Hart aber HERZlich - aus dem Leben von Velery Flemen

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Velery
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Hart aber HERZlich - aus dem Leben von Velery Flemen

Beitrag von Velery » So 14. Jun 2020, 12:56

Ein Schild mit „Herzlich willkommen“ befindet sich an der Dachbodentür zur Taverne in Port Crystal. Nicht wenige fragten sich bereits, was sich dort oben über den Gästezimmern befinden mag und kaum jemand weiß von der geheimen Nutzung. Eine Besenkammer! Nichts weiter als eine Besenkammer, so würde man vermuten. Aktiviert man jedoch einen kaum sichtbaren Hebel unter einer Holztreppe, schiebt sich die Frontwand zur Seite und offenbart einen schmalen Korridor. Direkt dahinter befindet sich ein luxuriös eingerichteter Raum inmitten der Dachbalken. Geziert wird dieser Bereich von im Holz eingeschnitzten Herzen, einer an der Wand hängenden, gut 2 mal 2 Schritt großen Landkarte von ganz Azeroth sowie einer gemütlichen Sitzgelegenheit um einen Schreibtisch. Es ist der persönliche Rückzugsort von Velery Flemen.

Hingegen mancher Annahme weilt sie meist unter Tags hier oben und geht dem Schriftverkehr und Planungen nach. Die pralle Sonne über Port Crystal macht der blassen Schönheit zu schaffen, weshalb sie ihre anderweitigen Tätigkeiten gerne auf spätere Stunden verschiebt. Jüngst koordiniert und leitet sie von hier aus die Geschicke des Herzblatt-Kartells. Nach dem mysteriösen Tod von Nhaomi Thunderwick war es ihr gelungen zum Kopf des Kartells aufzusteigen. Eigentlich war Albos Burke zum Nachfolger bestimmt worden, doch warum auch immer war er aus Port Crystal geflohen. Ein Umstand, den sich Velery zunutze gemacht hat. Die blonde Schönheit war kein unbeschriebenes Blatt in der Szene, ihr Ruf unter den Piraten aus Freihafen war ihr vorausgeeilt. Dort hat sie sich einen Namen als fähige Schurkin gemacht und so manch fragwürdige Kontakte und Verbindungen geknüpft. Ihre neue Rolle als Kopf des Herzblatt-Kartells hat jedoch einige Fragen innerhalb dieser verbrecherischen Gesellschaft aufgeworfen und nicht jedes Mitglied steht ihr loyal gegenüber. Es gibt jedoch Einen, dem sie vollends vertrauen kann, Brogosch Steintaler, er ist Velerys Mann fürs Grobe und treuer Berater. Der Dunkeleisenzwerg lebt bereits seit 2 Jahren in Port Crystal und kennt die Hafenstadt besser als seine Westentasche. An jenem Nachmittag schlich er sich in den Dachboden, nachdem er eine Spielkarte mit einer Herz-Dame darauf auf seinem Kopfpolster gefunden hat.

Brogosch: Immer diese Spielchen, Vel! Gehen dir die Spielkarten nicht langsam mal aus?

Velery: Das sollte nicht deine Sorge sein, Bro. Setz dich, der Kokos-Rum hier ist für dich.

Brogosch: Kokos-Rum? Oje, dann wird’s ja meistens heikel bis kompliziert.

Velery: Albos Burke ist in Jederhafen. Der Nachtwächter hat gezwitschert.

Brogosch: Ah, ging der Nachtwächter also auf Tauchstation bevor er plauderte?

Velery: Die Rothaarige hat ihn ausgequetscht. Wie ich es vermutet habe ist sie magiekundig. Ich habe sie zu der Befragung dazu holen lassen und sie hat am Köder angebissen. Es wäre ein Fehler sie zu unterschätzen, Brogosch. Ihre Fähigkeiten sprechen für sich, es war beeindruckend. Ach ja, im Zuge dessen, bestelle bei Andorella in Sturmwind eines dieser von ihr gefertigten Schutz-Diademe gegen mentale Manipulation. Ich lasse mir nur ungern in mein hübsches Köpfchen gucken.

Brogosch: Da kannste aber mal sicher 30 Goldstücke locker machen, Vel. Geht in Ordnung, ich schicke Jim los. Der ist in Sturmwind ein unbeschriebenes Blatt.

Velery: Kommen wir zurück zu Burke. Der Nachtwächter bestätigte, dass er nach Jederhafen geflohen ist. Mit dem was er weiß, könnte er mir gefährlich werden, sehr gefährlich sogar. Wenn er sich auch noch Celsi Zündschnur und ihrer Bande anschließt wird er für mich unantastbar, ich will keinen Bandenkrieg zwischen ihr und uns. Burke muss von der Bildfläche verschwinden, sauber und diskret wie der Schlüpfer einer Lichtpriesterin aus Sturmwind.

Brogosch: Solange Burke am Leben ist gibt es einen Zeugen. Aber Jederhafen ist ein schwer überschaubares Pflaster, Vel. Wenn er dort untergetaucht ist, wird’s schwierig. Außerdem sind viele Gesichter des Herzblatt-Kartells dort bekannt.

Velery: Gewiss, aber vielleicht braucht es genau dafür einfach ein paar neue Gesichter. Ich weiß schon, wer mir dabei helfen könnte.

Die Herz-Dame lachte verschmitzt, während Brogosch seinen Kokos-Rum schlürfte und es sich auf einer Holzkiste bequem machte.

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Velery
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Schau in die Ferne

Beitrag von Velery » Mo 22. Jun 2020, 10:51

Der raue Westwind wehte durch das strohblonde Haar der in engen Leder gekleideten jungen Dame, welche gemütlich an der Reling lehnte. Ihr Blick war durch ein juwelenbesetztes Fernglas in die Ferne gerichtet. An Bord dieses Schiffes der Schwertwasserkorsaren schnupperte sie nicht nur die salzige Meeresbrise, sondern auch den Duft von Erinnerungen aus vergangenen Tagen. Velery Flemen war einst selbst unter den Piraten von Freihafen tätig, bevor sie auf das Herzblatt-Kartell von Port Crystal aufmerksam geworden war. Wobei, dies einen ganz anderen Hintergrund hatte.

Sie hatte Informationen für Kaperfahrten beschafft und diese auch organisiert, ohne selbst je daran teilgenommen zu haben. Das hatte seinen ganz speziellen Grund, die Beschaffenheit ihrer Haut. Velery war eine Albino und so blass wie Kalk. Seit Kindesbeinen war sie gezwungen die Sonne am Himmel weitestgehend zu meiden, ein Grund warum man sie jetzt während der Überfahrt nur abends oder nachts an Deck fand. Nur zu gern hätte sie die Piraten auf ihren Raubzügen auf See damals begleitet, aber sie wusste ob der Konsequenzen und war doch sehr auf ihr äußeres Erscheinungsbild bedacht. Damals war sie die Frau im Hintergrund gewesen, die die Schiffsrouten der Handelskähne in Erfahrung gebracht hatte, Informanten bestochen und unliebsame Mitwisser beseitigt hatte. Sie war gut darin gewesen und sie hätte das sicher noch eine Zeit lang weiter gemacht, wäre da nicht Jemand auf sie aufmerksam geworden. Die Verstrickungen daraus hatten sie schlussendlich nach Port Crystal geführt.

Als sie plötzlich leise Schritte hinter sich vernahm fuhr Velery akrobatisch herum und blickte Rick Feilmann, dem Koch des Schiffes in die Augen.

Rick: Na Vel, immer auf der Lauer, hm?

Velery: Die gebratenen Lenden waren ein Traum, Rick.

Rick: Danke! Du suchst noch immer die Schatten der Nacht auf, wie?

Velery: Die Sonne und ich sind nach wie vor nicht die besten Freunde, manches ändert sich eben nie. Irgendwann gewöhnt man sich an ein Leben, dass davon geprägt ist wach zu sein, wenn andere schlafen. Aber es hat auch seine Vorteile.

Rick: Dein Weggang damals aus Freihafen hat Fragen aufgeworfen. Die Sache lief doch grandios für dich. Warum Vel?

Velery: Ich hatte meine Gründe, Rick. Frage bitte nicht weiter nach, es ist kompliziert.

Rick: Für dich war nie etwas kompliziert, Vel. An der ganzen Sache ist doch was faul.

Velery: Lass uns doch lieber ein Kartenspiel wie in alten Zeiten ausmachen. Roll die beiden Fässer rüber und ich erleichtere dich um ein paar Silbermünzen.

Rick: Warum weiß ich jetzt schon, dass das für mich nicht gut ausgehen wird. Die Herz-Dame sticht meistens ihre Kontrahenten aus.

Im fahlen Mondesschein wurde an diesem Abend ein heiteres Kartenspiel ausgetragen und über gemeinsame Erlebnisse der Vergangenheit geplaudert.

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Velery
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Die Akte

Beitrag von Velery » Mi 1. Jul 2020, 09:45

Markes Stradivar sah in seinen 50 Lebensjahren viele Leute kommen und gehen. Große und Kleine, Dicke und Dünne, Gebeugte und Muntere, Männer und Frauen. Sie Alle hatten jedoch eine Sache gemeinsam, sie waren nämlich Verbrecher. Fast die Hälfte seines Lebens verbrachte er in der Garnison im Magierviertel zu Sturmwind, dem markanten Gebäude, in dessen Untergrund sich das sogenannte Verließ erstreckte. Markes Stradivar war der königliche Sekretär des Gefängnisses und archivierte all die Akten ehemaliger und derzeitiger Gefangener. Sein Sekretariat war einfach eingerichtet. Ein hoher Kamin sorgte für wohltuende Wärme innerhalb der dicken Steinmauern. Über einer breiten Kommode, gefertigt aus echtem Elwynner Holz, hing ein Öl-Portrait von König Varian Wrynn. Auf der Plakette darunter war zu lesen „In Erinnerung an einen großen Sohn Sturmwinds“. Die fensterlose Kammer wurde lediglich durch Kerzenschein ausgeleuchtet und doch nahm man eine gewisse Gemütlichkeit wahr. Markes Stradivar lebte diesen Beruf, es war mehr eine Berufung.

Es war ein lauer Frühsommermorgen als der Sekretär des Verließes zu Sturmwind seine Kammer aufsperrte, Mantel und Hut sorgfältig am Holzkleiderständer aufhing und sich einen Krug Quellwasser schnappte. Anschließend heizte er den Kamin an und erfreute sich der von ihm ausgehenden Wärme. Zähneknirschend ob seines geschundenen Rückens nahm er hinter seinem Schreibtisch Platz und betrachtete das Pergament, welches er am Vortag aufgenommen hatte. Er schüttelte Kopf während er leise murmelte „Conrad Sammus, Bäckergehilfe, erleichterte seinen Onkel um dessen Erbe“. Der Sekretär seufzte, denn er kannte den Angeklagten persönlich. Conrad war eigentlich ein guter Junge und mit viel zu vielen Sorgen beladen. Vielleicht handelte er aus einer bedauerlichen Aussichtslosigkeit heraus. Der drei jährigen Haftstrafe entkam er trotzdem nicht. Markes bedauerte dies. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als es klopfte. Die Tür öffnete sich und herein trat Offizier Brody, stellvertretender Wachmeister des Verließes. Er schloss die Tür nach dem Eintreten hastig.

Brody: Ehre dem König, Sekretär!

Markes: Ehre dem König, Wachmeister. Was kann ich für euch tun?

Brody: Ich bitte euch mir eine Akte auszuhändigen, Sekretär.

Markes: Name bitte.

Brody: Flemen. Flemen Velery.

Der Sekretär erhob sich, schlurfte zu den mannshohen Regalen im Nebenraum und begann seine Suche. Das Pergament war bald darauf gefunden, Markes Stradivar war für seine penible Ordnung und Genauigkeit bekannt. Zurück in seinem Sekretariat nahm er wieder Platz und öffnete die Pergamenthülle.

Markes: Oha, ehemalige Defias. Der Steckbrief befindet sich im zweiten Umschlag.

Der Sekretär überreichte dem Wachmeister die Akte. Dieser blätterte sie kurz durch, schritt zum Kamin und warf diese in das offene Feuer. Entsetzt erhob sich Markes von seinem Stuhl.

Markes: Wie bitte? Seid ihr vom Licht verlassen, Brody?

Brody: Die Anweisung kommt von Morwald Gerling persönlich. Ihr tut gut daran darüber zu schweigen, Sekretär.

Der Wachmeister drehte sich schweigend um und verließ kurzerhand das Sekretariat. Er hinterließ einen äußerst nachdenklichen und grübelnden Markes Stradivar, der jedoch bald darauf zu der Einsicht gelangte, dass zu viele Fragen lediglich Kopfschmerzen bereiten würden.

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