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Calithilien
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Beitrag von Calithilien » So 11. Aug 2019, 22:10

Arilean Mondnebel erhob sich seufzend vom Rand des Mondbrunnens. Ihre Befürchtungen hatten sich bestätigt. Sie selbst hatte seit der Rückkehr von Avalora mehrfach versucht, mit dieser zu reden, vor allem, als sie im Lazarett lag. Doch schnell hatte sie feststellen müssen, dass Avalora nicht reden wollte. Sie wollte noch nicht einmal im Lazarett bleiben. Dieses Mal ließ sie sich auch nicht zur Vernunft bringen.

Shan’do Nachttänzer hatte der Mondpriesterin eine Nachricht zukommen lassen, in der auch er seine Besorgnis über den Zustand der Kommandantin mitteilte. Zugleich hatte er eine Bitte geäußert. Diese Bitte wollte Arilean nun der Person vortragen, die die Möglichkeiten dazu hatte.

Die Mondpriesterin atmete tief durch und strich ihre Robe glatt. Dann machte sie sich auf den Weg zu den Quartieren. Tatsächlich fand sie die gesuchte Person dort, Calithilien Sturmfeder.

Die zivile Beraterin für magische Angelegenheiten und Avaloras Tante mütterlicherseits saß nachdenklich über einem Buch, als Arilean auf sie zutrat.
„Schwester Sturmfeder, habt Ihr einen Moment für mich?“, fragte die Priesterin direkt.
Calithilien sah auf und erhob sich dann, um sich vor Arilean zu verneigen.
„Natürlich, Hoheschwester. Was kann ich für Euch tun?“
„Wir benötigen Eure Fähigkeiten als Magierin. Wir wissen in Bezug auf Avalora nicht mehr weiter.“
Calithilien nickte seufzend.
„Sie lässt noch immer niemanden wirklich an sich heran, nicht wahr?“
„Leider nein. Selbst ihren Säbler nicht, und der war, wie Ihr wisst, unsere Hoffnung. Allerdings ist Shan’do Nachttänzer auf eine andere Idee gekommen. Genau dafür brauchen wir Eure Fähigkeiten. Würdet Ihr einen Suchzauber wirken?“
„Wen oder was soll ich finden?“, fragte Calithilien nur.
„Die Familie der Kommandantin“, antwortete Arilean und zögerte einen Moment. „Und auch die Eure. Euren Vater und Euren Bruder.“
Calithilien erstarrte einen Moment, atmete dann tief durch und nickte schließlich.
„Wenn es meiner Nichte hilft, sie alle um sich zu haben, dann soll es so sein. Ich werde die entsprechenden Vorbereitungen treffen und dann den Zauber wirken. Allerdings kann es dauern, bis so ein Zauber ein Ergebnis liefert, wenn man das Suchgebiet nicht eingrenzen kann.“
„Leider wissen wir nicht, wo genau sich die einzelnen Personen aufhalten. Sobald Ihr jedoch Ergebnisse habt, setzt mich davon bitte in Kenntnis.“
„Natürlich, Hoheschwester“, sagte Calithilien und neigte ihr Haupt.
Arilean nickte zufrieden.
„Viel Erfolg, Schwester Sturmfeder“, sagte sie mit einem aufmunternden Lächeln und ließ die Magierin dann allein.

Calithilien atmete tief durch. In Bezug auf ihre eigene Familie tauchten unschöne Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit auf. Doch ihrer Nichte zuliebe schob sie sie beiseite und machte sich daran, alles für den umfangreichen Suchzauber vorzubereiten, den sie am nächsten Tag wirken wollte.

Schon früh war Calithilien nach einigen Stunden Schlaf auf den Beinen. Sie wollte so zeitig wie möglich mit dem Zauber anfangen. Als Hilfsmittel dienten ihr eine ausgebreitete Karte von Azeroth und ein an einer Halterung befestigtes Pendel, welches über der Karte schwebte. In Griffweite lagen ein Stück Pergament und ein Stift, um die jeweiligen Aufenthaltsorte zu notieren.

Calithilien setzte sich an den Tisch, schloss einen Moment lang die Augen und konzentrierte sich. Dann sprach sie die Zauberformel und fügte den Namen der Person ein, die sie finden wollte. Sie würde die Formel für jede Person neu sprechen müssen. Als sie den Zauber aktiviert hatte, öffnete sie die Augen wieder, sah auf das Pendel und die Karte und wartete.

Nur langsam setzte sich das Pendel in Bewegung. Erst schwang es im Kreis, als könnte es sich noch nicht entscheiden. Dann begann es, langsam auszuschlagen. Es zeigte in Richtung Kalimdor. Deshalb schob Calithilien die Karte so unter das Pendel, dass nur Kalimdor unter ihm lag.

Es verging einige Zeit, bis das Pendel den ersten Aufenthaltsort gefunden hatte, und Calithilien notierte Namen und Ort, ehe sie die Karte wieder komplett unter das Pendel schob und den nächsten Suchzauber wirkte.

Stunden vergingen, doch schließlich hatte Calithilien alle Personen gefunden, die gefunden werden sollten.

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Avalora
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Zeit des Wartens

Beitrag von Avalora » Mo 30. Sep 2019, 20:25

Es vergingen einige Tage, doch dann kehrten die ausgesandten Späher zurück und erstatteten Arilean Mondnebel Bericht. Diese wiederum informierte Calithilien Sturmfeder und Elyedriel Herbstlaub. Die Späher waren erfolgreich gewesen und hatten die Nachrichten überbringen können. Sofort schickte Arilean einen Boten zur Mondlichtung, um dort Cyaerian Nachttänzer Bericht zu erstatten.

Die Zeit des Wartens nutzten Arilean, Calithilien und Elyedriel, um abwechselnd ein Auge auf die Kommandantin zu werfen und zu versuchen, die von Elyedriel mitgebrachten Geschenke und Nachrichten an diese zu übergeben. Jedes Mal wurden sie fortgeschickt, bis sie schließlich resignierten und die Geschenke und Nachrichten in das Quartier ihrer Kommandantin brachten. Sie beschränkten sich deshalb nur noch aufs Beobachten, da sie sich weiterhin Sorgen machten.

Auf der Mondlichtung wartete auch Cyaerian Nachttänzer, vor allem nachdem er den Bericht der Mondpriesterin erhalten hatte.
Ich diene der Natur und schütze das Leben. Mit meinem eigenen.

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Zusammenkunft auf der Mondlichtung

Beitrag von Avalora » Mi 9. Okt 2019, 17:14

Schon einige Tage später hatte zumindest das Warten auf der Mondlichtung ein Ende. Nach und nach trafen die Empfänger der Nachrichten ein: Garin Sternenstaub, Araes Sternenstaub, Selenya Sternenstaub sowie Thoraen Dämmerklinge und Aydryn Dämmerklinge.

Cyaerian bestellte sie alle zu sich an einen abgeschiedenen Ort außerhalb von Nachthafen.
„Also, warum sollten wir hierher kommen?“, fragte Thoraen direkt. „Die Nachricht war ja sehr vage gehalten.“
Cyaerian sah erst ihn, dann Aydryn und schließlich Garin, Araes und Selenya an.
„Es geht um Avalora“, begann Cyaerian ernst und berichtete ihnen dann in allen Einzelheiten, was seit der Trennung der Familie geschehen war. Vor allem konzentrierte er seinen Bericht auf die Geschehnisse des Kriegs der Dornen und allem, was sich danach zugetragen hatte.
Die fünf Kaldorei hörten ihm mit besorgten und zugleich ernsten Mienen zu.
Schließlich endete Cyaerian und sah die fünf nacheinander an. Eine unangenehme Stille herrschte gerade vor, die geradezu erdrückend war.
Garin wechselte einen Blick mit den anderen, ehe er das Schweigen brach.
„Ich fasse zusammen: Meine Enkelin hat im Krieg der Dornen die Hälfte ihrer Leute verloren und war an der Evakuierung Teldrassils beteiligt. Seitdem war sie traumatisiert. Richtig?“
Cyaerian nickte als Bestätigung.
„Daraufhin hat sie in Sturmwind um Unterstützung ersucht, um in Dunkelküste bei der Rückeroberung zu helfen. Diese Unterstützung wurde ihr von mehreren Seiten gewährt und man brach schließlich auf. Im Verlauf dieser Mission traf sie einige Fehlentscheidungen und verhielt sich nicht so, wie man es von ihr erwarten würde. Gegen Ende der Mission traf sie eine fatale Fehlentscheidung, die sie beinahe das Leben gekostet hätte, während der Rest die Rückreise antreten konnte?“, fuhr Garin fort.
Erneut nickte Cyaerian.
Garin atmete tief durch.
„Wo ist sie jetzt?“
„In Feralas“, antwortete der Erzdruide knapp.
„Hat jemand ein Auge auf sie?“, fragte nun Selenya.
„Schwester Mondnebel in erster Linie, aber auch alle anderen vor Ort. Doch niemand findet Zugang zu ihr. Sie schickt wohl alle fort, die einen Versuch wagen, sich ihr zu nähern. Selbst ihren Säbler hat sie fortgeschickt. Niemand findet Zugang zu ihr. Sie ist verschlossener denn je und zieht sich mehr und mehr zurück.“
Garin rieb sich über die Nasenwurzel.
„Ich sehe, die Lage ist sehr ernst. Das erklärt, warum wir hierher kommen sollten“, sagte er und sah dann Selenya, Araes, Thoraen und Aydryn einen Moment lang an. Sie alle nickten ihm zu.
Garin wandte sich an Cyaerian.
„Shan’do, wir werden sofort nach Feralas aufbrechen.“
Cyaerian nickte.
„Das habe ich vermutet. Nur eines noch: Seid Ihr bereit, den Dienst wieder aufzunehmen und Eure alten Positionen zu besetzen?“
Erneut wechselte Garin einen Blick mit seinen Kindern, ehe er Cyaerian wieder ansah.
„Wir sind bereit. Allerdings habe ich dazu eine Anmerkung.“
„Nur zu“, meinte Cyaerian.
„Uns ist durch Euren Bericht bewusst, dass Avalora sehr viele und teils auch schwerwiegende Fehler begangen hat. Uns ist auch bewusst, dass sie dafür die Konsequenzen wird tragen müssen. Dennoch bitte ich als ihr Großvater darum, ihr zumindest in Feldeinsätzen das Kommando zu lassen. Meine Kinder werden alle Hände voll mit den Soldaten zu tun haben, die ihnen unterstehen werden. Ich selbst werde nicht mehr zu allen Einsätzen ausziehen können. Die Zeiten sind für mich vorbei. Ich werde mich nicht weigern, sollte es erforderlich sein. Doch die Einheit in ihrer jetzigen Form ist allein Avaloras Verdienst, und das sollte berücksichtigt werden. Würdet Ihr sie vollständig des Kommandos entheben, wie es nach solchen Fehlentscheidungen sein müsste, dann wird alles umsonst gewesen sein. Selbst unsere Anwesenheit würde dann nichts bringen. Wir würden Avalora verlieren, und zwar endgültig“, sagte Garin und seine Kinder Selenya und Araes nickten.
Cyaerian sah erst die drei nachdenklich an und dann Thoraen und Aydryn. Auch deren Blicken waren ernst, als sie zu Garins Worten nickten.
„Auch wenn wir zu Avalora nie das Verhältnis hatten wie Garin, Selenya und Araes, so können wir das nach unserem Kenntnisstand nur bestätigen“, meinte Thoraen.
Cyaerian dachte einige Momente darüber nach und nickte dann ganz langsam.
„Nun gut. Nichtsdestotrotz werdet Ihr wieder in die Dienste des Zirkels aufgenommen und in Eure ursprünglichen Ränge und Positionen erhoben. Wie Ihr das innerhalb der Einheit regelt, Garin, überlässt der Zirkel Euch“, sagte er schließlich. „Was die Bestrafung von Avalora angeht: Wir haben beschlossen, dass sie nicht des Kommandos enthoben wird. Ihre Fehler geschahen, weil ihr inneres Gleichgewicht so sehr aus den Fugen geraten ist, dass es ihr Urteilsvermögen und ihre Entscheidungen beeinflusst hat. Allerdings haben wir auch beschlossen, dass sie eine Weile so eine Art Hausarrest erhalten soll. Sie kann sich innerhalb des Kontinentes Kalimdor frei bewegen, jedoch ist es ihr untersagt, in die Östlichen Königreiche zu reisen. Die Leitung des Außenpostens haben wir erst einmal Elyedriel Herbstlaub sowie Sírdhemiel Wildpfeil als Stellvertreterin übertragen.“
Garin atmete tief durch und nickte dann.
„Danke, Shan’do. Was Avaloras Zustand betrifft: Ich denke, niemanden hätte das kalt gelassen, was sie durchlebt hat. Avalora war schon immer sehr herzlastig. Dass sie sich zurückzieht, ist unsere Schuld. Wir hätten für sie da sein müssen.“
„Niemand gibt Euch die Schuld“, widersprach Cyaerian. „Geschehen ist geschehen. Jedoch habe ich die Hoffnung, dass sich jetzt alles ändern wird. Was mich auf etwas anderes bringt.“
Er sah zu Thoraen und Aydryn.
„Ihr wisst, wer noch vor Ort ist?“, fragte er.
„Calithilien“, antwortete Thoraen mit einem leichten Nicken. „Wir wussten es schon länger.“
„Mein Vater und ich sind wohl endlich vernünftig geworden, denn eine Versöhnung mit meiner Schwester ist wohl längst überfällig“, ergänzte Aydryn.
Cyaerian nickte.
„Ich bin froh, das zu hören. Es ist Calithilien zu verdanken, dass wir Euch gefunden haben. Allerdings frage ich Euch: Wie sieht Eure Zukunft aus? Einst wart auch Ihr im Dienste des Zirkels.“
„Wir würden wieder in seine Dienste treten und uns der Einheit anschließen, sofern Garin nichts dagegen hat“, erwiderte Thoraen und sah von Cyaerian zu Garin.
„Ich habe nichts dagegen, und ich bin sicher, auch Avalora hätte nichts dagegen“, sagte dieser.
„Dann wäre das auch geklärt. Sehr gut“, sagte Cyaerian zufrieden. „Es gibt jedoch noch etwas, was Ihr alle wissen solltet: Avalora hat ihre druidische Ausbildung abgebrochen. Doch nach allem, was ich über ihr Tun an der Dunkelküste hörte, wäre das fatal.“
Alle sahen ihn fragend an.
„Ich erkläre es Euch: Mit der Hilfe einer Lichtwirkerin hat sie eine große Gruppe Furbolgs von ihrem rasenden Zorn befreit und das Blut aus dem Schlachtfeld gezogen. Dort, wo Avalora den Boden berührte, wuchs eine blutrote Blume, umgeben von einem Flecken Gras. Die Natur ist nach Berichten anderer Druiden dort stärker und wird besser heilen. Später hat sie einer anderen Lichtwirkerin geholfen, den Fluch eines Schattenjägers von einer anderen Person zu nehmen, in einer Felshöhle.“
Garin, Selenya, Araes, Thoraen und Aydryn sahen Cyaerian ungläubig und mit jeweils hochgezogener Augenbraue an.
Cyaerian schmunzelte kurz.
„Wir haben hier alle so geschaut wie Ihr gerade, als wir davon hörten. Doch Ihr versteht nun sicher, warum Avalora die Ausbildung unbedingt fortsetzen sollte.“
Die fünf nickten.
„Ich werde dafür sorgen, dass sie es sich anders überlegt“, sagte Garin entschlossen.
„Danke. Aber Ihr solltet aufbrechen“, meinte Cyaerian.
Garin sah mit einem vielsagenden Blick zu Araes und Selenya und die beiden nickten verstehend.
„Wir bereiten alles vor“, sagte Selenya und winkte die anderen mit sich.



Cyaerian und Garin sahen den anderen hinterher. Erst als sie in einiger Entfernung war, sah Cyaerian Garin erwartungsvoll an.
„Was kann ich für dich tun, alter Freund?“, fragte er und wechselte zur vertraulichen Anrede, denn er ahnte irgendwie, dass es eher ein privates Gespräch werden würde.
„Ich wollte mich bei dir bedanken, alter Freund“, antwortete Garin.
Cyaerian sah Garin verwirrt an.
„Wofür?“, fragte er.
„Dafür, dass du dich meiner Enkelin angenommen hast und für sie wie ein Vater bist.“
„Woher weißt du das?“, fragte Cyaerian erstaunt.
„Ich habe meine Quellen“, antwortete Garin.
„Verstehe“, meinte Cyaerian schmunzelnd. „Ich werde es auch weiterhin sein, sofern sie es will und sofern es für dich auch in Ordnung ist.“
„Das ist es. Es wird Zeiten geben, in denen ich nicht zu ihr durchdringen werde. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich jetzt zu ihr durchdringen werde. Du weißt, wie stur sie sein kann.“
„Garin, das liegt bei euch in der Familie“, meinte Cyaerian trocken und mit einem vielsagenden Blick.
Garin nickte ganz langsam.
„Ja, das ist wahr“, meinte er. „Ich werde nichts unversucht lassen.“
„Halte mich auf dem Laufenden.“
„Das werde ich. Ich werde dann jetzt auch aufbrechen. Auf dann, alter Freund.“
„Auf dann, Garin. Sichere Reise und viel Erfolg.“
Garin neigte sein Haupt und schloss zu den anderen auf. Nur wenig später brachen sie nach Feralas auf.
Ich diene der Natur und schütze das Leben. Mit meinem eigenen.

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