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Calithilien
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Beitrag von Calithilien » So 11. Aug 2019, 22:10

Arilean Mondnebel erhob sich seufzend vom Rand des Mondbrunnens. Ihre Befürchtungen hatten sich bestätigt. Sie selbst hatte seit der Rückkehr von Avalora mehrfach versucht, mit dieser zu reden, vor allem, als sie im Lazarett lag. Doch schnell hatte sie feststellen müssen, dass Avalora nicht reden wollte. Sie wollte noch nicht einmal im Lazarett bleiben. Dieses Mal ließ sie sich auch nicht zur Vernunft bringen.

Shan’do Nachttänzer hatte der Mondpriesterin eine Nachricht zukommen lassen, in der auch er seine Besorgnis über den Zustand der Kommandantin mitteilte. Zugleich hatte er eine Bitte geäußert. Diese Bitte wollte Arilean nun der Person vortragen, die die Möglichkeiten dazu hatte.

Die Mondpriesterin atmete tief durch und strich ihre Robe glatt. Dann machte sie sich auf den Weg zu den Quartieren. Tatsächlich fand sie die gesuchte Person dort, Calithilien Sturmfeder.

Die zivile Beraterin für magische Angelegenheiten und Avaloras Tante mütterlicherseits saß nachdenklich über einem Buch, als Arilean auf sie zutrat.
„Schwester Sturmfeder, habt Ihr einen Moment für mich?“, fragte die Priesterin direkt.
Calithilien sah auf und erhob sich dann, um sich vor Arilean zu verneigen.
„Natürlich, Hoheschwester. Was kann ich für Euch tun?“
„Wir benötigen Eure Fähigkeiten als Magierin. Wir wissen in Bezug auf Avalora nicht mehr weiter.“
Calithilien nickte seufzend.
„Sie lässt noch immer niemanden wirklich an sich heran, nicht wahr?“
„Leider nein. Selbst ihren Säbler nicht, und der war, wie Ihr wisst, unsere Hoffnung. Allerdings ist Shan’do Nachttänzer auf eine andere Idee gekommen. Genau dafür brauchen wir Eure Fähigkeiten. Würdet Ihr einen Suchzauber wirken?“
„Wen oder was soll ich finden?“, fragte Calithilien nur.
„Die Familie der Kommandantin“, antwortete Arilean und zögerte einen Moment. „Und auch die Eure. Euren Vater und Euren Bruder.“
Calithilien erstarrte einen Moment, atmete dann tief durch und nickte schließlich.
„Wenn es meiner Nichte hilft, sie alle um sich zu haben, dann soll es so sein. Ich werde die entsprechenden Vorbereitungen treffen und dann den Zauber wirken. Allerdings kann es dauern, bis so ein Zauber ein Ergebnis liefert, wenn man das Suchgebiet nicht eingrenzen kann.“
„Leider wissen wir nicht, wo genau sich die einzelnen Personen aufhalten. Sobald Ihr jedoch Ergebnisse habt, setzt mich davon bitte in Kenntnis.“
„Natürlich, Hoheschwester“, sagte Calithilien und neigte ihr Haupt.
Arilean nickte zufrieden.
„Viel Erfolg, Schwester Sturmfeder“, sagte sie mit einem aufmunternden Lächeln und ließ die Magierin dann allein.

Calithilien atmete tief durch. In Bezug auf ihre eigene Familie tauchten unschöne Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit auf. Doch ihrer Nichte zuliebe schob sie sie beiseite und machte sich daran, alles für den umfangreichen Suchzauber vorzubereiten, den sie am nächsten Tag wirken wollte.

Schon früh war Calithilien nach einigen Stunden Schlaf auf den Beinen. Sie wollte so zeitig wie möglich mit dem Zauber anfangen. Als Hilfsmittel dienten ihr eine ausgebreitete Karte von Azeroth und ein an einer Halterung befestigtes Pendel, welches über der Karte schwebte. In Griffweite lagen ein Stück Pergament und ein Stift, um die jeweiligen Aufenthaltsorte zu notieren.

Calithilien setzte sich an den Tisch, schloss einen Moment lang die Augen und konzentrierte sich. Dann sprach sie die Zauberformel und fügte den Namen der Person ein, die sie finden wollte. Sie würde die Formel für jede Person neu sprechen müssen. Als sie den Zauber aktiviert hatte, öffnete sie die Augen wieder, sah auf das Pendel und die Karte und wartete.

Nur langsam setzte sich das Pendel in Bewegung. Erst schwang es im Kreis, als könnte es sich noch nicht entscheiden. Dann begann es, langsam auszuschlagen. Es zeigte in Richtung Kalimdor. Deshalb schob Calithilien die Karte so unter das Pendel, dass nur Kalimdor unter ihm lag.

Es verging einige Zeit, bis das Pendel den ersten Aufenthaltsort gefunden hatte, und Calithilien notierte Namen und Ort, ehe sie die Karte wieder komplett unter das Pendel schob und den nächsten Suchzauber wirkte.

Stunden vergingen, doch schließlich hatte Calithilien alle Personen gefunden, die gefunden werden sollten.

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Zeit des Wartens

Beitrag von Avalora » Mo 30. Sep 2019, 20:25

Es vergingen einige Tage, doch dann kehrten die ausgesandten Späher zurück und erstatteten Arilean Mondnebel Bericht. Diese wiederum informierte Calithilien Sturmfeder und Elyedriel Herbstlaub. Die Späher waren erfolgreich gewesen und hatten die Nachrichten überbringen können. Sofort schickte Arilean einen Boten zur Mondlichtung, um dort Cyaerian Nachttänzer Bericht zu erstatten.

Die Zeit des Wartens nutzten Arilean, Calithilien und Elyedriel, um abwechselnd ein Auge auf die Kommandantin zu werfen und zu versuchen, die von Elyedriel mitgebrachten Geschenke und Nachrichten an diese zu übergeben. Jedes Mal wurden sie fortgeschickt, bis sie schließlich resignierten und die Geschenke und Nachrichten in das Quartier ihrer Kommandantin brachten. Sie beschränkten sich deshalb nur noch aufs Beobachten, da sie sich weiterhin Sorgen machten.

Auf der Mondlichtung wartete auch Cyaerian Nachttänzer, vor allem nachdem er den Bericht der Mondpriesterin erhalten hatte.
Ich diene der Natur und schütze das Leben. Mit meinem eigenen.

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Zusammenkunft auf der Mondlichtung

Beitrag von Avalora » Mi 9. Okt 2019, 17:14

Schon einige Tage später hatte zumindest das Warten auf der Mondlichtung ein Ende. Nach und nach trafen die Empfänger der Nachrichten ein: Garin Sternenstaub, Araes Sternenstaub, Selenya Sternenstaub sowie Thoraen Dämmerklinge und Aydryn Dämmerklinge.

Cyaerian bestellte sie alle zu sich an einen abgeschiedenen Ort außerhalb von Nachthafen.
„Also, warum sollten wir hierher kommen?“, fragte Thoraen direkt. „Die Nachricht war ja sehr vage gehalten.“
Cyaerian sah erst ihn, dann Aydryn und schließlich Garin, Araes und Selenya an.
„Es geht um Avalora“, begann Cyaerian ernst und berichtete ihnen dann in allen Einzelheiten, was seit der Trennung der Familie geschehen war. Vor allem konzentrierte er seinen Bericht auf die Geschehnisse des Kriegs der Dornen und allem, was sich danach zugetragen hatte.
Die fünf Kaldorei hörten ihm mit besorgten und zugleich ernsten Mienen zu.
Schließlich endete Cyaerian und sah die fünf nacheinander an. Eine unangenehme Stille herrschte gerade vor, die geradezu erdrückend war.
Garin wechselte einen Blick mit den anderen, ehe er das Schweigen brach.
„Ich fasse zusammen: Meine Enkelin hat im Krieg der Dornen die Hälfte ihrer Leute verloren und war an der Evakuierung Teldrassils beteiligt. Seitdem war sie traumatisiert. Richtig?“
Cyaerian nickte als Bestätigung.
„Daraufhin hat sie in Sturmwind um Unterstützung ersucht, um in Dunkelküste bei der Rückeroberung zu helfen. Diese Unterstützung wurde ihr von mehreren Seiten gewährt und man brach schließlich auf. Im Verlauf dieser Mission traf sie einige Fehlentscheidungen und verhielt sich nicht so, wie man es von ihr erwarten würde. Gegen Ende der Mission traf sie eine fatale Fehlentscheidung, die sie beinahe das Leben gekostet hätte, während der Rest die Rückreise antreten konnte?“, fuhr Garin fort.
Erneut nickte Cyaerian.
Garin atmete tief durch.
„Wo ist sie jetzt?“
„In Feralas“, antwortete der Erzdruide knapp.
„Hat jemand ein Auge auf sie?“, fragte nun Selenya.
„Schwester Mondnebel in erster Linie, aber auch alle anderen vor Ort. Doch niemand findet Zugang zu ihr. Sie schickt wohl alle fort, die einen Versuch wagen, sich ihr zu nähern. Selbst ihren Säbler hat sie fortgeschickt. Niemand findet Zugang zu ihr. Sie ist verschlossener denn je und zieht sich mehr und mehr zurück.“
Garin rieb sich über die Nasenwurzel.
„Ich sehe, die Lage ist sehr ernst. Das erklärt, warum wir hierher kommen sollten“, sagte er und sah dann Selenya, Araes, Thoraen und Aydryn einen Moment lang an. Sie alle nickten ihm zu.
Garin wandte sich an Cyaerian.
„Shan’do, wir werden sofort nach Feralas aufbrechen.“
Cyaerian nickte.
„Das habe ich vermutet. Nur eines noch: Seid Ihr bereit, den Dienst wieder aufzunehmen und Eure alten Positionen zu besetzen?“
Erneut wechselte Garin einen Blick mit seinen Kindern, ehe er Cyaerian wieder ansah.
„Wir sind bereit. Allerdings habe ich dazu eine Anmerkung.“
„Nur zu“, meinte Cyaerian.
„Uns ist durch Euren Bericht bewusst, dass Avalora sehr viele und teils auch schwerwiegende Fehler begangen hat. Uns ist auch bewusst, dass sie dafür die Konsequenzen wird tragen müssen. Dennoch bitte ich als ihr Großvater darum, ihr zumindest in Feldeinsätzen das Kommando zu lassen. Meine Kinder werden alle Hände voll mit den Soldaten zu tun haben, die ihnen unterstehen werden. Ich selbst werde nicht mehr zu allen Einsätzen ausziehen können. Die Zeiten sind für mich vorbei. Ich werde mich nicht weigern, sollte es erforderlich sein. Doch die Einheit in ihrer jetzigen Form ist allein Avaloras Verdienst, und das sollte berücksichtigt werden. Würdet Ihr sie vollständig des Kommandos entheben, wie es nach solchen Fehlentscheidungen sein müsste, dann wird alles umsonst gewesen sein. Selbst unsere Anwesenheit würde dann nichts bringen. Wir würden Avalora verlieren, und zwar endgültig“, sagte Garin und seine Kinder Selenya und Araes nickten.
Cyaerian sah erst die drei nachdenklich an und dann Thoraen und Aydryn. Auch deren Blicken waren ernst, als sie zu Garins Worten nickten.
„Auch wenn wir zu Avalora nie das Verhältnis hatten wie Garin, Selenya und Araes, so können wir das nach unserem Kenntnisstand nur bestätigen“, meinte Thoraen.
Cyaerian dachte einige Momente darüber nach und nickte dann ganz langsam.
„Nun gut. Nichtsdestotrotz werdet Ihr wieder in die Dienste des Zirkels aufgenommen und in Eure ursprünglichen Ränge und Positionen erhoben. Wie Ihr das innerhalb der Einheit regelt, Garin, überlässt der Zirkel Euch“, sagte er schließlich. „Was die Bestrafung von Avalora angeht: Wir haben beschlossen, dass sie nicht des Kommandos enthoben wird. Ihre Fehler geschahen, weil ihr inneres Gleichgewicht so sehr aus den Fugen geraten ist, dass es ihr Urteilsvermögen und ihre Entscheidungen beeinflusst hat. Allerdings haben wir auch beschlossen, dass sie eine Weile so eine Art Hausarrest erhalten soll. Sie kann sich innerhalb des Kontinentes Kalimdor frei bewegen, jedoch ist es ihr untersagt, in die Östlichen Königreiche zu reisen. Die Leitung des Außenpostens haben wir erst einmal Elyedriel Herbstlaub sowie Sírdhemiel Wildpfeil als Stellvertreterin übertragen.“
Garin atmete tief durch und nickte dann.
„Danke, Shan’do. Was Avaloras Zustand betrifft: Ich denke, niemanden hätte das kalt gelassen, was sie durchlebt hat. Avalora war schon immer sehr herzlastig. Dass sie sich zurückzieht, ist unsere Schuld. Wir hätten für sie da sein müssen.“
„Niemand gibt Euch die Schuld“, widersprach Cyaerian. „Geschehen ist geschehen. Jedoch habe ich die Hoffnung, dass sich jetzt alles ändern wird. Was mich auf etwas anderes bringt.“
Er sah zu Thoraen und Aydryn.
„Ihr wisst, wer noch vor Ort ist?“, fragte er.
„Calithilien“, antwortete Thoraen mit einem leichten Nicken. „Wir wussten es schon länger.“
„Mein Vater und ich sind wohl endlich vernünftig geworden, denn eine Versöhnung mit meiner Schwester ist wohl längst überfällig“, ergänzte Aydryn.
Cyaerian nickte.
„Ich bin froh, das zu hören. Es ist Calithilien zu verdanken, dass wir Euch gefunden haben. Allerdings frage ich Euch: Wie sieht Eure Zukunft aus? Einst wart auch Ihr im Dienste des Zirkels.“
„Wir würden wieder in seine Dienste treten und uns der Einheit anschließen, sofern Garin nichts dagegen hat“, erwiderte Thoraen und sah von Cyaerian zu Garin.
„Ich habe nichts dagegen, und ich bin sicher, auch Avalora hätte nichts dagegen“, sagte dieser.
„Dann wäre das auch geklärt. Sehr gut“, sagte Cyaerian zufrieden. „Es gibt jedoch noch etwas, was Ihr alle wissen solltet: Avalora hat ihre druidische Ausbildung abgebrochen. Doch nach allem, was ich über ihr Tun an der Dunkelküste hörte, wäre das fatal.“
Alle sahen ihn fragend an.
„Ich erkläre es Euch: Mit der Hilfe einer Lichtwirkerin hat sie eine große Gruppe Furbolgs von ihrem rasenden Zorn befreit und das Blut aus dem Schlachtfeld gezogen. Dort, wo Avalora den Boden berührte, wuchs eine blutrote Blume, umgeben von einem Flecken Gras. Die Natur ist nach Berichten anderer Druiden dort stärker und wird besser heilen. Später hat sie einer anderen Lichtwirkerin geholfen, den Fluch eines Schattenjägers von einer anderen Person zu nehmen, in einer Felshöhle. Zuletzt hat sie noch einen ausgebildeten Druiden dabei unterstützt, ein außer Kontrolle geratenes Titanenabbild mit Ranken zu fesseln.“
Garin, Selenya, Araes, Thoraen und Aydryn sahen Cyaerian ungläubig und mit jeweils hochgezogener Augenbraue an.
Cyaerian schmunzelte kurz.
„Wir haben hier alle so geschaut wie Ihr gerade, als wir davon hörten. Doch Ihr versteht nun sicher, warum Avalora die Ausbildung unbedingt fortsetzen sollte.“
Die fünf nickten.
„Ich werde dafür sorgen, dass sie es sich anders überlegt“, sagte Garin entschlossen.
„Danke. Aber Ihr solltet aufbrechen“, meinte Cyaerian.
Garin sah mit einem vielsagenden Blick zu Araes und Selenya und die beiden nickten verstehend.
„Wir bereiten alles vor“, sagte Selenya und winkte die anderen mit sich.



Cyaerian und Garin sahen den anderen hinterher. Erst als sie in einiger Entfernung war, sah Cyaerian Garin erwartungsvoll an.
„Was kann ich für dich tun, alter Freund?“, fragte er und wechselte zur vertraulichen Anrede, denn er ahnte irgendwie, dass es eher ein privates Gespräch werden würde.
„Ich wollte mich bei dir bedanken, alter Freund“, antwortete Garin.
Cyaerian sah Garin verwirrt an.
„Wofür?“, fragte er.
„Dafür, dass du dich meiner Enkelin angenommen hast und für sie wie ein Vater bist.“
„Woher weißt du das?“, fragte Cyaerian erstaunt.
„Ich habe meine Quellen“, antwortete Garin.
„Verstehe“, meinte Cyaerian schmunzelnd. „Ich werde es auch weiterhin sein, sofern sie es will und sofern es für dich auch in Ordnung ist.“
„Das ist es. Es wird Zeiten geben, in denen ich nicht zu ihr durchdringen werde. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich jetzt zu ihr durchdringen werde. Du weißt, wie stur sie sein kann.“
„Garin, das liegt bei euch in der Familie“, meinte Cyaerian trocken und mit einem vielsagenden Blick.
Garin nickte ganz langsam.
„Ja, das ist wahr“, meinte er. „Ich werde nichts unversucht lassen.“
„Halte mich auf dem Laufenden.“
„Das werde ich. Ich werde dann jetzt auch aufbrechen. Auf dann, alter Freund.“
„Auf dann, Garin. Sichere Reise und viel Erfolg.“
Garin neigte sein Haupt und schloss zu den anderen auf. Nur wenig später brachen sie nach Feralas auf.
Ich diene der Natur und schütze das Leben. Mit meinem eigenen.

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Feralas

Beitrag von Avalora » Mi 25. Dez 2019, 18:01

Die Reise nach Feralas hatte eine gefühlte Ewigkeit gedauert. Doch schließlich hatten sie ihr Ziel, die Mondfederfeste, erreicht. Viele der Wachen hatten ihnen erstaunt und zugleich hoffnungsvoll hinterher gesehen, als sie direkt auf den Baum, der das Büro des Kommandanten beherbergte, zusteuerten und darin verschwanden.

Wie erhofft, trafen sie oben die Mondpriesterin Arilean Mondnebel an, die sich mit Elyedriel Herbstlaub in einer Besprechung befand. Garin, Araes, Selenya, Thoraen und Aydryn ließen sich von den beiden auf den aktuellen Stand bringen.
„Nur noch einmal zur Wiederholung: Sie hat sich komplett von allem und jedem zurückgezogen und euch beiden die Führung des Ordens übertragen?“, hakte Garin schließlich mit ernster Miene nach.
Arilean und Elyedriel nickten.
Garin atmete tief durch.
„In einem Punkt kann ich euch beide vielleicht schon einmal beruhigen. Wir wurden in unsere alten Ränge und Positionen erhoben seitens des Zirkels. Somit obliegt die Führung des Ordens wieder mir, Araes und Selenya werden zusammen mit euch meine Stellvertreter sein.“
Elyedriel hob eine Augenbraue.
„Was ist mit Avalora? Wird der Zirkel sie bestrafen?“, fragte sie.
„Sie wird zumindest nicht des Kommandos enthoben. Allerdings wird sie für eine Weile unter Hausarrest gestellt. Sie wird sich innerhalb Kalimdors frei bewegen können. Allerdings darf sie nicht in die Östlichen Königreiche reisen. Deshalb hat der Zirkel entschieden, dass du, Elyedriel, zusammen mit Sírdhemiel Wildpfeil als deiner Stellvertreterin den Außenposten leiten wirst.“
Elyedriel nickte verstehend.
„Dann werde ich Aufseherin Wildpfeil davon nach meiner Rückkehr in den Dämmerwald davon berichten.“
Garin nickte dankbar.
„Arilean, dich möchte ich bitten, dich zusammen mit Araes und Selenya um die Brüder und Schwestern des Ordens zu kümmern“, sagte er schließlich und sah die drei an. „Hört euch an, was sie zu sagen haben, was sie belastet, was sie sich wünschen, was sie sich erhoffen. Versucht, sie zu beruhigen und ihnen neue Hoffnung zu schenken.“
Die drei nickten.
Garin sah zu Thoraen und Aydryn.
„Ihr beide klärt am besten erst einmal eure familiäre Situation mit Calithilien. Danach schließt ihr euch Araes und Selenya an.“
„Sie befindet sich momentan im Hauptgebäude der Feste“, sagte Arilean mit einem aufmunternden Lächeln gen Thoraen und Aydryn.
Die beiden nickten.
„Ich werde Avalora aufsuchen“, sagte Garin und sah Arilean und Elyedriel an. „Wo befindet sie sich momentan?“
„Sie sitzt an einem einsamen Punkt an der Küste. Du kannst sie nicht verfehlen. Thalanil sitzt in der Nähe“, antwortete Elyedriel. „Aber sei vorsichtig. Sie ist noch verletzt, da sie sich auch weigert, sich behandeln zu lassen.“
Garin nickte ernst und dankbar zugleich.
„Bevor wir uns alle auf unsere Aufgaben stürzen, solltet ihr die Rüstkammer aufsuchen“, meinte Arilean. „Ihr seid nun alle wieder Teil des Ordens, und das sollen die Brüder und Schwestern hier auch sehen.“
„Guter Einwand. Also erst zur Rüstkammer und dann an die Arbeit“, sagte Garin und verließ auch schon das Büro.
Die anderen folgten ihm.
Gemeinsam machten sie sich erst auf den Weg zur Rüstkammer. Schnell fanden sich die entsprechenden Rüstungen für die fünf. Arilean händigte jedem von ihnen den Wappenrock aus, während Elyedriel zuletzt die Abzeichen an diesem anbrachte.
Arilean warf einen abschließenden kritischen Blick auf die fünf und korrigierte hier und da noch kurz den Sitz des Wappenrocks und des Abzeichens. Erst dann nickte sie zufrieden.
„Dann ab an unsere Aufgaben“, sagte Garin, nachdem er das Nicken der Mondpriesterin gesehen hatte, und machte sich direkt auf den Weg.
Die anderen folgten ihm nach und nach, um ihren Aufgaben nachzugehen.


Garin kannte die einsamen Punkte an der Küste auswendig. Es war nicht das erste Mal, dass sich seine Enkelin an einen dieser Punkte zurückzog. Dieses Mal musste er nur nach ihrem schneeweißen Säbler Thalanil Ausschau halten, um sie zu finden.
Tatsächlich musste er nicht lange suchen. Bereits an der zweiten Stelle entdeckte er den Säbler, der mit hängenden Ohren im Gras hockte und in Richtung Küste starrte. Hin und wieder kam ein leiser klagender Laut von ihm.
Garin näherte sich langsam und vorsichtig, um dem Säbler Gelegenheit zu geben, seine Witterung aufzunehmen, was dieser nur einige Augenblicke später tat und den Kopf zu Garin drehte. Die Ohren des Säblers zuckten, und er gab erneut einen leisen, klagenden Laut von sich.
Garin trat neben ihn und legte ihm behutsam die Hand auf den Kopf.
„Ich werde mich um sie kümmern“, sagte er ganz leise zu Thalanil und kraulte ihn sanft hinter den Ohren.
Der Säbler drehte den Kopf in die Richtung, in die er schon die ganze Zeit vorher gestarrt hatte. Garin folgte seinem Blick und entdeckte seine Enkelin, die in zusammengesunkener Haltung auf einem Stein saß und vor sich hin starrte. Die Kämpferin, die sie immer gewesen war und zu der er sie erzogen hatte, war verschwunden. Die Person, die dort saß, hatte nichts mehr mit der zu tun, die er so gut kannte. Gerade das steigerte seine Sorge um seine Enkelin noch mehr. Er atmete tief durch, kraulte Thalanil noch einmal kurz beruhigend hinter den Ohren und ging dann langsam auf seine Enkelin zu.

Es war kein gutes Zeichen, dass sie ihn nicht bemerkte. Normalerweise waren ihre Sinne sehr gut. Garin verengte die Augen und blieb schließlich nur wenige Schritte von ihr entfernt stehen.
„Kommandantin Sternenstaub“, sagte er mit verstellter Stimme.
Ein genervter Seufzer kam von Avalora.
„Geht weg!“, erwiderte sie mit einem kalten, abweisenden Tonfall.
Garin hob eine Augenbraue und schüttelte den Kopf. Dann trat er näher und blieb dicht hinter ihr stehen.
„Ich werde nicht weggehen, mein Kind“, entgegnete er sanft aber bestimmt.
Er konnte sehen, wie sich ihre Körperhaltung versteifte, doch sie sah ihn nicht an. Er trat noch näher und ließ sich neben ihr nieder.
„Warum ziehst du dich so sehr zurück, Avalora?“, fragte er sanft.
Sie sah nur kurz zu ihm auf, doch das reichte, um ihm das Herz zu brechen. Pure Verzweiflung und Schuldgefühle schrien ihn förmlich aus ihrem Blick an.
Er rückte näher an sie heran, legte den Arm um sie und zog sie an sich, so wie damals, als sie noch ein Kind gewesen war. Aufgrund der Warnung von Elyedriel tat er das jedoch sehr vorsichtig.
„Ich habe keine Kraft mehr… Ich bin keine gute Kommandantin…“, antwortete Avalora sehr leise, und schließlich brach es aus ihr heraus. Sie erzählte ihrem Großvater alles, was sich zugetragen hatte.
Garin hörte ihr schweigend zu, während er sie weiter im Arm hielt.
„Du hast das getan, was du für richtig hieltest. Du hast Entscheidungen treffen müssen, ohne teilweise die Möglichkeit zu haben, sie zu überdenken. Deine Leute sind deinen Befehlen gefolgt, weil sie dir vertrauen. Diejenigen, die gefallen sind, taten es in Ausübung ihrer Pflicht und weil sie von der Richtigkeit deiner Befehle überzeugt waren“, versuchte Garin, sie zu beruhigen. „Es ist traurig und tragisch zugleich, und es schmerzt. Ich kann verstehen, dass du dir Vorwürfe machst, mein Kind. Aber du musst unterscheiden lernen zwischen berechtigten und unberechtigten Schuldgefühlen. So wie ich das verstehe, machst du dir Vorwürfe für etwas, was außerhalb deines Einflussbereiches lag. Du musst damit aufhören, mein Kind, oder du gehst daran zugrunde.“
Garin betrachtete Avalora einen Moment lang, doch sie schwieg und zeigte keinerlei Regung. Innerlich seufzte er.
„Deine Schuldgefühle bezüglich deines Fehlverhaltens hingegen sind berechtigt“, fuhr er fort. „Doch geschehen ist geschehen. Du kannst daran jetzt nichts mehr ändern. Du kannst jedoch daraus lernen und diese Fehler beim nächsten Mal vermeiden. Deshalb ist es wichtig, dass du wieder anfängst, nach vorne zu schauen. Du wirst gebraucht von deinem Gefährten, deinem Säbler, deinen Freunden, deiner Familie und von deinen Leuten. Sie alle machen sich Sorgen um dich.“
Avalora schwieg weiterhin und starrte auf einen Punkt in der Ferne.
„Weißt du, warum ich hier bin, mein Kind?“, fragte Garin weiter.
Avalora schüttelte den Kopf.
„Deine Leute wussten nicht mehr weiter, weil du niemanden an dich herangelassen hast. Deshalb ließ man uns suchen“, erklärte Garin.
„Uns?“, fragte Avalora leise.
„Selenya, Araes, Thoraen, Aydryn und mich. Shan’do Nachttänzer und Arilean haben uns durch Calithilien und ihre Magie suchen lassen.“
Avalora atmete tief durch. Es war offensichtlich, dass sie alles andere als begeistert war.
„So wie ich das sehe, war es auch gut so. Wir sind hier und werden dich von nun an unterstützen.“
Ruckartig sah Avalora ihren Großvater an.
„Aber…“, versuchte sie zu widersprechen, doch Garin schnitt ihr das Wort ab.
„Kein Aber, mein Kind. Es ist auch der Wunsch und Befehl des Zirkels. Wir haben allesamt den Dienst wieder aufgenommen und sind in unsere alten Ränge erhoben worden.“
Garin spürte, wie sich Avaloras Körperhaltung anspannte. Er konnte sich vorstellen, was sie gerade dachte.
„Ich bin wieder Kommandant und habe den Oberbefehl. Der Zirkel sprach sich jedoch dagegen aus, dich zu degradieren. Das hat mir Shan’do Nachttänzer versichert. Deshalb lautet meine Entscheidung, dass du bei Einsätzen Kommandantin bleibst. Ich werde nämlich nicht mehr zu jedem Einsatz mitkommen. Die Zeiten sind für mich vorbei. Doch vielleicht ist es auch für dich eine Erleichterung, wenn es jemanden gibt, der den Oberbefehl hat und du nicht mehr alle Entscheidungen allein treffen musst."
Seine Worte zeigten Wirkung, denn Avalora entspannte sich wieder etwas.
„Selenya und Araes erhalten auch ihre alten Positionen wieder. Dabei sollen sie von denen unterstützt werden, die du dafür eingesetzt hast. Allerdings wird es doch eine Änderung geben“, sagte Garin und sah seine Enkelin ernst an. „Du wirst nicht mehr für die Bogenschützen und die Tiere verantwortlich sein.“
Avalora setzte zu einen Einspruch an, doch Garin hob die freie Hand, um sie zum Schweigen zu bringen.
„Betrachte es nicht als Strafe, Avalora. Du wirst keine Zeit für den Aufgabenbereich haben“, sagte Garin.
Avalora sah ihn verwirrt an.
„Ich werde dich noch einmal unter meine Fittiche nehmen und dich zudem als meine rechte Hand benötigen“, erklärte er. „Außerdem ist da noch deine Ausbildung im Druidentum.“
„Ich habe sie abgebrochen. Durch meine Taten bin ich nicht länger würdig, den Weg des Druidentums zu beschreiten“, sagte sie leise.
„Du hast eine große Gabe, mein Kind. Eine, die lange in dir geschlummert hat. Denk an das, was du als Adeptin in Dunkelküste gewirkt hast: Die Beruhigung einer Gruppe rasender Furbolgs, die Reinigung des Bodens vom Blut mit Entstehen einer einzelnen blutroten Knospe auf einem Grasfleck, die Reinigung eines Kameraden von einem Fluch in einer Felshöhle, Unterstützung eines anderen Druiden beim Fesseln eines Titanenabbilds. Auch wenn du Unterstützung hattest oder du die Unterstützung warst, so sollte deine Gabe nicht ungeschult bleiben. Niemand zwingt dich, sie hinterher auch einsetzen zu müssen.“
Avalora schwieg. Garin ließ sich davon jedoch nicht beirren.
„Ich möchte, dass du in den Hyjal reist und die einzelnen Schreine dort besuchst. Vor allem den von Aessina. An jedem dieser Schreine wirst du ein Gebet sprechen und auf Antwort warten. Sobald du diese hast, wirst du zur Mondlichtung reisen und mit Shan’do Nachttänzer sprechen.“
„Ist das ein Wunsch oder ein Befehl?“, fragte Avalora leise.
„Beides, mein Kind. Es ist mein Wunsch als dein Großvater und mein Befehl als dein Vorgesetzter.“
„Wann soll ich aufbrechen?“
„Sobald du deine Verletzungen anständig hast behandeln lassen und sie auskuriert sind“, antwortete Garin.
Avalora verzog das Gesicht.
„Ja, ich weiß davon. Schluss damit. Wir werden jetzt beide ins Lazarett gehen und du wirst dich dort richtig behandeln lassen. Sollten die Heiler dir Bettruhe verordnen, wirst du dich daran halten. Verstanden?“
„Ja, ich habe verstanden“, erwiderte Avalora.
„Gut“, sagte Garin, nahm seinen Arm herunter und erhob sich. „Dann komm.“
Er half ihr beim Aufstehen und führte sie zum Lazarett. Thalanil folgte den beiden ein Stück, und er wirkte nicht mehr wie ein Häuflein Elend.
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Hyjal (Reisevorbereitungen)

Beitrag von Avalora » Di 28. Jan 2020, 21:31

Avalora ließ sich von ihrem Großvater ins Lazarett zu Elyedriel führen. Diese hob erstaunt eine Augenbraue und sah beide nacheinander an.
„Avalora ist bereit, ihre Verletzungen behandeln zu lassen und sie auszukurieren“, erklärte Garin mit einem vielsagenden Blick gen Elyedriel.
Die Oberste Heilerin nickte verstehend und sah Garin mit einem dankbaren Blick an, als Avalora an ihr vorbei zur Liege ging.

Die Behandlung selbst dauerte eine Weile. Garin wich nicht von Avaloras Seite, wollte er doch selbst wissen, welche Verletzungen sie genau davon getragen hatte. Elyedriel tat ihm den Gefallen und berichtete ihm von den Wunden, die sie fand.
Garin hob dabei immer wieder eine Augenbraue und schüttelte insgeheim den Kopf. Irgendjemand musste Avalora gefunden und sie erstbehandelt haben, sonst wäre sie nicht mehr am Leben. Im Stillen dankte er der Mondgöttin für diese Person.
„Avalora, du benötigst dringend Bettruhe, damit die Verletzungen besser heilen“, sagte Elyedriel schließlich mit ernstem Unterton.
„In Ordnung“, meinte diese leise.
Garin zuckte mit einem Ohr. Er hatte trotz seiner Ansprache am Ufer mit Widerstand seiner Enkeltochter gerechnet. Doch sie schien zur Vernunft gekommen zu sein, zumindest in diesem Punkt. Er legte ihr erleichtert die Hand kurz auf die Schulter.
„Wenn etwas ist, ich bin im Büro. Ich komme aber später wieder, mein Kind.“
Avalora nickte nur, und damit gab sich Garin zufrieden. Er nickte noch Elyedriel zu und verließ dann das Lazarett.

Während der nächsten Tage, in denen sich Avalora an die strenge Bettruhe hielt, verschaffte sich Garin einen Überblick über die Geschehnisse seit seinem Weggang. Die Berichte und Aufzeichnungen stapelten sich auf dem Tisch, und er ging sie alle in chronologischer Reihenfolge durch. Gleichzeitig verschaffte er sich einen Eindruck über den Zustand des Ordens. Dazu führte er zusammen mit Arilean, Araes, Selenya, Thoraen und Aydryn Gespräche mit den Ordensmitgliedern.

Garin wusste danach, welche Anstrengungen seine Enkeltochter unternommen und welche Veränderungen sie bewirkt hatte. Er war beeindruckt, und er wollte mit Avalora zu gegebener Zeit darüber reden, um sich ihre Ideen und Vorstellungen anzuhören. Doch seine Enkeltochter musste erst wieder zu sich finden, zu dem inneren Gleichgewicht, welches ihr fehlte.

Wäre die Auflage mit dem Hausarrest nicht gewesen, hätte er Avalora auch zu den anderen Schreinen in den Grizzlyhügeln und in Val’sharah geschickt. Es gab noch einen anderen Grund. Er wusste nicht, inwieweit Avalora die Erlebnisse in Nordend und auf den Verheerten Inseln bereits verarbeitet hatte. Diese Reisen würden also erst einmal warten müssen. Es stand jedoch schon fest, dass sie sie nicht alleine antreten würde.

Garin dachte daran, wie Avalora die Auflage des Zirkels, Kalimdor vorerst nicht zu verlassen, aufgenommen hatte. Sie war weder verwundert noch schockiert gewesen noch hatte sie dagegen widersprochen. Stattdessen hatte sie es einfach mit einem Nicken zur Kenntnis genommen. Das kam ihm seltsam vor. Schließlich war Avalora immer diejenige gewesen, die sich gerne im Außenposten aufgehalten hatte. Noch schob er es auf ihren seelischen Zustand. Erst nach der Reise in den Hyjal und zur Mondlichtung würde er sehen, wie es sich wirklich verhielt.

Avalora selbst erhielt nach weiteren drei Tagen von den Heilern die Erlaubnis, das Krankenlager zu verlassen und ihre Reisevorbereitungen zu treffen. Sie wollte mit leichtem Gepäck reisen, so dass sie nur das Nötigste zusammenpackte.
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Besprechung

Beitrag von Avalora » So 24. Mai 2020, 19:36

Zwei Tage vor ihrer Abreise suchte Avalora ihren Großvater im Büro des Kommandanten auf. Dieser war erstaunt, sie zu sehen und musterte sie prüfend.
„Avalora, ich dachte, du bist mit den Vorbereitungen für deine Reise beschäftigt?“, fragte er.
„Die sind abgeschlossen. Ich werde nicht viel mitnehmen. Ich will Myrin nicht unnötig anstrengen“, antwortete sie und warf einen Blick auf den Schreibtisch. „Ich sehe, du verschaffst dir immer noch einen Überblick?“
Garin nickte.
„Ja, ich bin immer noch dabei. Ich bin jedoch über deine Anstrengungen und Veränderungen informiert und muss sagen, ich bin beeindruckt.
Avalora zuckte leicht mit den Ohren.
„Deshalb bin ich hier, Großvater. Ich wollte mit dir darüber reden.“
Garin sah seine Enkeltochter mit hochgezogener Augenbraue an.
„Was für ein Zufall“, sagte er schmunzelnd. „Ich wollte mit dir auch darüber reden, allerdings erst nach deiner Reise.“
„Ich weiß nicht, wann ich zurückkehre und… in welchem Zustand, Großvater. Deshalb war es mir wichtig, vorher mit dir darüber zu reden.“
Garin nickte verstehend.
„Zuerst möchte ich dir erklären, warum ich diese ganzen Veränderungen angestrebt habe. Aufgrund der Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit wurde entschieden, dass Zirkel und Schwesternschaft noch enger zusammenarbeiten. Ich meine, wir haben das hier in der Mondfederfeste ja schon von Anfang gemacht. Ich selbst sehe mich allerdings wieder mehr dem Zirkel zugehörig. Sollte es nötig sein, dann wird sich Arilean um die Schildwachen kümmern. Dennoch war ich der Meinung, dass die Ränge dementsprechend angepasst werden sollten, wenn wir zusammen mit Schildwachen in einer Einheit und unter einem Wappen kämpfen“, erklärte Avalora.
„Ein guter Gedanke“, stimmte Garin zu.
„Da ist allerdings noch etwas, Großvater.“
Garin sah Avalora fragend an.
„Und was?“
„Um unsere Einheit in neue Zeiten zu führen, möchte ich einen neuen Namen vorschlagen. Oder erinnerst du dich noch daran, warum der Orden damals genau diesen Namen erhielt?“
Garin schüttelte den Kopf.
„Nein, daran erinnere ich mich tatsächlich nicht mehr“, gab er zu.
„Siehst du.“
„Welcher Name schwebt dir denn vor, mein Kind?“, fragte Garin.
„Mondklingen.“
Garin sah Avalora nachdenklich an und nickte schließlich.
„Ich werde darüber nachdenken und mit den anderen Offizieren sprechen“, meinte er. „Welche Veränderungen schweben dir noch vor?“
„Keine weiteren, Großvater. Nur eben die Ränge, wie bereits geschehen, und der Name. Das Wappen bleibt gleich, ebenso die Rüstungen und Abzeichen. Ich will mich nicht vollständig von unserer Geschichte oder unseren Traditionen entfernen.“
Garin musterte seine Enkeltochter einen Moment lang.
„Also nur für mich zum Verstehen: Du hast die Ränge geändert, um sie an die Zusammenarbeit mit den Schildwachen anzupassen, sofern diese unter unserem Wappen kämpfen. Du möchtest den Namen der Einheit ändern, um diese in neue Zeiten zu führen, ohne jedoch von unserer Geschichte und Traditionen abzuweichen. Richtig?“
Avalora nickte.
„Richtig.“
„Das Wappen bleibt gleich, ebenso die Abzeichen und die Rüstungen?“, hakte Garin nach.
Avalora nickte erneut.
„So ist es. Unser Wappen ist bekannt und unsere Abzeichen auch. Gleiches gilt irgendwie auch für unsere Rüstungen“, antwortete sie.
Garin überlegte einen Moment und nickte schließlich.
„Wie gesagt, ich werde es mit den anderen Offizieren besprechen“, meinte er. „Du hingegen, mein Kind, wirst dich erst einmal vollständig auf deine Reise konzentrieren. Das hat für dich jetzt oberste Priorität.“
Avalora zuckte leicht mit den Ohren und nickte dann.
„Wie lange soll die Reise dauern?“, fragte sie vorsichtig.
„Solange wie es nötig ist. Du bist für die Zeit vom Dienst befreit“, antwortete Garin, erhob sich und trat auf Avalora zu. „Die Reise zu den Schreinen wird dir helfen, dessen bin ich mir sicher.“
Er sah sie mit einem väterlichen Blick an und küsste sie dann auf die Stirn.
Avalora nickte nur und löste sich von ihrem Großvater.
„Und nun geh zu deinen tierischen Gefährten. Verbring Zeit mit ihnen, verabschiede dich von denen, die hier in der Feste bleiben“, sagte Garin und scheuchte seine Enkeltochter in Richtung Tür.
Sie sah ihn mit hochgezogener Augenbraue über die Schulter an, verließ dann aber doch das Büro, um zu ihren tierischen Kampfgefährten zu gehen.
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Hyjal

Beitrag von Avalora » So 7. Jun 2020, 20:59

Zwei Tage später brach Avalora nach Einbruch der Dämmerung auf dem Rücken ihres Hippogryphen Myrin in Richtung Hyjal auf. Lediglich ihre Familie und ihr Säbler Thalanil hatten sie verabschiedet. Es tat Avalora leid, dass sie ihren Säbler zurücklassen musste, aber die Reise war lang und beschwerlich. Das wollte sie Thalanil nicht antun. Sie wusste jedoch, dass Selenya Thalanil während ihrer Abwesenheit beschäftigen würde.

Der Flug dauerte einige Tage, und Avalora ließ Myrin entscheiden, wann und wo er eine Pause einlegen wollte.

Schließlich sah Avalora von weitem die ersten Ausläufer des Hyjals. Die Krone der Himmel, Nordrassil, stach sofort ins Auge. Mit dem Blick auf den Weltenbaum kamen auch die Erinnerungen wieder an ihre Zeit dort vor so vielen Jahren. Nicht alle waren schön. Deshalb schüttelte Avalora kurz den Kopf, um die Erinnerungen auf diese Art zu vertreiben. Sie musste sich auf die vor ihr liegende Aufgabe konzentrieren, denn diese war schwer genug.

Sie hatte sich überlegt, den Stützpunkt der Wächter des Hyjals in Nordrassil als Ausgangspunkt zu nutzen. Deshalb würde er ihr erster Anlaufpunkt sein. Vielleicht konnten die Wächter des Hyjal, vor allem die hier anwesenden Druiden ihr einen Rat geben, mit welchem Schrein sie anfangen sollte. Sie wusste nur, dass der Hain von Aessina den Schluss bilden würde, da Aessina ihre Schutzpatronin war. Es blieben davor jedoch Malorne, Goldrinn und Aviana.

Avalora ließ Myrin in der Nähe des Weltenbaumes landen und legte den letzten Rest des Weges zu Fuß zurück. Sie wusste, dass Myrin in der Nähe bleiben würde, falls sie ihn brauchte.

Sie atmete tief durch, als sie sich dem Hauptquartier der Wächter des Hyjal näherte. Die dort befindlichen Wachen musterten Avalora erstaunt, erkannten sie sie doch wieder. Das beruhte auf Gegenseitigkeit. Silressian Windeiche und Cethras Regenklinge hatten schon hier gedient, als Avalora am Hyjal stationiert gewesen war.
„Na, sieh einer an, Avalora Sternenstaub“, sagte Silressian mit einem Schmunzeln. „Was führt dich dieses Mal hierher? Bist du versetzt worden?“
Avalora schüttelte den Kopf.
„Nein, Bruder. Nennen wir es eine Art Pilgerreise. Mein Ziel sind die Schreine, um Weisheit und… inneres Gleichgewicht zu erlangen“, antwortete sie.
Sowohl Silressian als auch Cethras musterten Avalora nach diesen Worten besorgt und prüfend zugleich. Dann nickten sie.
„Ah. Also ist an dieser Nachricht doch etwas Wahres dran“, sagte Cethras. „Am besten sprichst du mit Shan’do Winterschnee darüber. Er erwartet dich drinnen.“
Avalora sah die beiden Kaldorei wegen der Nachricht verwirrt an, doch dann nickte sie und ging nach drinnen.

Sie musste nicht lange suchen, bis sie den Druiden Branriel Winterschnee gefunden hatte.
„Shan’do Winterschnee?“, fragte sie vorsichtig.
Der Druide drehte sich um und musterte Avalora prüfend von oben bis unten.
„Ah, Avalora Sternenstaub, da seid Ihr ja endlich“, begrüßte er sie.
Avalora hob eine Augenbraue, und Shan’do Winterschnee schmunzelte leicht.
„Ich wurde über Euer Kommen schon vor einigen Tagen informiert, von Eurem Großvater“, sagte er.
Avalora nickte nur. Irgendwie hatte sie mit so etwas gerechnet.
„Also, Ihr wollt und sollt zu den Schreinen, um dort eine Antwort zu erhalten und auf diesem Wege Euer inneres Gleichgewicht wiederzuerlangen?“, fragte Branriel.
„So ist es. Ich habe nur keine Ahnung, bei welchem Schrein ich anfangen soll.“
„Ich verstehe. Nun, ich gehe davon aus, dass der Hain von Aessina an letzter Stelle steht, weil Ihr ihr Zeichen tragt. Mein Vorschlag wäre, dass Ihr beim Schrein von Goldrinn anfangt, dann den Schrein von Aviana aufsucht und als drittes das Heiligtum von Malorne, bevor Ihr dann zum Hain von Aessina geht.“
Avalora nickte. Das klang nach einer logischen Reihenfolge.
„Danke, Shan’do“, sagte sie.
„Keine Ursache“, erwiderte er. „Am besten ruht Ihr Euch heute noch von der Reise aus. Wir haben ein Quartier für Euch vorbereiten lassen.“
„Erneut meinen Dank, Shan’do“, sagte Avalora und neigte ihr Haupt.
Branriel neigte sein Haupt als Antwort und entließ Avalora damit.
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Der Schrein von Goldrinn

Beitrag von Avalora » Di 9. Jun 2020, 19:54

Am nächsten Tag machte sich Avalora auf den Weg zum Schrein von Goldrinn. Myrin hatte sie hinfliegen wollen, doch sie musste dorthin zu Fuß gehen. Das war Teil des Weges, den sie beschreiten musste.

Schließlich erreichte sie den Schrein und grüßte die dort befindlichen Verteidiger mit einem Nicken. Es war ungewohnt für sie, nur in den rituellen Gewändern den Schrein aufzusuchen, doch auch das gehörte dazu. Zudem war sie vom Dienst befreit.

Sie näherte sich langsam dem Schrein in Gestalt einer großen Wolfsstatue. Sie fühlte sich klein daneben, nicht nur von der körperlichen Größe her, sondern auch bezüglich der seelischen Größe. Sie war früher zusammen mit anderen Kameraden vor anstehenden Schlachten hierher gekommen, um Goldrinns Beistand zu erbitten. Zudem hatten sie die Hoffnung, sich den gleichen Heldenmut anzueignen, den auch Goldrinn gezeigt hatte.

Sie kniete sich vor den Schrein und sah hinauf zur Statue. Sie erinnerte sich daran, was ihre Lehrmeister ihr über Goldrinn erzählt hatten und was sie seitdem an die Anwärter weitergab:
<Seit dem Augenblick, in dem die wilden Kreaturen Azeroths sich zum ersten Mal regten, war Goldrinn da. Er verkörpert den Geist des Jägers, den animalischen Instinkt, der erwacht, wenn wilde Wesen Nahrung riechen oder Gefahr für ihre Kinder sehen. Er erscheint als ein großer weißer Wolf, grimmig und verschlagen. Bei allen Völkern kennt man ihn. Vor zehntausend Jahren, als die Dämonen das erste Mal in Azeroth einfielen, bildete Goldrinn mit den anderen Wildgöttern eine bis zum Äußersten entschlossene Verteidigung. In diesen dunkelsten aller Tage wurde Goldrinns unbedingter Durchhaltewille zur Legende. Während andere beim Anblick der dämonischen Horden erzitterten, trieb ihre riesige Zahl den Wolf nur zu größeren Heldentaten an. Mit gebleckten Zähnen sprang er in ihre Reihen, bespritzt mit ihren Sekreten, und seine gewaltigen Klauen zerrissen sie dutzendweise.>

Avalora seufzte leise und holte die heiligen Kräuter hervor. Sie gab ein wenig davon in die kleine, ebenfalls mitgebrachte Schale, und entzündete sie dann. Dabei sprach sie die uralten Worte der Anrufung und brachte ihr Opfer dar: Eine blutrote Blüte eingeschlossen in einer Samenkapsel, die sie behutsam in die Opferschale legte. Der Rauch der Kräuter versetzte Avalora schließlich nach und nach in eine Art Trance.

Sie öffnete die Augen, obwohl sie sich nicht daran erinnerte, sie geschlossen zu haben. Die Farben waren verblasst und die Konturen der Umgebung unscharf. Sie machte sich darüber keine Sorgen, und auch Angst verspürte sie keine. Sie kannte diesen Zustand schon.
Aus einiger Entfernung drang ein Wolfsheulen an ihre Ohren. Sie wandte den Kopf in die Richtung und verspürte sofort ein Ziehen an ihr. Sie musste dorthin, das wusste sie.
Sie erhob sich langsam. Trotzdem schwankte sie einen Moment, weil ihr schwindlig wurde. Nun wurde sie doch unsicher.
Erneut drang das Heulen an ihr Ohr und das Ziehen wurde stärker. Deshalb setzte sich Avalora langsam in Bewegung.
Das Heulen begleitete ihre Schritte und wurde immer fordernder, je weiter sie sich von ihrem Ausgangspunkt entfernte.
Ihre Schritte wurden zu der Höhle unweit des Schreins geleitet. Mit jedem Schritt wurde das Ziehen stärker und das Wolfsheulen lauter. Doch als Avalora die Höhle erreichte, verstummte das Heulen plötzlich und wurde von einer absoluten Stille abgelöst.
Irritiert und verunsichert sah Avalora sich um. Jemand hatte sie zu dieser Höhle geführt. Doch hier war niemand.
Sie sah sich erneut um und richtete dann ihren Blick auf die Höhle. Doch dort war nichts außer einer undurchdringlichen Finsternis.
Langsam trat sie näher an die Höhle heran und wäre im nächsten Moment fast erschrocken zurückgeschreckt. Zwei leuchtend blaue Augen starrten sie an, nur um direkt wieder zu verschwinden.
Vielleicht hatte sie sich diese Augen nur eingebildet, redete sie sich ein. Sie atmete tief durch und trat dann noch näher an die Höhle heran, so dass sie direkt im Eingang stand. Doch noch immer konnten ihre Augen die Finsternis nicht durchdringen.
Erneut erschienen diese leuchtend blauen Augen und starrten sie an. Avaloras Herz machte einen Satz, doch sie wich nicht zurück. Sie erwiderte den Blick und hatte das Gefühl, als würde jemand ihr bis tief in die Seele schauen.
„Ich kenne dich“, dröhnte plötzlich eine Stimme aus der Höhle. „Du bist Avalora Sternenstaub, eine Kriegerin der Natur.“
Bevor Avalora darauf etwas erwidern konnte, trat ein großer weißer Wolf aus der Finsternis. Seine Umrisse waren klar, ebenso wie die Farbe seines Fells. Avalora fiel auf ein Knie und senkte ihr Haupt.
„Die bin ich“, sagte sie.
„Was führt dich zu mir, tapfere Kriegerin?“, fragte Goldrinn.
„Ich benötige deinen Rat und deine Führung“, antwortete Avalora und sah auf.
„Ich spüre ein großes Ungleichgewicht in dir, mein Kind. Du bist hin- und hergerissen“, sagte Goldrinn und schnupperte an Avalora, die trotz der Größe der Schnauze nicht zurückwich. „Ich wittere da noch etwas.“
Avalora nickte und erzählte Goldrinn dann von ihren Schuldgefühlen, von ihren Fehlentscheidungen als Kommandantin und dem Verlust vieler guter Leute unter ihrem Kommando.
„Tritt näher, mein Kind“, wies Goldrinn sie an, als sie geendet hatte.
Avalora erhob sich und trat näher an den Wildgott heran. Dieser senkte seinen Kopf und berührte Avalora vorsichtig am Kopf. Es war ähnlich eines Anstupsens. Doch Goldrinns massives Haupt blieb dicht an Avaloras dran.
„Du warst dein Leben lang Kriegerin. Du kennst das Gefühl, tapfer dein Rudel zu leiten, und du hast gesehen, dass bei allem Heldenmut auch Verluste geschehen. Du bist trotz allem nicht abgestumpft. Deine Instinkte sind immer noch scharf.“
Goldrinn legte eine Pranke auf Avaloras Schulter, und die Kaldorei wankte ein wenig aufgrund der Größe und des Gewichts.
„Du bist tapfer, mein Kind. Du hast immer verbissen gekämpft und niemals aufgegeben. Mehr als einmal hast du gezeigt, dass du dein Leben für dein Rudel und auch Rudelfremde geben würdest. “
Er nahm seine Pranke wieder runter.
„Dein Kampf ist noch nicht zuende. Noch gibt es zu viele Feinde, die gejagt und geschlagen werden müssen.“
Avalora wollte etwas erwidern, doch sie hielt inne, als sich Goldrinns Schnauze ihrem Kopf näherte. Sie versuchte tapfer zu bleiben, was nicht so einfach war. Sie erinnerte sich an die wichtigste Regel: Sie hob ihren Kopf in den Nacken und zeigte ihm ihre Kehle als Zeichen der Unterwerfung.
Doch Goldrinns Schnauze berührte lediglich ihre Stirn. Ihr wurde schwarz vor Augen und sie sackte zusammen.


Nur einen Augenblick später erwachte sie und versuchte sich, zu orientieren. Sie befand sich in der Höhle, zu der sie hingezogen worden war, und sie war nicht alleine dort. Sechs Augenpaare starrten sie an und nur kurz darauf schoben sich die Besitzer dieser Augenpaare in das spärliche Licht, das durch den Höhleneingang einfiel. Ein halbes Dutzend Wölfe scharrten sich um sie und beschnupperten sie. Avalora schluckte, doch es passierte nichts. Es schien, als würden die Wölfe ihre Gegenwart dulden.

Langsam erhob sich Avalora. Sie spürte, dass ihr von diesen Wölfen keine Gefahr drohte. Sie neigte ihr Haupt in die Richtung des Alpha-Wolfes des Rudels, drehte sich dann um und verließ langsam die Höhle. Die Wölfe folgten ihr bis zum Eingang. Dort blieben sie und sahen ihr nach.

Avalora lenkte ihre Schritte zurück zu der Statue. Dort angekommen, sammelte sie ihre Ritualutensilien ein, während sie über die Begegnung mit Goldrinn nachdachte.

Die Gedanken hielten auch noch an, als sie sich auf den Rückweg zu ihrem Quartier machte. Sie bemerkte nicht, dass die Verteidiger von Goldrinn ihr mit einem wissenden Blick hinterher sahen.
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Der Schrein von Aviana

Beitrag von Avalora » Di 16. Jun 2020, 20:58

Nachdem sich Avalora einige Tage Ruhe nach dem anstrengenden Ritual gegönnt und über das Erlebte am Schrein von Goldrinn nachgedacht hatte, bereitete sie sich auf den Besuch beim nächsten Schrein vor.

Erneut trug sie die rituellen Gewänder ihres Volkes, als sie sich zu Fuß auf den Weg zum Schrein machte. Es war ein langer, anstrengender Fußmarsch, lag der Schrein doch an einem der höchsten Punkte.

Um sich abzulenken, rief sie sich die Worte ihres Lehrmeisters bezüglich Aviana ins Gedächtnis:
<Aviana ist die Herrin der Vögel. Alle geflügelten Geschöpfe Azeroths schulden ihr Treue, vor allem die die Druiden der Kralle. Ihrer Gnade verdanken die Druiden dieser Schule es, ihre Gestalt zu ändern und sich in die Lüfte zu erheben. Aviana ist wunderschön und grausam zugleich, so wie ihre Kinder, die Raubvögel. Ihr Heim war der Mutterbaum G’Hanir. Uns hingegen erscheint sie als große geflügelte Göttin. Während des Kriegs der Ahnen rief Aviana ihre Kinder zum Himmel empor und bekämpfte die Dämonen an vorderster Front. Niemand entging ihrem Zorn. Ihren wütenden Krallen fielen Hunderte zum Opfer. Doch schließlich wurde sie von Verdammniswachen umzingelt, und ihre Stachellanzen rissen die Flanken Avianas auf. Man sagt, dass selbst ihr Blut noch die Dämonen bekämpfte, während sie vom Himmel fiel. Es soll ihre Haut verbrannt und sie getötet haben. An jenem Tag starb Aviana auf dem Schlachtfeld, doch die sterblichen Völker und die Überlebenden der Urahnen triumphierten am Ende. Die ersten Druiden fanden ihren Leichnam auf dem mit Toten übersäten Schlachtfeld und trugen ihn auf den höchsten Berg des Hyjals. Sie wurde in einem Kreis heiliger Steine beigesetzt. Aus einem eingepflanzten Samenkorn G’Hanirs wuchs der Weltenbaum. Das ist alles, was von jenem heiligen Reich blieb, welches sonst mit ihr untergegangen wäre.>

Andere Erinnerungen tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Es waren traurige Erinnerungen an gefallene Freunde, die Avianas Weg gefolgt und Druiden der Kralle gewesen waren. Avalora seufzte leise und schwermütig, als sie an ihre engsten Freunde darunter dachte.

Sie blieb einen Moment stehen und sah sich um. Sehnsüchtig ging ihr Blick den Weg zurück, den sie gekommen war. Einen Augenblick lang war sie versucht, einfach umzudrehen und den Besuch am Schrein von Aviana abzubrechen. Doch sie schüttelte den Kopf und richtete ihren Blick nach vorne. Dann setzte sie sich wieder in Bewegung.

Schließlich erreichte sie den Schrein von Aviana nach einiger Zeit. Sie nickte den dortigen Verteidigern grüßend zu und begab sich direkt zum Ritualort.

Sie kniete sich hin und holte alles aus ihrer Tasche hervor, was sie für das eigentliche Ritual benötigte. Die heiligen Kräuter füllte sie in eine kleine Schale und entzündete sie. Erneut sprach sie die uralten Worte der Anrufung, und legte dann ihre Opfergabe, eine Feder von Myrin, in die Opferschale. Auch dieses Mal versetzte der Rauch der verbrennenden Kräuter Avalora nach und nach in eine Art Trance.

Sie öffnete die Augen und sah sich um. An den Anblick der verblassten Farben hatte sie sich mittlerweile gewöhnt. Langsam erhob sie sich und lauschte. Doch dieses Mal drang kein Geräusch an ihre Ohren, das sie leiten würde. Verwirrt sah sie sich um. Ihr Blick fiel auf eine einzelne Feder, die auf der Erde lag. Verwundert ging Avalora zu der Stelle und bückte sich, um die Feder aufzuheben. Doch bevor sie sie greifen konnte, wurde diese durch einen nicht spürbaren Wind aufgehoben und einige Schritte weitergetragen.

Avalora runzelte die Stirn, doch irgendetwas sagte ihr, dass sie der Feder folgen sollte. Das tat sie dann auch. Kaum näherte sie sich der Feder, wurde diese wieder einige Schritte fortgeweht. So ging es immer weiter, bis Avalora schließlich das Ziel erreichte, ein großes Nest umgeben von dichten Büschen. Ein großes Ei lag dort drinnen, eingerahmt von Federn verschiedener Vögel.

Langsam näherte sich Avalora dem Nest und dem Ei. Letzteres begann in einem sanften Licht zu leuchten, je näher die Kaldorei kam. Erst als sie das Nest und das Ei fast erreicht hatte, wurde das Licht greller, so dass sie stehen bleiben und wegsehen musste, um nicht geblendet zu werden.

„Tritt näher, Freundin meiner Kinder“, sagte eine Stimme.
Avalora wandte ihren Blick wieder zum Nest. Das Ei war verschwunden. Stattdessen schwebte dort nun die geflügelte Gestalt der Herrin der Lüfte.
Ehrfürchtig trat Avalora noch näher, wie ihr geheißen wurde.
„Was führt dich zu mir?“, fragte Aviana und legte den Kopf schief.
„Ich benötige deinen Rat und deine Führung“, antwortete Avalora.
Erneut legte Aviana den Kopf schief, dieses Mal auf die andere Seite, und betrachtete Avalora lange.
„Ich höre.“
Avalora erzählte auch Aviana von ihren Schuldgefühlen, von ihren Fehlentscheidungen als Kommandantin und dem Verlust vieler guter Leute unter ihrem Kommando.
Die Herrin der Lüfte sah Avalora forschend an.
„Freundin meiner Kinder, so wie ich das sehe, bist du hoch geflogen und tief gefallen. Deine Flügel mögen gebrochen sein, doch sie werden heilen. Wenn sie geheilt sind, dann lerne, sie wieder zu nutzen und zu fliegen.“
Aviana führte eine ihrer Klauen zu der gegenüberliegenden Schwinge und zog eine Feder heraus. Sie war weiß, schillerte jedoch perlmuttfarben.
„Diese Feder soll dich daran erinnern, dass du wieder fliegen lernst“, sagte sie und reichte Avalora die Feder.
Zögerlich nahm die Kaldorei sie entgegen.
„Noch eins, Freundin meiner Kinder“, fuhr Aviana fort. „Wenn du wieder fliegen gelernt hast, dann such mich erneut auf. Dann bringe ich dir bei, wie ein wirkliches Geschöpf der Lüfte zu fliegen.“
Avalora sah Aviana an und wollte noch etwas erwidern. Doch noch während sie den Mund öffnete, berührte Aviana sie mit einem ihrer Flügel, und Avalora sackte zu Boden.


Sie erwachte einige Meter von dem Ritualkreis entfernt. Einzig die schillernde Feder war noch da, und die Worte Avianas hallten in ihrem Kopf nach. Seufzend erhob sich Avalora und kehrte zum Ritualkreis zurück. Dort packte sie ihre Sachen zusammen und kehrte dann nachdenklicher als zuvor zu ihrem Quartier zurück.
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Das Heiligtum von Malorne

Beitrag von Avalora » So 27. Dez 2020, 15:52

OOC:
Die Fortsetzung der Reise spielt zeitlich weiterhin noch vor den Ereignissen bezüglich Shadowlands, also noch vor der Invasion der Geißel.

Avalora schob die Gedanken an die Worte Avianas erst einmal beiseite und bereitete sich auf den Besuch beim nächsten Schrein vor, dem Heiligtum von Malorne.

Mittlerweile erschienen ihr die rituellen Gewänder ihres Volkes nicht mehr so fremd, so dass sie fast leichtfüßig den Weg zum Heiligtum zurücklegte. Selbst die Tasche mit den Ritualgegenständen und der Opfergabe spürte Avalora nicht mehr. Stattdessen dachte sie während des gesamten Weges darüber nach, was ihre Lehrer ihr über den Halbgott Malorne erzählt hatten: <Malorne ist bekannt als der weiße Hirsch, der Wegbehüter und der Halbgott des Waldes. Seine Form ist die eines riesigen weißen Hirsches und er verfügt über gewaltige Kräfte der Naturmagie. Jedoch interagiert er nur in Zeiten äußerster Not mit den sterblichen Völkern.>

Von den Tauren im Zirkel des Cenarius hatte Avalora damals das erste Mal über die Legende in deren Kultur gehört: <Apa’ro war ein stattlicher Hirsch mit schneeweißem Fell. Sein Geweih stieß bis ans Himmelszelt und das Stampfen seiner mächtigen Hufe war selbst bis in die tiefsten Tiefen der Erde zu vernehmen. Die Shu’halo, wie die Tauren sich selbst nannten, trieben Apa’ro in einen Winkel der erwachenden Welt und zogen die Schlinge enger, um den stolzen Hirsch zu fangen.
Der große Hirsch versuchte zu entkommen und sprang hinauf in den Himmel. Doch als seine Flucht schon geglückt schien, verfing sich sein mächtiges Geweih in den Sternen und kam nicht mehr los. So sehr er auch kämpfte und um sich trat, konnte Apa’ro sich doch nicht aus dem Firmament befreien. Dort fand ihn Mu’sha, als sie ihrem Bruder An’she zur Dämmerung folgte. Mu’sha sah den mächtigen Hirsch kämpfen und verliebte sich auf der Stelle in ihn.
Mu’sha schloss einen Handel mit dem großen Hirsch ab – sie würde ihn aus den Fesseln der Sterne befreien, wenn er sie lieben und ihre Einsamkeit beenden würde.
Mu’sha liebte Apa’ro und empfing ein Kind von ihm. Das Kind, ein Halbgott, wurde in den schattigen Wäldern der Nacht geboren. Sie nannten es Cenarius, und er wandelte auf dem Sternenpfad zwischen der erwachenden Welt und dem Königreich des Himmels.>

Avaloras Gedanken wanderten wieder zurück zu den Lehrern ihres eigenen Volkes. Sie hatten ihr erzählt, dass Malorne eine tiefe Verbindung mit dem Traum besaß, die der eines grünen Drachen ähnelte. Zudem verfügte er auch über die Traumsicht und konnte damit sowohl den Traum und die Realität von Azeroth gleichzeitig wahrnehmen. Neben ausgeprägten Heilkräften besaß Malorne auch eine beruhigende Aura, mit der er Kämpfe oft schon beendete, bevor sie richtig angefangen hatten.

Gerade diese beruhigende Aura war es, die Avalora mehr denn je benötigte, und sie fragte sich, ob sie sie wohl am Heiligtum von Malorne spüren würde.

Nach mehreren Stunden Fußmarsch erreichte sie ihr Ziel, und sie nickte den dort befindlichen Verteidigern grüßend zu, was auch erwidert wurde.

Langsam und mit ehrfürchtigen Schritten näherte sich Avalora dem unmittelbaren Heiligtum und kniete sich davor hin. Ihr Blick wanderte die Statue hinauf, und sie schluckte. Sie fühlte sich alles andere als beruhigt, doch sie musste das tun, wozu sie hierhergekommen war.

Die mitgebrachten Kräuter wurden in der Schale entzündet. Als Opfergabe hatte sie erneut eine blutrote Blüte, eingeschlossen in einer Samenkapsel ausgewählt, die sie nun in die dafür vorgesehene Schale legte. Dann zwang sie sich zur Ruhe und atmete tief den Rauch der Kräuter ein.

Sie öffnete die Augen und sah sich in diesem vertrauten Grauschleier um. Hier und da wirkte es, als würden das Grün des Grases, der Bäume und der Büsche durchschimmern.

Avalora erhob sich langsam, während sie wachsam den Blick schweifen ließ und auf jedes noch so kleine Geräusch lauschte. Sie hatte keine Ahnung, wie sich der Halbgott des Waldes bemerkbar machen würde.

Minuten verstrichen, ohne dass etwas geschah, und so setzte sich Avalora langsam in Bewegung. Dabei schlug sie irgendeine Richtung ein, nur geleitet von ihrem Gefühl.

Nur wenig später entdeckte Avalora einen geisterhaften Schemen, der in einiger Entfernung da stand und sie anschaute. Sie spürte den Blick mehr, als dass sie ihn sah.

Der Schemen hatte die Gestalt eines Hirschs, wie Avalora erkennen konnte. Dann stampfte er einmal mit einem Huf auf und gab ihr mit seinem Kopf ein Zeichen, dass sie ihm folgen sollte. Ohne zu zögern gehorchte Avalora dieser Aufforderung.

Die geisterhafte Hirschgestalt wartete, bis Avalora zu ihr aufgeschlossen hatte. Erst dann setzte sie sich in Bewegung und führte Avalora auf den Weg, den sie gehen sollte.

Die Umgebung veränderte sich. Der graue Schleier wich dem Grün, welches Avalora schon vorher bemerkt hatte. Avalora war zwar verwundert, doch sie war alles andere als beunruhigt dadurch. Das Gegenteil war der Fall. Je mehr das Grau den Farben der Natur wich, desto ruhiger wurde sie.

Schließlich blieb der geisterhafte Hirsch stehen und drehte seinen Kopf zu ihr. Auffordernd sah er sie an, und sie trat neben ihn. Er deutete mit dem Kopf in eine bestimmte Richtung. Avalora verstand und neigte ihr Haupt, ehe sie sich in Bewegung setzte.

Schließlich entdeckte sie den riesigen weißen Hirsch. Majestätisch stand er auf einer Art Lichtung, den massiven Kopf in ihre Richtung gedreht, und sah sie an.

Avalora trat ehrfürchtig näher. Als sie ihn erreicht hatte, sank sie auf ein Knie und neigte respektvoll ihr Haupt.
„Was führt dich zu mir, Avalora aus der Familie der Sternenstaubs?“, ertönte die Stimme von Malorne in ihrem Geist.
„Ich benötige deinen Rat und deine Weisheit“, antwortete Avalora und hob ihren Kopf.
„Ich spüre deine Unruhe und dein Ungleichgewicht, Sterbliche. Erzähle mir davon.“
Avalora spürte, wie sie ruhiger wurde dank der Aura von Malorne. So gehorchte sie und erzählte ihm alles. Dieser hörte aufmerksam zu und nickte dann einmal.
„Du magst sterblich sein. Doch deine Tapferkeit ist jener der Wildgötter ebenbürtig. Ich spüre, dass du vom pulsierenden und wilden Geist der Natur beseelt bist. In dir wirkt die Essenz der Natur selbst, nämlich der Wille zu überleben. Vertraue auf diese Essenz, vertraue auf das, was du gelernt hast und was du noch lernen wirst. Vertraue auf dich selbst und auf die, die dir vertrauen. Lerne aus den Fehlern und gewinne so an Weisheit.“
Bevor Avalora sich bedanken konnte, stampfte Malorne leicht mit einem Huf auf, und sie wurde ohnmächtig.


Es brauchte einen Moment, bis sie erwachte. Vorsichtig richtete sie sich in eine sitzende Position auf und spürte dabei, dass etwas anders war. In ihrer linken Hand befand sich etwas, und so hob sie diese und sah nach. Zum Vorschein kam ein Anhänger in Form einer Samenkapsel, umgeben von immerwährenden Ranken, die sich um ein Lederband wanden.

Avalora flüsterte einen Dank an Malorne und legte die Halskette um. Erst dann erhob sie sich, sammelte die Ritualgegenstände ein und machte sich auf den Rückweg zu ihrem Quartier.
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Der Hain von Aessina

Beitrag von Avalora » Mo 28. Dez 2020, 19:56

Avalora brauchte ein paar Tage länger, um sich von dem vorangegangenen Ritual zu erholen. Doch sie nutzte die Zeit, um sich auf das letzte Ritual vorzubereiten. So stockte sie ihren Vorrat an rituellen Kräutern auf und vollendete die Opfergabe für ihre Schutzpatronin.

Schließlich war es soweit, und Avalora machte sich auf den Weg zum Hain von Aessina. Dabei dachte sie darüber nach, was ihre Lehrer ihr über Aessina erzählt hatten und was sie selbst damals während ihrer Vorbereitung zum Ritus der Passage erlebt hatte.
<Aessina ist der Geist der Wildnis, der in dichten ungezähmten Wäldern wohnt. Sie ist die Seele des Waldes, sein pulsierendes Herz. Sie ist die Quelle aller Lebensenergie, die Stein bersten lässt, alte Ruinen verschlingt und die undurchdringlichen Dickichte mit Mysterien und Angst erfüllt. Aessina bildet den Mittelpunkt im Geflecht des Lebens.>

Schon damals während der Vorbereitung auf ihren Ritus hatte die scheue Aessina Avalora als die ihre erkannt und zu ihr gesprochen. Damals, das war vor knapp zweitausend Jahren gewesen, und die Einheit war noch im Eschental stationiert gewesen. Auch dort gab es einen Schrein zu Ehren von Aessina, und Avalora hatte ihn oft besucht.

Sie seufzte leise, während sie den Weg zum Hain zurücklegte. Ob Aessina wohl wieder zu ihr sprechen würde? Und was würde sie ihr wohl sagen?

Darüber dachte Avalora nach, bis sie ihr Ziel erreichte. Vor dem Mondbrunnen, der das Herz des Hains darstellte, kniete sie nieder und machte sich sofort an den Vollzug des Rituals. Während die Kräuter in ihrer kleinen Schale brannten, legte Avalora ihre Opfergabe, ein aus Holz geschnitztes Blatt, auf den Rand des Mondbrunnens.

Die Kaldorei schloss die Augen und atmete tief den Rauch der Kräuter ein.

Avalora spürte sofort, dass etwas anders war als die Male zuvor, und öffnete die Augen. Die Farben hatten sich nicht in einen Grauschleier verwandelt, sondern waren noch vorhanden. Doch das war nicht das einzige, das anders war. Wie sie schnell feststellte, schwebte sie über dem Brunnen. Eine unsichtbare Macht hielt sie dort. Eigentlich hätte das Avalora beunruhigen müssen, doch das war nicht der Fall. Sie erkannte die Signatur dieser Macht und lächelte.

„Ich erkenne dich, Sterbliche“, ertönte Aessinas Stimme in Avaloras Geist. „Beschützerin und Verteidigerin der Natur, was führt dich zu mir?“
„Große Aessina, meine Schutzpatronin, ich ersuche deinen Rat und deine Weisheit“, antwortete Avalora demütig.
„Ich spüre deine schwere Bürde. Erzähle mir davon.“
Ohne zu zögern erzählte Avalora ihrer Schutzpatronin alles, was sie belastete.
„Ich habe dich damals nicht ohne Grund erwählt. Du bist wie die Natur selbst. Du suchst dir deinen Weg, so wie sich die Natur ihren Weg sucht. Du teilst ihren Überlebenswillen und verhilfst der Natur zur Heilung. Du hast es dir zur Aufgabe gemacht, die Natur und das Leben zu beschützen und zu verteidigen. Damit trägst du eine große Verantwortung. Mit der Hilfe der Natur kannst du sie meistern. Tue dies in meinem Namen.“
Avalora neigte dankbar den Kopf. Dann spürte sie, wie die unsichtbare Kraft Aessinas sie zu Boden sinken ließ.
Kurz bevor ihre Füße die Erde berührten, verlor sie das Bewusstsein.


Es dauerte einen Moment, bis Avalora wieder zu sich kam.
„Schöpfe Weisheit und Kraft aus der Natur. Mein Geschenk soll dir dabei helfen, dich daran zu erinnern“, vernahm Avalora die Stimme Aessinas in ihrem Kopf, doch sie wusste nicht, ob sie es sich einbildete oder ob Aessina wirklich noch einmal zu ihr sprach.
Verwirrt richtete sich Avalora auf und atmete erst einmal tief durch. Doch als sie ihr Spiegelbild im Wasser des Mondbrunnens sah, stockte ihr der Atem. Ihre Haare waren wilder und länger, so schien es ihr. Doch das Auffälligste war der Stirnreif in Form eines Sichelmonds und die daran befestigten immerwährenden Ranken. Nur waren diese Ranken nicht grün, sondern in verschiedenen Violett- und Blautönen gehalten.
Vorsichtig berührte Avalora den neuen Schmuck und lächelte leicht. Dieses Geschenk würde sie definitiv daran erinnern, Kraft und Weisheit aus der Natur zu schöpfen.

Langsam erhob sie sich und sammelte ihre Ritualgegenstände ein. Mit einem letzten Blick auf den Brunnen und einem stummen Dank an ihre Schutzpatronin machte sie sich auf den Rückweg zu ihrem Quartier.
Ich diene der Natur und schütze das Leben. Mit meinem eigenen.

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Zeit der Erholung

Beitrag von Avalora » Mi 30. Dez 2020, 20:40

Avalora war von den Ritualen erschöpft, und so entschied Branriel Winterschnee, dass sie noch einige Tage länger im Hyjal verweilen sollte, um sich zu erholen. Avalora leistete dieser Entscheidung nur zu gern Folge, wusste sie doch selbst, dass sie die Reise zur Mondlichtung nicht geschafft hätte.

Myrin blieb immer in der Nähe, wenn Avalora am Ufer des Sees saß und über die vergangenen Rituale nachdachte. Sie hatte alles vorsichtshalber aufgeschrieben und genug Platz für eigene Gedanken gelassen.

Goldrinn hatte sie als Kriegerin erkannt und direkt an ihren Kampfgeist, ihre Instinkte und ihr Pflichtbewusstsein appelliert. Verluste konnten und würden immer vorkommen. Sicher waren sie tragisch und schmerzten, wie ihr Großvater auch schon treffend gesagt hatte, aber es war wichtig, weiterzumachen, damit die Verluste nicht umsonst waren. Goldrinn selbst hatte gesagt, dass ihr Kampf noch nicht zuende war. Konnte und wollte sie, Avalora, tatenlos dabei zusehen, wie die Feinde der Natur und des Lebens Vernichtung brachten? Sie konnte es sich nicht vorstellen, so dass die Antwort darauf ein klares Nein war.

Avalora schrieb ihre eigenen Gedanken dazu auf als eine Art Erinnerung und blätterte dann weiter zu den Worten Avianas.
Die Herrin der Lüfte hatte sie mit einem Vogel verglichen, der zu hoch geflogen und dann tief gefallen war. In der Tat war Avalora in den vergangenen Kämpfen teils zu hohe Risiken eingegangen, die nicht ohne Konsequenzen geblieben waren. Diese waren ganz unterschiedlicher Natur: Gefallene Soldaten und teils zerbrochenes Vertrauen waren nur ein Teil davon.
Aviana hatte den daraus resultierenden Gemütszustand Avaloras mit gebrochenen Flügeln verglichen. Gleichzeitig hatte sie betont, dass Wunden und Brüche heilten und dass sich Avalora davon nicht lähmen lassen sollte.
Avalora schloss daraus, dass Risiken manchmal zwar eingegangen werden mussten, aber dennoch vorher genau abgewogen werden sollte, ob sie auch sinnig waren oder ob nicht besser eine vorsichtige Vorgehensweise angebracht wäre.
Die Herrin der Lüfte war sich auch sicher, dass Avalora ihre Ausbildung fortsetzen würde. Sollte dem so sein, dann wollte sie dafür sorgen, dass Avalora auch das Fliegen lernte.
Avalora seufzte leise und strich über die schillernde Feder, ehe sie ihre eigenen Gedanken niederschrieb.

Sie blätterte um zu ihren Notizen bezüglich Malorne. Eine Hand wanderte automatisch zu seinem Geschenk, der Halskette.
Seine Worte waren etwas schwammiger gewesen. Doch was sie daraus verstanden hatte, war, dass ihr Überlebenswillen stark war. Außerdem sollte sie auf ihre jetzigen und künftigen Fähigkeiten vertrauen. Sie sollte auch sich selbst und denen vertrauen, die ihr vertrauten. Wichtig war, dass sie aus ihren Fehlern lernen sollte, um so Weisheit zu erlangen.
Es hörte sich so einfach an, doch dem war nicht so. Dennoch war es etwas, was Avalora künftig noch mehr versuchen würde zu beherzigen.
Ihre Hand verweilte einen Moment länger auf dem Anhänger, während sie die eigenen Gedanken stichpunktartig dazu schrieb.

Als letztes kamen die Notizen zu Aessina. Avalora lächelte leicht, als sie an die neuerliche Begegnung mit ihrer Schutzpatronin dachte.
Sie hatte sie mit der Natur verglichen. Die Natur suchte sich immer einen Weg, und so sah Aessina auch Avalora. Sie hatte auch Avaloras Überlebenswillen angesprochen.
Avalora dachte an die Male zurück, wo ihre Taten sie beinahe das Leben gekostet hätten, und sie doch überlebt hatte.
Aessina hatte Avalora auch an ihre gewählte Aufgabe erinnert und die große Verantwortung, die damit einherging: Den Schutz und die Verteidigung der Natur und des Lebens. Auch das war ein Appell an ihr Pflichtbewusstsein.
Avalora horchte in sich hinein: Konnte sie sich ein Leben als Zivilistin vorstellen, während die Natur und das Leben immer noch bedroht wurden? Auch hier war die Antwort ein klares Nein. Allgemein konnte sich Avalora ein Leben als Zivilistin nicht vorstellen, doch das war eine ganz andere Sache.
Ihre Gedanken wanderten weiter zu den Worten, die sie beim Aufwachen vernommen hatte. Mittlerweile war sie sich sicher, dass sie sich das nicht eingebildet hatte.
Aessina hatte ihr da gesagt, sie sollte Weisheit und Kraft aus der Natur schöpfen. Automatisch wanderte Avaloras Hand zum Haarschmuck, der als Erinnerung an Aessinas Worte dienen sollte, und sie schrieb ihre eigenen Gedanken nieder.

Sie hob den Blick und atmete tief durch. Sie würde mit einigen Personen sprechen müssen, da sie sich nicht sicher war, ob sie die Worte richtig verstanden hatte. Sie war sich auch nicht sicher, was sie künftig tun sollte. Dafür war sie noch zu hin- und hergerissen.



Einige Tage später sah Branriel Winterschnee nach ihr. Zu diesem Zeitpunkt saß sie wieder am Ufer des kleinen Sees, und Myrin leistete ihr wieder Gesellschaft.
„Ihr seht schon besser aus, Schwester Sternenstaub“, sagte er.
„Ich komme auch wieder zu Kräften, Shan’do. Allerdings denke ich über die Rituale nach“, antwortete Avalora.
„Dann tut Ihr genau das, was von Euch erwartet wird“, sagte Branriel schmunzelnd. „Wie ich sehe, habt Ihr auch Geschenke bekommen, die Euch daran erinnern sollen.“
Er deutete auf ihre Halskette und auf ihren Haarschmuck.
Avalora nickte leicht.
„So ist es“, erwiderte sie.
„Es ist nicht selbstverständlich, dass Ratsuchende Geschenke erhalten oder überhaupt Antworten bekommen“, sagte Branriel. „Von daher könnt Ihr Euch glücklich schätzen.“
„Das tue ich, Shan’do. Dennoch bin ich mir nach wie vor unsicher, was ich tun soll. Sicher, ich werde meine Aufgaben wieder wahrnehmen und meine Pflicht tun, doch da ist noch die Sache mit der Ausbildung im Druidentum. Wie Ihr sicher wisst, habe ich sie abgebrochen, weil ich mich nicht mehr als würdig erachtet habe, diesen Weg zu beschreiten.“
Branriel hob leicht eine Augenbraue und nickte langsam.
„Ich hörte davon, dass Ihr die Ausbildung abgebrochen habt. Die Gründe dafür waren mir jedoch bisher nicht bekannt“, sagte Branriel und ließ sich neben ihr im Gras nieder.
„Ich habe während meines letzten Einsatzes viele Fehlentscheidungen getroffen und auch unnötig Leben genommen“, erklärte Avalora knapp.
„Lasst mich Euch eines sagen, was ich aus eigener Erfahrung weiß: Ob eine Entscheidung eine Fehlentscheidung war, weiß man meist erst hinterher, wenn überhaupt. Nur weil eine Entscheidung in den Augen anderer falsch war, heißt es nicht, dass sie auch wirklich falsch war. Das ist etwas, was man nur selbst entscheiden kann. Wenn es sich im Nachhinein falsch anfühlte, dann war es auch falsch“, erwiderte er.
Avalora sah den Druiden einen Moment lang an und dachte über seine Worte nach.
„Was ich persönlich als Euer größtes Problem ansehe, sind Eure eigenen Schuldgefühle, die Euch im Wege stehen und die zu dem inneren Ungleichgewicht beitragen“, fuhr Branriel fort. „Ihr müsst Euch selbst verzeihen, nur so könnt Ihr wieder inneren Frieden finden. Die Worte der Wildgötter sollen Euch dabei helfen. Und wenn Ihr meinen persönlichen Rat hören wollt: Ihr solltet die Ausbildung fortsetzen. So lernt Ihr, Euer inneres Gleichgewicht beizubehalten.“
Avalora seufzte leise.
„Irgendwie habe ich geahnt, dass Ihr das sagen würdet, Shan’do“, erwiderte sie.
Branriel schmunzelte.
„Ich schlage vor, Ihr sprecht mit Eurem Lehrer darüber. Er kennt Euch besser, als ich es tue. Aber ich bin mir sicher, dass er Euch Ähnliches sagen würde.“
Avalora nickte nur.
„Aber nun ruht Euch noch aus, damit Ihr bald die Reise zur Mondlichtung antreten könnt“, sagte Branriel, erhob sich und ließ Avalora dann allein.
Ich diene der Natur und schütze das Leben. Mit meinem eigenen.

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Auf der Mondlichtung

Beitrag von Avalora » Do 14. Jan 2021, 20:39

Nach ein paar weiteren Tagen Ruhe konnte Avalora sich auf den Weg zur Mondlichtung machen. Der Flug auf Myrins Rücken dauerte nicht lange, so dass sie noch am selben Tag dort eintrafen.

Cyaerian Nachttänzer beobachtete aus einiger Entfernung die Ankunft seiner Thero’shan mit einem wachsamen Blick. Eigentlich hatte er sie schon früher erwartet, doch dank seiner Informanten im Hyjal wusste er, dass seine Schülerin erschöpft gewesen war. Er seufzte leise und machte sich dann auf den Weg zu den Gästequartieren.

Avalora war gerade dabei, ihre wenigen Sachen auszupacken, als sie ein Geräusch am Eingang wahrnahm. Kurz zuckte sie mit den Ohren und drehte den Kopf in die Richtung.
Dort stand Cyaerian und musterte sie prüfend von oben bis unten.
„Du kommst spät, Thero’shan“, sagte er.
Avalora hob leicht eine Augenbraue.
„Ich wusste nicht, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt hätte hier sein sollen, sonst hätte ich mich beeilt, Shan‘do“, erwiderte sie trocken.
Cyaerian trat näher und musterte Avalora weiterhin prüfend. Das ließ ihre Augenbraue noch ein Stück höher schießen.
„Ihr könnt aufhören, mich zu mustern, Shan’do. Mir geht es gut. Die Rituale waren anstrengend, deshalb brauchte ich einige Tage länger zum Erholen“, sagte sie.
„Ich weiß. Ich habe Nachricht vom Hyjal erhalten“, erwiderte er. „Es ist gut, dass du jetzt hier bist. Warst du denn erfolgreich?“
„Ich habe Antworten von den Wildgöttern erhalten, falls Ihr das meint, Shan’do“, antwortete Avalora.
„Erzähle mir davon“, wies Cyaerian sie an.
Avalora nickte und berichtete ihm ausführlich von den Ritualen und den Antworten, die sie von Goldrinn, Aviana, Malorne und Aessina erhalten hatte. Sie berichtete ihrem Lehrer ebenfalls von den erhaltenen Geschenken und von ihren eigenen Gedanken dazu.
Cyaerian hörte ihr aufmerksam zu und nickte langsam. Er wirkte ein wenig nachdenklich.
„Was wirst du nun tun mit den Antworten?“, fragte er und sah sie ernst an. „Wirst du dich weiterhin zurückziehen und dich in Schuldgefühlen ertränken? Oder wirst du das tun, was dir geraten wurde?“
„Ich werde versuchen, das zu tun, was mir geraten wurde. Allerdings weiß ich nicht, wie ich mein inneres Gleichgewicht wieder erlangen soll", antwortete sie.
Cyaerian musterte seine Schülerin prüfend.
„Du bist schon auf einem guten Weg dahin. Es ist nicht mehr so sehr aus den Fugen geraten wie vorher. Mit Meditation könnte es gelingen, es soweit auszugleichen, dass ich mit dir das Ritual des inneren Friedens vollziehen kann“, erwiderte er.
„Da wäre ich sehr dankbar für", meinte Avalora mit einem leichten Lächeln.
„Es ist gut zu sehen, dass du wieder lächeln kannst, Thero'shan“, sagte Cyaerian erleichtert.
Dann musterte er sie erneut.
„Dich beschäftigt trotzdem noch etwas, habe ich recht?“
Avalora nickte langsam.
„Ja, Shan'do", antwortete sie. „Die Ahnen rieten mir, Kraft und Weisheit aus der Natur zu schöpfen. Aviana ging sogar davon aus, dass ich meine Ausbildung fortsetzen würde.“
„Und? Wirst du?“
„Ich… weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich bin mir unsicher, ob ich nach allem überhaupt noch würdig bin, die Ausbildung fortzusetzen.“
Cyaerian nickte langsam.
„Aviana scheint dich als würdig zu erachten. Genauso Goldrinn, Malorne und Aessina. Du bist die einzige, die sich als unwürdig erachtet.“
Avalora sah ihren Lehrer fragend an, doch er hob eine Hand, bevor sie etwas sagen konnte.
„Du zeigst eine große Begabung, Avalora. Es wäre schade, wenn sie ungeschliffen bleiben würde. Niemand zwingt dich dazu, diesen Weg nach bestandener Ausbildung auch zu beschreiten. Wir sind allerdings der Auffassung, dass es deiner gewählten Aufgabe als Schützerin und Verteidigerin der Natur nur helfen würde, wenn du sie noch besser verstehen könntest. Als ausgebildete Druidin könntest du schneller herausfinden, warum zum Beispiel in einem bestimmten Gebiet die Flora und Fauna mehr leidet als anderswo. Es wäre auch sicherer für deine Leute.“
Avalora sah ihren Lehrer nun verwirrt an.
„Wie meint Ihr das?“, fragte sie.
Cyaerian hob eine Augenbraue. Seine Schülerin war seit langer, langer Zeit eine Kriegerin und verstand nun nicht, was er meinte? Das konnte er nicht glauben.
„Ich erkläre es dir", sagte er. „Stell dir vor, deine Einheit wird zu einem Einsatz beordert. Es gibt keine weiteren Informationen außer der, dass in eurem Einsatzgebiet etwas nicht stimmt. Sagen wir, die Pflanzen haben sich unnatürlich verändert und auch die Tiere verhalten sich ungewöhnlich. Niemand kennt die Ursache dafür. Ihr kommt dort an und schlagt euer Lager auf. Was würdet ihr standardmäßig tun?“
„Späher aussenden", antwortete Avalora.
Cyaerian nickte.
„Die ausgesandten Späher kehren nun jedoch nicht zurück“, warf er ein und sah Avalora erwartungsvoll an. „Als nächstes würde die Einheit ausrücken, um sie zu suchen, nicht wahr?“
Nun war es Avalora, die nickte.
„Ihr findet die Späher, tot oder mit einem seltsamen Verhalten oder mit den Symptomen einer Krankheit. Ihr untersucht sie, und schon seid ihr auch angesteckt. Hinzu kommt, dass ihr noch immer nicht die Ursache kennt“, fuhr Cyaerian fort.
Avalora dachte über seine Worte nach.
„Ihr meint also, wenn ich die Ausbildung abgeschlossen hätte, dann könnte ich vom Lager aus schon erste Erkenntnisse sammeln, ohne die Späher ins Ungewisse laufen zu lassen. Wenn ich dann eine ungefähre Ahnung hätte, was uns dort eventuell erwarten würde, dann könnte ich den Spähern konkretere Hinweise und Anweisungen geben. Zum Beispiel, wovor sie sich in Acht nehmen sollten. So könnte ich im Vorfeld das Gebiet in Bereiche einteilen, die nacheinander abgesucht werden könnten.“
„Nicht nur das. Als ausgebildete Druidin kannst du erspüren, von wo die Gefahr genau ausgeht und teils auch, worin sie besteht, da die Natur selbst es dir sagen oder zeigen wird. Es ist schwer zu erklären, aber ich hoffe, es war trotzdem verständlich.“
„Also zusammengefasst wollt Ihr mir sagen, dass die abgeschlossene Ausbildung für Einsätze und Einsatzplanungen, gerade in unklaren Situationen, nur hilfreich sein kann?“, fragte Avalora.
Cyaerian sah sie mit zuckenden Mundwinkeln an.
„Sieh an, meine Thero'shan hat es verstanden“, erwiderte er mit einem schiefen Lächeln.
Avalora verzog das Gesicht.
„Anscheinend, wenn mein Shan’do sowas erwidert", sagte sie.
„Dennoch würde ich gerne wissen, wie du dich entscheidest in Bezug auf die Ausbildung“, meinte er.
„Das kann ich Euch noch nicht sagen, Shan’do. Ich würde auch darüber gerne meditieren, wenn Ihr erlaubt“, erwiderte Avalora.
Cyaerian sah sie überrascht an. Er hatte mit einer klaren Absage gerechnet zu diesem Zeitpunkt. Dass seine Schülerin jedoch darüber meditieren wollte, ließ ihn hoffen.
„Natürlich erlaube ich es", sagte er.
„Danke, Shan’do.“
„Ich lasse dich nun allein, damit du dich ausruhen kannst. Morgen beginnst du dann mit der Meditation.“
Avalora neigte leicht den Kopf, und Cyaerian verließ ihr Quartier.
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Gedanken

Beitrag von Avalora » Di 19. Jan 2021, 21:24

Früh am nächsten Tag verließ Avalora ihr Quartier und machte sich auf den Weg zu einer abgeschiedenen Stelle am Ufer des Sees von Elune’ara. Umgeben von den Ausläufern des Gebirges sowie Bäumen und Büschen hatte sie hier die Ruhe für ihre Meditation.

Avalora ließ sich in aufrechter Haltung im Gras nieder. Sie hatte es sich angewöhnt, in einer knienden Haltung zu meditieren, da sie so ihren Rücken am besten aufrecht halten konnte. Die Arme ließ sie locker in ihren Schoß fallen, und ihre Hände legte sie ineinander. Ihr Kopf schaute locker geradeaus, während sie die Schultern fallen ließ.

Avalora sah einen Moment lang hinaus auf das Wasser des Sees, bevor sie die Augen schloss und einige Male ganz bewusst ein- und ausatmete. Sie konzentrierte sich schließlich ganz auf ihre Atmung und versuchte, ihren Kopf zu beruhigen.

Die chaotischen Gedanken in ihrem Kopf wollten sich allerdings nicht so schnell zum Schweigen bringen lassen, doch Avalora gab nicht auf und erinnerte sich daran, dass sie nicht mit Willenskraft meditieren sollte, sondern mit Akzeptanz.

So akzeptierte sie alles, was kam, jeden Gedanken und jedes Gefühl. Sie sträubte sich nicht länger dagegen und schaffte es auf diese Weise, aus dem Chaos aus Gedanken einen ruhigen Fluss werden zu lassen, der schwächer und schwächer wurde.

Auch die Gefühle wurden ruhiger und in ihrem Unterbewusstsein spürte sie, wie das Ungleichgewicht immer mehr nachließ.

Erst jetzt hatte sie die Ruhe, gezielt über alles nachzudenken.

Da waren als erstes die Geschehnisse, die überhaupt dazu führten, dass sie sich zurückgezogen hatte. Der Krieg der Dornen hatte auch ihr vieles abverlangt. Verluste hatten zu Zweifeln und diese zu Unsicherheiten geführt. Sie hatte viele ihrer Untergebenen verloren, doch ihr Großvater hatte Recht. Sie hatten auf ihre Entscheidungen als Kommandantin vertraut und waren ihr gefolgt. Jeder von ihnen hatte gewusst, was passieren konnte. Ihre Verluste waren tragisch und schmerzhaft, doch sie waren bei der Verteidigung der Heimat gefallen. Sie würde die Gefallenen nicht vergessen, aber sie würde loslassen und sich auf die Gegenwart sowie die Zukunft konzentrieren.

Avalora führte ihre Gedanken weiter zu dem nächsten Punkt. Im Zuge des Einsatzes an der Dunkelküste zusammen mit anderen Streitkräften hatte sie fehlerhafte Entscheidungen getroffen und sich auch falsch verhalten. So hatte sie eine feindliche Person getötet, obwohl diese sich ergeben hatte. So im Nachhinein betrachtet, hätte sie den Schwung ihrer Waffe noch stoppen können. Doch aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen – so vermutete sie zumindest – hatte sie sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt. Ihre Unsicherheiten hatten sich vermehrt gezeigt, so dass sie Einsätze nicht wirklich leiten konnte.
Sie dachte über ihr sonstiges Verhalten damals nach. Sie hätte von Anfang an ehrlich sein müssen mit ihren Mitstreitern. Stattdessen hatte sie sich auf Schweigepflichten seitens des Zirkels berufen und somit ihre Mitstreiter gefährdet. Es wunderte sie nicht, dass einige davon anscheinend nicht gut auf sie zu sprechen waren.
Ihre Gedanken gingen zu dem letzten Kampf an der Dunkelküste. Er hätte sie beinahe das Leben gekostet, weil sie sich überschätzt hatte. So vermutete sie zumindest. Doch ganz tief in ihrem Unterbewusstsein stellte sie mit leichtem Erschrecken fest, dass es ihr zu diesem Zeitpunkt egal gewesen war. Sie schüttelte den Kopf über sich selbst. Sie war zwar in der Vergangenheit schon öfters leichtsinnig gewesen, aber nur selten auch lebensmüde. Wer immer sie gefunden und weitestgehend versorgt hatte, hatte ihr das Leben gerettet und ihr somit eine zweite Chance gegeben. Sie würde bei zukünftigen Einsätzen vorsichtiger und vernünftiger sein.

Das brachte sie zum nächsten Gedanken, die Rückkehr ihrer Familie. Anfangs war sie nicht glücklich darüber gewesen, doch sie musste sich eingestehen, dass Arilean, Elyedriel und Cyaerian richtig gehandelt hatten. Mittlerweile war sie froh darüber, dass ihre Familie wieder da und ein Teil der Einheit war.
Sie dachte an die Gespräche mit ihrem Großvater vor Beginn ihrer Reise zurück. Sie war unsicher gewesen, was er von den Umstrukturierungen und der Umbenennung halten würde, doch er war beeindruckt gewesen. Letztendlich war sie froh, dass er wieder den Oberbefehl hatte.

Das brachte sie zum nächsten Punkt. Er wollte sie als seine rechte Hand haben und sie nochmal lehren, was sie wissen musste. Sie vermutete, dass er damit ihre Unsicherheiten ausmerzen wollte. Zudem ging ihr Großvater davon aus, dass sie ihre Ausbildung auf den druidischen Pfaden fortsetzen würde. Wie hatte er gesagt? Niemand würde sie zwingen, das Gelernte auch einzusetzen und diesem Pfad so zu folgen wie andere Druiden. Shan’do Nachttänzer hingegen war der Meinung, dass sie durchaus ihr druidisches Wissen bei zukünftigen Einsätzen einsetzen könnte, um zum Beispiel ihre Leute zu schützen.

Sie selbst hatte jedoch immer noch ihre Zweifel, ob sie würdig war, dem druidischen Pfad zu folgen. Doch dann kamen ihr die Worte der Wildgötter wieder in den Sinn. Sie alle hatten mehr oder weniger davon gesprochen, dass ihre Pflicht noch nicht erfüllt war, sondern dass sie weitermachen sollte. Teils hatten sie ihr sogar nahegelegt, ihre Ausbildung zuende zu bringen, auch wenn sie es nicht so deutlich gesagt hatten.

Auch die Gespräche mit ihrem Shan’do kamen ihr wieder in den Sinn. Als sie ihm gesagt hatte, dass sie die Ausbildung abbrechen wollte, hatte er ihr gesagt, dass es ein Fehler wäre. Er hatte ihr aufgezählt, was sie alles als Adeptin geschafft hatte. Er hatte ihr auch noch einmal vor Augen geführt, was sie während ihrer Prüfungen geleistet hatte. Bei dem Gespräch am Vortag hatte er sie zum Nachdenken gebracht, inwieweit eine druidische Ausbildung ihr als Soldatin helfen konnte und wie sie mögliche weitere Opfer bei unklaren Situationen verhindern konnte.

„Schöpfe Weisheit und Kraft aus der Natur, Avalora“, ertönte die Stimme Aessinas in ihrem Kopf, und der Sichelmond auf ihrer Stirn erwärmte sich.
Avalora wusste instinktiv, dass dies keine Einbildung war. Ihre Schutzpatronin sprach erneut zu ihr. Die Kaldorei legte ihre Hände auf den Erdboden neben sich und fühlte hinein.
„Denke daran, dass du es dir zur Aufgabe gemacht hast, die Natur und das Leben zu beschützen und zu verteidigen. Mit der Hilfe der Natur kannst du diese Verantwortung meistern“, ertönte es erneut in ihrem Kopf.

Avalora spürte, wie sie innerlich vollkommen ruhig wurde, und sie öffnete die Augen.
„Ich weiß nun, was ich zu tun habe“, sagte sie leise und mit einem Lächeln.
Ich diene der Natur und schütze das Leben. Mit meinem eigenen.

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Beitrag von Avalora » Mi 3. Mär 2021, 13:40

Avalora verließ ihren Platz am See von Elune’ara und machte sich auf den Weg zurück nach Nachthafen. Sie wollte unbedingt mit ihrem Shan’do sprechen. Sie fand ihn allerdings nirgendwo.

Avalora seufzte und sprach den nächsten Verteidiger an, auf den sie traf.
„Bruder, wisst Ihr, wo sich Shan’do Nachttänzer momentan aufhält?“
Der Verteidiger überlegte einen Moment lang.
„Er befindet sich in einer Besprechung zusammen mit anderen Erzdruiden. Einige andere Druiden sind wohl auch zugegen, ebenso einige Soldaten des Zirkels“, antwortete er.
„Danke, Bruder“, meinte Avalora, nickte ihm dankend zu und wandte sich zum Gehen.

Seufzend suchte sie sich einen Platz, an dem sie warten wollte. Aus eigener Erfahrung wusste sie, dass solche Besprechungen mitunter Stunden dauern konnten. Anstehende oder bestehende Expeditionen wurden gerne sehr ausführlich besprochen, ebenso die Berichte der Soldaten des Zirkels. Einige Erzdruiden waren bekannt dafür, dass sie gerne alles bis ins kleinste Detail wissen wollten, anstatt sich nur auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das war einer der Gründe, warum sich Avalora angewöhnt hatte, ihre schriftlichen Berichte so ausführlich wie möglich zu schreiben.

Sie setzte sich möglichst bequem hin. Sie würde genau hier an dieser Stelle warten, bis die Besprechung vorüber war. Sie würde schon irgendeine Beschäftigung finden, um die Zeit totzuschlagen.

Stunden vergingen, in denen Avalora wartete und ihren Gedanken nachhing. Es waren verschiedene Begebenheiten, an die sie dachte, vorwiegend an Ereignisse, die sich vor langer, langer Zeit zugetragen hatten. Doch sie dachte auch an die Gegenwart und die Zukunft. Sie hatte Pläne, die sie bereits in Gang gesetzt hatte, und sie hatte Pläne, die sie noch in die Tat umsetzen wollte.

Ihre Ohren zuckten, als die ersten Schritte und Stimmen zu hören waren. Avalora drehte sich um und sah die ersten die Besprechung verlassen. War sie die Stunden vorher noch geduldig gewesen, konnte sie es nun kaum abwarten, ihren Shan’do zu sprechen.

Doch Cyaerian Nachttänzer kam nicht an ihr vorbei, und Avalora verließ seufzend ihren Sitzplatz. Sie wollte sich erneut auf die Suche nach ihrem Lehrer machen. Sie kam allerdings nicht weit. Ein Druidenlehrling trat auf sie zu.
„Schwester Sternenstaub, Shan’do Nachttänzer lässt ausrichten, dass er noch eine Unterredung unter vier Augen hat, Euch aber dann in Eurem Quartier aufsuchen wird“, teilte er ohne Umschweife mit und ließ Avalora dann auch direkt wieder stehen.
Sie sah dem Druidenlehrling mit hochgezogener Augenbraue hinterher und schüttelte dann den Kopf.
Seufzend suchte sie ihr Quartier auf. Das Warten ging also weiter.

Zwei weitere Stunden vergingen, während Avalora wartete. Doch schließlich klopfte es an den Türrahmen, und ihr Lehrer trat ein. Sofort stand Avalora auf und sah ihren Lehrer an.
„Du hattest nach mir gesucht?“, fragte er.
„Ja, das hatte ich“, antwortete sie.
„Da du nicht mehr meditierst, nehme ich an, du hast die Antworten, die du gesucht hast?“, fragte Cyaerian weiter.
Avalora nickte.
„Die habe ich in der Tat, Shan’do“, antwortete sie. „Ich habe während der Meditation über vergangene Gespräche mit Euch, mit den Ahnen und auch mit meinem Großvater. Doch dann vernahm ich die Stimme meiner Schutzpatronin wieder, nur es war keine Erinnerung an ihre Worte im Hyjal. Sie sprach erneut zu mir, während ich meditierte. Hinzu kam, dass sich der Sichelmond auf meiner Stirn erwärmte.“
Cyaerian hob die Augenbraue und sah seine Schülerin nun interessiert an.
„Was sagte sie?“, fragte er.
„Dass ich Weisheit und Kraft aus der Natur schöpfen soll. Ich soll auch daran denken, dass ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, die Natur und das Leben zu beschützen und zu verteidigen. Sie sagte auch, dass ich diese Verantwortung mit der Hilfe der Natur meistern kann“, erzählte Avalora. „Danach fühlte ich mich sehr ruhig.“
Cyaerian nickte leicht.
„Ich verstehe. Und hast du auch schon eine Entscheidung getroffen?“
Avalora sah ihn einen Moment lang verwirrt an.
„Wegen der Ausbildung im Druidentum“, erklärte ihr Lehrer.
„Ach so. Ja, habe ich. Verzeiht, Shan’do.“
„Nun, wie lautet sie?“, fragte Cyaerian und sah sie nun gespannt an.
„Ich werde sie fortsetzen“, antwortete sie.
Cyaerian atmete erleichtert aus.
„Ich kenne da so einige Druiden, denen jetzt ein Stein vom Herzen fallen wird“, sagte er schmunzelnd.
„Ich auch“, ertönte plötzlich eine weitere bekannte Stimme aus dem Hintergrund.
Avalora wandte überrascht ihren Kopf zur Tür, in der nun ihr Großvater erschien.
„Großvater? Was machst du denn hier?“, fragte sie.
„Ich wurde hierher zur Besprechung bestellt“, antwortete Garin mit einem schiefen Lächeln. „Und bevor du fragst, warum ich dich nicht aufgesucht habe: Ich bin erst kurz vor Beginn der Besprechung hier eingetroffen und hörte, dass du meditierst. Da wollte ich dich nicht stören. Außerdem wollte ich dich überraschen.“
Avalora nickte leicht.
„Dein Großvater musste an der Besprechung teilnehmen, da du ja weiterhin vom Dienst freigestellt bist. Danach wollte er noch unter vier Augen mit mir sprechen. Es geht wohl um die Pläne, die du hast in Bezug auf die Einheit“, erklärte Cyaerian.
Avalora sah beide Männer verwirrt und doch ein wenig unsicher an.
„Um meine Pläne?“, hakte sie nach.
„Ja, ich wollte die Meinung des Shan’dos hören, wie er dazu steht. Du hattest in deinen Aufzeichnungen nur eine kleine Randnotiz stehen. Deshalb wusste ich nicht, inwieweit er informiert war“, sagte Garin.
„Du hattest mir ja von deinen Plänen erzählt, und ich stehe nach wie vor hinter ihnen. Es ging jedoch nicht nur darum. Es ging auch um deine Zukunft“, fügte Cyaerian hinzu.
Avalora sah verwirrt von einem zum anderen. Sie verstand gerade gar nichts.
„Meine … Zukunft?“
Die beiden Männer nickten.
„Du wirst noch einige Tage hier auf der Mondlichtung bleiben. Wir wollen sehen, ob dein inneres Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Sollte das der Fall sein, werden wir deinen Unterricht wieder aufnehmen und du wirst zudem wieder diensttauglich sein. Auch werden wir deinen Hausarrest aufheben. Sollte dein inneres Gleichgewicht noch nicht wieder hergestellt sein, wirst du noch länger hier bleiben und weiter meditieren“, erklärte Cyaerian.
Avalora blinzelte leicht und sah erneut beide Männer an.
„Im Falle deiner Diensttauglichkeit kehrst du erst nach Feralas zurück, um dort deinen Dienst wieder aufzunehmen und deinem Großvater zur Hand zu gehen. Ihr habt viel zu besprechen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.“
„Außerdem musst du auch wieder ins Training kommen, nachdem du jetzt so lange Zeit nicht im Dienst warst“, fügte Garin mit einem Augenzwinkern hinzu.
Avalora verzog das Gesicht.
„Du wirst in erster Linie mit mir trainieren“, fuhr er fort. „Vielleicht auch mit Araes und Selenya.“
Avalora verzog erneut das Gesicht.
„Ich fühle mich an meine Rekrutenzeit erinnert“, meinte sie.
„Keine Sorge, mein Kind, so schlimm wird es nicht werden“, beruhigte Garin sie.
„Na hoffentlich“, erwiderte sie.
„Dein Großvater reist morgen zurück nach Feralas. Du hingegen solltest dich ausruhen“, sagte Cyaerian.
Avalora nickte leicht.
„Wir sehen uns dann in Feralas, mein Kind“, sagte Garin, trat näher auf sie zu und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann wandte er sich zum Gehen.
Cyaerian klopfte Avalora kurz auf die Schulter und ließ sie dann ebenfalls allein.
Ich diene der Natur und schütze das Leben. Mit meinem eigenen.

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