Ehre für das Haus

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Can Nabis
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Ehre für das Haus

Beitrag von Can Nabis » Di 12. Jan 2021, 14:42

Ein notwendiges Treffen

"Ist er weg?" fragte Victoria zögerlich und Gustavo warf einen verstohlenen Blick hinter die Vorhänge hinaus zur Straße. David ging gerade davon und überquerte den kleinen Platz vor dem Kontor nicht ohne sich nach mindestens zwei Dame umzudrehen. Gustavo waren solche Schürzenjäger einfach zuwider. "Ja," gab der dunkelhäutige Mann zur Antwort, "er ist weg." Victoria seufzte und setzte sich auf einen Stuhl. Auf dem Tisch neben ihr stand eine feine Tasse mit Jadetempel-Tee, daneben auf einem Teller lagen ein paar Zimtschnecken die Phinomena Ulgrich vorbeibringen lies.
"Ich weiß nicht was du an ihm findest," sagte Gustavo während er sich zu ihr setzte. "Es kann wohl kaum das Aussehen sein." Auch er schenkte sich eine Tasse Tee ein, gab einen kleinen Schuss Rum dazu und nippte kurz daran.
"Ich weiß es nicht," erwiderte Victoria. "David mag vielleicht nicht der bestaussehendste Kerl hier sein..."
"Oder der schlaueste," warf Gustavo ein, was Victoria nur mit einem Augenrollen quittierte.
"...aber er ist ehrlich. All die anderen hier verfolgen ihre geheimen Ziele, versuchen sich gegenseitig zu übertrumpfen, versuchen das Messer ungesehen in den Rücken des Gegners zu rammen während sie ihn anlächeln."
"Und du denkst dieser Hugyn ist anders?" Gustavo betrachtete eine der Zimtschnecken abschätzig während er sprach, so als wüsste er nicht ob er sie essen solle oder nicht.
"Ich hoffe es, doch ist es noch zu riskant mehr zu wagen."
"Du meinst wegen Anacleti? Du weißt nicht ob du ihm vollends vertrauen kannst?"
Victoria nickte und nahm einen Schluck Tee. "David hat mir das Leben gerettet, nicht weil er sich dadurch irgendeine Belohnung erhofft hat, nein... weil er es einfach konnte. Er hat mich ohne zu zögern aus der Taverne getragen und nach einer Heilerin geschickt. Er hat zuvor bei diesem Knüppel bewiesen wie wichtig ihm jene sind die er zu seinen Freunden zählt. Und wenn ich dir und deinen Beobachtungen glaube, dann ist er auch ein sehr bemühter Vater." Scheinbar war die Versuchung zu groß, denn nun nahm sie sich eine der Zimtschnecken und biss genüsslich rein.
"Was das angeht, kann ich ihm keinen Vorwurf machen. nur sein Umgang und seine Manieren sind.... sagen wir mal ausbaufähig," gab Gustavo mürrisch von sich.
"Es kann sich eben nicht jeder in solch edlen Kreisen bewegen wie wir beide, mein alter Freund." Victorias Schmunzeln brachte Gustavo zu lachen.
"In der Tat, MyLady A...," doch Victoria schnitt ihm das Wort mit einer Handbewegung ab.
"Nicht hier. Wer weiß wer zuhört. Die vielen Augen und Ohren in dieser Stadt gehören vielen Meistern und im Moment können wir ein öffentliches Bekenntnis nicht riskieren." Gustavo nickte.
"Was die edlen Kreise betrifft....der von dir gewünschte Geschäftspartner ist eingetroffen. Er erwartet dich am üblichen Treffpunkt um die Details zu besprechen. Hältst du es wirklich für Klug ihn von der Leine zu lassen? Das kann verdammt unschön werden." In Gustavos Worten schwang ein wenig sorge mit.
"Meine Tante hielt viel von ihm. Niemand in Tol Dagor war wegen mehr Morden eingesperrt al er und das er nun bereit ist in unsere Dienste zu treten, zeigt das er Sinn für´s Geschäft hat. Ohne uns wäre er nie nach Mechagon gelangt. Er wäre längst wieder hinter Gittern oder, was wahrscheinlicher ist, am Galgen Futter für die Krähen. Wir treffen uns morgen mit ihm."
Gustavo nahm die Entscheidung seiner Herrin nickend zur Kenntnis, wäre es doch vergebene Mühe sie umstimmen zu wollen.

Am nächsten Tag verliesen die beiden die Stadt in Richtung Norden, ihr Ziel war Zhu´s Wacht. Gegen Abend kamen in dem kleinen Ort an, der nur aus ein paar Hütten der Bauern und einer kleien Taverne bestand. "Und jetzt?" wollte Gustavo wissen.
"Jetzt warten wir," bekam er von Victoria zur Antwort, die bereits festen Schrittes auf die Taverne zuhielt. Der Gastraum war klein aber sauber. Der Geruch von Gebratenem Fleisch und Gewürzen hing in der Luft und lies einen beim Betreten sofort hungrig werden. Gustavo und Victoria nahmen an einem Tisch platz und wenig später hatte jeder von ihnen einen Teller dampfender Nudeln vor sich und einen Krug Sturmbräu daneben. Sie aßen und tranken und warteten....doch als es draußen bereits nach Mitternacht war und alle Gäste bereits fort waren blickten sie sich skeptisch an. "Hey, ich will ja niemanden rauswerfen..." meldete sich der dicke Pandare zu Wort dem das hier wohl gehörte, "...aber egal auf wen ihr wartet, er hat euch wohl versetzt."
Gustavo wollte gerade aufstehen um die Rechnung zu bezahlen, als eine kleine Gestalt in der Tür erschien. Ein kurzes Pfeifen war zu hören, ehe sich der Pandare an den Hals griff, fragend zu seinen Gästen blickte und dann wie ein Sack Reis der Länge nach auf den Boden donnerte.
"Guten Abend," sprach nun der Neuankömmling mit seltsam mechanischer Stimme. "Schön euch wieder zu sehen."
Gustavo blickte auf den Pandaren und fragte dann die Gestalt in der Tür: "Ist er tot?"
"Nein, aber wenn ihr wollt?" Die Gestalt, bei der es sich mit Sicherheit um einen Gnom handeln musste, machte einen Schritt auf den Wirt zu und zog dabei ein Messer.
"Nein...," Victoria hob ihre Hand, "..das ist nicht nötig. Solange er uns nicht verraten kann darf er weiterleben. Wir haben auf euch gewartet."
Das Messer verschwand und der Gnom ging zu ihnen. unter jedem seiner Schritte pochte der Holzboden, so als hätte der kleine Mann Stiefel aus stahl an und würde ne halbe Tonne wiegen. "Verzeiht meine Verspätung, aber ihr hattet seit Port Crystal einen Verfolger. Hab mich darum gekümmert. Er sagte er wäre im Auftrag der Lady von Auerbach hinter euch her um für eure Sicherheit zu sorgen.... war doch bestimmt gelogen, oder?"
"Absolut," entgegnete Gustavo schockiert. "Ich denke eher die Lady wollte wissen wo wir hinreisen und lässt uns überwachen."
"Na dann ist´s ja gut das ich ihm die Haut abgezogen hab. Den Rest machen die Tiere." ein leises klackern war zu vernehmen als sich der Gnom auf einen Stuhl setzte der verdächtig knarzte. "Also, worum geht´s? Ihr habt hier Probleme die ich für euch lösen soll?"
"Nein, Probleme lösen kann ich selber," meldete sich nun Victoria mit bedrohlichem Ton zu Wort. Langsam beute sie sich zu dem Gnom vor. Die Kerze in der Mitte des Tisches warf einen unheimlichen Schein auf ihr blindes Auge und die Narbe in ihrem ansonsten hübschen Gesicht warf einen dunklen Schatten. "Ich will das ihr den Mann der hierfür verantwortlich ist leiden lässt."

Noch bis in die frühen Morgenstunden saßen die drei beisammen und unterhielten sich über Port Crystal. Und während die braven Bürger der Hafenstadt langsam erwachten, zog am Horizont ein Sturm auf, der bald schon erste Opfer unter ihnen fordern würde.

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