Die Wege eines Arathor

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Patrick
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Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » So 3. Mär 2019, 14:02

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Stories, Gedichte und Gedanken von Patrick O'Flaherty

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Patrick
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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » So 3. Mär 2019, 14:51

Der Weg von Eisenschmiede in Richtung Loch Modan war frei, der Tag versprach schön zu werden und er hatte einen leichten Trab angeschlagen. So ritt er für einige Weile in tiefer Harmonie mit sich, der Landschaft und dem Leben. Seine Gedanken schweiften ein wenig ab und er ließ sich einiges der letzten Zeit durch den Kopf gehen, als plötzlich eine zwergische Stimme an sein Ohr drang. Er zügelte die Stute und lauschte. Nichts und dann plötzlich der Hilfeschrei einer weiblichen Person. Ohne zu zögern galoppierte er in Richtung des Schreis und erkannte von Weitem, dass hier ein Unglück im Gange war. Eine Zwergin, eingebrochen im Eis des Sees und ein hungrig wirkender Wolf, der versuchte an seine eingebrochene Beute heranzukommen. Er sprang vom Pferd, als er in der Nähe war und zog die Axt aus der Rückenhalterung.

"Verschwinde!" brüllte er dem Wolf zu und drohte ihm mit der Axt. Der Wolf zuckte zusammen und Patrick nutzte die Unsicherheit des Tieres, um einen Schneeball zu formen und auf das Tier zu werfen. Er brüllte den Wolf nochmal und anscheinend war das dem Tier schon genug, er zog die Rute leicht ein und flüchtete. Patrick eilte durch den Schnee und auf das Eis zu.
"Haltet durch! Ich bin gleich bei euch", sagte er und machte einen vorsichtigen Schritt aufs Eis. Unter ihm knackte es leicht und er fluchte innerlich.
"Strampelt weiter, hört nicht auf" sagte er der Zwergin. Die befolgte seinen Rat und versuchte über Wasser zu bleiben. Er legte sich auf den Boden und begann auf allen Vieren, so flach wie möglich auf das Eis gepresst, so nah wie möglich an die Zwergin zu kommen.
"HIIIILFE" rief die Zwergin nochmal panisch und er versuchte sie mit ruhigen Worten zur Vernunft zu bringen. Die Axt wurde als Armverlängerung vorgeschoben.
"Greift danach!" befahlt er der Zwergin ruhig. Jene versuchte panisch die Axt zu greifen und ging für einen kurzen Moment unter, als wieder etwas Eis nachgab.
Ein arathischer Fluch wurde ausgestossen und Patrick hörte leise das Eis knirschen, als er sich weiter vorschob. Leise betete er, dass das Eis halten möge. Die Zwergin war wieder aufgetaucht, die Haut nun blass-blau und er wusste, dass sie es nicht mehr lange aushalten würde.
"Jetzt greift danach und bleibt ruhig, ich ziehe euch raus" sagte er befehlend und mit ruhiger Stimme. Sein Herz raste während er versuchte nach aussen hin die Ruhe in Person zu sein.

Ruhe bewahren in brenzligen Situatonen hatte er schon als Jugendlicher gelernt. Panik brachte nichts und so war er auch in jener Situation ruhig und besonnen und seine Ruhe sprang auf die Zwergin über. Sie griff nach der Axt und fand Halt. Patrick spannte die Armmuskeln an und begann sie herauszuziehen, während er dabei ganz langsam und vorsichtig über das Eis zurückkroch. Leise knirschte und knackte das Eis, doch es hielt und es gelang ihm sicher die Schneefläche des Ufers zu erreichen und die Zwergin zu sich zu ziehen. Blau gefroren zitterte sie wie Espenlaub und er verschwendete keine Sekunde länger, nahm den gefütterten Umhang ab und wickelte sie darin an.
"Ist das Euer Haus?" fragte er und nickte in Richtung der Behausung, die in Ufernähe stand.
"N...n..nein. I..ich w..w..wollte z..zum St..st..steinbruch!" stotterte sie.
Patrick überlegte. Zum Steinbruch war es noch viel zu weit. Sicherlich gut 1,5 bis 2 Stunden Ritt. Das würde die Zwergin nicht überlegen.
"Wir nehmen das Haus", sagte er und hob die Zwergin auf. So klein sie war, war sie doch nicht gerade leicht. Patrick schnaufte und stapfte in Richtung Haus.
"Sieht verlassen aus" meinte er zu der Zwergin, die zitterte wie eine gnomische Maschine.
An der Tür angekommen, trat er mal dagegen und rief lauter "Hallo? Wir brauchen Hilfe."
Stille war die Antwort. Die Hütte wirkte auch eher verlassen. Eine Angelhütte vielleicht oder Jägerhütte, wer wusste das schon. Vorsichtig stellte er die Zwergin an die Wand.
"Schön stehenbleiben", sagte er ermahnend und kramte dann einen Dietrich aus der Gürteltasche. Geschickt und geübt öffnete er das Schloss der Tür und trug die Zwergin dann nach unten. Der Raum war gemütlich und rustikal eingerichtet. Das Bett war gemacht und wirkte etwas staubig. Ansonsten war alles aufgeräumt und wartet nur darauf wieder genutzt zu werden. Sein Weg führte ihn gen Bett, wo er die Zwergin sanft ablegte.
"Ihr müsst raus aus der Kleidung", sagte er knapp und schaute sie an.
"Schafft ihr das alleine?" fragte er und die Zwergin nickte.
"Gut, eilt euch. Ich werde ein Feuer machen!"
Ohne zu zögern nahm er das Kaminholz welches neben dem Kamin aufgestapelt war und schichtete es entsprechend im Kamin auf. Sein Sturmlanzenfeuerzeug nutzte er an einem Anzündholz und kurz darauf begann es zu knistern und die Flammen stiegen hoch.
Die Zwergin war nicht wirklich weit gekommen.
"Ich bin so müüüüüde" sagte sie unter Geschlotter. Patrick eilte zu ihr und begann sie mit geschickten Fingern von der nassen Kleidung zu befreien.
Ihre Nacktheit ignorierend wickelte er sie in eine Decke, die am Fussende des Bettes lag.
"Nicht einschlafen. Das bekommen wir schon hin", sagte er eindringlich, zog sich die Lederhandschuhe aus und begann sie mit der Decke erst einmal durchzurubbeln. Danach widmete er sich ihren Füßen, die er so lange knetete und drückte, bis sie wieder eine gesundere Farbe hatten und so fuhr er fort mit den Beinen, den Armen und den Händen. Die Zwergin wurde mit der Behandlung wieder munterer und ihre Hautfarbe nahm langsam einen Normalton an.

"Schon besser, hm?"
Die Zwergin nannte ihn immer "edler Retter" oder "Edler Held" und er schmunzelte innerlich darüber. Als er meinte, dass er sie sich selbst überlassen konnte, durchsuchten er ein wenig die Hütte und fand eine dicke, flauschige Winterdecke, mit der er sie noch zudeckte. Dann ging er nach draussen, holte Schnee zum kochen und setzte Wasser auf. Seine Stute führte er in den Widderunterstand und verriegelte die Türe.
An eine Weiterreise war nicht zu denken, die Kleidung der Zwergin musste trocknen und er würde sie nicht alleine lassen. Also blieb er.

Die Zwergin war eingeschlafen und Patrick nutzte die Zeit, um Tee zu kochen, das Pferd zu versorgen und sich von der verstärkten Lederrüstung zu befreien. Nach einiger Weile wachte die Zwergin auf. Sie tranken Tee und teilten sich ein wenig von dem Proviant, welchen Patrick dabei hatte. Danach schlief die Zwergin wieder ein und er nutzte die Zeit ein wenig in dem Buch zu lesen, welches er sich zur Übung mitgenommen hatte. Mittlerweile konnte er schon flüssiger lesen und auch schreiben. Die Übung brachte etwas, auch wenn Patrick immer noch davon überzeugt war, dass er in der Hinsicht eben nie wirklich ein Gelehrter werden würde.

Einer wie ihr ... schoß es ihm durch den Kopf und er brummte. Diese Aussage hatte ihn getroffen. Doch wie meist hatte er es hinter einem Lachen verborgen und es weggeschoben. Er schob es auch jetzt weg und erhob sich, um die Hütte nach etwas Lebensmitteln zu durchforsten. Die Zwergin meinte, dass sicherlich was hier wäre, denn Zwerge würden immer etwas Vorrat haben.
Tatsächlich fand er ein kleines Fass Zwergenbier, einige gelagerte Kartoffeln und ein paar angeschrumpelte Zwiebeln. Aus den Kartoffeln und den Zwiebeln machte Patrick eine Art Kartoffelstampf, dazu gab es etwas Trockenfleisch und Brot als die Zwergin erneut aufwachte.

Der restliche Abend wurde mit Gesprächen und etwas Zwergenbier verbracht, welches er zum Großteil der Zwergin überließ. Für die Nacht zog er sich in den Stallbereich zurück und ließ der Zwergin das Bett für sich. Er hatte zwar das Gefühl, dass sie ihren Retter auch nicht von der Bettkante geschubbst hätte, aber Patrick zog es vor im Stroh zu schlafen, die Hand an seiner Axt und nicht wirklich tief schlafend.

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Patrick
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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » So 3. Mär 2019, 20:23

Still und ruhig lag die Landschaft vor ihnen. Patrick hatte die Zwergin, Melissa Braustein, vor sich auf dem Sattel und hielt sie fest, damit sie nicht herunterfiel. Sie hatten die Hütte so verlassen, wie sie sie vorgefunden hatten und die Zwergin hatte ein Schreiben hinterlegt für die Bewohner und an wen sie sich wegen eventuellen Kosten wenden konnten.

Dann waren sie aufgebrochen. Die Sonne stand so, dass er die siebte Stunde vermutete, als sie sich auf den Weg in Richtung Steinbruch machten. Sie ritten teils im Schritt und teils im Trab, wobei die Zwergin das nicht allzu lange aushielt. Widder waren eben doch etwas anderes. So dauerte die Reise auch etwas länger als üblich und es war schon um die Zehnte Stunde, als sie endlich ankamen.

Im Lager der Arbeiter gab es ein großes Hallo, als die Zwerge erkannten, wen Patrick mitgebracht hatte.
Die Gerettete berichtete ihren Freunden von der Rettung und schmückte, wie Zwerge es gerne taten, seine Taten aus. Patrick versuchte das Gesagte ein wenig mehr zu relativieren, aber gesagt war gesagt und so wurde bald am Feuer gesessen und die Geschichte wurde nochmals ausführlicher erzählt, als auch die letzten Freunde von Melissa Braustein angekommen waren.

Mit dem Erzählen wurde Bier gereicht und bald ging auch Essen umher, und so sehr Patrick auch versuchte sich zeitig loszueisen, so sehr scheiterte auch.
So kam es, dass er mit gefülltem Proviantbeutel, etwas zu viel Zwergenbier intus und lautem "Ho!" erst viele Stunden später verabschiedet wurde und endlich weiterreiten konnte. Zeitlich war er ziemlich im Verzug, aber bei der Witterung half es auch nichts sich zu grämen. Ob er nun ein oder drei Tage später ankam. Das Wetter bestimmte den Weg und die Umstände taten noch ihr übriges dazu.

Der Bergaufstieg dauerte mehrere Stunden und so begann es bereits zu dämmern als er den Südtoraußenposten erreichte. Er grüßte die wachhabenden Zwerge mit Respekt und da einige von ihnen ihn bereits kannten, war es kein Problem, dass er die Nacht in einem Wandererquartier verbringen konnte. Die Pritsche war einfach und hart, aber er und auch sein Pferd hatten es trocken und warm.
Aus Höflichkeit trank er zum Abendbrot zwei Humpen mit, verabschiedete sich dann aber recht zeitig und ging auf sein Lager.

Die Nacht zuvor hatte er nicht wirklich tief geschlafen, hatte er doch immer wieder geschaut, ob es der Zwergin gut ging oder ob sie begann zu fiebern. Und so war es kein Wunder, dass er bald, in der Hand sein Buch, tief und fest schlief.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Di 5. Mär 2019, 15:01

Die Luft auf dem Pass war klar und erfrischend kalt als Patrick mit der Dämmerung den Sattel festzurrte und sich dann nach oben schwang. "Dann mal weiter, meine Schöne" sagte er sanft auf Arathor und schnalzte leise mit der Zunge. Die Schecke setzte sich in Bewegung. Bevor Patrick in den Tunnel ritt, der sie den Pass hinabführen würde, blickte er noch einmal nach oben in den Himmel. Weiter oben kreiste ein Vogel und Patrick schmunzelte. Frei wie ein Vogel, manches Mal sicherlich nicht schlecht. Der Abstieg durch den langen Bergtunnel zog sich und ein paar Mal klopfte er seiner Stute beruhigend an den Hals, als ein fernes Grollen zu hören waren.

"Sicherlich nur eine Lawine", tröstete er sich und die Stute. Niemand hatte Lust auf einen Bergrutsch oder den Einbruch dieses Zwergenkonstruktes. Tunnel waren jetzt nicht wirklich sein Liebstes und dieses Untertage war für ihn als Arathor nicht begreiflich. Er kam vom Berg, auf dem Berg und darunter bedeutete zwar schon mal Abenteuer aber auch Gefahr. Darauf war um Vieles besser.
Einige Zeit war er neben der Stute zu Fuß gegangen und so dauerte es einige Stunden, bis sie in der Ferne Tageslicht sahen, welches willkommend das Licht der Fackeln ablöste. Unterwegs waren sie immer nur einigen Gebirgsjägern begegnet, die den Weg sicherten und einem Trupp an Zwergen, die den Berg hinaufritten. Man hielt sich nicht mit Geplänkel auf, grüsste sich nur brummend und jeder ging seiner Wege.

Alles in allem waren die Stunden im Bergtunnel von Ereignislosigkeit nur so geprägt und so war es ein Schönes wieder ins Licht des Tages zu treten. Patrick schob sich die Gugel vom Kopf als die wärmeren Sonnenstrahlen ihn berührten. Man merkte deutlich, wie viel wärmer es hier unten war, im Gegensatz zu dem Klima auf dem Berge. Er atmete tief durch und blickte in den blauen Himmel, der nur hier und da von Wolken durchzogen war. Wieder erblickte er einen Vogel und wieder schien er von der selben Art des Vogel zu sein, wen er vor dem Abstieg gesehen hatte. Er beschirmte seine Augen mit der Hand und blickte dem Tier nach. Ob Krähe oder Rabe konnte er von hier nicht sehen, denn das Tier glitt aus seiner Sicht bevor er den Unterschied hätte ausmachen können.

Seine Stute schnaubte leise und er wandte den Blick zu ihr. "Na hast du Durst?" fragte er und tätschelte ihren Hals. Die Stute nickte und schnaubte erneut.
"Na dann wollen wir uns an den Rest des Abstiegs machen und dann bekommst du was", meinte er im Aufsteigen.
Der restliche Weg dauerte noch gut eine Stunde und dann sahen sie in nicht all zu weiter Ferne die Zwergenstation im Tal der Könige. Patrick ließ die Stute in einen leichten Galopp fallen, als das Gelände es zu ließ und so dauerte es nicht mehr lange, bis sie die Station erreichten.

Patrick schwang sich aus dem Sattel und schlang die Zügel locker um den Sattelknauf, so dass die Stute sich frei bewegen konnte. Weglaufen würde sie eh nicht und sich von anderen anfassen auch nicht. Ein älterer Gebirgsjäger begrüsste Patrick, als er ihn erkannte und versicherte ihm auf seine Stute aufzupassen, während er sich drinnen etwas ausruhen konnte. Patrick dankte ihm und ließ die Stute an der Tränke zurück, während er hineinging, um sich ebenfalls zu tränken. Statt Bergwasser bestellt er sich allerdings einen Humpen Milch. Der Humpen wurde ihm später, mit einem Brummen, auf den Tisch gestellt. Patrick packte das Käsebrot aus, welches er sich vom Frühstück in der Passstation mitgenommen hatte und begann in Ruhe zu essen und seine Milch zu trinken.

In einer Ecke unterhielten sich leise, also in unüberhörbarer Lautstärke, ein paar Zwerge in ihrer Sprache. Patrick versuchte eine Weile aus den Worten schlau zu werden, gab aber schnell wieder auf. Gerade wollte er zu seinem Krug greifen, als sich ihm von hinten eine Hand über die Augen legte und eine andere schwer auf die Schulter. Seine Reflexe führten die eine Hand zu Hand um seine Augen und die andere zur Axt, die neben seinem Stuhl lehnte. Die Zwerge in der Ecke blickten ein wenig kritisch zu dem Leerenelfen und dem Ordensbruder und schienen wohl zu überlegen ob sie eingreifen oder auf eine prächtige Prügelei warten sollten. Patrick nahm den Geruch eines Männerduftes wahr, der ihm vertraut war und er sprach ruhig, während er die Hand von de Axt nahm.
"Wenn du dich schon anschleichst, solltest du deinen Duft wechseln."
Das Kichern des Leerenelfen hinter ihm bestätigte seine Vermutung, dass es sich um Ilassan handelte. Die Hand hatte er bereits von der Axt genommen und locker schob er die Hand vor seinen Augen weg und drehte sich leicht um. Die Zwerge in der Ecke schienen ein wenig enttäuscht, dass es zu keiner Prügelei kommen würde und führten ihre "leise" Unterhaltung fort.

In einer, das musste man ihm lassen, äußerst feschen Lederrüstung stand der Leerenelf vor ihm, mit dem er sich in den letzten Wochen angefreundet hatte. Eine Art von Freundschaft die ihn immer noch verblüffte, verwirrte und irgendwie gefangen hielt. Er mochte ihn. Ob es nun daran lag, dass der Elf genauso ein Arschloch sein konnte, wie er selbst oder ob es an anderen Dingen lag ... er mochte ihn.
"Du hast also meine Nachricht bekommen?" sagte er und folgte Ilassan mit dem Blick als jener sich, elegant wie immer, auf einen Stuhl setzte.
"Ja, ein wenig spät, aber ja" antwortete eben jener.
Sie unterhielten sich für eine ganze Weile in leisem Tonfall, während Patrick sein zweites Frühstück verspeiste.

"Möchtest du noch etwas?" fragte Patrick dann den Elfen und deutet auf einen Humpen. Ilassan schüttelte den Kopf.
"Dann würde ich sagen, wir reiten weiter", meinte Patrick und erhob sich von seinem Stuhl. Den gefütterten Umhang legte er sich über den Arm und die Axt wurde in die Rückenhalterung geschoben.

Ilassans Reittier erinnerte Patrick schwer an das von Bruder Piers. Der Elf ritt keinen Schreiter sondern eine Art ... Einhornpferd ... welches recht wild erschien und ebenso wie der Elf von der Leeren berührt worden war. Patricks Stute reagiert zunächst ein wenig unwillig auf den entfernten Artgenossen, hatte sich jedoch bald wieder im Griff. Einen Arathi Mustang brachte eben so leicht nichts aus der Fassung.

"Nächtigst du nur in Ortschaften?" fragte Ilassan auf dem Weg in Richtung Thelsamar.
"Nein", antwortete Patrick.
"Ich meinte ja nur ...man könnte längere Wege schaffen, wenn man nicht gebunden wäre", konterte der Elf und schloß an "oder hast du es nicht eilig nach Arathi zu kommen?" Ilassan grinste.
"Weil ich nicht im wilden Galopp reite?" fragte Patrick, was zu einem elfisch-arroganten Blick über die Schecke führte.
"Nun, dein Tier würde das wohl eh kaum aushalten ..." kam es von dem Leerenelf und Patrick atmete innerlich sehr tief durch.
Das Pferd eines Arathors zu beleidigen kam schon fast einem Handschuhwurf gleich. Patrick blieb ruhig, wo andere Arathor dem Elfen wahrscheinlich schon längst die Faust in den Mund geschoben hätten.
"Das ist ein Arathi Mustang. Und es gibt kaum Pferde die zäher und schneller sind als unsere", meinte er und sein Tonfall hatte wohl gereicht, um den Elfen für eine Weile zum Schweigen zu bringen.

Es dauerte eine Weile bis der Elf wieder sprach und weiterredete als hätten sie vor ein paar Sekunden erst aufgehört.
"Ich meinte doch nur, dass du schneller wärst, wenn du unabhänging von Ortschaften reisen würdest."
Patrick drehte sich leicht im Sattel und schaute ihn an.
"Ich würde heute sicherlich durchreiten, bis der Abend kommt, aber ich muss für Bruder Richard etwas in Thelsamar beim Schmied abholen", erklärte er und drehte sich dann wieder vor.
"Ah, verstehe. Also halten wir in Thelsamar."
Patrick nickte nur und den Rest des Weges ritten sie schweigend im Trab und leichten Galopp, bis der Ort kurz vor ihnen lag. Sie fielen in einen schnelleren Schritt als sie in den Ort einritten. Ilassan erntete misstrauische und teils feindliche Blicke von den Zwergen und meist stockte die Unterhaltung und dann fand ein "leises" Tuscheln statt.
Patrick ritt zur Tränke vor dem Gasthaus und ließ sich aus dem Sattel gleiten, schnappte sich den Hafersack hinterm Sattel und hängte ihn der Stute vors Maul. Seine Hand klopfte sanft auf den Hals des Tieres.
"Ich warten dann wohl mal hier bei den Tieren", meinte Ilassan und Patrick sprach just in dem Moment ein befehlendes "Du wartest" ... er ließ es, innerlich grinsend, dahin gestellt, ob er die Stute oder den Elf gemeint hatte.

Laute Hämmerschläge machten sofort klar, welches Haus das Haus des Schmiedes war. Selbst wenn Patrick den Weg nicht eh schon gewußt hätte, hätte man ihn unweigerlich sofort gefunden.
"Ho! Meister Schmied. Ich soll für Bruder Richard aus meinem Orden", er deutete auf seinen Wappenrock, "eine Bestellung abholen".
Der Zwerg schaute ihn an als hätte er auf trollisch gesprochen und spuckte dann seinen Kautabak auf den Boden.
"Bruder Richard? Sagt mir nix" brummte der Zwerg.
"Groß" Patrick deutete eine Höhe an "rötlich blonde Haare ...Hellblaue Augen und so freundlich wie ihr" erklärte er.
Der Zwerg kaute auf seinem Kautabak herum, nickte dann leicht und spukte seitlich dann nochmal was davon aus.
"Ist noch nicht fertig", meinte er dann.
"Wie noch nicht fertig?" meinte Patrick und ballte innerlich die Faust.
"Noch nicht fertig eben" antwortete der Schmied brummig und hob seinen Hammer auf.
"Und wann ist es fertig?" wollte Patrick wissen und musste sich arg beherrschen weiterhin höflich zu bleiben. Da hatte er gedacht er müsste die Bestellung, was auch immer Richard da bestellt hatte, nur noch abholen und könnte gleich weiterreiten ... aber nein. Nein, das Licht wollte ihn wohl in Geduld testen auf dieser Reise.
"Morgen", kam die brummige Antwort des Zwergenschmiedes.
"Morgen früh", konterte Patrick und starrte den Zwerg an.
"jaja..." meinte jener und fuhr dann mit seiner Arbeit fort.

Patrick ging auf den Elf zu und hob leicht die Arme.
"Wir müssen wohl hier übernachten", rief er ihm zu.
"Noch nicht fertig?"
"Nein", brummte Patrick und wandte sich gen Gasthaus. "Ich besorg uns mal Zimmer."

Ein Zimmer hatte der Gastwirt noch für die beiden Reisenden. Mit einem Schlüssel in der Hand stapfte Patrick die Treppe hoch. Ilassan stand oben an den Stufen und blickte auf den Schlüssel. Seine Lippen verzogen sich zu einem süffisanten Grinsen "Nur ein Zimmer?"
Patrick brummte ein "Ja".

Oben am Himmel kreiste träge ein Vogel über dem Ort.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Di 5. Mär 2019, 18:51

Die Nacht hat weder Patrick noch Ilassan viel Schlaf gebracht. Waren ihre Unterhaltungen doch von sehr fesselnder Natur gewesen, so dass sie komplett die Zeit vergessen hatten. Irgendwann waren die beiden dann doch mal eingeschlafen. Patrick stemmte sich träge im Bett auf und kroch unter der wärmenden Decke hervor und zog sich seine Wollsocken über die nackten Füße. Das Feuer im Kamin war fast herunter gebrannt und so führte sein Weg ihn erst einmal zu dem Feuerholz, um ein paar kleinere Scheite aufzulegen, damit der Elf nicht wieder einen Gefriertod erleiden würde.

Ohne Fenster hatte Patrick keine Ahnung wie spät es jetzt war und so zog er sich notdürftig etwas über, verließ leise das gemeinsame Zimmer. Als Patrick das Klohaus im Hof des Gasthauses verlassen hatte, führte ihn sein Weg erst einmal zum Schmied. Der Tag war schon soweit angebrochen, dass die Sonne ungefähr die achte Morgenstunde anzeigte. Der Schmied befand sich bei der Arbeit und sein Blick zeigte Patrick nichts Gutes.
"Bevor ihr wütend werdet, Bruder, ich habs nicht fertig bekommen. Mir hat was gefehlt, das bekam ich auch erst heute morgen. War gar nicht so leicht das zu bekommen", meinte der Zwergenschmied brummend.
Patrick seufzte leise und nickte.
"Alles gut, könnt ihr ja nichts dafür" antwortete er und rieb sich den Nacken leicht "wird es heute noch fertig oder wann?"
Der Zwerg kratzte sich am prächtigen Bart und blickte überlegend.
"Also mit all der Runenarbeit ... nun ... heute brauch ich wohl noch dafür", sagte der Zwerg zögerlich und hatte den Anstand ein wenig schuldig zu blicken.
Patrick glaubte einfach, dass der Schmied es vollkommen vergessen hatte die Arbeit für Richard zu fertigen und jetzt eilig versuchte es so zu drehen, dass es nicht seine Schuld sei.
"M-hm", meinte Patrick und fuhr sich mit der Hand über den Bart und überlegte.
"Gut, wir machen es so. Wenn ihr es nicht bis zum Morgengrauen schafft, dann sagt es mir bis heute Abend. Dann muss Bruder Richard es abholen, wenn er aus Arathi kommt oder ich nehm es dann mit. Einverstanden?"
Der Zwergenschmied nickte und hielt ihm die Hand hin. Patrick schlug ein und mit kräftigem Händedruck gingen die beiden Männer dann auseinander.

Ein Krah-krah ließ Patrick nach oben blicken. Eine Krähe wurde von ein paar Zwergenkindern verjagt und sie tat ihren Unmut kund, indem sie laut krächzte. Patrick lachte leise und schüttelte den Kopf. Kinder waren irgendwie überall gleich.
Sein Weg führte ihn zum Wirt, wo er Frühstück für zwei orderte und für eine Nacht verlängerte. "Zwei Kaffee nehm ich gleich mal mit", meinte er und ließ sich die beiden Heißgetränke direkt geben. Mit zwei Bechern in der Hand, ging Patrick die Stufen hinunter, wo sich die Zimmer befanden.

Leise öffnete er die Türe und blieb stehen. Ilassan schien mitten in einer Meditation zu sein und so stellte er ihm den Kaffee wortlos auf ein Tischlein und ging dann wieder nach oben an die frische Luft. Er genoß die Frühlingssonne auf der Haut, den schwarzen Kaffee und die morgendliche Zigarette und beobachtete für eine Weile ein paar Vögel am Himmel. Einige Raben schienen eine Krähe verjagen zu wollen und das Gekrächze am Himmel war entsprechend laut. Die Krähe schien irgendwann genug zu haben und flog in Richtung Berge davon. Patrick schloß die Augen ein wenig und empfand in dem Moment einfach nur tiefen Frieden in sich als das Licht der Sonne ihn wärmte.
In der Stille sprach er sein Morgengebet und als er die Augen öffnete sah er Ilassan an der Hauswand lehnen, einen Kaffee in der Hand und lächeln.
"Guten Morgen", sagte Patrick und grüßte ihn mit seinem Becher.
"Dir auch", kam die Antwort des Elfen, gefolgt von einem "wir bleiben also noch" als Feststellung.
"Aye, das tun wir, mein Freund."

"Dann könnten wir unsere Gespräche fortführen" sagte der Elf mit einem Grinsen und Patrick nickte langsam "Aye, das könnten wir ..." meinte Patrick und erhob sich.
"Nach dem Frühstück und dann will ich, dass du mit mir trainierst" meinte er zu dem Elfen und erntete dafür ein anzügliches Grinsen.
"Nicht so...", brummte Patrick und ging an dem Elfen vorbei ins Innere des Gasthauses.

Ilassan folgte ihm und kurz darauf sprachen beide ihrem Frühstück mit Genuß zu. Auch wenn es wohl ein weniger deftiger war, als der Elf es sonst mochte. Das Frühstück dauerte einige Zeit an, so dass sie erst zum trainieren kamen als der Mittag schon nahte. Das Training mit Ilassan war interessant und lehrreich gewesen für Patrick und er nahm sich vor, dass er sich ein oder zwei Kniffe des Elfen merken würde.

Die wärmende Sonne schien dem Elfen gut zu tun, auch wenn er immer noch jammerte, dass es ja immer noch viel zu kalt sei. Ihr Training war erschöpfend gewesen und danach war ihnen beiden der Sinn nach einem wärmenden Bad. So gingen sie zum Gasthaus zurück und orderten zwei heiße Bäder. Die Zuber wurden in ihr Zimmer gebracht und bald darauf gefüllt. Den Rest des Tages verbrachten sie unter anderem badend und mit weiteren Gesprächen unterbrochen von Essen mit ein wenig Ale auf Patricks Seite und Saft auf Ilassans. DerTag neigte sich so schnell dem Ende zu.

Zur späten Stunde wurde für Patrick ein Paket vom Schmied überbracht und somit stand der Weiterreise am nächsten Tage nichts mehr im Wege.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Mi 6. Mär 2019, 17:33

Das eingetrocknete Blut starrte Patrick vorwurfsvoll entgegen. Er seufzte und blickte auf die ehemals guten Lederstiefel, seine Lederhose, seine Handschuhe, seinen Wappenrock und die verstärkte Lederrüstung, die er am Oberkörper getragen hatte. Nun gut ... alles würde nicht mehr rausgehen, aber vielleicht ein Teil. Patrick tunkte den Wappenrock in den Eimer mit der Seifenlauge und widmete sich dann mit Hingabe dem Säubern der anderen Teile, während der Stoff einweichte.

Als der Morgen graute verließen sie Thelsamar. Sie hatten aufs Frühstück verzichtet und aßen einige Zeit später etwas während dem Ritt durch das Zwergengebiet. Patrick blickte sich ab und an nach dem Vogel um, auf den Ilassan ihn aufmerksam gemacht hatte. Aber woher sollte er wissen, ob es immer ein und dasselbe Tier war, welches sie verfolgte. Krähen gab es zu Hauf. Und ab und an konnte er einen oder auch meherer Vögel am Himmel ausmachen.

An der Zwergenstation, kurz vor dem Passabstieg ins Sumpland, machten sie kurz halt. Der Morgen war schon gut fortgeschritten und der Stand der Sonne ließ vermuten, dass sie schon gut drei Stunden unterwegs waren. Der Abritt ins Tal würde sie viele Stunden kosten und Patrick hoffte den Elfenposten im Sumpfland zur Abenddämmerung erreichen zu können. Es wäre ein strammer Ritt notwendig, aber so hätten sie etwas Zeit aufgeholt.

Die Zeit mit Ilassan war angenehm. Man konnte schweigen, ohne eine unangenehme Stille zu haben oder sich mit ihm ernsthaft oder spaßend unterhalten. Patrick genoß die Reise mit dem ungewöhnlichen Freund und stellte innerlich wieder einmal fest, dass das Leben einen oft seltsame und interessante Wege führte. Vor einigen Wochen noch hätte er nicht unbedingt gedacht, dass er mal mit einem Ren'dorei in Richtung Arathi reisen würde.

Insgeheim bedauerte Patrick, dass der Elf sie nicht im Kampf unterstützen würde, aber er verstand auch Ilassans Erklärung. Freundschaft war wichtig und wenn er einem Freund helfen musste, dann musste er dies eben tun.
Immer wieder bemerkte er Ilassans Blicke gen Himmel und auch er ertappte sich nun häufiger auf der Suche nach einer Krähe. Als er immer seltener einen Vogel sah und irgendwann auch gar nicht mehr, dachte er sich, dass es eben doch nur ein ganz normaler Vogel gewesen war.

Wieso sollte ihm auch ein Vogel folgen? Zu welchem Grund?
Der Weg durch die Tunnel war lang und beklemmend, was er natürlich seinem elfischen Begleiter nicht zeigte. Immerhin wollte er sich keine Blösse geben als sich der Abstieg zog und zog und zog. Den zweiten Tunnel hatten sie gerade hinter sich gebracht und Patrick wollte schon durchatmen, als vor ihnen auf den Weg ein Orc sprang.

"Haaahaaa!" rief dieser und fuchtelte mit seiner Fackel herum.
Die Sicht in Patrick ging von neutral/entspannt auf rot über. Ein Orc, vor ihm und jemand in seiner Begleitung, der ihm auf schräge Art und Weise nahe stand. Die innere Alarmglocke von Patrick klingte Sturm.

Der Orc war ein Wegelagerer und ganz helle im Oberstübchen war er wohl auch nicht. "GÖLD!" wollte er oder Leben. Nun Patrick nahm sich das Leben des Orc liebend gerne. Nur ein toter Orc war ein guter Orc. Und so war er schneller vom Pferd und hatte die Axt in der Hand, als es dem Orc lieb war.
Dieser war doch ein wenig überrascht, dass er nicht einfach so seine 2 Goldstücke bekam von den Reisenden, sondern sich ihm tatsächlich jemand entgegenstellte und den Kampf vorzog.
Er, Brugosh, war doch schließlich ein Orc mit Fackel und Feuer brannte. Es war kein guter Tag für den Orc und er hatte sich die falschen Leute gewählt. Patricks erster Schlag schlitzte dem Orc den Bauch etwas auf, dem Schlag nach dem Hals entkam er jedoch, während er sich noch die Gedärme zurückstopfte. "Lauf" sagte Patrick in wütend-leiser Stimme und gab dem Orc die Möglichkeit zu Kämpfen oder zu flüchten, wobei er ihm dann die Axt in den Rücken geworfen hätte. Immerhin war das Lager der Drachenmal Orcs nicht allzu weit entfernt.

Doch Brugosh der Simple dachte gar nicht daran zu fliehen. Er verlangte weiter seine Zwei Goldstücke und als Patrick ihm sagte, er würde ihm zwei Münzen auf seine Augen legen, wenn der Kopf auf dem Pflaster liegt, ging er mit ausgestreckten Armen auf Patrick zu, um ihn mit bloßen Händen zu würgen. Patricks Axt zischte erneut durch die Luft und traf wieder den Bauch des Orcs, nur dieses Mal die andere Seite. Der Orc sackte auf die Knie und hielt sich die klaffende Wunde zu, als erneut die Axt surrte. Der Blick des Orc wirkte erstaunt, als der Kopf in Richtung Felsen flog, dort ein wenig übers Gras rollte und schließlich liegen blieb. Der Leichnahm des Orcs zuckte auf dem Boden als Patrick sich von ihm abwandte, um den Kopf einzusammeln.

Fast sanft legte er den Schädel des Orc neben dessen Körper und ob nun aus Sturheit oder Nervenreflex packte der blutige Arm des Toten noch nach seinem Stiefel. Patrick wusste, dass der Orc tot war und so kümmerte er sich nicht darum. So etwas hatte er schon viele Male auf dem Schlachtfeld gesehen. Seine Finger der Linken kramten nach zwei Münzen und mit der Rechten schloß er die Augen des Toten. Die zwei Münzen wurden, wie versprochen, auf die Augenlider gelegt und dann nahm er fast sanft die Hand von seinem Stiefel und legte sie auf die Brust des Orcs. Er schlug das Zeichen des Lichts vor seiner Brust und erhob sich dann.

Ilassan hatte irgendwas gesagt, doch wirklich verstanden hatte er ihn nicht. Der Elf ging an ihm vorbei und hob die Fackel des Orc auf, welche er zuvor gelöscht hatte. Patrick stieg auf seine Stute und beobachtete den Elf, wie er die Fackel dem Orc in die Hand legte und etwas zu ihm auf orkisch sagte. Kurze Zeit später ritten sie im Galopp auf den letzten Tunnel zu und erst nach einem gewissen Vorsprung zügelten sie ihre Reittiere wieder.

Zu töten bereitete Patrick keine Freude, auch nicht, wenn es ein Orc war. Der Hass auf die Orcs brannte in ihm und er wußte selbst, dass dies einer seiner Schwachpunkte war. Doch Freude, nein Freude war wahrlich etwas anderes. Jedoch kam es einer perfiden Art von Genugtuung und Befriedigung nahe, wenn er einen Orc zu seinen Ahnen schicken konnte. So verspürte er jene Gefühlsmischung, die ihn immer überkam, wenn er einen Kampf geführt hatte. Tageslicht leuchtete ihnen am Ende des Tunnels und dort, im Licht des Tages, stand der Geist des getöteten Orcs, der beide Reiter zum Halt brachte und sie starren ließ.

Der Orc winkte ihnen zu und in seinem Kopf hörte ein "Zwoi!", als der Geist die beiden Münzen zeigte und sich bedankte. Um Patricks Herz legte sich eine Hand und kurz zweifelte er mit sich, ob sein Tun richtig gewesen war.
Patrick sprach ein ernstgemeintes "Gute Reise" zu dem Orc und blinzelte, als jener sich vor ihnen auflöste.

Das Gespräch, welches Ilassan danach anfangen wollte, blockte Patrick schnell ab. Orcs waren eine tiefe Wunde und zum Glück merkte Ilassan schnell, dass es nicht die richtige Zeit war, um jetzt über so etwas zu reden. Den Rest des Abstiegs verbrachten sie schweigend und Patrick war froh, als sie den letzten Tunnel hinter sich gebracht hatten.

Die Dämmerung war nicht mehr weit und zum Lager der Elfen wäre der Weg jetzt noch zu lang.
"In der Nähe ist ein Zwergenlager. Ich möchte nicht im Dunklen durch den Sumpf", sagte er zu Ilassan.
"Aber das macht es doch gerade spannend", antwortete jener.
Patrick blickte ihn kurz an und meinte trocken "Ich habe nicht vor unsere beider Leben aufs Spiel zu setzen", dann ließ er die Stute antraben und schlug den Weg in Richtung Lager ein. Ilassan folgte und schloß zu ihm auf. Seite an Seite näherten sie sich dem Lager der Zwerge. Der Elfe erntete wieder misstrauische Blicke als sie einritten.

Patrick ließ die Stute stehen und ging zu jenem, der sich erhoben hatte und ihnen entgegen gegangen war. Leise teilte er ihm mit wer er war und fragte, ob sie für die Nacht im Lager der Zwerge bleiben dürften. Der Zwerg blickte zu Ilassan und hieß beide im Lager willkommen. Es war eine Art Forschungslager und einige Forscher waren wohl unterwegs, denn sie bekamen ein Zelt für sich alleine.

Nach dem Waschen war Ilassan auf der Suche nach etwas zu Essen und Patrick saß vor dem Zelt und reinigte seine Kleidung. Mittlerweile hatte er seinen Wappenrock ausgewaschen und in die Nähe des Feuers gelegt. Die Stiefel waren nicht mehr zu retten gewesen und Patrick hatte sie schulterzuckend einem Zwerg überreicht, der sie dennoch unbedingt haben wollte. Die restliche Kleidung war durch den Wappenrock vom Gröbsten bewahrt geblieben und diesen würde er in Arathi austauschen können, wenn die Flecken gar nicht mehr rausgehen sollten.

Eine Zigarette rauchend wartete Patrick nun auf Ilasssan.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Sa 9. Mär 2019, 16:45

Die grünen Hügel von Arathi lagen vor ihm, Patrick wendete seine Stute nochmals und blickte zum Thandol Übergang zurück. Sein Freund war bereits fort. Zurück in die Sumpflande und wohin sein Weg ihn führen würde. Mit einem Schnalzen wendete er seine gescheckte Stute und im leichten Galopp ging es auf die berittene Patrouille zu, die in einer Entfernung gewartet hatte. Er hob die Hand zum Gruße und eine Hand hob sich zurück.
"Ho! Pádraig" rief ihm der bärtige Rotschopf zu und grinste. Patrick grinste zurück und zügelte seine Stute, als er die Gruppe erreicht hatte.
"Jervis, altes Haus" sagte er und erntete dafür einen freundschatlichen Faustschlag an die Schulter.
"Du reist mit seltsamen Gestalten", meinte Dermots de la Varres älterer Bruder und schaute ihn kritisch an.
"Noch nie einen Elfen gesehen, Jervis? Dabei bist du so alt, dass ich dachte DU wärest einer" konterte Patrick und wich dem nächsten Fausthieb aus.
"Schlag mich nicht zu Brei, bevor ich kämpfen konnte. Wie ist die Lage?" fragte Patrick nach und änderte das Thema.

Die Mienen der Arathor wurden ernster.
"Jeder Mann zählt und Licht weiß, ich hätte auch deinen Elfenfreund einkasiert, wenn er kämpfen kann", brummte Jervis und die anderen fünf nickten.
"Also doch so gut?" kam es ernst von Patrick.
Die Hand des Rothaarigen tätschelte Patricks Schulter. "Nichts, womit wir Arathor nicht fertig werden würden", sagte jener und alle Männer nickten.
"Du hast Glück,Pádraig, wir wollten nach Stromgarde zurückkehren, als ein Späher mir von euch berichtete."
"Man muss ja auch mal Glück haben", sagte Patrick. Jervis blickte den Ordensbruder eine Weile noch an und nickte dann.
Die Pferde wurden gedreht und der Ritt ging abseits der Strasse, entlang der Berge, nach Stromgarde. Eine Krähe erhob sich aus dem Geäste einer Eiche und erhob sich in die Lüfte.

Wacker und trutzig erhob sich Stromgarde vor ihnen als die Dunkelheit sich über das Land senkte. Hufeklappernd ritten sie, von der Mine her kommend, in den seitlichen Eingang herein. Hinter ihnen wurde das Tor erneut geschlossen.
"Wir sehen uns, Pádraig" riefen die Männer der Patrouille ihm zu als er in Richtung Ordenshaus weiterritt und sich so ihre Wege trennten.

Am Ordenshaus angekommen eilte eine kleine Person auf ihn zu.
"Páaaaadraig!" rief das heranwachsende Persönchen und bremste dann so abrupt, dass sie fast vornüber aufs Pflaster gefallen wäre. Mit einem Lachen sprang Patrick aus dem Sattel.
"Theo! Na da freut sich ja mal wer mich zu sehen", meinte er mit einem lachenden Unterton und nahm das Mädchen in den leichten Schwitzkasten, rubbelte ihr über die jungenhaften kurzen Haare bis sie nach allen Richtungen standen. Theodora Burnett war überhaupt wie ein Junge gekleidet, benahm sich wie einer und wäre wohl auch gerne einer.
Patrick legte beide Hände an die Oberarme des Wildfangs und sagte in brummigen Ton "Lass dich anschauen" Das Mädchen stand stramm und ließ sich mustern. Die Haare waren von ihr selber kurz gehalten und standen kreuz und quer. Dreck zierte die sommersprossige Nase und die grünen Augen blitzten frech und voller Übermut.
"Komm schon, ich hab mich doch kaum verändert, in den paar Wochen in denen Du weg warst", maulte sie und Patrick ließ sie los.
"Naja, es hätte ja sein können, dass ich in ein Zeitloch gefallen bin. So wie du dich aufführst muss ich Jahre weggewesen sein und ich wollte sicherstellen, dass du nicht schon eine reife Frau geworden bist und verheiratet oder so" meinte er mit ernstem Blick und erntete dafür einen kleinen Faustschlag in die Magengrube.
"Ich werd keine Frau!" sagte das Mädchen und schnaubte.
Patrick lachte "Wie du meinst!" Mit einem Finger deutet er gen Stute.
"Versorg sie gut und dann wasch dich, du stinkst" sagte er mit einem Grinsen.
"Gar nicht. Du stinkst" patzte die Göre frech zurück.

Die Satteltaschen, seinen Rucksack und seine Waffe nahm er an sich und stiefelte die Stufen zum Ordensgebäude hoch. Das Gebäude lag ruhig da und derzeit schien keiner der Ordensgeschwister anwesend zu sein. Dennoch brannten einige Lampen an den Flurwänden und leuchteten ihm den Weg in seine Unterkunft.
Patrick legte die Taschen in die Ecke und warf Richard seine Bestellung aufs Bett.
Die Rüstung fehlte, also war er unterwegs.

Patrick richtete sich ein und ging sich dann erst einmal waschen. Theo hatte Recht gehabt, er stank und das gedachte er schnell zu ändern. Für ein Bad hatte er nicht die Muse und so duschte er ausgiebig, bis er das Gefühl hatte sauber zu sein.

Frisch angezogen, Essen im Bauch und einen dampfenden Tee neben sich setzte Patrick sich hin, um zu schreiben.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Mo 11. Mär 2019, 14:55

Der Wind zerrte und riss an ihm, Regen peitschte wie spitze Nadeln auf seine Haut. Mittlerweile war Patrick bis auf die Haut durchnässt. Der Sturm war schnell gekommen, wie das im Gebirge so üblich war. Mantel und Gugel über sich gezogen, hatte er Schutz unter einem Felsvorsprung gesucht und sich so dicht wie möglich an den Fels gequetscht. Niemand würde bei dem Sturm einen Angriff wagen.

Regenwände rauschten an ihm vorbei und peitschten an die Felsen. Er zitterte unkontrolliert und versuchte seinen vernarbten Oberschenkel zu kneten, damit der Schmerz ein Ende fand und sich die Brandnarbe wieder entspannte, die sein Bein wie Feuer brennen ließ. Er hatte diese Fel**** schon so oft innerlich verflucht. Immerhin half der wärmende Verband, den Roselyn entwickelt hatte. Aber leider war er mittlerweile nutzlos. Die Kräuter, durchnäßt, wie alles an ihm, konnten ihre wärmende Wirkung nicht mehr ausbreiten und die Kälte und Nässe forderten ihren Tribut. Das Ziehen der Brustmuskel brachte ihm nur Ungemach, die Narben am Rücken war er schon seit Jahren gewohnt und auch die behinderten ihn nicht. Doch das Bein ...dieses verdammte Bein.

Der Sturm hörte so schnell auf, wie er gekommen war. Schnee war im Regen mit dabei gewesen und eine schmierige, weiße Schicht lag auf den Felsen und bedeckte die Bergkette zum Meer hin. Patrick kroch aus seinem Unterschlupf hervor und richtete sich zähneknirschend auf. Die Schmerzen des Beines ließen ihn tief Luft einatmen und er schloß für einen Moment die Augen. Tief ein und aus. Tief ein und aus. So stand er da, abgestützt an zwei Felsen, damit er nicht umkippte und atmete den Schmerz weg, der durch seinen Körper jagte.
"Entspanne deine Muskeln", hörte er innerlich die Stimme von Tion und er dachte an die Übungen, die er ihm beigebracht hatte. Trainiert hatten sie. Nicht nur im Gelände, nein auch mental. "Kopfsache", hörte er die Stimme seines besten Freundes erneut und sah ihn vor sich, wie er sich gegen die Stirn tippte. "Denke an etwas, das dich wärmt und leite das in deinen Körper!"
Verdammt, das war keine leichte Übung gewesen und gerade jetzt, durchgefroren und vor Schmerzen fast am weinen, war es noch schwieriger als im Training. Tion war kein sanfter Lehrer. Er hatte ihn ins eisige Wasser des Sees geschupst für die Übung oder ihn durch den Schnee gejagt, bis das Bein nicht mehr wollte.

Patrick atmete erneut durch und rief sich etwas ins Gedächtnis, was seinen Körper wärmte. Es dauerte einige Minuten bis sich die Wärme in seinem Körper ausbreitete und sich die Muskeln begannen zu entkrampfen. Sein Stand wurde ein wenig aufrechter, als er vorsichtig das Bein belastete. Er führte die Meditation noch eine Weile aus, bis er sein Bein wieder belasten konnte. Der Schmerz war noch da, aber dumpf und im Hintergrund und er würde wieder gehen können. Patrick öffnete die Augen.

"Dafür hast du was gut bei mir, Tion" brummte er leise zu sich selbst und schlug die Kapuze zurück. Die Sonne schien wieder und Vögel flogen bereits wieder am Himmel. Krähen vermischt mit Möwen und in der Ferne kreisten zwei Adler. Ein Glitzern erregte seine Aufmerksamkeit und er kniff die Augen zu Schlitzen zusammen, um ausmachen zu können, ob sich dort etwas bewegte.
Zing Fling ...funkelte es im Sonnenlicht. Patrick humpelte den Trampelpfad entlang und nutzte die Deckung, die sich ihm bot, um sich, so leise wie möglich, an mögliche Personen heranzuschleichen.

Als er den Bereich erreicht hatte, lugte er über einen Felsen, hinunter auf den Weg. Dort war niemand und doch musste hier wer gewesen sein ... zwei Münzen lagen auf dem Weg, so als hätte sie dort jemand verloren oder hingelegt. Patrick duckte sich wieder und überlegte. Hatte er die Münzen verloren? Nein, unmöglich. Er hatte kein Geld bei sich und auch die anderen, die mit ihm im Gebirge waren, hatten in der Regel kein Geld bei sich.
Leise erklang das Trillern einer Bergdrossel und Patrick lauschte. Noch ein Späher war auf dem Weg hier her. Er zog sich die Gesichtmaske etwas herunter und pfiff im Ton einer Bergamsel die Antwort.

Etwas später kam das entwarnende Trillern der Drossel wieder. Dort auf der Seite war auch niemand und keine Feindbewegung in Sicht. Die beiden Späher erhoben sich aus der Deckung.
"Von dir wohl auch nicht", sagte andere Späher, den Patrick unter dem Namen Wolfram kannte.
"Nein", antwortet Patrick und beide Späher näherten sich den Münzen.
Wolfram zog sich die Kapuze ab und kratzte sich den schwarzen Lockenkopf.
"Seltsam", meinte er und bückte sich.
"Fass sie nicht an", warnte Patrick ihn, doch zu spät. Der Späher hielt die Münzen bereits in der behandschuhten Hand und schaute sie sich an.
"Sind zwei ganz normale Kupfermünzen", meinte er und zeigte sie Patrick.
Patrick beschaute sich die Münzen, ohne sie jedoch anzufassen und nickte.
"Am besten nehmen wir sie mit nach unten", meinte Patrick und Wolfram zuckte die Achseln und steckte die Münzen ein.
"Hat dich auch erwischt, wie ich sehe" sagte der Späher und richtete sich auf. Im Gegensatz zu Patrick war er allerdings kaum naß. Patrick brummte.
"Du hattest wohl mehr Glück", meinte er und ignorierte die Pfütze die er bereits gebildet hatte.

"Ich würde ja mal sagen, du gehst zum Sammelpunkt und raus aus den Sachen. Sonst bist du bis morgen tot" kam die grinsende Antwort von Wolfram.
"Ach", schnaubte Patrick und wrang seinen Umhang auf die Schuhe des Kollegen aus.
"Pass doch auf", meinte jener und verzog die Lippen.

"Ich erstatte Bericht wegen den Münzen. Du bleibst noch?" fragte Patrick und schaute Wolfram an.
Jener nickte ihm zu und deutet den Pfad runter.
"Aye, ich werde mich am Küstenweg mit dem Falken treffen." Patrick nickte.
"Sichere Wege, Drossel und das Licht mit dir!" sagte er.
Wolfram zog sich die Kapuze wieder hoch. "Sichere Wege auch mit dir, Amsel!"

Patrick ging in die entgegengesetzte Richtung und machte sich auf den Abstieg zum landwärtigen Sammelpunkt, während Wolfram sich zum seewärtigen Sammelpunkt begab.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Di 12. Mär 2019, 12:21

Die Wärme des Feuers, welches im Kamin prasselte tat gut. Patrick hatte gebadet und sich danach eine Massage vom Bader geleistet und jetzt fühlte er sich entspannt und bereit für den nächsten Einsatz.

Dieses Mal sollte er ein feindliches Lager ausspionieren, welches sich auf einem der verlassenen Höfe angesiedelt hatte. Er würde bald von seinem befehlshabenden Späheroffizier erwartet werden und so versuchte er erst gar nicht etwaige Fehler in dem Brief zu korrigieren, den er in Eile schrieb.

Er drückte das Wachs mit einem Messer platt und schob das Schreiben in die Metallhülse, welche er kurz darauf dem Boten übergab, welcher das Schreiben an Bein des Raben befestigte, der zuvor den Schrieb an Patrick überbracht hatte, zu dem es nun die Antwort gab.

Nachdem dies erledigt war eilte Patrick zum Sammelpunkt der Späher.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Do 14. Mär 2019, 15:56

Dieser Gestank. Dieser widerliche Gestank der Verlassenen lag über allem und Patrick könnte schwören, dass er ihn immer noch roch. Obwohl er zweimal gebadet hatte und seine Rüstung ausgelüftet und sogar mit was Duftwasser besprüht worden war.
Aber vielleicht hatte es sich auch einfach nur in seine Nase eingebrannt während sie das Lager der Verlassenen ausspioniert hatten.

"Was ist das?" fragte Richard und tippte auf das Döschen, welches Patrick in der Hand hielt und anstarrte.
"Schnupftabak", brummte eben jener und blickte zu seinem Ordensbruder hoch.
Richard verzog die Lippen zu einem Grinsen und tätschelte Patricks Schulter, die ein wenig einsackte, bei der Sanftheit der Berührung.
"Riechst sie immer noch, huh?"
Patrick brummte nur und kippte sich was von dem Tabak zwischen Daumen und Zeigefinger.
"Godric meinte das hillft ...und solange es besser ist, als der Gestank, ist alles gut" meinte Patrick und er fand er klang selbst wenig überzeugt von seinen Worten.

"Ich könnte auch eine Nasenspülung ..." kam es aus der Ecke und sowohl Patrick als auch Richard blickten Eileen an als hätte sie sonst etwas widerliches vorgeschlagen.
Die Schwester hob die Hände entschuldigend in die Luft und widmete sich dann wieder den Verbänden, die sie sorgsam wickelte.
"Ziehs einfach rein und gut", meinte Richard und wandte sich wieder ab. Seine schweren Schritte führten ihn aus dem Raum und Patrick musste nicht aufsehen, um zu wissen, dass Eileen dem Bruder nachschauen würde.
Er grinste leicht, atmete einmal durch und zog sich den Tabak dann erst in ein Nasenloch und dann in das zweite.

Patrick blinzelte und schniefte, dann wischte er sich ein paar Tränen aus den Augenwinkeln.
"Und? Schlimm?" meinte Eileen und blickte ihn wie ein Versuchsobjekt an.
"Es zeckt", meinte er etwas rauh. Der Tabak nahm ihm tatsächlich den Gestank der Verlassenen und schenkte ihm ein Brennen und den Geruch nach Tabak mit einem Hauch von Kräutern. Befreit von der Duftmarke erhob er sich und schnappte sich seinen Umhang.

Der Regen hatte Arathi seit Tagen im Griff gehabt und heute endlich hatte es aufgehört. Zumindest hoffte er, dass dieser Dauerregen nicht nur eine Pause eingelegt hatte. Die Spähmission war trotz Regen erfolgreich verlaufen. Sie waren nicht entdeckt worden und konnten detaillierte Informationen zur Truppenstärke und Ausrüstung liefern. Sein Weg führte ihn durch die Gassen von Stromgarde. Er hatte einen Besuch abzustatten.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » So 24. Mär 2019, 17:37

In der Ferne hörte er den Lärm des Kampfes, der durch den Wind bis ins Gebirge hochdrang. Er konnte von hier oben die magischen Blitze und Mauern sehen, hörte Kanonen- und Gewehrsalven und den fernen Kampflärm. Der Nordhof wurde umkämpft und die feindliche Invasion der Horde hoffentlich zurückgedrängt und dezimiert. Patrick hatte ein Gebet für seine Brüder und Schwestern gesprochen, die dort unten wohl kämpfen würden, und sich dann auf seine Tour durchs Gebirge begeben.

Den ganzen Morgen konnte er den Schlachtenlärm hören während er die Meerseite des Gebirges im Auge behielt. Etwas entfernt von ihm kreiste eine Schar Krähen am Himmel, sicherlich wartend darauf, sich bald am Bankett der Schlacht laben zu können. Er zog sich den Mundschutz etwas nach unten und setzte den Wasserschlauch an die Lippen. Sein Blick folgte der Krähenschar und dann hielt er mitten in der Bewegung inne. Ein Schatten, zwei ... Patrick drückte sich langsam an die Felswand und verstaute den Wasserschlauch.

Er wusste, dass es nicht die Drossel war oder ein anderer seiner Späherkollegen. Die Drossel war nördlich von ihm, einer der Falken westlich und der Adler hatte zuvor signalisiert, dass er gen Meer absteigen würde. Patrick atmete durch, schloß die Augen und versuchte seine Sinne zu schärfen. Der Wind wehte sachte und er hörte die Krähen am Himmel, in der Ferne ein paar Möwen und kleine Steine, die durch Bewegung herab rieselten. Ein paar Stimmfetzen wehten zu ihm und Patrick öffnete die Augen wieder. Er verstand Trollisch nicht, aber er wusste wie es klang. Kontrolliert begann er eine Folge von Amselgezwitscher zu pfeifen. Die Bergamsel war in Arathi heimisch und somit war es nicht ungewöhnlich den Vogel im Gebirge zwitschern zu hören. In der Nähe antwortet eine richtige Amsel und weiter in der Ferne vernahm er die Antwort der Drossel. Falke und Adler ließen ihre Schreie hören und nun wusste er, dass seine Späherbrüder auf dem Weg und gewarnt waren.

Das Herz schlug ihm heftig in der Brust, als das Adrenalin durch seinen Körper schoß. Er nahm die Wurfaxt aus der Halterung, duckte sich und lugte um die Felsecke. Die Trolle waren höher gestiegen und er konnte jetzt drei Trolle erkennen, die sich dem Bergziegenpfad näherten, auf dem er gerade unterwegs war. Patrick ging rückwärts den Pfad entlang, bis zu dem Aufstieg, den er zuvor passiert hatte. Nun presste er sich an die Felswand, schob die Axt nochmal in die Halterung und kletterte einige Meter nach oben, bis er einen Vorsprung erreichte, von dem er einen guten Angriffspunkt hatte. Der Ruf des Falken sagte ihm, dass jener sich bald in entsprechender Nähe befinden würde.

Patrick zückte die Wurfaxt und peilte nach unten. Einen könnte er ausschalten, die anderne beiden wären gewarnt und würde ihm dann wohl die Hölle heiß machen. Er checkte die Bewaffnung der Trolle ab. Sie trugen Wurfmesser, Wurfäxte und einer hatte eine Armbrust auf dem Rücken hängen. Dazu kamen noch Beutelchen, die wer weiß was für Trollzauber beinhalten konnten. Patrick lockerte die zweite Wurfaxt als über ihn ein Schatten kam und sich eine Krähe vor ihn setzte und über den Stein hüpfte.
"Verdammt", dachte er sich und versuchte den Vogel zu verscheuchen. Eine weiter Krähe landete auf einem anderen Stein und krächzte laut. "Ksch" zischte er sehr leise und versuchte die Tiere zum fortfliegen zu bewegen. Drei weitere Krähen kreisten über seinem Platz und er fluchte leise, denn das würde die Trolle sicher dazu bewegen nachsehen zu wollen, was die Tiere so interessierte. Er blickte hektisch um sich und versuchte zu erkunden, wohin er flüchten könnte, ohne gesehen zu werden. Die Schritte und Worte der Trolle waren jetzt so gut zu hören, dass er wusste, das dies ein unmögliches Unterfangen war.
Patrick sandte ein kurzes Gebet nach oben, drehte sich dann um, richtete sich was auf, peilte den Kopf des ersten Trolls an und ließ die Axt fliegen. Die Krähen flogen kreischend auf, aber er hatte dennoch den Überraschungsmoment auf seiner Seite. Die Axt traf sein Ziel knirschend und dann folgte das Gerufe der beiden anderen, während der erste Troll hart auf dem Boden aufschlug und leblos liegen blieb.

Patrick nutze den Augenblick der Verwirrung, schwang sich in die Felswand, kletterte den ersten Meter und ließ sich dann auf den Weg fallen. Er federte den Sprung ab und zog sich weiter ins Gebirge zurück. Die Trolle folgten ihm und genau das war auch seine Absicht. Drossel und Falke waren in der Nähe, so sagten ihm zumindest die Rufe. Hinter ihm hörte ein Zischen in der Luft und das Schlagen des Armbrustbolzens in die Felswand hinter ihm.
"Scheiße", fluchte er still. Die Trolle waren schnell. Patrick sprang über einen großen Findling, duckte sich und ließ nach einem gepeilten Schauen einen der Wurfsterne fliegen.
Das Fluchen war laut, aber zeigte ihm auch, dass er leider nicht tödlich getroffen hatte. Er konnte nur einen Troll sehen, wo zum Nether war der Zweite. Patrick versuchte den zweiten Troll auszumachen, konnte ihn aber nicht entdecken und wandte sich dem Angreifer zu, der ihm nun verdammt nahe gekommen war.
"Licht steh mir bei", sagte Patrick leise, zog das Sax aus der Halterung und richtet sich auf.

Der Troll war groß, die Hauer prächtig und sein Blick war entsprechend tödlich. Der Wurfstern hatte ihn am Arm getroffen und Blut rann schillernd den Arm herunter. Patrick lächelte und der Troll lächelte zurück. Der Kampf begann schnörkelos, direkt und auf Tod ausgelegt. Die nächsten Minuten erlebte Patrick wie im Rausch. Das Blut hämmerte und rauschte in seinen Ohren, sein Atem ging schnell und seine Bewegungen waren trainiert und so ausgelegt, dass er überleben würde. Sie kämpften und rangen um die Oberhand. Patrick stellte dem Troll ein Bein und versuchte es wegzuziehen, um ihn zu Fall zu bringen. Doch der Troll war zu schnell, sprang auf ihn und riss ihn stattdessen zu Boden. Sie wälzten sich auf dem schmalen Bergpfad, Patrick griff nach einem Stein und schmetterte ihn in das Gesicht des Trolls. Ein Hauer splitterte ab und der Kopf des Trolls schwang nach hinten, Patrick versuchte einen tödlichen Stich mit seinem Sax zu setzen, spürte seine Hand gepackt und der Troll schmetterte den Arm mehrfach auf den Boden, bis er das Sax verlor. Die andere Hand des Trolls schloß sich um seine Kehle und drückte zu. Patrick gurgelte nach Luft und boxte dem Troll in Bauch und Rippen. Seine Sicht wurde langsam verschwommener und er merkte, dass dies zu keinem Erfolg für ihn führen würde. Patrick ließ seinen kompletten Körper erschlaffen und sorgte so für einen Überraschungsmoment, der ihm erlaubte, den Troll mit einem Hüftheber aus dem Gleichgewicht zu bringen und sich so mit einer fixen Rollbewegung auf den Troll zu setzen. Seine Knie fixierten die Arme des Trolls und hielten ihn nach unten.

Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er begann damit die Fresse des Trolls zu polieren. Jegliche aufgestaute Wut setzte er in die Schläge und das Gesicht des Trolls verwandelte sich langsam in eine blutende Masse. Der warnende Ruf des Falken drang zu spät an sein Ohr. Der dumpfe Schlag in seine Schulter riss ihn nach vorne und nahm ihm kurz den Atmen. Der Armbrustbolzen waren von hinten am linken Schulterblatt eingedrungen und hatte seinen Körper durchschlagen, so dass er auf der anderen Seite herausschaute.
Patrick schaute überrascht nach unten. Es tat gar nicht weh. Unter ihm stöhnte der Troll und Patrick blickte nach unten, rollte sich von dem übel zugerichteten Troll herunter ...keine Sekunde zu spät, denn ein weiterer Bolzen flog über ihn hinweg. Patrick griff nach seinem Sax, der Troll rappelte sich müheselig auf und stolperte etwas. Erneut hörte Patrick zischen in der Luft und ein Pfeil traf den Troll mitten in den Kopf.

Der Troll taumelte und kippte dann nach hinten auf den Weg. Patrick hörte weitere Pfeile und Armbrustbolzen fliegen und dann den Schrei eines Trolls, der fast theatralisch einige Meter in die Tiefe stürzte und da vermutlich tot irgendwo liegen blieb. Patrick war es gerade egal, denn der Schmerz, der ihn zunächst verschont hatte, begann langsam einzusetzen, als der Rausch des Blutes verebbte. Sein linker Arm hing an ihm herunter und er spürte die Wärme des Blutes. Im Kampf hatte er einige Blessuren, Schnitte und Stiche erhalten, die er zunächst nicht bemerkt hatte. Sie waren nicht tödlich, das wusste er. Bei dem Arm war er sich da nicht sicher.

Ein Schatten fiel über ihn und dann landete der Falke neben ihm auf dem Weg.
Die Augen des Hochelfen überblickten die Lage.
"Da hast du nochmal Glück gehabt", meinte jener und kontrollierte die Spitze des Armbrustbolzens.
"Viel Glück, nicht vergiftet", kam es trocken.
"Yeah, super. Ich fühl mich auch total glücklich", antwortete Patrick trocken. Der Hochelf blickte ihn an und lachte dann leise.

Patrick wurde an die Felswand gelehnt, die Blutung vorerst gestoppt und als der Falke und die Drossel, die toten Trolle geborgen und ein Signal abgeschickt hatten, wurde Patrick genauer begutachtet. Er hatte etwas gedöst, der Blutverlust hatte ihn etwas müde gemacht.
"Wir bringen dich etwas höher. Sie werden mit Greifen kommen", meinte sein befehlshabender Offizier, der Falke.
Ilansar ging in die Hocke und warf sich den verletzten Menschen über die Schulter. Patrick stöhnte schmerzerfüllt auf.
"Ich wollte schon immer von dir so genommen werden, Ilansar" brummte Patrick und blickte baumelnd auf den Stein unter ihm.
"Ich kann dich immer noch fallen lassen, Patrick" kam es trocken aus dem Mund des Hochelfen zurück. Patrick lachte leise und bereute es sogleich, als der Schmerz ihn strafte.

Selbst mit der Last auf seiner Schulter bewegte sich der Elfe trittsicher und geschmeidig. Patricks Kopf schwirrte als der Schmerz sich durch den Körper zog und ihn benommen machte. Kurz darauf fiel er in eine gnädige Ohnmacht und bekam so nicht mit, wie zwei Greifenreiter auf dem kleinen Plateau landeten und sowohl ihn als auch die toten Trolle einsammelten. Ebenfalls bemerkte er nichts davon, wie er in Stromgarde vom Greifen gewuchtet wurde und man ihn danach verarztete.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Di 26. Mär 2019, 19:14

"Ist nur ne Fleischwunde, Junge. Keine Sorge. Bist bald wieder fit. Etwas schonen, Verbände wechseln, Medikamente nehmen und dann, in ein paar Wochen, kannst du wieder alles machen", sagte Doktor Grisberth und klopfte ihm aufs Knie bevor er schon wieder zu einem anderen Patienten eilte.
Patrick schielte an sich herunter. Sein Oberkörper war so bandagiert, dass die Schulterwunde abgedeckt war und sein linker Arm hing in einer Schlaufe. Schmerzen spürte er keine, aber das lag wohl eher an den Medikamenten, die er so bekam.

Er griff mit der Rechten zum Nachttisch, nahm sich ein Honigbonbon und steckte es sich in den Mund. "Honig ist gut für den Hals", hatte Ilassan ihm geschrieben. Als ob er das nicht selbst wüsste. Manches Mal dachte er sich, dass Ilassan ihn für dumm hielt. Wahrscheinlich tat er das sogar. Ein dummer, junger Mensch. Patrick grinste leicht und blickte auf den arathischen Bergpfeifer, der auf seinem Nachttisch saß. Ein Kuscheltier ... Patrick wusste schon gar nicht mehr, wann er eines bekommen hatte. Hatte er überhaupt je eines gehabt? Er konnte sich wahrlich nicht mehr entsinnen. Jetzt besaß er eines und es gab eigentlich nur einen Menschen, der ihm das geschenkt haben konnte. Tion.

Sein bester Freund war also in Arathi.
"Sicherlich kriechst du wieder irgendwo im Feindeslager rum", dachte er sich und grinste bei dem Blick auf das Tierchen. Er konnte sich noch genau daran erinnern, wie Tion ihm den Spitznamen gegeben hatte. Damals waren seine Haare noch kurz gewesen und sein Schopf hatte wirklich manches Mal an den arathischen Bergpfeifer erinnert. Tion, der Arsch, fand das würde also passen. Außerdem hatten die Männchen einen kleinen Harem um sich, auch das würde ja zu Patrick passen.

Er lehnte den Kopf am Kopfteil des Bettes an, schloß die Augen und lächelte vor sich hin, als die Szene von damals vor seine Augen trat. Wärme kroch kribbelnd von seinem Bauch aus durch seinen ganzen Körper und es dauerte nicht lange, da war er am Schlafen. Das Lächeln behielt er dabei bei.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Sa 6. Apr 2019, 13:26

"Haha! Wieder gewonnen" rief er aus und grinste zu seinem Gegenüber.
Der Soldat, Brian, fluchte leise und blickte Patrick grimmig an.

"Was denn? Ich kann doch nichts dafür, wenn ich Würfelglück habe", meinte er und trank sein verdünntes Bier.
"Du machst mich arm", brummte Brian und Patrick tätschelte dessen Knie, nachdem er sein Bier abgestellt hatte.
"Ach was, du musst mir ja nicht alles gleich geben, was du mir jetzt schuldest."

Brian schnaufte und blickte etwas hilfesuchend zu Eileen als jene kam.
"Habt ihr schon wieder verloren?" fragte sie und musterte die beiden Patienten.
"Aye, Schwester. Er macht mich noch verarmt". Eileen drehte den Kopf zu Brian und schaute ihn ruhig an.
"Ihr könntet auch einfach nicht mehr spielen oder um nichts spielen, wie wäre das?"
"Aber ... wo bleibt dann der Reiz?" fragten beide Männer aus einem Mund. Eileen schüttelte leicht den Kopf.
"Nun, ich schätze er wird euch nicht weiter abzocken können. Bruder Patrick darf gehen" sagte sie und schaut von Brian zu Patrick.

"Na endlich!" brummte er und stand auf. Der linke Arm befand sich immer noch in einer stützenden Schlaufe, aber er hatte mittlerweile raus, wie er sich einigemaßen gut damit bewegen konnte.
"Und ihr solltet euch wieder hinlegen", ermahnte sie den Soldaten mit dem gebrochenen Bein. "Aber ..." kam es noch von dem Soldaten und Patrick grinste, als er sich aus dem Lazarett entfernte.

Endlich raus.
Die Wunde heilte gut hatten die Ärzte gesagt und er sprach gut auf die Kombiheilung an, die sie anwandten. Traditionelle Medizin und Lichtheilung nutzten die Heiler vor Ort und sogar druidische Methoden wurden angewendet in manchen Fällen. Zwei druidische Heiler waren zu den Truppen der Allianz gestossen und wollten sich einbringen. Hilfe wurde nie abgelehnt.

Das Ordenshaus lag ruhig da. Im Kamin des kleinen Aufenthaltsraumes prasselte Feuer, ein angebissenes Sandwich lag auf einem Teller und eine erkaltete Tasse Tee stand daneben. Patrick schaut auf den Belag des Sandwiches, setzte sich, legte die Beine hoch und begann es zu essen. Mal schauen, wann er nach Sturmwind durfte.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » So 28. Apr 2019, 19:02

Im Sonnenschein saß Patrick hinter dem Ordenshaus am Tisch und pflegte seine Lederrüstung. Er hatte von seinem Lordkommandanten den Befehl bekommen nach Thelsamar zu reisen, um dort einen bestellten Auftrag beim Schmied abzuholen. Patrick, der immer noch das Verbot hatte an Kampfhandlungen teilzunehmen, hatte begeistert zugesagt und bereitete seine Abreise vor.

Die Reise nach Loch Modan kam ihm gelegen und er hatte das Gefühl nicht ganz nutzlos rumzuhängen. Und Schwester Eileen beim Bandagen rollen zu helfen, war nicht wirklich befriedigend gewesen.

Er blickte nach oben, als es laut krächzte. Mehrere Krähen flogen und kreisten über dem Ordenshaus und er seufzte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass es immer mehr wurden. Jedoch waren Krähen in Kriegsgebieten jetzt wahrlich keine Seltenheit.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Mo 21. Okt 2019, 12:28

Erneut saß Patrick hinter dem Ordenshaus in Stromgarde und genoß das kühle, aber sonnige Herbstwetter. Er war gestern von eine Spähmission zurückgekehrt, hatte ausreichend lange geschlafen, gebadet und sich dann erst einmal ein sehr befriedigendes Frühstück gegönnt. Morgen würde er erneut nach Thelsamar reisen. Diese kleine Frontunterbrechung kam ihm gerade recht. Die letzten Wochen und Monate waren ziemlich anstrengend gewesen. Seit ein paar Tagen jedoch war es friedlicher geworden. Abgesehen von einigen Vorstoßen der Gammler hatten keine Kampfhandlungen stattgefunden.

Noch wurde der Situation nicht getraut, aber jeder pflegte so gut es ging seine Wunden und nutzte die Zeit, um sich auf die ein oder andere Art zu erholen und durchzuatmen. Die anderen Ordensmitglieder waren am Morgen der Einladung von Abt Aedans Vater gefolgt und würden dort einige Tage verbringen. Patrick genoß die Ruhe um ihn herum, schloß die Augen und ließ sich die Sonne wärmend ins Gesicht scheinen.

Später wollte er seine Reisetasche packen. Viel gedachte er nicht mitzunehmen. Er wollte leicht reisen und so hatte er sich entschieden, nur in Lederrüstung und einer leichten Wechselkleidung für unter der Rüstung, oder am Abend, zu reisen. Dazu noch etwas Proviant für sich und seine Stute und mehr wollte er nicht mitnehmen. Abgesehen von seinen Waffen natürlich.
Er seufzte wohlig und seine Gedanken wanderten zu seinen Freunden. Er würde Ilassan und Tion mal wieder schreiben. Vielleicht in Thelsamar. Mit diesem Gedanken döste er ein wenig ein, begleitet vom leisen Krächzen einiger Krähen und dem klappern von Theo, die vor dem Ordenshaus Rüstungen reinigte.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Mi 13. Nov 2019, 19:30

Patrick wälzte sich fiebrig im Bett hin und her, Alpträume quälten ihn und ließen ihn nochmals erleben, was er durchgemacht hatte.

Zügig ritt er von seinem Rastplatz am Übergang davon und überquerte die Brücke. Er winkte den Zwergen zu, doch nur einer nahm ihn wirklich wahr. Patrick summte ein Liedchen vor sich her und genoss den sonnigen Tag. Selbst die Tatsache, dass es immer heißer und drückender wurde, je tiefer er ins Tal des Sumpflandes ritt, störte ihn nicht.
Er hatte vor sich ein paar schöne Tage zu machen und voller Vorfreude darauf war er bester Laune.

Seine Laune wurde getrübt, als etwas auf seine Schulter klatschte und Blut und Innereien an seinen Hals klatschten und seinen Wappenrock besudelten. Angewidert zog er den halben Kadaver einer Ratte von seiner Schulter und fluchte zu den Krähen, die ihre Beute haben fallen lassen. Den Kadaver warf er ins Gras unter Krächzen der Vögel am Himmel.

"Hab ein Auge auf die Krähen", hörte er innerlich Ilassan sagen. Er lächelte. Ja, er freute sich auf Thelsamar und auf Ilassan. Viel zu lange hatte er seinen dunklen Freund nicht mehr gesehen.

Eine Krähe schoß knapp über sein Haupt und er schimpfte ihr hinterher.
Drecksbiester!

Das Wetter wurde drückender und die Fliegen lästiger. Patricks Stute schüttelte den Kopf und schnaubte unwillig. Sie ritten um eine Biegung und plötzlich frischte starker, kühler Wind auf. Die Bäume rechts und links von ihm knarrten im Wind und dann folgte ein Krachen und ein sehr dicker Ast krachte lautstark auf den Weg. Pferd und Reiter blickten auf den Ast, die Stute tänzelte kurz und stand dann still.

"Na, hervorragend!" sagte Patrick sarkastisch und schwang sich aus dem Sattel. Ohne großes Humpeln ging er zu dem Ast und beschaute sich diesen, wie auch das Gelände entlang der Straße. Alles war morastig und wirkte nicht wirklich einladend. Seine Stute würde wohl springen müssen, dachte er sich und wollte zu ihr zurückkehren, als ein Vogel fast in sein Gesicht flog. Erschrocken wedelte er mit den Armen.


Patrick wurde unruhiger im Bett und stöhnte leise. Der Traum verschwamm etwas vor seinen Augen.


Blut ließ seine Sicht verschwimmen. Sein Gesicht brannte, seine Schulter schmerzte, seine Axt war fort und sein Pferd, Licht sei es gedankt, geflohen. Er lag am Boden, die Kälte des Eises, welches diese Hexe beschworen hatte, kroch in seine Glieder, doch er spürte nichts davon.
"Du bist tot!" spuckte er ihr entgegen und die magischen Fesseln, die sie ihm angelegt hatte, wurden wieder ein Stück enger um ihn. Seine Beschimpfungen interessierten sie nicht wirklich. Zumindest tat sie so. Allerdings schnürte sie ihm die Fesseln enger, als einige Beleidigungen sie wohl doch wütend machten. Er konnte weniger atmen, doch hintere ihn es nicht, sie weiter zu beschimpfen. Ihm war es gleich, denn so wie dieses Hündin sich benahm, würde er hier wohl nicht mehr lebend heraus kommen. Aber er vertraute auf seinen Orden. Sie war tot und wusste es nur noch nicht.
"Elendige Hündin!" schimpfte er und das war noch das Netteste was er ihr an den Kopf warf.

Sie starrte auf ihn herunter. Das meiste ihres Gesichtes war verborgen unter einer Kapuze. Aber er konnte ihre leicht violett leuchtenden Augen sehen und die Schnauze die zu ihm schnüffelte. Eine Krähe landete neben ihr und die Worgin zog ihm die Stiefel aus. Was folgte waren Schmerzen, die ihm kurzzeitig den Verstand raubten. Er schrie vor Qual auf, als sich der Vogel an seinem Fleisch bedienen durfte und seine Fußsohlen malträtierte.


Patricks Füße zuckten und er wand sich auf seinem Lager hin und her.


"Still", hauchte eine längst tote Stimme an seinem Ohr. Patrick schloß die Augen als er Harolds Stimme vernahm und atmete flacher.
"Licht, hilf mir!" betete er still und spürte, wie sie in an den Knöcheln packte, als wäre er ein Sack Futter und über den Boden schleifte. Sie schien sich nicht um Spuren zu kümmern, die sie hinterließ. Ein Stein knallte an seinen Schädel, aber er biss sich auf die Zähne.
"Nicht noch mehr Schmerz zeigen", ermahnte er sich und versuchte sich an damals zu erinnern, als die Orks ihn und Harold in der Mangel hatten. Konnte es wirklich schlimmer kommen? Patrick spürte, wie er ruhiger wurde und die Augen öffnete. Er konnte nur noch aus dem rechten wirklich gut sehen, das andere war vom Blut getränkt, welches von seiner verletzten Schläfe nach unten gelaufen war.

"Du reist doch gerne", sagte sie und zu ihm.
Woher wusste sie ... "Hab ein Auge auf die Krähen", hörte er wieder Ilassans Stimme. Dieses Mal jedoch war die Stimme höhnisch verzerrt und Patrick atmete tief durch. Er hatte es nicht getan. Nicht so, wie er es wohl hätte tun sollen. Wut, dieses Mal über sich selbst, kochte erneut in ihm hoch. Er beobachtete, wie sie einen Runenstein benutzte und wie sich ein Portal öffnete ... es strahlte Dunkelheit aus und er roch Schwefel und spürte, wie seine Innereien sich verkrampften. Er wollte da nicht durch. Er wollte rennen, so schnell er konnte ... und er konnte nicht. Ohne Mühe zog sie ihn durchs Portal.

Fratzen, Tentakel, felgrüne Augen, irres Lachen und Stimmen umschwirrten ihn auf dem Weg durch das Portal. Selbst als er die Augen schloß konnte er sie spüren und riechen ... die, die dort draußen in den Dunkelheit waren.


Patrick zitterte im Bett vor Schüttelfrost und bemerkte nicht die pflegenden Hände, die ihm den Schweiß abwischten.

Eisige Kälte schlug ihm ins Gesicht und ließ die Tränen, die er unwissentlich geweint hatte, auf seiner Haut gefrieren. Er schlug die Augen wieder auf. Wo waren sie? Patrick schaute sich um und erkannte nicht, wo er war.
"Wo?" krächzte er. Doch sie antwortete nicht, sondern zog ihn einfach von der eisigen Plattform hinab in den Schnee. Er hustete und prustete den Schnee aus seinem Gesicht, als er kurz in der weißen Pracht versank und davon ein Schwall in sein Gesicht rutschte. Es kümmerte sie nicht was mit ihm geschah, sie zog ihn wieder durch den Schnee und pflügte so eine Bahn, bis sie zum Halt kam.
"Schön hier, nicht?" sagte sie oder zumindest war es das was sie in seinem Traum nun sagte. Er starrte über die Klippenrand. Das musste Nordend sein! Schnee sowei sein Auge blicken konnte, Ziguratte im Tal und in weiter Ferne sah er etwas, das aussah, wie ein riesiger Käfer. Konnte das sein?
Er kam nicht länger zum Grübeln, denn sie trat ihn in die bereits schmerzenden Rippen und er flog über den Rand.

Die Welt sauste an ihm vorbei, der kantige Felsen rauschte knapp an seinem Kopf vorbei und alles wurde plötzlich warm um ihn und er spürte so eine Woge der Liebe, die ihm den Atem nahm und erneut Tränen laufen ließ. "Ich halte dich", hörte er Harolds Stimme an seinem Ohr und dann kam der Aufprall.

Er hätte tot sein müssen. Jeder Knochen in ihm wahrscheinlich gebrochen und nur noch eine matschige Masse im eisigen Schnee. Doch er lebte. Ihm tat zwar alles weh und ganz unverletzt war er nicht davon gekommen, aber er lebte. Sein Kopf war wie in Watte gepackt, er konnte nicht mehr wirklich fokussieren und alles war verschwommen. Die Luft fehlte ihm zum Atmen und er starrte in den Himmel, der ihn hellblau anstrahlte und zu verhöhnen schien.

Neben ihm landete die Hexe federnd im Schnee, als wäre sie nur von einem kleinen Stein gehopst. Sie überprüfte ob er noch lebte. Es schien ihm als wirkte sie kurz überrascht, dass er dies tatsächlich noch tat.
"Du hast Schlittenfahren als Kind bestimmt gemocht", hörte er sie von weit weg an sein Ohr schallen.
Seine Mimik konnte er nicht mehr kontrollieren. Er wusste einfach nicht mehr, wie ihm geschah und so nahm er wie in einem Rausch nur unterschwellig wahr, wie sie sich auf seinen Bauch setzte. Die unteren Rippen knacksten leise. Die Schlittenfahrt aus seiner Kindheit war bedeutend lustiger gewesen. Doch Patrick war noch immer wie in Watte gepackt. Er spürte den Schmerz gerade kaum noch, hörte sie nur noch dumpf und alles schien weiter weg zu driften.

Licht strömten über ihn und er hörte die Stimme des Abtes "Ich brenn dir die Scheiße raus, Junge. Keine Sorge! Du wirst wieder!" ... dann glitt Schwärze über ihn und er fand einen traumlosen Schlaf.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Do 14. Nov 2019, 19:51

Erneut quälten Patrick die Erinnerungen der letzten Tage, als er den Schlaf fand, den sein geschundener Körper und Geist eigentlich so schmerzlich einforderten.

Die Arme taten ihm schon nicht mehr weh. Er spürte sie gar nicht mehr. Der anfängliche Schmerz des angekettet seins und die Arme stets seitwärts gedrückt zu haben, war übergegangen in die Taubheit und mit den Schmerzen verschmolzen, die sein komplettes Sein zu erfüllen schienen.
Er wusste nicht mehr, wie oft sie ihn gequält hatte und ihre widerlichen Pfoten an seinen Kopf gepresst hatte und dieses Gefühl ihn überkam, als würde sie ihm sein Gehirn auspressen. Am Anfang hatte er sich versucht zu wehren, hatte versucht Dinge von ihr fernzuhalten, als er begriffen hatte, was sie da tat. Sie lachte dabei und quälte ihn immer weiter.
Bilder zogen vor seinen inneren Augen vorbei, als sie sich an seinen Gedanken bediente und er spürte jene ferne Gefühle aufs Neue. Patrick schrie als er den Schmerz erneut spürte, wie seine Familie starb, wie er vom Tode seiner älteren Schwester erfuhr, die mit dem ersten Angriff der Horde auf Arathi umgekommen war. Er schrie, als er Harold immer und immer wieder sterben sah, wie er immer und immer wieder von den Orks gefoltert und gequält wurde und er knurrte, wütend vor Ohnmacht nichts tun zu können, als sie sich schöne Erinnerungen ansah. Erinnerungen mit seinen Freunden, mit Tion, vergangene Momente der Zweisamkeit mit Andrias, Gespräche mit Ilassan und viele, viele mehr. Sie schien sich immer und immer wieder seine Erinnerungen aus dem Orden zu holen und ein Teil von ihm begriff, dass es eben jener war, an dem sie sich interessierte.

Das Klacken auf dem Stein verriet ihm, dass SIE sich näherte. Licht, wie er sie hasste. Er versuchte den Kopf zu heben und sie zu sehen und stellte sich vor, wie er ihr dieses widerliche Worgenfell Stück für Stück vom Körper schälte und wie sie sich wand vor Schmerzen und er würde nicht aufhören. Ihre Lefzen verzogen sich zu einem Grinsen, als könne sie seine Gedanken lesen, auch ohne ihn zu berühren, und der Zorn in seinem Herzen nahm zu.
"Du bist tot!" brüllte er ihr ohne Worte entgegen. In seinem Kopf erschall ihr Lachen und dann begann der Schmerz aufs Neue.

Patrick wimmerte auf seinem Lager und wurde leicht unruhig.


Halb verfaulte Finger schoben sich vor sein Blickfeld und der Gestank des Untodes kroch in seine Nase. Er würgte und drehte den Kopf weg.
"SIE will, dass du es isst!" kam die Stimme der Untoten schnarrend und mit ihren Worten hauchte sie ihren fauligen, verwesenden Atem in sein Gesicht. Patrick presste die Zähne zusammen und schmälerte die Lippen zu einem dünnen Strich.
Eine Schale mit einem Inhalt, der selbst den stärksten Magen umgedreht hatte, wurde ihm gezeigt. Das Fleisch war grün, faulig und so roch es auch.
"Komm, es ist fast frisch", die Untote kicherte manisch und schob den Löffel in die Brühe.
Er übergab sich lautstark.
"Jaaaa, mach Platz für mehr hier von. Du musst alles essen sagt SIE. Und bald sind wir zu zweit", säuselte die Untote und ihre kalten Finger streichelten sanft über seine Wange. Er spürte den Knochen über seine Haut kratzen und diese leicht aufreissen. Sie leckte den Finger mit seinem Blut ab und seufzte. "So köstlich... so frisch ..." kam es von ihren vergammelnden Lippen und ein Sabberfaden floß ihr aus dem Mund.

Ihre knöcherne Hand packte mit Kraft zu und zwängte seinen Mund auf, der Löffel wurde ihm tief in den Hals gedrückt und dann wurde er schnell herausgezogen. Er spuckte alles aus und würgte. Knöchrige Finger gaben ihm eine Ohrfeige, dass sein Kopf zur Seite flog und gegen den Stein prallte. Ihm wurde schwarz vor Augen.
"Bist du nicht willig, so braucht es Gewalt" sang die Untote irr vor sich hin, fasste Patricks Kiefer sanft an und öffnete es. Bewusstlos geschlagen wie er war, wurde ihm die Brühe eingetrichtert. Der Körper wehrte sich jedoch und würgte einen Teil davon wieder aus.

Patricks Körper begann unkontrolliert auf dem Bett zu zittern und eine schwere Hand legte sich ihm auf die Brust. "Licht ist stark in dir und DU wirst siegen!" raunte sanft Eileens Stimme in sein Ohr und dann wurde es hell in ihm, als sie begann die Lichtheilung zu wirken.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Fr 15. Nov 2019, 19:52

"Wie steht es um ihn?" fragte eine Stimme in der Dunkelheit. "Er kämpft. Diese Nacht wird es entscheiden", antwortete eine hellere Stimme. Dann verschwamm wieder alles in einem Brei des Gemurmels.

Patrick öffnete die Augen und blickte um sich. Stein war um ihn und grünes Wasser floß rechts und links von ihm in einen Graben. Er blickte auf eine Steinbrücke und seine nackten Füße. Wieso spürte er keine Kälte? Er wußte es war kalt dort wo er war. Doch er spürte sie nicht. Er sah, wie blau seine Zehen und Füße waren und er versuchte sie zu bewegen. Scheinbar tat er es, doch er spürte sich nicht. Keine Schmerzen. Keine Kälte. War das der Tod?

Irgendwie hatte er sich den Tod anders vorgestellt. Mehr Licht und mehr Freude. Er lachte und hörte aus der Ferne ein Krächzen, wo sein Lachen sein sollte. Niemand war gekommen. Niemand hatte ihn geholt. Wie lange war er dort wo er war? Waren erst Stunden, Tage, Wochen oder Jahre vergangen? Er hatte es vergessen.

Sein Blick heftete sich auf einen Schatten, der angelaufen kam. Ah, da war SIE wieder. Er blickte sie an und empfand nichts. Keine Wut, keine Angst, keinen Schmerz. SIE stockte im Schritt und legte ihren hässlichen Kopf schräg. Die Schnauze zuckte und ihre Lefzen hoben sich.
"Dein toter Freund wird dir nicht ewig helfen können", knurrte sie und Patrick lachte erneut. Hier war keiner der ihm half. Er war alleine. Harold war nur ein Traum. Er erinnerte sich an die so bekannte Stimme, die er seit Jahren vermisst hatte.
"Sie kommen. Halte durch! Sie kommen." hatte er ihm gesagt ... aber bisher war noch niemand gekommen. SIE stand nur steif da, als wäre sie für einen Moment eingefroren.

Patrick atmete durch. Er war so müde. Der Tod erschien ihm als keine schlechte Option mehr. SIE bewegte sich wieder und blickte ihn an.
"Wir kommen wieder", sagte sie und er hörte aus der Ferne das Klacken ihrer Krallen auf dem Stein.

Patrick starrte auf die leere Schale in der sein "Essen" gewesen war. Sein Erbrochenes räumte Sie immer weg, nachdem sie gefüttert hatte. Er hatte die Gegenwehr nicht aufgegeben, aber sie schaffte es immer ihm etwas davon einzugeben. Und wenn sie ihn bewußtlos schlug und es ihm dann gab. Er wusste, dass er starb. Er spürte das Gift in sich. Spürte die Veränderung und wer auch immer kam, er sollte sich zum Nether beeilen.
"Licht, hilf mir. Licht hilf mir" murmlte Patrick wieder tonlos vor sich hin. Seine Kehle schmerzte. Langsam kam alles wieder zurück. Die Kälte kroch in seine Glieder, die Wärme ließ nach und er spürte seinen Körper leiden.

Ohne Scham weinte er, tonlos, denn auch das schmerzte ihm. Er wollte nicht sterben. Was hatte er nur getan, dass er so leiden musste. Wieso? Hatte er nicht schon genug Leid für ein Leben erlebt? Wieso?


In seinem Kampf rannen ihm die Tränen über die Wangen, als er sich im Fieber hin und her wälzte. Sanft wurde mit ihm gesprochen. Doch das nahm er nicht wahr.

"Labt euch an ihm meine Freunde. Saugt ihn aus. Langsam und mit Genuss", klang die Stimme von IHR an sein Ohr und er tauchte auf als dem Traum den er erlebt hatte. Er hatte sich gesehen, ein Toter am Galgen und eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die wohl nach ihm suchte. Er hatte Ilassan gesehen und Tion, Bruder Rozurial, die ehrwürdige Mutter der Roten und einen ihrer Kinder. Patrick spürte einen Schmerz an seinen Füßen und riss die Augen als er das Gefühl hatte, dass jemand sein Leben aus ihm saugt. Er stöhnte und es klang so fremd und falsch.

An seinen Füßen waberte ein Schlick, so grün wie das felverseuchte Wasser, welches um ihn plätscherte und er labte sich an ihm. Saugte an den Löchern in seinen Fußsohlen. So würde er wohl sterben, ausgesaugt von einem Blobb. Er hört ein schnarrendes Geräusch und merkte irgendwann, dass er es war, der ob der Ironie der Situation lachte.

SIE kam zu ihm und neigte sie herunter "Dir wird bald das Lachen vergehen", raunte sie ihm zu und zuckte überrascht zurück, als Patrick versuchte sie zu beißen. Ihre Pfote holte aus und schlug ihm auf die Wange, dass sein Kopf zur Seite flog. Wieder das schnarrende Geräusch aus seiner Kehle. IHRE Augen funkelten violett und er spürte einen gewißen Triumph. Das mochte sie wohl nicht. Das man sie auslachte. Wieder dieses Schnarren und dann kam heiser ein Lachen aus seiner Kehle. Er lachte und lachte und lachte, bis sie ihm erneut eine runterschlug und sein Kopf gegen den Stein prallte und er für einen Moment das Bewußtsein verlor.

Als er wieder zu sich kam, fühlte er sich schwach. Kraftlos und nur mit Mühe konnte er seinen Kopf heben. Der Schleim war noch da und er wirkte fetter und satter. Kraftlos sank er in sich zusammen und dämmerte wieder weg.


Aus der Ferne drang Gemurmel an sein Ohr, er verstand die Worte nicht. Doch es spendete ihm Trost. Sein Atem wurde ruhiger, er hörte auf sich zu wälzen. Das Gemurmel stockte und nahm dann wieder an Intensität auf. Kurz sah er das das Gesicht von Tion vor sich. Sein Freund wirkte besorgt und er blickte ihn an, packte ihn am Kragen "Du wirst NICHT sterben! Das erlaube ich dir nicht!" sagte er fluchend im Befehlston. Dann verschwamm wieder alles vor seinen Augen.

Schmerz riß ihn aus seinem Dämmerzustand. Er brüllte, doch was herauskam war nur ein Stöhnen. Kaum fähig aufzublicken baumlte sein Kopf auf seiner Brust. Seine Lippen bewegten sich wortlos. Schritte drangen an seine Ohren. Schritte und Stimmen. Träumte er schon wieder?
Waren das wieder jene Soldaten, die so tot waren, wie er es bald sein würde? Die Untote war es nicht. Sie war schon eine Weile nicht mehr hier gewesen und SIE klang anders.
Mit Mühe hob er den Kopf an und starrte nach vorne.

Hinter dem Blobb sah er Gestalten. Er hörte Stimmen doch nahm er ihre Worte nicht wahr. Der Schmerz, den der Schleim ihm verursachte nahm ab, als er von ihm ließ und sich den Halluzinationen zu wandte.

"Nehmt mich mit. Bitte. Geht nicht ohne mich!" sagte er, doch seine Lippen bewegten sich nur stumm.
"Helft mir. Bitte. Geht nicht!" sagte er immer und immer wieder und versuchte zu sehen, wer gekommen war. Ein Schatten landete neben ihm und ein Duft, den er schon fast vergessen hatte, wogte zu ihm herüber.
"Ilassan", raunte er und wieder kamen keine Worte heraus, nur seine Lippen bewegten sich.

Sein Kopf baumelte schwach. Er hatte keine Kraft mehr. Er wollte nicht mehr.
Tion tauchte neben ihm auf und Patrick sprach "Ich liebe euch, Jungs. Ich liebe euch. Bringt mich hierraus und lasst euch nicht noch mehr Zeit. Wo seid ihr gewesen? Bummeln?" Seine Lippen bewegten sich, aber die Worte blieben ungesagt.

Patricks Arme sackten nach unten als die Fesseln gelöst wurden. Der Schmerz brachte Klarheit in sein Gehirn. Die Worte der Retter drangen nicht an sein Ohr, sie zogen ihn auf die Beine und der Schmerz raubte ihm den Atem, aber brachte noch etwas mehr Klarheit zurück. Er lebte. Er wollte leben. Er wollte hier raus. Er wollte leben!

Patrick fühlte sich mehr oder minder ins Licht getragen und sackte im Hellen zusammen. Er schlotterte. Da war sie die Kälte. Eine Hand legte sich auf seine Brust und Licht floß in ihn.


Eine Hand legte sich auf Patricks Brust und es wurde hell um ihn. Er stöhnte und schlug die Augen auf.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Mo 6. Jan 2020, 13:48

"So und jetzt hinstellen", sagte der Doc, lehnte sich im Stuhl zurück und blickte Patrick an.
"Wie einfach so ...ganz?" fragte jener und blickte auf die nackten Füße und den Holzboden.
"Sag ich doch. Keine Scheu" antwortete der Doc und legte die Kräuterwickel zur Seite.

Wochenlang waren Patricks Füße gewaschen, bandagiert und mit Heilungsenergie umsorgt worden. Es fühlte sich komisch an, die Bandagen nicht mehr zu spüren. Patrick wackelte mit den Zehen und rutschte von der Liege. Erst ein Fuß. Das erschien ihm sicherer.

Vorsichtig belastete er den Fuß und blickte überrascht, als kein Schmerz mehr zu spüren war. Der zweite Fuß würde aufgestellt und ein breites Grinsen erhellte sein Gesicht.
"Sind wir neu" sagte er freudig und hob dann eine Fuß hoch, um die Sohle zu betrachten. Dort wo ein tiefes Loch war, war alles zugewachsen und die Haut nun vollständig geschlossen.

"Alles wieder gut. Du kannst wieder normal" der Doc pausierte, als Patrick freudig mal auf und nieder hopste und sich drehte "agieren" endete er dann.

"Training? Kampf?" fragte Patrick und wackelte erneut mit den Zehen.
"Training und Aufbau und Kampf, wenn du vom Kommandant das Okay bekommst. Körperlich gebe ich mein Siegel."

Patrick riss den Doc vom Stuhl in die Arme und drückte ihn herzlich.
"Ha!" sagte der Arathor und grinste wie ein Honigkuchenpferd.
Der Doctor putzte, nachdem er losgelassen worden war, sein Monokel.
"Abtreten oder so" sagte der Doc und schüttelte was den Kopf.
"Aye, Doc!" sagte Patrick und rannte aus dem Zimmer. Der Doctor schüttelte den Kopf und wartete.
Kurz darauf kam Patrick wieder rein, schnappte seine Stiefel und Socken und sagte grinsend "vergessen, hehe" hüpfend zog er sich im Gehen Socken und Stiefel an.

Freiheit!
Endlich wieder richtig gehen.
Patrick blickte sich vor dem Haus um, atmete durch und ging dann mit ausgreifenden Schritten los.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Fr 17. Jan 2020, 14:18

Patrick stand vor dem Spiegel im großen Badezimmer der Bruderschaft und schaute sich an.

"Also wir könnten da etwas machen" hatte Eileen gesagt und auf die Narben an Brust und Oberschenkel gezeigt, als er geschunden im Krankenlager gelegen hatte.

"Wirklich? Wie?" hatte er gefragt und sich über die Narbe am Bein gerieben.
Seit dem Zwischenfall auf Draenor, wo er das Meiste der Feldexplosion abbekommen hatte, litt er unter den Folgen der Vernarbungen. Er war nicht übermäßig eitel und wen seine Narben störten, der sollte halt wegschauen oder die Finger von ihm lassen. Aber behindert im Dienst zu sein und dadurch nicht mehr so agieren zu können, wie zuvor, dass belastete ihn auch seelisch.

"Es wird schmerzhaft, wobei wir dich dafür schlafen legen und du so gut wie nichts mitbekommen solltest" hatte sie angefangen und sich mit Bruder Korvinius an sein Bett gesetzt.
Narben aufschneiden wollten sie und mit Hilfe der Nachtelfen Heilerin Yala, den Rest hatte er vergessen, würde ihm fehlende Haut nachwachsen gelassen werden und mit Lichtheilung, dann die Wunden narbenfrei, oder so gut wie, geschlossen werden.

Patrick hatte sie angestarrt. "Nicht wahr ..." hatte er gemurmelt und gestammelt.

Und doch, war es wahr. Seine Finger glitten über den Oberschenkel, der vorher so vernarbt gewesen war, dass er humpeln musste und manchmal den Tag ohne Schmerzmittel nicht überstehen konnte...jetzt war da nur noch glatte Haut, die noch etwas rosiger als der Rest schimmerte.

Seine Brust jedoch zierte die sternförmige Narbe noch, die der Felkristall ihm eingebracht hatte. Sie störte ihn nicht, also durfte sie auch bleiben.

Ohne Schmerzen gehen zu können war eine Offenbarung für ihn. Jeden Tag trainierte er und unternahm ausgreifende Spaziergänge. Seine Gedanken hingen oft bei seinen Freunden Tion und Ilassan und er betete verbissen für ihre heile Wiederkehr. Jeden Tag zündete er Kerzen für die beiden in der Kathedrale an und jedes Mal lächelte er bei der für Ilassan. Ihm würde es sicherlich gefallen, dass er hier eine Kerze bekam.

Patrick blinzelte und schaute vom Spiegelbild weg. Es war Zeit für die Kerzen in der Kathedrale und für das Gebet.

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » Fr 17. Jan 2020, 14:29

Das Gebet für Tion und Ilassan

"Licht, hier knie ich vor Dir, dein ergebenes Kind und Diener im Licht. Die Kerzen entzünde ich für meine besten Freunde Hephaestion de Montbray und Ilassan Ash'therod. Möge das Licht der Kerzen als Sinnbild für dein leitendes, führendes und beschützen des Licht sein. Sie befinden sich beide im Krieg. Ich bitte dich, Licht in deiner Gnade und Güte, beschütze sie beide und sei ihnen Licht in der Dunkelheit, sollten sie jene erfahren. Helfe ihnen, so sie Hilfe benötigen und sende ihnen die Hilfe, die zu ihrem höchsten Besten ist.
Ich bitte dich, Licht voller Gnade, erhöre meine Worte. Lege den schützenden Mantel deiner Heilung über sie und bitte so, dass Ilassan dabei auch nicht verletzt wird. Auch wenn er durch die Leere berührt würde, Du oh Licht weißt, er ist immer noch dein Kind. Beschütze ihn. Er hat ein Händchen dafür in Schwierigkeiten zu geraten.

Licht in ihnen, Licht um sie, Licht leite und schütze sie. So sei es ....und Harold, bitte hilf ihnen oder dem, der am Meisten Hilfe braucht. Ich liebe dich. Danke"

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Re: Die Wege eines Arathor

Beitrag von Patrick » So 9. Feb 2020, 17:11

Geschäftige Stille herrschte in dem exklusiven Schneideratelier im Magierviertel. Patrick saß an seinem Arbeitsplatz und setzte die letzten Stiche an einer teuren und sehr exklusiven Weste für einen wohlhabenden Adelsmann. Als er alles vernäht hatte begutachtete er sein Werk zufrieden. Ja, das hier war wirklich gut geworden. Meister Bernhard trat heran und strich sich über seinen grauen Bart.

"Hervorragende Stichtechnik, Patrick" sagte er und legt dem jungen Mann die Hand auf die Schulter. Patrick lächelt glücklich.
"Ich dachte, die Goldfäden geben der Weste noch das gewiße Etwas", meinte Patrick und reichte sein Werk an den Meister weiter.
"Wundervoll. Der Kunde wird, wie immer, sehr zufrieden sein." Meister Bernhard strahlte.

Patrick war ein wirkliches Genie und Meister Bernhard's Schneiderei florierte. Viele wollten ihre Kleidung von dem anonymen Schneider genäht bekommen. Jedoch nähte dieser längst nicht alles. Immerhin hatte Patrick auch nicht sehr viel Zeit, neben seiner Ordenstätigkeit. So gab es immer nur einge Exklusivaufträge in der Freizeit, die er erübrigen konnte. Diese Weste hier hatte er schon länger auf Halde gehabt und als Extra für das lange Warten, hatte er sich besondere Mühe gegeben.

"Ich werde vorerst wohl nicht zur Verfügung stehen, Meister Bernhard" sagte Patrick und räumte seine Arbeitsutensilien zusammen.
Der Schneidermeister blickte ihn betrübt an und nickte.

"Ihr könntet wahrlich ein Vermögen machen, wenn ihr öfters nähen könntet" sagte er und blickte in Patricks grinsendes Gesicht.
"Dann wäre es ja nicht mehr so exklusiv und es würde langweilig werden" erwiderte er zwinkernd.
"So könnt ihr mehr Gewinn herausschlagen und jeder freut sich."

Die beiden Männer grinsten sich an.
"Soll ich euren Lohn wieder auf der Bank einzahlen?"
Patrick nickte. "Ja, bitte."

Summend stand Patrick auf.
"Ihr habt ausgesprochen gute Laune die letzten Tage, Patrick" sagte Meister Bernhard und schmunzelte den jungen Mann an.
"Ist es das Liebesfest oder einfach nur so?"
Patrick drehte den Kopf zu Meister Bernhard.
"Oh, wir haben Liebesfest? Hab ich gar nicht bemerkt" antwortete er und zuckte dann mit den Achseln. "Einfach so, Meister Bernhard."

Meister Bernhard gab sich mit der Antwort zufrieden und nickte.
"Dann hoffentlich bis bald und passt gut auf euch auf."
Patrick nickte ihm zu.
"Und danke nochmal für den Stoff, den ihn nicht mehr braucht."
Meister Bernhard winkte ab. "Das alte Ding. Viel zu robust für die Wünsche der Kunden."

Und perfekt für meine Zwecke dachte sich Patrick.

"Die abgesteckten Sachen liegen hinten und ansonsten hab ich alles aufgearbeitet." Mit den Worten reichte Patrick dem Meister die Hand. Jene wurde kräftig geschüttelt und dann schwang sich Patrick den Rucksack über die Schulter und schlenderte aus der Schneiderei.

Pfeifend ging er durch die Stadt. Er hatte alles erledigt, was es zu erledigen gegeben hatte. Einiges war nicht so schön gewesen, anderes schöner als geplant. Er kaufte ein Whisky-Fudge Beutelchen und zwei herzhafte Pies. Dann führten ihn seine beschwingten Schritte zurück zum Ordensgelände.

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