ihnen nicht mal genug vertrauen konnte, als das keine Wachen nötig waren. Sulima schaute die Reihen von Betten entlang. Die Hälfte der Elfen war nicht ein einziges Mal bei Bewusstsein gewesen, seit sie hier eingetroffen waren. Manche stöhnten nur. Andere hatten eindeutig Alpträume. Das Fieber hatten die meisten überstanden. Aber an allen haftete dieser Geruch von dunkler, und verseuchter Magie. Sulima war über die Leere unterrichtet worden. Doch das sich ihre Nähe so unangenehm anfühlte, dass hatte sie nicht erwartet.
Langsam schritt sie von Bett zu Bett. Viel konnte sie nicht machen. Der Einsatz von Lichtmagie hatte man ihr untersagt. Zu frisch war die Leerenmagie in den Körpern dieser Elfen. Plötzlich packte sie eine Hand am Arm. Sulima gab sich Mühe, sich den Schock nicht anmerken zu lassen und blickte zu dem Elfen, welcher grade aufgewacht war. Er war noch recht jung befand sie. Auf seiner Brust war eine Brandwunde mit Tüchern abgedeckt. „ Wo…?“, stöhnte er mehr als das er sprach. Seine Augen leuchteten in einem dunklen violetten Licht. „ Sturmwind.“, antwortete Sulima trocken und riss ihren Arm los von seiner Hand. Der Elf blickte geschockt: „ Ich muss heim…Quel’Thalas…“ Rt versuchte sich aufzurichten, was ihm aber scheinbar große Schmerzen bereitete.
„ Ihr könnt nicht mehr zurück nach Quel’Thalas.“, sprach eine weibliche Stimme vom Eingang des Krankenhauses her. Alleria Windläufer schritt auf sie zu. Sulima kannte die Elfe. Sie war neben dem Hochexarch die einzige Person, welche in der Armee des Lichts aufgestiegen war. Und sie war die einzige Elfe, die es geschafft hatte, die Magie der Leere zu bändigen. Bisher zumindest, denn all die Elfen hier die erwachten, waren wie sie. Sie waren Leerenelfen. Alleria erreichte das Bett und blickte den jungen Elfen an: „ Ihr seid nun mehr, als ein Blutelf. Doch der Preis dafür ist die Verbannung. Euer Schicksal liegt nun bei der Allianz.“ Der Leerenelf starrte vor sich hin, scheinbar damit kämpfend, dass sich sein Schicksal unaufhaltsam geändert hatte.

*

Raleria war übel, einfach nur übel. „ Das war fantastisch!“, rief Idris aus. Raleria musste sich erst einmal setzen. Das ganze fühlte sich an, als hätte sie jemand durch ein viel zu enges Rohr gepresst und das mit hoher Geschwindigkeit. „ Wow…das ist ja gigantisch.“, staunte die Magierin. Raleria hob ihren Kopf und blickte auf das wirklich gigantische Schwert, welches in einiger Entfernung im Boden steckte. Sargeras’s Klinge, welche der gefallene Titan fast bis zur Hälfte in den Planeten gebohrt hatte. Es war Ehrfurcht gebietend. Und es bedeutete, dass sie am Ziel waren. Sie standen auf einem der Berge am Rande von Silithus.
Raleria erhob sich schwankend und ging zu Idris an den Rand der Anhöhe. Vor ihnen lag die große Wüste. Doch anders als gedacht, schien hier überhaupt nichts los zu sein. Waren sie zu früh? Aber wenn ja, wo war dann die Allianz? Wo war die Bedrohung, wegen der die Blutfalken sofort aufbrechen mussten. Hier war nichts zusehen aus der Höhe außer das Schwert. Es war nichts zu hören, außer der stramme Wind. War die Informationslage so falsch gewesen? „ Wir müssen darunter.“, sagte die Dämonjägerin schließlich und deutete auf einen schmalen Pfad, welcher sich von ihrer Anhöhe hinab in die Wüste schlängelte. Idris nickte, auch wenn Raleria ihr die Angst ansehen konnte.
Die beiden Elfen brauchten ein wenig für den Abstieg. Je näher sie dem Boden kamen, umso größer wurden Ralerias Zweifel. Nichts deutete auf Krieg hin. Am Rand der Wüste legten sie noch einmal eine Pause ein. „ Du, Raleria, glaubst du es ist wirklich sicher in der Nähe des Schwertes?“, fragte Idris vorsichtig. Raleria blickte wieder zum Zentrum der Wüste. Ihr Onkel hatte ihr erzählt, dass ein großer Teil der Macht, welche dem Schwert inne wohnte, von Helden versiegelt worden war, nachdem diese aus Argus zurückgekehrt waren. Und ihre Augen bestätigten dies auch. Doch jetzt, wo sie etwas näher waren, da sah die Dämonenjägerin etwas anderes. Am Boden war ihr unbekannte Magie. Für sie schimmerte sie wie Gold und sie schien der Erde selbst zu entstammen. Diese goldene Kraft war stark, sehr stark.
„ Was ist das?“, rief Idris schockiert auf und riss Raleria aus ihren Gedanken. Ein neues Geräusch lag in der Luft und etwas verdunkelte den Himmel über ihnen. Silithiden, die menschengroßen Insekten, welche hier in Silithus zu Hause waren. Ein großer Schwarm rauschte in einiger Höhe über ihren Kopf hinweg und steuerte auf das Zentrum der Wüste zu. Was hatte diese Wesen aufgeschreckt. Seit Jahren waren sie wohl nicht mehr in so großer Zahl gesehen worden. Sie hielten stur ihren Kurs, obwohl Raleria und Idris gut zu sehen waren. Wurden sie von dieser neuen Macht angezogen? Raleria seufzte. Sie spürte Idris Furcht, doch wenn sie Antworten wollten, dann war ein Besuch des Zentrums der Wüste unausweichlich.

*

Das Krankenhaus leerte sich langsam. Sulima musste feststellen, dass Alleria Windläufers Gespräche gewirkt hatten. Die meisten Leerenelfen waren danach plötzlich geheilt. Nun gab es nur noch wenige schlafende, die wahrscheinlich nie mehr erwachen würden und einen, der mit ständig wiederkehrenden Fieber zu kämpfen hatte. Der Elf mit dem Brandmal auf der Brust hatte sie Aufmerksamkeit der Priesterin erregt. Er war körperlich in einwandfreien Zustand. Immerwieder beobachtete sie, wie er mit Leerenenergie zwischen seinen Finger spielte, wenn er einen klaren Moment hatte. Doch dann verfiel er immer wieder dem Fieber. Er wehrte sich gegen seine neuen Kräfte und das war auch gut so. Sulima hatte nun verschiedene Varianten der Leerenmagie beobachten können. Doch bei diesem Elf schien die Energie ungewöhnlich ruhig, fast so, als würde sich die Leere bei ihm wohlfühlen. Wenn er diese Kraft annehmen würde, wäre er gefährlich.
„ Habt ihr es schon gehört?“, fragte eine menschliche Priesterin , welche sich Sulima von hinten genähert hatte. Sulima drehte sich um. Sie mochte diese Priesterin nicht. Sie gab vor dem Licht zu dienen, doch hatte sie weder dessen volle Macht begriffen, noch hatte sie für das Licht jemals geblutet. „ Was soll ich gehört haben?“, fragte sie dann mehr aus Höflichkeit als aus Interesse. Die Frau lächelte: „ Die Soldaten werden bald heimkehren.“ Nun war Sulima überrascht. Nichts in den letzten Tagen hatte darauf hingewiesen, dass es doch nicht zum Krieg kommen würde. „ Die Wachen haben eben erzählt, dass die Horde sich im Bruchlandung versammelt. Sylvanas will sie mit schweren Gerät über den halben Kontinent marschieren lassen. Das wird niemals funktionieren.“, klärte die Frau sie auf.
Sulima schaute grimmig. Wieso sollte diese Sylvanas Windläufer so einen Fehler machen? Sie hatte einiges in letzter Zeit über die Anführerin der Horde gehört. Das passte nicht in ihr Bild. „ Silithus ist nicht ihr Ziel…“, sprach eine Stimme aus dem Hintergrund. Der Leerenelf mit der Brandnarbe startte vor sich hin. Dieser Gesichtsausdruck des Leerenelfen war eigenartig. Auf Sulima wirkte es, als würde der Elf grade ein Rätsel in seinem Kopf zusammensetzen. „ Was glaubt ihr, hat sie vor?“, fragte sie dann mit tatsächlicher Neugier. Der Elf antwortete nicht direkt. Er schien noch das Rätsel zu lösen. Dann wurden seine Gesichtszüge grimmiger: „ Teldrassil. Die Horde greift die Nachteilen an.“ Die Menschenfrau lachte laut auf. Sulima aber betrachtete den Elfen. Irgendetwas sagte ihr, dass er sich nicht irrte.

*

Raleria landete hart auf dem Boden. Ihr Schädel dröhnte und sie taumelte leicht, als sie wieder aufstand. Was war dieses Ding? Es wirkte wie ein Erdelementar, doch bestand es aus diesem komischen Kristallen, die hier in der Nähe des Schwerts aus dem Boden ragten. Seine magische Aura war golden und sein Schlag war ungewöhnlich hart. Das Elementar Bäume sich auf und Raleria hob die Kriegsgleven. Zweimal hatte sie dieses Ding schon erwischt und es stand immer noch. Wenn sie doch nur einen gezielten Schlag setzen könnte. Das Elementar rast los. Doch Raleria war nicht sein Ziel, sondern Idris, welche mit zitternden Knien seid Kampfbeginn auf ein und der selben Stelle stand. „ Lauf!“, schrieb die Dämonjägerin der Magierin zu, doch diese blickte nur geschockt auf die kommende Bedrohung. Das Ding würde die Nachtgeborene zerschmettern. Idris schrie auf vor Panik und hob reflexartig die Arme. Das Elementar rührte sich nicht mehr. Unter ihm leuchteten silberne Glyphen am Boden. Das war Ralerias Chance. Die Blutelfe schoss vor und sprang mit einem kräftigen Satz auf das Elementar zu. Die Klinge ihrer Gleve leuchtete grün und trennte Kopf von Körper.
Raleria atmete tief durch, während das Elementar in sich zusammenfiel. „ Alles in Ordnung.“, fragte sie Idris. Die Nachtgeborene nickte sichtlich geschockt. Die Dämonenjägerin lächelte schief: „ Also daran müssen wir noch arbeiten.“ Sie blickte sich um. Es war kein weiteres Elementar zu erkennen. „ Lass uns weitergehen. Das Lager ist nicht mehr weit entfernt.“, sagte Raleria. Die beiden Frauen setzten ihren Weg fort. Als sie dem Schwert näher gekommen waren, hatten sie von eine Hügel aus ein Lager mit Hordebanner ausmachen können. Sie erhofften sich dort die nötigen Informationen zu bekommen.
Es dauerte nicht mehr lange, bis sie dem Lager nahe genug waren, um dort Bewegung auszumachen. Doch Ralerias Hoffnungen zerschlugen sich schnell. Es schienen ausschließlich Goblins zu sein. Ihre Arbeit bestand im Aufräumen. Zelte waren zerfetzt. Maschinen lagen in Einzelteilen herum. Eindeutig hatte es einen Angriff auf das Lager gegeben. Waren es diese Elementare gewesen oder die Silithiden? Nein, da sah aus, als hätte es Explosionen gegeben. „ Was ist passiert?“, fragte Raleria den nächsten Goblin, den sie packen konnte, als sie im Lager angekommen waren. Mürrisch antwortete dieser: „ Allianzspitzel. Die haben unsere ganze Arbeit sabotiert. Aber die werden sich noch wundern.“ Idris schloss zu den beiden auf: „ Wundern? Worüber?“ Jetzt lächelte die grüne Fratze fies: „ Na über den Krieg.“ Raleria und Idris schauten sich an. Nichts hatte auf ihren Weg auf andrückende Armeen hingewiesen. Der Goblin begann wieder Sachen in eine Kiste zu packen. „ verzeiht, aber wir haben keine Verstärkung für euch ausmachen können bisher.“, warf Raleria ein. Der Goblin lachte laut uns klopfte sich auf die Schenkel: „ Verstärkung für uns? An diesem Ort? Nein, Schnuckelchen, wir sind die Verstärkung. Wir müssen ins Brachland. Der Feldzug gegen die Nachtelfen wird jeden Augenblick beginnen.“
Dämmerflucht
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Re: Der Schild Azeroths

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Das Feuer des Krieges

Idris blickte fassungslos. „ Ihr versteht nicht! Wir müssen zum Brachland!“, fuhr Raleria die Wache an, welche den Portalraum im Kellergewölbe der Nachtfestung blockierte. „ Auf Befehl von Krieghäuptling Sylvanas Windläufer darf niemand, welcher nicht Teil der Streitkräfte der Horde ist, in das Brachland oder angrenzende Gebiete reisen.“, betete der Nachtgeborene erneut runter. „ Seit wann gelten hier die Befehle der Horde?“, fragte Idris strenger, als man es ihr zugetraut hätte. „ Seit dem Koalitionsvertrag, welcher gestern unterschrieben wurde.“, entgegnete die Wache. Raleria griff mit einer Hand zu einer ihrer Kriegsgleven, doch Idris hielt ihren Arm fest: „ Lass uns gehen. Das hat keinen Zweck. Raleria knirschte mit den Zähnen und senkte dann den Arm. Beide Frauen wendeten sich ab und gingen.
„ Was geht hier vor?“, fauchte Raleria, als sie etwas Abstand zur Wache hatten. Sie kochte vor Wut. Diese neue Portaltechnik war der einfachste Weg zum Wegekreuz. Wenn Sie den Umweg über Orgrimmar nehmen würden, wären die Truppen vielleicht schon in Bewegung und Renar irgendwo an der Front verdeckt im Einsatz. Die einzige Chance ihn noch zu treffen wurde ihnen grade verwehrt. Idris schüttelte den Kopf: „ Da geschieht etwas ganz seltsames. Geht die Horde im Krieg immer so vor?“ Raleria stockte. Sie hatte keine Ahnung. Sie war nie als Teil der Horde in den Krieg gezogen. Doch ihr Onkel hatte stets vor Sylvanas Windläufer gewarnt. Er traute ihr nicht und vielleicht hatte er nicht ganz Unrecht gehabt. Ein Krieg gegen die Allianz war doch Wahnsinn.
Sie bogen um eine Ecke und Raleria bemerkte , dass sie diese Gänge nicht kannte. Idris führte sie nicht zum Ausgang der Festung. „ Wo gehen wir hin?“, fragte die Blutelfe verwundert. Idris hielt vor einer Tür und legte die Hand auf die Klinke: „ Dieser Renar…Er ist dir wichtig, oder?“ Raleria betrachtete Idris überrascht. Dann schaute sie betrübt zur Seite: „ Ich glaube er ist der wichtigste Teil in meinem Leben. Aber…“ Idris schaute sie mitfühlend an: „ Aber?“ Nun senkte die Blutelfe den Blick zum Boden: „ Es war alles so neu. Wir hatten keine Gelegenheit über die Zukunft zu sprechen.“ Idris lächelte und drückte die Türklinke hinab: „ Dann sollten wir das ändern.“
Die Tür sprang auf und vor ihnen war ein großer Raum mit allen möglichen Gerätschaften. An einer Werkbank saß jemand und drehte sich ruckartig zu ihnen um. „ Äh, ich steh ja auf Damenbesuch, aber ihr kommt leicht ungünstig.“, sagte Antonius Runenweber und klappte eine Art Lupe beiseite , die sich an einem Brillengestell befand. „ Wir brauchen eure Hilfe.“, sagte Idris und schloss hinter ihr und Raleria wieder die Tür.

*

Chaos, eine bessere Beschreibung fiel Sulima nicht ein. In Sturmwind herrschte Chaos. Die Nachricht war eingeschlagen wie eine Bombe. Mitten in der Nacht hatte die Horde das Gebiet der Nachtelfen angegriffen und war nahe zu widerstandslos durch die Verteidigung gebrochen. Die genaue Lage war unklar. Manche sprachen davon, dass die Horde das Eschental nun komplett kontrollierte. Andere wiederum sprachen davon, dass Dunkelküste schon gefallen war. Wenige munkelten auch schon von Angriffen auf den ominösen Weltenbaum Teldrassil. Einzig das konnte allerdings mittlerweile ausgeschlossen werden. Denn von dort kam ein Hilfegesuch. Seit dem war ganz Sturmwind auf den Beinen. Was an Schiffen im Hafen lag, das wurde beladen. Anderes Personal wurde direkt über Portale nach Teldrassil befördert.
Sulima selbst war zum Magierturm geeilt, doch der Andrang war so groß, dass dieser Mittler abgeriegelt worden war. Scheinbar versuchter jeder irgendwie ambitionierte Held so schnell es ging an die Front zu gelangen. Die Priesterin war voller Wut. Es wurden Namen erfasst und Gruppen eingeteilt. Was glaubten diese Menschen eigentlich, was hier los war? Dieser Leerenelf hatte es vorhergesehen. Die Horde würde Teldrassil angreifen. Die Allianz war dabei eine ihrer Hauptstädte zu verlieren und sie teilten Gruppen ein?
„ Habt ihr es schon gehört? Erzdruide Malfurion hält die Horde wohl grade alleine in Schach.“, erzählte ein Mann grade einem anderen. „ Ha! Da kann sich die Horde aber warm anziehen. Die werden schon merken, was sie davon haben.“, antwortete der andere. Sulima schüttelte den Kopf. Da war sie wieder, die Bestätigung, dass diese Welt so unwissend war. Sie legten ihre Hoffnung in einen einzelnen großen Namen. Was sollte das bringen?
Ein Soldat tauchte vor Sulima auf: „ Name und Klasse?“ Sulima antwortete mürrisch: „ Sulima. Priesterin des Lichts.“ Der Soldat musterte sie und nickte dann: „ Geht dort rüber. Ihr könnt der Gruppe Heiler beitreten.“ Sulima schritt zu der Gruppe. Und musste schon wieder warten, während am anderen Ende von Azeroth der Krieg entbrannt war.

*

„ Nein. Keine Chance. Könnt ihr vergessen.“, sagte Antonius Runenweber deutlich. „ Aber es ist wichtig für uns.“, erklärte Raleria. Runenweber erklärte erneut: „ Schätzchen, ich kann euch nicht helfen. Selbst wenn ich wollte, was ich nebenbei gesagt nicht will.“ Die Dämonenjägerin knirschte mit den Zähnen. Dieser Magier war ein sturer Bock. Wieso hatte Idris geglaubt, dass er bereit wäre ihnen zu helfen? „ Sind das die Überreste von Trilliax?“, fragte die Magierin aus einer Ecke des Raums, wo sie einen großen Vorhang beiseite gezogen hatte und vor einem Haufen Schrott stand. „ Ähm, ja…das kann ich erklären…“, versuchte der Blutelf die Situation zu entschärfen. Idris kam auf ihn zu: „ Ihr könnt erklären, warum ihr in. Besitz von den Überresten eines Wesens seid, welches so viele eurer eigenen Leute getötet hat?“ Raleria lächelte: „ Helft uns und niemand wird davon erfahren.“ Runenweber seufzte: „ Also gut. Kommt mit. Ich zeige euch, dass ich euch nicht helfen kann.“
Zu dritt begaben sie sich zurück in das Kellergewölbe. Raleria ließ den Magier nicht aus den Augen. Irgendwie traute sie ihm nicht. Schnell erreichten sie das Kellergewölbe. Runenweber schien die Frauen schnell loswerden zu wollen. Die Wache ließ sie passieren und der Magier führte sie direkt zu dem großen Apparat in der Mitte des Raums. Er tippte auf dem Bedienfeld rum und wieder erschien das Abbild von Azeroth mit den Leylinien. „ Seht her. Da wollt ihr hin", sagte er und deutete auf den Norden von Kalimdor. Raleria schaute verwundert doch Irdris neben ihr zog direkt die Luft ein: „ Was ist da los?“ Runenweber zuckte mit den Achseln: „ Wissen wir nicht. Es tauchte vor ein paar Stunden auf.“ Raleria schaute die beiden verwirrt an. Dann blickte sie erneut zu der Karte und sah es. Die Leylinien im nördlichen Kalimdor verschoben sich immer wieder. Manche wurden gebeugt und dann wieder gestreckt. Es war wie ein Netz, dessen Maschen man immer wieder auseinander zog und wieder zusammendrückte. „ Und nun schaut her…“, sprach der Magier und drückte wieder auf dem Bedienfeld rum. Eine rote Linie suchte sich ihren Weg von Suramar aus nach Kalimdor. Do al es den Norden erreichte, blieb sie stehen und verschwand wieder. Danach begann die Linie erneut sich ihren Weg zu suchen und brach wieder ab.
Idris senkte den Kopf: „ Es tut mir Leid, Raleria.“ Langsam begriff die Dämonenjägerin. Etwas beeinflusste die Leylinien und daher konnten sie keine Route dort hin finden. Ihre Hoffnung war zerschlagen und ihre Sorge umso größer. Irgendetwas war mächtig genug dafür. Und Renar stand ihm vielleicht jetzt grade gegenüber. „ Moment mal…“, sprach Runenweber und begann wieder auf dem Bedienfeld zu tippen. Raleria und Idris schauten beide auf. Die Störungen waren weg und die rote Linie erreichte ihr Ziel. Die Teleportationsplattform leuchtete auf. „ Idris?“, fragte Raleria verwirrt. Die Magierin schaute sie an: „ Jetzt oder nie.“

*

Sulima atmete tief durch. Fast wäre ihr der Geduldsfaden gerissen. Doch nun endlich hatte man Magier formieren können, die zusätzliche Portale errichteten. Ein kleiner Gnom mit spitzen Hut kam nun auf ihre Gruppe zu: „ Meine Damen und Herren, es geht sofort los!“ Mit übertriebenen Gesten erschuf der Magier einen wirbelnden Strudel aus Licht. In der Mitte des Strudels erkannte man eine idyllische grüne Wiese. Der Gnom nickte zufrieden. „ Nun bitte einzeln durchtreten, bitte.“, sagte er dann und machte eine einladende Geste. Endlich ging es los. Die Gruppe stellte sich vor dem Portal auf. Sulima spürte wie ihr Herz erwartungsvoll pochte. Doch was war das? Das Bild in der Mitte des Strudels blitze auf. Etwas leuchtete immer wieder auf der anderen Seite auf. War das…?
Ein Welle aus Feuer durchdrang das Portal und verschlang die Gruppenmitglieder in der ersten Reihe. Eine Frau kreischte. Und dann begann das Chaos auf dem Platz vor dem Magierturm in Sturmwind. Feuer schoss den versammelten Leuten aus sämtlichen Portalen entgegen. Jene die helfen wollten, lagen nun mit teils schweren Verbrennungen am Boden. Andere rührte sich gar nicht mehr. Die Leute begannen vor den Portalen zu flüchten, durch die sie grade noch freiwillig gehen wollten. Dabei stießen sie sich um und trampelten sich nieder.
Eine Feuerwelle nach der anderen brandete durch die Portale und die ersten Magier versuchten diese zu schließen, bevor das Feuer auf Sturmwind übergreifen konnte. Sulima sah, wie der Gnom ebenfalls begann das Portal zu schließen. Nein! Diese Chance wollte sie sich nicht nehmen lassen. Die Priesterin hastete los. Neben ihr am Boden schrien die Verletzten. Die Priesterin verfolgte unbeirrt ihren Weg. Die Feuerwellen verebbten. Das Portal schmolz langsam. Sulima machte einen Sprung.
Die Priesterin landete auf ausgetrocknetem Boden. Das Gras zerfiel unter ihren Füßen zu Staub. Eine erstickende Hitze raubte ihr kurz die Luft. Aus allen Richtungen ertönten Schreie. Und dieses Knistern von brennenden Holz erschien unerträglich laut. Die Priesterin erschuf schnell eine Barrie aus Licht um sich herum. Das Feuer zog sich zurück, hatte eh einen Großteil seiner Arbeit getan. Zurück blieb eine Welt, verwandelt in Asche.

*


Idris und Raleria starrten nach Norden. Wie eine kleine Kerze am Horizont sah man das Feuer weit im Norden. Eine einzelne Flamme auf dem Meer, das war Teldrassil. Dunkle Wolken aus Rauch und Asche zogen heran und erreichten den Zoram'gar. Näher hatte Idris sie nicht an die Front bringen können. Etwas hatte die Leylinien bis ins Mark erschüttert, als sie das Eschental erreicht hatten. Nun hier am Steg stehend konnte Raleria sehen, was es war. Einer der gesegneten Weltenbäume war gestorben. Was war hier nur geschehen? War das die Horde gewesen? War Renar daran beteiligt gewesen?
Asche regnete auf sie herab wie dunkler Schnee. Im Lager erklang der Jubel der Hordesoldaten. Sie feierten die Asche, die ihren Sieg bedeutete. Raleria drehte sich der Magen um und die Dämonenjägerin senkte ihren Kopf. „ Sollten wir nicht weiter um Renar zu finden?“, fragte Idris besorgt. Raleria blickte missmutig in das Lager. „ Ich weiß nicht, ob ich das noch will.“, antwortete sie ehrlich. Sicher, die Soldaten hier lebten seit über einem Jahrzehnt unter der ständigen Bedrohung eines Krieges mit den Nachtelfen. Sicher musste es für sie eine Erleichterung sein. Aber man hatte ihre Heimat zerstört und zwar komplett. Wie viele Kinder und Frauen waren wohl noch dort gewesen ?
Im Stützpunkt brach Tumult aus. Idris und Raleria tauschten verwirrte Blicke. Dann eilten sie los. „ Dieser Sieg ist kein Grund zu feiern!“, brüllte ein Tauren. „ Diese Nachtschleicher haben es nicht anders verdient!“, brüllte ein Orc zurück. „ Würde Vol’jin noch leben…“, gab an einer anderen Stelle ein Troll von sich. „ Die Dunkle Fürstin ist nun euer Kriegshäuptling.“, gab ein Verlassener zu bedenken. Die feierliche Stimmung war umgeschlagen und hatte sich in eine bedrohliche Richtung entwickelt. „ Vol'jin ist tot. Sylvanas Windläufer hat über die Nachtelfen gerichtet.“, übertönte eine Stimme alle anderen. Die Soldaten schwiegen. Der Kommandant, ein Orc mit weißen Haaren, schritt durch die Menge und blickte sich um: „ Die Zeit wird darüber richten, ob dieser Sieg ehrenhaft war. Doch jetzt ist der Krieg noch nicht vorbei. Die Allianz wird antworten. Zurück auf eure Posten!“
Raleria blickte den Kommandanten an. Es war offensichtlich , dass nicht jeder hier diesen Krieg gewollt hatte. Vielleicht auch Renar nicht. Sie brauchte Klarheit. Sie musste wissen, wie weit er hier drin verstrickt war. Die Menge löste sich auf und der Kommandant nickte zufrieden. Er wendete sich ab. „ Was machen wir jetzt?“, fragte Idris. Raleria blickte wieder zu der kleinen Kerze, die Teldrassil am Horizont war: „ Wir holen uns Hilfe.“

*

Sulima hatte geglaubt, sie könne noch jemanden retten. Sie hatte gehofft, dass es nur ein Teil von Teldrassil getroffen hatte. Doch hier gab es nichts mehr zu retten. Es war egal, wo sie und die anderen , die noch nachgekommen waren suchten. Alles und jeder war dem Feuer einher gefallen. Die Landschaft war schwarz und überall lag dieser Geruch in der Luft. Dieser Geruch des feurigen Todes. Mittlerweile wurde die ersten Helfer wieder zurück gebracht. Zu groß war die Gefahr, dass die Überreste des Baums einfach auseinanderbrachen und Vom Meer verschlungen wurden. Viel gab es eh nicht mehr, was sie hier tun konnten. Eigentlich sogar gar nichts mehr.
Ein unbekanntes Gefühl überkam Sulima. Sie hatte ihr Leben auf der Xenedar verbracht und nie wirklich einen Fuß auf Argus gesetzt, außer bei der Evakuierung zur Vindekaar. Auch kannte sie Argus nur als zerschlagene Welt, verstorben durch die Brennende Legion. Zu sehen, wie ein Krieg eine Welt tatsächlich verändern konnte, das war eine neue Erfahrung, ein neues Gefühl. Es schien eine Mischung aus Zorn und Verzweiflung zu sein. Zorn über diese Gräueltat und Verzweiflung darüber, dass sie nichts hatte unternehmen können.
Das würde ihr nicht nochmal passieren. Sie würde aktiv werden und in diesen Krieg einschreiten. Mit allen Kräften würde sie verhindern, dass hier eine neue Legion entstand. Doch wie sollte sie das tun? Diese Welt war ihr unbekannt genau wie ihre Völker. Es war ärgerlich, doch sie würde Hilfe brauchen. Als man in ihrer Nähe ein Portal nach Sturmwind öffnete, ging sie auf direkten Wege durch und ließ die Überreste von Teldrassil hinter sich. Innerlich wusste sie aber, dass die Erinnerung an diesen zu Asche zerfallenen Ort und was hier geschehen war ein Leben lang begleiten würde.
Dämmerflucht
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Re: Der Schild Azeroths

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Der Schild von Azeroth

Die Wunde auf seiner Brust war zu einer deutlichen Narbe verheilt. Doch immer noch spürte er diesen brennenden Schmerz. Etwas versuchte Besitz von ihm zu ergreifen, doch das konnte er nicht zulassen. Er wollte nicht die Beherrschung verlieren. „ Ich frage euch noch einmal: Wie lautet euer Name?“, fragte der Mensch, welcher seine Kreise um den jungen Leerenelfen zog. Der Raum war dunkel und feucht. Ein Keller irgendwo in Sturmwind. Der Elf saß auf einem Stuhl. Seine Hände auf der Rückseite gefesselt. Er blickte nicht auf und antwortete mit trockener Kehle: „ Renar.“
„ Also gut, Renar, ihr wusstet also von dem Angriff auf Teldrassil.“, sprach der Mann weiter und blieb vor Renar stehen. Renar schüttelte sachte den Kopf: „ Nein.“ Der Mensch verschränkte die Arme vor der Brust: „ Da erzählte mir eine Priesterin aber etwas anderes. Sie sagte, ihr habt das Angriffsziel benannt, noch bevor die Truppen der Horde überhaupt das Brachland verlassen hatten. Also entweder ihr lügt oder ihr seid ein Prophet.“ Renar antwortete nicht. Ihm fehlte grade einfach die Kraft für so eine Diskussion.
„ Also…wo schlägt die Horde als nächstes zu?“, hakte der Mann nach. Wieder schüttelte Renar den Kopf: „ Ich weiß es nicht.“ Der Mann packte Renar am Kragen und zog daran. Die grade verheilt Wunde auf seiner Brust schmerzte. „ Die Horde ist nicht auf dem Weg nach Orgrimmar . Also wo greift Sylvanas an?“, fragte der Mann wieder scharf. Renar wusste es wirklich nicht. Selbst den Angriff auf Teldrassil hatte er sich zusammengerechnet. Sylvanas schien selbst ihre eigenen Leute an der Nase herum zu führen. Doch er rechnete nicht damit, dass dieser Mensch ihm das glauben würde.
„ Die Streitkräfte der Horde haben Segel gesetzt, Junge. Ist das Ziel Sturmwind?“, hakte der Mann erneut nach. Renar hielt kurz inne. Sturmwind…Ja, das war ein logisches Ziel. Aber etwas anderes viel ihm wieder ein. Eine beiläufige Information, die er erhalten hatte: „ Unterstadt. Sylvanas hat Truppen dort hin versetzt. Sie zieht nach Unterstadt…“ Der Mann ließ den Kragen los und richtete sich auf: „ Warum sollte die Horde nach diesem Sieg sich in Unterstadt verschanzen? Du lügst. Aber gut…Ein paar Tage im Verließ wird dich schon brechen.“ Der Mann ging zur Tür öffnete diese. Zwei Soldaten traten ein und packten Renar unsanft und zogen ihn auf die Beine.

*

Der Wind wehte leicht über die große Wiese. Das Gras war hier sehr hoch gewachsen und die Bäume rundum dicht belaubt. Es schien so, als wäre an diesem Ort, unweit von der Stadt Suramar lange niemand mehr gewesen. „ Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?“, fragte Idris und blickte sich zweifelnd um. „ Natürlich. Komm mit.“, antwortete Raleria. Die Dämonenjägerin machte einen Schritt nach vorne und war plötzlich verschwunden. Die junge Magierin zögerte und ging nur vorsichtig nach vorne. Die Luft vor ihr flackerte leicht. Dann tauchte Ralerias Hand wie aus dem Nichts auf, packte sie und zog sie nach vorne.
Idris landete auf ihren Knien vor einem Blumenbeet, was grade noch nicht da gewesen war. Vor den Augen der Nachtgeborenen lag ein gepflegter Garten und dahinter ein Haus im Stile Suramars. Um das Gelände herum schwebten Kristalle in der Luft und summten leise vor sich hin. Wer wohnte hier, dass er fern ab der Stadt einen solchen Tarnzauber benötigte? „ Hatte ich dir nicht was zu unangekündigten Besuchen gesagt, Raleria?“, erklang eine männliche Stimme vom Eingang des Hauses. Ein kahlköpfiger Blutelf trat hinaus. Sein rechter Arm war oberhalb des Ellenbogens abgetrennt. Raleria lächelte: „ Verzeih mir, Onkel. Aber wir hatten keine Zeit für eine Nachricht.“ Erendil Dämmerflucht seufzte und musterte Idris. In seinem Blick lag etwas durchbohrendes. „ Nun gut, kommt herein.“, sagte er schließlich und ging zurück in das Haus. Raleria half Idris auf die Beine und die beiden jungen Frauen folgten dem Blutelfen ins Haus.
„ So ist das also...“, sprach Erendil mit bedacht, als Raleria und Idris ihm bei einem Tee die Vorkommnisse der letzten Tage im Eilverfahren erzählt hatten. Er stand auf und ging zu einem Fenster: „ Und was genau erwartest du nun von mir? Du weißt, dass ich in diesen Krieg nicht eingreifen werde. Ich habe geschworen den Dingen ihren Lauf zu lassen.“ Raleria nickte wissend: „ Ich erwarte auch nicht, dass du dich einmischst. Ich brauche nur deine Hilfe, um Renar zu finden. Zwischen euch beiden herrscht eine Verbindung. Er hat dir bei der Schattenhaften Erlösung geholfen zeitweise.“ Erendil schaute seine Nichte an und Idris erkannte Mitgefühl in seinem Gesicht: „ Das bedeutet aber nicht, dass ich ihn einfach beschwören kann. Außerdem ist er im Krieg.“ Raleria sprang auf: „ Genau deshalb ja. Er wurde zu diesem Krieg gezwungen!“ Erendil hob die Augenbrauen: „ Er ist ein Soldat, Raleria. Soldaten seines Schlags ziehen nicht einfach von der Front ab. In solchen Zeiten funktionieren sie wie eine Maschine.“
Stille kehrte ein. Raleria setzte sich. Idris sah ihr an, wie sie litt. Ihr Onkel war hart, wenn er auch nicht ganz unrecht hatte. Die Stille wurde unangenehm und die Magierin fühlte sich gezwungen irgendwas zu unternehmen: „ Gäbe es denn eine Möglichkeit ihn zu beschwören?“ Erendil musterte Idris wieder und blickte dann zum Fenster hinaus: „ Man bräuchte Blut von ihm. Dann ließe sich da vielleicht etwas machen.“ Idris schluckte. Das hatte die Situation jetzt wohl nicht besser gemacht. Raleria regte sich wieder: „ Er hat sich verändert...Renar hat mir gesagt, dass er sich eine Zukunft mit mir wünscht...“ Erendil zuckte kurz, drehte sich um und musterte Raleria eindringlich. Dann blickte er wieder zum Fenster hinaus: „ Gut für euch, dass ich weiß, wo wir sein Blut herbekommen.“

*

Renar lag auf einem Strohhaufen in der Ecke einer dunklen Zelle. Hier unten war es kalt und feucht. Wasser tropfte beständig von der Decke. Doch immerhin war es hier ruhig. Seit er in Sturmwind aufgewacht war, hatten seine Sinne verrückt gespielt. Was auch immer mit ihm geschehen war, was auch immer nun in ihm war, es hatte versucht ihn in den Wahnsinn zu treiben und versuchte es immer noch. Hier in der Einsamkeit seiner Zelle gelang es ihm langsam, dieses neue Etwas zu bändigen. Was da draußen geschah, interessierte ihn nicht mehr. Er hatte die endgültige Niederlage erlitten. Er war nun verbannt aus seiner Heimat und hatte keine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Raleria. Alles was er war und was er wollte war verloren gegangen in der Leere. Und dennoch spürte er diesen Drang sich gegen den inneren Wahnsinn behaupten müssen. Warum? Warum konnte er sich nicht einfach ergeben? Warum kämpfte er noch?
„ Ihr habt da einige Leute schlecht aussehen lassen.“, erklang eine weibliche Stimme an der Gittertür seiner Zelle. Renar schreckte hoch. Er war so in Gedanken gewesen, dass er ihre Schritte nicht gehört hatte. Die Draenei fixierte ihn mit ihren goldenen Augen: „ Wie habt ihr das gemacht?“ Renar legte sich wieder hin und blickte zur Decke: „ Ihr würdet es eh nicht glauben, Sulima.“ Die Priesterin lächelte. Renar hatte erwartet, dass sie beleidigt über seine Aussage oder überrascht gewesen wäre, dass er ihren Namen kannte. Doch sie schien erneut anders zu sein, als jene, die Renar sonst hier gesehen hatte. „ Ihr seid klug. Ihr hört und achtet auf Dinge, die anderen leicht entgehen. Ihr glaube, ihr wusstet nicht, was das Ziel der Horde war. Ihr habt euch ihre Ziele ausgerechnet und nun schon zweimal richtig gelegen.“
Renar richtete sich nun auf und wendete sich der Draenei zu: „ Zweimal?“ Sulima lächelte und wusste nun, dass sie seine Aufmerksamkeit hatte: „ Die Horde hat sich nach Unterstadt zurück gezogen und sich verschanzt. Die Steitkräfte der Allianz sind unterwegs, um Sylvanas Windläufer zu stellen.“ Renar nickte verstehend. Er hatte also leider recht gehabt. „ Es ist eine Falle, oder?“, fragte die Priesterin und beobachtete den Leerenelf genau. Renar schwieg. Sulima lächelte. Sie schien geschickter zu sein, als andere. „ Ich gehe davon aus, dass der Krieg noch andauern wird und ich werde daran teilnehmen. Ich will, dass ihr mich dabei unterstützt.“ Renars Ohren zuckten. Ihm war ihre Formulierung nicht entgangen. Diese Draenei war extrem ehrgeizig und dabei auch noch intelligent. Sie war gefährlich. „ Ich bin keine Hilfe.“, antwortete er. Sulima verzog kurz das Gesicht. Das war wohl nicht die Antwort, die sie hören wollte. „ Die Horde hat einen Krieg begonnen und direkt am Anfang für tausende Tote gesorgt. Was glaubt ihr wie viele noch sterben werden? Ihr und ich können das verhindern.“ Renar schwieg erneut. „ Überlegt es euch. Mir zu helfen, ist eure einzige Möglichkeit hier raus.“, sagte sie schließlich und ging dann.
Renar atmete tief durch. Diese Draenei war nicht irgendwer. Sie schien jung, aber eindeutig von der Armee des Lichtes zu stammen. Wenn die Armee des Lichtes an diesem Krieg teilnahm, dann stand die Sache schlimmer, als er gedacht hatte. Konnte es sein, dass Raleria auch in diesen Krieg verwickelt worden war? Er musste hier raus. Wenn er irgendwie Raleria helfen wollte, musste er vor der Allianz flüchten. Der Boden unter Renar began grünlich zu schimmern. Dämonische Glyphen bildeten einen Kreis um ihn herum am Boden und dann riss ihn eine gewaltige Kraft fort aus seiner Zelle, fort aus Sturmwind.

*

Renars Kreislauf schwankte und er fiel auf ein Knie. Die dunkle Gefängniszelle hatte sich in einen hellen offenen Raum verwandelt. Der feuchte und abgenutzte Stein der Wände war hochelfischen Verzierungen an glatten Wänden gewichen. Der Leerenelf sah nur verschwommen eine kleine Gruppe vor sich. „ Hat es funktioniert?“, fragte eine weibliche Stimme ängstlich. „ Da stimmt was nicht.“, knurrte eine männliche Stimme. Vor Renar breitete sich grünes Licht aus, ein Zauber. Reflexartig erhob sich Renar und wollte sich verteidigen, doch seine Beine gaben nach. „ Lass das, Onkel!“, schrie eine weitere weibliche Stimme. Renar erkannte sie sofort. Konnte das war sein? Hatte sie ihn gefunden? Das grüne Licht löste sich auf und Renar fiel vornüber und wurde gefangen. Raleria hielt ihn fest und legte ihn sanft zu Boden.
„ Wo...?“, brachte Renar stöhnend hervor, während sein Kreislauf sich fing und die Welt sich langsam aufhörte zu drehen. „ Du bist in Sicherheit. Wir sind im Grabmal.“, antwortete Raleria und strich ihm beruhigend durchs Haar. Renars Augen erkannten die Umgebung. Es war der Rundgang, auf halber Höhe des Grabmal des Sargeras. Hier hatte er seinen Onkel gefordert und war von dessen Schwert durchbohrt worden. „ Wie habt ihr mich...“, versuchte er sich wieder und griff sich an die Schläfe. Etwas in seinem Kopf hämmerte. „ Das erklären wir dir später.“, sprach der Mann, welchen Renar nun als Erendil Dämmerflucht erkannte. „ Jetzt sollten wir hier erst einmal weg.“, fügte er an. Raleria nickte ihrem Onkel zu und half dann Renar auf die Beine.
Die vier Elfen machten sich auf den Weg, bevor jemand sie bemerkte. Eine Etage höher betraten sie einen großen Raum, eine Art Halle. Am anderen Ende war sie offen und ging in einen großen Balkon über. Kurz davor stand ein Podest, umringt von vielen Glasscherben. Der Boden war stellenweise seltsam verformt, als wäre er geschmolzen und wieder erhärtet. Und mitten im Raum ragte etwas aus dem Boden, eine steinerne Hand mit einem Unterarm dran. „ Was ist das?“, fragte Idris schockiert. „ Mein Arm...“, antwortete Erendil trocken. Sie gingen weiter bis zu den Treppenstufen, welche sich vor dem Podest und Balkon befanden. Dort durfte Renar sich wieder setzen.
Raleria setzte sich neben ihn und legte ihren Arm um ihn: „ Was ist mit dir geschehen? Ist das an der Dunkelküste geschehen?“ Erst jetzt realisierte Renar, was er für einen Anblick abgeben musste. Er hatte im Spiegel gesehen, dass die Leerenmagie seine Erscheinung verändert hatte. Grüne Augen waren nun lila. Seine Haut war unnatürlich ergraut. Dazu hatten ihn Krankenhaus, Verhör und Gefängnis nicht grade kräftig zurückgelassen. Raleria musste dies alles sehen können und noch mehr. In ihren Augen konnte er niemals Ähnlichkeit mit seinem alten Ich haben und dennoch behandete sie ihn so. Nach den ganzen Ereignissen der letzten Woche lächelte er das erste Mal. Dann begann er zu berichten.

*

Idris wirkte geschockt, Erendil nachdenklich und Ralerias Blick war voller Mitleid, als Renar mit seinem Bericht geendet hatte. „ Es tut mir so Leid...“, sagte sie vorsichtig und legte ihren Kopf an seine Schulter. „ Leerenelfen...Teldrassil...die Welt gerät kräftig aus den Fugen.“, sprach ihr Onkel nachdenklich. „ Und was machen wir jetzt?“, fragte Idris vorsichtig. „ Natürlich nichts.“, antwortete der kahlköpfige Blutelf. Raleria hob ihr Kopf und blickte ihren Onkel an: „ Aber können wir das so einfach? Was ist, wenn es noch schlimmer wird?“ Erendil zuckte mit den Schultern: „ Das wird es immer. Aber dieser Krieg ist ohne Sinn und Verstand. Ihr tut gut daran, euch daraus zu halten. Sucht euch einen ruhigen Ort und genießt eure gemeinsame Zeit.“
Raleria sprang zornig auf: „ Einfach nichts tun? Ist das dein Ernst, Onkel? Du hast das Inferno von Teldrassil nicht gesehen!“ Erendil blickte seine Nichte ruhig an: „ Ich habe reichlich gesehen und kann dir sagen, dass du nichts tun kannst, um diesen Krieg zu stoppen.“ Raleria fuhr zu Renar herum: „ Sag doch auch mal was!“ Renar faltete die Hände nachdenklich vor seinem Gesicht: „ Ich habe schon Kriege gesehen, aber das hier...Ich fürchte dein Onkel hat recht.“ Raleria blickte ihn enttäuscht an und Renar spürte eine neue Art von Schmerz. Erendil nickte zustimmend: „ Hör auf ihn. Ihr könnt ein paar Tage bei mir bleiben, bis Renar sich erholt hat.“
Idris blickte Raleria mitleidig an. Auch die Nachtgeborene hatte seit Teldrassil dieses Gefühl, dass sie etwas tun müsste. Doch die beiden Männer hatten nicht unrecht. Raleria wendete sich ab. Sie ging die Stufen hoch und zu dem Podest mit den Glasscherben. Erendil ging zu Renar: „ Wir sollten uns die Leerenmagie in deinem Körper genauer anschauen. Wer weis, was sie noch für Auswirkungen hat. Renar nickte und erhob sich. „ Was ist mit dem Schild?“, fragte Raleria plötzlich. Sie hatte ihren Blick auf das Podest gerichtet. Renar und Idris blickten die Dämonenjägerin fragend an. Erendil verzog die Augenbrauen: „ Lass es gut sein, Raleria.“ „ Was für ein Schild?“, fragte Idris neugierig. Erendil schüttelte den Kopf: „ Unwichtig. Ein Hirngespinst.“
Raleria dreht sich um und fixierte ihren Onkel mit ihren brennenden Augen: „ Dein Hirngespinst. Und warum sollte ich. Azeroth braucht diesen Schild. Grade jetzt.“ Der Hexenmeister seufzte nur. Renar blickte ihn an. Raleria hatte irgendeinen Punkt bei ihrem Onkel erwischt. Dann blickte er zu ihr hoch: „ Wovon redet ihr da?“ Raleria kam langsam auf sie zu: „ Mein Onkel hatte eine Idee. Er wollte eine Gruppe von Talenten zusammenführen, um sie abseits von Fraktions- und Rassenkonflikten die Bedrohungen für Azeroth bekämpfen zu lassen. Er hatte sogar schon Kontakt mit Personen aufgenommen deshalb. Doch dann hat er das Projekt wieder eingestampft. Die Gruppe sollte ein Schild für Azeroth sein.“

*

Idris lächelte, während Renar überrascht schien. „Teldrassil ist niedergebrannt. Azeroth verwundet. Warum sollten wir nicht genau jetzt den Schild aufbauen?“, fragte Raleria ihren Onkel frei heraus. Dieser blickte Raleria an. War da Anstrengung in seinen Überlegungen? Der Hexenmeister schüttelte abermals den Kopf: „ Der Schild war als präventive Maßnahme gedacht. Er sollte Bedrohungen erkennen und ausschalten, bevor sie akut werden. Doch wie du selber sagtest, ist der Schaden schon da.“ Raleria schritt langsam die Treppe hinunter: „ Und legt ein Krieger seinen Schild ab, wenn er verletzt wird? Wir können vielleicht größeren Schaden vermeiden.“ Idris jubelte innerlich Raleria zu und auch Renar empfand plötzlich eine neue Art Bewunderung für sie. Er wusste, dass viele Erendil Dämmerflucht verbal versucht hatten die Stirn zu bieten und gescheitert waren. Nun forderte Raleria ihn heraus.
Nur der Hexenmeister schien nicht überzeugt: „ Nur das es nicht funktionieren wird. Hier kämpfen genau die gegen einander, die es zu beschützen galt. Und es werden immer mehr in diesen Krieg hinein gezogen. Bauen nun Hordemitglieder diesen Schild auf, wird das ein katastrophaler Fehlschlag in diesem Krieg.“ Raleria stockte und blickte überrascht. Nun hatte ihr Onkel sie doch auf dem falschen Fuß erwischt. Stille erfüllte den Raum und letzten Endes nickte Erendil zufrieden: „ Dann hätten wir das ja geklärt. Nun sollten wir wirklich gehen.“ Raleria blickte zu Boden. Ihr Gesicht war erfüllt von maßloser Enttäuschung. „ Aber wir gehören nicht alle zur Horde.“, warf Renar ein. Raleria und Idris blickten den Leerenelf überrascht an, während sich in Erendils Augen Zorn abbildete. Renar aber blickte zu Raleria: „ Was wäre, wenn der Schild sich über beide Fraktionen erstreckt? Zwei Gruppen, die koordiniert in den Krieg eingreifen, um ein zweites Teldrassil zu verhindern?“
„ Ihr habt keine Ahnung, wovon ihr da redet!“, brach es aus dem Hexenmeister hervor. Nun ließ er ihnen gar keine Zeit mehr zum Widersprechen: „ Dieser Krieg wird euch zerfleischen. Er wird eure Prinzipien und guten Vorsätze in der Luft zerreißen. Ihr werdet gejagt und bedrängt von Freund und Feind. Und jeder kleinste Fehler bedeutet euren Untergang.“ Idris schluckte. Raleria und Renar blickten sich ernst an. „ Ich werde das nicht gestatten.“, beendete Erendil die Diskussion. Raleria und Renar blickten sich an. Sie verstanden sich wortlos. Renar nickte ihr zu und die junge Blutelfe blickte dann ihren Onkel an: „ Wir brauchen deine Erlaubnis nicht.“
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