Tagebuch der Bruderschaft

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Veyt
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Tagebuch der Bruderschaft

Beitrag von Veyt » Fr 8. Feb 2019, 10:14

Wulfric hat geschrieben:Die Ankunft am Hafen am 4. Tag des 2. Monates verlief recht ereignislos. Es hatte sich bereits eine mittelgroße Menge an Passagieren eingefunden, die ebenfalls mit Aedan und mir gen Grizzlyhügel reisen würden.

Da es erst nicht ersichtlich war, was mit unseren Tieren geschehen würde, stiegen wir ab und gesellten uns zu den weiteren Teilnehmern der Expedition. Im Laufe des Wartens konnte die Frage der Tiere auch geklärt werden und wir gaben unsere Reitpferde dem Dockmeister in Obhut, da die Tiere auf einem anderen Schiff der insgesamt 3 Schiff starken Truppe fahren sollten.

Dem folgte eine Begrüßung und Ermahung der Leiter der Expedition. Randnotitz: Der Tonfall war leicht daneben. Aber gemessen am dümmlichen Gesichtsausdruck der Rednerin (durchgestrichen) an der Tatsache, dass es sich hier um reine Soldaten handelt, wohl verständlich.

In den Reihen der Teilnehmer scheint es einige zu geben, die Vrykul-Futter sein könnten. Nun wir werden sehen.

Nach der "erbaulichen" Rede wurde das Schiff und die Reisenden vom Pater des Ordens der Faust gesegnet. Mir ist aufgefallen, dass dieser von seinen Leuten "Eminenz" betitelt wird.
Nach dem Segen durften wir, nachdem wir aufgerufen worden waren, das Schiff betreten.

Ich konnte uns gleich zwei schöne Hängematten aussuchen und es liegt sich recht bequem darauf.

Nachdem wir unser Gepäck gesichert hatten, begaben Aedan und ich uns auf die Erkundung des Schiffes und lernten ein paar der Passagiere ebenfalls kennen. Als der Kapitän das Schiff betrat hatte ich ehrlich gesagt arge Zweifel ob wir überhaupt heil ankommen würden. Er wirkt leicht ... nun ... verwirrt auf eine dennoch recht sympathische Art und Weise.

Die Fahrt verlief recht ereignislos für eine ganze Weile, sieht man mal von einem armen Tümmler ab, der dem Schiff nicht mehr ausweichen konnte und wohl nun als Futter für die anderen Kreaturen der See dient.

Ich wollte mich gerade für den Abend gemütlich einrichten, als der Ausguck "Schiffe am Horizont" brüllte. Es stellte sich heraus, dass wir drei Brechern der Horde begegnet waren.

Der Kampf war unaufhaltsam, da die Horde uns ebenfalls bemerkt hatte und beigedreht war. Ich stellte mich mit einem Magierkollegen, der Faust, in Gefechtsposition in der Nähe einer Kanone auf dem Kapitänsdeck. Pater Aedan bemannte die Kanone am Unterdeck zum Eingang der Kajüten.

Ein Schiff der Horde konnten wir Magier durch die Kunst recht schnell ausser Gefecht setzen, somit galt es nur noch 2 Schiffe unschädlich zu machen.

Im Laufe des Gefechts wurden einige verletzt, jedoch gab es keine Toten zu beklagen. Ein Zwerg ging über Bord, konnte sich aber von alleine retten. Pater Aedan trug keine Verletzungen von sich - dem Licht sei Dank. Mir erging es nicht ganz so glücklich, doch im Anbetracht des Kampfes, war auch mir das Glück hold. So wurde ich von einem Holzsplitter am linken Oberarm getroffen. Den Splitter zog ich mir im Laufe des Kampfes von alleine.

Durch ein Gebrüll links von mir wurde ich für eine Zeit lang abgelenkt und mein Schild geschwächt, so dass mich ein Trümmerteil hart gegen das Knie traf. Dem Licht sei Dank wurde es nicht zertrümmert sondern nur ordentlich geprellt. Beide Verletzungen konnten mich nicht ausser Gefecht setzen und als ein Leck in die Schiffwand geschlagen wurde, humpelte ich nach unten ins Innere, um es zu verschließen, doch eine Kirin Tor war bereits ans Werk gegangen und das Leck gesichert.

Ich blieb an der unteren Kanone, bei Pater Aedan und blieb bis Kampfende dort posititioniert. Neben mir ging ein Zivilist zu oben, den ich in die Kajüten zog, außer Schußweite.

Der Sieg ward unserer und wir haben keine Toten zu beklagen.

Einer der mitreisenden Wundärzte bat mich das Knie zu schonen und es erst nicht zu belasten. Genug Zeit zu lesen und mich von Aedan ein wenig umsorgen zu lassen, und den Eintrag zu verfassen.

Das Schiff ist arg in Mitleidenschaft gezogen, doch kommen wir wohl heil in Valgarde an. Auch die Begleitschiffe haben wir nicht verloren und so segeln wir, lädiert aber stetig gen Norden.

Persönliche Randbemerkung: Meine Mutter wird mir die Ohren langziehen, wenn ich dann an der Ammertanhütte angekommen bin und sie von den Verletzungen erfährt. Wollen wir hoffen, dass Aedans Anwesenheit die Schimpfe mildert.
Aedan hat geschrieben:Aedan sitzt mit einer Tasse heißem Mokka am Schreibtisch seiner Unterkunft im Gasthaus von Westwacht. Sein linker Oberarm ist unter der Tunika leicht verbunden und an seiner Stirn, gleich unter dem Haaransatz über der linken Augenbraue (Gegner scheinen seine linke Seite nicht für seine Schokoladenseite zu halten. Oder doch? Und greifen sie eifersüchtig genau deshalb diese an?) zeichnet sich ein schwärzlich-blauer Bluterguß ab.
Er reibt sich über den ungewohnt geschorenen Nacken, öffnet das Reiselogbuch mit dem Wappen der Bruderschaft, nimmt seine Feder zur Hand und schaut kurz aus dem Fenster in die beinahe trügerische Idylle von Westwacht, bevor er die Feder in die Tinte taucht.


Westwacht, Sechster Tag des zweiten Monats

Gestern sind wir in Valgarde angelangt - es war zum Teil deutlich sichtbar, wie erleichtert einige Expeditionsteilnehmer waren, wieder festen Boden statt schwankender Planken unter den Füße zu haben.
Wulfric - der schon wieder deutlich besser läuft und nach dem Schrappnelltrümmer gegen sein Knie (wieso bekommen so viele Kämpfer eigentlich Dinge ans Knie?) nur noch wenig humpelt - und ich gingen zum Gasthof hinauf, um uns bei den Bekannten der Wintersprings mit süßer Ziegenmilch und Fladenbrot für die Weiterreise zu versorgen.

Wieder unten angelangt, war die restliche Expeditionsschar um einen rotzenden Wichtigtuer versammelt, welcher sich als neuer (?) Konteradmiral erwies und uns dazu nötigte, seine Truppen im Kampf gegen die Vrykul abzulösen, welche Valgarde von ihrem gegenüberliegenden Kaff aus ständig bedrohen.
Dabei fiel mir auf, dass Mr. Ashford, der uns eigentlich am Hafen von Sturmwind schon verlassen hatte, plötzlich wieder unter uns weilte...Merkwürdig, ich habe ihn gar nicht zurückkommen sehen und auf dem Schiff nirgends bemerkt. Seine Stimme schien mir allerdings seltsam bekannt. Nun...ich habe vermutlich einfach nicht alles mitbekommen.

Bevor es in die Kampfhandlungen überging, schwangen sich die Shukov und die andere Befehlshaberin, die immer so unerträglich von diesem Afarus angeschleimt wird....Samielle O'Caroll...auf einen Stapel Kisten um die Unwissenden unter uns über die "Vyrkul", wie sie sie nannte, aufzuklären.

Dieser verdammte Hammerfaust rannte dabei herum, wie ein aufgeschrecktes Huhn und knallte Fjordratten ab. Es ist mir vollkommen unverständlich, wie man vor einem Kampf für solche Unwichtigkeiten Munition verplempern kann. Solche Dinge gehen mir unglaublich gegen den Strich. Beim Argentumkreuzzug hätte man ihm den Bart abrasiert und ihn mit nacktem Hintern in den Schnee gesetzt, wo er darüber nachdenken kann, wie er seine Munition besser einsetzt. Bei der Bruderschaft des Lichts hätte man ihm den Hintern vermutlich gleich soweit aufgerissen, dass ihm seine haarigen Bällchen wie Schmuck an den Ohren baumeln.
Aber ich schweife ab...

Wir zogen also gen Wyrmskol, wie das Vrykulnest heißt, und schlugen eine Bresche in den Ortskern. Zwar gab sicherlich ein jeder sein Bestes...doch war dieser Angriff derart ungeordnet, dass es eine wahre Schande war. Ameisen, die zur Aasvernichtung ausschwärmen, sind organisierter als unsere Truppe es gestern war.
Ein Worgen im Wappenrock der Scharlachroten Faust stürmte sogar gleich gen Burg Utgarde vor; ob aus Dummheit oder Lebensmüdigkeit vermag ich nicht zu sagen. Sicher ist nur, dass er damit den ganzen Trupp gefährdet hat und das Fell geschoren bekommen sollte. Kampfwut in allen Ehren, aber ein kühler Verstand sollte das oberste Gut eines Kreuzzüglers, eines jeden Kämpfers sein.

Nachdem die Bevölkerung des Ortes (die merkwürdigerweise nur aus männlichen Vrykul bestand) dezimiert wurde, konnten wir einige Gefangene befreien und die Vorratskammer der Hünen plündern.

Beim Abzug brüllte Natasi Shukov ihre üblichen Befehle, die mehr respektlos denn respekteinflößend sind. Aber so ist es nunmal in jeder Truppe anders und man sollte sich nie an etwas gewöhnen. Gewöhnung ist die Mutter zweier Dinge: Unvorsicht und Stillstand.

Wieder in Valgarde angelangt, wurde die Truppe aus gutem Grund zusammengestaucht und Bestand aufgenommen.
Der rotzige Konteradmiral jedenfalls schien zufrieden, hatten wir ihm und seiner Truppe doch zumindest einen freien Nachmittag verschafft.

Schließlich holten wir unsere Pferde, beluden sie und zogen ab aus Valgarde. Zuvor half ich noch einer jungen Dame mit Wappenrock der Scharlachroten Faust, ihr Pferd zum Stehen zu bringen, welches sich in den Kopf gesetzt hatte, verfrüht loszutraben. Beim Weiterritt blieb ich eine Weile an ihrer Seite, was Mondpriester Schattenschlag wieder einmal zu seinen üblichen Vermutungen hinriß, ich würde seine Nähe suchen...
Ständig bildet dieser Elf sich ein, ich blickte ihm auf diverse Körperteile oder suchte seine Nähe. Beinahe könnte man glauben, er wünsche sich dies.

Der Weiterritt gestaltete sich nicht so problemlos, wie ich es aufgrund meiner Erinnerungen an die Umgebung gehofft hatte. Wir waren grade auf der Bergkuppe angelangt, als über den See hinweg ein majestätischer Protodrache auf uns zugesegelt kam - bemannt mit einer Vrykul (also gab es doch Frauen in diesem Ort!) in einer Art Eisenstrapse. Es war offensichtlich, dass sie Rache für Wyrmskol wollte und während des Kampfes setzte ich zwar den Flügel ihres Reittieres in Brand, bekam aber einen ihrer Speere ab, der mir den Oberarm aufriss und auch meine Haare wurden arg angekokelt. Rosmerta, mein wunderbares Schlachtross - sie war noch ein Geschenk von Eligor - ließ bei dem Angriff des Drachenreiters ihr Leben. Ich glaubte zwar, ich hätte sie außer Reichweite abgestellt, doch brach sie inmitten des Trubels mit verbranntem Kopf zusammen.
Wulfric schleuderte es während der Angriffe in den See, doch ich kann stolz berichten, dass er sozusagen im Fluge noch auf den Drachen feuerte und ihn empfindlich traf. (Mein Dank gilt hier ausdrücklich Dr. Henry Barker, der sich um ihn gekümmert hatte.)

Ich glaube, es war Walther Hamsbridge vom Königlichen Wachregiment, der dem Tier in dem aufwühlenden und lang andauernden Kampf den letztendlichen Todesstoß versetzte. (Ich glaube, er hat sich damit einige Wünsche für seine Hochzeitsnacht gesichert...)
Allgemein war ich positiv überrascht vom Zusammenhalt und auch dem Zusammenspiel der Truppe und den beherzten Angriffen. Dies war deutlich besser, als das Herumgestolper in Wyrmskol...
Dieser Zwischenfall und das Abwehren der Schiffe der Horde geben mir die Gewissheit, dass aus diesem zusammengewürfelten Haufen eine ordentliche kleine Armee enstehen kann. Das Licht führe und leite uns.

Korporal Wittgen vom Wachregiment bat mich, nach Feldwebel Barbek zu sehen, der benommen am Rande des Sees saß und bereits vom Orden der Erbauer versorgt wurde. Ich beugte mich gerade zu ihm runter und wollte fragen, ob ich ihm helfen kann, als der Drachenkadaver (die Reiterin war während der Kämpfe von ihm ab- und in den See gestürzt, wo sie vermutlich vom Gewicht ihrer Plattenstrapse auf den Grund gezogen wurde) begann, sehr unangenehme, schwärende und blubbernde Geräusche von sich zu geben. Ich erinnerte mich an chemische Reaktionen im Körper einiger Drachenkadaver vor Wintergarde und zerrte Barbek weiter nach hinten, während Sir Veyt und seine Mannen uns mit ihren Schilden abschirmten.
Das Tier platzte im wahrsten Sinne des Wortes, sein riesiger Schwanz segelte in meine Richtung, traf mich am Kopf und ließ mich einige Zeit das Bewusstsein verlieren. Mondpriester Schattenschlag ließ es sich natürlich nicht nehmen, mir einen Witz, in dem es um Leidenschaft und große Schwänze ging, angedeihen zu lassen.
Mit Verlaub, der Mann ist ein riesen Arschloch. Ich fürchte allerdings, er weiß es und ist sehr stolz darauf. Ich komme noch dahinter, was sich hinter diesem zwanghaft "männlichen" und bärbeißigem Gehabe verbirgt.

Den Weg nach Wintergarde setzte ich also ein wenig benommen und auf Wulfrics Pferd fort. Dort angelangt, hatte ich mich erst einmal im Lazarett zu melden. Auch O'Caroll ließ es sich nicht nehmen, mich merkwürdig anzugrinsen und Witze über mich und Schwänze zu machen.... (Ich muss unbedingt prüfen, ob die Aussage Schattenschlags über meinen Gang der Wahrheit entspricht. Dieses Verhalten mir gegenüber ist mir ein Rätsel.)
Nun, der Ton ist, wie man ihn bei einer kämpfenden Truppe erwartet und ich merke, dass ich noch recht gut daran gewöhnt bin.

Im Gasthaus angelangt traf ich sogleich auf Wulfric, der uns bereits ein Zimmer genommen hatte. Ich nahm ein Bad, stärkte mich mit Met und Single Malt - zuvor jedoch vergewisserte ich mich, dass es Pembroke gut ging, der in meiner Satteltasche geschlafen hatte. Dem kleinen Sporensegler geht es gut - ebenso wie Jack.
Nach dem Bad korrigierten wir unsere angeflemmten Haare. Ich sage es nicht gern, aber ich sehe nun beinahe aus wie Gustav.

Jonas, der Wirt, hatte mir am Abend noch einen Talbukhengst verkauft. Wie auch immer es ein Talbuk bis nach Westwacht geschafft hat - es ist ein gutes Tier, so wie es aussieht.
Meine Tränen über Rosmerta vergoß ich erst, als alles schlief.

Möge das Licht uns schützen und geleiten auf dieser Reise.

Nachtrag:
Soeben las ich eine Notiz Schwester Simanthys über eine Gnomin der Schwarzen Klinge. Vielleicht ist es an der Zeit, den alten Argentumwappenrock noch einmal auszupacken.
Wulfric hat geschrieben:Nachtrag:
Verletzungen heilen sehr gut. Dank Aedans fachmännischer Hilfe und Pflege.
Musste leider Aedans Haare stutzen und er versicherte mir, dass er nun aussehe wie sein Bruder Gustav. Nun, ich bin gespannt. Möchten er ihn mir doch nun nach all den Jahren vorstellen. Bisher war es mir ja nicht vergönnt gewesen ihn kennenzulernen.

Jack hat mein Trockenobst gefressen. Jedoch konnte ich bei den Gastwirten neues kaufen, zu einem guten Preis. Es zahlt sich doch immer mal aus, selbst ein Gastwirts-Sohn zu sein und vorallem halten hier die Leute auch noch zusammen.

Gestern der Kampf mit den Vrykul unten im Dorf, war eine Katastrophe. Ich musste mehrfach einen Zwerg ermahnen und brüllte Rückzug, als der Großteil schon dir Furt überquert hatte und er das Schlußlicht bildete.

Beim nachfolgenden Kampf mit dem Drachen und der Vrykul jedoch ging es wieder geordneter von statten. Ich nehme auch an, dass einige der Teilnehmer zuerst durch den Anblick der Hünen überrascht und geschockt waren.

Ich muss auch negativ bemerken, dass der Ton der Anführerinnen eher an bissige Stuten erinnert, die zeigen wollen, dass sie auch Eier in den Hosen haben. Da muss ich doch gleich wieder an die Worte des alten Kommandanten meiner damaligen Einheit beim Kreuzzug denken. "Junge, sei froh, dass ich das Kommando hab und kein Weib. Ich rat dir eins ... hast'n Weib als Kommandant, wird sie brüllend und schimpfen wie zehn Mann. Liegt an den fehlenden Eiern" meinte er und griff sich demonstrativ an den Sack.

Nun, muss ich bestätigen, dass diese Individuen hier, den Erzählungen des alten Eisenbeins wohl entsprungen sind. Brüllen rum wie die schlimmsten Kutterfahrer. Zollt nicht grad von ihrem Selbstbewußtsein.
Harten Ton bin ich ja noch gewöhnt, doch das ... nun ja.

Einige der Leute wirken immer noch sehr lädiert. Mal sehen ob wir weiterreisen werden, oder ein Tag Ruhe nicht besser wäre.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric sitzt in Decke und auf Kissen eingekuschelt auf dem Boden und schaut zu dem selig schlummernden Aedan. Die kurzen Haaren waren noch ein ungewohnter Anblick. Aber Wulfrics Lippen verziehen sich zu einem Lächeln, als er daran dachte, dass man sich auch noch in ihnen festkrallen konnte. Seine Gedanken schweifen kurz zu der Nacht und ein Glänzen legt sich in seine Augen. "Die Kopfschmerzen waren dann weg" dachte, tunkte die Feder in Tinte und begann in das Buch zu schreiben.

Westwacht, Siebter Tag des Zweiten Monats

Noch sind wir in Westwacht. Gestern wurde ein Tag der Ruhe einberufen und es war eine weise Entscheidung. Die Kranken hatten so einen Tag mehr Ruhe und man hatte Zeit seine Rüstungen aufzubesseren, die Waffen zu versorgen und Aedan hat sein neues Reittier kennengelernt.

Stand unserer Rüstung:

Aedans Kettenhemd hatte einen Riss am Arm. Doch dieser wurde noch geflickt gestern.

Verlust eines Hutes.
Verlust eines Pferdes.
Wenigstens waren die Satteltaschen von Aedan nicht mitverbrannt.

Die Moral der Truppe scheint wieder etwas angehoben zu sein. Ich bemerkte auch einen Umschwung im Ton bei den Kommandantinnen. Sicherlich wurden sie ins Gebet genommen. Mal sehen wie lange das Anhält. Solange sie jetzt nicht anfangen den Leuten Zucker in den Arsch blasen zu wollen ... das wäre nun mal gar nicht das Beste.

Das Abendessen fiel sehr üppig aus und man muss sagen, dass die Küche hervorragend war. Bisher auf alle Fälle mussten wir den Hartkäse, das Knäckebrot und die Ziegenmilch noch nicht anrühren, mit dem wir uns in Valgarde eingedeckt hatten. Als persönlicher Proviant.

Trockenobst wurde aufgestockt und auch eine Tafel Schokolade habe ich bei den Gutstalls ergattern können.

Heute geht es weiter gen Fort. Ich denke wir werden wohl den Weg am Westspeerturm vorbei nehmen, wobei uns das direkt an Skorn vorbeiführen würde. Ein gefährliches Pflaster. Ebenfalls kämen wir vielleicht in Berührung mit den Eisnymphen, die an der Lebendigen Lichtung ihre Heimat haben. Am Lager der Winterhufe werden wir wohl kaum vorbei ziehen. Also geht es wohl am Nordspeerturm vorbei und dann sind wir schon da. Ob die Witwe Daniels noch das Gasthaus führt. Ich nehme an, irgendwie scheint sie unvergänglich wie das Unkraut, welches zwischen den Kürbissen spriest.

Hoffentlich treffen wir auf keine Riesen. Aber so hoch oben sind sie eigentlich nicht anzutreffen, wenn wir nicht den Weg übers Plateau nehmen.

Wulfric schaut auf als er ein Stöhnen aus dem Bett vernimmt und sich Aedan nochmals auf die Seite dreht. Ein Schmunzeln breitet sich auf seinen Lippen aus als er ein Stück verführerische Haut unter der Decke hervorblitzen sieht. Leise legt er der die Feder und das Buch bei Seite. Verkorkt die Tinte und schlüpft nochmal unter die Decke. "Es ist ja noch früh am Morgen" denkt er sich und beginnt sanft Aedan zu wecken.
Aedan hat geschrieben:Pater Aedan sitzt an einem kleinen Tischchen draußen, vor sich eine dampfende Tasse Goldkleetee mit Honig und das aufgeschlagene Expeditionslog des Ordens. Die Tinte ist entkorkt und er betrachtet mit der Feder in der Hand noch eine Weile die Nordlichter, die sich träge bewegen wie der Kopf einer sonnensatten Eidechse auf warmem Stein.

Achter Tag des zweiten Monats, Westwacht


Ja, Bruder Wulfric und ich sind immer noch in Westwacht.
Der Rest der Truppe ist bereits weitergezogen nach Fort Wildervar - ich bete zum Licht, dass sie wohlbehalten und ohne Zwischenfälle, wie wir sie auf unserem Weg hierher erlebten, dort angelangt sind.

Wie Wulfric bereits erwähnte, gönnten wir uns hier zunächst einen Tag der Ruhe, um Kräfte zu sammeln und den Verwundeten ein wenig mehr Erholung zu gönnen.
Am Abend zauberte Schwester Natasi ein vorzügliches Essen und wir unterhielten uns so nett, dass ich es verpasste, mit den anderen Freiwilligen Kanonenkugeln einzusammeln. Als ich schließlich bei ihnen eintraf, waren sie bereits fertig; allerdings kam ich gerade zur rechten Zeit, das Schlüpfen eines kleinen Protodrachen aus einer der "Kanonenkugeln" mitzuerleben.

Kleine Protodrachen sind wahrlich niedliche kleine Tiere. Soweit ich gelernt habe, lassen sie sich zu hervorragenden Reit- und Lasttieren erziehen und besitzen eine recht erstaunliche Intelligenz.
Hier war das Geschrei jedoch zunächst groß und man wollte das Tierchen schon entleiben.
Mein Dagegenreden half dem lichtlob ab...auch, wenn es einen beistehenden Zwerg sehr erzürnte, der der Meinung schien, Drachen seien von klein auf böse und verderbt.
Als ich einwandte, Drachen seien ebenso von klein auf verderbt, wie Zwerge ihren eigenen Rotz aßen und permanent furzten, mißverstand er das und es gab eine kleine, aber spannungslösende Schlägerei, bei der ich zwar unterlag, aber richtig gute Laune bekam.
(Der Mann kann verdammt gut und gezielt austeilen - es stimmt mich froh, ihn in unserer Truppe zu haben.)
Im Anschluß daran brachten Miss Brooks, Bruder Wulfric und ich das Tier zu dem verbrannten Waldstück, wo sich die anderen Protodrachen befinden, zurück.

Wieder in Westwacht, begaben wir uns in die Kaserne, wo Schwester Samielle Bestand aufnahm und anschließend einen Vortrag über die einheimische Fauna hielt. Mit Bestürzung musste ich bei Bestandsaufnahme erfahren, dass der Orden des Erbauers einen Toten zu beklagen hat - den Gefangenen (?), den sie mit sich führten. Sir Veyt schien wie ein Fels in der Brandung und ich sehe mit Freude, wie er den Weg des Paladin geht und ebenso ein guter Ordensmeister zu sein scheint.

Nach dem Vortrag verabschiedete Bruder Wulfric sich mit Kopfschmerzen ins Bett; ich selbst verbrachte den Abend noch mit Schwester Natasi und ihrem Schützling Miss Coralie, Sir Veyt, Lady Steinschlag, Darrgosch Steinschlag, Mondpriester Schattenschlag und Mister Ashford bei einer Flasche besten Arathi-Single Malts und der unterhaltsamen Geschichte (und unglaublich guten Nackenmassage) von Schwester Natasi.
Anschließend ging ich zu Bett und kurierte Bruder Wulfric von dessen Kopfschmerz.

Der gestrige Morgen begann dann zunächst höchst erfreulich und ich war bis zum Frühstück bester Dinge. Allerdings erwies sich eine der Flaschen Ziegenmilch aus unserem persönlichen Proviant als umgegangen und streckte Bruder Wulfric und mich darnieder. Dieses Erbrechen ist mit Worten nicht zu beschreiben - höchst unerfreulich, höchst unerfreulich!

Da wir in diesem Zustand nicht reisefähig waren, beschlossen wir, uns erst einmal magen-darmtechnisch (allein das Wort macht mich krank) zu erholen und später zum Rest der Truppe aufzuschließen.
Celeste versorgte uns bestens mit gutem Brot und heißer Brühe - zusätzlich taten die Tränke, die ich dabei hatte, ihre Wirkung. Ich muss dem Viscount unbedingt eine Nachricht zukommen lassen, dass er Bruder Comgall einige Tränke und Elixiere mitgibt, wenn er zu der Hochzeit in die Sturmgipfel reist, damit ich meine Vorräte für die Reise wieder aufstocken kann.

Ja, die Hochzeit...ich darf nicht vergessen, dass ich auf dieser Reise noch eine Trauung vorbereiten muss. Dass jemand freiwillig in der Kälte der Sturmgipfel heiratet, ist mir unbegreiflich - doch so ist es nun einmal. Die Landschaft hat ja durchaus ihren kalten Reiz.

Heute früh erwachte ich beinahe genesen - es ist mir noch ein wenig flau im Magen und mein Kopf hämmert ab und an gehörig, aber es ist nicht zu vergleichen mit gestern.
Als ich hinunter kam, begrüßte mich die anscheinend ständig betrunkene Gnomin mit einem heiteren "Hallo, Prieschd'r, Eua Schädschen is schon aufn Bain'n!" Offensichtlich meinte sie damit Bruder Wulfric, der bereits einem üppigen Frühstück zusprach - Celeste meinte es wahrthaft gut mit uns.

Nach dem Frühstück hielt ich die Laudes für die Bewohner von Westwacht und nun sind wir auch gleich schon reisefertig.
Die Satteltaschen sind gepackt, die Ziegenmilch ist gegen wirklich frische ausgetauscht und auch mein Talbukhengst hat nun einen Namen.

Seine Hörner sind lila wie das Lieblingsgewand des Abtsekretärs in der ersten Abtei, in der ich gelernt habe - also heißt er nach ihm nun Dinivan.
Das klingt deutlich besser als "elendes Mistvieh", wie Jason ihn genannt hatte.

Einen Teil der Strecke werden wir nun gleich mit Händlern gemeinsam zurücklegen. Ich bete, dass die Reise angenehm und ereignislos wird.
Aedan hat geschrieben:Aedan sitzt ein Stückchen entfernt von den Greifen auf der Plattform der Ammertannhütte, lauscht dem melodischen, aber einförmigen Rauschen der Nadelbäume und des Wasserfalls und taucht die Feder in die Tinte.

Neunter Tag des zweiten Monats, Ammertannhütte

"Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag."
Über diesen Psalm habe ich heute früh meditiert und lange nachgedacht. Möge unser Pfad leuchten und strahlen und möge das fromme Vorbild anderen ein Beispiel sein. Vielleicht sogar in der eigenen Truppe...aber dazu später.

Nach einem recht ereignislosen Ritt, den wir zum Teil mit einer kleinen Händlerkarawane zurückgelegt hatten und zum Teil alleine, indem wir mit stoffumwickelten Hufen unserer Reittiere Vrykulnester umgingen, gelangten wir in Fort Wildervar an.
Gerade noch blieb Zeit für eine stärkende und wärmende Suppe, als auch schon zur Weiterreise geblasen wurde.
(Irgendwie hat Schwester Samielle wohl den Eindruck gewonnen, ich machte mich über sie lustig. Da sei das Licht vor, ich respektiere sie und würde mir derartiges nicht erlauben. Ich denke, das Missverständnis wird rasch wieder vom Tisch sein.)

Als die Truppe gesammelt war, zogen wir geordnet gen Ammertannhütte, doch war es uns nicht vergönnt, den Weg in Frieden zurückzulegen. Der Weg führte uns durch den Bruchforst, welcher in tiefem Nebel lag. Die riesigen Spinnweben an den Bäumen ließen nichts gutes erahnen und die Schreie der Fledermäuse, welche mich anfangs entzückten, verwandelten sich in eisige Nadelstiche, als Schwester Samielle verkündete, es könne sich durchaus um monströse, blutsaugende Kreaturen handeln.
Ich legte einen stillen Segen auf unseren Trupp und betete zum Licht, dass uns eine Begegnung mit solchen Blutsaugern erspart bliebe.

Aus dem Wald heraus lichtete der Nebel sich nicht - darüberhinaus waren allerlei merkwürdige Geräusche zu hören. Heulen...und etwas, das klang, als würden viele Dinge um uns streifen.
Wir saßen ab und sammelten uns an einem verlassenen Wagen - ich glaube, ein wenig südwestlich von Gjalerbron.
Wir entschieden, den Ort nicht allzu nah zu passieren, nahmen die Tiere bei den Zügeln und liefen querfeldein - die mit Platte und Kette Gerüsteten an den Flanken, Magier und Priester innen.

Weit kamen wir nicht - alsbald tauchte im Nebel vor uns ein ungeheures, wolfsartiges Wesen auf. Es fixierte uns mit einer geradezu unheimlichen Intelligenz und begann zu allem Überfluß auch noch, zu uns zu sprechen.
Bruder Wulfric und Miss Eisauge vertrieben mit magischen Kräften den Nebel - was die Situation aber auch nicht besserte. Nun konnte man das Untier einfach nur deutlicher sehen - im Unterholz und im Gras um uns herum schienen sich Unmengen weiterer Kreaturen zu verbergen.
Das Untier sprach in spöttisch-überlegenem Ton zu uns....etwas vom Überleben der Starken im Norden...dass wir Gewürm hier nichts zu suchen hätten und dergleichen.
Es verwandelte sich alsbald in einen riesigen Worgen. Man möge mir meine ungelenke Tintenzeichnung verzeihen - ich versuche, ihn aus dem Gedächtnis wiederzugeben:


Das Wesen griff an - und um uns herum noch weitere....Tiere...oder...Worgen. Ich betete inbrünstig und das Licht gab mir die Kraft, bis ganz zum Schluß auf den Füßen zu stehen. Schwester Simanthy stand in vorderster Reihe, bei den Plattengerüsteten, und entgegnete auf die Aufforderung, sie möge doch bitte hinter sie treten nur "Mein Glaube ist meine Rüstung."
Auch, wenn ihre Worte selbst doch richtig sind, beunruhigte mich doch etwas in ihrer Stimme. Es mag an der angespannten Situation gelegen haben, aber ich glaubte, einen Abglanz von Fanatismus zu hören. Möge das Licht uns davor behüten - nicht nur, weil sie eine der Befehlshabenden ist. Ich habe bei Scharlachroten und Mitbrüdern in der Bruderschaft des Lichts für mein Lebtag genug Fanatismus gesehen - und auch ich muss mich regelmäßig selbst darauf überprüfen.

Ich gebe auch frei heraus zu, dass mir weitaus mehr missfiel, was Hammerfaust an Verhalten an den Tag legte. Mitten im Kampf brüllte er heraus, er wolle nicht gegen die Worgen kämpfen, wir würden alle sterben und dergleichen moraluntergrabenden Unfug mehr. Eine Schande! Eine reine Schande! Furcht vor persönlicher Gefahr entschuldigt eine Tat nicht, wenn die soldatische Pflicht verlangt, die Gefahr zu bestehen. Glücklicherweise schmälerte dieses jämmerliche Verhalten die Kampfmoral der Truppe nicht - auch nicht, als Bruder Robin betend neben mir fortgeschleudert wurde. (Ich hoffe, dass dieser elende, feige Hund von einem Zwerg disziplinarisch belangt wird. Strafarrest wäre das allermindeste und unverhältnismäßig mildeste.) Möge das Licht diesem jämmerlichen Wicht Stärke und Mut verleihen, ansonsten ist er nicht mehr und nicht weniger als eine Belastung für die Truppe. Auf dem weiteren Weg vergeudete er weiterhin wertvolle Munition mit Schüssen auf hramlose Stinktiere.

Beunruhigend war auch, dass eine seltsame Macht Besitz vom Willen einiger aus der Truppe zu ergreifen schien - van Roth benahm sich höchst merkwürdig und griff eine Weile Lady Steinschlag an, auch Miss Eisauge tappte plötzlich ziellos umher und hieb mit ihrer Klinge auf alles ein, was sich vor ihr bewegte. Ich weiß nicht, welche Art der Magie dieser seltsame Worgen beherrschte - jedoch konnten wir ihn mit militärischen Angriffen und der Kraft des Lichtes schließlich zurückdrängen.
Das Tier ließ sich zu einer Platitüde hinreißen, als es uns verließ. "Der Jäger jagt die Beute!" Anschließend streckte er einige von uns, mich eingeschlossen, mit einer seltsamen Macht der Elemente nieder.

Als ich mich von dem Schlag erholt hatte, lagen um mich herum noch einige Bewusstlose und Verletzte. Ich kümmerte mich um Meister Steinschlag und Tods. Als Bruder Wulfric versuchte, sich um Bruder Robin zu kümmern und dessen Wunde zu säubern, verhielt dieser sich wie ein Arschloch...nein, das stimmt nicht ganz. Er verhielt sich wie ein leichtsinniges Arschloch und ließ ihn einfach stehen.
Es mag an der angespannten Stimmung gelegen haben, denn auch ich, kaum fertig mit dem Kümmern um Verwundete, musste mich von Sir Veyt gehässig nach einer Extraeinladung zum Abmarsch fragen lassen.

Die Stimmung war merkwürdig und ich fragte mich, ob die Geringschätzung daran lag, dass wir nur zwei unseres Ordens sind und beide weder Kette noch Platte tragen. Bruder Robin hingegen bekommt Puderzucker in den Arsch geblasen (ich entschuldige mich ausdrücklich nicht für meine Wortwahl), einer der Gründe hierfür ist mit Sicherheit, dass er der Großinquisitor des expeditionsleitenden Orden ist - dennoch ist es vollkommen unnötig. (Mondpriester Schattenschlag hätte einen Preis gewinnen können für den ganzen Honig, den er ihm auf dem Marsch zur Ammertannhütte ums Maul schmierte.)
Er ist kein Mann, der dergleichen nötig hätte. Obgleich ich nicht immer einer Meinung mit ihm bin und wir desöfteren unsere stummen Auseinandersetzungen haben, respektiere ich ihn als einen vom Licht Beseelten, der durchaus Mumm in den Knochen und Verstand im Kopf hat. Er bekleidet seine Position im Orden nicht umsonst.

Auf dem Weg zur Ammertannhütte gab es noch einen Zwischenfall mit Holzfällern, die einem seltsamen Wolfskult anzugehören schienen. Wir müssen über diese dunklen Dinge mehr erfahren, um sie mit Stumpf und Stiel auszumerzen.

An der Ammertannhütte angelangt, wurde ich Bruder Wulfrics Schwester Jennifer Glock vorgestellt, welche mit seinem Schwager die Gastwirtschaft dort nun leitet, da Bruder Wulfrics Eltern sich in Dalaran zur Ruhe setzen. Es gab hervorragenden Apfelkuchen, Mocca und ein heißes Bad.

In der Zwischenzeit wurde anscheinend ein gefangener Worgen befragt - und es liegt mir ein wenig wie Galle auf der Zunge, dass ich hier übergangen wurde, denn er scheint wichtig für die Ermittlungen, in die wir bereits in Sturmwind involviert waren. Nun...ein weiteres Zeichen dafür, dass wir als zwei Abgesandte wohl nur wenig gelten - doch am Ende ist nur wichtig, dass endlich die Verantwortlichen ergriffen und ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Der Gedanke, dass sie Reverend Steenwyck auf dem Gewissen haben, den ich damals flüchtig kennengelernt hatte, ist mir schier unerträglich.
Ein Mord ist schon frevelhaft genug - einen Mann des Lichtes zu töten, ist die reinste Ketzerei und eine Verhöhnung der Mutter Kirche.

"Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Lichtlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Lichts und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm. Nicht so die Lichtlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Darum bestehen Lichtlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn das Licht kennt den Weg der Gerechten; aber der Lichtlosen Weg vergeht."
Wulfric hat geschrieben:Wulfric nimmt sich das Tagebuch zu Hand und blättert zur letzten beschriebenen Seite. Sorgfältig liest er durch, was Aedan zuvor schon geschrieben hatte.
Er setzt sich auf dem Stuhl in seinem alten Zimmer zurecht und öffnet die Tinte, tauchte die Feder hinein und siniert kurz bevor er beginnt zu schreiben.


Mir mißfällt immer mehr was ich sehe und was sich mir offenbart. Unangenehme Erinnerungen aus den Tagen des Kreuzzugs kommen hoch, als wir versuchten die Scharlachroten einzudämmen und ihren Fanatismus abzukühlen. Das Licht bewahre uns vor Fanatismus.

Ebenfalls sehe ich die Augen der Menschen, die hier leben, wie sie auf die Wappenröcke der Faust starren und wie sich ihre Züge verhärten. Einigen ist hier nur allzu gut noch im Gedächtnis was war als wir gegen Abbendis ins Feld zogen, um den Wahnsinn des Scharlachroten Ansturms zu stoppen.

Wulfric pausiert im Schreiben und blickt in die Ferne. Gedankenumwölkt runzelt sich seine Stirn bevor er nach einiger Zeit die Feder wieder in die Tinte tunkt und weiterschreibt.

Mehr als einmal frage ich mich, ob die Faust noch andere Beweggründe für diese Offensive hat als sie offenkundig verlauten lässt. Aber vielleicht sind meine Sorgen auch unbegründet. Wollen wir es beim Licht hoffen.

Ebenso wütend wie beunruhigt hat mich die Leichtfertigkeit von Pater Robin, der Bisswunden von Worgen davongetragen hatte und sie nicht einmal säubern ließe. Wenn er dem Fluch der Worgen zum Opfer fällt, dann gefährdet er alle Mitreisenden. Welch Leichtsinn! Ein Leichtsinn der von Ignoranz und vorallem Arroganz spricht.

Mir fällt ebenso auf, dass Aedan weniger geachtet zu sein scheint, als die anderen beiden Priester die mitreisen. Vom Mondpriester mal abgesehen. Mir mißfällt die Sache ungeheuerlich. Liegt es daran, dass es die Priester der eigenen Reihen sind oder ist es etwas anderes?

Ich werde darauf ein Auge haben.

Irgendwie bin ich froh, dass Mama nicht da ist. Ich habe so das Gefühl, dass sie vielleicht die Geduld mit der Truppe verloren hätte und sie entweder vor die Tür gesetzt hätte oder aber das Nudelholz geschwungen hätte bei dem ein oder anderen.

Meine Schwester jedoch sprach nur sehr ruhig und eindringlich mit mir, wie es große Schwestern schon mal tun und bat mich darum aufzupassen, ihr seien einige der Leute nicht geheuer. Sie schlug das Zeichen des Lichts wie um Böses abzuwehren und insgeheim kann ich auch verstehen wieso.

Noch ein paar Tage und dann reise Aedan und ich weiter in die Sturmgipfel zu der Hochzeit. Auch das erscheint mir komisch. Wer möchte dort heiraten? Aedan hat Vertrauen und ich werde ihn beschützen, komme was wolle.

Wulfric lässt das Geschriebene trocknen, bevor er dann das Buch verschließt und verstaut. Seine Stirn zeigte immer noch eine Sorgenfalte.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric hat sich ins Arbeitszimmer seine Vaters zurückgezogen und beschaute sich die Reihen von Bücher und seltsamen Souvernirs, die seine Eltern gesammelt hatten. Früher als Kind, erinnert er sich hatte er staunend vor einem Schrumpfkopf gestanden und sich gefragt, wie ein Kopf soooo klein werden konnte. Seine Mutter meinte mit einem Lächeln und ihm auf den Kopf tätschelnd, dass dies schon sehr kleine Lebewesen waren als sie starben und das der Entzug von Wasser alles schrumpeln lässt wie Dörrobst. Sein Blick wandert von dem Schrumpfkopf zu einem Drachenzahn, der glattpoliert und mit Runen versehen war und oben im Regal stand. Ein Geschenk der Zwerge, zu Ehren für besondere Dienste. Welche, das hatte seine Mutter nie sagen wollen sondern nur nach einer Weile gelächelt. Wulfric blickte erneut sinierend vor sich hin und tauchte dann die angespitzte Feder in das Tintenfass und begann zu schreiben.

Ammertanhütte, Zehnter Tag des Zweiten Monats

Gestern habe ich meine Beherrschung verloren und obwohl ich mir geschworen hatte, ruhig zu bleiben, so konnte ich nicht länger als mir die blonde Kommandantin, ich vergesse immer ihren Namen, im Hause meiner Eltern mir das Maul verboten hatte, wie einem Nichtsnutz von Sklaven.

Ich wollte gerade aus der Hütte gehen, nach draussen und hatte wahrlich gute Laune gehabt. War ich am Morgen angeln gewesen für die Truppe und als ich mit zwei Prachtexemplaren von Lachsen ankam, wofür mir Schwester Natasi fast um den Hals gefallen wäre, entschlossen wir uns, eine kleine Truppe von Roten, Miss Brooks, Erzmaga Eisauge, Aedan und mir - noch einmal loszuziehen, um weitere Fische zu angeln und wilden Spinat pflücken zu gehen.

Ich wollte zu meiner üblichen Stelle gehen, zu der ich immer mit Papa gehe, doch einer jungen Frau, sie scheint gerade erst zur Frau zu werden, war der Weg zu steil. Ich schlug dann vor ein Stück weiter zu gehen und so gingen wir bis zur Holzbrücke. Dort jedoch waren einige Bären am Fische jagen und es war klüger, doch quer durch den Wald zu gehen, bis wir schließlich doch am Wasserfall angekommen waren. Zwar waren auf der kleinen Insel und am Ufer gegenüber auch ein paar Bären, aber es ware eher Halbwüchsige und keine Jungtiere in Sicht, so dass die Gefahr eher gering war. Bären fressen sich grad ihr Fell fett und wenn man ihnen nicht ins Gehege kommt, lassen sie einen in der Regel in Frieden. Somit warf ich die Angel aus und Aedan machte sich als Einziger ans Pflücken, die anderen hielten Wache und schienen wohl in den Anblick der Bären vertieft.

Das Glück war mir hold und ich zog noch zwei Lachse, ein paar Heringe und einen Schnapper an Land, was uns das Essen mehr als sichern sollte. Bruder Edward wäre blass vor Neid geworden. Gesammelt gingen wir, mit bester Laune zurück.

Der Zwischenfall ereignete sich am Nachmittag, als ich wie geschrieben gerade aus dem Haus gehen wollte. Mir kam eine Worgin entgegen, die einen Gußkessel hinter sich her zog und ins Haus zerren wollte. Meine Mutter hätte die junge Worgin glatt rasiert für dieses Benehmen, dass kann ich sagen und das ist noch nicht mal eine Untertreibung. Ich fragte was das solle und ich wurde nur angeblaftt man wolle schließlich baden.

Ich wies daraufhin, dass es gegen die Hausregeln sei, einen Kessel durchs Haus zu zerren und das es dafür extra Badeeimer gab. Doch ich wurde nur mal wieder ignoriert, als würde ich in die leere Luft reden. Ich rief hinterher, dass dies Konsequenzen haben würde und dass das nicht gingen. Regeln wären Regeln. Was ich bekam war ein zurückbrüllendes "Halt die Schnauze". Das war zuviel. In meinem Haus! Im Hause meiner Eltern. Beim Licht und bei den Gebeinen Uthers, meine Eltern hätten dieses Weib an den Füßen in den Abgrund baumeln lassen für diese Unverfrorenheit und die ganze Truppe aus dem Haus geworfen. Und das wäre wirklich noch das Mildeste gewesen und NEIN ich übertreibe nicht.

Ich ging wutentbrannt hinter her und fragt was dieses Benehmen solle und dass sie sich zu mäßigen habe. Aber ich wurde nur angeschaut und angeredet als wäre ich Irgendwer. "Ich hab bezahlt und gut ist". Regeln scheinen dieses Weib und Weib nenne ich sie bewußt, denn meinen Respekt, den sie hatte durch die letzten durchaus fähigen Führungen, hat sie nun völlig verloren. Wie dumm muss man eigentlich sein, sich wie die Axt im Walde zu benehmen frage ich mich?

Mir gingen in dem Moment sehr viele Dinge durch den Kopf und ich weiß, dass dieser Bauer von einem Weib und auch die Worgin, keine Chance gehabt hätten, hätte ich auch nur eins davon umsetzen wollen.

Wulfric atmet einmal tief ein und aus und tunkt die Feder erneut ins Faß.

Aber ich beherrschte mich, stapfte nach unten als wäre ich ein schwacher Mann ohne Rückgrat und ich kochte innerlich vor Wut. Meine Schwester war selbst nicht minder wütend, doch versuchte sie mich zu beruhigen und schickte mich fort. Wie ich später erfuhr ist sie durchaus hochgegangen und hat die Frau zusammengestaucht und nur von ihr hochnäsig zu hören bekommen "Ich bezahle also bedient mich auch". Meine Schwester war so perplex, dass zunächst nichts tat und wieder gegangen war. Aber ich wage zu bezweifeln, dass dies dabei bleibt. Jennifer ist die Ruhigste von uns allen. Aber es gibt Regeln in diesem Hause und daran hat sich bisher JEDER Gast gehalten. Vom Major, Erzmagier bis hin zum niedrigsten Bauern.

Aedan versuchte mich zu beruhigen und bot mir an, dass ich doch mitkommen solle, sie wollten die Gegend erkunden. Sicherlich kam ich mit, obwohl ich bestimmt schon fast jeden Stein einzeln kannte. Aber mittlerweile ist es mir auch egal, spiel ich halt den Nichtwissenden und reite mit als würde ich mich nicht auskennen. Solange man nicht in ein Nest von Vrykul reitet oder den feindlichen Furbolgs in die Armen läuft ... der Hord vor die Türe pisst oder sich mit diesem Wolfspakt anlegt, der hier irgendwo hausen soll. Wo, dass versuchen wir hier schon eine Weile zu ergründen, doch immer scheinen sie kurz vor entdecken das Lager zu wechseln.

Wir machten eine kleine Rundreise und kamen am verderbten Baumstamm vorbei. Ich hab einige Proben genommen, sowohl von den Saronitwesen als auch von den Schleimlingen die dort hausen. Die Verseuchung scheint neu zu sein, denn bisher waren mir diese nicht aufgefallen und ich war dort ein paar Mal gewesen mit Feli und Cormag.

Wulfric seufzt und blickt nochmal in die Ferne, bevor er wieder die Feder in die Tinte tunkt.

Ansonsten kamen wir noch am Holzfällerlager vorbei. Einst war das Lager eine der Abholzungsstätten der Venture Company und Besitz von Goblins, doch diese verließen die Gegend eines Tages Hals über Kopf. Wie mir bereits von meinem Schwager gesagt wurde, kämpfen hier nun die Soldaten der Kriegshymnenoffensive unter der Führung von Kommandant Bargok gegen die Expedition Valianz unter dem Kommando von Unteroffizier Hartsmann. Der Krieg hört wohl niemals auf.

Ich habe nichts gesagt, die Leute wollten die Soldaten an der Hütte befragen und bekämen eh die selbe Antwort. Also ritten wir noch ein Stück weiter gen Pass von Vordrassil. Die Passage durch den Baum ließ Aedan mal wieder alle Vernunft vergessen und er ritt einfach voraus. Ich musste ihn zusammenstauchen, dass er unvorsichtig wäre. Nun, er ist oft so leichtsinnig, dass es mir das Herz zusammen zieht. Möge das Licht weiterhin über ihn wachen. Doch ich werde noch mehr auf ihn aufpassen müssen.

In der Nähe des Passes kamen wir plötzlich an einem Wagen vorbei. Ich ritt näher und stellte fest, dass hier eine Seherin lagerte, die blind zu sein schien. Doch schwächlich wirkte sie keinesfalls. Hohe Magie strahlte von ihr aus. Ich redete kurz mit ihr und als ich mich verabschiedete sagte sie "Die Gefahr liegt im Dunkeln ... hab Acht!" Ich nickte nur und erzählte es Aedan, der nur eine flapsige Bemerkung übrig hatte.

Der Rückweg zur Hütte verlief ohne Ereignisse. Wir sahen in der Ferne einige Bären im Schneefeld jagen. Ein Spur von Wolfskultisten fanden wir keine.

Auf dem Weg zurück kamen wir am Friedhof vorbei und ich nutzte die Gelegenheit, um Halt zu machen und Cormag zu besuchen.

Eine Träne kullert unbemerkt die Wange herunter und benetzt leicht das Pergament.

"Ach kleiner Bruder, wie sehr ich dich doch vermisse." seufzt Wulfric leise und lässt dann seinen Tränen freien Lauf. Er hatte seinen Bruder beim Abschied, als er das letzte Mal hier war noch lachend in Erinnerung, wie er scherzte und den anderen im Orden seine Grüße ausrichten lies.

Er wollte nicht mit zurück. Wollte hier bleiben und weiter nach diesen Wolfsmenschen suchen. Seine Leiche wurde nicht gefunden. Nur seine blutigen Kleidungsstücke, zerrissen. Tage und Wochen wurde nach ihm gesucht, doch gefunden wurde er nie. Das Grab barg also nichts, ausser seinen Habseligkeiten und den blutigen Kleidungsfetzen.

Wulfric wischte sich die Tränen ab und blieb noch lange so sitzen.
Aedan hat geschrieben:Aedan liest den Bericht Wulfrics im Log des Ordens, nachdem er seinen eigenen Bericht an die Expeditionsleitung fertiggestellt und abgeliefert hat.
Er fährt sich durch die schwarzen Locken und muss an einigen Stellen ein wenig schmunzeln, taucht dann jedoch die Feder in die Tinte und fügt eine Notiz hinzu.


Notiz von Prior Aedan zum aktuellen Eintrag Bruder Wulfrics:
Bruder Wulfric wurde gestern auf seinem hitzigen Fuße erwischt, doch hat er in einem Punkte recht.
Schwester Samielle, wohl selber von erhitztem Gemüte, ließ sich zu einer respektlosen und bäuerischen Bemerkung hinreißen - Miss Fang war offensichtlich ebenso übel gelaunt.
Gäbe es ein Geräusch, wenn Sturköpfe und hitzige Temperamente aneinanderstoßen, die Hügel hätten noch deutlich mehr davon widergehallt und gewackelt als von dem üblen Schiß, der hier so viele Teilnehmer der Expedition zu ereilen scheint. (Ich habe die Bernsteinsamen in Verdacht.)

Ich bin allerdings selber wenig erbaut von der Mentalität, die hier herrschte und sich zusammenfassen lässt mit "Wir haben die Unterkunft bezahlt, also können wir uns auch wie Graf Rotz benehmen und die Unterkunft verwüsten, während wir uns von den Inhabern die Eier schaukeln lassen." Allerdings nehme ich an, dass auch dies eine Folge der erhitzten Gemüter war, denn bislang habe ich die Expeditionsteilnehmer und unsere Befehlshaber anders kennengelernt.
(Auch, wenn er es nicht gerne hört, hat Bruder Wulfric mit seinem Ausbruch und dem Anheizen der Stimmung mit Sicherheit ebenso seinen Teil dazu beigetragen...)

Ich muss kaum hinzufügen, dass wir der Unterkunft bereits verwiesen wurden und spätestens heute Abend weiterreisen werden.

Halten wir uns vertrauensvoll ans Licht - möge seine Kraft und Macht in uns wachsen, uns erfüllen und uns leiten.


„Das Licht ist barmherzig und gnädig,
es hat viel Geduld und viel Liebe.
Es will nicht immer anklagen;
es will nicht ewig nachtragen.
Es verfährt mit uns nicht, wie unsere Taten es verdienen.
Es zahlt uns nicht heim, was unsere Bosheiten wert sind.
Denn so hoch sich der Himmel über die Erde wölbt,
so weit umfängt seine Liebe die, die es respektieren.“
Wulfric hat geschrieben:Sturmgipfel, Zehnter Tag des zweiten Monats

Wir sind in den Sturmgipfeln angekommen. Aedan und ich haben uns vorläufig von der Truppe getrennt, da Aedan morgen eine Trauung zu vollziehen hat. Keine Ahnung welche Irren in diesem Niemandsland heiraten wollen.

Ich bin glücklich mit einem Greifen zu reisen. Die Vorbestellung an die Brigade hatte hervorragend funktioniert. Allerdings ist es scheißekalt und das obwohl wir eingepackt sind wie eine Zwiebel und doppelt so dick wie normal hier ankamen.

Unterwegs habe ich eine Probe nehmen können von einem zugefrorenen, riesigen Wasserfall. Die Landschaft ist faszinierend aber was ich sehen konnte ... tödlich. Aus der Ferne nahm ich Drachen war und riesenhafte Gestalten die gegen sie kämpften. Das müssen die Hodir sein von denen ich gelesen habe. Faszinierend.

Wir nächtigen in einer sehr einfachen Unterkunft im Schatten von Ulduar. Hoch oben im Berg. Die Zwerge hier sind sehr anders, aber waren sehr höflich. Es ist jedoch arschkalt hier. Die Felldecken und Feldbetten sei Dank, die wir bekommen haben.

Ein weiterer Bericht über die Ammertannhütte, die Abreise und die Ankunft in der Westfallbrigade wird folgen.

Wulfric steckt zitternd das Buch weg und die Tinte, welche er zuvor hatte leicht erwärmen müssen, damit er überhaupt schreiben konnte. Aedan lag bereits dick eingemümmelt in seine Decken und nur seine Augenbrauen schauten heraus. Sein Atem ging ungleichmäßig und Wulfric schon sein Lager noch ein wenig näher und kuschelte sich so eng wie möglich an Aedan. Ein Seufzen und ein Einschnuckeln zeigten ihm, dass Aedan auch noch nicht schlief. Langsam ließ das Zittern der beiden nach, als sich die Körperwärme des Anderen bemerkbar machte und sanft schlummerten sie ein.
Aedan hat geschrieben:Aedan sitzt in Hemd, Gambeson, dicker Hose und winterlicher Robe in einen Mantel gehüllt auf seinem Feldbett, das Expeditionslog auf den Knien und haucht sich in die kältesteifen Hände.

Elfter Tag des zweiten Monats, Sturmgipfel, Bergfels Zuflucht

Was für eine unselige Kälte!
Gestern Abend sind wir hier angelangt - Bergfels Zuflucht ist ein kleines Lager, welches kaum den Namen Gaststätte verdient, gleich unterhalb von Ulduar. Geführt wird der Betrieb von Irdenen und dieser Ort im gefrorenen Nirgendwo hat sogar einen Briefkasten. Man stelle sich das einmal vor!

Die Tatsache, dass es hier kein Feuer gibt und die Zuflucht in den Berg hineingebaut ist, an den sie sich schmiegt, mag Zeugnis ablegen von den eisigen Temperaturen, die hier herrschen.

Den Irdenen scheint dies nichts auszumachen. Bei ihnen vermag ich nicht zu sagen, ob sie Kleidung tragen oder nicht - es sieht alles aus wie Stein.
Soweit ich weiß, sind sie die ersten, die von den Titanen nach deren Kampf gegen die Alten Götter geschaffen wurden. Abgesehen von ihrem steinigen Erscheinungsbild und den diversen leuchtenden Stellen an ihnen, sehen sie den Zwergen recht ähnlich.

Soeben habe ich dem Ablauf der Hochzeitsmesse den letzten Schliff gegeben und hoffe, dass mir während der Trauung nicht die Lippen zufrieren, während ich spreche. (Vielleicht sollte ich lächeln, so dass das Lächeln einfriert und vielleicht noch zu sehen ist, wenn wir zum Lager der Westfallbrigade zurückkehren....)

Alles in allem war der Tag gestern höchst unerfreulich. Wir packten unsere Sachen, da Mrs. Glock uns vor die Tür gesetzt hatte. Die Streithähne Bruder Wulfric und Schwester Samielle haben sich zwar beieinander entschuldigt und fürs erste wieder Frieden geschlossen, doch wurde ich vor Abreise noch zu Schwester Simanthy gerufen.

Sie warf mir allen Ernstes vor, ich sei die treibende Kraft hinter dem Rauswurf gewesen. Als ich dies verneinte und klarstellte, war es zunächst Bruder Wulfric, danach gleich mein ganzer Orden, der die Expedition zu unterminieren versuchte. Ich habe meinen Mann nicht im Griff und dergleichen.
(Bruder Wulfric ist Soldat - ich muss ihn Licht weiß nicht kontrollieren; er weiß, wie er sich zu verhalten hat. Dass diese lächerliche Streitigkeit aufgebauscht und das Temperament der Gastwirtin nun der Bruderschaft zur Last gelegt wird, ist wahrhaft grotesk. Streit, Handfestigkeiten etc. gehören zum soldatischen Lager wie die Sonne an den Himmel.)

Nun, es gelang mir, ruhig zu bleiben und gegen diese haltlosen Vorwürfe zu sprechen - doch dies wurde mir nur als Herunterspielen ausgelegt. Damit kann ich leben, nicht jedoch mit der Drohung, die Schwester Simanthy ausstieß. Man würde noch sehen, wie herunterspielenswert dies alles sei, wenn Bruder Wulfric eine Kugel zwischen die Augen bekäme.
Ich bin noch ganz betäubt von dieser Ungeheuerlichkeit und frage mich, was diesen Wahnsinn ausgelöst hat. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Schwester, die sogar unter ihren Verbündeten Verrat und Ketzerei zu wittern scheint. Das Licht möge geben, dass es sich hier nicht um den verblendeten Fanatismus handelt, wie wir ihn bereits vom Scharlachroten Ansturm kennen.

Ich sandte gleich ein Schreiben diesbezüglich an unsere Ordensleiter, sollte uns etwas zustoßen. Mein Zorn wird nur noch überwogen von meiner Trauer. Es macht mich fassungslos und trübsinnig, zu sehen, dass der Orden, dem wir uns anschlossen, um Unterstützung zu geben und Einheit auf dem Wege des Lichtes zu demonstrieren, uns dermaßen zu misstrauen und missachten scheint.
Ein übriges tun hier die vor Geringschätzigkeit triefenden Gesprächsfetzen, die ich aus einer Unterhaltung Schwester Simanthys mit dem jungen Bruder Robin mitbekam, als ich an meinem Segen schrieb. Ich wünschte beim Licht, ich hätte sie nicht gehört und könnte unbeschatteten Herzens mit der Truppe weiterziehen. Entweder fürchten sie irgendetwas in uns....oder sie sind wahrhaft verblendet von gefährlichem Fanatismus und Selbstüberschätzung.

Meine Seele verdüstert sich bei diesen Gedanken und ich habe die halbe Nacht betend verbracht. Betend für sie, uns und unsere Mission. Sollten die Mannen des Lichtes nicht einig den gerechten Pfad beschreiten?

Es fällt mir schwer, dies noch den erhitzten Gemütern zuzuschreiben. Solche Ungeheuerlichkeiten darf es einfach nicht geben und es lässt mich nachdenklich gegenüber ihren wahren Motiven werden.
Nun...ich versuche, mich an jenen Psalm zu halten: "Ertragt einander in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens."

Wenn ich bedenke, was wir miteinander alles erreichen könnten. Wir Priester können doch weitaus mehr als das, was man gemeinhin von uns erwartet. Zumindest bin ich davon überzeugt, dass auch die anderen darin ausgebildet wurden. Uns wurde gelehrt, das Licht zum Schutze einzusetzen...ebenso wie zur Verteidigung und zur Vernichtung des Bösen. Gemeinsam könnten wir unglaublich erfolgreich gegen das Dunkel schreiten.

Ich habe Zuversicht. Die Truppe ist gut. Es sind wahrhaft gute Leute und ich schätze und respektiere viele von ihnen, auch, wenn ich immer noch nicht alle wirklich kennengelernt habe. Darüberhinaus steht uns, soweit ich weiß, nach Klärung der ganzen Hitzigkeiten auch die Ammertannhütte für den Rückweg wieder offen. Ich verstehe immer mehr, warum Eligor mich besonders viel meditieren und mein Temperament zügeln ließ.

Nun muss ich nochmals die Liturgie durchgehen. Welcher Wahnsinn, in dieser Scheißekälte heiraten zu wollen. Bruder Eldarion aus dem Orden der Scharlachroten Faust bekam es aufgrund seines Verhaltens untersagt, mit uns zu reisen und der Trauung seiner Stieftochter in spe beizuwohnen.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric sieht zu Aedan hinüber der mit dem Wirt über Haferschleim diskutiert. Mit leichtem Ekel verzieht Wulfric das Gesicht als er an die Pampe vom Frühstück denkt. Er konnte es nicht essen und hat dankend abgelehnt und sich an den privaten Vorräten von Hartkäse, Hartwurst und einem Kanten Brot gütlich getan. Noch einmal schüttelt sich Wulfric leicht, bevor er mit Schreiben beginnt.

K3, Sturmgipfel, Zwölfter Tag des Zweiten Monats

Wir befinden uns noch in den Sturmgipfeln, werden aber bald weiter reisen, damit wir noch heute - so das Licht es will - wieder in den Grizzlyhügeln eintreffen werden.

Die Greifen sind ausgeruht, gefüttert und befinden sich in guter Verfassung. Es dürfte also kein Hindernis sein. Außer das Wetter spielt nicht mit oder es geschieht sonst etwas.

Die Hochzeit am gestrigen Abend war sehr interessant gewesen. Es waren wenig Gäste anwesend. Bei der Lokalität jedoch wohl eher kein Wunder. Einige Diener sind auch mit angereist, was man bei so Herrschaften ja auch annehmen muss.

Die Trauungszeremonie wurde von Aedan, wie immer, wunderschön gehalten und es war erhebend seinen Worten zu lauschen. Er scheint dann immer so von innen herauszustrahlen.

Wulfric setzt kurz ab und schaut sinnierend Aedan an.

Bruder Comgall O'Finnigan war extra angereist. Scheint aber entweder wärmere Kleidung nicht wirklich im Gepäck gehabt zu haben, oder sein Blut war sehr in Wallung. Seine musikalische Untermalung der Trauung war jedoch auch sehr erhebend gewesen. Die Gäste waren alle samt sehr ergriffen.

Eigentlich sollte Bruder Comgall mit uns zu den Grizzlyhügeln zurückreisen, aber der Mangel an passender Kleidung machte dies unmöglich und so beschaffte ich ihm am Ende ein Portal in die Heimat. Er musste Aedan jedoch zusichern, dass er sich dem Trupp anschließt, wenn er seine Rüstung in Schuß hat. Sein Einwand, er bräuchte doch sicherlich zu lange, um anzureisen, quittierte Aedan nur mit einem Augenbrauenzucken und der Bemerkung, dass er es ja auch hier her geschafft hätte.

Manches Mal staune ich über die Gedankenlosigkeit des Bruders. Reist in dieses unwirtliche Land ohne Kettenhemd, Gambeson und richtigen Klamotten. Meiner Meinung nach täte ihm so eine Expedition sehr gut.

Nach der Trauung verabschiedeten wir uns von der Festgesellschaft, doch recht bald, da wir noch ein gutes Stück reisen wollten, bevor wir unser Nachtlager bezogen.

Beim Landanflug hörte ich ein tiefes Trompeten, dass mir den Schauer über den Rücken hat laufen lassen. Es wurde uns später erklärt, dass wir wohl einen Mammut gehört haben müssen. Aedan und ich wollen gleich noch einen Erkundungsflug wagen, bevor wir weiterreisen.
"Egal wie tief man die Messlatte für menschlichen Verstand auch hängt, es gibt jeden Tag einen, der aufrecht drunter durchgeht!"
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Re: Tagebuch der Bruderschaft

Beitrag von Veyt » Fr 8. Feb 2019, 10:16

Aedan hat geschrieben:Aedan sitzt warm eingepackt an eine Kiste gelehnt auf einem Stapel Decken und legt den Kopf in den Nacken, um in die Wipfel der Bäume zu schauen, die das kleine Lager umgeben. Der Wind in ihnen suggeriert mit seinem Gesang das Empfinden eines trügerischen Friedens.
Leise wird er angesprochen und aus seinen Gedanken gerissen - vor ihm steht Chronist To'kini und reicht ihm mit einem hauerbewehrten Lächeln eine Tasse Tee. Aedan nickt dankbar, nimmt die Tasse an sich und atmet den warmen Dampf, der von der Flüssigkeit aufsteigt. Talandras Rose.... Aedan lächelt, als er das feine, rosige Aroma genießt und nickt Bruder Wulfric zu, der ein paar Meter entfernt selbst mit einer Tasse Tee bei einem Gespräch mit Khufu sitzt.
Er nimmt einen weiteren, kleinen Schluck, bevor er seine Feder in die Tinte taucht.


13. Tag des zweiten Monats, Zul'Drak, Zim'Torga


Eigentlich wollten wir um diese Zeit schon längst zurück sein im Lager der Westfallbrigade in den Grizzlyhügeln. Aber was wäre das Leben ohne Überraschungen...? Ein langer, ruhiger Fluß in dem wir ereignislos dahindümpeln, bis unsere Seelen sich ins Meer ergießen und zum Lichte heimgehen....
Manchmal freilich wäre ein kurzes Dahintreiben in jenem Fluß durchaus angenehm. Nun, es kommt oft anders als man denkt.

Nach dem Frühstück im Gasthaus am K3 erkundeten wir kurz die Umgebung dort und Bruder Wulfric machte einige Aufzeichnungen, bevor wir bei Dun Niffelem über das Bergmassiv nach Zul'Drak flogen.
Von den Bergen aus sieht es so friedlich aus - und eigentümlich schön.
Immer noch beeindruckt mich die riesige Fackel von Gundrak - ein schrecklicher Leutturm in unbestimmter Ferne.

Als wir unseren Weg fortsetzten, sahen wir die Geißelreste. Es war bedrückend, nach mindestens sechs Jahren, die ich nicht mehr hier war, beinahe noch das gleiche Bild vorzufinden und der Wunsch, hier das Licht zu bringen, wuchs beinahe schmerzlich in meiner Brust.

Unser weiterer Weg führte uns knapp an der Festung Zol'Maz vorbei - offensichtlich etwas zu knapp. Einer der Fledermausreiter bemerkte uns, folgte uns und griff uns mit seinen Feuerbomben an. Mit geeinten Kräften wurden wir seiner Angriffe zwar Herr - er wurde von seinem Reittier geschleudert, welches in Richtung des Altars von Mam'Toth floh - doch waren wir beide leicht verletzt worden, bevor er das Zeitliche segnete.
Bruder Wulfric erlitt eine leichte Verbrennung am rechten Oberschenkel, bei mir erwischte es (wieder einmal!) den linken Arm. Mein Greif trug eine leichte Verletzung an seiner linken Schwinge davon, so dass es erst einmal unumgänglich war, im nahegelegenen Zim'Torga zu rasten.

Der Greif wurde mit meinen Heilgebeten und der Fürsorge eines zufällig anwesenden Argentumarztes behandelt - ebenso wie unsere Verletzungen. Gleich werde ich auf einen vorsichtigen Probeflug gehen und schauen, ob es dem Tier wirklich wieder gut geht und wir später heute weiterreisen können. (Mit einer kurzen Rast bei der Argentumwacht.)
Dr. Westerby ist der Ansicht, wir seien alle so gut wie neu und ich danke dem Licht dafür, dass wir so glimpflich davongekommen sind und vor allem für die Kraft, die es uns verlieh, den Angreifer zu seinen Göttern zu schicken.
Ich muss an einen Psalm in meinem Gebetbuch denken:
Licht, Deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und Deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Lobe das Licht, meine Seele, und vergiss nicht was es dir Gutes getan hat. Das dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric sitzt im Schneidersitz auf einem Baumstamm und knabbert sich leicht überlegend auf der Unterlippe bevor er einen Nachtrag verfasst.

Bevor wir vom K3 aufgebrochen sind konnten wir noch ein paar Tiere und Wesen auskundschaften, die dort heimisch sind. Hier sieht man ein Mammut. Riesige Tiere, aber sehr friedlich.



Es scheinen Pflanzenfresser zu sein.

Die Gnollart, die überall zu leben scheinen, scheint sich auf deren Fleisch spezialisiert zu haben. Wir haben eine Gruppe beobachtet, die eine erfolgreiche Jagd hatten und eines dieser wunderschönen Tiere gerade am zerlegen waren.

Dann habe ich aus der Ferne Magnatauren und Schneebolde wahr nehmen können.

Hier sieht man einen Magnatauren. Grimmige und riesenhafte Genossen die definitiv NICHT friedlich sind:



Unterwegs an einem Schneehang lebte eine Gruppe von Bergyetis. Sie erinnerten mich entfernt an Affen. Jedoch tragen sie Schmuck und Rüstung ... scheinen gegebenenfalls über eine noch Größere Intelligenz zu verfügen.



Wir überflogen ein Lager der Hyldnir, doch von sehr weit oben konnte ich nur ausmachen, dass es ein Dorf zu sein scheint. Die Protodrachen, die am Himmel kreisten, jagten mir Respekt ein und ich stieg mit meinem Greifen höher.

Ebenfalls konnte ich die legendären Hodir aus der Ferne sehen .... RIESEN. Wir wagten uns nicht näher und sind dann gen Zul Drak geflogen.

Ich konnte zwei Proben entnehmen. Die eine stammt aus einem Krater, der mit blau leuchtender Substanz durchzogen war. Es scheint den Anschein von einer Art Blut zu machen.

Die nächste Probe entnahm ich mit größten Vorsichts- und Schutzmaßnahmen aus einem verseuchten Bereich. Hier hat sich die Seuche weitverbreitet und sickert in den Boden. Sie wirkt jedoch nicht wie die Seuche, die man in den Köngireichen geborgen hat - sondern scheint mutiert zu sein.

Wulfric setzt noch sein Zeichen darunter und klappt das Buch zu, als Aedan ihn ruft.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric schaut zu seinem Greifen, der gerade am Fuß verarztet wird, von einem Wildhammer-Zwerg der Argentumwacht. "Vielleicht kann ich ihn ja behalten..." sagt er leise. Aedan schaut von seinem Lager auf und brummt etwas. "Du Ärmster" spricht Wulfric leise, "dich geb ich auch nicht mehr her. Nie wieder, mein Schatz". Aedan lächelt mit leicht verzogenem Grinsen, was mit dem blauen Auge, das er sich eingefangen hat, etwas grotesk wirkt. Mit sanfter Hand streichelt Wulfric sanft über Aedans Kopf, klappt das Buch auf und beginnt zu schreiben, als er neben sich sanfte Schlafgeräusche vernimmt.

Zul'Drak, Argentumwacht, Dreizehnter Tag d. Zweiten Monats

"Sei ohne Hast und nutze das, was der Tag dir bringt", das sagte mein alter Lehrmeister Erzmagus Morgenes immer zu mir. Nun, die Hast wurde uns genommen.

Wir waren gerade erst von Zim'Torga losgeflogen und näherten uns der Argentumwacht. Als wir ein schreckliches Kreischen unter uns vernahmen. Aus den Bäumen über die wir segelten schoßen mehrere Fledermäuse. Doch als sie näher zu uns nach oben flogen, erkannten wir, dass es sich nicht um Fledermäuse sondern um Gargoyles handelte. Feldermaus-Wesen, mit einem schrecklichen Gebiss, furchtbaren Klauen und einem ohrenbetäubenden Lärm.

Ihr Schrei betäubte mich fast und ich konnte keinen Zauber wirken. Mein Greif packte sich drei Angreifer und zerriss sie in der Luft, bevor ein Vierter ihm ins Bein biss.

Aedan's Greif spießte einen mit seinen Hörnern auf, wobei Aedan jedoch vom Flügel des Wesen getroffen wurde und fast aus dem Sattel geworfen wurde. Bevor dies geschah, hatte sein Greif das Wesen weggeschüttelt.

"STURZFLUG" brüllte Aedan mir zu und wir beide sausten mit unseren Greifen, tiefer gen Boden zu, wo wir unter uns die Argentumwacht ausmachen konnten.

Pfeile und Blitze schossen an uns vorbei und hinter uns kreischten die Flügelmonster. Als wir landeten wurden wir erst einmal von den Argentumwachen umzingelt, mit Schwertern und Speeren festgehalten.

Wir beiden schlugen das geheime Argentumzeichen vor der Brust, welches wir beide durch unsere Dienstzeit noch kannten und sogleich wurden die Waffen heruntergenommen.

Von hinten erscholl jedoch ein Fluchen vom Feinsten.

"Wenn das mal nicht der kleine Aedan ist!" brüllte es mit bärig-tiefer Stimme.

Aedan, dessen rechtes Auge bereits am zuschwellen war, schaut um sich und fluchte wie ein Rohrspatz, als er aus dem Sattel glitt.

"Ganz der Alte, wie ich sehe!" sagte dann ein Hüne von einem Mann.
"Bruder Isgrimnur?" fragte Aedan und wurde dann sogleich von eben jenem in die Arme geschlugen, dass ich schon befürchten musste, dass der Mann ihm noch ein paar Rippen brechen würde.

Wie sich herausstellte, war es eben jener Bruder Isgrimnur, der jetzt so im Alter meines Vaters, als um die 65 Jahre, sein muss.

Wir wurden medizinisch versorgt, mal wieder.

Mein Greif, wie ich gerade während dem Schreiben erfahre, eine Dame, hat einen nicht allzutiefen Biss am Bein, der gereinigt wurde. Sie trägt einen Verband und wirkt nicht sehr erfreut darüber. Da sie aber frisst, meinte der Zwerg, wäre alles halb so wild. Er gratulierte mir zu meinem Greifen.

Vielleicht kann ich sie wirklich kaufen. Ich habe sie ins Herz geschlossen.

Morgen wollen wir dann aufbrechen zu dem Trupp.

Wulfric legt das Buch zur Seite, nachdem der Eintrag getrocknet ist und geht noch einmal vors Zelt und setzt sich zu einigen Soldaten des Lagers. Einige Zeit später gesellt sich auch Aedan hinzu und beide sitzen noch eine Weile und reden ernst und eingehend, lauschen, lachen und trinken.
"Egal wie tief man die Messlatte für menschlichen Verstand auch hängt, es gibt jeden Tag einen, der aufrecht drunter durchgeht!"
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Re: Tagebuch der Bruderschaft

Beitrag von Veyt » Fr 8. Feb 2019, 10:17

Wulfric hat geschrieben:Wulfric schaut auf Aedan der im Gebet vertieft ist und beginnt dann einen Nachtrag zu verfassen.

Vierzehnter Tag im Zweiten Monat, Westfallbrigade, Grizzlyhügel

Nachtrag:

Hier sieht man eine Skizze eines der Gargoyls, die uns angegriffen hatten:



Wir sind heute sicher von der Wacht ins Lager zurückgereist und haben unser Zelt wieder bezogen.

Die Stimmung im Lager wirkte gedrückt. Wir erfuhren, dass wohl das Worgenrudel wieder angegriffen hat und die Truppe terrorisiert.

Es wurde ein Worgen hingerichtet.

Schutzwall ums Lager verstärkt und angebracht. Schutzkuppel errichtet. Das dürfte erst einmal standhalten gegenüber Flüchen, Magie jeglicher Art und kleineren Geschossen. Aedan hat die Schutzzauber mit seinen Gebeten verstärkt.

Ein Gefangener des Scharlachroten Ansturms ist im Lager. Eine Tatsache, die ich nicht einzuordnen weiß. Gesagt wurde uns bisher nichts.

Status: Adean und ich, beide leicht verletzt. Moral hoch (zumindest bei uns)
Wulfric hat geschrieben:Es war früh am Morgen, der Tau glänzte naß auf den Wiesen und Bäumen. Wulfrics Haare waren ebenso leicht benetzt von der frühmorgendlichen Feuchte. Er war noch vor der Morgenröte aus dem Zelt gehuscht und war seinen Schutzwall leise abgegangen, um die Magie zu kontrollieren und seinen Gedanken Raum für Stille zu geben.

Er hatte gestern schon das Gefühl gehabt, dass die Hinrichtung des Worgen keine gute Idee wäre. Sicherlich kannte er es vom Argentumkreuzzug, dass dies durchaus üblich war, wenn der Gefangene nach Ärger stank und nichts mehr zu sagen hatte ... doch hier, hatte Wulfric ein mehr als ungutes Gefühl gehabt. Als dann dieser Bjarnfang erschien und den Tod seine Sohnen betrauerte und ihn mitnahm, nachdem er ihnen den endgültigen Tod geschworen hatte und vielleicht noch Schlimmeres als diesen ... da sollte sich sein Gefühl bewahrheiten. Er und Aedan waren noch eine Weile aufgewesen und hatten leise im Zelt miteinander geredet, bevor sie sich dann im Dunkeln und in der Stille, die man lernt bei großen Feldlagern, eng aneinander schmiegten und der Liebe, die sie nun schon seit so langen Jahren verband, ihren Lauf ließen.

Mit einem Klumpen im Magen war Wulfric aufgewacht und hatte unruhig um sich geschaut. Es war als würde etwas Dunkles, etwas Schlimmes geschehen. Voller Unruhe hatte er sich angekleidet und nach draussen gespäht, dass Lager war ruhig und nur die Nachtwachen patroullierten herum.
Leise war er aus dem Zelt gekrochen, um Aedan nicht zu wecken. Die Schutzwälle und die Schutzkuppel hielten und Wulfric hatte sie noch verstärkt. Ruhig und langsam war er zum Zelt zurückgekehrt, das Lager begann sich sanft zu regen. Aedan schlief noch, als Wulfric sich das Tagebuch griff, das Tintenfass entkorkte, die Feder neu anspitzte und anfing zu schreiben.


Fünfzehnter Tag des Zweiten Monats, Westfallbrigade, Grizzlyhügel

Mein schlechtes Gefühl im Hinblick auf die Hinrichtung des Worgen sollte sich bestätigen. Gestern Abend tauchte noch Bjarnfang hier auf ... man hatte seinen Sohn gerichtet.

Das Licht stehe uns bei, einem Irren gegenüber zu treten, der nun auch Rache für sein eigen Fleisch und Blut nehmen würde.

Er drohte und versprach und ... er will als "Ersatz" eine Frau des Lagers haben. Ich bin mir sicher, dass die Wachen für die Frauen verstärkt werden. Das Licht bewahre.

Heute Morgen habe ich bereits die Schutzwälle und die Kuppel kontrolliert. Alles war noch in Ordnung, doch ich habe sie noch ein wenig verstärkt. Ich habe ein ungutes Gefühl und ich fürchte, dass etwas Schlimmes geschehen wird. Etwas Grausames ... mein Herz schnürt sich zusammen, doch ich weiß es ist nicht die Furcht die mir zuschaffen macht. Als ich am Turnierplatz, an der Eiskrone stationiert war, da hatte ich Furcht gespürt und töricht ist der, der nicht die Furcht spürt und akzeptiert ... doch dieses Gefühl, was sich meiner bemächtigt ist anders ... es ist ... schlimmer. Möge das Licht mich erleuchten und mich und Aedan schützen, so wie uns alle.

Wulfric blickte zu Aedan und strich ihm dann zärtlich über den Nacken. Wie er ihn liebte. Ein leiser Seufzer entschlüpfte ihm und er legte das Buch beiseite, nachdem die Tinte getrocknet war. Sanft weckte er Aedan.
Wulfric hat geschrieben:Der Morgen des 16. Tages im Zweiten Monat brach an, Wulfric saß immer noch mit gekreuzten Beinen im Zelt, auf seinem Schoß ein Foliant, dessen Einband zu schimmern schien und ein Surren erfüllte die Luft im kleinen Zelt von Aedan und Wulfric.

Seit gestern Abend, nach dem Angriff der Worgen und nachdem er von Aedans Verschleppung erfahren hatte, saß er dort. Immer wieder und wieder tauchte Aedans lächelndes Gesicht vor ihm auf und er spürte die Liebe, die ihn ihm brannte, unbemerkt liefen Tränen seine Wangen hinunter und das Auf und Ab seiner Intonationen ging weiter.

Doch was war geschehen?

Bjarnfang hatte seine Drohung bewahrheitet und es erfolgte ein Angriff aufs Lager. Aedan war am Haupteingang des Lagers postiert gewesen und Wulfric am anderen. Sie hatten gekämpft wie die Bersker und etlichen Worgen das Leben genommen, zum guten Schluß entkam nur Bjarnfang und noch ein Worgen, soweit Wulfric sehen konnte.

Ein halb-verbrannter Gefangener befand sich im Lager. Überall lagen Verletzte verstreut und Wulfric schaute sich sofort nach Aedan um ... doch ... er konnte ihn nicht finden. Bei seiner Suche stolperte er fast über ein Mitglied der Wache und beugte sich zu ihm runter. Der Mann atmete, Wulfric richtete sich wieder auf und schaute sich um, kein Aedan in Sicht. Verbissen wandte er sich wieder dem Mann zu und brachte ihn in eine stabile Seitenlage, damit er nicht an seinem eigenen Rotz ersticken konnte. Sein Gesicht sah übel aus, das was sein Blut war und das von Worgen, war nicht ersichtlich für Wulfric.

Der Mann war stabil und so erhob sich Wulfric, sein Körper schien innerlich zu beben, die Wunde an seinem Kopf pochte, doch war die Blutung schon gestillt. Er drehte sich und blickte um sich, doch er sah nicht die allzu vertraute Gestalt seines Gefährten und Mitbruders. Wo war sein lebendes Licht? Wo?

Wie im inneren Nebel ging er durch die Reihen und seine Blicke versuchten eine blaue Robe zu erhaschen ... rabenschwarzes Haar ... doch nichts. Nichts als Blut, Gedärme und Verletzte.

Wulfric taumelte zu einer der Worginnen, es mag die Köchin gewesen sein, so klar konnte er es nicht ausmachen. Sie kniete über einem Worgen, dessen Fell verbrannt war und der schwach atmend da lag. "Ein Gefangener, meiner Gefangener" erklärte sie und wollte wissen, wie man nur die Hitze eindämmen könnte.

Wulfric zog mit seinem Zauberstab über den Worgen und sprach im Geiste einen Erkühlungszauber, sanft legte sich eine kühlende Schicht über den Gefangenen.

Erneut wandte sich Wulfric ab, ging an einer der Kommandantinnen vorbei, der Blonden O'Carroll, die über einem der ihren hing, und wohl betete oder schimpfte ... er hörte es nicht wirklich.

Seine Augen, seine Sinne suchten nach Aedan, aber er konnte ihn nicht finden. "AEDAN" hörte er wie aus Ferne sich selbst rufen ... doch es erscholl keine Antwort. Zumindest nicht von Aedan, sanft bohrte sich der Name Aedans in seinen Gehörgang und wie in Trance drehte er sich um.

Dort am Boden lag der junge van Roth, keuchend, röchelnd und von seinen Lippen tropfte Aedans Name. Wulfric stolperte zu ihm und ging auf die Knie: "Aedan, wo?"

"Sie ... haben ... ihn ... konnte nichts machen ..." keuchte van Roth.

Die Worte hämmerten sich in Wulfrics Gehirn. SIE HABEN IHN!
Beim Licht seine schlechte Vorahnung hatte sich bewahrheitet. Sie hatten ihm das genommen, was ihm noch teurer war als sein Leben. Sie hatten ihn ... Aedan ... Aedan ... Aedan.

Wulfric nahm nicht wahr, dass er in die Weite starrte, gen Wald und auch nicht, dass seine Augen von dem grün-braun zu schwarz wechselten. Ein schier unmenschliches Brüllen, fast schmerzhaft für nicht menschliche Ohren stieg aus seiner Kehle empor und hallte über das Feld.

Der Ton verebbte ... und das Nichts blieb. Wulfric drehte sich um, seine Augen so schwarz wie Kohle. Überall Verletzte. Wie von Geisterhand gelenkt kümmerte er sich um die Blutungen und stoppte diese mit einem Zauberspruch, den seine Mutter ihm gezeigt hatte.

Nachdem diese Arbeit getan war, führten seine Beine ihn zu dem Zelt, er öffnete die Klappe und ein sanfter Hauch von Rosenduft stieg ihm in die Nase. Wulfric stockte kurz und fühlte einen brennenden Schmerz in der Brust, dann ging er weiter, entkleidete sich, wusch sich, zog sich wieder an und setzte sich dann im Schneidersitz hin.

Er zog ein Buch aus einer seiner Taschen, schlug es auf und die Seiten blätterten automatisch nach vorne, bis der richtige Zauber gefunden war. Wulfric langte unter sein Hemd und zog an einem Lederband, welches um seinen Hals hing. Langsam zog er ein Schmuckstück hervor und über den Kopf. Er legte den Ring, den ihm einst Aedan geschenkt hatte, an ihrem Jahrestag vor vier Jahren, auf seine linke Handfläche, blickte ins Buch und begann zu intonieren.

Das war vor der Nacht geschehen und die Intonationen schwollen auf und ab, leise wie das Branden der Wellen an die Küste, die ganze Nacht hindurch.

Einmal schien es ihm, als ob jemand an sein Zelt getreten war und vor der Klappe sanft das Wort an ihn richtete. Doch Wulfric war so in der Konzentration versunken, dass die Welt um ihn herum hätte zu Staub zerfallen können, er hätte es nicht bemerkt.

Der Morgen hatte bereits gegraut, als der Ring auf Wulfric's Linker wärmer wurde. Wulfric's schwarze Augen wandten sich dem Ring zu und er sah einen s bläulichen Schimmer um den Ring herum. Seine Worte wurden wieder fester und aus dem sanften Schimmer wurde ein stärkeres Glühen. Das blaue Leuchten hob sich vom Ring empor, formte sich zu einem kleinen Lichtpunkt, so unscheinbar wie ein Glühwürmchen und tanzte vor Wulfric's Gesicht.

Seine Lippen öffneten sich und sanft, gar zärtlich sprach er zu dem Leuchten, "Such ihn ... geh mein Licht und suche dich. Suche dich und kehre zurück zu mir, zeig mir wo du bist."

Der Lichtpunkt hopste ein- zweimal auf und ab und schwebte dann durch die Zeltwand hindurch.

Wulfric, der seine ganze Kraft für diesen Zauber angewandt hatte und die ganze Nacht intoniert hatte, um jenen Zauber zu wirken, der ihn zu Aedan führen sollte, sackte erschöpft in sich zusammen. Entfernt hörte er ein weibliches, kurze Aufkreischen und dann einen Fluch, als wäre der Dame dieser Laut höchst unangenehm gewesen.

"O'Carroll", dachte Wulfric müde, seine Hand tastete nach einem Stück Schokolade, doch bevor er es essen konnte, war er seitlich auf sein Lager gekippt.

Schwarze Haare, die sonst feuerrot waren, bedeckten halb sein Gesicht. Die Wunde an seiner rechten Schläfe hatte schon eine Kruste gebildet und das Haar wirkte um die Wunde noch ein wenig dunkler. Leise durchdrang ein Schnarchen das Zelt, aus einem der Taschen von Aedan sah man kurz ein paar Augen aufleuchten, doch davon bekam Wulfric nichts mit.

Er schlief tief und fest, kein Traum sollte diesen Schlaf stören.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric war sehr früh aufgestanden. Der Morgennebel hing über den Wiesen und die Zelte waren benetzt mit Feuchtigkeit. Ein Rascheln und Schnarchen hatten ihn geweckt und kurz hatte er Aedan's Namen gemurmelt und war dann hochgeschreckt. Die Augen des kleinen Sporenseglers hatten sich leicht geöffnet bei der Bewegung und kurzzeitig starrten die beiden sich an.
Wulfric musste Lächeln als er Aedan's Haustier anblickte. Was hatte Aedan doch für seltsame Vorlieben .... andererseits hatte auch nicht jeder einen verzauberten Kürbis. Jack ... ihn hatte Wulfric lieber bei seiner Schwester Jennifer gelassen. Man wusste ja nie - und Jack begleitete ihn schon seit der Kindheit an. Er war einst ein Geburtstagsgeschenk von Großmama gewesen, das Letzte bevor sie starb.

Müde streckte Wulfric seine Glieder und blickte den Sporgensegler an. Eine Idee formte sich in Wulfrics Gedanken und er packte eilige einige Dinge zusammen, steckte den kleinen Segler sanft in seinen Schlafbeutel, zog sich eilige an, schnallte seinen Waffengürtel um und trat aus dem Zelt.

Leise ging er durchs Lager, zum Zelt von O'Carrol. Einmal tief durchatmen ... bevor er ruhig und ein wenig lauter ihren Namen sprach. Es dauerte eine kurze Weile und die Plane wurde aufgerissen, ein blonder Zauskopf schaute raus ... mit einem Schwert in der Hand. "Angriff?" fragte sie und schaute sich um.

Das Lager war ruhig und die Wachen gingen ebenfalls ruhig ihres Weges. Einer schaute rüber und muss wohl anzüglich gegrinst haben, denn sie fuhr ihn an "Glotz noch einmal so, Bursche und dir fehlt was!"

"WAS?" knurrte sie dann Wulfric an.

Wulfric hatte derweil gerade und ruhig dagestanden und salutierte nun.

"Ich bitte um Erlaubnis das Lager verlassen zu dürfen, um zur Ammertanhütte zu fliegen und Verstärkung anzufordern, S... Kommandantin"

Sie musterte ihn scharf und grunzte wieder. Was nur hatte sie gegen ihn? Wulfric ließ den Gedanken einfach weiterziehen und blickte ruhig.

Sie musterte ihn weiter und blickte ihm dann in die Augen.

"Wenn ihr abhauen wollt ..."

Seine Augen verfinsterten sich leicht und seine Züge um den Mund wurden hart.
So einfach ... einfach in die Fresse ... einmal ...zweimal ... .... er schob den Gedanken wieder weg.

Sie nickte und grunzte wieder. Er hätte fast meinen können, das dies ein War-nicht-so-gemeint-Grunzen war, wie sein Bruder Cormag schon mal von sich gegeben hatte.

"Auf Eure eigene Verantwortung. Wenn ihr lebend dort hin und wieder zurück kommt ... und noch Verstärkung bekommt, dann ... ABTRETEN!" sprach sie zum Schluss fester.

Wulfric salutierte erneut, drehte sich um und ging gen Greifenmeister. Der gute Mann war gerade am Füttern und schaute ihn an als wäre von Sinnen.

"Hastn Arsch offen, Junge? Da draussen sind irre Vögel. Nee, von kriegste keinen Greifen. Nee nich!"

Wulfric sprach eindreinglich mit ihm, doch er schüttelte nur den Kopf. "Nee nich!"

Von hinten tapste die weiße Greifendame an und schubste den Greifenmeister beiseite, sie krächzte zweimal und warf Wulfric fast auf den Boden als sie sich an ihn schmiegte.

"Aaaah! Hundekacke, verdammte. Sie hat nen Narren an Euch gefressen. Keiner durfte sie mehr anpacken. Launische Weibsbilder" maulte der Meister und spuckte auf den Boden.

Der Greifenmeister blickte immer noch mürrisch doch hatte auch ein leichtes Lächeln in den Augen beim Anblick des schmusenden Greifen.
"Dann nimmt sie bei Bagba's Titten!" murrte er und stapfte davon.

Wulfric kraulte das Gefieder der Greifin und lächelte sie an. "Hallo, Geloé" raunte er. "Gefällt dir der Name?" sprach er leise und die Greifin musterte ihn ernst und neigte dann leicht den Kopf als hätte sie ihren Beifall bekundet.

Nachdem Wulfric die Greifin gesattelt hatte, sprach er einen Zauber, der ihn und die Greifin schützen sollte, küsste seinen Lichtanhänger und stieg auf.

"Wollen wir doch mal sehen, ob wir nicht durchkommen", murrte er.

Geloé hob ab und stieg mit einem irren Tempo hoch in die Lüfte. Wulfric hörte Vogelgekreische in den Bäumen und sah einige große Vögel aufsteigen.

"Zeigen wir ihnen was wir so können" sprach er zu Geloé und er schoß mit ihr gen Küste. Hinter ihm nahm das Kreischen zu und zwei Vögel hatten schon aufgeholt. Sie befanden sich bereits über dem Wasser als Wulfric den Zauberstab zog. Er murmelte einen Verwandlungsspruch. Kurz darauf sah man zwei Schweine verdutzt schauen und dann quiekend gen Wasser fallen. Die anderen Vögel kreisten über dem Wasser und schienen zu schauen, wo ihre Kumpanen plötzlich hin verschwunden waren, Wulfric nutzte die Gelegenheit und gab dem Greifen den Befehl schneller zu fliegen.

Er blickte noch einmal zurück und sah in der Ferne zwei Worgen aus dem Wasser kriechen, patschnass und wenig begeistert. Aber keine Vögel folgtem ihm.

Wulfric flog noch einige Kreise, um von seinem Ziel abzulenken und wählte dann den Weg über die Schneeberge, an Dun Argol vorbei und immer höher und höher über die eisigen Berge. Die Luft war hier klar und er konnte weit blicken. Kein Vogel am Himmel. Im Schnee sah er nur Bergwidder und vereinzelt Bären, sowie einen Trupp Furbolgs, doch sonst sah er niemanden.

Von den Bergen flog er gen Bucht und schoß dann den Fluss hoch, knapp über dem Wasser fliegend. Erst beim Sägewerk schoßen sie nach oben und landeten an der Ammertanhütte.

Eine Wache schaute ihn mit großen Augen an, war er direkt vor ihr gelandet und vom Greifen gesprungen.

"Ma ... Maaa... Magus Winterspring?" fragte der Wachmann verdutzt und starrte ihn an.

Wulfric nickte. "Aye! Ist der Kommandant schon wach?"
Die Wache nickte und deutete gen Gebäude.

"Sehr fein" murrte er und drückte der Wache die Zügel des Greifen in die Hand. "Seid so freundlich, bitte" sagte er noch und stapfte bereits gen Haus.

Im Inneren war es ruhig, aber man hörte schon vereinzelt Stimmen und es duftete nach warmer Milch mit Kräutern.
Jennifer trat mit einem Holzteller mit Brot aus der Küche und ließ beim Anblick von Wulfric die Platte fallen.

"Was ist passiert?" fragte sie und blickte ihn an.
Wulfric blickte nur zurück, "Ich muss den Kommandanten sehen und zwar sofort, Jen." Sie nickte und deutete gen Halle. Wulfric ging mit schweren Schritten in die Halle und blickte sich um. Hier waren ein paar Reisende zu sehen und ein Teil der Wachleute. An seinem Tisch saß der Kommandant und war ein Brot mit dick Waldhonig am bestreichen, er blickte auf und schaute den Ankömmling an.

"Guten Morgen, Wand... Magus Winterspring?" sagte er fröhlich und dann fragend.
Wulfric nickte den Anwesenden zu und ging an des Kommandanten Tisch.
"Ihr seid auf dem Rückweg?" fragte jener und blickte hinter Wulfric als suche er dort nach weiteren Leuten.
Als keiner auftauchte blickte er Wulfric an. Jener hatte sich an die Seite des Tisches gestellt und neigte sich zu dem Kommandanten runter.

Leise sprach er ihm ins Ohr. "Wir müssen reden. Es geht um die Wolfsmenschen ..."
Nun hatte er die völlige Aufmerksamkeit des Kommandanten, jener nickte knapp und stand dann auf.
"Bryan, Clerencby, mitkommen!" brüllte er und wandte sich dann an Wulfric.
Jener war schon zur Tür vorgegangen und umarmte seine Schwester die dort stand. "Was zum dreifaltigen Uther ist hier los?" fragte sie ihn.

"Komm mit und du wirst es wissen" sagte er ruhig und leiser zu ihr.

"In Vaters Büro" sagte Wulfric dann zu den Männern und ging voran.

Im Büro angekommen, als dann auch alle versammelt waren, schaute Wulfric jeden Einzelnen an. Er schloß das Fenster und stellte sicher, dass die Türe geschlossen war und auch keiner lauschen konnte und dann begann er zu erzählen, was in den letzten Tagen vorgefallen war.

Gut anderthalb Stunden später, saßen sie immer noch beisammen und hingen über Karten und diskutierten über verschiedene Strategien. Endlich schien die Zeit gekommen, jene Wolfsmenschen aufzuspüren, denen man schon seit Jahren auf den Fersen war.

Die Stunden vergingen und in der Zwischenzeit hatte Jen ein Mahl zubereiten lassen. Sie selber verließ den Raum nicht und war grübelnd und überlegend an Wulfric's Seite. Ihre sanften Augen blickten sorgenvoll und konzentriert.

Später am Tag, als es draussen schon dämmerte, saß Wulfric mit Jen alleine. Sie hielt seine Hand und streichelte diese. Worten waren zwischen den Geschwistern nicht nötig. Sanft sprach sie nach einer Weile, "Wann willst du zurück?"
"Morgen" sagte er und rieb sich über die Schläfe. Sie nickte.

"Weißt du eigentlich, dass wir ein Portal machen können zur Brigade?" sie blickte ihn an.
"Was?" fragte er mit großen Augen.

"Mhm, geht aber nur für maximal zwei Personen oder für eine mit was mehr ...Ladung. Mama war das zu bunt mit dem Reiten oder Fliegen und wenn die Wege durch Stürme versperrt waren, hatte das Lager auch Engpässe mit der Versorgung. So hat sie und noch einer ihrer Kollegen" sie zwinkerte "eine Möglichkeit gefunden, ein Portal dorthin zu beschwören."

"Aber Mama ist nicht da" sagte Wulfric trocken "und ich kenn die Beschwörungsformel nicht für das Portal".
Jennifer grinste breit. "Kürbiskopf" sprach sie, "aber ich."

Wulfric begann zu grinsen.
Wulfric hat geschrieben:Es surrte und flimmerte und vor ihm bildete sich das Portal zur Brigade.

"Danke, Jen." sagte er und lächelte seiner Schwester noch einmal kurz zu bevor er mit einem Fass Trinkwasser, einer Kiste Medizin und frischen Broten, durch das Portal schritt.

Es folgten die verwirrenden Bruchstücke der Reise, die einem beim ersten Mal zur unendlichen Übelkeit verhelfen konnten. Doch Wulfric war das Reisen durch Portale bereits erprobt und so trat er ohne Verwirrung aus dem Portal und direkt vor zwei Wachen der Brigade.

"Wulfric Winterspring, Magus der Bruderschaft des Lichts, meldet sich zurück, mit einem Fass Trinkwasser, einer Kiste Medizin und sechs Laib Broten." sprach er zackig und nickte den Soldaten zu.

Diese musterten ihn und nickten dann.

"Gibts auch Trockenfisch?" fragte einer der Soldaten hoffnungsvoll, was ihm einen Rippenstoß seines Kameraden einbrachte.

"Nein, leider nicht" antwortet Wulfric und nickte dann.

Er wollte zu den Kommandanten des Zuges und ihnen mitteilen, was geschehen war.

Gestern am späten Abend war sein Ortungszauber zu ihm zurückgekehrt und es mag leichtsinnig gewesen sein, oder nicht, aber er hatte sich auf leisen Sohlen zum Greifen seiner Schwester geschlichen, der schwarz war und wenig auffallen dürfte in der Dunkelheit, ihn gesattelt und sich in einen dunklen Umhang gehült. Das Licht schwebte surrend vor ihm und setzte sich in Bewegung, als er mit dem Greifen nach oben schwang.

Unter ihm zogen die Bäume vorbei und dunkel konnte er tief unter sich den Grauschlund entdecken. Weiter flog das Licht und er folgte ihm. Rechts von ihm begann die Schneegrenze und unter ihm schimmerte im silbrigen Mondlicht leicht der See. Dicker Nebel hing an seinen Ufern und das Licht kreiste und surrte lauter, wechselte von bläulich zu einem grün und wieder zurück.

Wulfric kreiste hoch oben am Himmel. Von unten müsste er aussehen wie ein wilder Greif auf Nachtjagd. Tief geduckt war er an an den Hals des Greifen gepresst. Das Licht wandelte nochmals seine Farbe und hüpfte surrend auf und ab, bis Wulfric die Hand ausstreckte und es zu ihm schwebte, auf den Ring an seinem Daumen zu, sich sanft über den Ring legte wie einer Aura und dann im Ring zu verschwinden schien.

Er hatte genug gesehen und mit einem leisen Schnalzen und Schenkeldruck zeigte er dem Greifen an, dass er drehen sollte. Leise flogen sie zurück und flogen noch ein paar Wechsel, als wäre der Greifen auf der Jagd, eng war Wulfric an dessen Körper gepresst. Als er sicher gestellt hatte, dass niemand ihm folgte, schlugen sie den Weg zur Hütte ein und landeten kurze Zeit darauf sicher.

Wulfric stieg ab und und versorgte den Greifen, als aus der Dunkelheit eine Stimme erklang.
"Hälst dich wohl für klug, hm?" sprach die Stimme ruhig.

Er erstarrte.

"Mitten in der Dunkelheit verschwinden ... das hälst du wohl für schlau?"

Jennifer trat aus den Schatten, ihre Augen funkelten wütend und sie hielt das Nudelholz in der Hand.

Langsam drehte sich Wulfric um. "Es ist nicht so wie du denkst ...." sprach er ruhig.

"Komm mir nicht so, du ... Vollidiot. Ich hab schon einen Bruder so verloren ich will nicht noch einen zu Grabe tragen müssen!" mit wütenden Schritten war sie aus der Dunkelheit auf ihn zugetreten und stupste ihn hart mit dem Nudelholz an die Schulter.

Wulfric verzog leicht das Gesicht als sie ihn an der Verletzung traf, die er vor einigen Tagen dort davongetragen hatte aber er ließ sie eine Weile zeteren, bevor er sanft aber stark ihre Handgelenke umfasste und ihr tief in die Augen blickte.

"Es ist zurück ... es kam zurück und zeigte mir den Weg. Er lebt ..." sagte er ruhig und blickte sie eindringlich an.

Jen blickte ihn mit großen Augen an und langsam ließ er die Handgelenke seiner älteren Schwester los.
"Erzähl mir alles" bat sie und sie setzten sich ins Stroh und Wulfric berichtete ihr alles.
"Egal wie tief man die Messlatte für menschlichen Verstand auch hängt, es gibt jeden Tag einen, der aufrecht drunter durchgeht!"
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Re: Tagebuch der Bruderschaft

Beitrag von Veyt » Fr 8. Feb 2019, 10:18

Aedan hat geschrieben:Aedan erwachte mitten in der Nacht in Wulfrics Armen, die auch im Schlaf noch wie ein Schraubstock um ihn lagen, als könne er mitten in der Nacht erneut geraubt werden.
Mit einem Lächeln löste er vorsichtig die ineinander verschränkten Finger und schlüpfte aus der Umarmung. So geräuschlos wie möglich warf er sich etwas über, nahm das Expeditionslog, Feder und Tinte zur Hand und trat vor das Zelt.
Am Himmel blinkten gleichgültig die Sterne wie Diamanten auf schwarzem Samt, das Mondlicht ergoß sich wie bleiche Milch über den Nachthimmel.
Mit einem Seufzen setzte Aedan sich in den Schein einer Fackel, entkorkte die Tinte, tauchte die Feder ein und begann, zu schreiben.


19. Tag des 2. Monats, Lager der Westfallbrigade, Grizzlyhügel

Ich bin zurück...
Ja, zurück. Denn am 16. Tag wurde ich bei dem Gefecht gegen Bjarnfangs Leute aus der Mitte unserer Truppen gerissen und verschleppt - gemeinsam mit Schwester Simanthy.
Bevor ich ausführlicher über all das schreibe, muss ich erst meine Gedanken ordnen....
In jedem Fall ist Bjarnfang nicht der skrupellose und blutrünstige Wilde, für den er gehalten wurde. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob bei all den Angriffen gegen uns wirklich jemals das Ziel vorlag, einen aus unserer Mitte zu töten. Meiner Ansicht nach wäre das ansonsten gleich zu Beginn geschehen, denn wir waren in der Unterzahl und unvorbereitet.
Ich denke, es waren alles Warnungen und Einschüchterungsversuche. Bjarnfang scheint mir nach unserer Begegnung durchaus zugänglich und vernünftig, aber auch desillusioniert von den Menschen, enttäuscht und bitter.
Die wahren Bestien haben gestern das erste Todesopfer in unseren Reihen gefordert.

Aedan lässt die Feder sinken, schluckt schwer und schaut in Richtung des Zeltes, in dem Rádul Schattenschlag aufgebahrt liegt. Er wischt sich kurz über die Augen, fährt sich langsam durch die Haare und wendet sich dem Buch wieder zu.

Der Scharlachrote Ansturm, der Schwester Simanthy und mich in einem wahren Gemetzel unter den Worgen befreit hat, forderte Blut für die Männer, die sie verloren hatten....
Diese geblendeten Fanatiker.... Ich bringe es nicht über mich, jetzt alles zu Papier zu bringen. Es ist noch zu frisch...zu sehr zittert meine Hand bei der Erinnerung.

Ihren Blutzoll bekamen sie - und ein großer Mann ist nicht mehr, sein Licht ist verloschen. Mondpriester Rádul Schattenschlag starb gestern um die neunte Abendstunde durch die Hand von Elisabeth von Richwin vom Scharlachroten Ansturm.
Möge sein Andenken in den Ehren gehalten werden, die er verdient.

Del'Nadris, Rádul Schattenschlag. Tei nurus andu.

Möge die Straße Dir auf Deinem letzten Weg entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wieder sehen,
halte Elune Dich im Frieden IHRER Hand.

Licht mit Dir und gute Reise.


Aedan blies über die Tinte, um sie zu trocknen, klappte das Buch langsam zu und ging wie ein Schlafwandler zurück ins Zelt.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric saß mit zersausten Haaren und blankem Oberkörper im Zelt, eine Pelzdecke über seinem Schoß verdeckte die Nacktheit seines Körpers. Lange hatten sie geredet, sich lange in die Augen geblickt, sich gehalten, sich zärtlich berührt und wieder geredet, bis Reden sinnlos wurde und dann zählten nur noch die Stunden der Zärtlichkeit, der Innigkeit und der Liebe, die sie seit nun mehr als acht Jahren miteinander verband.

Der Morgen hatte noch nicht gedämmert als er zum ersten Mal wach wurde, die Schwere an seiner Brust machte ihn erst benommen und als sein Blick dann auf das schwarze, zerwuschelte Haar von Aedan fiel, entspannten sich Wulfrics Züge zu einem seligen Lächeln. Er legte den Arm um seinen Gefährten und schloß die Augen. Aedan ruckelte sich noch ein wenig näher an ihn und murmelte im Schlaf etwas, doch Wulfric war bereits wieder eingeschlafen.

Gut eine Stunde später war er erneut wach geworden, durch Aedans Aufkeuchen. "Ich bin hier" hatte er gemurmelt, sanft, ruhig und eindringlich und Aedans Wange gestreichelt. Aedan hatte nicht ganz hier gewirkt, aufgeschreckt aus einem Albtraum. Aedan hatte geblinzelt und ihn erst dann wahrgenommen, als Wulfric sanft seine Stirn geküsst hatte. Sanft wurde er dann in die Felle gedrückt und Aedan hatte sich auf ihn gesetzt, bevor sie sich ein erneutes Mal liebten.

Aedan schlummerte neben ihm, seine linke lag quer über seiner Brust, festhaltend, beruhigend. Wulfric hatte sich leicht gedreht und nach dem Tagebuch gelangt und erstaunt festgestellt, dass Aedan schon einen kurzen Eintrag verfasst hatte. Mit traurigem Blick las er den Eintrag und musste mehrmals schlucken, bevor er nun selbst zu Tinte und Feder griff und einen Nacheintrag der letzten Tage machte.

Einige Zeit später legte er das Buch zur Seite und kuschelte sich nochmal an Aedan. Bald war er nochmal eingeschlafen und schlummerte tief und fest.
Wulfric hat geschrieben:22ster Tag im Zweiten Monat, Westfallbrigade

Gestern nun hatten wir die Unterredung mit Bjarnfang. Jarlsing führte uns zu seinem Lager .... oder sollte ich eher sagen, Burg? Zu der Insel der Geister, wie sie hier auch unter den Siedlern genannt wird, da immer mal aus dem Nebel der sich nie zu lichten scheit, unheimliches Geheule hervordringt, wenn man sich näher ran wagte.

Nun weiß ich zumindest was dahinter steckt.

Wir passierten die Reihen der Einwohner die wir sahen und es waren viele ... sehr viele. Die ganze Sache schmeckte mir nicht wirklich, doch wir konnten unbehelligt weiter gehen. Weiter ging es immer nach oben, bis wir zum Turm kamen, der hoch oben auf dem Felsen trohnte.

Alleine sollten wir reingehen, hieß es von Jarlsing und wir taten es. Langsam und mit mulmigem Gefühl gingen wir hoch. Was wenn es eine Falle wäre? Aber ... sie war es nicht. Nicht in dem Sinne.

Wir standen ihm gegenüber, diesem Riesen von einem Worgen. Rote Augen glühten aus dem nebelverhangenen Raum und die Furcht schien unsere Herzen und unseren Mut kurz zusammen zu krampfen.

O'Carroll, die zu unserem Erstaunen auch mit durfte, hätte sich am Liebsten auf Bjarnfang gestürzt und ihn in Stücke gehäckselt. Auf der einen Art verständlich ... auf der anderen ... dumm. Sie bat immerhin darum, dass man sie zurückhalten möge ... Mister Ashford kam dem nach und hatte sie fest im Griff.

Wir zögerten erst und begannen dann zu sprechen. Langsam, ganz langsam rückte Bjarnfang mit seiner Geschichte raus. Von Arugal der von der Geißel beschworen wurde und wie sie ihn und seinen Kult hierher brachten, um sie zu gefügigen Waffen zu machen.
Der Schatten Arguals gründete den Wolfskult, der dieses Land heimsuchte...doch er wurde weitestgehend ausgemerzt. Bjarnfang nahm sich der führerlosen Worgen an. Er wollte ihnen ein Leben in Ruhe und Freiheit bieten.

Doch kamen die Truppen mit den Priestern die keinen Unterschied erkannten in ihnen und dem Kult und begannen sie zu verfolgen. Er und Jarlsing gaben Steenwyck und den anderen eine Chance und führten sie in deren Lager ... sie wurden verraten, abgeschlachtet, Kinder, Frauen und Familie. Bjarnfang verlor seine Frau durch Steenwyck und er schwor Rache.

Wir fragten nach, wieso er im Dämmerwald die Soldaten angegriffen hatte und er antwortete, dass er wusste, das Steenwyck neue Leute anheuerte, um weiter gegen sie in die Schlacht zu ziehen. Als er dann die Leute im Dämmerwald wahrnahm, ging er davon aus, dass es jene wären,, die Steenwyck folgen würden, um einen nach dem anderen von seinem Rudel abzuschlachten wie Vieh. Deswegen erfolgten die Übergriffe, die seinen Sohn in die Hände der Soldaten brachten.

Als wir dann hier landeten sah er seinen Verdacht begründet ... wir kamen und wollten sie vernichten. Er griff an - denn Angriff ist oftmals die beste Verteidigung.

Der Pater, so heilig er auch einst gewesen war, hatte sich mit Kriegsverbrechen befleckt, die Häresie rückte in den Vordergrund und er sah nicht dahinter ... der Schatten muss sich seiner bemächtigt haben. Verblendung ...

Zwar nickte ich und ich verstehe auch Bjarnfang zu einem Teil, doch weiß ich auch, dass die Schuld auf ihm liegt wie eine Glocke, schwer und erdrückend. Doch geht es hier um das Wohl der Truppe, um Zivilisten die uns begleiten, Unschuldige ... die es zu schützen gilt.

Das Licht wird uns alle irgendwann richten und auch ihn wird es richten für seine Taten.

Sein Geständnis, dass er eine der Frauen vergewaltigt hätte, wäre sie passend gewesen ... hat mich nicht überrascht. Es ist Krieg und beim Licht ... ich habe es schon mit eigenen Augen gesehen, was der Krieg aus einem machen kann.

Wulfric hält kurz inne und blickt ins Nichts, bevor er weiter schreibt.

O'Carroll wäre ihm am liebsten wieder an die Gurgel gegangen. Einerseits verständlich, doch sie gefährdete mit ihren Phrasen, Beleidigungen und Drohungen die Mission ernsthaft ... und ihrer Bitte um "Zurückhalten" wurde durch einen beherzten Schlag auf den Kopf von Mister Ashford nachgekommen, der sie in die Bewußtlosigkeit geschickt hatte.

Was daraufhin folgte war ein Gezeter unter den Leuten, die einem die Schamesröte in den Kopf treibt. Keiner von ihnen ... oder fast keiner, scheint je wirklich in Verhandlungstaktik geschult worden zu sein. Man zeigt seine Blöße nicht vor dem Feind und was Bjarnfang gesehen hat, war Uneinigkeit in den Reihen. Schwäche ... offen demonstriert ... Dummheit.

Im Kreuzzug wäre O'Carroll dafür mit Stockhieben auf die blanken Fußsohlen bestraft worden und die anderen, die jene Blöße offenbarten durch ihr Gezänk hätten auch eine saftige Strafe erhalten.

Wulfric seufzte kurz und fuhr dann mit schreiben fort.

Bjarnfang forderte eine Gegenleistung für unseren Abzug.
Er sprach von einem Geheimnis welches in den Trollruinen offenbart wurde. Anscheinend hat Lightforger (Paladin der Silbernen Hand) ein Geheimnis bekommen.
Wieder einmal wurde das nichtvorhandene Vertrauen in die Truppe demonstriert, denn wir wussten fast alle nichts davon.
Wie dumm muss man sein? Haben sie Angst frage ich mich? Hat diese Kommandantur Angst? Sie setzt jene, die um das Leben der Truppe verhandeln sollen nicht in Kenntnis über WICHTIGE Details.

Pater Aedan als Vertrauensperson für unseren Orden und somit hochrangigen Offizier ... selbst er wurde nicht in Kenntnis gesetzt. Ganz ehrlich wundere ich mich oftmals über diese Verbohrtheit und Dummheit.

Bjarnfangs Forderung war jene. Das Geheimnis ... ein Zauber der es ermöglichte JEDES magische Schutzschild zu durchdringen ... einmal und dann erlosch - auf einen Gegenstand anzuwenden, der magisch geschützt ist. Er würde dann erkennen, dass der Zauber verbraucht sei, wenn das magische Schild verschwunden ist.

Wir würden im Gegenzug freien Abzug erhalten. Keine Verfolgung. Kein weiteres Blutvergießen.

Wir willigten ein. Was blieb uns weiter übrig? Wir wollten nach Hause. Im Falle der vorläufigen Niederlage: Maul halten, einwilligen, gehen.
Alles Weitere kann nachher überlegt werden.

So hieß es immer und so war es immer gemacht worden.

Als wir uns zum Gehen wandten ... wandelte Bjarnfang sich in seine menschliche Gestalt und drehte sich zu uns um. Er sah fast ein wenig aus wie mein Großvater. Ich erschrak gehörig, doch riss mich zusammen. Seine Schritte führten ihn direkt zu mir und er blickte mir tief in die Augen, nahm einen Siegelring ab und hielt ihn mir hin.

Der Ring pulsierte als ich ihn in die Hand nahm. "Euer Gegenstand" sagte er, schaute mich erneut fest an und ich steckte ihn ein. Er ging.

Jarlsing kam noch angerannt mit einem Bündel im Arm. Wohl ein Enkelkind von ihm ... somit wäre die Frage der Zeugungsfähigkeit auch geklärt. Lucene II. soll sie wohl zu Ehren von Miss Fang heißen, die ihm das Leben gerettet hatte.

Jarlsing blieb bei seinem Rudel und wir marschierten ab.

Unterwegs kam O'Caroll wieder zu sich und wollte Bericht haben. Wir zögerten alle, doch letzten Endes hatten wir ihr zu berichten.

Sie hörte zu, blieb stehen und fing das Lachen an. Sie hatte uns eh schon Verblendung vorgeworfen ... und dass nur sie im Licht handlen würde. Ich hatte schon vermutet, dass Pater Aedan sie dafür bestrafen würde, doch er ließ sie davon kommen. Sein Gesicht sprach jedoch Bände ... zumindest für mich.

Sie hat einen Priester der Kirche beleidigt und auch andere Lichtgläubige. Ihr Verhalten ... für uns ... bedenklich.

Sie sagte etwas von einem Schutzschild, welches Bjarnfang wohl umgeben würde. Da ich ihm selber nie wirklich nahe gewesen war zuvor und uns wieder einmal Informationen gefehlt hatten ... war die Information für mich zumindest Neu gewesen.

Es war kein magisches Schild um ihn zu spüren gewesen als er zu mir trat. Nichts.

O'Carroll zeterte, dass es die Chance gewesen wäre ihn zu richten. Ihn richten ... mitten auf dem Berg? Mit seinem Rudel? Keiner! Keiner von uns wäre dort lebend rausgekommen.

Jetzt steht es im Raum und ich befürchte, dass die Kommandantur anders reagieren wird, als es verhandelt wurde. Da sie jetzt wissen, was sie für eine Waffe in den Händen halten.

Wulfric blickt auf den Ring.

Es ist das Siegel der Silberleins, welches er uns gegeben hatte. Schwester Natasi hat es am späten Abend sehen wollen und es erkannt. Ich hatte selber schon gegrübelt woher ich es kannte. Dunkel war es im Gedächtnis umhergekrochen und heute morgen hab ich mich erinnert.

Ich war noch sehr jung gewesen, vielleicht drei Jahre alt, da hatten meine Eltern Besuch gehabt und jener Mann trug solch einen Ring am Finger. Er spielte damit ein wenig und die Sonne reflektierte. Ich mochte das Schillern und blickte den Funken nach. Als er ging, beugte er sich zu mir hinab, blickte mich an und sagte ernst: Junger Mann, seid immer schön fleißig und brav.

Dann wuschelte er mir durch die Haare und ging.

Möge das Licht uns leiten und möge das Licht uns schützen. Ich habe kein gutes Gefühl.

Hoffentlich ist bald alles vorbei.
Aedan hat geschrieben:Aedan sitzt mit unnatürlich glänzenden Augen am Rande des Lagers in der Sonne, einen Süßholzstengel im Mund und das Berichtsbuch auf den Knien.
Beim Lesen nickt er des öfteren, seufzt und schaut in die Ferne.
Hierbei blinzelt er des öfteren, als schmerze ihn das Licht in den Augen. Im Hinblick auf die leicht geweiteten Pupillen scheint dies nicht verwunderlich.
Er reibt sich über die Augen, tunkt die Feder in die Tinte und beginnt, zu schreiben.


Nachtrag

Bruder Wulfric hat soweit alles berichtet zu unserer Verhandlung.
Ich bin immer noch schockiert über Schwester Samielle - hätte sie doch Bjarnfang ohne zu zögern inmitten seiner Leute gerichtet, so sie die Möglichkeit gehabt hätte.
Schlimmer noch wiegt in meinen Augen ihr an Fanatismus grenzender Eifer, mit dem sie uns alle Verblendete nannte und uns vorwarf, wider das Licht zu handeln.
Das Maß für mich ist voll. Ich dulde keine Lichtlästerung und habe mich vorsichtshalber von der Gruppe entfernt und bin vorausgegangen zum Lager. Andernfalls hätte ich meine Faust sprechen lassen, was vermutlich zu noch viel mehr Ärger geführt hätte.

Die Mission ist für mich gegenstandslos geworden. Eine Tatsache, die vermutlich niemand hier verstehen wird.
Doch sind wir hierhergereist wegen eines unschuldigen Mannes des Lichtes. Dieser Mann jedoch ist ganz offensichtlich von seinem Pfad abgewichen, hat sich vom Lichte abgwandt und sogar dessen Namen beschmutzt, indem er im Namen des Lichtes Gräueltaten verübte und zum Kriegsverbrecher wurde.

Diese Tatsache hätte uns schon eher bekannt sein können, denn offensichtlich wurde das Tagebuch eines der Priester gefunden, indem dies beschrieben ist. Dies wurde jedoch nur von einer auserwählten Person gelesen, die darum gebeten hatte - die Informationen gingen dann widerum intern an einige wenige, die sie für sich behielten. Und der unwissende Rest wird zu Verhandlungen geschickt und weiter größtenteils im Dunkeln gelassen.
(Die Art, in der Schwester Simanthy dieses Buch tätschelte und mit ihm fortging wie mit einem geliebten Schatz, macht mir immer noch Sorgen.)

Nein - diese Worte sind nicht bitter, sie sind erzürnt. Es wundert mich nicht mehr, dass die Stimmung immer gereizter wird, wenn alle etwas tun sollen, von dem sie nicht mehr wissen, warum eigentlich. Im Argentumkreuzzug war es wichtig, dass jeder Teil der kämpfenden Einheiten miteinander vernetzt war und jedem die essentiellen Informationen zukamen. Doch ist man augenscheinlich nur dann ein wahrer Kreuzzügler, wenn man ein Roter war....

Ich merke, dass mein Zorn mich selbst zu Ungerechtigkeiten hinreißt, wo ich nun so schreibe. Ich habe auf dieser Reise viele, viele Menschen kennengelernt, die ich achte, schätze und respektiere. Das Verhalten einiger weniger soll und darf meine Sicht auf sie nicht trüben und verfälschen, denn dann bin ich selber verblendet.

Nun...zurück zum Thema....die Mission ist für mich gegenstandslos geworden und ich hoffe nur noch, dass der Trupp gesund und wohlbehalten abziehen kann.
Damit stelle ich mich keinesfalls auf die Seite des Unrechts. Ich heiße damit auch nicht die Lynchjustiz gut, wie mancher es mir vielleicht auslegen möchte.
Ein Unrecht wurde mit einem anderen Unrecht vergolten. Wer sind wir, dass wir weiteres Blutvergießen auf diesen Haufen Unrecht laden wollen? Sollen wir wirklich die Spirale der Gewalt und des Unrechts immer weiter schrauben?
"Überwinde Unrecht nicht durch Gewalt. Sondern überwinde Unrecht, indem du es als Unrecht öffentlich machst!"
So sprach vor vielen Jahren mein Bischof.

"Und es wird ihnen ihr Unrecht vergelten und wird sie um ihre Bosheit vertilgen; das LICHT wird sie vertilgen." Darauf vertraue ich. Ein jeder muss mit der Schuld, die er auf sich lädt leben - auch Bjarnfang. Und auch, wenn er meint, sich vom Lichte abgewandt zu haben, so wird er, wenn er das Ende nahen fühlt, doch wissen, dass der Tag des Richtens gekommen ist.
Wir sind nicht die Justiz. Wir sind Diener des Lichtes.

Aedan klappt das Buch zu und schaut irritiert auf einen Haufen ausgerissenen Klees. Er runzelt die Stirn und zieht ein Stückchen Pergament daraus hervor, um zu entziffern, was dort mit ungelenker Schrift gekritzelt steht.
"Wir sind hier in Fledermausland, Mann!"
Aedan schüttelt den Kopf und lässt das Stück Pergement zerknüllt liegen.
Aedan hat geschrieben:Aedan sitzt mit einer heißen Gewürzmilch am Feuer und fügt einen weiteren Nachtrag hinzu.

Nachtrag II

Später am Abend - ich wollte eigentlich schon bald zu Bett gehen und hatte ein wenig mit der wiederaufgetauchten Gnomandantin geredet - schrie Sir Veyt durchs Lager.
Er schien vollkommen außer sich, fassungslos und wie im Schock. Er suchte einen Kaldorei, den wir kurz zuvor noch mit Mr. Ashford hatten reden sehen.
Der Elf jedenfalls war verschwunden und Sir Veyt schien wie in Trance, als er zum hintern Ausgang des Lagers schritt und dort in die Ferne starrte.

Ich ging zu ihm, ob er geistlichen Beistand benötige und was ihn so außer sich gebracht habe. Kommandantin Shukov war auch an seine Seite geeilt und er zeigte uns einen blutigen Ring - den Ring seiner Mutter. Der Elf habe sie geschändet....als Rache für den Tod eines Freundes (offensichtlich war damit Rádul Schattenschlag gemeint).
Einen Moment waren wir alle wie betäubt - bis Bruder Wulfric mich um seinen Folianten bat und nachwies, dass es sich bei dem Blut um Schweineblut handelte.

Ashford, der inzwischen dazugerufen und befragt wurde, gab Auskunft über den Kaldorei und brüllte die halben Hügel nach ihm zusammen.
Weit kann er nicht gewesen sein; sicherlich hatte er uns aus einem Versteck heraus beobachtet. Er lehnte am Eingang des Lagers - ein Elf mit einem metallenen Arm, den der Schwinger Ashfords mitten in sein Gesicht nicht viel rührte.
Er gab zu, dass es sich um einen (überaus geschmacklosen, wenn man mich fragt) Scherz gehandelt habe. Er hatte den Ring gestohlen und wollte Sir Veyt das Gefühl der Verzweiflung und des Verlustes spüren lassen - als hätte er dieses nötig gehabt....

Ich war außer mir vor Zorn und Sir Veyt wurde von Kommandantin Shukov davon abgehalten, sich auf den Kaldorei zu stürzen. Nach viel Geschrei, Angefeinde, Schuldzuweisungen und dergleichen mehr wollten sie sich eigentlich gegenseitig die Fressen polieren...schlossen dann aber nach einem kurzen Gespräch Blutsbrüderschaft.

Shukov, Bruder Wulfric und ich gingen vor zum Feuer und sorgten für Alkoholisches zum Lösen der Anspannung - es gab Rum und Single Malt. Ashford, Samjuél (der Elf, dessen Nachnamen ich mir nicht merken konnte), Shukov, Sir Veyt, Bruder Wulfric und ich setzten uns noch redend ans Feuer. Miss Fang, der es soweit ein wenig besser ging, nachdem sie den ganzen Tag krank darniedergelegen hatte, gesellte sich noch zu uns und wir redeten noch sehr lange.
Irgendwann bot der Elf mir von seiner Zigarette an...sie hatte einen ganz interessanten roten Rauch. Es schmeckte würzig und überraschend mild...aber danach weiß ich nicht mehr viel.
Ich denke, ich bin einfach sehr müde gewesen. Aus unerfindlichen Gründen habe ich noch das Bild vor Augen, von Shukov tangotanzend durchs Lager gewirbelt zu werden....Ashford mit einer Bank auf dem Rücken und Sir Veyt mit Klee in den Ohren. Es muss ein recht wirrer Traum gewesen sein und ich bin wohl am Feuer eingeschlafen, denn das letzte, was ich von dem Abend weiß ist, dass ich mich plötzlich über Bruder Wulfrics Schulter gelegt in Richtung des Zeltes geschleppt sah. Es war mir überaus peinlich, aber es hat aus unerfindlichen Gründen niemand mitbekommen.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric hatte Aedan beobachtet wie er den Nachtrag verfasst hatte und sich das Buch geschnappt, nachdem Aedan es weggelegt hatte. Mit einem Schmunzeln las er und öffnete dann das Tintenfäßen und stippte die Feder ein.

Nachtrag III

Bruder Aedan, Sir Veyt van Roth, Schwester Natasi Shukov und Mister Simon Ashford hatten von der Zigarette des Elfen einen Zug genommen und waren alle komplett von Drogen berauscht gewesen.

Anscheinend befanden sie sich im Fledermausland und die waren böse. Die Einzelheiten des Rausches will ich nicht näher erläutern.

Nachdem sie ein Weile dem Rausch erlegen waren und ihre Anspannung gewichen war, erbarmte sich der Elf und verabreichte ihnen ein Gegenmittel. Ich schleppte Pater Aedan ins Zelt, wo er seinen Rausch ausschlafen konnte.
Wulfric hat geschrieben:Wulfric zog sich das Buch hervor und schaute kurz zu Aedan ins Zelt, der dort verzweifelt nach etwas zu suchen schien. Er schmunzelte und begann dann mit seinem Eintrag.

23. Tag des Zweiten Monats, Westfallbrigade

Der Tag der Abreise steht an.


Gestern hatten die Roten eine Besprechung abgehalten. Ordens-Intern. Manche der Teilnehmer scheinen immer noch nicht genau zu wissen, was jetzt eigentlich ist. Aber uns steht es nicht zu, sie zu informieren, wenn es die Kommandantur nicht macht.

Aber wen wundert das noch. Mich nicht mehr. Unorganisiertes, verheimlichendes und verschweigendes Pack (dick durchgestrichen) Ordensgetue. Ich greife vor.

Am Abend also fand die interne Besprechung der Faust statt bis der lieblich Ton von O'Caroll durchs Lager hallte und Lightforger und mich dazu rief.

Lightforger wurde kurze über die Sachlage unterrichtet ... und O'Caroll versäumte es nicht, in einem säuselnden Singsang zu erzählen, dass wir frei abziehen könnten. Sie glaubt es nicht. Sie vertraut nicht.

Vertrauen haben wir durch das Licht unsere Rettung. Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

Was bleibt uns anderes als auf die Ehre des Wortes zu vertrauen?

Sie wollten wissen, ob der Schutzschild des Ringes auch durch andere Magie entfernt werden kann. Es hat mich nicht überrascht dies zu hören. Sicherlich ist es möglich. Jeder Schild kann gebrochen werden ... manche schneller, manche langsamer und manche sehr kompliziert oder gar tödlich ... aber sie können gebrochen werden. Ich antwortete, dass es möglich sei.

Es brachte auch nichts näher darauf einzugehen, denn keiner der Anwesenden hätte die komplizierte Sachlage begreifen können, die ein magischer Schild sein kann. Ich hatte mir den Ring schon am Morgen eingehend vorgenommen und einige Spuren entdeckt. Spuren die mir nicht fremd sind. Der Ring ist echt und der Ring wurde nicht mit Gewalt vom Eigentümer genommen, soviel steht fest. In dem Ring steckt auch keine böse Macht, wie ich bisher erörtern konnte.

Sie wollten, dass ich den Ring untersuche auf die Möglichkeit den Schild runterzunehmen. Wäre der Schild unten, durch einen anderen Zauber, ist das von jedem Magier nachvollziehbar. Der Zauber zieht sich zurück zu dem Wirker, wie ein Band. Würde ich den Schild brechen ... ich wäre ein Verräter, Lügner und Eidbrecher.

Den Schild zu brechen, ihn Bjarnfang vorzulegen mit der Lüge der Spruch wäre gewirkt worden ... wäre Betrug. Verrat. Ich sagte: Nein.

Wieso sollte man das tun? Bjarnfang hatte uns kein zeitliches Limit gesetzt, wir sollten den Schild nur zerstören bevor wir Nordend verliessen. Ich hatte eh gedacht, dass wir rein logisch vorgehen. Den Schild aufrecht erhalten, bis wir die Schiffe erreicht haben und dann den Schild zu zerstören, wie verlangt wurde. In Sicherheit ... wir würden abreisen und er hätte was er wollte, Ruhe und Frieden.

Mein NEIN wurde wohl so ausgelegt, dass ich kein Vertrauen in die Faust lege. Ich hatte Vertrauen, sonst wäre ich nicht mit auf die Mission gegangen. Ich bin ohne Vorurteile auf diese Reise gegangen, doch was sich uns in der Zeit entgegenwarf, waren Beleidigungen, Misstrauen und Verschwigenheit. Mein Limit war erreicht. Die Beleidigung von O'Caroll gegenüber Pater Aedan, dass wir nicht lichtgläubig wären und verblendet, die sie gestern uns an den Kopf warf, hatten alles verschlimmert. Es ist eines mich zu beleidigen, ich kann das ab. Aber den Prior so etwas zu unterstellen und dann noch Eidbruch zu fordern - es war genug. Ich habe wohl mein Temperament mit mir durchgehen lassen und selbst einige Aussprüche getan, die ich nicht hätte von mir geben dürfen.

Für meine Verfehlung werde ich bei Ankunft am Ordenshaus, meine Strafe antreten.

Sie forderten den Ring von mir. Ich verneinte auch dies. Der Ring wurde mir anvertraut und sein Blick sagte mir deutlich, dass er in mich Vertrauen legt, dass es seinen rechten Weg geht. Ich werde den Ring nicht aushändigen für etwaigen Verrat. Kein Winterspring hat das je getan und würde das je tun.

Auf meine Frage hin, wieso nicht alle Truppmitglieder unterrichtet werden, sondern misstraut wird, wurde nur geantwortet: Ihr seid doch das beste Beispiel dafür.


Das Licht ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, daß ich nicht fallen werde.

Ich verließ die Besprechung, damit ich mich mit Pater Aedan bereden konnte. Der ranghöchste Offizier meines Ordens sollte informiert werden und entscheiden was man tut.

Ich setzte Pater Aedan in Kenntnis von ihren Forderungen und davon, dass sie unterschwellig Mißtrauen bekundet haben. Mißtrauen der sich uns schon seit einiger Zeit gezeigt hat.

Ist es sonst üblich jeden Abend eine Lagebesprechung abzuhalten und die Kommandanten der unterschiedlichen Vereinigungen miteinzubeziehen, so fand dies auf der gesamten Reise vielleicht zwei mal statt. Oder besser gesagt, zwei Mal zu denen man dazugeladen wurde.

Pater Aedan war erzürnt und besprach mit mir die Abreise im Falle der Bestätigung des Mißtrauens.

Schwester Natasi Shukov trat zu uns und wir sprachen mit ihr. Ließen unseren Sorgen freien Lauf, wenigstens mit ihr konnte man sprechen und sie hat unsere Achtung hochverdient. Wir folgten ihr zurück an den Besprechungstisch, jedoch nur unter der Prämisse, dass auch van Roth und Miss Wittgen teilnehmen würden.

Der Prior stellte am Tisch die Vertrauensfrage. Pater Robin, von dem man nur wieder das Kinn und die Nasenspitze sah, erklärte, dass es Schwachsinn sei. O'Caroll gab ein paar unqualifizierte Äußerungen von sich.

Schwachsinn war es beileibe nicht und die Anschuldigung von O'Caroll wurde unter den Tisch gekehrt. Was sicherlich nicht der Fall gewesen wäre, wenn jemand Schwester Simanthy als lichtlos und verblendet bezeichnet hätte. Wobei es zum Teil wenigstens nicht gelogen wäre (leicht durchgestrichen)

Die Gemüter beruhigten sich allmählich und dieses Mal wurde auch vernünftig und im ruhigen Ton erklärt, dass man den Spruch, der den Schild zerstören würde, als Pfand, erst am Schiff sprechen wollte. Jedoch kam nochmal der Vorschlag, dass man den Ring jetzt schon entschildet.

Ich meinte es wäre unsinnig, da Bjarnfang uns kein zeitliches Limit gesetzt hatte und wir somit, wie ich es mir eh schon gedacht hätte, den Spruch für die Zerstörung des Schildes erst im Hafen wirken. Somit hätten wir ein Pfand, eine Sicherheit und den Eid nicht gebrochen.

Wie sich herausstellte, war man sich einig.
O'Caroll brach ob des Mißverständnisses auf dem Tisch zusammen und schlug den Kopf mehrfach auf die Tischplatte. Der Frau täten Meditationen mal ganz gut.

Der Entschluss wurde getroffen heute abzureisen. Der Pass ist frei und wir können gen Fort reisen.

Das Licht behüte uns wie einen Augapfel im Auge.

Anmerkung: Schwester Simanthy strich sinierend und leicht verklärt über die Insignien des Anstrums, welche an der Robe sind, die sie jetzt trägt. Ich frage mich, wieso sie keine andere Robe trägt. Hatte sie nur die eine dabei? Und ... sympathisiert sie mit dem Ansturm?

Wulfric lässt die Tinte trocknen und klappt dann das Buch zu, um den Rest seiner Habseligkeiten zu packen.
Aedan hat geschrieben:Pater Aedan liest sich nickend den Bericht Wulfrics durch und fügt einen Nachtrag hinzu.

Nachtrag

Nachdem die Missverständnisse geklärt wurden (wobei ich mich nach dem Lesen obigen Berichtes frage, ob es tatsächlich Missverständnisse waren oder ob das Klären selbiger Augenwischerei war) konnten wir tatsächlich ruhig zu einem Ergebnis kommen.
Sir Veyt beeilte sich auch gleich, die Roten zu erklären - die Art, auf der dies geschah, führte dazu, dass ich mir einbildete, etwas Braunes an seiner Nasenspitze zu sehen. Es widerstrebt mir auch, die arrogant-spöttischen "Die sind doch selber schuld"-Gesichter zu sehen, wenn man erwähnt, dass die Zivilisten einen gefahrlosen Abzug benötigen. Schließlich haben wir eine Verantwortung übernommen, als wir sie mitnahmen. Wir können uns nicht damit herausreden, dass sie doch sehenden Auges und aus freiem Willen in die Gefahr gerannt sind. Sicher wussten sie alle, dass sie nicht auf Butterfahrt gingen - aber mit Sicherheit wähnten sie sich auch geschützt durch uns militärisch ausgebildete Ordensmitglieder.

O'Caroll sah aus, als verlange sie nach einer Entschuldigung für meinen Ausbruch, doch wird sie eine solche nicht bekommen, bevor sie sich ihrerseits entschuldigt hat. Ich habe mich schon viel zu viel eilfertig entschuldigt um des lieben Friedens Willen.
Natürlich ist mir mein Temperamentsausbruch unangenehm...ich entschuldigte mich auch später bei den anderen Expeditionsteilnehmern, die ihn miterlebt hatten.
Doch denke ich an die Worte Bruder Isgrimnurs:
"Dein Ansehen und Deine Beliebtheit steigen, je kuscher Du Dich hältst. Ob Du Dir selber am Ende des Tages allerdings noch ins Gesicht sehen kannst, wenn Du Ärsche gepudert hast, steht auf einem anderen Blatt."

Sicherlich weiß ich dennoch, dass mir die Ruhe und Beherrschung abgehen, die ich noch vor meiner Entführung gehabt hatte. Im Nachhinein kommt es mir so vor, als seien wir vor diesem Zwischenfall und Schattenschlags Tod einiger gewesen. Natürlich habe ich die geringschätzigen Gesprächsfetzen Schwester Simanthys und Bruder Robins nicht vergessen - obwohl es mir deutlich lieber so wäre. Aber dennoch waren wir einiger.

Ich vertraue auf das Licht, dass dieser Zustand wieder eintreten wird. Ich schätze, respektiere und vertraue viele(n) des Roten Ordens; eine Tatsache, die ich vor ein paar Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte. Ob sie das ihrerseits so sehen, bleibt dahingestellt, aber warum sollte es bei ihnen anders sein? Schließlich kann man mit vielen von ihnen reden und oftmals stelle ich fest, dass wir so verschieden gar nicht sind.
Etwas, das Schwester Samielle gestern ebenfalls feststellte, als ich ihr mein Exemplar von "Meditationen gegen Temperamentsausbrüche" auslieh. Weiß Licht, ich fürchte, sie hat recht und wir sind uns ähnlicher, als wir vielleicht beide wahrhaben wollen. Worin auch sicherlich unser Problem liegt. (Gleiches gilt für Bruder Wulfric, aber er ginge mir an die Gurgel, würde ich ihm das auch nur andeuten.)

Nun, die Sachen sind gepackt und wir werden über den Pass abreisen, der nun wieder frei ist. Da dies der einfachste Weg ist und Bjarnfang das voraussehen wird, werden wir ein paar Haken und Schlenker einbauen, um ihn in die Irre zu führen.
Nein, natürlich vertraue ich ihm nicht blind. Ich vertraue ins Licht. Dass ich alles hinterfrage, macht bei ihm keine Ausnahme - doch er ist schließlich der einzige, der meine Bemerkungen aus unserem Gespräch kennt. Hier gelte ich wahrscheinlich als der große Lynchjustizverharmloser, der blind dem edlen Wilden vertraut.
Nun, die Zeit ist zu wertvoll, sie mit Erläuterungen und Selbstoffenbarungen zu verschwenden. Wer mich kennt, weiß, wie ich bin und vielleicht werden manche mich tatsächlich noch richtig kennenlernen. (Und ich sie.)

Sicher ist, dass ich dringend meine Meditationen wieder aufnehmen muss. Ich kann es mir weiß Licht nicht leisten, strändig in die Luft zu gehen. Eligor hätte mir dafür den Arsch aufgerissen. Und wo er schonmal offen wäre, hätte Mikael mir die Eingeweide herausgepflückt für diese Blöße.
Ich werde ihm davon berichten und notfalls in der Bruderschaft des Lichts nochmals Unterweisungen abholen.

Das Licht ist meine Zuflucht und meine Stärke,
eine Hilfe in allen großen Nöten.
Darum fürchte ich mich nicht,
auch wenn die Welt unterginge,
selbst wenn die Berge ins Meer versänken
und das Wasser über die Ufer träte.
Wenn auch das Meer wütet und wallt,
selbst wenn die Berge einfielen.

Psalm 46
Aedan hat geschrieben:Aedan sitzt mit einer dampfenden Tasse Goldkleetees, einem verbundenen Arm und sehr warm angezogen in der Sonne vor dem Gasthaus.
Am Himmel drehen gleichgültig ein paar Vögel ihre Runden, in der Ferne sieht man einen Greifen unter den Nordlichtern seine Kreise ziehen.
Aedan reibt sich über die fiebrigen Augen, nimmt einen kleinen Schluck des heißen Tees, tunkt die Feder in die Tinte und beginnt seinen Eintrag.


24. Tag des 2. Monats, Fort Wildervar, Heulender Fjord

Wir haben die Nacht in Fort Wildervar verbracht. Gegen die achte Abendstunde reisten wir in den Grizzlyhügeln ab, die Vorhut bildete Schwester Samielle mit einigen Ordensmitgliedern, die Nachhut Sir Veyt mit seinen Leuten.
Miss Brooks und Kommandant Lightforger flogen mit ihren Greifen die Umgebung am Pass ab.

Als sie zu uns zurückkehrten, berichteten sie von einer überfallenen Taunka-Karawane nicht weit vor uns. Wir sollten sie bald selbst zu Gesicht bekommen - ein Bild des Schreckens,
Das war kein Überfall gewesen, das war gnadenloses Abschlachten. Die Kodos waren nur mehr blutige Haufen, die Taunka selber sahen nicht besser aus. Unvorstellbar, welche Kräfte da gewütet haben müssen, welch roher Zorn und welche unmenschliche Gewalt.
Die Leichen waren bereits von einem leichten Frost bedeckt, doch aufgrund der herrschenden Temperaturen war dies kein Indiz dafür, dass der Vorfall bereits lange zurücklag.
Ich sprach ein stilles Gebet für die Getöteten - die Qual, welche sie erlitten haben müssen, liegt jenseits meines Verständnisses.

Unseren weiteren Weg legten wir sehr wachsam zurück. Wenig später hörten wir ein Horn erschallen...der Lärm löste eine Lawine aus, die uns jedoch lichtlob nicht verletzte.
Bald schon war die beißend kalte Luft von Lärm erfüllt - wir versuchten, etwas an den Hängen auszumachen, doch es war zu neblig.
"Heilir Ingvar!", drang es zu uns durch den Nebel. "Skulum slá sverðum sigrvef þenna!" und "Mit geru scal man geba infahan, ort widar orte." (*)

Vrykul! Drei wahre Hünen preschten aus dem Nebel auf uns zu, zwei Männer und eine Frau. In unserer Sprache brüllten sie uns entgegen, dass sie Rache für Ingvar (den getöteten Kommandanten von Burg Utgarde) wollten und unsere Gedärme sicherlich hübsche Halsketten abgeben würden, respektive sie unsere Herzen essen wollten. Sie schrien von ihrem nicht näher benannten Totengott (ich fürchte, damit meinten sie den Lichkönig) und griffen uns an wie wahre Berserker.

Die Schlacht war furchtbar! Es waren "nur" drei Vrykul, doch sie hatten die Kraft einer kleinen Armee.
Ich bin noch vollkommen betäubt...Schwester Samielle riss ihren Schild hoch um mich zu schützen, als drei Speere gegen sie, mich und Bruder Wulfric flogen. Mein hastig aufgebauter Lichtschild hielt nicht stand - die Speere zischten hindurch, Schwester Samielles Schild lenkte den Speer mit meinem Namen darauf ab - und wurde selber von ihm getroffen.

Ich bin fassungslos. Sie schützte mich und wurde selber schwer verletzt. Der Speer durchbohrte ihre Brustrüstung und sie fiel - ihr Blut färbte rasch den Schnee unter ihr. Vom Rest des Kampfes bekam ich nicht viel mit - ich sank neben ihr in die Knie und betete sämtliche Heilgebete, die ich von Gustav und dem Argentumkreuzzug kenne.
Neben uns lag Wulfric, selbst einen Speer in der Schulter, und stoppte mit seiner Magie die Blutung.

Der Rest ist wie mit einer Nebelglocke bedeckt. Das Licht stand uns bei - wir siegten gegen die Vrykul, Ordensdiener Afarus hob mit mir Schwester Samielle auf ihr Pferd und wir zogen rasch weiter nach Fort Wildervar.
So rasch wir konnten - denn aus den Hügeln scholl vielstimmiges Geschrei und der Boden bebte.

Im Fort angekommen, kümmerten wir uns zuallererst um die Verwundeten. Ich selbst sah Feldwebel Barbek - offensichtlich mit einer schlimmen Bauchwunde, Miss Murray mit einem tiefen Schnitt im Arm und vermutlich einer Gehirnerschütterung, Wulfric mit einem Loch in der Schulter und Schwester Samielle mit ihrer schweren Verletzung.
Die Verwundeten wurden nach besten Kräften versorgt, das Loch im Bauch von Schwester Samielle sowie der Schnitt in Schwester Clairices Arm wurden kauterisiert und die Luft flimmerte förmlich vor Heilgebeten.

Mir selber war der linke (! Wie konnte es auch anders sein?) Arm von einem Eissplitter oder der vorbeisausenden Axtklinge der Vrykulfrau aufgerissen. Ich kann von Glück sagen, dass ich nur gestreift wurde, sollte es die Klinge gewesen sein.
Nachdem die schwerer Verwundeten versorgt waren, machte ich mich auf Bruder Wulfrics strenges Geheiß daran, meine Armwunde mit dem Whisky, den wir dabeihatten, auszuwaschen und zu verbinden. Vermutlich ein wenig spät, denn mich hat das Fieber gepackt, aber es geht mir vergleichsweise gut. Die Wunde ist etwas rot entzündet, wird aber heilen.

Es gibt nicht genügend Zimmer hier für uns, doch ich konnte bei der Wirtin immerhin Feldbetten für die Truppe mieten, mit denen wir uns etwas einrichten konnten.

Feldwebel Barbek hat es glaube ich recht übel erwischt. Ich weiß nicht genau, was mit ihm los ist, aber ich hörte ihn noch recht wirr reden.
Schwester Samielle hat bislang nicht das Bewusstsein wiedererlangt und ich denke, sie muss unbedingt von einem richtigen Medicus versorgt werden. Am Ende stecken noch Splitter ihrer Brustrüstung irgendwo in ihrem Leib - das Licht bewahre.

Nach all den Ereignissen schäme ich mich noch mehr für meinen vorherigen zorntriefenden Eintrag. Die halbe Nacht war ich wach und betete für die Verletzten - ganz besonders für Schwester Samielle, die es wohl am schwersten getroffen und die mir vielleicht sogar das Leben gerettet hat.

Das Licht sei uns gnädig und segne uns, es lasse sein Angesicht über uns leuchten.




(*) Heil Ingvar! Mit Schwertern weben wir das Tuch der Schlacht! Mit dem Ger soll der Mann Gabe empfangen, Spitze wider Spitze.
"Egal wie tief man die Messlatte für menschlichen Verstand auch hängt, es gibt jeden Tag einen, der aufrecht drunter durchgeht!"
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Re: Tagebuch der Bruderschaft

Beitrag von Veyt » Fr 8. Feb 2019, 10:21

Wulfric hat geschrieben:Wulfric blickt aus dem Fenster, im Haus seiner Eltern in Dalaran, und überblickt das Treiben der Stadt von der luftigen Höhe des Turmes. Die Feder in der linken, beginnt er sorgfältig zu schreiben.

28. Tag des Zweiten Monats, Dalaran, Haus Winterspring


Die Expedition ist zu Ende und wir sind heil in Dalaran angelangt.

Am 26. Tag des zweiten Monats brachen wir an der Westwacht auf und zogen quer durch Land, gen Valgarde zu.

Kein Zwischenfall dieses Mal. Alles ruhig. Das Vrykul-Dorf in welchem wir gekämpft hatten scheint verlassen. Wunderlich.

In Valgarde angekommen sammelte sich die Truppe. Pater Robin hielt eine kurze Abschiedsmesse. Pater Aedan sprach anschließend auch noch einige Worte zu uns. Bruder Afarus, von der Scharlachroten Faust, hatte während seiner Reise Fürbitten aufgeschrieben und gesammelt, die nur vortrug.
Nachdem er fertig war ergriff Pater Robin wieder das Wort und verteilte Orden an alle Teilnehmer für ihre Dienste während der Expedition.

Wulfric schaut kurz zu der Truhe, in welcher der Orden irgendwo ganz unten liegt und schreibt dann weiter.

Anschließend sollte der Zauberspruch zerstört werden, wie Bjarnfang es von uns verlangt hatte.


Er blickt auf den Siegelring der Silberleins, der vor ihm liegt und lächelt leicht, bevor er dann wieder weiterschreibt.


Ich trat zu Lightforger und zog heimlich einen magischen Schutzschild um uns, der jegliche Einmischung von außen verhindern sollte und der auch das Mögliche "Abgreifen" eines Zaubers verhindern würde. Ich hatte mein Vorgehen in der Nacht zuvor bereits mit Pater Aedan erörtert und wir hielten die Vorsicht für angebracht.

Die anderen Teilnehmer sahen, wie der Ring auf meiner Hand erschien. Doch war es nicht der Ring, den Bjarnfang uns gegeben hatte. Das Siegel seines Ringes hatte ich bereits ohne den magischen Spruch entfernen können. Ein wenig Tüftelei und Erspühren des Zaubers hatten mich auf die Spur gebracht und den Zauber geknackt. Sein Ring hing, wie zuvor auch, um meinen Hals an einem Lederband.

Der Ring in meiner Hand war der Siegelring von Bruder Aedan, mit einem magischen Schutzschild von mir versehen und für die anderen, da das Siegel zu mir hinlag, nicht ersichtlich. Aber es hatten eh nur drei Personen das Siegel wirklich richtig gesehen. Schwester Natasi, die nicht in Sichtweite stand, Bruder Aedan und ich.

Lightforger sprach den Zauberspruch und das Schild um den Siegelring brach, wie vorgesehen. Der Auftrag war erfüllt und mein Handeln war berechtigt gewesen, hatten sich die magischen Finger eines Zauberers während des Spruches danach ausgestreckt und prallten an meinem Schild zurück.

Ich habe Schwester Rusan im Verdacht, die wohl auf Geheiß von Schwester Simanthy gehandelt hatte.

Mein Schutzschild wurde für alle sichtbar, als ich aus dem Kreis trat. Ich bin mir sicher, dass einige nicht darüber erfreut waren.

Die Expedition reiste schnell ab. Das Schiff legte bald ab und auch wir machten uns per magisches Portal auf die Weiterreise nach Dalaran.

Hier werden wir noch ein paar Tage verbringen, um uns von den Strapazen zu erholen und die Wunden ganz verheilen zu lassen.

Gestern verbrachten wir die meiste Zeit im hiesigen Hospital, zu dem uns meine Mutter geschleift hatte.

In ein paar Tagen wollen wir sehen, ob wir Bjarnfang irgendwie kontaktieren können, um ihn seinen Ring zukommen zu lassen. Mama und Papa hatten sich so sonderbar angesehen ... als wollten sie das übernehmen.

Wulfric hört seine Mutter zum Essen rufen, seufzt leise und lässt das Buch offenliegen, zum trocknen.
"Egal wie tief man die Messlatte für menschlichen Verstand auch hängt, es gibt jeden Tag einen, der aufrecht drunter durchgeht!"
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