Privates Tagebuch von Dr. Barker

Antworten
Benutzeravatar
Veyt
Foren-/Wiki-Administrator
Beiträge: 292
Registriert: Di 15. Jan 2019, 21:47
Wohnort: Sturmwind
Kontaktdaten:

Privates Tagebuch von Dr. Barker

Beitrag von Veyt » Fr 8. Feb 2019, 11:16

Barker hat geschrieben:Westwacht – 2. Tag

Als ich dieses Journal in Sturmwind erworben habe, nahm ich an, genug Zeit zu haben um tägliche Berichte zu verfassen, was soll schon groß passieren wenn man tagelang durch die Ödnisse Nordends reist? Wie sehr ich mich geirrt habe – die Vielfalt der Eindrücke ist geradezu erschlagend und viel zu umfangreich um alles festzuhalten, aber ich will das letzte Abendlicht hier in Westwach nutzen um einiges davon zu Papier zu bringen.

Wann immer ich versucht habe, mir Nordend als Land vorzustellen, zeichneten sich vor meinem inneren Auge nur endlose weiße Eiswüsten ab, die sich trostlos von einem Ende des Horizonts zum anderen erstreckten. Auf das Bild, welches sich mir bei unserer Ankunft in Valgarde dann jedoch bot, war ich nicht vorbereitet – in sattes Grün gewandete zerklüftete Felsen, aus denen sich gischtspritzende Wasserfälle ins Tal ergossen, mächtige Nadelbäume die sich im niemals verstummenden Windsgeheul wiegten und mittendrin tummelndes Leben, vom kleinsten Nagetier bis zum erhabensten Adler.
So heroisch und majestätisch mutete die Landschaft an, daß mir ganz schwach ums Herz wurde, solche Freiheit lag in ihrem Anblick, daß es mir die Tränen in die Augen trieb. Hatte ich während der Schiffsreise noch damit gehadert, die östlichen Königreiche auf unbestimmte Zeit nicht wiederzusehen, so waren diese Gedanken nun schlagartig verflogen. Tatsächlich hatte sich seit langer Zeit nichts mehr so sehr nach „Heimat“ angefühlt wie dieser Ort, das Land selbst schien auf mich gewartet zu haben und ich konnte nicht schnell genug an Land gehen.

Dort angekommen erhielt meine Euphorie jedoch einen ersten Dämpfer, als ich –mal wieder- ein Opfer meiner Naivität wurde – rückblickend bin ich selbst nicht sicher, wie ich mir die Umstände unserer Ankunft vorgestellt hatte, doch kamen dabei Menschen vor, die am Steg stehen und uns zujubeln würden, Kampfgefährten, die sich nach langer Abwesenheit wiedersahen und sich in die Arme fielen, eine Parade zu unseren Ehren wohlmöglich... kurzum: genau die Art von jämmerlichen Kameradschaftsträumen, die sich ein abgestumpfter Geist zurechtphantasiert wenn er hinter dicken Kerkermauern sitzt und einen Ausweg aus seinem eintönigen Elend sucht.
Die Realität sah natürlich vollkommen anders aus – wir befanden uns schließlich im Kampfgebiet und der befehlshabende Konteradmiral Norrington empfing uns entsprechend frostig, als er feststellte, daß wir nicht die erhoffte Verstärkung sondern nur ein Expeditionsteam waren. Schon gar nicht wollte er seine Vorräte mit uns teilen, die wir ihm wohlmöglich die Kompetenzen streitig machen und uns wichtigtun wollten. So bestand der folgende Austausch von Worten nicht in wohlwollenden Grüßen aus der Heimat sondern in knallharten Verhandlungen um Ressourcen und Gegenleistungen. Die souveräne Art und Weise, auf welche unsere Anführerinnen O’Caroll und Shukov das Bestmögliche für unsere Expedition herausholten, beeindruckte mich sehr, es dauerte nicht lange und sie hatten dem Konteradmiral ein paar Kisten mit Vorräten abgerungen und das alles für die Einwilligung, einen Vorstoß gegen die Vrykul zu führen und seine Truppen auf diese Weise zu entlasten.
Während sie verhandelten, rückte ich ein wenig näher an ein wärmendes Feuer und stellte fest, daß ich die Aufmerksamkeit von Meister Steinschlag auf mich gezogen hatte – und zwar nicht im positiven Sinne. Ich begriff zunächst nicht, was ich Schändliches getan haben konnte, doch dann bemerkte ich den Hünen von Mann, welcher in Ketten auf dem Boden genau neben mir saß, ein Gefangener, der mir auf dem Schiff gar nicht aufgefallen war... wer weiß, wo sie den verstaut hatten. Nun, um weitere Verdachtsmomente zu vermeiden, nahm ich ein wenig Abstand.

Es dauerte nicht lange und die Expeditionsleitung rief alle kampffähigen Teilnehmer zusammen um gegen ein nahegelegenes Dorf der Vrykul zu Felde zu ziehen. Bei der Gelegenheit wurde der Befehl an alle jeweiligen Betroffenen gegeben, ihre Worgengestalt anzunehmen – so selten ein solcher Befehl war, umso schlauer war er, gedachte man doch offenbar, unsere verstärkten Sinne zu nutzen. Dennoch war ich irgendwie peinlich berührt und wartete mit der Verwandlung, bis daß auch alle anderen damit fertig waren, war doch das Risiko groß, den Anschein von Zivilisiertheit, den ich während der Überfahrt zu erwecken versucht habe, wieder zunichte zu machen. Zu meiner Erleichterung nahm jedoch niemand besondere Notiz davon, mein Zustand schien hier fast so etwas wie Normalität zu sein, was ein unverhofft befreiendes Gefühl war. Zugleich wurde meine Wahrnehmung der Umgebung durch die Worgensinne noch vertieft – die Gerüche von fruchtbarer Erde, in vollem Saft stehender Bäume und der leicht metallisch duftenden Felsen um uns herum vermischten sich in meiner Nase zu einer Komposition, die mir nur eines vermittelte: du bist hier zuhause.

Es blieb keine Zeit, diese Empfindungen auszukosten, da sich der Trupp in Bewegung setzte um der örtlichen Vrykul-Population ein wenig einzuheizen. Da ich jedoch der medizinischen Abteilung angehöre und kein regulärer Soldat bin, blieb ich im Lager und bereitete mich auf eventuelle Verwundete vor... und nutzte die Gelegenheit, um nach dem Gesundheitszustand des Gefangenen zu sehen. Seit meiner Zeit in Stoneward kann ich es nicht ertragen, Leute wie Tiere angekettet zu sehen und die Art und Weise, wie er von den Wachen behandelt wurde, erinnerte mich sehr unangenehm daran, was mir selbst widerfahren war.

Wie sich herausstellte, gab es, abgesehen vom Lösen der Ketten, was jedoch meine Kompetenzen WEIT überschritten hätte, nichts, was ich für ihn tun konnte. Wir kamen ins Gespräch und mein Gegenüber erzählte ein wenig aus seinem Leben. Ich bin nicht ganz sicher, wieviel davon der Realität entsprach, zum Beispiel ist es mit meinem Weltbild unvereinbar, daß ein Bruder dem anderen die Sehnen durchschneidet und ihn an einen Fels gekettet zurücklässt damit die Geißel ihm den Rest gibt. Andererseits habe ich seit dem Bürgerkrieg und dem Untergang meines Heimatlandes längst feststellen müssen, daß vieles, was ich früher nie für möglich gehalten hätte, tatsächlich existiert, im Guten wie im Schlechten. Vielleicht etwas mehr im Schlechten.

Was mich jedoch wahrhaftig bis ins Innere berührte, war die offenbar tiefempfundene Verzweiflung des Gefangenen darüber, daß er so relativ schonend behandelt wurde – in Ketten gelegt an einem Lagerfeuer zu sitzen, schien ihn zu beleidigen. Wohlmöglich hätte er es eher als Zeichen des Respektes empfunden, nackt zwischen karge Felsen und vor einer Höhle voller hungriger Bären gefesselt zu sein.

Mir wurde schnell klar, daß ich einen Mann vor mir hatte, der mit aller Macht nach Großem strebte, er verkörperte all das, was ich stets sorgsam zu unterdrücken versuche – Stärke, Kompromisslosigkeit, Härte sich selbst und anderen gegenüber, die Augen immer zum Horizont gerichtet um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Vielleicht habe ich mich selbst in ihm gesehen - oder vielmehr die Person, die ich eigentlich sein wollte anstelle der zerlumpten Gestalt, zu der ich mittlerweile geworden bin. Jedenfalls habe ich mich selten in der Gegenwart eines anderen Menschen so inspiriert gefühlt und einen Moment lang spielte ich mit dem Gedanken, ihn von seinen Ketten zu befreien. Menschen von solcher innerer Größe sollten nicht der Gnade anderer ausgeliefert sein.

Er lenkte das Gespräch jedoch auf die Frage, warum ich nicht mit dem Trupp in die Schlacht gezogen war. Naiv wie ich bin antwortete ich, daß die Expeditionsleitung nur die kampffähigen Teammitglieder aufgerufen hatte. Er lachte sardonisch und wies mich darauf hin, daß ich zwei Meter groß war und Klauen wie Dolche besaß. Das war der Augenblick, in dem ich begann, mich etwas zu schämen.
Ich versuchte, ihm zu vermitteln, wie gefährlich es für jemanden wie mich sein konnte, die... Attribute... mit denen meine Art nun einmal unfreiwillig ausgestattet wurde, zu dem Zweck zu verwenden, sich über andere zu erheben.

Seinem Blick jedoch konnte ich ansehen, was er von dieser Ausrede hielt... und er hatte Recht... habe ich nicht aus Liebe zu meinem Heimatland das Schwert gegen meinen König erhoben als ich im Herzen sicher war, er hätte eine falsche Entscheidung getroffen? Bin ich nicht meinem Lord in die Schlacht gegen meine eigenen Landsleute gefolgt, habe diesen in Hinterhalten aufgelauert und allen, die sich uns entgegenstellten, die Kehle durchgeschnitten? Habe ich nicht mein anatomisches Wissen dazu verwendet, zielsicher in genau die Körperregionen zu stechen, deren Verwundung am schnellsten den Tod brachte?
Was kann ich alles bewerkstelligen... heute... wohlmöglich hätte ich im Dorf der Vrykul einen Unterschied bewirken können... nicht als Wundarzt, der ohnehin nur das fünfte Rad am Wagen ist, sondern als Worgen, dessen ganzer Körperbau auf das Vernichten anderer Lebewesen ausgerichtet ist.

Aber so einfach ist es nicht. Ich musste unwillkürlich an meinen einstigen Nachbarn Cooper denken – Gemüsehändler, konnte keiner Fliege was zuleide tun, ernährte sich nur von Kohl und Rüben... und kaum hatte er Klauen und Fänge, verschwand er heulend und geifernd in den Wäldern um sich irgend einem Rudel anzuschließen und ganz in der Wildheit aufzugehen. Ich habe seinen Kopf später an einem von Lord Godfreys Karren gesehen, der arme Narr.

Es ist wahr, daß unsere darnassischen Verbündeten uns geholfen haben, das Tier in uns in Zaum zu halten. Aber welchen Nutzen hat es schon, die animalische Seite in sich kontrollieren zu können, wenn der menschliche Geist zu schwach ist, der Versuchung zu widerstehen?

Glücklicherweise lenkte die Rückkehr unserer Truppen mich ab und ich begab mich zum Lazarett. Meine Dienste waren jedoch nicht erforderlich – was mich nicht weiter verwunderte, nehmen sich meine handwerklichen Fähigkeiten doch im Gegensatz zu dem, was die Streiter des Lichts zu vollbringen in der Lage sind, eher bescheiden aus.

Während man sich etwas ausruhte, suchte ich das örtliche Gasthaus auf und erwarb dort einige Flaschen Kümmelschnaps – zur Desinfizierung natürlich. Bei der Gelegenheit lernte ich Herrn Donrik Hammerfaust kennen. Ein sympathischer Bursche, ich genieße seine Gesellschaft und mußte unwillkürlich darüber schmunzeln, wie seine Art, mitten im Lager Kleintiere zu erlegen, den Unmut der anderen Expeditionsteilnehmer auf sich zog, die ihm Munitionsverschwendung vorwarfen.

Leider war für die Vertiefung von Bekanntschaften nicht viel Zeit, die Leitung drängte zum Aufbruch. Zu meiner Freude wurde mir von der Logistik ein gilneeisches Bergpferd zugeteilt – ich mag diese Tiere, sie sind robust und furchtlos und werden nicht gleich panisch wenn sich ein Worgen auf ihren Rücken setzt.
Durch den zufriedengestellten Konteradmiral mit einigen Kisten an Vorräten versorgt, ritten wir los und ich freute mich bereits darauf, mehr von dieser unglaublichen Landschaft zu sehen.

Meine Freude sollte nur kurz währen... kaum hatten wir die Schlucht hinter uns gelassen und die Brücke ins Landesinnere passiert, als ein infernalisches Brüllen laut wurde, welches mir durch Mark und Bein ging und mich, wie ich gestehen muß, angstvoll die Tatzen an die Ohren schlagen ließ. Ich fühlte mich schlagartig an Magnatauren erinnert und verharrte sekundenlang regungslos auf meinem Pferd zusammengekauert – dadurch sah ich nicht, wie sich eine überlebende Vrykul, möglicherweise die Anführerin des ausgelöschten Dorfes, auf einem ebenso majestätischen wie archaischen Protodrachen auf uns stürzte und uns mit Drachenfeuer eindeckte.

Nur ein Hechtsprung vom Pferd rettete mich davor, verbrannt zu werden – mein feines Pferd jedoch fiel dem wütenden Ansturm der Berserkerin zum Opfer und starb im Atem des Drachen. Mich befällt jetzt noch ein seltsames Gefühl von Verlust, so stolz war ich auf dieses Pferd gewesen und so kurz nur hatte ich in seiner Gegenwart verweilen dürfen.
Ein gewaltiges Getümmel entbrannte und ich muß zugeben, vor Angst erstarrt gewesen zu sein, während sich die Streiter des Lichts todesmutig in den Kampf stürzten. Ich weiß nicht wie lange ich am Ufer des Sees gestanden hatte, Feuerschein und Waffengeklirr lähmten mich und machten mich kopflos. Irgendwann sah ich nur, daß Meister Wulfric bewusstlos im See trieb.

Die Kombination von Wasser und Entfernung zum Kampfgeschehen machte es mir leicht, mich in die Fluten zu stürzen und ihn zu bergen. Hinter der Brücke brachte ich ihn an lang und stellte sicher, daß er außer Gefahr war... als geschah, was nicht hätte geschehen dürfen: etwas in mir rastete ein und eine unbändige Kampfeslust packte mich. Auf allen Vieren rannte ich zum Ort des Kampfes zurück, dann fehlen mir ein paar Minuten in meiner Erinnerung. Mir wurde jedoch gesagt, daß ich mich auf den Protodrachen, der zu diesem Zeitpunkt bereits ohne seine schon besiegte Reiterin war, gestürzt und ihm meine Klauen ins Fleisch geschlagen hätte.

Einerseits macht es mich stolz, etwas zu unserem Sieg beigetragen zu haben. Andererseits empfinde ich es als äußert erschreckend, dermaßen die Kontrolle verloren zu haben, derlei ist mir schon lange nicht mehr passiert und ich kann es nur dem Einfluss des Landes zuschreiben.
Zum Glück gab es nur einige Verletzte, aber keine Toten, abgesehen von den armen Pferden natürlich, von denen einige den Flammen zum Opfer gefallen waren. Für die meisten von uns bedeutete das einen langen, beschwerlichen Fußmarsch zur Westwacht, die wir sehr spät am Abend erreichten.

Herrje, ich sollte mich darin üben, mich kürzer zu fassen, der Mond steht schon in voller Pracht am Himmel und die Wache auf den Mauern hat bereits einmal gewechselt. Ich werde nun versuchen, etwas Schlaf zu finden, in der Hoffnung, von Alpträumen verschont zu bleiben.
Barker hat geschrieben:Westwacht - 3. Tag

Die Expeditionsleitung hat einen Ruhetag verkündet um den Verwundeten Gelegenheit zu geben, sich etwas auszukurieren. Ich versuche, mein Möglichstes dazu beizutragen und stelle grimmig fest, daß ich auf Erfrierungen eingestellt war, jetzt aber eigentlich Brandsalbe benötige.

Heute nachmittag ist mir aufgefallen, daß der Gefangene fehlt. Wo er nur geblieben sein mag? Ich werde mich mal nach ihm erkundigen, ein Teil von mir will das Gespräch von gestern fortsetzen. Ich fühle eine Weisheit in ihm, über die nicht viele Lebewesen verfügen - und wenn, dann nur jene, die dazu bereit sind, alle Grenzen zu überschreiten um herauszufinden, was dahinter liegt.
Vielleicht kann ich im Dialog mit ihm zu mir selbst zurückfinden, vielleicht legt sich dann diese seltsame Rastlosigkeit, die mich jüngst ergriffen zu haben scheint.
"Egal wie tief man die Messlatte für menschlichen Verstand auch hängt, es gibt jeden Tag einen, der aufrecht drunter durchgeht!"
_______________________
Admin des Nachtliga-Wiki

Benutzeravatar
Veyt
Foren-/Wiki-Administrator
Beiträge: 292
Registriert: Di 15. Jan 2019, 21:47
Wohnort: Sturmwind
Kontaktdaten:

Re: Privates Tagebuch von Dr. Barker

Beitrag von Veyt » Fr 8. Feb 2019, 11:17

Berichte aus dem Lazarett
Barker hat geschrieben:An: Inquisitorin Simanthy Weißsträhne

Betr.: Zustand der Truppen nach dem Seegefecht



Euer Gnaden,

lasst mich Euch zuerst die gute Nachricht überbringen, daß nach dem Zusammenstoß mit den Streitkräften der Horde keinerlei Todesfälle zu beklagen sind, auch besitzen alle Beteiligten noch die volle Anzahl von Gliedmaßen.

Dies soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß es in einigen Fällen sehr knapp ausgegangen ist – das Lazarett, übrigens mit tatkräftiger Unterstützung durch Frau von Schattenklang aufgebaut, hatte zum einen die üblichen bei kriegerischen Auseinandersetzungen anfallenden Verletzungen wie Abschürfungen, Prellungen und Schnittwunden zu versorgen. Diese waren nicht weiter besorgniserregend und konnten ohne großen Aufwand behandelt werden.

Vereinzelt waren Schussverletzungen zu versorgen, die jedoch, vermutlich durch den relativ großen Abstand der Schiffe, des zum Zeitpunkt des Gefechts vorherrschenden Windes und der mangelnden Zielgenauigkeit der Hordenstreitkräfte, nicht allzu bedrohlich waren, alle Kugeln konnten ohne Komplikationen aus den entsprechenden Wunden entfernt werden.

Als wahrlich verheerend haben sich jedoch die Verwundungen durch umherfliegende Trümmerteile und Splitter erwiesen, welche teilweise lebensbedrohliche Ausmaße angenommen haben, wobei sich die kleinen Teile nicht minder tückisch als die großen verhalten haben.
So wurde in einem Fall eine Oberschenkelarterie durchtrennt, welche nur unter größten Mühen wieder zusammengefügt werden konnte, ein großer Splitter hat einem der Zwerge beinahe das Augenlicht genommen und einige der Soldaten waren so sehr mit winzigsten Fragmenten gespickt, die sogar ihren Weg unter die Rüstungen fanden, daß es Stunden dauerte, diese wieder aus ihnen zu entfernen.
Damit einher ging, wie Ihr zu meinem Bedauern selbst erfahren musstet, ein relativ hoher Blutverlust, dem mit die körpereigene Regeneration unterstützenden Mitteln entgegengewirkt wurde.

Alles in allem hätte die Sache schlimmer ausgehen können, einigen Truppenangehörigen rate ich jedoch dringendst zu ausgedehnter Bettruhe um die Ausheilung der Verletzungen zu begünstigen (detaillierte Liste liegt anbei).

Der leidige Umstand, daß wir bereits in einer so frühen Phase der Expedition in ein schweres Gefecht verwickelt worden sind, hat die medizinischen Vorräte, vor allem das Verbandszeug, Nadeln und Chirurgengarn, stärker als erwartet beansprucht. Nach Ankunft in Valgarde empfehle ich die Aufstockung dieser, bevor wir tiefer in die Gebiete Nordends vordringen. Eure Erlaubnis vorausgesetzt, werde ich mich darum kümmern.

Abschließend möchte ich besonders hervorheben, wie tapfer sich die Mannschaft verhalten hat – trotzdem sich die Expeditionsteilnehmer mitunter erst wenige Stunden kannten, wurde diskussionslos Hand in Hand gearbeitet, jeder hat seinen Teil zum Sieg beigetragen und niemand hat sein Schicksal beklagt. Nachdem diese Feuertaufe überstanden ist, sehe ich dem weiteren Verlauf der Expedition sehr optimistisch entgegen.

Mit den besten Genesungswünschen

Dr. Henry Barker
"Egal wie tief man die Messlatte für menschlichen Verstand auch hängt, es gibt jeden Tag einen, der aufrecht drunter durchgeht!"
_______________________
Admin des Nachtliga-Wiki

Antworten