Ein Söldnerleben

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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:02

Narillia schrieb am 4. Dez. 2018

Hoch oben auf den Dächern des Zwergenviertels gibt es sehr dunkle Ecken. Wo Schornsteine auf Dachvorsprünge treffen, wo sich die Blätter des Herbstes in Regenrinnen verfangen, wo der Geruch nach Moder vorherrscht.

Hier in den Schatten sitzt ein Schatten. Ab und an vermag der ruhige und genaue Beobachter das neblige Glimmen eines Augenpaars erahnen, aber keiner hat den Sichtwinkel, die Ruhe und die Zeit, dessen Gewahr zu werden.

Der Schatten im Schatten aber blickt sich um. Wartet geduldig und unbewegt, auf den Moment, dass er nicht mehr alleine ist.

Der Schatten im Schatten lauert.
"Es gibt eben immer was zutun"

Warum heißt der Träumer Träumer? - Weil er auf unmögliche Dinge hofft. Täte er das nicht, wäre er nur ein Realist.

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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:02

Lutisana schrieb am 13. Dez. 2018

Die Dunkelheit der Nacht kam Lutisana sehr gelegen, als sie die Gestalt durch die dunklen Gassen der Altstadt von Sturmwind verfolgte. Ihre geringe Körpergröße und ihre Wendigkeit kamen ihr dabei zugute, während sie an Wänden entlang schlich und an Laternen vorbei huschte. Der Verfolgte bemerkte sie nicht während er die Brücke über den Kanal zum Zwergenviertel nahm und sodann links in eine Gasse einbog. Eine Tür öffnete sich, der Mann wurde begrüßt und sogleich verschwand er darin. „Verdammt“ murmelte Lutisana zu sich selbst und spuckte neben sich auf den Boden. Sie verzog sich hinter einen an der Straße abgestellten Karren und observierte das Holzhaus. Nach einer Weile konnte sie fahles Kerzenlicht im oberen Stockwerk ausmachen, zwei Gestalten nahmen nahe des Fensters Platz.

Sie musste wissen was da oben gesprochen wurde und zwar um jeden Preis. Die Dunkeleisenzwergin huschte aus ihrem Versteck, sprang auf das Gesims des Hauses und hantelte sich vorsichtig wie leise daran hoch. Es kostete sie Konstitution und Ausdauer, aber schließlich nahm sie eine sichere Position unweit des Fensters ein. Schwach konnte sie die gesprochenen Worte vernehmen.

Alerik: Es ist Ramus wirklich gelungen unsere Konkurrentin in Freihafen aus zu booten, diese Fuhr an Azerit gehört nun B-L.

Humbert: Wie geht’s weiter?

Alerik: Das ist jetzt von höchster Priorität. Pass auf, das Azerit wird von Freihafen über einen unabhängigen Händler nach Menethil verschifft. Gelagert wird es in Kisten mit einem doppelten Boden. Darüber wird man in Salz eingelegte Fische als Tarnung geben. Offiziell handelt es sich um eine Fischlieferung für die Taverne. Im Keller der Taverne wird es zwischengelagert und von dem Käufer direkt vor Ort abgeholt. Dein Auftrag ist klar, reise nach Menethil und wickle den Verkauf vor Ort ab. Verstanden?

Humbert: Wann erreicht die Lieferung Menethil?

Alerik: Das kommt ganz auf die Verhältnisse für das Handelsschiff darauf an. Wind, Wetter, der Krieg zwischen Allianz und Horde. Da gibt’s ein paar Faktoren. Brich ehest bald auf und verbring einfach derweil die Zeit in Menethil.

Humbert: Gut, betrachte es als erledigt.

Alerik: B-L wird zufrieden sein.

Während sich die Beiden voneinander verabschiedeten verließ Lutisana das Sims und schlich im Dunkel der Nacht zu ihrer Auftraggeberin um ihr von dem Gesprochenen zu berichten.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:02

Vergilian schrieb am 25. Dez. 2018

Im Haus war schon einiges los und der ein oder andere wuselte wild herum. Vor allem Tho war wild am kochen und dekorieren. Die Jungs die da waren standen unter ihrer Fuchtel und machten brav was sie ihnen sagte. Der Tisch war schon gedeckt und der Baum stand umzingelt von Geschenken in der Ecke des Wohnzimmers. Nachdem alle irgendwann da waren und man gemeinsam gegessen hatte wurden dann die Geschenke verteilt und sich noch angeregt unterhalten. Nach und nach ging dann einer entweder noch auf eine kleine Wanderung oder auf sein Zimmer. Und auch der nächste Tag war nicht besser. Schon früh war Tho wieder in der Küche und werkelte sich wund. Aber es lohnte sich, am Abend war eine ansehnlich gedeckte Tafel für alle da und alle freuten sich über das leckere Hirschgulasch und die Kartoffeln. Wieder unterhielt man sich entspannt und zum ersten mal wirkten viele hier offener und ruhiger als die Tage zuvor.

OOC:
In diesem Sinne nochmal Frohe Weihnachten
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:03

Eveline schrieb am 26. Dez. 2018

In der Umkleide der Zentrale herum trödelnd verabschiedet sie sich schließlich von den Kollegen in den Feierabend. Das erste Winterhauch in ihrem neuen Zuhause. Irgendwie aufregend und erschreckend zugleich. Durch die Altstadt den Weg zum Markt einschlagend nimmt sie hier und da noch etwas mit. Doch letztendlich führt ihr Weg zum Tatzenhaus.
Die Tür öffnend rollt es wie eine Welle über sie her. Hier wird geschmückt, da wird geräumt. Ein Wusel aus Worgen und nicht Worgen dirigiert von Tho. Was kann da schon schief gehen…
Sich der Ameisenarmee anschließend packt sie mit an wo sie kann. Am Abend findet sie sich wieder, irgendwo im Haufen der Tatzen sitzend, das Essen genießend und einen heißen Met trinkend. ~Endlich zu Hause~ geht es ihr durch den Kopf. Und so vergeht der kommende Tag beim Regiment wie im Flug. In der Umkleide wird diesmal aber weniger getrödelt. Sie will nach Hause. Da weiter machen wo sie gestern aufgehört hat.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:03

Lutisana schrieb am 5. Jan. 2019

Vorsichtig balanzierte Lutisana das Entermesser auf dem Zeigefinger ihrer rechten Hand aus. Im windstillen Tal nahe des Schwarzfels wippte es nur ganz leicht einer Waage gleich kommend hin und her. Eine Weile stand sie so nahe eines heißen Lavastromes und begutachtete das Werk jenes Schmieds, der ihr gegenüberstand und ebenso still das Geschehen mitverfolgte.

Schließlich zog die in Leder gekleidete Dunkeleisenzwergin ihre Hand zurück und die Klinge fiel mit der Spitze zu Boden, worin sie stecken blieb.

Romual: Biste zufriedn? Die Oberfläche is ne feine Mithrillegierung, frag nicht wie lange ich dafür vor vor dem Amboss stand. Die beiden Klingen werden wie gewünscht als Dolche geführt und wurden nach Wunschmaß angefertigt.

Lutisana: Saubere Arbeit, Romual. Hier hast du dein Gold. Das war sicher nicht mein letzter Auftrag bei dir.

Romual: Aber mal im Ernst, Lu. Ein Entermesser, das ist doch nicht dein Stil. Sag bloß dich haben nun Piratn angeheuert. Wundern würds mich ja nicht, lässt dich ja von jedem kaufn, der ein wenig Gold locker macht.

Lutisana: Halts Maul, alter Kauz. Sei vorsichtig was du da faselst. Hab meine Gründe warum ich mir solche Klingen anfertigen habe lassn. Abgesehen davon gehts dich ne feuchte Troggkacke an, für wen ich arbeite. Was verstehst du schon vom Lebn als Söldner.

Romual: Du bist zu lange fern der Heimat, weißte. Du gehörst wieder untern Berg, zu deinem Volk!

Lutisana: Wo ich hingehör weiß ich wohl selbst am bestn. Ragnaros mit dir, oder welche Götze du auch immer anbeten magst.

Die Dunkeleisenzwergin überreichte dem Schmied ein Säckchen Gold und ließ die Brennende Steppe wieder hinter sich. Kopfschüttelnd begab sich der Meister des Ambosses wieder unter Tage.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:04

Lutisana schrieb am 9 Jan. 2019

Tief unter dem Berge des Schwarzfels lag die Schattenschmiede zwischen Felsen und Lava verborgen. Der Sitz der Dunkeleisenzwerge ist durch den kolossalen Amboss geprägt und dient den Schmieden als Produktionsstätte ihrer einzigartigen Erzeugnisse.

An jenem Abend traf ein unerwarteter Gast ein. Jahre sind vergangen, seitdem sie hier gewesen war. Viele Monde war sie fern ihrer Heimat und ihres Volkes gewesen, doch nun betrat Lutisana die Hallen aus Stein wieder. Gespalten waren ihre Gefühle dabei, so gespalten wie ihre Erinnerungen an ihre Vergangenheit. Freude und Gram vermischten sich zu einem Wirrwarr der Gefühle. Ein schäumender Humpen Starkbier wäre ihr in jenem Augenblick mehr als recht gewesen. Ein kräftiger Hammerschlag riss sie aus den Gedanken als sie sich dem großen Amboss näherte. Der Schmied blickte auf und starrte Lutisana überrascht entgegen. Er senkte sein gnom-großes Werkzeug und richtete sich zu seiner Besucherin hin aus.

Growin: Die Verlorene ward wiedergefunden. Irgendwann kriechen sie doch alle wieder zurück unter den schützenden Berg unserer Vorväter. Lutisana Ammar, ich grüße dich nicht, denn du bist es nicht würdig, gegrüßt zu werden.

Lutisana: Einen solch herzlichen Empfang hätt ich gar nicht erwartet, Growin, Sohn des Gorwin. Auf deinen Gruß bin ich nicht angewiesn und eigentlich scherts mich nen Dreck. Aber ich fordere dich auf mich anzuhörn.

Growin: Du forderst mich auf, Lutisana. Gerade du! Es liegt im Blute unseres Volkes …

Lutisana: Erspar mir dein Gelaber, Growin. Unser Volk war und ist es immer noch, in sich zerrissn. Thaurissan, Ragnaros, da kommt einem Moira ja fast wie ein Hauptgewinn vor, hä?. Aber lass dir eins sagen, Herrscher kommen und gehen, doch Gold währt ewig!

Growin: Dier Gier nach Gold hat dich in die Ferne gezogen, unter freiem Himmel. Du magst eine Dunkeleisen sein, aber nicht im Herzen. Für wieviel hättest du dein eigenes Volk verraten? Für wieviel hättest du deine Herkunft verleugnet, Söldnerin?

Lutisana: Hm, bei dreihundert Goldstücke hätte ich zum Verhandeln begonnen. Scherz beiseite, Growin! Halts Maul und lass die Vergangenheit hinter dir. Bin nicht hier um zu bleibn, sondern um Geschäfte zu machen. Deine Arbeit spricht für dich und ich hab Abnehmer. Also, Interesse?

Growin: Wovon sprechen wir, Lutisana?

Lutisana: Donnerbüchsen, Piken, Schwerter und Äxte aus Dunkeleisen, geformt durch deine Hände zu hochwertigen Waffen. Und natürlich zu jenen Preisen, wie zu altn Zeitn.

Growin: Es würde mich nicht wundern, wenn du entsprechend mitschneiden würdest, Lutisana. Aber ich bin gewillt meinen Hammer zu schwingen, für eine entsprechende Gegenleistung.

Lutisana: Lass hörn!

Growin: Mein Sohn Gworin, er hat sich vor Jahren dem Schattenhammer angeschlossen. Er ist mein einziger Sohn. Gerüchten zufolge sah man ihn bei Dun Modr. Versprengte Überreste des Kults geistern dort immer noch umher. Bring ihn mir zurück und ich werde mich um deine Aufträge kümmern.

Lutisana: Das werde ich, Growin!

Die Söldnerin wandte sich bereits um und war dabei die Schattenschmiede zu verlassen.

Growin: Willst du nicht wissen, was aus deiner Mutter und deinem Vater geworden ist?

Lutisana: Nein!
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:04

Lutisana schrieb am 14 Jan. 2019

Nicht selten strawanzte die pfiffige Söldnerin Lutisana Ammar am Hafen herum, pflegte Kontakte zu Matrosen und Arbeitern und behielt ein- und ausladende Handelsschiffe im Auge. Der Dunkeleisenzwergin war es die letzten Monde hindurch, seit ihrer Ankunft in Sturmwind, gelungen, ein Netzwerk an Informanten und Verbindungen ins Leben zu rufen. Vom heruntergekommensten Bettler bis zum seriösen Geschäftsmann aus Übersee war darin Alles vertreten. Bestechungen, Erpressungen und Drohungen standen an Lutisanas Tagesordnung. Sie war erfahren darin, dennoch ließ sie solche Maßnahmen nie zur Routine verwahrlosen. Denn Nachsichtigkeit bedeutete in ihrem Metier früher oder später das eigene Ableben. Und dies wohl meist früher denn später!

An jenem Morgen lehnte die jugendliche Dunkeleisenzwergin mit der markanten Gesichtstätowierung, einer schwarzen Maske ähnelnd, an einem Steinvorsprung und kaute auf einem getrockneten Blassblatt herum. Nach einer Weile spuckte sie es aus und beförderte es so neben sich auf den Boden. Eigentlich wollte sie sich wieder zu Andorellas Heim im Magierviertel begeben, als sie am Horizont grüne Segel ausmachen konnte. Ein Handelsschiff aus Kul Tiras. Lutisana wartete noch eine schöne Weile ab, bis das Schiff die Docks erreicht hatte. Ihre eigene Neugier bewog sie zu bleiben.

Nachdem das Schiff an einem Steg angelegt hatte wurde eine Verbindungsplanke ausgeschoben und Matrosen setzten sich in Bewegung. Fässer und Kisten wurden aus dem Schiff transportiert und Lutisana beobachtete das Geschehen mit mäßigem Interesse. Doch plötzlich sog sie die Luft scharf ein, als ihr Blick auf einer jungen Menschenfrau mit langen, weißen Haaren haften blieb. „Was zum Henker macht Coco Nekmatyar in Sturmwind“ flüsterte die Dunkeleisenzwergin zu sich selbst und ging hinter einem Holzfass in Deckung. Sie war Lutisana als eine Unterhändlerin der Handelskompanie Aschenwind wohl bekannt und mehr als berüchtigt. Doch trug sie überraschenderweise die Tracht der Prachtmeeradmiralität anstatt des typischen Rot des Haus Aschenwind. Lutisana beunruhigte dieser Umstand sehr und sie beschloss, besagte Dame zu observieren.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:05

Lutisana schrieb am 15. Jan. 2019

Langsam schob sich ein gnomisches Fernrohr zwischen zwei halb zugezogene, rote Verhänge am Fenster und lugte über einen imposanten Friedensblumenstock hinweg. Von hier aus hatte man einwandfreie Sicht hinüber zum Handelskontor des Hauses Bolt-Lescovar, war man auf ja gleicher Höhe zu deren ersten Stockwerk. Lutisana zwinkerte und drückte ein Auge zu, während sie durch das gnomische Fernglas schaute und das Geschehen im Handelskontor begutachtete. Da betrat auf leisen Sohlen der Hausherr das Zimmer und näherte sich Lutisana von hinten. Der ältere Bronzebartzwerg namens Gomhert räusperte sich.

Lutisana: Gomhert, du rotzverschmierter Auswurf eines verlaustn Troggs. Schleich dich noch einmal so an und ich versenk dich mit ner Eisnkugl im Sturmwinder See!

Gomhert: Ich dachte du hast mich kommen hören, Lu! Donnerwetter, hast du eine Laune.

Lutisana: Bis eben war meine Laune prächtig, Opa!

Gomhert: So redest du nicht mit mir. In deinen Augen mag ich alt sein, aber ich fühle mich so kräftig wie zu Zeiten des ersten Krieges.

Lutisana: So wie du aussiehst haste ja schon im Krieg der Ahnen gekämpft. Was willste eigentlich hier?

Gomhert: Das ist mein Haus und mein Zimmer, Lu! Ich kann hier tun und lassen was ich will. Rück lieber raus was du da genau beobachtest. Warum starrst du einen halben Tag zum Handelskontor rüber.

Lutisana: Bei Muradins Bart, ich zahl dir nen Goldstück dafür, nur das ich aus deinem Fenster schauen darf. Es war nie die Rede davon, dass ich dir erzähl, warum ich das tu!

Gomhert: Entweder du erzählst es mir und ich verzieh mich wieder in den Keller oder ich bleibe und erzähle dir dafür Geschichten aus meiner Kindheit.

Lutisana: Irgendwann befördere ich dich nach Argus, Gomhert. Von allem Zwergenvolk das ich kenn bist du wirklich der lästigste Spross deiner Sippe. Ich observier das Handelskontor der Bolt-Lescovars und mehr brauchst du nicht wissn.

Gomhert: Hätte es mir ja gleich denken können, dass du dein Geld nicht mit ehrlichem Handwerk verdienst. Aber was will man auch von einer Dunkeleisen erwarten. Euch wird ja der Verrat schon in die Steinwiege gelegt.

Die Dunkeleisenzwergin schob das Fernrohr zusammen, drehte sich um und legte eine Goldmünze auf einen kleinen Beistelltisch. Mit den Worten „Schieb dir die Münze sonst wo hin“ verließ sie grummelnd Gomherts Haus.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:05

Lutisana schrieb am 17 Jan. 2019

Ein weiterer Faustschlag ins Gesicht des jungen Mannes rammte das Nasenbein und ein dumpfes knacken war die Folge. Blut quoll aus der linken Nasenhöhle hervor und bahnte sich den Weg hinab zum Kinn, bis es hörbar auf den Boden tropfte. Der kräftige Arbeiter war an einem Stuhl gefesselt und atmete schwer. Sein Unterkiefer schmerzte und nun auch noch die Nase. Resignierend wartete er ab und unternahm keine Befreiungsversuche.

Seine Peinigerin umkreiste ihn langsamen Schrittes, und obwohl er auf einem Stuhl saß und sie stand, waren sie doch auf gleicher Augenhöhe. Die Dunkeleisenzwergin rieb sich den Handrücken und spuckte dem jungen Mann ins Gesicht.

Lutisana: So Bürschchen, ich frage dich nun noch einmal. Was treibt Coco Netmanyar in Sturmwind? Warum hat sie dein Chef hier her eingeladen und ich rate dir jetzt zu zwitschern, ansonsten machn wir mit meinem Spielzeug weiter.

Anof: Ich habe es dir bereits gesagt, ich weiß es nicht. Daran wird sich auch nichts ändern, egal wie oft du auf mich einschlägst.

Lutisana: Weißte was mich jetzt schon ankotzt? Deine Entsorgung. Immer diese Kacke mit der Entsorgung. Das Wachregiment weiß nichts besseres als in jeder verfluchtn Gasse dieser Stadt herumzuschnüffeln. Is dir eigentlich bewusst, was das für nen Aufwand wird dich ungesehn los zu werden?

Anof: Aber, ich. Du kannst doch nicht.

Lutisana: Du kannst dir gar nich vorstelln, was das für ne Sauerei is, jemandn in Silithidengift aufzulösn. Dauert Wochn, stinkt irre und is teuer obendrein. Außerdem hätt ich sowieso keins hier. Was mach ich nur bloß mit dir?

Anof: Hör zu, alles was ich weiß ist, dass sie auf persönliche Einladung Bolt-Lescovars hier ist. Er hat sich scheinbar mit ihr in Boralus getroffen. Bitte, ich weiß wirklich nicht mehr. Lass mich am Leben.

Lutisana: Dich am Leben zu lassn birgt gewisse Risikn, Freundchen. Wenn du zwitscherst flieg ich auf und es laufn ja net grad viele weibliche Dunkeleisen hier in Sturmwind rum. Aber fürs Erste bleibst du mein Gast, bis mir was eingefalln is.

Die Söldnerin knebelte Anof den Mund und legte ihm eine Augenbinde an. Sodann schritt sie zu den Vogelhorste, in welchen sie einige Botenvögel züchtete. Ein fröhliches Lied summend fütterte sie die Tiere und verließ dann kurzerhand den Dachboden wieder.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:05

Lutisana schrieb am 21 Jan. 2019

Es war bereits nach Mitternacht und ein kalter Nebel hang über dem Hafen von Sturmwind. Zu jener Stunde konnte man vereinzelte Wachen wahrnehmen, das Gelächter mancher Matrosen und das schwappen der Wellen. Abseits des südlichsten Stegs bemühten sich gerade drei Gestalten einen gefesselten und geknebelten Mann zum Wasser zu befördern. Seine Versuche sich aus den Fesseln zu winden wurden mit einem heftigen Fußtritt in die Bauchgegend von einer Dunkeleisenzwergin beantwortet.

Lutisana: Sei endlich still, Pisser!

Ihre beiden Kompagnons befestigten eine schwere Eisenkugel an einer Kette um seine Füße, während der Gefesselte von Schmerz erfüllt zusammenzuckte. Lutisana kniete sich auf seine Arme um seinen Widerstand einzudämmen und behielt das Umfeld im Auge.

Lutisana: So Anof, viel Erfolg beim Tauchgang. Atemlos durch die Nacht, würd ich meinen. Hinein mit ihm!

Die beiden Gehilfen blickten sich nochmal sorgsam um und warfen Anof schließlich ins Meer. Lutisana winkte ihm noch hinterher und kurz darauf verschwanden die Drei im Nebel der Nacht. Ihr Weg sollte sie in die Taverne zum geschlachteten Lamm führen, denn die Söldnerin war ihren beiden Gehilfen noch einen Krug Met schuldig. Da bemerkte sie am Brunnen zwei Gestalten, die sich einen nächtlichen Spaziergang gönnten. Lutisanas Begleiter gingen zur Taverne vor, sie selbst drückte sich gegen einen Baum und beobachtete die Spaziergänger. Es war niemand Geringerer als Adrian Bolt-Lescovar, Adeliger zu Sturmwind und Besitzer des Handelskontors Bolt-Lescovar im Zwergenviertel. An seiner Seite die hübsche und ambitionierte Händlerin aus Kul Tiras, Coco Netmanyar. Lutisana kannte die verwegene Händlerin der Handelskompanie Aschenwind nur zu gut. Sie observierte die Dame schon seit ein paar Tagen und dass sie nun mit Bolt-Lescovar hier in Sturmwind kokettierte verhieß nichts Gutes. Coco Netmanyar koordinierte den Azerit Verkauf in Freihafen und wie es aussah bemühte sich Adrian Bolt-Lescovar nun einen Vorteil in dem Geschäft zu ergattern. Lutisana spuckte aus und begab sich in die Taverne. Die Feierlaune war ihr schlichtweg vergangen, dennoch bestellte sie sich gleich einen Krug Met.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Vergilian » Mo 28. Jan 2019, 17:06

Lutisana schrieb am 23 Jan. 2019

Nervös trat Lutisana von einem Bein auf das andere und wartete weiter ungeduldig ab. Weiter unten am Hafen von Sturmwind wurden mehrere Schiffe be- und entladen, Kriegsmaterial wurde verschifft und ein reges Getümmel war die Folge. Während sie an ihrer Pfeife zog schweifte ihr Blick über das Geschehen. Der Krieg hatte Land und Leute fest im Griff, der Krieg war wieder einmal zum Lebensmittelpunkt so vieler geworden. Doch Krieg ist gut fürs Geschäft, als altgediente Söldnerin wusste sie das nur all zu gut. Im Gegensatz zu vielen Anderen lastete die Thematik nicht auf ihrem Gemüt. Schließlich musste sie keine schmerzlichen Verluste innerhalb der Familie beklagen, denn sie hatte keine Familie. Vor Jahren hatte sie sich von den ihren abgewandt und sie hatte keinen Grund daran etwas zu ändern.

Und da sie ihre Loyalität stets nach der Höhe der Entlohnung bemaß, waren ihr Sympathien zu bestimmten Gruppierungen fremd. Die Ausnahme war Vergilian Blake und die roten Tatzen, sie bestätigten die Regel. Zu der Gemeinschaft empfand sie gar ein freundschaftliches Verhältnis. Sie hatte weder Skrupel gehabt für das Syndikat Handelskarawanen zu überfallen, noch für das Haus Aschenwind Schutzgeld einzufordern. Dieser Krieg ging an ihr vorbei wie andere vor diesem. Lediglich ein einzelner Umstand loderte wie ein unstillbarer Funke in ihrem Herzen. Da war eine einzelne Sache, die sie nicht vergessen konnte. Süderstade! Das einst blühende Fischerdorf nahe dem Vorgebirge von Hillsbrad hatte sie einmal als Heimat tituliert. Dort hatte sie sich wohl gefühlt, dort war sie daheim gewesen. Im Schwarzfels hatte sie das Lichte Azeroths erblickt, im übertragenen Sinne. Doch trug sie jenen Ort nicht als Heimat in ihrem Herzen. Zu Süderstade empfand sie eine tiefste Verbundenheit. Und dieses Band hatte Sylvanas Windläufer, die dunkle Fürstin, durchtrennt. Dafür und nur dafür loderte ein undenkbarer Zorn in ihr gegenüber den Verlassenen.

Ein ruhig an sie herantretender Matrose in dunkelgrünem Leder holte Lutisana aus den Gedanken.

Osbert: Na Lu, du alte Krätze. Was führst wieder im Schilde?

Lutisana: Osbert, du stinkender Auswurf einer dahinsiechenden Elekk Kuh, lass dich umarmen.

Osbert: Deine Nachricht habe ich noch in Boralus erhalten und mich sogleich auf die Suche gemacht. Nichts, Lu, absolut nichts. Ich konnte die von dir beschriebene Dame nicht ausfindig machen. Ich beobachtete die von dir beschriebene Umgebung, nichts.

Lutisana: Troggpisse! Das gefällt mir nicht, ganz und gar nicht. Hier hast du ne Goldmünze fürs spähen. Wie lange bleibst in Sturmwind?

Osbert: Unser Schiff legt in drei Tagen wieder ab, Lu.

Lutisana: Kann sein das ich dich begleite, Osbert. Und falls dem so ist, rechne damit, dass ich nicht allein reise. Mehr will ich momentan noch nicht sagen.

Osbert: Gut, ich klär das mit dem Kapitän.

Die Beiden schüttelten noch einander die Hände und gingen getrennter Wege.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Lutisana » Mi 30. Jan 2019, 14:14

Vorsichtig und auf leisen Sohlen schlich Lutisana zwischen ein paar Kisten und Fässern nahe der Aschenwinddocks vorbei. Boralus! Die alte Hafenstadt und Kapitale der Seefahrernation von Kul Tiras hatte sie wieder. Viele Monde hatte sie hier für die Handelskompanie Aschenwind gearbeitet, Waren geschmuggelt, Konkurrenten zum schweigen gebracht und Informationen beschafft. Sie war gut entlohnt worden und wenngleich die zahlreichen Überfahrten auf hoher See ihrem Magen zugesetzt hatten, war sie stets mit Eifer bei der Sache gewesen. Als Söldnerin hatte sie der Tatsache gelassen entgegengesehen, dass das Handelshaus Aschenwind jüngst in Konflikt mit der Prachtmeeradmiralität geraten war. Brenzlich war es für sie dennoch ausgegangen als Tol Dagor von Kul Tiranern und Allianz-nahen Kräften gestürmt worden war und die Schergen des Hauses Aschenwind unterlegen sind. Unmittelbar danach war sie eingekerkert worden und der Gerichtsbarkeit von Boralus überstellt worden. Lutisana sah sich damals schon am Galgen baumeln, doch es kam anders. Diese noble Magierin aus Sturmwind hatte sie irgendwie frei bekommen und seither stand sie in ihrer Schuld.

Und genau diese Magierin war auch der Grund, warum sie nach Boralus zurückgekehrt war. Andorella Egromond war verschwunden! Für Lutisana war sie aber auch eine weitere Dienstgeberin, Grund genug der Sache auf die Spur zu gehen. Es hatte aber auch weitreichende Konsequenzen für den Azeritschmuggel, den man gemeinsam mit dem Bund der roten Tatzen unterhielt. Die Magistra Maga kümmerte sich nämlich um den Ankauf des Azerits in Freihafen und nun war sie verschwunden. Vergilian Blake und einige Tatzen waren darauf nach Boralus aufgebrochen um Andorella zu suchen. Allein könnte Lutisana die Suche nach der Magierin nicht aufnehmen, gilt sie nach wie vor als vogelfrei und gesucht. Ein Umstand, der die Bewegungsfreiheit der Dunkeleisenzwergin massiv einschränkt. Als Tatze und mit den Tatzen nahm sie nun die Ermittlungen auf und ihr Weg hatte sie zum gestrigen Abend an die Aschenwinddocks geführt.

Auf ihrem Weg behielt sie die Hafenwachen stets im Auge, wich bekannten Gesichtern aus und bewegte sich im Schatten. Am Abend würde man den Ankermann aufsuchen, in der Hoffnung, dass er mehr über den Verbleib der Magierin weiß.
Ich seh, ich seh was du nicht siehst und das ist meine Klinge an deinem Hals

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Unterhaltung am Hakenkap

Beitrag von Lutisana » Do 31. Jan 2019, 15:03

Diese eine Seitengasse im Hakenkap von Boralus gehörte zu den verruchtesten Ecken der Stadt. Gauner, Diebespack und leichte Mädchen reichten sich hier die Klinke in die Hand und von Sicherheit konnte man dort keinesfalls sprechen. Der Geldbeutel hing an diesem Ort so locker wie an kaum einem anderen. Die Hafenwachen, welche hier ihrer Patrouillenarbeit nachgingen, waren nicht weniger korrupt wie die Bettler und Tagelöhner, die hier herumstreiften und für Unruhe sorgten. Gesetz und Anstand waren hier Fremdwörter.

Lutisana war diese Gasse wohl bekannt und während ihrer Anstellung bei der Handelskompanie Aschenwind traf sie sich hier meistens mit Alrik Hengsten, einem Schreiber der Adelsfamilie Norwinsen. Alrik arbeitete insgeheim für die Aschenwinds und war als Informant tätig. Der hagere Kul Tiraner und die kecke Dunkeleisenzwergin harmonierten in ihrer Zusammenarbeit sehr gut. An jenem Abend fand ein Wiedersehen statt und Beide standen sich in der dunklen Gasse wieder gegenüber.

Alrik: Lu, ich glaubs nicht. Ich hätte eher mit Sargeras als mit dir hier gerechnet. Entweder bist du verdammt mutig oder verdammt töricht hier aufzutauchen.

Lutisana: Schön das du dich darüber freust mich wiedersehen zu dürfn, Alrik. Bist noch genau so hässlich wie vor ein paar Monden. Lass dich drückn, faule Kartoffl.

Alrik: Was schnüffelst du hier rum, verdammt? Jene, die in Verbindung zu den Aschenwinds stehen, leben sehr gefährlich hier. Du weißt doch um den gescheiterten Putschversuch der Lady Aschenwind. Vieles ist noch ungeklärt, große Umbrüche sind die Folge. Und wenn ich ehrlich bin, das Gesicht einer kleinen Dunkeleisenzwergin vergisst man hier nicht so leicht wie das eines einfachen Matrosen.

Lutisana: Biste jetzt fertig mit deiner Ansprache? Hör zu, du weißt von der Sache um den Azeritschmuggel hier. Ist dir jüngst was zu Ohrn gekommn, was interessant wär?

Alrik: Du suchst nach der verschwundenen Unterhändlerin, stimmts?

Lutisana: Hätt mich jetzt echt gewundert, wenn du nichts davon gewusst hättest, Alrik.

Alrik: In gewissen Kreisen kursieren Gerüchte, dass von Sturmwind ausgehend großes Interesse an dem Rohstoff besteht. Jüngst mehren sich die Anzeichen, dass auch Andere in das Geschäft einsteigen wollen.

Lutisana: Wer?

Alrik: Ein Sympathisant der Eisenfluträuber wurde bereits mehrmals in Hakenkap gesichtet, Lu. Aber die Spuren verlaufen sich. Sei wachsam, du stocherst hier in einem Bienennest herum.

Lutisana: Ich bin nicht allein! Vorsicht, da kommt Jemand, verschwinde Alrik.

Geduckt und leisen Schrittes ließen Beide die dunkle Gasse hinter sich.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Lutisana » Di 5. Feb 2019, 10:04

Eigentlich war ihr diese Dame mit ihrem Badezelt am Hafen nach wie vor suspekt und Lutisana traute der Sache nicht weiter, wie sie einen Stein werfen könne. Aber in der Beteiligung an diesem Lustschiff sah sie einerseits Möglichkeiten der Einnahmeoptimierung, andererseits der Informationsbeschaffung. Außerdem hatte sie gewisse Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die gewiefte Dunkeleisenzwergin wusste sehr wohl, dass Männer in Momenten der Ektase gern mehr preisgaben als sie eigentlich sollten. Und diese rechtschaffenden Damen, welche einen beträchtlichen Teil des Tages in horizontaler Lage ihrer Arbeit nachgingen, waren nicht weniger bestechlich als deren Kundschaft. Lutisana würde die Möglichkeiten nutzen, dennoch mit Vorsicht diese Entwicklungen im Auge behalten. Sie würde dieses Spiel vorerst in erster Linie mitspielen, um zu erfahren, ob und was wirklich dran sei. Denn so recht glauben wollte sie dies nicht.

Sie war gerade dabei den Steg am Hafen zu verlassen, als vor ihren Füßen zu Boden etwas klimperte. Erschrocken blickte sie sich um, bückte sich und hob das Objekt auf. Es war eine Münze. Die eine Seite war leer, auf der anderen Seite jedoch konnte sie eine zerbrochene Krone mit einem Dolch darin ausmachen. Lutisana seufzte und ließ die Schultern hängen. Hinter einem Stapel Kisten trat auf leisen Sohlen eine Gestalt aus dem Schatten hervor.

Lutisana: Was willst du, Salix?

Salix: Keine Begrüßung, Lu? Wo bleibt der Jubel? Wo bleibt die Begeisterung?

Lutisana: Spuck aus was du willst und verschwinde!

Salix: Du wirst dich nach Dalaran begeben, genauer gesagt in die Schattenseite der Kanalisation. Ein Mann namens Drego wird auf dich zukommen. Du wirst ihm bei einem Auftrag helfen, den du vor Ort erfahren wirst.

Lutisana: Und wenn ich mich weigere? Verdammte Troggkacke, ich befinde mich hier in einem zweifachen Angestelltenverhältnis, Salix. Denkst du ich lieg den ganzen Tag rum und lass mir die Füße kraulen?

Salix: Du bist sonst auch nicht der Ausreden müde, hübsche Zwergin. Lass dir was einfallen. Du weißt, dass ich dich in der Hand habe und ich bin gewillt zu zudrücken, wenn du nicht parierst. Tu wie dir gesagt und enttäusche mich nicht, hübsche Zwergin.

Ehe sich Lutisana versah war der Mann in den Schatten der Nacht verschwunden. Sie sprach einige Flüche und Schimpfwörter auf zwergisch aus und ließ den Hafen hinter sich.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Lutisana » So 10. Feb 2019, 10:41

Ungeduldig zog Lutisana an ihrer Pfeife und schob noch etwas getrocknetes Beulengras nach. Blauer Dampf stieg langsam auf und formte unnatürliche Gestalten in die Luft. Sie hockte auf einer Kiste und starrte gen Himmel, ansonsten hätte sie nur die Häusermauern in der dunklen Gasse der Altstadt ausgemacht. Ruhig hing sie dabei ihren Gedanken nach und beobachtete eine Möwe, die auf einem Dachvorsprung herum pickte. Das Pfeifenkraut beruhigte sie jedoch nicht wie es dies sonst tat. Nervosität machte sich in ihr breit, wahrlich ein seltenes Gefühl. Und diese Nervosität hatte einen Namen, Salix Marnion. Würde er wieder plötzlich hinter ihr auftauchen? Wann würde er wieder erscheinen und seine "Bitte" einfordern? Die gewiefte Dunkeleisenzwergin war die Gefahr gewöhnt, doch Salix Marnion war ein anderes Kaliber und er hatte das Einzige, was Lutisana in ihrem Leben wirklich von Bedeutung war. Um dieses Einzige zu bewahren war sie neulich sogar nach Dalaran aufgebrochen um mit einem gewissen Drego einer Queste dort nachzugehen. Und nun trug sie das Objekt der Begierde in ihrem Hosensack und hoffte, dass sie es bald wieder los sein würde. Es lag wohl ganz an Salix Marnion.

Sie blickte auf als sie Schritte vernahm. Gorn, ein fettleibiger Zwerg mit Glatze, wackelte heran und beschwerte sich maulend über die Auswahl des Treffpunkts.

Gorn: Warum die Altstadt, Lu? Du weißt das ich mich hier ungern blicken lasse. Warum nicht wie üblich am Hafen?

Lutisana: Dann komm ich direkt zur Sache, Gorn. Für mich ist der Hafen vorerst tabu. Ich brauch jedoch ein paar unauffällige Augen und Ohren dort, die meine Arbeit dort abwickeln.

Gorn: Und da komm ich ins Spiel? Mit wem hast du dirs denn verscherzt, mein Steinkrapfen?

Lutisana: Das geht dich nen Haufen Troggkacke an, Gorn. Machst du es? Natürlich gegen ne entsprechende Entlohnung, das is selbstredend. Umsonst ist ja schließlich nur der Tod und der kostet einem das Leben.

Gorn: Ich nehm an ich soll die einfahrenden Schiffe aus Kul Tiras und deren Fracht im Auge behalten.

Lutisana: Vor allem wenn Fracht mit Lieferschein nicht übereinstimmt. Und ich brauch genau einen solchen Lieferschein, Gorn. Wappen, Siegel und Unterschrift muss vorhanden sein. Besorg mir so einen Lieferschein.

Gorn: Das wird nicht billig, Lu. Zahlt dich die Blake denn so gut, dass du dir mich als Dienstnehmer leisten kannst?

Lutisana: Das lass meine Sorge sein, Gorn.

Der fettleibige Zwerg musterte Lutisana eine Weile.

Gorn: Ich hab den Eindruck, dir liegt etwas an dem Haufen die sich Tatzen nennen und besonders an Blake. Hör zu, Steinkrapfen. Du warst über all die Jahre nur deshalb erfolgreich, weil dir jedes Schwein egal war. Schei. auf persönliche Bande, das kostet dir am Ende nur das Leben. Denk an meine Worte.

Lutisana blickte dem davon wackelnden Zwerg noch eine Weile grübelnd nach. Bis vor kurzem hatte sie so gedacht, doch manches ändert sich im Laufe eines Zwergenlebens. Besonders dann, wenn Personen ins Leben treten, die es wert sind, für sie einzustehen.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Lutisana » Do 14. Feb 2019, 13:27

Die alte Lagerhalle zum Zwergenviertel nahe dem Haupteingang zur Tiefenbahn galt schon lange als Umschlagplatz für diverse Tauschgeschäfte oder als Treffpunkt für diskrete Gespräche. Vor einigen Jahren fiel diese einem Brand zum Opfer und erlitt dadurch enormen Schaden. Notdürftig wurde sie von ihrem damaligen Besitzer wiederinstandgesetzt. Mittlerweile ist dieser verstorben und die Lagerhalle ging in den Besitz der Familie Bolt-Lescovar über. Waren und Handelsgüter werden hier zwischengelagert oder im Auktionshaus des Zwergenviertels gewinnbringend versteigert. Kopf aller Transaktionen ist Alfonso Gonar, er gilt als die rechte Hand von Adrian Bolt-Lescovar. Der gut zwei Schritt große Alfonso segelte einige Jahre unter der Flagge der Blutsegelbukaniere über die Weltmeere und machte sich dabei einen ruhmreichen Namen. Er ist so brutal wie umtriebig und weist eine gute Nase für Geschichtssinn vor.

An jenem Abend war er beauftragt worden, eine Person in Empfang zu nehmen. Er wusste nur, dass es sich um eine Dunkeleisenzwergin handelte und diese für die Konkurrenz arbeitete. Was immer sie auch wollte, er sollte die Informationen an seinen Boss weitergeben. Alfonso hockte auf einem Stuhl und auf seinem Schoß hatte es sich eine junge Dame mit langen, blonden Haaren gemütlich gemacht. Der stämmige Hüne konnte seine Hände nicht bei sich lassen, was der Dame jedoch keineswegs unangenehm war. Sie kicherte und genoss seine Gesellschaft, während sie sich lüstern an ihn schmiegte. Am Haupteingang hatte er zwei Wachen positioniert, welche unruhig das Gelände im Auge behielten. Alfonso war gerade dabei den Rock seiner Gespielen nach oben zu ziehen, als ein „Puh“ hinter ihm ihn aufschrecken ließ. Er fuhr hoch, wirbelte herum und die blonde Dame fiel plump zu Boden. Hinter ihm stand mit zwei gezogenen Entermessern eine Dunkeleisenzwergin und grinste frech Alfonso an.

Lutisana: Du musst Alfonso sein!

Alfonso: Und du wirst gleich tot sein, halbe Portion!

Lutisana: Ich glaube dein Boss wäre darüber weniger erfreut.

Alfonso: Was hast du zu sagen? Spuck es aus!

Lutisana: Sag deinem Boss, dass mein Boss ein weiteres Treffen wünscht, und zwar bald. Sag ihm, es sei wichtig. Die Anschläge auf eure Männer in Boralus gehen nicht auf unser Konto. Sag ihm, dass wir im Azeritschmuggel einen neuen Mitbewerber haben, der sehr darum bemüht ist, uns gegenseitig auszuspielen. Mein Boss ist gerne bereit diese Informationen mit ihm zu teilen. In einem persönlichen Gespräch, versteht sich.

Alfonso: Fertig, Made?

Lutisana: Ja, kannst wieder mit deiner Rauchfangtaube spielen. Sie liegt dir ja eh schon zu Füßen.

Alfonso griff wütend nach einem Hammer, der neben ihm auf einer Kiste lag, und warf damit nach Lutisana. Knapp wich sie dem heranfliegenden Werkzeug aus und beantwortete diese Handlung mit einem frechen grinsen. Alfonso bebte und schon war die Dunkeleisenzwergin im Schatten der Lagerhalle wieder verschwunden.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Lutisana » Di 19. Feb 2019, 12:51

Vom Dachbodenfenster des arkanen Instituts zu Sturmwind reichte die Aussicht bis zu den zahlreichen Straßen hinüber zu den Kanälen der Stadt. Von hier aus konnte man nicht nur die Patrouillenwege der Stadtwachen ausspähen, sondern auch die Geschehnisse in den gegenüberliegenden Häusern beobachten. An jenem Nachmittag hatte es sich Lutisana genau vor diesem Dachbodenfenster gemütlich gemacht. Auf dem Sims stand ein Krug Starkbier und ein paar getrocknete Trüffeln. Sie richtete ihren Blick mit dem Fernglas zur Stadt hinaus und genoss die Ruhe.

Erst vor wenigen Augenblicken war sie wieder einmal mit Andorellas Sekretärin aneinandergeraten. Die akribisch korrekte junge Adepta namens Glorana war stets darum bemüht für Ordnung und Sauberkeit in den Räumlichkeiten des Instituts zu sorgen. Lutisana konnte die rotblonde, junge Menschenfrau beim besten Willen nicht ausstehen. Sie verkörperte das lebende Gegenteil von ihr selbst. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und ein hohes Maß an moralischen Grundwerten zeichneten Glorana aus. Alles Aspekte, die an Lutisana grundsätzlich vorbeizogen. Die pfiffige Dunkeleisenzwergin mit den schwarzen Rasta-Locken ließ jedoch auch keine Gelegenheit aus um Glorana den Nerv zu rauben oder zu beleidigen. Und nach dem jüngsten Disput hatte sich die Söldnerin auf den Dachboden zurückgezogen um das Treiben auf den Straßen zu beobachten.

Fast wäre ihr das Fernglas aus der Hand gefallen als eine ihrer Brieftauben flatternd durch eine Lucke flog. Lutisana erhob sich, schritt zu dem Federvieh und löste eine kleine Pergamentrolle von ihrem Fuß. Sie entrollte das Schriftstück und erblickte die chiffrierten Zeilen eines Briefes.

            

Sogleich nahm sie an ihrem Schreibtisch Platz, fasste ihre Übersetzungsschablone herbei und übertrug die Symbole auf die entsprechenden Buchstaben. Siehe da, der Text ward nach ein paar Kerzenstrichen dechiffriert.

Aktivitäten – Westfall – Farm östlich des Jangoschachtes – Banditenbande – Kontakt zum Don

Die Nachricht stammte eindeutig von einem ihrer Informanten in Westfall. Der junge Bauerssohn, den Lutisana durch Bestechung als Informant gewinnen konnte, verfügte über selbige Dechiffrierung-Schablone und sandte in unregelmäßigen Abständen Botschaften. Nachdenklich kratzte sich die Söldnerin am Kopf und beschloss so bald als möglich bei Vergilian vorstellig zu werden.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Lutisana » Di 5. Mär 2019, 12:56

Die kleine Holzhütte von Chaleb Bruwster lag weit nördlich der Späherkuppe zu Westfall und von dort waren es nur mehr ein paar Schritte zum nahen Strand. Sie war vor einigen Wintern notdürftig zusammengezimmert worden und sollte als künftige Heimstätte für Chalebs Familie dienen. Er und seine langjährige Lebensgefährtin Anna verrichteten dort einfache Feldarbeit, der Ertrag reichte gerade aus um sich selbst zu erhalten. Die Kornkammer des Königreichs blieb jedoch auch nicht von den Schrecken jüngster Konflikte verschont und das junge Paar sah sich gezwungen etwas unternehmen zu müssen.

Vor etwa drei Monden hatte Chaleb Bruwster die pfiffige Dunkeleisenzwergin Lutisana Ammar kennen gelernt. Sie schloss den einfachen Bauern schnell ins Vertrauen und konnte ihn für ihr Informanten Netzwerk gewinnen. Er erwies sich als verlässlicher Botengänger, der einige „tote Briefkästen“ bestückte und Post abholte. Vor gut einem Mond betraute ihn Lutisana mit der Observation eines Bauernhofs. Don Adams, ein verbrecherischer Bandenboss aus Boralus, sollte dort Geschäfte abwickeln. Anna, Chalebs Lebensgefährtin, bekam von der Sache Wind und war vertraulich an Lutisana herangetreten. Die bildhübsche Westfallerin hatte die Dunkeleisenzwergin angefleht, Chaleb keiner Gefahr auszusetzen. Darauf war Lutisana nicht eingegangen und hatte Anna gegenüber erklärt, dass es Chalebs freie Entscheidung sei für wen er arbeite. Dies ereignete sich vor über einem Mond. Vor drei Tagen hatte Lutisana Chalebs Kopf, aufgespießt auf einer Heugabel, an ihrem geheimen Treffpunkt vorgefunden. Der oder die Mörderin hatte ihm noch einen Knochen in den Mund geschoben und so ein Exempel statuiert.

Nun stand Lutisana vor Chalebs und Annas Hütte. Sie stand eine ganze Weile dort bevor sie endlich anklopfte. Als Söldnerin hatte Lutisana unzählige Helfer, Freunde und Weggefährten verloren. Sie hatte auch den ein oder anderen im Sinne der Sache als Bauernopfer ins Messer laufen lassen ohne dabei Skrupel an den Tag zu legen. Aber bei Chaleb war es anders. Sie würde es nie zeigen, aber innerlich trauerte sie um den jungen Bauern. Sie klopfte an der Tür und eine verweinte Anna öffnete diese.

Anna: Was willst du, Lu? Scher dich zum Sargeras!

Lutisana: Anna, hör zu! Ich weiß nich was ich sagn soll, bin nich grad gut in solchn Dingn …

Anna: Sag einfach gar nichts und verschwinde, Lu!

Lutisana: Es wird Chaleb nicht mehr zurück bringn, aber ich lasse seine Mörder dafür blutn, Anna. Hast mein Wort!

Verbissen sprach die Dunkeleisenzwergin diese Worte und drückte Anna einen kleinen Beutel in die Hand. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren verließ sie die Hütte und verschwand gen Osten. Schluchzend öffnete Anna den Beutel und fand mehrere Goldmünzen darin. Tränen quollen aus ihren Augen hervor und benetzten die Münzen in ihrer zitternden Hand.
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Lutisana » Di 12. Mär 2019, 11:31

Dichter Nebel hing über dem Hafen von Beutebucht und die wenigen Sonnenstrahlen mühten sich recht erfolglos hindurch. Es war ein Tag wie jeder andere in der Stadt am südlichsten Kap der östlichen Königreiche. Piraten gingen ihrem Tagwerk nach, Händler boten ihre Waren feil und der Duft von Fisch, Schweiß und Rum vermischten sich zu einer ekelerregenden Dunstwolke. Die Sitten waren rau und die Moral fern, ein Ort wie ihn Lutisana liebte.

An jenem Abend war sie in Beutebucht eingetroffen um persönlich eine Bestandsaufnahme vorzunehmen. Andorella hatte vor gut zwei Wochen am Schwarzmarkt von Boralus eine Ladung Azerit erboten und genau diese Fuhr sollte nun unter der Flagge der Schwarzmeerräuber hier in Beutebucht eingetroffen sein. Man sprach von einer Menge im Wert von 500 bis 700 Goldstücken, die wohl bisher größte Summe, seit man in den Azeritschmuggel eingestiegen ist. Im Dunst der Nebelschleier bewegte sich die Dunkeleisenzwergin auf leisen Ledersohlen vom Steg zu dem Piratenschiff. Sie drückte sich auf einen Nasenflügel, rotzte neben sich auf eine Planke und hielt vor einer Wache inne. „Elwynner Kürbisragout“ flüsterte Lutisana dem Piraten als Losungswort entgegen, welcher darauf einen Schritt zur Seite machte und der Söldnerin den Weg zum Frachtraum frei gab. Sie bahnte sich ihren Weg an mehreren Fässern und Kisten vorbei und schritt eine Treppe hinab zum Unterdeck. Der ihr bereits wohl bekannte Lagerist nickte ihr zu und führte sie zu einer mit Ketten abgeriegelten Tür. Er öffnete diese und deutete auf drei Kisten dahinter. Lächelnd schritt Lutisana zu einer der Kisten und öffnete diese. Bananen! Hastig öffnete sie die zweite Kiste. Wieder nur Bananen!

Lutisana: Rob, willste mich verarschn? Wo is das Azerit, bei Sylvanas Spitzenunterhöschen!

Rob: Wie? Das Azerit muss in den Kisten sein, Lu.

Lutisana: Verdammte Troggpisse, das sind BANANEN! BANANEN!

Rob: Aber das ist doch … wie ist das … wir waren doch …

Lutisana: Erklär dich Rob oder ich füttere mit deinen Innereien die Haie an.

Rob: Verdammt, beim Bart meiner Großmutter. Wir ankerten gestern Nacht vor einer kleinen Insel westlich von hier.

Lutisana: Und?

Rob: Ich versteh das nicht. Wir haben Wachen aufgestellt. Der Frachtraum war keinen einzigen Augenblick unbewacht. Das Azerit kann unmöglich gestohlen worden sein.

Lutisana: Ist es aber scheinbar. Boah Rob, du wirst deinen verlaustn Schädl für diese Kacke hinhaltn, aber sowas von.

Verärgert spuckte Lutisana aus und verließ hastig das Piratenschiff. Sogleich setzte sie ein verschlüsseltes Schreiben für ihren Boss auf, den eine Briefmöwe umgehend nach Sturmwind flog.
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Ramiak
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Re: Ein Söldnerleben

Beitrag von Ramiak » So 21. Jul 2019, 17:15

Entspannt lehnte er an dem alten Holzzaun und wartete. Vergi hatte ihm eine Nachricht zukommen lassen das er zwei Trollinnen willkommen heissen sollte. Wieder zog er an seiner Kräuterzigarette und brummte einen betrunkenen orcischen Seemann an der an ihm vorbei wankte und dabei die hälfte seiner Rumflasche auskippte. Leicht schüttelte Ramiak den Kopf und seufzte als sich knisternd und dann auch leuchtend das Portal vor ihm öffnete und zwei ziemlich herunter gekommende und deutlich verängstige Trolldamen daraus hervor stolperten. Das mussten die beiden sein. Er stieß sich von dem Zaun ab der bedächtig wackelte und trat langsam auf die beiden zu. Sein trollisch war nicht das beste aber es würde reichen... hoffte er zumindest. Vorsichtig und leise sprach er die beiden an die ihn zum Glück doch gleich verstanden. Er führte die beiden zum Büro und zeigte ihnen das kleine Zimmer das sie ab sofort bewohnen würden. Die beiden Betten waren einfach und nichts besonderes aber für die beiden wohl absolut fremd. Geduldig erklärte er den beiden wie sie darin richtig liegen würden. Ebenso das die neue Kleidung auf den Betten ihnen gehört. Es waren nur einfache Roben, absolut nichts besonderes, doch für die beiden wohl unglaublich wertvoll. Die beiden stellten sich ihm als Junjima und Lim´aya vor. Sie kamen ursprünglich aus der nähe von Zul Aman und waren Waldtrolle. Nach einem kurzen Hinweis auf die Waschschüssel ließ er die beiden erstmal alleine und widmete sich Brocklan, der gerade mit einem Korb Lebensmittel wieder kam. Wieder hatte der Goblin versucht das Brot teurer zu machen als es eigentlich war. Fürs Angeln würden sie morgen wieder abseits der Bucht gehen und sich einen ruhigen Ort suchen. Dann konnte Brock wieder lesen während er in der Sonne lag und schlief. Bald wäre er so braun wie Nallja und niemand würde ihn mehr erkennen. Aber vorher musste er noch mit dem Zwerg sprechen der gerade ins Büro kam. Die nächste Lieferung Azerit war im kommen und wollte sicher weiter verschickt werden.

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