Comgall stolpert voran

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Comgall
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Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Fr 1. Nov 2019, 15:10

Comgall schlief unruhig. Er schwitzte, trat und schlug um sich, war völlig in seiner dünnen Wolldecke verheddert und wurde im Traum immer hektischer. Als Sean seinen Arm etwas fester um den Freund zog, um ihn zu beruhigen, erreichte er das Gegenteil: Comgall jaulte im Schlaf auf und in einem panischen Versuch, sich aus Seans Griff zu befreien, fuhr er derartig schwungvoll aus dem Bett hoch, daß er mit dem Kopf gegen einen vorstehenden Balken prallte, sich damit selbst ausknockte und schlaff zurück auf sein Kissen fiel, wo er ohnmächtig liegen blieb.

Sean seufzte. Wie es aussah, durfte er einmal mehr erklären, warum der rothaarige, temperamentvolle und stets mit sich selbst unzufriedene Priester nicht am Morgengebet teilnehmen würde. Und die Wahrheit - "tut mir Leid, er hat sich im Schlaf k.o. geschlagen" - klang ein wenig unglaubwürdig.
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Do 28. Nov 2019, 15:48

"Gar nichts merke ich, ehrlich!", sagte Comgall, als Sean ihn auf den Findling neben dem Feld drückte.
"Bleib da einfach mal eine Minute still sitzen", brummte Sean, "und laß mich das ansehen."
"Du bist TIERarzt, Mann, wie soll ich mich denn da fühlen?" murrte Comgall mit einem Zwinkern. Selbstverständlich fühlte er sich ganz hervorragend, wenn Sean wasauchimmer an ihm gründlich untersuchte. Es mußte nur vielleicht nicht gerade auf dem Gelände in Sichtweite zum Haupthaus sein.

Sean krempelte Comgalls rechtes Hosenbein bis zum Knie hoch und hob das Bein etwas an, um sich die Wade besehen zu können. Bis auf ein paar winzige helle Punkte, die unter den schon nachwachsenden rötlichen Härchen fast nicht zu sehen waren, stimmte es, was Comgall behauptete - die Wunde, die die verderbte Ratte hineingerissen hatte, war geheilt. Die Hand, die ebenfalls attackiert worden war, war schon seit zwei Tagen wieder völlig in Ordnung. Er krempelte das Hosenbein wieder herunter, und patschte zweimal freundlich gegen den geheilten Schenkel - Comgall hatte ihn diese Geste hundertfach bei behandelten Tieren machen sehen, und zog amüsiert die Augenbrauen hoch.

"Ich glaube ernsthaft, daß ein Worgen zu werden Dir bereits mehrfach das Leben gerettet hat", sagte Sean und zog den Priester vom Findling. "Du hast jeden Tag eine andere Blessur, weil Du so damit beschäftigt bist, Dich selbst zu hassen oder über den Weltfrieden nachzudenken, daß Du einfach nicht siehst, wo du hinläufst."

Comgall erwiderte nichts, sondern stapfte mit gerunzelter Stirn los. Sean seufzte leise und schloß auf.

"Während es durchaus wichtig ist, über Frieden nachzudenken", versuchte Sean es mit Humor, "könntest du allerdings deinen Selbsthass unterlassen und so auf einen Schlag das Verletzungsrisiko um 50% senken."

Genervt blieb Comgall stehen und sah Sean mit einem "dein Ernst?"-Blick an, so daß dieser schnell hinzufügte: "Das ist meine ärztliche, wissenschaftlich begründbare Meinung, die sich auf eine Langzeitstudie stützt."

"Was für eine verdammte Langzeitstudie?!" fauchte Comgall, im Gesicht fast so rot wie im Schopf.

"Wir sind immerhin schon drei Jahre zusammen, Comy, und ich versichere dir, daß du dich vor allem dann verletzt, wenn Du so richtige Scheißlaune hast. Und die hast du meistens, wenn du dich unzulänglich fühlst - oder nicht Mensch genug." Er atmete tief durch. "Ich wünschte so sehr, du könntest einfach damit aufhören."

"Ich auch", murmelte Comgall undeutlich.

"Im Ernst?"

"Ja. Ich merke, daß es dich belastet." Comgall starrte blind auf einen Punkt an Seans Ellbogen. "Ich merke, daß ich dich belaste. Ich will das nicht. Ich wäre gern so unbeschwert wie du, und das letzte, was ich will, ist, deine Unbeschwertheit kaputtzumachen. Ich weiß nur nicht, wie."

Sean schüttelte den Kopf und zog den Freund an sich. "Mach dir mal um meine Laune keine Sorgen, Schatz. Ich habe dich immer genau so geliebt, wie du bist, und das wird sich auch nicht ändern." Jetzt erwiderte Comgall die Umarmung. "Die Frage ist", fuhr Sean fort, "wie wir hinkriegen, daß du dich damit abfindest, ein Worgen zu sein, auch wenn du es nicht permanent unter Kontrolle hast. Wie du dich damit abfindest, du selbst zu sein, auch wenn du bei weniger verträumten Menschen aneckst. Die Frage ist, wie kannst du dich durch meine Augen sehen?"

Sean sah seinem durchgeknallten Lieblingspriester mit dem Hauch eines Lächelns in die Augen. Gerade, als Comgall sich zusammennehmen und zurücklächeln wollte, krächzte es laut und ein Rabe schoß so dicht zwischen ihren Gesichtern vorbei, daß sie von den Flügeln gestreift wurden. Das Tier landete auf einem Holzpfosten neben dem Feld und starrte herausfordernd zwischen den beiden Männern hin und her.

"Ich habe von einem Raben geträumt", flüsterte Comgall und rieb sich unbewußt die verheilte Bisswunde an der Hand.

Sean schüttelte den Kopf. "Die Nacht, als du gefiebert hast, war dieser Rabe auch schon da. Er saß vor unserem Giebelfenster und hat dich beobachtet. Ich habe ihn erst bemerkt, als er mit dem Schnabel an die Scheibe geklopft hat, weil ich eingeschlafen war und du dir den Verband abgerissen hattest..."

Der Vogel krächzte noch einmal, dann hob er etwas schwerfällig ab und flog in Richtung Sturmwindsee davon. Die beiden Männer sahen ihm nach und gingen dann schweigend weiter zum Haupthaus.
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Do 28. Nov 2019, 23:52

Feuerwerk! Von allen Dingen, die man zum Jahreswechsel in Sturmwind genießen konnte, war dies das einzige, daß Sean und er dieses Jahr vermutlich vermissen würden. Feuerwerk. Aber dort, wo sie hingingen (Rodeln in Dun Morogh) - der Knall der Explosion konnte Lawinen auslösen und würde Tiere aus dem Winterschlaf aufschrecken. Das kam also nicht in Frage.

Er grübelte. Ob es wohl leises Feuerwerk gab? Eine Sorte, die nur hübsch aussah, ohne alles im Umkreis einer Meile zu Tode zu erschrecken? Er mußte das in Erfahrung bringen! Entschlossen marschierte er los, stapfte quer über das Feld, die Straßen des Zwergenviertels entlang, über die Kanäle ins Magierviertel der Stadt. Dort betrat er das Geschäft für Feuerwerk und Konfettikanonen. Begeistert sah er sich die Beschreibungen zu den einzelnen Artikeln an. "Romantische Blüte, 4 Sekunden", stand da. Oder "Brüllender Löwe, 9 Sekunden, gold".

Als der Besitzer, Herr Singh, endlich Zeit für ihn hatte, brachte er mit größter Begeisterung seinen Wunsch vor. Darian Singh sah ihn ein paar lange Sekunden lang schweigend an.

"Ist Euch klar, was der Sinn von Feuerwerk ist?", fragte er dann gelangweilt-herablassend.

Comgall blinzelte etwas irritiert. "Naja, äh... Glitzer am Himmel?"

Singh legte die Fingerspitzen an die Schläfen und atmete betont langsam tief ein und wieder aus. "Glitzer am Himmel", wiederholte er. Dann öffnete er die Augen und bedachte Comgall mit dem Blick eines Mannes, der die Ehre seiner Schwester hier und jetzt zu verteidigen gedachte. "Feuerwerk", schnarrte er, "heißt FEUERwerk, weil es BRENNEN soll, und wo es BRENNT, da KNALLT es auch, die GEFAHR hinter der Schönheit ist es, die Feuerwerk zu etwas EINZIGARTIGEM macht, sonst könnte man auch EINEN SPRINGBRUNNEN ANSTARREN UND ES WASSERWERK NENNEN!"

In seinem heiligen Zorn hatte er sich so weit über den Verkaufstresen gebeugt, daß Comgall sich weit nach hinten beugen mußte, um nicht von Spucketröpfchen der Empörung benieselt zu werden. Einige Sekunden starrten Priester und Chemiker einander an.

"Na gut, dann..." setzte Comgall schließlich an und wandte sich zur Tür, als:
"Wunderkerzen, 80 Silber die mittlere Packungsgröße, 1 Gold 50 die große, drei große für 4 Gold." Darian Singh sah aus, als könne er selbst nicht glauben, daß er das gerade gesagt hatte. Folgerichtig setzte er nach: "Kinderkram."

Comgall, der oft genug kindisch genannt worden war, besonders in Situationen, in denen er sich absolut sicher war, eine gute und kluge Entscheidung getroffen zu haben, lächelte. "Wie groß ist groß?"

Singh zeigte in die Ecke, in der beinahe mannshohe, oberschenkeldicke Pakete in unauffälligem Packpapier standen.

Eine Minute später verließ Comgall beinahe hüpfend das Geschäft, in der Hosentasche 4 Goldstücke weniger und einen Lieferzettel mehr. Er summte glücklich vor sich hin und bemerkte das weinende Kind am Brunnen erst, als er bereits daran vorbeigegangen war. Er drehte sich um.

"Alles klar bei Dir?"

Das Mädchen schluchzte herzzerreißend und zeigte auf den Brunnen. Sie stammelte irgendwas von Durst, von ihrer besten Freundin namens Minchen, Finchen, Sabinchen oder etwas dergleichen und zeigte erneut auf den Brunnen. Comgall brauchte einige Minuten, um aus ihr herauszukriegen, daß das Kind seine Freundin zum Trinken in den Brunnen gelassen hatte und sie nun nicht wieder hochziehen konnte. Er besah sich den Brunnen. Das Seil war noch teilweise aufgewickelt, der Wassereimer jedoch nicht zu sehen. Er schüttelte den Kopf. Auf seine Frage hin, warum um alles in der Welt sie nicht einfach einen Erwachsenen um Wasser gebeten hatten - immerhin war ein Gasthaus in direkter Nähe! - weinte das Mädchen nur noch heftiger.

Also schwang er seine Beine über den Brunnenrand, ruckte zweimal kräftig am Seil - die Winde bewegte sich keinen Zentimeter - und drückte dem Kind ein altes, benutztes Taschentuch in die Hand.

"Jetzt hör mir gut zu", sagte er. "Du mußt zuerst deine Nase putzen. Dann wartest du hier, bis ich unten bin. Ich kann Deine Freundin bestimmt huckepack nehmen und wieder hochklettern. Falls aber nicht, werde ich zu Dir hochrufen, daß du Hilfe holen sollst. Und wenn ich das mache, dann rennst du ganz schnell durch die Stadt zum Zwergenviertel, weiter am See vorbei, über das Feld und zu dem großen Haus, wo die ganzen Priester wohnen, und dort sagst du Bescheid, daß Comgall hier Hilfe braucht. Hast du das verstanden? Wiederhol mal."

"Wenn du rufst, renne ich hinter den Zwergen zu dem Haus, wo viele Priester wohnen, und hole Hilfe für Comgall", wiederholte das Kind gefaßt. Comgall nickte zufrieden, zwinkerte ihr aufmunternd zu, schlang sich das Seil um einen Arm und glitt vom Brunnenrand.

Für einige Sekunden konnte er problemlos hinabklettern. Dann plötzlich löste sich irgendetwas an der Winde und haltlos schossen Seil und Priester abwärts. Ein halber, geschrieener Fluch wurde abrupt beendet, als sein Fall einige Meter über dem Boden endete und Comgall, durch den Ruck vom Seil rutschend, mit Wucht im schlammigen Boden am Grund des Brunnens landete. Vor ihm war im dämmerigen Licht eine blaue Stoffpuppe schwach erkennbar, die innerhalb von Sekunden von einer heranhuschenden Ratte gepackt und weggeschleppt wurde.

Comgall stöhnte. Er war nicht nur in den verdammten Brunnen gefallen. Es war auch noch total umsonst gewesen - die "Freundin" war, wie es schien, nur eine Puppe. "HALLOOOO?" schrie er in den glatten Schacht hinauf. "KANNST DU MICH HÖREN DA OBEN? LAUF LOS, LAUF ZU DEN PRIESTERN!" Keine Antwort.

Eine Stunde später, erschöpft von etlichen Sprüngen in Richtung des baumelnden Seils und vergeblichen Versuchen, eine glatte Mauer zu erklettern, war er sich absolut sicher, daß er hier nicht auf demselben hinauskäme, wie er hineingeraten war. Und daß Hilfe wohl noch auf sich warten lassen würde. Nun, vielleicht fände er ja noch einen anderen Ausgang - immerhin war dies ein Brunnen, und irgendwoher mußte ja das Wasser kommen.

Er stapfte los.
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Mo 2. Dez 2019, 10:40

Es dauerte eine ganze Minute, bis ihm die Bedeutung seines letzten Gedankens so richtig klar wurde: „irgendwo mußte schließlich das Wasser herkommen“? Aber... welches Wasser? Der Boden war zwar schlammig, aber hier floss nichtmal ein Rinnsal, geschweige denn, dass Grundwasser zu sehen wäre.

Comgall tastete sich im kaum vorhandenen Dämmerlicht vorsichtig voran. Ein Hauch von Hellblau schien ab und an gerade am Rand seines Sichtfelds aufzuschimmern, als wolle die Ratte mit der Puppe ihn locken.

Nach wenigen Schritten ging der breite Brunnenschacht in einen offenen Raum über. Nichts war hier im schlechten Licht auf Anhieb erkennbar, doch der Geruch, der ihm aus dem Durchgang entgegenschlug, war eine so betäubende Mischung aus Exkrementen, Blut und Fäulnis, daß der Priester erstmal zurücktaumelte und in den Brunnenschacht kotzte. Nie in seinem Leben hatte er etwas Vergleichbares gerochen; nicht einmal in Gilneas während der Belagerung. Er holte langsam und vorsichtig Luft, hielt dann den Atem an und betrat den Raum erneut.

Die einzigen Geräusche hier waren neben seinen eigenen Schritten das leise Kratzen kleiner Tiere auf den Steinen und ein gelegentliches Tropfen von irgendwoher. Um nicht blindlings in irgendetwas Unangenehmes hineinzulaufen, tastete Comgall sich langsam an einer Wand entlang, immer darum bemüht, so flach wie möglich zu atmen. Seine Hände fuhren an Steinen und Fugen entlang, seine Füße gingen über unregelmäßige Flächen aus Stein und Lehm, bis er an der Wand etwas Vorstehendes berührte. Es war unbeweglich. Er tastete es ab - ein Ring. Ein eiserner Ring, der an der Wand befestigt war und groß genug, um bequem beide Hände nebeneinander hineinzulegen. Er war klebrig und schien festgerostet oder durch das klebrige Zeug unbeweglich geworden zu sein.

Comgall rümpfte die Nase und tastete sich voran.

Nischen fand er, Nischen in der Mauer, groß genug, um sich hineinzulegen - oder hineingelegt zu werden. Mehr Eisenringe. Ketten, ebenfalls an der Wand befestigt. War dies hier einst ein Kerker gewesen, bevor man in Sturmwind das Verlies gebaut hatte?

Plötzlich ein weiterer Durchgang, ein schmalerer Gang ohne sichtbares Ende - und eine weitere Gelegenheit, sich zu übergeben. Dieser Gestank war so intensiv, daß Comgall ihn wie einen entsetzlichen Belag auf der Zunge spüren konnte. Am gesamten Körper fühlte er seine Härchen sich aufstellen, ein Zittern ging durch Haut und Muskeln und das Adrenalin, das ihn durchströmte, schrie nach einer Verwandlung, doch er nahm sich mit aller Macht zusammen und blieb ein blasser, kotzender Mensch.

Als er sich aufrichtete, den Mund abwischte und den vor ihm liegenden Gang betrat, wünschte er sich nichts mehr als Licht und frische Luft. Der Boden unter ihm wurde schlüpfriger. Hier gab es kaum Steine; der reine, lehmige Erdboden lag unter seinen Füßen. Nach wenigen Schritten schien der Boden leicht anzusteigen, der Priester lief schneller - und stieß prompt gegen etwas Hartes, Stacheliges. Er grunzte schmerzerfüllt, die Zähne wegen des Gestanks noch immer fest zusammenbeißend, dann tastete er nachdem, was vor ihm lag.

Es schien ein Gewächs zu sein. Oberschenkeldicke Ranken wanden sich durch den Gang, bestückt mit Dornen, die von winzig bis unterarmlang jede Größe erreichten.

Gut, dachte er. Wo etwas wuchs, gab es Wasser, Licht und Luft, auch wenn das momentan sehr weit weg schien. Er mußte sich an der Pflanze entlang an die Oberfläche tasten.

Die ersten Meter gingen recht gut. Comgall hatte Platz, sich an den vorstehenden Dornen vorbeizuschieben. Das lauter werdende Trippeln kleiner Pfoten ignorierte er zunächst, doch als die ersten Ratten seine Knöchel berührten, zuckte er doch nervös zusammen. Dann versuchte er sich einzureden, daß Ratten ein gutes Zeichen seien - schließlich waren sie Überlebenskünstler, wenn also jemand den Ausgang fand, dann sicher die Ratten.

Doch bald schon wurde es eng für ihn, im wahrsten Sinne des Wortes: während die Ranken sich ausbreiteten, wurden die Wände des Ganges schmaler. Comgall kam der Gedanke, daß ein Ausgang, der für eine Ratte hinreichend groß war, nicht zwangsläufig seine eigene Rettung sein mußte, doch er verdrängte die wachsende Panik, hier nie wieder herauszukommen, mit Macht.

Dichter und dichter wuchs das Dornengestrüpp, und immer weniger hatte er dem entgegenzusetzen. Er trug nicht einmal ein Taschenmesser bei sich und die dicken Zweige ließen sich auch bei größter Kraftanstrengung kaum beiseite schieben.

Völlig zerkratzt, mit irreparabel zerrissenen Kleidern und am ganzen Körper blutend hielt er schließlich schräg hängend im Gestrüpp inne und ein Schrei reinster Wut und Frustration löste sich aus seiner Kehle.

Er konnte nicht vor und nicht zurück. Er hing fest, ohne Option.

Ohne Option? Comgall schloß die Augen. Eine Möglichkeit gab es noch. Er hatte das noch nie getan. Er hatte das auch niemals tun wollen. Er haßte das Gefühl und alles, was damit zusammenhing. Doch nun hing vielleicht sein Leben davon ab - und seine Restwürde. Er stellte sich vor, wie der Herold auf dem Marktplatz in Sturmwind schrie „PRIESTER IN BRUNNEN GEFALLEN - BRUDERSCHAFT VERZICHTET AUF GEDENKFEIER WEGEN PEINLICHKEIT“. Nein. Er dachte kurz nach - als Worgen war er deutlich größer als als Mann, doch er war auch stärker, wendiger und hatte scharfe Krallen und Zähne. Waffen gegen Ranken.

Er atmete langsam aus, dann öffnete er die Augen und tat, was er noch nie getan hatte. Freiwillig, bei vollem Bewußtsein und völlig ruhig entschied er sich zur Wandlung. Er wurde zu dem, was er an sich selbst immer am meisten verabscheut hatte und am wenigsten kontrollieren konnte. Er wurde zum Worgen.

Als die Verwandlung abgeschlossen war, stellte Comgall als allererstes fest, daß sich ihm auch als Worgen der Magen umdrehen konnte. Er hatte nicht im Geringsten bedacht, was der ohnehin schon kaum erträgliche Gestank mit seinem nun noch viel empfindlicheren Geruchssinn tun würde. Er kotzte und stöhnte, als sei er vergiftet worden, bis die reine Galle hochkam und seinem Körper einfach die Kraft ausging, sich noch weiter zu übergeben. Dann hing er eine Minute hechelnd im Gestrüpp, bevor er sich, soweit es ging, zusammennahm.

Jetzt oder nie, sagte er sich. Das ist meine letzte Chance. Ich muß es einfach hier raus schaffen. Ich MUSS.

Er begann, zu reißen und zu beißen.
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Mi 4. Dez 2019, 01:26

Er kam voran. Bestimmt eine halbe Stunde lang schaffte er es, sich langsam, aber stetig voranzuarbeiten. Er verlor jede Menge Fell an seinen klammernden Gegner, die Dornen stachen praktisch überall in seinen Körper, selbst in die Zunge, wenn er sich irgendwo durchbeißen mußte, doch er kam voran.

Bis er nicht mehr vorankam.

Mit von dem unerträglichen Gestank dröhnenden Kopfschmerzen und völlig erschöpften Muskeln blieb er irgendwann einfach schlaff im Gestrüpp hängen und verwandte seine letzten Kräfte darauf, nicht das Bewußtsein zu verlieren. Hinter ihm lag die schmale Schneise, die er gerissen hatte, die jedoch nur zurück in den ausweglosen Gruselkeller führte. Vor ihm ging es bergauf und scheinbar hinaus, doch es gab kein Durchkommen. Irgendwo in der Ferne hörte er ein Krächzen. Er wünschte sich einen Magier her, der einfach alles wegbrennen könnte. Oder sogar einen dieser kleinen, irren Gnomentüftler mit ihrem explodierenden Zeug. Irgendjemanden, irgendetwas, das...

Zwei winzige Punkte glommen vor ihm auf. Er kniff die Augen zusammen und versuchte, leiser zu atmen. Die Punkte verschwanden, es trippelte und raschelte, dann wieder Dunkelheit und Stille. Comgall schüttelte benommen den Kopf und schloß die Augen. Wahrscheinlich begann sein von dem Gestank überlastetes Gehirn jetzt zu halluzinieren.

Da es sonst nichts zu tun gab, begann er, eine alte Melodie zu summen, die er aus seiner Kindheit in den Hügellanden kannte. Ein einfaches Küchenlied aus unbeschwerten Zeiten. Nach zwei Tönen brach er ab, weil er sich vor seiner eigenen Stimme erschreckte - so tief, so heiser und vor allem so fremd klang er als Worgen. Dann begann er wieder, den Text undeutlich nuschelnd.

Wnner Topfaba nunnoch hat, mmmhmmeinrich, mmmhmmeinrich,
Wenner hmmhmmhmmhmmhm Loch hat, hmmm hmm Heinrich, was dann?


„Ja, was dann, Heinrich?“ grollte er, seine Lage überdenkend. Er konnte seine Beine bewegen, was ihm nicht viel nutzte, denn der linke Arm war völlig eingeklemmt, vom rechten nur die Hand beweglich und den Kopf hatte er so weit es ging eingezogen, um sich keine Dornen in die Augen zu treiben. Er versuchte, den rechten Arm freizubekommen, was ihm nicht gelang. Er knurrte leise und gefährlich, als in ihm der Drang stärker wurde, wie ein wildes Tier alles Nötige zu opfern, um sich die Freiheit wieder zu erkämpfen - zur Not auch beide Arme. Doch natürlich würde er sich ohne Arme gar nichts mehr erkämpfen, wandte die kleine vernünftige Stimme in seinem Kopf ein. Er würde einfach verbluten.

PRIESTER IN BRUNNEN GEFALLEN - STIRBT KURZ VOR RETTUNG DURCH SELBSTMORD - BRUDERSCHAFT BEHAUPTET DEN MANN NIE GEKANNT ZU HABEN

Comgall seufzte - dieser imaginäre Herold nervte.

Plötzlich Trippeln. Rascheln. Und wieder kaum wahrnehmbar glimmende Punkte, dort, ganz in seiner Nähe. Comgalls völlig überlasteten Sinne versuchten, unter dem Gestank etwas wahrzunehmen. Er schnüffelte, bereute es sofort, als sein Kopf beinahe explodierte, doch er hatte etwas wahrgenommen.

Ratten. Viele Ratten. Er strengte seinen Augen an, um mehr zu erkennen.

Da, direkt vor ihm, saß ein mittelgroßes Exemplar auf einer Ranke, umgeben von Artgenossen aller Farben und Größen. Die Ratte vor ihm betrachtete ihn abwarten, mit einem fast intelligenten Blick. Comgall lachte leise, ein nervöses, heiseres Geräusch. Was sollte er nun tun? Rattenfutter werden und es bewußt miterleben war wahrhaftig nicht der Tod, den er sich vorgestellt hatte, selbst in dieser stinkenden Hölle hier.

Da ihm nichts einfiel, um eine Schar hungriger Ratten zu beruhigen, tat er das, was ihn selbst beruhigte: er begann wieder zu singen.

Mach ihn ganz, dumme dumme Liese, dumme Liese, dumme Liese,
Mach ihn ganz, dumme dumme Liese, dumme Liese, mach ihn ganz!


Comgall sah der Chefratte beim Singen direkt in die Augen.

Womit soll ich ihn denn aber ganz machen, lieber Heinrich, lieber Heinrich,
Womit soll ich ihn denn aber ganz machen, lieber Heinrich, womit?


Er bewegte vorsichtig die freie, rechte Hand auf die Ratte zu und streckte auf halbem Weg zwischen ihrem Kopf und seinem eigenen einen Finger aus, damit das Tier schnüffeln konnte. Obwohl, dachte er, wahrscheinlich stank er ohnehin bis zum Himmel nach all der Kotzerei - womöglich übergab sich die Ratte auf seinen Finger, wenn er ihr zu nahe kam.

Mit nem Stein, dumme dumme Liese, dumme Liese, dumme Liese,
Mit nem Stein, dumme dumme Liese, dumme Liese, mit nem Stein!


„Ist das nicht gemein?“, murmelte Comgall leise, den Blick immer noch gerade auf die Ratte gerichtet. „Heinrich, der faule Sack, schickt die Liese los, alles für ihn zu erledigen, und dann muß sie sich auch noch von ihm als die Dumme beschimpfen lassen. Das ist doch nicht in Ordnung, oder was sagst du dazu?“

Die Ratte legte den Kopf ein wenig zur Seite, als höre sie zu. Dann trippelte sie näher, schnüffelte an Comgalls Finger, setzte sich auf die Hinterpfoten und sah ihn erwartungsvoll an. Er lächelte.

„Weißt du, wir sind alle nur Tiere, oder? Die Menschen tun nur so, als wären sie was anderes. Was Höheres. Aber in Not sind wir immer mehr Tier als Mensch. In Not brauchen wir Euch. Wie ist es - kennt du und deine Rattenfamilie einen Weg hier raus? Einen, der groß gen...“

Mit fast unhörbarem Quietschen und Trippeln verschwanden plötzlich alle Ratten irgendwohin, er sah nicht, wohin. „VERDAMMT!“, fluchte er. Dann hörte er das Geräusch. Eine Mischung aus Hacken und Stampfen. Schritte. Dann eine Stimme.

„Hallo?“, rief jemand ziemlich nah hinter ihm. Er versuchte erfolglos, den Kopf zu wenden. „Hier!“, antwortete er stattdessen.

Die Stimme war nun direkt an seinen Füßen. „Was macht Ihr denn da?“

„Oh“, erwiderte Comgall erleichtert. Er hatte kein gutes Gedächtnis für Namen und Gesichter, aber an Stimmen erinnerte er sich immer. „Ihr seid es! Die Frau vom Waisenhaus! Ich, äh, nun ja, ich stecke hier fest. Ich habe nach einem Ausweg gesucht.“ Dann fiel ihm ein, daß er selbst in Menschengestalt derzeit kaum zu erkennen wäre, weil er mit dem Gesicht voran in Gestrüpp steckte, und setzte nach: „Ich bin Comgall.“

„Alles klar“, sagte die Stimme, „stillhalten!“. Comgall hielt still und Vergilian bemühte sich nach Kräften, die Dornenranken eine nach der anderen zu lösen. Sobald sein rechter Arm frei war, half er mit, so gut es ging.

„Wie seid Ihr hier reingeraten?“ fragte sie.
„Bin in einen Brunnen gefallen“, murmelte Comgall peinlich berührt. „Und Ihr?“
„Durch die Kanalisation“, erwiderte sie, als sei das das Normalste der Welt. Comgall fragte lieber nicht nach.
„Und nun?“, schnaufte er, als er wieder frei war. „Kennt Ihr einen Weg hinaus?“
„Ich weiß nur, daß es dort, wo ich reingekommen bin, nicht wieder raus geht“, sagte sie achselzuckend, „also versuchen wir mal, hier weiterzukommen. Ich bin klein und habe ein Schwert, ich gehe voran.“

Gesagt, getan. Sie hackten, rissen und - in Comgalls Fall - bissen sich den Weg frei, bis sie nach einer scheinbar unendlichen, schweißtreibenden Zeit endlich das obere Ende des Gangs erreichten. Die Ranken hörten hier auf, ein weiterer Durchgang in einen dunklen Raum lag vor ihnen, und dieser war eindeutig die Quelle des Gestanks. Comgall stöhnte gequält. Dann fiel sein Blick auf etwas blau schimmerndes im Eingang des Raums.

Da lag die Puppe. Das blöde Ding, für das er diese ganze Tortur hier durch machte. Und er mochte keine Puppen. Er griff angewidert nach der Puppe und stopfte sie sich umstandslos in die Hosentasche. „Weiter“, knurrte er dann, ungeduldig, diesen Ort hinter sich zu lassen.

Sie betraten die dunkle Kammer. Der Gestank raubte ihm fast die Sinne - sein Kopf dröhnte so schlimm, daß Comgall beinahe keine Außengeräusche mehr wahrnahm. Es flackerte vor seinen Augen und ein weiteres Mal drehte sich ihm der Magen um. Hingebungsvoll kotzte er Vergilian vor die Füße, die angeekelt einen Bogen um ihn machte und weiter in den Raum ging.

Langsam und vorsichtig schritten sie voran. Ein Tisch tauchte aus dem Dunkel auf, und auf dem Tisch lag - ein Bein. Ein Worgenbein, vollständig von der Hüfte bis zum kleinen Zeh.

„Beim Licht“, flüsterte Comgall entsetzt und stolperte vorbei, wohingegen Vergilian das Bein ruhig und ausgiebig begutachtete.

Wenige Schritte weiter fanden sie einige verschlossene Fässer. Sie betrachteten sie einige Sekunden ratlos, dann beugte Comgall sich darüber, um den Inhalt eventuell zu erschnüffeln, doch -

„Seid Ihr wahnsinnig?!“ fauchte Vergilian und riß ihn grob an der Schulter zurück. Verständnislos starrte er sie an. Sie fragte: „In dieser Gestalt seid Ihr wohl nicht häufig unterwegs?“ Comgall schüttelte den Kopf. „Und an solchen Orten auch nicht?“, fügte sie hinzu, und er verneinte erneut. Sie machte ein Gesicht, als habe ihr das gerade noch gefehlt; dann erklärte sie: „Niemals an unheimlichen Orten an verschlossenen Fässern schnüffeln! Da hätte weiß-das-Licht-was drin sein können, sogar die Seuche, und Ihr hättet Euch das Zeug direkt ins Gehirn gesogen.“ Sie betrachtete die Fässer, dann sah sie zurück zu dem abgetrennten Bein. „Könnte ein Worgen-Bausatz drin sein“, sagte sie leidenschaftslos und ging daran vorbei.

Comgall erschauerte entsetzt und eilte ihr nach, als etwas Feuchtes von oben herabtropfte und ihn am Hals traf. Er sah auf. Da baumelten... Schinken. Ja, gewiss waren es Schinken. Ganz bestimmt. Er beeilte sich, davon wegzukommen und lief tiefer in den Raum hinein.

In der gegenüberliegenden Wand sahen sie ein Gitter, durch das es blass schimmerte. Sie traten heran und Vergilian sog scharf die Luft ein, als sie hindurchsah.

„Was ist?“, fragte Comgall und sah an ihr vorbei. Nichts Spektakuläres war dort, nur eine Löwenstatue. Sie sah einem Sturmwinder Löwen sehr ähnlich, fand er. Der Priester sah von seiner Begleiterin zum Löwen und zurück. Vergilian schien plötzlich völlig geistesabwesend zu sein und murmelte, sie habe von einem Löwen geträumt, ja, von genau so einem Löwen, und dann begann sie, am Gitter zu rütteln. Comgall versuchte, ihr zu helfen, doch das verdammte Ding saß fest wie die Knochen Azeroths selbst.

„Ich habe neulich von einem Raben geträumt“, bemühte Comgall sich, die kleine Frau wieder ins Hier und Jetzt zurückzuholen.
„M-hmmm“, machte sie. „Hat der auch mit Euch gesprochen?“
„Gesprochen? Nein. Er ist mir nur auf der Suche nach etwas vorangeflogen...“
In diesem Moment krächzte es wieder, diesmal etwas lauter.
„Ah“, machte Vergilian mäßig interessiert. Sie starrte wieder durch das Gitter.
„Mist“, sagte sie schließlich. „Wir müssen einen anderen Weg suchen.“

Sie sahen sich um. Auf einem Steinpodest unweit des Gitters fanden sie einige seltsame Löcher. Sie sahen aus wie halbrunde Einkerbungen. Vergilian streckte nachdenklich ihre Finger darüber aus. „Womöglich ist das der Schließmechanismus?“ fragte sie sich scheinbar selbst und senkte die Hand.

„Halt, Moment, Ihr solltet nicht -“ versuchte Comgall sie zurückzuhalten, doch zu spät: ihre Finger paßten genau in die fünf Mulden, und sie drückte leicht zu. Mit einem Rasseln verschwand das Gitter und anstelle des dunklen Raums dahinter sahen sie ein Tal, düster und steinig, fast eine Schlucht - und im Bruchteil einer Sekunde war das Bild wieder verschwunden und ein kleiner, dunkler Raum mit einer Löwenstatue trat an seine Stelle.

Verwirrt binzelnd sahen die beiden einander an. „Habt Ihr das auch gesehen?“ fragte Comgall.
„Eine Landschaft?“ fragte Vergilian zurück und beide nickten. Der Priester trat vor und sah durch das Loch, in dem das Gitter gesteckt hatte, in den Raum. Dieser war verhältnismäßig klein und hatte definitiv keinen sichtbaren Ausgang. Jedoch:
„Hier!“ rief Vergilian hinter ihm. Eine Treppe war an der Wand aufgetaucht, offenbar, als das Gitter verschwunden war.

Aus Mangel an Optionen entschieden beide, daß ‚aufwärts‘ eine gute Richtung war.

Die Treppe führte nur eine kurze Strecke aufwärts und endete vor einem kleinen Podest, auf dem sich ein steinerner Altar befand. Zur Hälfte abgebrannte Kerzen standen darauf, ein paar Wachsreste waren auf den Stein getropft und am Fuß des Altars lag eine Krähenfeder.

Comgall bemühte sich, in seiner Vorstellung die Entsetzlichkeiten der tieferen Stockwerke mit dem Vorhandensein eines Altars in Übereinstimmung zu bringen, und schauderte.

„Was ist?“, fragte Vergilian.

Er deutete vage auf den Altar, dann die Treppe hinunter. „Jemand muß all dies aus rituellen Gründen getan haben. Niemand baut aus purer Grausamkeit einen so schweren Altar irgendwohin und besorgt dann noch Kerzen. Es muß für einen furchtbaren ‚höheren‘ Zweck gedient haben. Wir müssen hier ganz dringend raus. Und dann müssen wir mit Verstärkung zurückkommen und hier gründlich aufräumen.“ Er sah noch einmal angewidert um sich und ergänzte: „Mit viel Verstärkung.“

„Ein Luftzug“, sagte Vergilian und hielt zur Kontrolle eine Hand hoch. Comgall spürte es auch. Gleichzeitig liefen sie los, einem lehmigen Gang folgend, der heller und heller wurde, gleichzeitig auch immer feuchter, schließlich nass, bis sie taumelnd durch einen flachen Bach über einige große Steine kletterten und endlich, endlich wieder Tageslicht sahen - einen blassen Sonnenuntergang über dem großen Meer.

Sie standen bis über die Knöchel in frischem, klarem Wasser, welches direkt aus dem Berg zu entspringen schien, dem sie gerade entkommen waren, und das nur einige Meter in einem flachen Bachbett vor sich hin plätscherte, bevor es sich in einem zarten Wasserfall ins Meer ergoss. Erschöpft sanken sie am Bachufer ins Gras. Während Vergilian immer noch leicht geistesabwesend wirkte, seit sie den Löwen gesehen hatte, fühlte Comgall sich von einer regelrechten Welle der Dankbarkeit und des Glücks durchströmt.

Nachdem sie einige Minuten schweigend damit zugebracht hatten, einfach wieder zu Atem zu kommen, sah Vergilian den Priester von der Seite an. „Ihr solltet öfter in dieser Gestalt trainieren“, sagte sie. „Dann passieren Euch nicht so viele Dummheiten wie Schnüffeln an fremden Fässern. Den Tatzen gehören einige von Eurer Sorte an; Ihr könnt Euch an uns wenden, wenn Ihr Rat braucht.“

Comgall sah lange stumm über das Meer mit seinem blassrosa Abendhorizont. Sean hatte ihm genau dasselbe gepredigt, praktisch so lange er ihn kannte, und Comgall hatte immer unwirsch abgelehnt.
„Ich habe diese Gestalt bis heute stets aktiv zu verdrängen versucht“, antwortete er schließlich. „Aber ich denke, Ihr habt Recht.“ Er nahm einen tiefen Atemzug der salzigen Meerluft, die er so liebte, und die sich hier mit seinem anderen Lieblingsduft nach frischem Gras vermengte. Als Worgen nahm er auch dies intensiver wahr.

Mit Bedacht auf seine eigene, tief grollende Stimme lauschend, wiederholte er: „Ich denke, Ihr habt Recht.“
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Comgall
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Fr 6. Dez 2019, 14:36

Er schlürfte einen winzigen Schluck von dem noch fast kochend heißen Getränk. Dann zog er beide Knie an die Brust, schlang die Arme darum, schloß beide Hände um den dicken Becher und schloß die Augen. Minutenlang blieb er in dieser Haltung in der Ecke seines Bettes sitzen, an ein großes Kissen gelehnt, reglos.
Er atmete langsam ein und aus.
Ein - der süße Duft der heißen Schokolade stieg ihm tröstlich in die Nase.
Aus - er pustete sanf über den Becher.
Ein - hmmm, dieser Duft.
Aus - fffhhhhhuuuu.
Ein.
Aus.
Die Geräusche eines typischen Vormittags in der Bruderschaft des Lichts drangen durch die Stallwände zu ihm herauf: knapp gerufene Befehle vom Kampftraining, ein fröhlicher Gruß, das Schnauben eines angepflockten Pferds. Das Krächzen eines Raben.

Das Krächzen eines Raben...

Comgall öffnete die Augen.

Sehr spät am Abend jenes Tages, als er in den Brunnen gefallen war, es war bereits nach Mitternacht, hatte er das Gelände der Bruderschaft wieder erreicht. Beinahe gleichzeitig waren ihm Sean und der Abt entgegengekommen, letzterer zuerst.
„Was im Namen des Lichtes ist passiert?“ hatte Aedan gefragt und Comgall von Kopf bis Fuß gemustert. „Wie siehst du nur aus?!“
Comgall hatte an sich hinuntergeblickt und erst in diesem Moment begriffen, daß er nach wie vor in Worgengestalt herumlief. In aller Öffentlichkeit. Außerdem in Kleidern, die irreparabel zerrissen waren, sowie mit über den gesamten Körper verteilten blutenden Wunden und kahlen Stellen im Fell. Er hatte anstelle einer adäquaten Erklärung nur ein leises Winseln hören lassen und ein wenig hilflos mit den Schultern gezuckt.
„Du bist wieder hier, das reicht vorerst; erklär uns den Rest später“, hatte Sean ihn pragmatisch angewiesen, nach seiner Hand... nach seiner Pfote gegriffen und ihn mit sich gezogen.


Heute, einige Tage später, war er sauber, seine Wunden versorgt und schon so gut wie verheilt, und würde er jetzt die Gestalt wechseln, wäre vermutlich auch sein Fell nicht mehr lückenhaft, nahm er an. Außerdem war es ein kalter, aber sonniger Tag, und mit einer Tasse Kakao in der Hand sah das Leben grundsätzlich ein wenig besser aus.

Er blinzelte gegen das hereinfallende Licht, als er ein Klopfen am Fenster hörte. Auf dem Dachvorsprung saß ein Rabe, krächzte und sah ihn herausfordernd an.
Comgall sah den Raben an. Der Rabe sah Comgall an. Comgall legte leicht den Kopf nach rechts. Der Rabe tat es ihm nach. Comgall legte sich, das Gesicht weiterhin dem Vogel zugewandt, auf den Bauch, und trank seinen Kakao aus. Der Rabe starrte weiterhin zum Priester hinein und senkte langsam den Kopf, bis der Schnabel den Boden berührte. „Ha“, machte Comgall und setzte sich auf die Bettkante. Der Rabe hob ebenfalls den Kopf und pochte ein weiteres Mal gegen die Scheibe. „Hmm“, brummte Comgall. Schließlich erhob er sich, ging langsam zum Fenster und entriegelte es.

Kaum hatte er es eine Handbreit aufgeschoben, schob der große, schwarze Vogel sich ins Zimmer, plusterte sich ein wenig auf, flatterte auf das Bett und stolzierte von dort aus einmal im gesamten Zimmer herum.

„Was suchst du denn?“, fragte Comgall.
„Krärks“, sagte der Vogel und flog auf die einfache Kommode in der Ecke.
„Ich muß das Fenster wieder schließen“, sagte Comgall etwas unschlüssig. „Wird sonst kalt.“
„Ä!“ machte der Rabe und blieb, wo er war.

Comgall zuckte die Achseln und schloß das Fenster. „Klopf einfach an die Scheibe, wenn du raus willst“, sagte er. „Hat ja beim Reinkommen auch geklappt.“
Dann griff er sich einen warmen Pullover, zog sein einziges und schon sehr abgetragenes Paar Stiefel an und verließ den Raum.

„Genug versteckt“, murmelte er für sich und rief dann über die Schulter: „Ich lass‘ die Zimmertür auf, dann kannst du auch hier runter fliegen, wenn du raus willst. Und nicht auf‘s Bett kacken, verstanden?“

Dann trat er vor die Tür, atmete einmal tief die kühle Luft ein und ging mit entschlossenen Schritten auf das Haupthaus zu. Er mußte mit Aedan sprechen.
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Di 10. Dez 2019, 00:54

Comgall war sehr zufrieden mit sich. Anders als befürchtet hatte Aedan sein Anliegen nicht nur nicht abgelehnt, sondern im Gegenteil: als Comgall gebeten hatte, eine Auszeit vom Alltagsdienst in der Bruderschaft zu erhalten, und als er erklärt hatte, wozu er diese Auszeit nutzen wollte, hatte sein Abt regelrecht erfreut gewirkt. Aedan hatte sich in seinem Stuhl zurückgelehnt, Comgall eine Minute schweigend gemustert und dann gesagt:

„Es wird tatsächlich Zeit, daß du endlich mal zu dir findest und lernst, zu dir zu stehen. Wenn du dafür Hilfe von anderswo möchtest, habe ich nichts dagegen. Derzeit sind wir jedoch alle in einer Ausnahmesituation, einige mehr als andere. Ich selbst und Bruder Wulfric werden demnächst für einige Zeit Sturmwind verlassen...“

Und er begann, über die Horde zu sprechen. Über den Aufstand, über seine eigenen Verbindungen zu einigen Elfen. Über Notwendigkeiten und Einmischungen, über Krieg.
Anfangs war Comgall restlos verwirrt - der Abt sprach mit ihm über so etwas? Mit ihm, Comgall? Warum?

Als der Abt eine Pause einlegte und diese sich in die Länge zog, begriff Comgall, daß seine Meinung gefragt war. Er räusperte sich. „Ich halte sie für vollkommen wahnsinnig. Sylvanas. Sie führt die Völker der Horde nicht an, sie benutzt sie. Und ich habe Angst davor, daß sie Erfolg haben und eines Tages jedes Lebewesen in ganz Azeroth nach ihrem Gutdünken benutzen könnte, zu jedwedem Zweck, der ihr einfällt.“

Aedan nickte leicht. „Diese Befürchtung haben auch Teile der Horde.“ Er unterbrach sich für eine weitere kurze Denkpause. Dann fuhr er fort: „Comgall, wenn du gerade nicht von einem Furz in deinem Hirn abgelenkt bist, steckt in dir womöglich ein erstklassiger Diplomat.“ Er würgte Comgalls entgeisterten Protest mit einer knappen Handbewegung ab. „Doch, das meine ich ernst. Eine deiner besseren Eigenschaften ist es, jeden, der dir begegnet, genau so zu nehmen, wie er ist, und von niemandem schlecht zu denken, nur weil er anders ist als du. Das ist wertvoller, als du vielleicht begreifst; immerhin benutzt du dieses Talent bisher nur dazu, neue Freunde in Wirtshäusern zu finden. In der Politik jedoch führen Menschen wie du Verhandlungen.“

Comgall rümpfte die Nase. Politik. Da mußte man höflich und tip-top gekleidet sein und den dritten Vornamen der verstorbenen Urgroßtante des Cousins der Schwägerin des Heerführers kennen - so zumindest stellte er es sich vor.

Aedan sah Comgall einige Sekunden beim Denken zu, dann nickte er. „Ja, wahrscheinlich hast du Recht. Es ist zu früh für dich und die Lage zu brisant für Fehler. Nun, vergiss einfach, was ich gesagt habe, und kümmere dich erstmal um dieses Worgentraining. Knüpf Kontakte, bau ein bißchen Selbstbewusstsein auf.“

Er hatte sich schon beim Sprechen von seinem Schreibtisch erhoben und begleitete Comgall zur Tür.

„Oh, und da ich gerade hier zu tun habe: wärst du so freundlich, für mich zum Hafen zu laufen und für Bruder Wulfric und mich die Schiffspassagen nach Theramore zu buchen? Für morgen, bitte. Ich danke dir.“

Er drückte Comgall ein kleines Säckchen in die Hand und schloß die Tür hinter ihm.

Nun ging der Priester beschwingten Schrittes durch die Stadt. Das Säckchen klimperte leise bei jedem Schritt. Morgen, dachte er, morgen würde er Vergilian suchen und ihr Angebot in Anspruch nehmen. Bei uns gibt es einige wie dich, hatte sie gesagt. Falls du Hilfe brauchst, komm vorbei.

Vielleicht würde er auch gleich zum Waisenhaus gehen, wenn er vom Hafen wiederkäme, vielleicht wäre sie ja da, vielleicht hätte er morgen schon einen Trainer für wie-man-ein-richtiger-Worgen-ist-Unterricht. Ja, er war sehr zufrieden mit sich. Alles würde besser werden.

Voller Optimismus hüpfte er beschwingt die Stufen zum Hafen hinunter und suchte den richtigen Pier. Ein Schiff lag gerade vor Anker, mehrere kräftige Personen waren damit beschäftigt, es zu beladen - viel Ladung schien jedoch nicht mehr übrig zu sein, nur einige private Seesäcke und ein Vogelkäfig. Da der Piermeister gerade nicht aufzufinden war, schlüpfte Comgall über eine schmale Planke auf das Oberdeck und sprach eine Matrosin an. Sie verwies ihn an die Kapitänin, der er unter Deck in die Kapitänskajüte folgte. Er löste das Gold aus Aedans Börse gegen zwei Passagierscheine ein, dann eilte die Kapitänin wieder auf Deck und Comgall schlenderte ihr gemächlich hinterher.

Er mochte die Geschäftigkeit des Hafens, er mochte die Aufbruchstimmung hier, er mochte diese ganz eigene kleine Welt eines Schiffes, dieses Miteinander, das es genau so nur hier geben konnte. Er mochte die niedrigen Räume und dicken Planken, das Knattern der Segel, den Duft nach Salzwasser und das langsame Schaukeln des großen Schiffes in den Wellen. Er lächelte glücklich, als er neugierig den Kopf in die Kombüse steckte und ein paar Sätze mit dem Koch wechselte, er machte „Hui!“, als ein kräftigeres Schaukeln ihn auf der Treppe zum Oberdeck stolpern ließ.

Dann trat er auf das Deck.

„Oh Scheiße“, entfuhr es ihm höchst undiplomatisch, als er die Silhouette Sturmwinds in der Ferne verschwinden sah.
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Do 12. Dez 2019, 20:28

BRIEF AN COMGALL
(hastig auf die Rückseite einer alten Inventarliste gekritzelt)

Mein Comgall,

BIST DU VÖLLIG WAHNSINNIG? Der Dockmeister hat uns einen Boten schicken lassen, als er bemerkte, dass Du nicht vom Schiff kamst, bevor es ablegte. Aedan war außer sich! Vermutlich wird er Dich in Grund und Boden schreien, aber er nimmt dennoch ein paar Dinge für Dich mit, die ich eben gepackt habe. Benutz den verdammten Kampfstab, versprich es mir, wenn irgendein Troll Dir dämlich kommt. Ich brauche Dich hier noch und erwarte, dass Du heil zu mir zurückkommst!

Ich vertraue auf Deine Vorsicht und Umsicht.

Immer Dein
Sean
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » Fr 13. Dez 2019, 00:28

BRIEF AN SEAN
(das Pergament ist nicht nur schmutzig, sondern auch irgendwie klebrig)

Sean,

ich weiß, als Du mir wieder und wieder gesagt hast, ich solle aufhören, mich im Alltag der Bruderschaft zu verstecken, hast Du nicht gemeint, daß ich plötzlich in den Krieg ziehe - und das hatte ich auch weiß Licht nicht vor. Doch als ich in Theramore gelandet bin, habe ich mich gefragt, ob das nicht Fügung war. Ob das Licht mich nicht aus meinem Schutzraum getrieben hat, ob es nicht so gewollt ist. Ich bin immer noch halb taub von Aedans Standpauke. Danke für die Sachen! Ja, ich verspreche, ich werde den Stock benutzen, wenn es nötig wird - aus Mangel an Nützlichkeit wurde ich jedoch vorerst den Heilern zugeteilt und hoffe, für Trolle uninteressant zu sein.
Da heute unsere Anführer Zeit brauchten, sich zu bereden, haben wir anderen uns zu einem anderen Weg aufgemacht. Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen, aber ich schwöre: Spinnen sind der lebendige Beweis dafür, daß man gleichzeitig flauschig und widerlich sein kann. Ich habe immer noch klebrigen Glitzerschleim im Fell. Ich habe jetzt weniger Angst vor Geistern und mehr vor Spinnen, aber keine Angst, es geht uns allen gut.

Ich werde mich bei Dir melden, so oft ich kann.

Immer Dein

Comgall

P.S.: Ich habe einen riesigen Worgen kennengelernt. Riesig, wirklich. Und er war sehr hilfsbereit.
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Re: Comgall stolpert voran

Beitrag von Comgall » So 15. Dez 2019, 00:43

BRIEF AN SEAN
(das Pergament ist sauber bis auf einige kleine Fettflecken, die nach Gemüseauflauf riechen)

Sean, mein Herz,

Ich wünschte so sehr, Du wärst hier.
Die Beratungen unserer Anführer dauern an; in der Zwischenzeit lernen wir anderen einander nach und nach kennen, kochen und jagen und helfen im Lager, wo es nötig ist.

Hier sind Leerenelfen! Sie wirken ein wenig irre, aber man kann sich ihnen nicht entziehen - auf eine gute Art. Auf eine Bruder-Piers-Art, was vermutlich daran liegt, dass sie mit ihm verwandt sind, zumindest zwei von ihnen (ein Geschwisterpaar).

Auch Vergilian ist hier und mit ihr einige der Tatzen. Der riesige Worgen, von dem ich Dir schrieb, ist einer von ihnen. Ich habe ihn angesprochen, obwohl ich mir reichlich albern dabei vorkam, und er hat nicht nur zugestimmt, mit mir zu trainieren - er hat auch direkt damit angefangen. Allerdings auf ganz andere Art, als ich erwartet habe. Ich mußte gar nicht kämpfen, ich mußte nur vergleichen und wahrnehmen, wie sich die Dinge als Worgen anfühlen, wie meine Sinne funktionieren, und ich sehe Dich jetzt vor mir, wie Du lächelst und dabei den Kopf schüttelst... ja, ich weiß, ich hätte das alles schon damals in Teldrassil haben können, als Du Dich mit Begeisterung in einen ganz ähnlichen Unterricht gestürzt hast, während ich mich völlig verweigerte. Nun ja, was soll ich sagen... ich bin offenbar nicht der Schnellste, was wesentliche Erkenntnisse angeht.

Wo wir gerade dabei sind: mir ist heute etwas klargeworden. Iudicael und Emiriel, die Geschwister, erzählten mir davon, wie es ist, mit der Leere zu leben. Ich dachte zunächst, die Veränderung sei rein körperlich, da sie ja noch immer lichtgläubig sind und mir versicherten, sie würden die Welt sehen wie vorher. Und ich ertappte mich bei dem Satz „Wenn es Euch nicht zu Psychopathen gemacht hat, sondern nur den Körper verändert, ist das doch eigentlich ein glücklicher Umstand.“
Und während ich mich das sagen hörte, dachte ich, was für ein armseliges Würstchen man sein muß, um über 20 Jahre als Worgen gelebt und diesen Gedanken nie für sich selbst gehabt zu haben. Aber damit noch nicht genug geschämt: Die Leerenelfen spüren die Leere nicht nur körperlich. Sie müssen sich in jedem Moment ihres Lebens gegen die „Stimmen“, wie sie es nannten, zur Wehr setzen, um nicht übernommen zu werden. So wie ich, bevor es den Trank gab, der mir Selbstkontrolle verschaffte.
Und sie schaffen es auf bewundernswerte Weise, sogar mit einer gewissen Nonchalance. Ich fühle mich angesichts solcher Charakterstärke wie eine Schabe.

Du müsstest sie kennenlernen, sie sind so interessante Persönlichkeiten. Ich hoffe, dieser Konflikt löst sich so schnell wie möglich, und ich bete, dass es an seinem Ende keine Sylvanas mehr gibt. Heute Abend tauchte eine Blutelfe in unserem Lager auf - es gibt also wirklich Sympathisanten, ich wollte es bisher nicht glauben.

Ich schließe für heute, denn ich muss noch Hausaufgaben machen: einer der Elfen, Ilassan, hat mir ein paar Beutel als Schnüffelübung gegeben. Bisher habe ich nur Maguskönigskraut erkannt, aber ich gebe noch nicht auf.

Immer Dein

Comgall

P.S.: Ilassan hat mir auch einen Präriehund gezähmt, nachdem er gesehen hat, wie ich versuchte, einen zu streicheln. Er heißt jetzt Walter. Also der Präriehund.
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