Hart aber HERZlich - aus dem Leben von Velery Flemen

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Velery
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Hart aber HERZlich - aus dem Leben von Velery Flemen

Beitrag von Velery » So 14. Jun 2020, 12:56

Ein Schild mit „Herzlich willkommen“ befindet sich an der Dachbodentür zur Taverne in Port Crystal. Nicht wenige fragten sich bereits, was sich dort oben über den Gästezimmern befinden mag und kaum jemand weiß von der geheimen Nutzung. Eine Besenkammer! Nichts weiter als eine Besenkammer, so würde man vermuten. Aktiviert man jedoch einen kaum sichtbaren Hebel unter einer Holztreppe, schiebt sich die Frontwand zur Seite und offenbart einen schmalen Korridor. Direkt dahinter befindet sich ein luxuriös eingerichteter Raum inmitten der Dachbalken. Geziert wird dieser Bereich von im Holz eingeschnitzten Herzen, einer an der Wand hängenden, gut 2 mal 2 Schritt großen Landkarte von ganz Azeroth sowie einer gemütlichen Sitzgelegenheit um einen Schreibtisch. Es ist der persönliche Rückzugsort von Velery Flemen.

Hingegen mancher Annahme weilt sie meist unter Tags hier oben und geht dem Schriftverkehr und Planungen nach. Die pralle Sonne über Port Crystal macht der blassen Schönheit zu schaffen, weshalb sie ihre anderweitigen Tätigkeiten gerne auf spätere Stunden verschiebt. Jüngst koordiniert und leitet sie von hier aus die Geschicke des Herzblatt-Kartells. Nach dem mysteriösen Tod von Nhaomi Thunderwick war es ihr gelungen zum Kopf des Kartells aufzusteigen. Eigentlich war Albos Burke zum Nachfolger bestimmt worden, doch warum auch immer war er aus Port Crystal geflohen. Ein Umstand, den sich Velery zunutze gemacht hat. Die blonde Schönheit war kein unbeschriebenes Blatt in der Szene, ihr Ruf unter den Piraten aus Freihafen war ihr vorausgeeilt. Dort hat sie sich einen Namen als fähige Schurkin gemacht und so manch fragwürdige Kontakte und Verbindungen geknüpft. Ihre neue Rolle als Kopf des Herzblatt-Kartells hat jedoch einige Fragen innerhalb dieser verbrecherischen Gesellschaft aufgeworfen und nicht jedes Mitglied steht ihr loyal gegenüber. Es gibt jedoch Einen, dem sie vollends vertrauen kann, Brogosch Steintaler, er ist Velerys Mann fürs Grobe und treuer Berater. Der Dunkeleisenzwerg lebt bereits seit 2 Jahren in Port Crystal und kennt die Hafenstadt besser als seine Westentasche. An jenem Nachmittag schlich er sich in den Dachboden, nachdem er eine Spielkarte mit einer Herz-Dame darauf auf seinem Kopfpolster gefunden hat.

Brogosch: Immer diese Spielchen, Vel! Gehen dir die Spielkarten nicht langsam mal aus?

Velery: Das sollte nicht deine Sorge sein, Bro. Setz dich, der Kokos-Rum hier ist für dich.

Brogosch: Kokos-Rum? Oje, dann wird’s ja meistens heikel bis kompliziert.

Velery: Albos Burke ist in Jederhafen. Der Nachtwächter hat gezwitschert.

Brogosch: Ah, ging der Nachtwächter also auf Tauchstation bevor er plauderte?

Velery: Die Rothaarige hat ihn ausgequetscht. Wie ich es vermutet habe ist sie magiekundig. Ich habe sie zu der Befragung dazu holen lassen und sie hat am Köder angebissen. Es wäre ein Fehler sie zu unterschätzen, Brogosch. Ihre Fähigkeiten sprechen für sich, es war beeindruckend. Ach ja, im Zuge dessen, bestelle bei Andorella in Sturmwind eines dieser von ihr gefertigten Schutz-Diademe gegen mentale Manipulation. Ich lasse mir nur ungern in mein hübsches Köpfchen gucken.

Brogosch: Da kannste aber mal sicher 30 Goldstücke locker machen, Vel. Geht in Ordnung, ich schicke Jim los. Der ist in Sturmwind ein unbeschriebenes Blatt.

Velery: Kommen wir zurück zu Burke. Der Nachtwächter bestätigte, dass er nach Jederhafen geflohen ist. Mit dem was er weiß, könnte er mir gefährlich werden, sehr gefährlich sogar. Wenn er sich auch noch Celsi Zündschnur und ihrer Bande anschließt wird er für mich unantastbar, ich will keinen Bandenkrieg zwischen ihr und uns. Burke muss von der Bildfläche verschwinden, sauber und diskret wie der Schlüpfer einer Lichtpriesterin aus Sturmwind.

Brogosch: Solange Burke am Leben ist gibt es einen Zeugen. Aber Jederhafen ist ein schwer überschaubares Pflaster, Vel. Wenn er dort untergetaucht ist, wird’s schwierig. Außerdem sind viele Gesichter des Herzblatt-Kartells dort bekannt.

Velery: Gewiss, aber vielleicht braucht es genau dafür einfach ein paar neue Gesichter. Ich weiß schon, wer mir dabei helfen könnte.

Die Herz-Dame lachte verschmitzt, während Brogosch seinen Kokos-Rum schlürfte und es sich auf einer Holzkiste bequem machte.

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Velery
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Schau in die Ferne

Beitrag von Velery » Mo 22. Jun 2020, 10:51

Der raue Westwind wehte durch das strohblonde Haar der in engen Leder gekleideten jungen Dame, welche gemütlich an der Reling lehnte. Ihr Blick war durch ein juwelenbesetztes Fernglas in die Ferne gerichtet. An Bord dieses Schiffes der Schwertwasserkorsaren schnupperte sie nicht nur die salzige Meeresbrise, sondern auch den Duft von Erinnerungen aus vergangenen Tagen. Velery Flemen war einst selbst unter den Piraten von Freihafen tätig, bevor sie auf das Herzblatt-Kartell von Port Crystal aufmerksam geworden war. Wobei, dies einen ganz anderen Hintergrund hatte.

Sie hatte Informationen für Kaperfahrten beschafft und diese auch organisiert, ohne selbst je daran teilgenommen zu haben. Das hatte seinen ganz speziellen Grund, die Beschaffenheit ihrer Haut. Velery war eine Albino und so blass wie Kalk. Seit Kindesbeinen war sie gezwungen die Sonne am Himmel weitestgehend zu meiden, ein Grund warum man sie jetzt während der Überfahrt nur abends oder nachts an Deck fand. Nur zu gern hätte sie die Piraten auf ihren Raubzügen auf See damals begleitet, aber sie wusste ob der Konsequenzen und war doch sehr auf ihr äußeres Erscheinungsbild bedacht. Damals war sie die Frau im Hintergrund gewesen, die die Schiffsrouten der Handelskähne in Erfahrung gebracht hatte, Informanten bestochen und unliebsame Mitwisser beseitigt hatte. Sie war gut darin gewesen und sie hätte das sicher noch eine Zeit lang weiter gemacht, wäre da nicht Jemand auf sie aufmerksam geworden. Die Verstrickungen daraus hatten sie schlussendlich nach Port Crystal geführt.

Als sie plötzlich leise Schritte hinter sich vernahm fuhr Velery akrobatisch herum und blickte Rick Feilmann, dem Koch des Schiffes in die Augen.

Rick: Na Vel, immer auf der Lauer, hm?

Velery: Die gebratenen Lenden waren ein Traum, Rick.

Rick: Danke! Du suchst noch immer die Schatten der Nacht auf, wie?

Velery: Die Sonne und ich sind nach wie vor nicht die besten Freunde, manches ändert sich eben nie. Irgendwann gewöhnt man sich an ein Leben, dass davon geprägt ist wach zu sein, wenn andere schlafen. Aber es hat auch seine Vorteile.

Rick: Dein Weggang damals aus Freihafen hat Fragen aufgeworfen. Die Sache lief doch grandios für dich. Warum Vel?

Velery: Ich hatte meine Gründe, Rick. Frage bitte nicht weiter nach, es ist kompliziert.

Rick: Für dich war nie etwas kompliziert, Vel. An der ganzen Sache ist doch was faul.

Velery: Lass uns doch lieber ein Kartenspiel wie in alten Zeiten ausmachen. Roll die beiden Fässer rüber und ich erleichtere dich um ein paar Silbermünzen.

Rick: Warum weiß ich jetzt schon, dass das für mich nicht gut ausgehen wird. Die Herz-Dame sticht meistens ihre Kontrahenten aus.

Im fahlen Mondesschein wurde an diesem Abend ein heiteres Kartenspiel ausgetragen und über gemeinsame Erlebnisse der Vergangenheit geplaudert.

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Velery
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Die Akte

Beitrag von Velery » Mi 1. Jul 2020, 09:45

Markes Stradivar sah in seinen 50 Lebensjahren viele Leute kommen und gehen. Große und Kleine, Dicke und Dünne, Gebeugte und Muntere, Männer und Frauen. Sie Alle hatten jedoch eine Sache gemeinsam, sie waren nämlich Verbrecher. Fast die Hälfte seines Lebens verbrachte er in der Garnison im Magierviertel zu Sturmwind, dem markanten Gebäude, in dessen Untergrund sich das sogenannte Verließ erstreckte. Markes Stradivar war der königliche Sekretär des Gefängnisses und archivierte all die Akten ehemaliger und derzeitiger Gefangener. Sein Sekretariat war einfach eingerichtet. Ein hoher Kamin sorgte für wohltuende Wärme innerhalb der dicken Steinmauern. Über einer breiten Kommode, gefertigt aus echtem Elwynner Holz, hing ein Öl-Portrait von König Varian Wrynn. Auf der Plakette darunter war zu lesen „In Erinnerung an einen großen Sohn Sturmwinds“. Die fensterlose Kammer wurde lediglich durch Kerzenschein ausgeleuchtet und doch nahm man eine gewisse Gemütlichkeit wahr. Markes Stradivar lebte diesen Beruf, es war mehr eine Berufung.

Es war ein lauer Frühsommermorgen als der Sekretär des Verließes zu Sturmwind seine Kammer aufsperrte, Mantel und Hut sorgfältig am Holzkleiderständer aufhing und sich einen Krug Quellwasser schnappte. Anschließend heizte er den Kamin an und erfreute sich der von ihm ausgehenden Wärme. Zähneknirschend ob seines geschundenen Rückens nahm er hinter seinem Schreibtisch Platz und betrachtete das Pergament, welches er am Vortag aufgenommen hatte. Er schüttelte Kopf während er leise murmelte „Conrad Sammus, Bäckergehilfe, erleichterte seinen Onkel um dessen Erbe“. Der Sekretär seufzte, denn er kannte den Angeklagten persönlich. Conrad war eigentlich ein guter Junge und mit viel zu vielen Sorgen beladen. Vielleicht handelte er aus einer bedauerlichen Aussichtslosigkeit heraus. Der drei jährigen Haftstrafe entkam er trotzdem nicht. Markes bedauerte dies. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als es klopfte. Die Tür öffnete sich und herein trat Offizier Brody, stellvertretender Wachmeister des Verließes. Er schloss die Tür nach dem Eintreten hastig.

Brody: Ehre dem König, Sekretär!

Markes: Ehre dem König, Wachmeister. Was kann ich für euch tun?

Brody: Ich bitte euch mir eine Akte auszuhändigen, Sekretär.

Markes: Name bitte.

Brody: Flemen. Flemen Velery.

Der Sekretär erhob sich, schlurfte zu den mannshohen Regalen im Nebenraum und begann seine Suche. Das Pergament war bald darauf gefunden, Markes Stradivar war für seine penible Ordnung und Genauigkeit bekannt. Zurück in seinem Sekretariat nahm er wieder Platz und öffnete die Pergamenthülle.

Markes: Oha, ehemalige Defias. Der Steckbrief befindet sich im zweiten Umschlag.

Der Sekretär überreichte dem Wachmeister die Akte. Dieser blätterte sie kurz durch, schritt zum Kamin und warf diese in das offene Feuer. Entsetzt erhob sich Markes von seinem Stuhl.

Markes: Wie bitte? Seid ihr vom Licht verlassen, Brody?

Brody: Die Anweisung kommt von Morwald Gerling persönlich. Ihr tut gut daran darüber zu schweigen, Sekretär.

Der Wachmeister drehte sich schweigend um und verließ kurzerhand das Sekretariat. Er hinterließ einen äußerst nachdenklichen und grübelnden Markes Stradivar, der jedoch bald darauf zu der Einsicht gelangte, dass zu viele Fragen lediglich Kopfschmerzen bereiten würden.

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Am Strand von Beutebucht

Beitrag von Velery » Fr 10. Jul 2020, 11:29

Der Sonnenuntergang nahe dem Strand von Beutebucht räumte Velery Flemen die Möglichkeit ein, über die jüngsten Entwicklungen und Ereignisse nachzudenken. Sie hockte im warmen Sand, geschützt unter dem Blätterdach einer Palme. Albus Burke war tot und das war gut so. David hatte die Leiche über die Klippen nahe Jederhafen geworfen und die Haie hatten den Rest erledigt. Burke war der einzige Zeuge gewesen und nun konnte er ihr nicht mehr gefährlich werden. Innerlich atmete sie auf, wenngleich ihre hastige Nachhilfe bei dessen Ableben gewiss Fragen aufgeworfen hatten.
Die jüngste Erkenntnis über Orelina stimmte die blasse Schönheit jedoch nachdenklich. An jenem Abend hatte ihr die Hexenmeisterin in der Taverne zu Beutebucht offenbart, dass sie sich in einem Seelenpakt mit einem Dämon befinde. Ein Seelenpakt! Was bedeutete dies für ihre Pläne und Vorhaben in Port Crystal? Könne sie einer Person vertrauen, derer Interessen von einem höheren Wesen beeinflusst wurden? Sind Orelinas wahre Absichten durch die Macht dieses Dämons manipuliert worden? Diese Tatsache ließ Velerys Pläne wie ein Kartenhaus in sich einstürzen, denn dieser Umstand wurde für sie zu einem unkalkulierbaren Risiko. Wohl oder übel müsse sie das Gespräch mit der rothaarigen Hexenmeisterin suchen. Das Wort „Vertrauen“ war aufgrund Orelinas Vergangenheit wohl das Wort der Stunde. Vielleicht konnte sie genau hier erfolgreich ansetzen, denn Velery beabsichtige diese bisher erfolgreiche Zusammenarbeit fortzusetzen.

Schließlich erhob sich die blonde Dame, warf einen Stein ins Wasser und schlenderte zurück zur Hafenstadt. Im Gedränge abendlicher Stunden am Steg rempelte sie plötzlich eine Gestalt an und ehe sie sich umsah, war besagte Person auch schon wieder verschwunden. In ihrer Hosentasche fand sie jedoch ein zusammengefaltetes Blatt Pergament ohne Siegel, welches sie hastig öffnete und las:

dniwmruts ist geklärt.
Erwarten Fortschritt in …. …….
M.G.


Einen Augenblick lang starrte Velery nachdenklich in die Ferne, um kurz darauf das Blatt Pergament zu zerreißen und dessen Überreste in die See zu werfen. „Welch interessante Wendung“ dachte sich die selbsternannte Herz-Dame des Herzblatt-Kartells.

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Im Sinne der Wohltätigkeit

Beitrag von Velery » Do 23. Jul 2020, 08:58

Aus der Altstadt Sturmwinds war melodiöser Gesang zu vernehmen, der zu abendlicher Stunde sogar bis zur Taverne „Zum pfeifenden Schwein“ vordrang. So mancher Gast, der aus der Wirtsstube heraustorkelte, hielt inne, lauschte und ging wieder seiner Wege. Manche folgten jedoch den Lauten, welche von musikalischen Klängen begleitet wurden. Der Weg führte sie zwischen die Häuser in eine Sackgasse, an dessen Ende ein luxuriös wirkendes Holzblock-Haus stand. Elwynner Bäume wurzelten in dem einladenden Garten und spendeten an heißen Tagen ausreichend Schatten. An jenem Abend tummelten sich jedoch zahlreiche Gäste im Garten vor dem stattlichen Anwesen. Dieses gehörte Elrich Bolt-Lescovar, ältester Sohn des bekannten Geschäftsmannes Adrian Bolt-Lescovar, welcher im Zwergenviertel erfolgreich einen Handelskontor führt. Hingegen den Erwartungen seines Vaters folgte Elrich jedoch seinem inneren Ruf und widmete sich dem Studium der Rechtskunde, anstatt sich dem Handel zu zuwenden. Er steht einer überschaubaren Kanzlei für Rechtsberatung vor und lebt seinen Beruf als Berufung. Richtsprüche im Königreich werden meist von der Krone, dem Adel oder dem Klerus gesprochen und jene Angeklagten, die es sich leisten können, stellen einen Rechtsbeistand für sich und eben ein solcher war Elrich Bolt-Lescovar.

Der heutige Abend war einer wohltätigen Sache gewidmet, nämlich dem Wiederbau der kriegsbeutelten Region des nördlichen Kalimdor. Dieser Wohltätigkeitsball sollte vorwiegend den zahlreichen Flüchtlingen aus Darnassus zugutekommen.

Als die musikalische Einlage endete, trat Elrich, gefolgt von seiner hübschen Gattin Melinde und deren gemeinsamen vier jährigen Sohn, aus der Haustür in den Garten. Die junge Familie wurde unter Applaus und Beifall der Gäste begrüßt. Das Paar hielt inne und ließ ihren Blick durch die Menge schweifen. Namhafte Gäste stachen den Beiden dabei ins Auge. Die Familie Trias war vertreten, ebenso der Greifenmeister Dungar Trinkfest oder die Zwergin Bralla Wolkenflug. Gesandte des Adels, Klerus als auch der magischen Zunft waren auch anwesend. Elrichs Blick blieb plötzlich an einer ganz bestimmten Person haften. Gemeinsam mit seiner Gattin Melinde begrüßte er einige der Würdenträger persönlich mit Handschlag, tauschte sich aus und wechselte so manches Wort, ohne dabei besagte Person aus den Augen zu verlieren. Als der Barde zum nächsten Lied anstimmte und die Sänger ihre Position nahe der Gartenhütte einnahmen, drängte sich Elrich durch die Menge und nutzte die Gunst des Augenblicks, um das Gespräch mit besagter Person zu suchen.

Elrich: Morwald Gerling, ich hoffe doch sehr, ihr seid aus privaten Gründen hier und feiert ausgelassen mit uns. Anders müsste ich mir nämlich nun Sorgen machen.

Morwald: Dann hat der Gastgeber es wohl verabsäumt, die Liste der Spender durchzugehen. Wäre er dem nachgekommen, hätte er meinen Namen darauf gefunden. Dem Licht zum Gruße, Herr Lescovar.

Elrich: Ich bin untröstlich, bitte verzeiht! Herr Gerling, es freut mich euch auf meinem Anwesen willkommen zu heißen. Wie ist das werte Wohlbefinden?

Morwald: Man sieht es mir gewiss an, dass ich wohl auf bin. Was bleibt einem in Zeiten wie diesen? Gutes Essen und eine Veranda mit Seeblick. Die Krönung wäre, eine solch bezaubernde Dame wie eure Gattin an der Seite zu wissen. Die Träume eines übergewichtigen Mannes mit beschränktem Haarwuchs, ja ich weiß.

Elrich: Ihr amüsiert mich. Warum seid ihr wirklich hier?

Morwald: Gewiss nicht wegen der Geschäfte eures Vaters, seid unbesorgt. Übrigens haben wir alles überprüft, eure Behauptung, darin nicht verwickelt zu sein, ist glaubhaft. Und ihr tut gut daran, Herr Lescovar. Haltet euch davon fern, denn auf sauberen Westen sucht man umso intensiver nach dunklen Flecken. Aber wir sollten die Besonnenheit des Abends nicht durch komplizierte Worte trüben. Ich denke man erwartet eine Ansprache von euch.

Elrich: Eine Sache noch, Herr Gerling. Ist sie wohl auf?

Morwald: Herr Lescovar, manche Fragen sollten nicht gestellt werden und manche Fragen sollten nicht beantwortet werden. Beherzigt meinen wohlwollenden Rat und lasst manche Schatten der Vergangenheit hinter euch.

Der groß gewachsene, blonde Mann nickte seinem untersetzten Gegenüber schweigend zu. Elrich wirkte für ein paar Momente sehr nachdenklich, ja eigentlich sogar bedrückt. Schließlich ließ er Morwald Gerling in der Menge zurück und wandte sich dem Holzpodium zu, wo ihn bereits seine lächelnde Gattin Melinde erwartete.

Melinde: Alles in Ordnung, Schatz?

Elrich: Alles gut. Ich sollte die Ansprache nun halten.

Nach der Ansprache des Gastgebers folgte ein üppiges Festmahl, bei welchem ausgelassen gefeiert und getanzt wurde. Elrich saß bei Tische zwischen seiner Frau und einem hohen Adeligen, doch gedanklich war er in der weiten Ferne.

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Missverständnisse aus der Welt schaffen

Beitrag von Velery » Di 28. Jul 2020, 10:49

Die pralle Mittagssonne strahlte über dem wolkenfreien Himmel von Port Crystal und bescherte der Region einen heißen Sommertag. Zahlreiche Möwen kreisten über dem Hafen und warteten gierig auf hoffentlich ausgiebige Fischabfälle der Berufsangler. Ein Schoner aus Gadgetzan legte gerade an Kai 2 an und wurde von mehreren Dockarbeitern der Stadt eingewiesen. Es war ein Tag wie jeder andere im „Juwel des Südens“, wie die Einwohner Port Crystals ihre Stadt mit Stolz bezeichneten.

Entsprechend schwül war es auch im Dachgeschoss der Taverne „Zum gehängten Seebären“. Das geheime Hauptquartier des Herzblatt-Kartells war luxuriös eingerichtet und bot mit zahlreichen Gucklöchern zwischen den Holzbalken einen weiten Überblick bis zum Hafen hinunter. Aus einem verschiebbaren Dachziegel schob sich das Rohr eines Fernglases, denn Manches wollte man doch im Detail im Auge behalten. Diverse Ziergegenstände, sei es erbeutetes Diebesgut oder ersteigerte Kostbarkeiten aus dem Schwarzmarkt, hatten dekorativ ihren Platz gefunden und rundeten den Flair des Raumes ab. Über dem Westbalken spannte sich eine große Landkarte, sämtliche Inseln und Kontinente Azeroths waren darauf eingezeichnet. Diese war übersät mit Nägeln, welche teilweise mit verschiedenfarbigen Schnüren verbunden waren.
Eine drückende Schwüle lag im Raum und Tulef schwitzte. Er schwitzte, aber nicht wegen der Hitze im Raum. Der hochgewachsene Mittdreißiger hockte gebückt auf einem Holzstuhl und vermochte es nicht, sein zittern zu unterdrücken. Hinter einem breiten Schreibtisch saß ihm Velery Flemen, die Herz-Dame, gegenüber. Flankiert wurde sie von ihrer rechten Hand, dem Dunkeleisenzwerg Brogosch und Raul Gutmen, einem geschwätzigen Gewerbetreibenden Port Crystals. Stille, bedrückendes Schweigen, man hätte eine Stecknadel fallen hören. Velerys emotionsloser Blick durchbohrte ihren Kartell-Mitarbeiter Tulef, der zusehends nervöser wurde. Schließlich erhob sich die blasse Schönheit mit dem blonden Pferdeschwanz und trat hinter Tulef an einen Wandschrank heran. Gelassen öffnete sie diesen und begann sich unter den Blicken Brogoschs und Rauls gemächlich zu entkleiden. Tulef hätte diesen Anblick sicher ebenso genossen, würde er sich nicht in dieser misslichen Lage befinden und wäre er ihr nicht mit dem Rücken zugewandt gewesen. Während sie sich in ein enges Lederkorsett zwängte und sich oberarmlange Stoffhandschuhe überzog, brach es aus Tulef heraus.

Tulef: Boss, das war ein Missverständnis! Wirklich! Nhaomi war zu weichherzig, als sie diese Sache mit Meister Can ausverhandelt hat. Gerwin meinte, das Kartell hat nichts davon und wir müssen uns darum kümmern. Ich, ich, ich hab nur getan, was Gerwin von mir verlangt hat, Boss. Ehrlich! Er war es, der mich überredet hat, Meister Can einzuschüchtern. Ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl bei der Sache, bitte glaub mir. Ich mach das wieder gut! Ich kümmere mich drum, ich verspreche es.

Mittlerweile war Velery hinter Tulef herangetreten und legte sanft ihre linke Hand auf seine linke Schulter. Er schrak auf. Einige Augenblicke hielt sie inne und streichelte beruhigend über Tulefs Kopf. Blitzschnell zog sie ihre Klinge und nur einen Augenblick später formte sich eine rote Linie entlang Tulefs Hals. Der Mann gurgelte und spuckte Blut. Velery hielt seinen Kopf fest, während der sich im Todeskampf befindliche Scherge wild um sich schlug. Raul wandte den Blick Richtung Wandkarte ab, Brogosch zog einen Mundwinkel hoch und verharrte ruhig. Das Schauspiel dauerte nur wenige Augenblicke, dann ließ Velery den leblosen Körper Tulfes nach vorne überkippen. Eine Blutlache sammelte sich unter ihm. Schließlich brach Raul das Schweigen.

Raul: Man sagt, Meister Can sei eine Koryphäe auf dem Gebiet der Kräuterkunde. Er hat mehr als ein Händchen für die richtigen Blüten und, Trommelwirbel, damit meine ich auch die richtigen Blüten. Meine Sekretärin, ihr kennt Angelique ja, ein reizendes junges Ding aus Kul Tiras, wirklich zum Anbeißen, sie hat bei ihm diese speziellen Blüten gekauft, die „Schweb-wie-ein-Schmetterling-Blüten“. Sie meinte, sie hätte schon so Einiges probiert, aber Meister Cans Blüten sind unglaublich, die Wirkung einzigartig und länger anhaltend als bei anderen. Und Jim hat bei ihm dieses Pulver für die Männlichkeit erworben, er prahlte damit, dass er seine Alte die ganze Nacht hindurch beglücken konnte. Die konnte am nächsten Tag nicht mal mehr sitzen, stellt euch das mal vor! Und seine Alte ist ja wirklich nicht gerade eine Augenweide, muss man sagen. Klar das man da nachhelfen muss, von selbst regt sich da sonst nichts, da gewinnt jede Orc den Orgrimmarer Schönheitswettbewerb daneben, vorausgesetzt so eine Veranstaltung gibt’s bei den Wilden da drüben überhaupt.

Irgendwann reichte es Brogosch und er unterbrach Raul mit den Worten: Wir habens kapiert, Raul! Sein Kraut ist das Beste auf dem Schwarzmarkt!

Raul: Ja, und, Trommelwirbel, vor allem steht Meister Can für Qualität! Das ist nicht so ein gestrecktes Zeug aus Beutebucht!

Über einer Schüssel Wasser gebeugt reinigte Velery schweigend ihr Gesicht von den Blutspritzern und entledigte sich gemächlich ihrer Handschuhe. Es dauerte, bis sie sich wieder umgezogen hatte und ihren Platz am Schreibtisch einnahm.

Velery: Ich will mit Meister Can Geschäfte machen. Brogosch, organisiere ein Treffen. Lade ihn und seine Sekretärin auf ein Kerzenlicht-Dinner in den Seebären ein. Auf Kosten des Hauses. 5, 6, 7-Gänge mit frischen Meeresfrüchten und allem Drum und Dran. Anschließend will ich mit ihm reden.

Daraufhin schritt Brogosch aus dem Dachboden der Taverne und verließ diese über die Gaststube. Er wurde aufmerksam, als sich ein Gast beim Kellner beschwerte, weil dieser eine klare Gemüsesuppe bestellt habe und ihm Gulasch serviert worden war. Was für ein Glück, dass besagter Gast es nicht bemerkt hatte, dass es rot von der Decke herab getropft war.

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Velery
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Onkel Jem und Tante Sche

Beitrag von Velery » Fr 21. Aug 2020, 14:20

Nur drei Kerzen spendeten gerade ausreichend Licht in dem dunklen Kellergewölbe, welches unterhalb der Küche zur Taverne „Zum gehängten Seebären“ lag. Von oben vernahm man die Stimmen singender Matrosen, sich streitender Kartenspieler und wortreicher Gäste. Hier unten vernahm man nur leises bibbern und zittern. An die Wand gedrängt kauerten zwei Gestalten in dichtem Fell, sie umarmten sich ängstlich. Ihnen gegenüber stand ein stämmiger Dunkeleisenzwerg, der auf den Namen Brogosch Steintaler hörte. Er war der erste Trumpf und die rechte Hand der Herz-Dame. Sein Blick war düster und seine Gesichtszüge grimmig. Er verharrte einer Steinstatue gleichkommend und ließ die beiden Pandaren vor sich nicht aus den Augen. Brogosch knurrte und erfreute sich darüber, als die beiden Fellknäuel zusammenzuckten.

Irgendwann öffnete sich eine Tür und leise Schritte die Treppe herab waren zu hören. Zwischen den Schatten wurde eine junge, blonde Frau sichtbar. Sie war in Leder gekleidet und bewegte sich gesonnen ruhig. Am Treppenabgang hielt sie inne, betrachtete schweigend die beiden Pandaren und gesellte sich nach einigen Augenblick sodann neben Brogosch.

Velery: Onkel Jem und Tante Sche

Pandarin: Wir, wir heißen …

Velery: Unwichtig! Von heute an seid ihr Onkel Jem und Tante Sche. Ihr seid unlängst, nach der schrecklichen Tragödie an eurem Hof, dass euch Hab und Gut gekostet hat, ins Tal der vier Winde ausgewandert. Dort habt ihr einen baufälligen, überschaubaren Hof günstig erworben. Welch ein glücklicher Zufall, dass der Tavernenbesitzer des gehängten Seebären auf euch aufmerksam wurde und euch gegenüber das Angebot aussprach, Hopfen für das künftige „Port Crystaler Helles“ anzubauen. Ihr habt natürlich sofort eingewilligt, schließlich soll hier aus eurem Hopfen Bier nach dem pandarischen Reinheitsgebot gebraut werden. Man wurde sich schnell einig und der Tavernenbesitzer versprach eine dauerhafte Abnahme des Hopfens. Ihr wart so glücklich, nach all den Entbehrungen der letzten Jahre. Ihr wisst wie man Pflanzen anbaut und erntet, so dass sie Ertrag bringen?

Pandare: Wir sind nur einfache Bauern, nichts weiter.

Velery: Das muss ausreichen, vorerst. Merkt euch die Geschichte, die ich euch soeben erzählte. Es ist eure Geschichte und ihr werdet sie so wiedergeben, falls man sich nach euch erkundigt. Leistet gute Dienste und führt ein ruhiges und unauffälliges Leben, dann wird es euch sehr gut gehen. Tanzt ihr aus der Reihe oder denkt gar daran abzuhauen, erfreue ich mich zwei neuer, pelziger Bettvorleger in meinem Schlafgemach. Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt? Ja, ich habe mich deutlich genug ausgedrückt. Seht ihr, nun sind Alle glücklich. Brogosch, schaff die Beiden ins Tal der vier Winde. Alles weitere klären wir dann vor Ort.

Der grimmige Dunkeleisenzwerg wies die Beiden harsch die Treppe hinauf. Entgegen kam ihnen die attraktive Bardame Oktavia Mai, die wohl ebenso das Gespräch mit der Herz-Dame suchte.

Oktavia: Auftrag erfolgreich ausgeführt, Boss.

Lächelnd griff Velery in ihre Hosentasche, holte drei Goldmünzen daraus hervor und schnippte diese Oktavia entgegen. Während die Bardame die Treppen hinauf zurück in die Küche schritt, verließ Velery den Keller über den Kanalschacht nach draußen.

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